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Mrz 2012

Wortvogels wirre Welt zum Wochenende

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Es ist mal wieder an der Zeit, ein paar krude Schnappschüsse von meinen Reisen in die Welt zu präsentieren.

Fangen wir mit Hamburg an, wo ich feststellen musste, dass der Begriff "Service" vergleichsweise breit und sympathisch ausgelegt werden kann:

Prost!

Der gleiche Laden hat eine nicht minder kuriose Definition von "Comics":

Dass "John Sinclair" seine besten Zeiten lange hinter sich gelassen hat, wurde hier ja schon mehrfach festgestellt. Auch bei den Titeln der langlebigen Gruselreihe ist das mittlerweile schmerzhaft offensichtlich:

Für das nächste Foto muss ich etwas ausholen. 1993 oder 1994 war es, da strahlte Premiere das "Hard & Heavy"-Comedy-Festival aus, so eine Art Vorläufer des "Quatsch Comedy Club". Da wurde ich erstmals Monty Arnolds und Thomas Herrmanns ansichtig. Musik kam von Lüde & Die Astros. Einer der Comedy Acts war eine Metalband im Kiss-Stil, die mächtig abrockte, sich aber im folgenden Interview als Truppe von weichgespülten Pussys enttarnte. So stellte sich der Leadsänger IIRC folgendermaßen vor: "Ich bin der Gerd, ich arbeite als Soziologielehrer und hab' einfach unheimlich Spaß am Rollenspiel". Die heiße Rockmaus der Band entpuppte sich als Eso-Besitzerin eines Textilgeschäfts mit dem Namen "Woll-Lust".

Vorspulen bis 2012. Ich hab’s gefunden – in Rosenheim:

Ebenfalls in Rosenheim machte mich dieser Anblick nostalgisch:

Sieht man immer häufiger – und dementsprechend bald immer weniger. Bevor die Abrissbirne kommt, habe ich eine der Türen aufgestemmt, um einen Blick in den alten Kinosaal werfen zu können:

Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei: In München macht eine der besten Videotheken der Welt, die "Film-Passage" in der Nähe vom Isartor, demnächst dicht. Mann, habe ich mir da in den 90ern obskure Streifen, manchen Klassiker und viele Filme im Original ausgeliehen.

Wo wir gerade beim Thema Film sind – heute habe ich bei der Metro eine echte 3 Euro-Perle erstanden:

Zuerst dachte ich: "Wow, ein Roy Scheider-Film, den ich nicht kenne?". Dann stellte ich fest, dass der Hauptdarsteller August Zirner ist, die Nemesis von Heike Makatsch in meinem "Dr. Hope". Wie es aussieht, handelt es sich bei "Wahre Liebe" um einen TV-Film von 1992, gedreht von einer Regisseurin, die Kitty Gschöpf heißt, sich aber sensationellerweise "Kitty Kino" nennt. Die Bilder auf dem DVD-Cover versprechen granatenmäßiges Entertainment im Stil der üblen 80er:

Review liefere ich nach – versprochen (oder angedroht)!

Ich frage mich, ob bei dem folgenden Beispiel zwei Kinoplakat-Kleber einen Konflikt ausgetragen haben oder eines der Plakate bloß zur Hälfte vorhanden war – vielleicht war aber einfach auch nur Feierabend:

Im Flieger von Hamburg zurück nach München habe ich das "AirBerlin-Magazin" nur gelesen, um festzustellen, ob sich nach dem Rausgang des Chefs was geändert/verbessert hat. Die "Cartoons" lassen darauf schließen, dass Herr Mehdorn für diese Baustelle noch keine Zeit hatte:

Was daran komisch sein soll? Gar nix. Es soll nur die Partnerschaft zwischen der AirBerlin und einer anderen Luftlinie grafisch umsetzen. Beides zusammen geht ja wohl nicht.

Der Rest der Postille ist wie gehabt – unkomisch, uninteressant, anbiedernd, fade. Bestes Beispiel diese (wohl ebenfalls humorig gemeinte) "Glosse":

Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll. Abgesehen davon, dass es sich hier um einen normalen, teilweise vom Autor vergeigten Service-Vorgang handelt, steigert sich die Geschichte einfach nicht in einem ausreichend nennenswerten Maße, um eine ganze Seite zu rechtfertigen. "Mit niederschmetterndem Erfolg" ergibt keinen Sinn, das Zeitalter der "modernen Kommunikation" ist bei den Hotlines schon über 50 Jahre alt – und der männliche Autor "Peter Westen" hat also seine "Handtasche" verloren? Dass die öde Nummer keine Pointe hat, ist Ehrensache.

Die schärfsten Sachen zieht man aber immer noch nicht aus der Sitztasche im Flieger, sondern aus dem Briefkasten. Gestern zum Beispiel das hier:

Daraufhin musste ich natürlich erst mal recherchieren, wer dieser Bruno Gröning ist bzw. war. Es handelt sich dabei um einen Wunderheiler der Nachkriegszeit, dessen immer noch vorhandene Anhänger laut Wikipedia unchristlich zerstritten sind:

1958 gründete Bruno Gröning, da es mit den bisherigen Freundeskreisen zu Spannungen kam, den "Verein zur Förderung seelisch-geistiger und natürlicher Lebensgrundlagen in Deutschland e. V.". Dieser Verein besteht noch heute. Von ihm spaltete sich 1979 der Bruno-Gröning-Freundeskreis ab, der vereinsrechtlich als „Kreis für geistige Lebenshilfe e.V.“ eingetragen ist.

Vom Bruno-Gröning-Freundeskreis trennte sich der "Informationskreis: Leben und Lehre Bruno Grönings e. V.". Der Trennungsgrund war nach eigenen Angaben des Informationskreises der Beschluss des Bruno-Gröning-Freundeskreises – um auch Moslems den Zugang zu Grönings Lehren zu erleichtern – alle Passagen aus Grönings Vorträgen zu streichen, in denen er über Christus sprach und sich zu Christus und seiner Lehre bekannte. Der Informationskreis lehnt auch entschieden den Personenkult um Gröning ab.

Unabhängige Gröning-Gemeinschaften, die keiner der obigen Organisationen angehören, gibt es außer in Deutschland auch in Dänemark, Österreich, Spanien und Australien.

Dem SPIEGEL war Gröning anno 1959 einen recht hämischen Nachruf wert: "Sein Leben war die Antwort auf die Frage, was die Aufklärung an uns vermocht habe. Sie hat fast gar nichts vermocht."

Ein echter Knaller ist auch das Flugblatt, das diesem Zettel beilag:

"Medizinisch beweisbar". Aha. "Medizinisch bewiesen" hätte ich einen Tacken überzeugender gefunden. Meine Lieblingsstelle zweifellos: "Heilungen auch während des Films". Demnach konnte nicht nur Gröning Menschen heilen – auch die Dokumentation über ihn leistet Wundersames!

Und damit lasse ich es gut sein. Geht raus, was spielen. Ist Sonntag.



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OnkelFilmi
OnkelFilmi
11. März, 2012 08:48

Hast Du nicht schonmal was über Gröning geposted? Das kommt mir arg bekannt vor. Hmm, egal. Ich geh erstmal schlafen. Nacht!

Baumi
Baumi
11. März, 2012 08:54

Was mich an dem Flugblatt am meisten anpisst, sind Phrasen wie "der Glaube an das Gute ist [für die Heilung] ebenso Voraussetzung wie der Wille zur Gesundheit". Das heißt doch übersetzt nix anderes als: Selber schuld, wenn du nicht gesund wirst. Du willst es eben nicht genug.

So eine "Philosophie" unheilbar Kranken als Rettung vorzusetzen, finde ich echt eklig.

Achim
Achim
11. März, 2012 14:39

Und Martin Wuttke gibt sich dafür her, den Görning zu spielen?

Viele Schauspieler verdienen wohl wirklich sehr wenig Geld.

Oder ist das nicht der vom Leipziger Tatort?

gerrit
gerrit
11. März, 2012 15:35

Laut der vom Vogel angegeben Internet-Präsenz hören die Darsteller auf die Namen
Klaus-Dieter Fischer, Thomas Eich, Eberhard Jansen.
Martin Wuttke kenne ich nicht, aber bevor ich mich in Hass reinsteigere auf jemanden, der auch nur seine Miete zahlen möchte, recherchiere ich.
Ansonsten ist Baumis Worten wenig hinzuzufügen.

Marcus
Marcus
11. März, 2012 17:23

@gerrit:

Martin Wuttke = Adolf Hitler in "Inglourious Basterds"

DerTim
11. März, 2012 18:27

@Filmi: Mir kommt das auch so bekannt vor, aber wahrscheinlich ist einer dieser Wunderheiler wie der nächste und dadurch total austauschbar.

Großartig finde ich ja auch die Zeitungsschlagzeile "Mit bleibt der Verstand stehen!" auf dem Deckblatt des Flyers – das beschreibt doch gerade zu beispielhaft, was bei Leuten die an diesen Quatsch glauben vorgehen muss….

Warum nur kriegst Du immer so tolle Sachen in den Briefkasten?

Achim
Achim
11. März, 2012 22:24

Aha, ist er es also nicht.

Und dass viele Schauspieler die man kennt, finanziell nicht auf Rosen gebettet sind, ist bekannt, oder warum würde wohl der Mann von der einen von "Das Duo", also in den Filmen ist er deren Mann, sonst mit Helm für eine Versicherung Werbung machen? Er spielt auch Christian Ulmens Vater in "Maria, ihm schmeckts nicht".

Ich gönne ihm auch diese Einnahmequelle, ich würde diesen Schauspielern auch gönnen, wenn sie von der Schauspielerei leben könnten.

Aha, Wuttke spielte auch in "Wer ist Hanna", habe ich wohl vergessen.

Achim
Achim
11. März, 2012 22:43

Was sind wir doch alle Schwachköppe, die wir glauben, ein Cartoon müsste witzig sein, eine Glosse wenigstens unterhaltsam.

Die von Air Berlin wissen es halt besser!

ThomasG
ThomasG
12. März, 2012 16:33

Uih, das alte Capitol in Rosenheim. Ich erinnere mich an das Kino 4 im ersten Stock. War das putzig. (Das zweite damalige Kino in Rosenheim, der Filmpalast, ist inzwischen ein ranziger Second-Hand Laden.) Das Capitol steht doch schon seit Ewigkeiten brach in der Gegend rum. Ob das jemals abgerissen wird?

Stefan
12. März, 2012 16:55

Mensch, zu Bruno Göring kann ich was erzählen.

Meine Ex-Frau, Amerikanerin und Kalifornierin, war (und ist es wahrscheinlich immer noch) großer Fan von allerlei esoterischem Hokuspokus. Was ich mit der in zwei Jahren Kalifornien an Eso-Schwachsinn erlebt habe, würde den Rahmen sprengen, deshalb nur kurz zu olle Bruno:

2002 lebte ich in Kalifornien und meine Ex flog alleine nach Deutschland, um sich am Rücken behandeln zu lassen. Natürlich kommt sie am Flughafen mit einem weiblichen Bruno-Gröning Jünger ins Gespräch und die Olle schenkt ihr ein kleines Foto von Bruno, dass sie sich auf den Rücken kleben soll (!), das würde ihre Beschwerden heilen!

Meine beknackte Ex hat das tatsächlich gemacht und kaum war sie wieder in Kalifornien, rief die Gröning-Jüngerin bei uns an, um uns zu Bruno-Seminaren einzuladen, wo der tote Fuzzi allerlei Beschwerden durch bloße Anwesenheit eines großformatigen Fotos heilen würde.

Kurz danach hab ich das Weite gesucht. Aber das ist ne andere Geschichte.

Wortvogel
Wortvogel
12. März, 2012 17:02

@ Stefan: Knaller-Geschichte! Ich verstehe auch nicht, warum es in München noch Krankenhäuser gibt, wo doch einmal im Monat der Dokumentarfilm über Bruno gezeigt wird, der ja so ziemlich alles heilen kann. Außer fortgeschrittener Leichtgläubigkeit.

milan8888
milan8888
12. März, 2012 17:16

Der hier ist auch toll: http://www.braco-info.com/dcms/braco-sein-wirken/bracos-blick

Steht einfach in der Gegend herum und starrt ins Leere. Es reicht wenn man ein Foto eines Heilssuchenden in seine Richtung hält damit dieser etwas von der positiven Energie abbekommt. Hab mal meine Schwiegertante zu ner Veranstaltung in der Nähe von Stuttgart (von München aus) hinkarren dürfen (Musste aber eh nach Stuttgart und sie übernahm die Fahrtkosten ). Sie war ganz begeistert als ich sie abholte und wollte das bald möglichst wiederholen. Ich glaub keine zwei Tage später war sie wieder genauso mies drauf wie vor diesem Energieaustausch…

gerrit
gerrit
13. März, 2012 00:27

Wie passend, dass dieser Draco in Denkendorf "auftritt". harhar. Wie kann man nur so einen Scheiss glauben. (frage ich mich aber auch immer wieder, wenn ich den Pabst sehe…)

trackback

[…] Nein. Weil Kultstätte ein positiv, Bullshit aber ein negativ besetzter Begriff ist. Das passt sprachlich nicht zusammen, eben so wenig wie der „peinliche Held“ im nicht minder peinlichen FOCUS-Artikel oder der „niederschmetternde Erfolg“ im legendären AirBerlin-Kundenmagazin. […]