26
Feb 2012

Wortvogels Gastarbeiter (8): Claudia Kern

Themen: Neues |

Claudia Kern ist Journalistin, Übersetzerin und Romanautorin. Ihr Blog befindet sich hier. Sie hat die "Der verwaiste Thron"-Trilogie ebenso geschrieben wie die Horrorcomedy "Sissi die Vampirjägerin – Scheusalsjahre einer Kaiserin". Momentan kann man ihre Beiträge bei SF-Radio genießen. Außerdem war sie Redakteurin der kürzlich anscheinend eingestellten Zeitschrift "SpaceView".

Mach’s gut, SpaceView, und danke für den Fisch

Erst mal das Obligatorische vorweg: Ich habe keine Ahnung, ob und wie es mit der Space View weitergeht.

Okay, und jetzt zum Thema. Torsten hat mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, ein paar Anekdoten über meine Zeit als Co-Chefredakteurin bei der Space View zu erzählen. Ich sagte: “Klar, gerne” und starrte dann eine Stunde lang auf einen blinkenden Cursor, weil ich nicht wusste, wo ich anfangen soll. Am Anfang vielleicht, als mein Kollege Dirk Bartholomä (der von der Fedcon) und ich die erste Ausgabe der Space View in der Hand hielten? Nee, zu peinlich, da war die Voyager auf dem Cover.

Wie wäre es denn mit dem im gleichen Jahr von Heel finanzierten USA-Trip? Eigentlich nicht schlecht, aber wen interessiert es schon, dass ich am Flughafen von Los Angeles eine Stunde lang für eine Drogenkurierin gehalten wurde, nachdem ich versucht hatte, den Drogenspürhund zu streicheln? Oder dass unser Hotel mitten in Downtown L.A. lag, weil Heels Stammreisebüro das als “ganz tolle Adresse” angab, was es für jemanden wie mich, die Mad Max und The Warriors mag, auch war? Wahrscheinlich niemanden. Aber bleiben wir trotzdem bei dieser Reise oder besser noch bei einem speziellen Ereignis, nämlich unserem Besuch bei den Dreharbeiten von "Babylon 5".

Einen Tag zuvor durften wir die Paramount Studios besichtigen, hatten die beeindruckenden Sets von "Deep Space Nine" gesehen und wären beinahe aus Michael Pillers Büro geflogen, nachdem wir es wagten, nach den Ähnlichkeiten zwischen Deep Space Nine und Babylon 5 zu fragen.

Mit diesen Hochglanzeindrücken der Filmindustrie vor Augen und den Komplimenten (“Wow, what a great magazine! You guys are awesome!”) im Ohr fuhren wir zum Set von B5 im sogenannten Valley. Ich kannte Los Angeles nicht, deshalb dachte ich bei Valley an das


und nicht an das

Die Studios von B5 lagen inmitten einer trostlosen Industriewüste aus Werkstätten, Schrotthändlern, Lagerhallen und noch mehr Lagerhallen. Dreimal fuhren wir an dem Gebäude vorbei, bis wir endlich das Logo über einer unscheinbaren schwarzen Tür direkt neben einer Motorradwerkstatt sahen. Es gab kein Eingangstor, keine Wachen, wir konnten die Tür einfach öffnen und in einen Gang voller provisorisch wirkender Büros treten. Man könnte es so sagen: Paramount war ein Mac – poliert, glänzend, kontrolliert und ein bisschen langweilig. B5 war Linux – zusammengewürfelt, irgendwie chaotisch, nicht hübsch, aber viel, viel interessanter.

Während wir bei unserem kompletten Paramount-Aufenthalt von Wachen beobachtet wurden, ließ man uns bei B5 ziemlich freie Hand. Wir durften mit jedem reden und mindestens ein Dutzend Mal fiel an diesem Tag der Satz: “I really shouldn’t show you this, but it’s so cool…”. Die Menschen, die wir trafen, zeigten einen solchen Enthusiasmus, dass man sich dem nur schwer entziehen konnte. Wir führten Interviews mit fast allen Schauspielern, die an diesem Tag arbeiteten. Bruce Boxleitner war so charmant, wie man ihn sich vorstellt, Andreas Katsulas ruhig und intelligent, Richard Biggs nett und witzig, Mira Furlan nicht von ihrer Rolle zu unterscheiden, Peter Jurasik ein Knaller. Egal, welches Interview wir führten, Joe Michael Straczynski wurde gepriesen als sei er ein Gott, der aus der Hölle, die TV-Produzenten normalerweise vorbehalten ist, aufgestiegen.

Und dann trafen wir ihn.

Ich habe noch nie Angst vor einem Interviewpartner gehabt, und Angst ist auch nicht das richtige Wort, um das Gefühl, das ich bei dem ganzen Interview hatte, zu beschreiben. Ein gewisses Unwohlsein vielleicht und der Eindruck, dass man vor Bruce Banner sitzt, der jeden Moment zum Hulk werden kann. Okay, vielleicht doch Angst.

Straczynski ist groß, annährend zwei Meter und er präsentiert sich in einer Art, die ihn noch größer wirken lässt. Wir trafen ihn in seinem Büro, umgeben von Drehbuchausdrucken, Raumschiffmodellen und Kaffeetassen. Ich hatte meine Fragen vorbereitet, aber nach der zweiten merkte ich, dass er nicht über die üblichen Dinge (“Auf was können sich die Fans in der nächsten Staffel freuen?” usw) reden wollte. Er wartete auf etwas, was ich nicht genau verstand, also erzählte ich ihm spontan von der Szene in Michael Pillers Büro. Und der Hulk kam heraus.

Straczynski wachte auf. Er beschrieb den Weg, den er gegangen war, um B5 an eines der großen Studios zu verkaufen, die Frustration über Leute in Anzügen, Zielgruppen, Demographien, Budgetverhandlungen und projizierte Werbeeinnahmen. Dabei, so sagte er, habe er nicht anderes gewollt, als die Geschichte zu erzählen, die er im Kopf hatte, und sein Ding durchzuziehen. Beim Sender TNT habe er das schließlich gekonnt.

Er war eloguent, intelligent, furchteinflößend und inspirierend. Bitte behaltet im Kopf, dass dieses Interview vor der fünften Staffel B5 stattfand und wir keinen Grund hatten, an seinen Worten zu zweifeln.

Fast eine Stunde waren wir in seinem Büro und als wir herauskamen, schenkte seine Assistentin (ich weiß sogar noch, dass sie Mary hieß) uns zwei B5-T-Shirts und sagte, was für ein Glück wir gehabt hätten, ihn in einer so guten Stimmung anzutreffen. Okay…

An diesem Abend gingen wir in Little Tokyo essen. Ich hatte noch nie Sushi probiert und Dirk wollte mich konvertieren, was sich als sehr einfach herausstellte. Wir sprachen über Straczynski und seine konsequente, kompromisslose Haltung. Das gleiche schwebte uns für die Space View vor. Scheiß auf das, was populär ist, wir berichten über das, was wir toll finden und wir verreißen, was Dreck ist. Die Space View sollte das B5 der SF-Magazine werden, minus der fünften Staffel.

Passiert ist das nicht. Leute in Anzügen spielten dabei eine Rolle, Zielgruppen, Demographien. Budgetverhandlungen und projizierte Werbeeinnahmen. Irgendwann verlor ich das Interesse und dann unabhängig davon auch Dirk. Ich schrieb weiter eine Kolumne für die Space View und das sehr gern. Mehr wollte ich nicht. Aber diesen Tag im Valley werde ich für immer (Alzheimer oder Übernahme durch außerirdische Körperfresser klammern wir mal aus) mit der Space View verbinden, deshalb mach’s gut und danke für den Fisch – abgesehen von dem ekligsten Stück Sushi, was ich jemals gegessen habe. Sieht aus wie – hm, wie sagt man das magenschonend, ach egal – karamellisierter Durchfall und schmeckt auch so, wie ich mir karamellisierten Durchfall vorstelle. Wenn jemand weiß, was ich meine, schreibt es bitte in den Kommentaren. Ich würde es wirklich gern wissen.

Nachtrag: Einen weiteren Beitrag zum Thema gibt es bei Christian Humberg.



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VideoRaider
26. Februar, 2012 08:59

Oh, Gott. Die Space View war für mich als Teen (und Film-Nerd) in den 90ern Pflichtlektüre gewesen. Habe die Hefte noch im Regal. Danke für den Beitrag. Da kamen viele Erinnerungen hoch. Erinnere mich noch an ein Heft von 95 (?) in dem über die Prequel-Trilogie spekuliert wurde (R2 und C3PO waren vor einem kruden CGI-Hintergrund auf dem Cover montiert).

Peroy
Peroy
26. Februar, 2012 09:20

Zu Space View kann ich gar nichts sagen, ich hab' in den 90ern die Moviestar gelesen… 😛

Gregor
26. Februar, 2012 09:39

Ich las die Space View auch (ebenso die Moviestar), bevor halt das Internet kam.

Habe spontan mal eine Ausgabe rausgegriffen und dann isses die mit der "kernspalterei" über Fan-Kreativität und Akte-X-Fanfics. Musste damals sehr darüber lachen, finde es immer noch witzig.

VideoRaider
26. Februar, 2012 10:13

MovieStar habe ich auch gelesen. SpaceView, Moviestar und Cinema. Von letzterer habe ich mittlerweile (fast) alle Ausgaben. Wobei die Cinema auch eher so ein Lifestyle-Movie-Mag geworden ist.

Dominik
Dominik
26. Februar, 2012 10:26

Danke für den Beitrag, die persönliche Anekdote und damit verbundene Nachlese auf ein Magazin, das ich in den 90ern auf jeden Fall als Pflichtlektüre betrachtete, bis… Wann war das Jahr mit "jetzt zusammengelegt mit SFX"? Ich meine, es war kurz vor Ende des Millenniums. Die Zeit, nicht die Serie. Wobei…war ja irgendwie fast das selbe. Die alten Ausgaben habe ich noch. Und die Erinnerung. So long…

Brandenburgerin
Brandenburgerin
26. Februar, 2012 10:54

Oha, 15 Jahre… ich erinnere mich noch, wie ich die ersten Hefte damals kaufte. Leider war meine Sammelleidenschaft damals nicht so ausgeprägt, dass heute noch welche im Regal stehen

madphilosophist
madphilosophist
26. Februar, 2012 11:20

Könnte es sich bei dem Durchfallkaramell um Seeigel-Sushi gehandelt haben?

heino
heino
26. Februar, 2012 11:55

Ich habe damals die Moviestar regelmäßig und die Space Viw nur sporadisch gelesen. Das lag hauptsächlich dara, dass sie mir zuviel über ST berichtete und aufgrund der Erscheinungsweise die "News" oft schon veraltet waren. Als ich dann meinen ersten Internet-Zugang bekam (muß so 2000 gewesen sein), war es für mich endgültig vorbei, denn da kam man ja viel schneller an die gwünschten Infos und ich habe dann beide Zeitschrfiten gar nicht mehr gekauft.

Frankie
Frankie
26. Februar, 2012 12:20

Sehr, sehr schöner Artikel und der Blog der guten Dame ist auch gleich in meine Favoriten-Liste gebeamt worden!

Tolle Schreibe übrigens.

joha
joha
26. Februar, 2012 13:52

Yep, eine weitere Stimme für Seeigel-Sushi. Das war eine sehr gute Beschreibung.

Frankie
Frankie
26. Februar, 2012 14:08

Okay, grad gesehen, dass auf dem Blog ja gar nicht soo viel los ist.

Gibts denn irgend eine Seite im Netz wo man Artikel von Frau Kern (regelmäßig) lesen kann?

Markus (mit k)
Markus (mit k)
26. Februar, 2012 14:08

Das Sushi klingt sehr nach Uni/ Seeigel (wie schon erwähnt)
Bild: http://goo.gl/1rIIM
Das ist aber eigentlich sehr lecker.

Was auch möglich wäre ist Krabenhirn-Sushi (ja, wirklich):
http://goo.gl/ip9td
Das ist sehr viel gewöhnungsbedürftiger, schmeckt sehr intensiv. Ist in Europa leider so gut wie nie zu kriegen

Peroy
Peroy
26. Februar, 2012 14:31

Also, den Bildern nach könnte das wirklich Durchfall gewesen sein…

G
G
26. Februar, 2012 14:33

Schade um die SpaceView. Sie hat mich durch einen großen Teil meiner Jugend begleitet. Wirklich guter Artikel, danke dafür!

Hawks
Hawks
26. Februar, 2012 14:42

Habe die SpaceView bis zu ihrer Einstellung regelmäßig gelesen. Die Qualität wurde aber leider immer schlechter; zu wenig über Science Fiktion und dafür zu viel über Vampire und Twilight.
@ Claudia: Toller Artikel. Danke dafür. Deine Kernspaltereien waren immer das Highlight jeder Ausgabe.

OnkelFilmi
OnkelFilmi
26. Februar, 2012 17:19

Um ehrlich zu sein – ich wusste nicht, daß die SpaceView überhaupt noch existiert(e). Ich hab sie so bis etwa 2005 regelmässig gelesen, dann nur noch sporadisch, und irgendwann überhaupt nicht mehr. Und da sie mir im Zeitschriftenhandel auch nicht mehr wirklich ins Auge fiel, dachte ich sie wäre schon vor ein paar Jahren eingestellt worden… wenn schliesslich sogar alte Schlachtrosse wie die STARLOG abdanken mussten…

HecPac
HecPac
26. Februar, 2012 22:00

die space view hatte das wertigste cover überhaupt; fast kartonstärke und glänzend celophaniert. danke für den x-files-fbi-ausweis!

Claudia Kern
Claudia Kern
27. Februar, 2012 01:30

@Hawks: Vielen Dank für die netten Worte. Freut mich sehr.
Und nun zum Thema Sushi. Ich kann jetzt offiziell behaupten, dass ich schon mal Krabbenhirn gegessen habe. Vielen Dank an madphilosophist und Markus, natürlich mit k, der den entscheidenden Tipp gab.. Seeigel dachte ich auch, als ich den hier zum ersten Mal gesehen habe, aber der schmeckte (Gott sei Dank) ganz anders. Und die Kellnerin in dem Sushi-Laden damals pries den Durchfall als seltene Delikatesse an: "But some people don’t like it. Try it yourself."
Ja, ich bin eindeutig "some people"…

Berit
Berit
27. Februar, 2012 01:56

Wie es gab von B5 eine fünfte Staffel? 😉
Cooler Rückblick. Interessen verändern sich, aber man ist doch manchmal erstaunt für was man mal leidenschaftliche Artikel geschrieben hat… B5 war halt anders und die Space View auch. Aber B5 ging ja auch nach 4 Jahren zu ende… und gut dass es diese 5te Staffel nie gegeben hat…

Marcel
Marcel
27. Februar, 2012 23:16

Och so schlimm fand ich die fünfte Staffel jetzt gar nicht. Die Psy-Hippies waren etwas lahm, aber der Centauri-Arc war durchaus spannend.

Barrakuda4U
Barrakuda4U
3. März, 2012 12:48

Habe die SV von der ersten bis zur letzten Ausgabe in meinen Regalen und bedauere den Abschied sehr.
Leider ist tatsächlich die Qualität in den letzten Jahren deutlich runtergegangen, auch wenn krampfhaft versucht wurde das Ruder rumzureissen.. teilweise ablsolut widersprüchlich: einerseits der Versuch Inhalte durch neue Outfits zu ersetzten, dann der ganze Teeny – Vampirscheiss und dann im Gegengansatz der ganze Independent- Kram … ich habe zuletzt schon ein deutliches Konzept vermisst … aber trotzdem, die Vampire habe ich übersprungen und mich dann auf SciFi konzentriert und es war deutlich besser als nichts .. besonders die ganzen Serienupdates werden mir fehlen … Rest in Peace!

trackback

[…] war ein leiser Tod und mit über 50.000 verkaufter Auflage ein nicht ganz so trauriger wie der Abgang der SpaceView mit nicht mal 12.000. Niemand wird der “TV Sünde” nachweinen – es hat ja auch […]

Exverlobter
Exverlobter
28. Juni, 2012 09:32

Falls der Wortvogel das liest:
Hast du schon von dem neuen Geek-Magazin das die Space-View beerben will gehört? Deine Einschätzung? (Erfolgsaussichten usw.) Willst du einen kurzen Artikel darüber schreiben(sozusagen als Starthilfe)?

Wortvogel
Wortvogel
28. Juni, 2012 09:37

@ Exverlobter: Ich weiß nichts von dem Projekt.

Exverlobter
Exverlobter
28. Juni, 2012 09:41

Robert Vogel und Claudia Kern hatten das Magazin im Mai auf der FedCon vorgestellt. Seit ein paar Tagen liegt es am Kiosk. Bislang habe ich aber nur einen kurzen Artikel auf Meedia.de gesehen. Das Ding braucht laut Kern und Vogel definitiv Mundpropaganda.
Das waren noch Zeiten, als sich solche Zeitschriften wie die Space-View in den 90ern sogar noch TV-Spots leisten konnten.

Wortvogel
Wortvogel
28. Juni, 2012 09:44

@ Exverlobter: Das mit der Mundpropaganda scheint nicht gut zu laufen – ich habe noch nie davon gehört (und du hast mir ja auch immer noch nicht den Titel genannt). Warum soll ich eine Zeitschrift promoten, die sich vor mir versteckt?

Exverlobter
Exverlobter
28. Juni, 2012 09:47
OnkelFilmi
OnkelFilmi
28. Juni, 2012 09:48

Ich hab auch nur durch Zufall von der GEEK gehört. Bzw, ich bin durch darauf gestossen, als ich die Seite des Paniniverlags letztens gecheckt habe… wusste garnicht, daß das Magazin inzwischen schon auf dem Markt ist…

Wortvogel
Wortvogel
28. Juni, 2012 09:51

Bei der Promo scheint es Panini zu vergeigen – wie gesagt: ich habe von dem Heft nie gehört. Sieht recht schick und modern aus, aber wie mein Kumpel Jens von Meedia sagt: das ist ein Themenmix, über den sich die Leute leichter, aktueller und kostenlos im Netz informieren können. AICN, io9 und zwei, drei weitere Webseiten – fertig. WENN ich ein Magazin aus dem Bereich lesen würde, wäre es eher das britische SciFi Now.

Exverlobter
Exverlobter
28. Juni, 2012 10:15

"Ich hab auch nur durch Zufall von der GEEK gehört. Bzw, ich bin durch darauf gestossen, als ich die Seite des Paniniverlags letztens gecheckt habe… wusste garnicht, daß das Magazin inzwischen schon auf dem Markt ist…"

Das wundert mich nicht. Online hat man ja kaum was darüber gehört, und damit ist es gerade bei der Zielgruppe fast schon nicht existent. Und wenn nicht mal Torsten als gutinformierter Journalist darüber was weiß… Ich wusste zwar dass es demnächst kommt (aber auch nur durch das Panel auf der Con), habe es dann gestern lediglich zufällig am Bahnhofskiosk gesehen.

BTW, ich habe mir die Zahlen von dem Media Artikel nochmal angesehen. Was hat die Space-View jetzt eigentlich gekillt? Die absoluten Zahlen mit ca. 10.000 verkauften Heften? Das ist ein Drittel des dem Höchstwerts, ist aber relativ gesehen bei anderen Zeitschriften auch nicht anders. Die Gamestar ist von knapp 300.000 verkauften Heften auch auf 100.000 abgesunken (auch ein Drittel)

Wortvogel
Wortvogel
28. Juni, 2012 10:31

@ Exverlobter: Na ja, aber 100.000 und 10.000 sind schon verschiedene Ligen, egal von welchen ursprüngliche Zahlen das kommt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass IRGENDEINE Zeitschrift mit der Auflage profitabel sein kann. Hinzu kommt, dass so ein Heft dann auch massive Probleme bekommt, Anzeigen zu akquirieren – das Lebenselixier der meisten glanzformatigen Magazine. Man kann ja durchaus am Verkauf Verlust machen, wenn es über Anzeigen wieder rein kommt. Aber schlechter Verkauf UND kaum Anzeigen – Exitus.

Spielezeitschriften haben den zusätzlichen Vorteil, dass die Games-Produzenten da werben WOLLEN.

Letztlich (ich habe mir die Leseprobe mal angesehen) scheint mir Geek! das gleiche Problem wie seinerzeit die "Phantastische Zeiten" zu haben – es will alles für alle sein. Da ich aber z.B. keine aktuellen Comics lese oder Games spiele, ist ein großer Teil des Magazins für mich schon witzlos. Leuten, die spielen, aber kein TV schauen, wird es ähnlich gehen. Nach meiner Erfahrung nähern wir uns der neuen Ära der Spezialzeitschriften mit sehr eng definierter Zielgruppe.

Ich habe zu dem Thema noch eine hübsche Zahl: Von unserer TV Serien, die in den 90ern ALLE Serien behandelte, verkauften wir sehr gute 250.000 Exemplare. Das "GZSZ-Magazin", das nur über EINE Serie berichtete, verkaufte zeitweise (so ich mich erinnere) 400.000 Exemplare.

Exverlobter
Exverlobter
28. Juni, 2012 10:52

"Nach meiner Erfahrung nähern wir uns der neuen Ära der Spezialzeitschriften mit sehr eng definierter Zielgruppe."

Da ist was dran. Ich habe die Space-View zuletzt oftmals nur noch der Treue wegen gekauft, die Hälfte der Artikel habe ich meist übersprungen. Andererseits hatten sie dann doch oft schöne Hintergrundartikel, die man so im Netz eher selten findet.

heino
heino
28. Juni, 2012 14:40

Nach Lektüre der Leseprobe würde ich jetzt auch keinen Grund sehen, das Heft zu kaufen. Die Interviews sind ganz nett, aber sowas findet man im Netz massenweise. Und die restlichen Themen sind für mich zum größten Teil völlig uninteressant.

Exverlobter
Exverlobter
28. Juni, 2012 15:07

@heino
Ich hab sie jetzt halbwegs durch(Printausgabe). Letztendlich ist es Space-View Reloaded. Da fragt man sich, warum man es nicht gleich beim alten Titel gelassen hat. Schließlich muss sie sich jetzt unter neuem Namen und damit ohne Stammkunden erst wieder etablieren. Wenn man sie von vornherein wiederbeleben wollte, hätte man es ja machen können wie mit Tele 5, lol.

heino
heino
28. Juni, 2012 15:49

Das ist in der Tat fragwürdig bis sinnlos. Vermutlich wollte man damit den Leuten den Wind aus den Segeln nehmen, die die Space View schon für überflüssig hielten (so wie ich). Prinzipiell wäre hier mMn die "weniger ist mehr"-Devise angesagt. Bei der SV haben mich z.B. immer die "News" gestört, die schon bei Erscheinen der Hefte hoffnungslos veraltet waren. In der Leseprobe fiel mit u.a. die Sache mit Jamie Bamber aufgrund akuter Sinnlosigkeit negativ auf. Sowas passt eher in die Bravo.

Holmes
Holmes
28. Juni, 2012 15:55

@WV:

Nanana, lästern Sie doch nicht so unverhohlen über ein Produkt an dem ein Freund mitgewerkelt hat. Dergleichen nicht zu tun (auch wenn es der Wahrheit entsprechen mag) gebietet die Loyalität! Und die sollte in einer Freundschaft mit Abstand vor allem anderen Vorrang haben.

Exverlobter
Exverlobter
28. Juni, 2012 16:17

Das mit den Printmedien ist so eine verzwickte Sache.
Im News-Bereich macht das wie oben bereits gesagt keinen Sinn mehr, ich kaufe da nur noch die TV-Spielfilm, die ist aber so günstig, dass es mich nicht stört)
Gut recherchierte Hintergrundberichte sind also von Nöten. Und da ist der Print-Bereich durchaus konkurrenzfähig. Wenn man aber im Netz nur lange genug sucht, findet man auch dort das ein oder andere Kleinod, wo nicht mal ein gut recherchiertes Magazin mehr was ausrichten kann.

Der Detailgrad des Content von Leuten wie Chuck Sonnenburg (SFDebris.com) oder Mike “Plinkett“ Stoklasa (Redlettermedia.com) schlägt alles, was der Print-Bereich je produzieren könnte.
Leider sind solche Typen im Netz eher selten und wenn dann sind sie fast ausschließlich aus englischsprachigen Raum, ein deutsches Äquivalent fehlt vollkommen. Hierzulande treibe ich mich fast nur noch auf diesem Blog rum, ab und zu auf Zukunftia.

Wortvogel
Wortvogel
28. Juni, 2012 17:04

@ Holmes: Ich bin mal gespannt, mit welcher meiner Aussagen Sie die Behauptung belegen wollen, ich würde "unverhohlen lästern".

Holmes
Holmes
28. Juni, 2012 17:42

So ein paar Aussagen müssen nicht sein, wenn es um das Projekt eines Freundes geht:

"Warum soll ich eine Zeitschrift promoten, die sich vor mir versteckt?"
Na weil ein Freund daran mitarbeitet. Ist doch glasklar!

"WENN ich ein Magazin aus dem Bereich lesen würde, wäre es eher das britische SciFi Now."

Klingt zu böse, wenn es um das Projekt eines Freundes geht. Man könnte ein paar schöne Worte für die Zeitschrift finden und schweigen. Aber dann noch etwas bewerben, was vermeintlich besser ist… Nicht sehr loyal.

"Letztlich (ich habe mir die Leseprobe mal angesehen) scheint mir Geek! das gleiche Problem wie seinerzeit die “Phantastische Zeiten” zu haben – es will alles für alle sein."

Auch hier gilt: Lieber schweigen. Lieber auf vorhandene Stärken eingehen, anstatt dergestalt zu kritisieren. Das tut dem Freund sicherlich weh.

Ehrlichkeit hin oder her, aber im Bereich der Freundschaft muss Loyaliät den Vorrang haben.

Exverlobter
Exverlobter
28. Juni, 2012 17:47

@ Holmes

Wenn Steven SPielberg, Francis Coppola u.a. zu George Lucas gesagt hätten: Boah, deine Rohfassung von Star Wars ist echt geil (und das nur aus Freundschaft) dann wäre der erste Star Wars film genauso ein Desaster wie die Prequels geworden.

Holmes
Holmes
28. Juni, 2012 17:53

Das Argument ist ein bisschen wacklig. Spielberg und Coppola sind auch Genies, von denen man gerne Kritik entgegennimmt, da sie zeigten, dass sie selber im Stande sind Großes zu leisten.

Wortvogel hat journalistisch einiges gemacht, aber wenn er so gut wäre ein Magazin, welches jeder lesen will auf den Markt zu bringen, hätte er dies wohl bereits getan ;D

Aber darum ging es mir gar nicht. Hier in der Öffentlichkeit zu kritisieren finde ich nicht gut. Einem Freund fällt man zB in der Öffentlichkeit auch nicht ins Wort bzw. verbessert ihn. Das ist eine Sache des Respekts. Das kann man dann später unter vier Augen machen.

Exverlobter
Exverlobter
28. Juni, 2012 18:01

@Holmes
Ok, wer soll denn der Freund sein?
Der Wortvogel sagte ja klipp und klar, dass er bis heute von dem Magazin nichts wusste, sodass er wahrscheinlich nicht die Zeit hatte sich das Impressum durchzulesen.
Des Weiteren kennt er aus dem Sci-Fi Bereich wohl jeden, und wenn er aus Rücksicht vor der Gefühle anderer keine Kritik mehr üben dürfte, müsste er diesen Blog wohl einstampfen.

Howie Munson
Howie Munson
28. Juni, 2012 18:10

lustig das Holmes genau das einfordert was andere hier sonst immer unterstellen: Sympathiewertungen statt möglichst gewissenhaften Einschätzungen.

Holmes
Holmes
28. Juni, 2012 18:15

"Ok, wer soll denn der Freund sein?"

Claudia Kern?

Exverlobter
Exverlobter
28. Juni, 2012 18:20

Man kann ja auch zu einem Freund sagen

Ich habe meine Zweifel, aber ich wünsche euch trotzdem Glück.

Exverlobter
Exverlobter
28. Juni, 2012 18:25

Außerdem wurde hier kein Autor (auch Kern nicht) vom Wortvogel kritisiert. Er sagte lediglich, dass das Magazin für ihn nicht speziell genug sei.

Wortvogel
Wortvogel
28. Juni, 2012 18:49

@ Holmes: Ich warte immer noch auf den Beleg des Lästerns.

Wiktionary: "etwas oder jemanden hinter seinem Rücken schlechtreden; boshafte, gehässige Kritik äußern"

Wenn Sie es für moralisch angemessener halten, meine Leser zu belügen, weil ich mit einem der Autoren befreundet bin, bitte. So arbeite ich nicht. Ich lästere auch nicht über Freunde. Ich erlaube mir eine kritische Einschätzung eines neuen Magazins.

Dass jemand wie Sie (der ja auch schon sehr wirre Vorstellungen von Pornographie hat) das anders sieht, wundert mich nicht.

Exverlobter
Exverlobter
28. Juni, 2012 18:51

"Dass jemand wie Sie (der ja auch schon sehr wirre Vorstellungen von Pornographie hat) das anders sieht, wundert mich nicht."

Ich dachte John Holmes sei tot 🙂

Holmes
Holmes
28. Juni, 2012 19:32

"Wenn Sie es für moralisch angemessener halten, meine Leser zu belügen"

Nicht lügen. Schweigen ;D

Zum Thema "lästern". Ich bin kein Wortfetischist. Mag sein, dass sie da Recht haben aber ich gebrauche Worte die sofort eine Reaktion zu Tage fördern, da sie unter Umständen provokant daherkommen. Da ist es für mich vernachlässigbar, wenn sie nicht zu 100% stimmen, wenn über den Kern des Anlasses diskutiert wird.

Howie Munson
Howie Munson
28. Juni, 2012 20:24

"Ist egal ob die Aussage stimmt, Hauptsache einer antwortet"
nennt man das nicht trollen?

Wortvogel
Wortvogel
28. Juni, 2012 20:33

@ Howie: Das ist immer die allerletzte Ausrede, wenn einer Kappes erzählt hat.

@ Holmes: Es diskutiert niemand über den Kern des Anlasses. Hier wird nur konstatiert, dass Sie irren. Wenn Sie das weiter thematisieren möchten, bitte.

Sie sind ein Vollidiot. Ich meine damit natürlich nicht Vollidiot im eigentlichen Sinne, ich bin ja kein Wortfetischist. Aber es wäre mir wichtig, dass wir mal drüber diskutieren, was ich damit eigentlich sagen will.

CypherCrowley
CypherCrowley
28. Juni, 2012 21:49

@Holmes
Es ist Für mich Balsam für die Seele zu sehen daß es in der heutigen Zeit noch Menschen gibt die sich nicht zu schade sind sich als Anstandspolizei mitten ins Herz der menschlichen Verrohung zu stürzen. Daß Sie so viel Civilcourage und Mitgefühl aufbringen daß Sie nicht tatenlos zusehen können wie ein Wildfremder achtlos seine sozialen Bindungen zu den ihm nahestehenden Busenfreunden kappt. Daß Sie dem Betreiber dieses Blogs nicht nur parasitär seinen schöpferischen Nektar absaugen, sondern dazu beitragen daß er – wie auch wir anderen Leser hier – den Pfad der Tugend nicht aus den Augen verlieren. Daß Sie sich nicht scheuen auch die unbequemen Aussagen zu machen wo andere es nicht vermögen, um die Debatte zu befruchten und auch mal kontroverse Akzente zu setzten, die zur Reflektion anregen. Bitte bleiben Sie auch weiter auf diesem Weg. Es ist der richtige.

Ich fürchte allerdings der Wortvogel onaniert immer noch jeden Tag ekstatisch auf die rudelbumsenden Superhelden, da dürfen Sie nicht locker lassen, Herr Holmes.

@Thema

Ich frage mich wie dieses neue Magazin sich gegen die digitale Konkurrenz behaupten will wenn es sich darauf beschränkt die selben Felder zu beackern. Und das dann auch noch thematisch so breit gestreut.

Mein persönlicher Konsum an regelmäßig erscheinenden Printmedien ist in den letzten Jahren auch fast vollständig zurück gegangen. Die letzte vergleichbare Publikation die ich gelegentlich gekauft habe – schimpfte sich "Multi-Mania", glaube ich – las sich dann auch wie eine gedruckte Version meiner Firefox-Lesezeichen. Anstatt sich den schnell-lebigen Internetangeboten anzuhängen und diesen Kampf zu verlieren sollten sie sich lieber ihre Stärken konzentrieren. Einen Artikel der darüber spekuliert wie die Traumbesetzung einer zukünftigen Comicverfilmung aussieht und einen Monat danach irrelevant ist wenn der offizielle Cast bekannt gegeben wird, den muß ich mir nicht auf einen toten Baum gedruckt ins Haus holen. Einen ausführlichen, gut recherchierten und verfassten Artikel über das Gesamtwerk von Cronenberg oder ein gehaltvolles Interview das sich nicht nur mit dem aktuellen Geschehen aufhält, das sind Texte die ich auch in fünf Jahren noch zum schmökern rauskramen kann. Das sind bleibende Werte.

Dietmar
Dietmar
29. Juni, 2012 01:29

Cypher, deine Beiträge sind klasse! 😀

Holmes
Holmes
29. Juni, 2012 01:36

@Cypher:
Touche!

Ich habe mich köstlich amüsiert. Speziell die mit Liebe gewählten Wörter sind ein echter Brüller. Habe selten – über einen Text – so lachen müssen. Im positven Sinne. Großes Kino! Wirklich.

Ich versuche auch weiterhin "parisitär den schöpferischen Nektar auszusaugen"!