15
Apr 2012

Wortvogel im brandaktuellen Religionsstreit: Mittendrin statt nur dabei

Themen: Neues |

Abteilung "Ich und meine große Klappe"…

Nur wenige Leser werden sich noch erinnern: Vor mittlerweile fast fünf Jahren schrieb ich einen Artikel über den in meinen Augen misslungenen SPIEGEL-Titel zu den "neuen Atheisten". Daraus entspannte sich eine lebhafte und textlastige Diskussion, in der ich an mehreren Stellen meine eigene Einstellung zur Gott-Frage präzisierte. Im Anschluss an ein paar konkrete Thesen ging es mir darum, auch zu verdeutlichen, dass Atheisten durchaus ein Gefühl für Schönheit, Liebe und Natur besitzen (sie werden ja gerne als kalt und kopfgesteuert dargestellt).

In der Folge schrieb mich eine Dame an, ob sie einen Ausschnitt dieses Kommentars verwenden dürfe, weil er etwas klar artikuliere, was wohl viele Menschen denken. Ich gab die Erlaubnis mit der Bitte, mich klar als Autor zu vermerken.

Lange her. Hatte ich schon völlig vergessen.

Nun gibt es ja aktuell das Problem mit den Salafisten, die eine deutsche Übersetzung des Koran verteilen. Ich würde das unter "religiöse Freiheit" abhaken, aber die Salafisten sind nicht gerade moderate Moslems – und meine Meinung zum Thema Fanatismus ist hinlänglich bekannt. Ich finde auch, dass die Headline ihrer Plakate angenehm missverständlich daher kommt:

Wie dem auch sei, gestern ging es in Berlin zur Sache, als die Salafisten sich auf dem Potsdamer Platz an die Verteilung machten. Es gab Gegenproteste, der STERN führte ebenso Interviews wie die "Tagesschau", zwischen den Gruppierungen kam es zu hitzigen Diskussionen.

Und wie es scheint, fand dabei ein Flugblatt regen Absatz:

Man beachte bitte: es ist ein Text nicht gegen den Islam, auch nicht gegen die christliche Kirche – es ist ein Text gegen die behauptete Notwendigkeit Gottes als Mittelpunkt eines ausgefüllten und glücklichen Lebens.

Dieser Ausschnitt reduziert meine im ursprünglichen Kommentar-Strang zum Artikel geäußerten Thesen auf einen etwas melodramatisch-naiven Kern, aber auch kontextfrei stehe ich dazu. Und das zählt.

Das Logo in der Ecke wurde zwar ohne meine Erlaubnis, aber nachträglich durchaus mit meinem Wohlwollen hinzu gefügt:

Der Vollständigkeit halber möchte ich auch noch explizit sagen, dass ich mich von allen über diesen Text herausgehenden politischen oder religiösen Ansichten, die mit der Verteilung des Flugblattes verbunden sind, mangels Kenntnis distanziere.

Tja, da wollte ich mich aus dem Glaubensstreit mal raus halten – und prompt sind meine Gedanken stellvertretend vor Ort. Wäre gelacht, wenn das nicht wieder Ärger gibt. Ich weiß noch nicht, wie und wieso. Aber es wäre gelacht…



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Dennis M.
Dennis M.
15. April, 2012 12:22

Hier fehlt der "Teilen auf facebook"-Button. 😉

DMJ
15. April, 2012 12:42

Es ist aber schon etwas ironisch, dass ein Auszug aus einem Artikel, der sich über die Behauptung beschwert, der Atheismus habe einen intoleranten fanatischen Flügel, nun von einer Gruppe verwendet wird, die "befreite Zonen" fantasiert. 😉

Peroy
Peroy
15. April, 2012 12:52

Jämmerlich.

Dietmar
Dietmar
15. April, 2012 15:02

Großartig!

Karsten
Karsten
15. April, 2012 19:26

"Heidenspass statt Höllenqualen".. den Spruch würde ich gerne als Lebensweisheit in mein Facebook Profil übernehmen, aber ich glaube, dann fühlen sich einige Menschen, die ich kenne, etwas angegriffen.. ^^

Der Text gefällt mir übrigens auch sehr gut. In Duisburg habe ich von den Koran-"Spenden" noch nichts mitbekommen, aber ich war auch ein paar Tage nicht mehr in der Innenstadt.

Peroy
Peroy
15. April, 2012 19:36

"“Heidenspass statt Höllenqualen”.. den Spruch würde ich gerne als Lebensweisheit in mein Facebook Profil übernehmen, aber ich glaube, dann fühlen sich einige Menschen, die ich kenne, etwas angegriffen.. ^^"

Mit Recht, der hat auch in etwa die Qualität von österreichischen Wahlkampfsprüchen wie "Heimatliebe statt Marokkaner-Diebe"…

Robert
15. April, 2012 20:52

Hi Wortvogel,

mal offtopic:
wenn man bei dir was sucht(zb: x men) erscheinen in der Suche Schnipsel noch unveröffentlichte Beiträge: Nazis in 3D …. oder B-Film Basterds…
nicht das mich das stören würde, ich freu mich über neues Zeug, aber da man es dann doch nur in der Übersicht hat, sag ichs doch 😉

Wortvogel
Wortvogel
15. April, 2012 21:39

@ Robert: Ja, das muss ich mal umstellen lassen. Danke, dass du mich dran erinnerst.

Werner
Werner
15. April, 2012 21:51

Das Leben ist ein Heidenspaß, für Christen ist’s das nicht. (Wolfgang Ambros)

Karl Toffel
Karl Toffel
15. April, 2012 22:22

"Der edle Quran auf deutsch." Hoffentlich fehlerfreier als das.

Achim
Achim
15. April, 2012 22:28

Nun, ich bin zwar noch immer eingetragenes Mitglied bei den Katholen, aber von ganzem Herzen ohne Religion.
Ohne Religion bin ich kein Heide, Heiden sind Menschen, die eine Religion praktizieren, ALLE, gleichberechtigt.
Ich mag Atheisten ohne einer zu sein, ich bin Agnostiker, nicht wie I. Assimow sich mal als einer bezeichnete, ich bin einer.

Albert Einstein sagte einmal, alles sei Energie, das sei nicht seine Meinung, das sei reine Physik.
Und es stimmt, alle Materie besteht aus energetisch geladenen Teilchen.

Und mal ehrlich, Energie mit einem Bewusstsein, das ist doch einfach lächerlich, schon der Gedanke daran. Schon Gedanken an sich sind lächerlich.
Der Glaube an eine Weiterexistenz nach dem Tod ist auch nicht lächerlicher, ebensowenig die Annahme, es könnte einen Gott geben.

Thies
Thies
16. April, 2012 00:03

Zum Thema religiöse Fundamentalisten hat mein derzeitiger Lieblings-Comedian Marc Maron auch etwas zu sagen:
http://www.youtube.com/watch?v=1hYa63aN7kc

gerrit
gerrit
16. April, 2012 00:28

Find das sehr gut, dass sie gross draufschreiben, was drin ist: Lügen.

Heidenspass statt Höllenqualen hab ich als FB-Profilfoto, und prompt gab es Ärger mit einer Nichte. Sie ist Ministrantin in Bayern, und verwechselte unsere Toleranz mit Frömmigkeit. "Entfriendet".

Nikolai
Nikolai
16. April, 2012 08:29

"Energie mit einem Bewusstsein, das ist doch einfach lächerlich,"

Eine Kopplung von Magnet/Energiefeldern wäre eine Kreatur, die in der Evolution sehr weit vorrangeschritten ist.

Das wäre nicht lächerlich, es wäre….anders.

Jan
Jan
16. April, 2012 11:39

Ist eines der Mottos der Giordano Bruno Stiftung wenn ich nicht irre… wurde auch sehr schön von Philipp Möller in Szene gesetzt, hier glaube ich http://www.youtube.com/watch?v=OMsTc26wUfg

@Peroy:
"Mit Recht, der hat auch in etwa die Qualität von österreichischen Wahlkampfsprüchen wie “Heimatliebe statt Marokkaner-Diebe”…"

Inwiefern genau? An welcher Stelle diffamiert "Heidenspass statt Höllenqualen" eine Minderheit als kriminell, so wie Du unterstellst?

Wortvogel
Wortvogel
16. April, 2012 11:42

@ Jan: Ich kannte die Verbindung zur Giordano-Bruno-Stiftung, wollte das aber nicht explizit machen, um niemandem auf die Füße zu treten.

Ich sehe das "Heidenspass statt Höllenqualen" auch eher als launigen Spontispruch denn als Beleidigung. Aber Peroy will halt spielen.

Peroy
Peroy
16. April, 2012 13:08

"Inwiefern genau? An welcher Stelle diffamiert “Heidenspass statt Höllenqualen” eine Minderheit als kriminell, so wie Du unterstellst?"

Wo unterstelle ich das ? Klingen halt beide, als wären sie dem Verfasser innerhalb von fünf Minuten auffem Klo beim Kacken eingefallen…

Da, kann ich auch: "Bier in Dosen statt Lederhosen"…

Jan
Jan
16. April, 2012 15:41

@Wortvogel: Verstehe, na dann Glückwunsch zu Deinen neuen Fans 😉

@Peroy: Du sagst Karstens Facebook-Kontakte würden sich zu recht angegriffen fühlen, würde er diesen Spruch in sein FB-Profil übernehmen, weil es die gleiche Qualität hat wie ein Satz, der Marokkanern allgemein einen Hang zum Diebstahl andichtet. Und das ist Blödsinn.

Der Wahlkampfspruch ist ziemlich fragwürdige Zündelei am rechten Rand, das andere harmlose Blödelei. Wer sollte sich bitte von "Heidenspass statt Höllenqualen" angegriffen fühlen? Und wieso überhaupt? Fühlst Du Dich davon angegriffen?

Peroy
Peroy
16. April, 2012 15:59

"@Peroy: Du sagst Karstens Facebook-Kontakte würden sich zu recht angegriffen fühlen, würde er diesen Spruch in sein FB-Profil übernehmen, weil es die gleiche Qualität hat wie ein Satz, der Marokkanern allgemein einen Hang zum Diebstahl andichtet. Und das ist Blödsinn.

Der Wahlkampfspruch ist ziemlich fragwürdige Zündelei am rechten Rand, das andere harmlose Blödelei. Wer sollte sich bitte von “Heidenspass statt Höllenqualen” angegriffen fühlen? Und wieso überhaupt? Fühlst Du Dich davon angegriffen?"

Ich fühle mich davon belästigt.

Jan
Jan
16. April, 2012 18:30

o_O

im Ernst jetzt? Weil es Position in Punkto Glauben bezieht? Oder weil es nicht Deine Glaubensansicht vertritt? Fühlst Du Dich auch von Bannern in der U-Bahn belästigt auf denen "Jesus liebt Dich, tritt Gottes Armee bei" steht?

Peroy
Peroy
16. April, 2012 19:00

"im Ernst jetzt? Weil es Position in Punkto Glauben bezieht? Oder weil es nicht Deine Glaubensansicht vertritt?"

Nö, es belästigt mich auf dieselbe Art, wie es die Serie "How I met your mother" tut. Oder Romane von Sebastian Fitzek. Oder Songs von Nickelback. Oder österreichische Wahlwerbesprüche, die sich einer in fünf Minuten auf dem Klo hat einfallen lassen.

Howie Munson
Howie Munson
16. April, 2012 19:24

@Peroy: überlese es doch einfach…. *duck*

@Jan: Peroy findet das der Spruch nicht originell und lehrreich genug ist, um auf einer Facebookeite Publikumswirksam präsentiert zu werden… (ja, ganz sicher würde er nicht diese Wörter wählen, aber seine bisherigen Bewertungen kamen ja nicht in der gewünschten Intention an… *weg*)

Jan
Jan
17. April, 2012 12:40

@Howie: Danke für die Übersetzung 😉 Wie niedlich…

trackback

[…] müssen das wieder andere übernehmen. Dass dazu die Bruno Giordano-Stiftung gehört, wundert mich nicht. Der Kampf gegen kirchlichen Irrglauben ist schließlich deren Mission. Wohl wundern darf ich mich […]