Es ist mir erst im Nachhinein aufgefallen und es hat mich zuerst verstört, dann verärgert: Ich habe über die Feiertage, von Weihnachten bis Neujahr, kaum eine Minute deutsches Fernsehen geschaut – für das ich Gebühren zahle. Privatfernsehen allerdings auch nicht.

Es ist nicht so, dass ich KEIN Fernsehen geschaut habe. Ich habe sogar sehr VIEL Fernsehen geschaut. Es war ja endlich mal wieder die Zeit.

Nur: Das einzig erträgliche Programm kam nicht aus Deutschland, sondern aus dem Vereinigten Königreich.

Lassen wir uns doch mal auf einen kleinen, gar nicht unpassenden Vergleich ein. Schließlich gibt es auch in England einen dominanten „öffentlichen-rechtlichen“ Senderverbund und einige kommerzielle TV-Angebote.

Ich habe aus diversen Artikeln und Webseiten das rausgesucht, was hierzulande alljährlich als „Die Weihnachts-Highlights“ oder „Das Superprogramm an den Festtagen“ verkauft wird.

Ziehen wir mal die „Klassiker“ („Der kleine Lord“, „Ist das Leben nicht schön?“, „Dinner for One“) ab, schrumpft das Angebot nur wenig. Die alten Schinken sind mittlerweile auch weitgehend ins Nachtprogramm oder in die Nischensender abgedriftet.

Schlagartig implodiert das festliche Bouquet aber, wenn wir Wiederholungen von relativ aktuellen Filmen („Shrek“, „Ice Age“, „Fluch der Karibik“) sowie endlose Serienmarathons („Two and a half men“, „Friends“, „How I met your mother“) aus der Liste streichen.

Damit sind die Privaten schon fast völlig aus der Feiertagsprogrammierung raus. Von den kommerziellen Sendern scheint mir allenfalls „Die ultimative Chart Show – Die erfolgreichsten Rock-Pop-Christmas-Songs aller Zeiten“, „Die TV total Highlights 2011“ und „Galileo Big Pictures – Jahresrückblick 2011“ erwähnenswert – Specials, die einfallslos zwischen Resteverwertung und C-Promi-Soundbites schwanken.

Und was macht das gebührenfinanzierte Fernsehen, dem sich endlich mal wieder die Chance bietet, die ganze Familie mehr oder weniger freiwillig vor die eigenen Vollprogramme zu bekommen? Da geht doch sicher was, zumal die ARD vollmundig verspricht „Das Weihnachtsprogramm des Ersten lässt keine Wünsche offen„.

Am Vorabend der Weihnacht bringt der WDR das 2010 gedrehte Special „Die schönsten Weihnachtslieder der Deutschen“. Moderiert von Stefan Mross und Kim Fisher. Jegliche gute Laune muss man aus der Tatsache schöpfen, dass hier die schon verstorbene Margot Maria Hellwig zu Wort kommt (eine Einblendung versucht die Pietätlosigkeit aufzufangen) und dass Stefanie Hertel vom gemeinsamen Weihnachten mit Mross schwärmt – die Ehe aber 2011 zerbrochen ist.

Heiligabend in der ARD: „Oh Tannenbaum“ – Wiederholung von 2007.

Drüben im ZDF zur besten Sendezeit – der hier:

Besinnliches für die ganze Familie stelle ich mir irgendwie anders vor.

Am nächsten Tag darf sich der nächste deutsche „Star“ feiern (lassen): Die ARD lässt mit „Die Helene Fischer-Show“ keine Wünsche offen, das ZDF hält mutig mit „Rosamunde Pilcher: Vier Frauen“ dagegen.

Wohl dem, der zu Weihnachten eine Schlittenladung DVDs oder BluRays bekommen hat…

Zweiter Weihnachtstag: Das ZDF sticht in See – zuerst mit „Das Traumschiff: Kambodscha“, danach mit „Kreuzfahrt ins Glück: Hochzeitsreise nach Kroatien“. Da sieht sich die ARD chancenlos und kontert schwach mit einer „Tatort“-Wiederholung.

DANN ABER: 27.12., Weihnachten ist offiziell rum. Die ARD holt zum ganz großen Schlag aus: „In aller Freundschaft: Was wirklich zählt“ – ein satt 90minütiges Special zur Hitserie. Kreativ, experimentell und ideal auch für die 14jährigen, die sich gerade nicht vom Versuch ablenken lassen wollen, die ersten Raubkopien auf das bescherte iPad zu hieven.

Nach diversen Jahresrückblicken, die immer weiter vom Jahresende entfernt ausgestrahlt werden, macht das ZDF am 28.12. noch mal „auf Show“, nämlich mit „Deutschlands Superhirn 2011“. Die ARD antwortet am Tag darauf mit „2011 – Das Quiz“.

Immerhin, der 30.12. bringt eine neue Mankell-Verfilmung, „Der Chinese“.

Wer sich zu den Feiertagen mehr zutraut als die Primetime, der kann Sachen finden, die man angesichts des restlichen Angebots nicht mal ironisch „Perlen“ nennen darf: „Der Grüffelo“ läuft auf dem ZDF zur publikumsfreundlichen Zeit von 9.25 Uhr, um 6.00 Uhr startet 3Sat an Silvester „Pop around the clock“ und „Nils Holgersson“ sowie die wirklich sehenswerten neuen Märchenverfilmungen haben es wieder nicht aus dem Nachmittags-Ghetto geschafft.

DAS ist das grosse Programm zur Weihnachtszeit? US-Blockbuster, Serienwiederholungen, unerträgliche Schlager-Specials und eine dröges Quiz nach dem anderen? DAFÜR werden alljährlich Hunderte von Millionen Euro rausgehauen? DAMIT sollen die Deutschen in trauter Eintracht vor dem Fernseher gebannt werden?

Schauen wir doch mal, wie die Festtage auf der anderen Seite des Ärmelkanals im Fernsehen begangen werden:

Man kann nicht sagen, dass die Engländer moderner sind als die Deutschen. Oder weniger spießig. Das gilt auch für ihr Fernsehprogramm. Die haben keine Probleme, zur Primetime Sendungen über Gärtnerei zu schauen, ihre Soaps sind genau so unerträglich wie unsere, es gibt eine Flut an redundanten Casting- und Panel-Shows und wenn vor dem offiziellen Abendprogramm („watershed“, gegen  21.00 Uhr) geflucht oder gesexelt wird, gibt es in den Boulevardzeitungen gleich einen heuchlerischen Aufschrei.

Aber Weihnachten und Silvester im britischen Fernsehen zeigt dem Rest der Welt immer wieder und sehr nachdrücklich, wie anständige Programmplanung aussieht. Ich präsentiere an dieser Stelle nur mal die Highlights. Also die echten, die den Begriff auch verdienen und nicht die, die von deutschen TV-Zeitschriften so genannt werden.

Da große Serien in England oft nur mit drei, sechs oder maximal zwölf Folgen pro Jahr laufen, gibt es im Dezember selten aktuelle Staffeln wie in Amerika. Stattdessen behilft man sich mit speziellen „Weihnachtsepisoden“, mitunter in Spielfilmlänge. So gab es auch in diesem Jahr eine Extraportion „Doctor Who“ zu sehen, ein Happy End für Matthew und Mary in „Downton Abbey“ und ein einstündiges Finale der großartigen Sitcom „How not to live your life“. Letztere, eigentlich gerne rüde und geschmacklos, bekommt sogar ein Happy End, das man wirklich nur zu Weihnachten zeigen kann:

http://www.youtube.com/watch?v=fqhoksgyKvs

Die Engländer haben auch keine Probleme, neue Serien mit einzelnen Episoden zu starten oder auch nur „anzutesten“, ob für eine Idee ein Publikum existiert. Mit „The bleak old shop of stuff“ und „Felix and Murdo“ wurde heuer gleich zweimal das ansonsten so heilige viktorianische Zeitalter durch den Kakao gezogen – mit gemischten Ergebnissen, aber immerhin. Mit „The Royal Bodyguard“ kehrte Serien-Urgestein David Jason auf die Bildschirme zurück. Und wer den Silvesterkater gerade überstanden hatte, konnte am 1.1. mit der neuen „Sherlock“-Episode „A scandal in Belgravia“ den Maßstab für britisches Drama erleben, der in diesem Jahr schwer zu toppen sein wird.

Neben fortlaufenden Serien ist die Miniserie eine Königsdisziplin der Briten. Das war zum Fest 2011 auch nicht anders als sonst. „Great Expectations“ bekam die beste und der Vorlage von Dickens wohl angemessenste Verfilmung aller Zeiten, „Absolutely Fabulous“ kehrte nach sieben Jahren mit zwei brandneuen Folgen auf die Bildschirme zurück und „Young Herriot“ entpuppte sich als brillantes Prequel der Serie „Der Doktor und das liebe Vieh“. Spannend, liebevoll ausgestattet, und für wirklich jede Zielgruppe geeignet (außer den Anglophoben natürlich).

Dabei ist bemerkenswert, dass die Sender ihre Highlights nicht willkürlich ins Programm schmeißen. Fast jede große Produktion wird von brandneuen, aufwändigen Dokumentationen begleitet. Man gibt dem Zuschauer Kontext, damit er sich besser in die Stoffe und Sujets einfindet.

Das trifft auch auf ein weiteres Programmelement zur Weihnachtszeit zu: man feiert im Königreich gerne seine Helden, und seien es „nur“ Entertainer. Tommy Cooper, Les Dawson, Dame Judi Dench – statt einfacher Retrospektiven gibt es sorgsam ausgewählte „best ofs“, Dokumentationen und Analysen. 2011 wurden auch die „Carry on“-Filme mit ganzen Programmstrecken geehrt.

Aber das ist längst nicht alles: Auch bei den TV-Filmen legen die Engländer die Messlatte so hoch, dass deutsche Intendanten aufrecht stehend drunter durch laufen könnten: Eine Neuverfilmung von „The Borrowers“ war dieses Jahr ebenso souverän wie das Weihnachtsmärchen „Lost Christmas“ mit Eddie Izzard.

Welcher deutsche Sender würde sich eine Dokumentation wie „Night on Film: An A-Z of the Dark“ trauen?

Natürlich machen die Briten zum Jahreswechsel auch das, was alle anderen machen: Rückblicke, Quiz-Shows, Charts. Aber sie machen es besser als wir, weil sie es mit mehr Witz machen, weil sie sich mehr Gedanken über pfiffige Aufhänger machen, weil die beteiligten Promis mehr Begeisterung mitbringen. Über die Weihnachtsausgaben solcher „Klassiker“ wie „QI“, „Harry Hill’s TV burps“ und „8 out of 10 cats“ hinaus gab es diese ganze Latte an Clipshows:

  • „The Big fat quiz of the year“
  • „Most shocking celebrity moments“
  • „100 greatest toys“
  • „Greatest Twitter Stories of 2011“
  • „TVs 50 greatest magic tricks“
  • „Great Movie Mistakes 3: Not in 3D“
  • „Most annoying people of 2011“

Die Sendungen sind dann auch gerne mal drei Stunden lang.

Wer sich auf die Suche machen will – mir persönlich haben „100 greatest toys“, „TV’s 50 greatest magic tricks“ und „The big fat quiz of the year“ (mal wieder) am besten gefallen.

Und den Deckel zu macht dann Charlie Brookers „2011 wipe“, der ebenso satirische wie brillante Rückblick auf das Versagen der Medien auf breiter Front.

Ich frage mich, warum das britische Publikum ein so viel kreativeres, breiteres, unterhaltsameres und gleichzeitig anspruchsvolleres Fernsehprogramm verdient. Bekommen „unsere“ Sender nicht genug Gebühren? Gibt es innerhalb des Senderverbundes der ARD keinen ausreichenden Wettbewerb der Ideen? Haben wir nicht genug produziert, was heute als „Kult“ ein wenig Nostalgie erlaubt? Haben wir als Land der Dichter und Denker nicht genügend Klassiker, die in jeder Generation eine Neuverfilmung rechtfertigen? Ist der große Vierteiler zum Advent heute eine schlechtere Idee als vor 30 Jahren? Oder haben die Verantwortlichen einfach die Hoffnung aufgegeben, dass Programm als Konsens auch jenseits von „Wetten dass…?“ und „Tatort“ noch funktionieren kann, dass es sowas wie einen „gemeinsamen Geschmacksnenner“ gibt, den man einfach nur treffen muss?

Oh du fröhliche, oh du selige, Gnaden bringende Weihnachtszeit… in England.



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WortvogelPabloDUliDJ DoenaProesterchen Recent comment authors
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Tyram
Tyram

Margot Hellwig ist gestorben? Oder meinst du ihre Mutter Maria Hellwig?

Ansonsten kann ich dir nur recht geben mit dem TV Programm zu Weihnachten. Aber es ist auch nicht überraschend, da das TV-Publikum immer älter wird. Die jüngere Generation verbringt immer mehr Zeit vor dem Computer (Internet, Spiele..) als sich passiv vor dem Fernsehen zu setzen.

Proesterchen
Proesterchen

Die gute Hälfte Deiner Fragen sollte ein Blick auf die Einschaltquoten beantworten.

Proesterchen
Proesterchen

Wenn ich mal den 1.1. nehme, dann hat Sherlock ca. 8,8 Mio Zuseher gehabt (auf Deutschland hochgerechnete ~12 Mio) und damit 30% MA erreicht, während unsere Öffis mit Tatort (8,4 Mio) und Traumschiff (8,2 Mio) mal eben so 45% MA absahnten.

Wenn wir die Zahlen weiter spinnen, saßen rund die Hälfte der Briten vor der Flimmerkiste, und um die 45% der Deutschen, vielleicht hast Du also Recht, dass es da Potential für mehr Zuschauer gäbe.

Mich persönlich interessiert das deutsche Programm nicht, ich habe keine dieser Shows gesehen. Für mich sind die Feiertage die Zeit im Jahr, um ein paar Filme nachzuschauen, die man schon immer mal sehen wollte, aber keine Zeit dazu fand.

An Weihnachten selbst steht sowieso die Familie (und die Verdauungsnickerchen) vornan, danach wird -gerade tagsüber- so viel Sport geboten, dass ich nicht auch noch Abends vorm Bildschirm hocken würde, selbst wenn das 2DF neue Schwarzwaldklinikfolgen ausstrahlen würde, oder was immer das Äquivalent einiger der britischen Serienaufgüsse wäre.

Keine Ahnung, ob man eine Panel- oder Rückblickssendung so gut machen, dass plötzlich 3, 4 oder 5 Millionen Zuseher den Fernseher einschalten. Aber man stelle sich mal die Presse vor, wenn ARD und 2DF für die Weihnachtsfeiertage nicht durch Werbung unterstützte Produktionsmonster an den Start bringen würden, statt der ordentlich laufenden Filme und offensichtlich gut gelittenen Shows.

Neva
Neva

Großartiger Artikel, dem ich nur beipflichten kann.
Fernsehtechnisch avanciere ich seit längerer Zeit auch immer mehr zur Britin.
Ein paar Gedankenfetzen:
Das Thema, besonders in Bezug auf Serien, war und ist im Umfeld unseres Seriendramaturgieseminar auch immer heiß diskutiert, auch wenn das Seminar sich mehr auf amerikanische Serien stürzt, aber produktionstechnisch lässt sich die BBC natürlich besser mit unserem System vergleichen.
Letzteres (man steckt ja nicht drin) wirkt leider viel zu verknöchert und bürokratisch als sei da schnell mal ein frischer Wind durchzujagen, was sicher schon mal versucht wurde.
Abgesehen von den ganzen Produktionsdingen sind aber auch die Schauspieler noch ein ganz anderes Thema: In Deutschland ist der Fernsehschauspieler doch noch immer mit einem gewissen Makel behaftet, selbst Leute die zum Tatort gehen überlegen sich das vorher gut.
Warum es keine aktuellen Klassikerverfilmungen gibt, erschließt sich mir auch nicht. Anscheinend traut man sowohl sich, als auch dem Publikum das nicht zu oder (gute) vorherige Verfilmungen werden auf einen derartigen Sockel gehoben, dass sich niemand mehr in die Nähe wagt. In England funktioniert es doch und dort findet sich das Publikum auch.

Ich glaub auch nicht, dass die jüngere Generation sich per se vom Fernsehen abgekehrt hat. Aber das was man gucken will (meist Serien) gibt es meist woanders schneller, von dämlichen Sendezeitverschiebungen befreit etc.. Der Rest der gezeigt wird vergrault nur zusätzlich und als Familienmedium hat das Fernsehen dann doch ein wenig ausgesorgt.
Und manchmal (würd besser zu einem der letzten Beiträge passen) spielt auch die Synchro eine Rolle.
(Ganz persönlich: Wenn ich bei ARD ein Jahr auf Sherlock warten muss (was ich nicht musste, DVD sei Dank) und dann eine Synchronisation mit Stimmen bekomme, die in meiner Zuschauerbiographie mit Jugendzeit und Anime gucken in Verbindung stehen, wird es leider eher lustig. ;))

Peroy
Peroy

Ich hab‘ „Stirb Langsam“ geguckt. Das reicht.

Howie Munson.
Howie Munson.

Es gab sogar eine Serienpremiere zu Weihnachten:
Tatortreiniger

* Folge 1: 23. Dezember, 3:30 Uhr
* Folge 2: 25. Dezember, 5:00 Uhr
* Folge 3: 26. Dezember, 4:30 Uhr.
* Folge 4: 27. Dezember, 5:30 Uhr.

Folge 1&2 wurde auch nochmal normal ausgestrahlt….

gibt es noch in der mediathek und bei youtube:
http://www.youtube.com/watch?v=bW518Xhf7kk
http://www.youtube.com/watch?v=PKVEFgCPKG8

Frank Böhmert

Hach ja, die alten Advents-Vierteiler!

Und für die „Klassiker“ braucht zumindest meine Familie keine Fernsehsender. „Dinner For One“, „Drei Haselnüsse“ etc. pp. haben wir alles fein auf DVD in den Weihnachtskisten …

Uli
Uli

Mal ein positives Beispiel, auf ZDF Kultur lief zu Heiligabend stundenlang Live Musik von diversen Festivals:
http://kultur.zdf.de/ZDFde/inhalt/17/0,1872,8245201,00.html?dr=1

Das ist natürlich weder besinnlich noch etwas für die ganze Familie, aber vielleicht liegt der neue Konsens ja darin mehrere Zielgruppen parallel anzusprechen? Volksmusik für den Opa und Wacken für den Enkel auf zwei verschiedenen Sendern?

Hawks
Hawks

An Weihnachten gucke ich zur Primetime kaum TV. Eher so Mittag und frühen Nachmittag. Da hab ich mich wie jedes Jahr auf einige Karl-May-Filme oder Spencer-Hill-Filme gefreut; kam aber in diesem Jahr leider rein gar nichts. Stattdessen hab ich am 26.12 Polanskis Oliver Twist im ZDF und am 27.12 Der Hauptmann von Köpenick mit Heinz Rühmann in einem der Dritten gesehen. Immerhin zwei Topfilme an Weihnachten gesehen. Finde aber auch, dass das Programm in diesem Jahr außergewöhnlich schlecht gewesen ist.

Little Feller
Little Feller

Kam nicht an den Adventssonntagen immer auf ARD das Eisige Welt-Special bei Terra X? Das ist doch immerhin etwas, auch wenn es, glaube ich, ironischerweise von der BBC produziert wurde.

Proesterchen
Proesterchen

Terra X ist das allerletzte. (und kommt auf dem 2DF) Das ist die öffentlich-rechtliche Version von Galileo Mystery. *brrr* *grmpf* *ARGH*

Little Feller
Little Feller

Ach genau, Frozen Planet hiess das, hat auch mit normalem Terra X nichts gemein. Muss ich mir mal auf BR holen. Hab nur eine Folge über Kabel geschaut, das war schon echt faszinierend.

Gegenfrage: Will das überhaupt jemand sehen, was die Sender im Durchschnitt selbst produzieren, gerade zur Weihnachtszeit?
Ich fände ein paar Kinohighlights in Erstausstrahlung besser, obwohl der TV eh immer mehr nur zum Anschauen englischer und amerikanischer Serien über DVD/Stream genutzt wird, zumindest bei mir.

Moss

Bizarrerweise habe ich dieses Jahr kein einziges Mal das Original-«Dinner for One» gesehen.

@Torsten: Kudos. Alleine die Recherche für den Artikel stelle ich mir schon derart schmerzhaft vor, dass ich danach vermutlich auf Monate hinaus nicht mehr in der Lage gewesen, über Fernsehen zu schreiben.

DMJ

Ich glaube, wenn ich einen Sender hätte, würde ich zur Prime Time an Heiligabend gerade möglichst finsteres, zynisches, wenig besinnliches bringen. Wer mit Freunden und Familie feiert, wird sowieso nicht fernsehen und so tu ich den Verbitterten und Einsamen etwas Gutes. 😛

Und „die wirklich sehenswerten neuen Märchenverfilmungen“ taugten dieses Jahr wieder was? Ich hab sie diesmal nämlich ausgelassen, nachdem sie letztes Mal so ein schlimmer Krampf waren, bei dem sich fast jeder Schauspieler bemühte, möglichst albern, überzogen und seine Zuschauer verachtend zu spielen, damit man dieses kleine Gastspiel für die Kleinen bloß nicht mit seiner richtigen, wichtigen Schauspielarbeit in Krebsdramen verwechselt.

Comicfreak
Comicfreak

..erinnert mich daran, wie Pro7 vor ein paar Jahren die grandiose „Hogfather“-Verfilmung weihnachtens unbeworben irgendwann nach Mitternacht versendete..

🙁

Little Feller
Little Feller

Du hast das Top Gear Christmas Special vergessen…

Proesterchen
Proesterchen

Apropos Top Gear India: Würde ich das gesehen haben, könnte ich es allenfalls unter „meh“ einordnen.

Uli
Uli

Apropos Terra X, in der ARD lief an Neujahr die Dokumentation „8000 Meilen bis Alaska“. Die war aber wohl auch eher mau (habe sie selbst nicht gesehen):
http://faz-community.faz.net/blogs/fernsehblog/archive/2012/01/06/die-woche-im-fernsehen-kuesschen-links-kuesschen-rechts.aspx

Little Feller
Little Feller

@Proesterchen
War auch eher eine schwache Top Gear Folge, auch im Vergleich zur normalen Staffel.
Black Books

Medienjunkie

Das ziemlich einzige, was ich dieses Weihnachten geguckt habe, war das Muppets-Weihnachtsspecial am späten Heiligabend auf Super RTL. Ohne Muppets kein Weihnachten :). Ansonsten war das Programm wirklich komplett uninteressant. Früher gab’s ja an den Weihnachtstagen oder an Neujahr wenigstens mal den ein oder anderen guten Kinofilm als Free-TV-Premiere – dieses Jahr nix. Von guten Eigenproduktionen von ARD und ZDF an Feiertagen träume ich ja schon gar nicht mehr.

Petra

Jetzt fehlt eigentlich nur der obligatorische Kommentar mit „Ich habe schon seit Jahren keinen Fernseher mehr!“ Aber nach der Verlinkung im Bildblog heute morgen, kommen die sicherlich auch noch.
Bin ich froh, dass ich schon so lange aus der „werberelevanten“ Gruppe der bis 49-jährigen raus bin.
Ich darf unbeschadet eine Helene Fischer-Show sehen und sie auch noch großartig finden.
Ansonsten ist Weihnachten früher tatsächlich schöner gewesen, man erinnere sich nur an „Wir warten aufs Christkind“ und den jährlichen ZDF-Vierteiler.
Nur die englischen Serien mit 100 schönste Spielzeuge und alberne Top Gear Folgen hören sich nicht besser an.

DJ Doena

@Proesterchen #4:

Wenn 8,2-8,4 Mio 45% MA repräsentieren, bedeutet das aber auch, dass 100% MA gerade mal ~18,5 Mio Menschen sind (22,5% der EW). D.h. 63,5 Mio Menschen haben an diesen Abenden gar kein TV geguckt.

Das kann man natürlich gut finden, aber da ist definitiv Potential drin.

Wie du selbst schreibst, hat Sherlock sogar absolut mehr Zuschauer gehabt (8,8 Mio) und das mit nur 30% MA. D.h. in GB (62 Mio EW) haben 29,3 Mio Menschen TV geguckt – 47% der EW.

Und dann wird Sherlock auch noch erfolgreich ins Ausland (z.B. Dtl.) verkauft.

Und natürlich gucken die Werbetreibenden auf den MA. Wenn eine Sendung aber 40% MA holt, aber trotzdem nur 15.000 Zuschauer hat (weil sie 3:00 morgens gesendet wird) werden die aber trotzdem ihre Werbegelder nicht dort reinblasen.

Proesterchen
Proesterchen

Nicht 8,2 bis 8,4 Mio, sondern 8,2 plus 8,4 Mio, also beide parallelen, öffentlichrechtlichen Eigenproduktionen zusammen.

Frank
Frank

Ich finde den Vergleich mit GB nur teilweise passend, weil die Sehgewohnheiten in beiden Ländern nicht zwingenderweise gleich sein müssen. In Deutschland laufen Kinofilme nunmal besonders stark, dementsprechend heben die Sender sich diese für Weihnachten auf. Wenn das Interesse in GB in eine andere Richtung läuft (selbstproduzierte Serien, Shows, Jahresrückblicke…) ist das anders als in D, aber nicht zwingend schlechter oder besser.

Davon abgesehen hat jeder seine eigenen liebgewonnenen Weihnachtstraditionen, wie man auch hier lesen kann (Muppets, Stirb Langsam,……), wodurch es schwer wird riesige Zahlen an Zuschauern für radikal Neues begeistern zu können.

Und auch, wenn ich die Lanze nur ungern für diese Produktionen breche: Ich (30) bin Ende des Jahres mit meinen Eltern bei der „Helene Fischer Show“ hängen geblieben (hatte den Namen vorher noch nie gehört gehabt) und konnte der Show einiges abgewinnen. Will nicht von einem TV-Highlight reden, aber teilweise ist das Programm dann doch nicht ganz so schlecht, wie man es vom reinen Blick in die Programmzeitschrift meinen könnte. Um das rauszufinden, muss man es sich aber auch anschauen anstatt das Gerät auszulassen und bereits im Vorfeld das schlechte Programm zu kritisieren!

PS: Ich nehme mal an, du meintest den „Fluch der Karibik“ bzw. „Pirates of the Carribean“ oder gab es da noch eine andere Filmreihe mit ähnlichem Titel?

Pseudoxperte
Pseudoxperte

Über Weihnachten fernsehen?
Die Briten sind ja noch schlimmer als ich dachte…

Markus Hoffmann
Markus Hoffmann

Ist das sehr schlimm, wenn ich das angeblich so tolle BBC-XMas-Programm genau so uninteressant finde wie das deutsche? Weihnachtsepisoden irgendwelcher Sitcoms (argh!) und Seifenopern, Miniserien zu Uraltserien und haufenweise Rückblicke, Quiz-Shows, Charts.

Paule
Paule

Das Problem auf die ÖR zu schieben, greift viel zu kurz und ist unterm Strich eigentlich auch nicht richtig. „Schuld“ ist das Dreieck zwischen ÖR, Privaten und Publikum. Daher MUSS man für eine Analye auch die Privaten bewerten und kann sie nicht im ersten Absatz von jeder Verantwortung freischreiben.
Das Programm aller richtet sich an die Bedürfnisse des Publikums. Man macht, was das Publikum verlangt. Und da sehen wir in GB genau das Gleiche wie hierzulande.
Der britische Markt ist insgesamt anders, aber nicht unbedingt besser. De BBC musste frühzeitig mit Konkurrenz klarkommen und ist damit zeitgemäßer und tonangebend. Es gab bis vor wenigen Jahren für die meisten Briten nur 4-5 Programme. Als das in der Digitalisierung aufbrach, haben auch alle anderen, kleinen, neuen Programme viel Kreativität an den Tag gelegt. Im Ergebnis entwickelte sich der Markt dort sehr vielseitig und experimentell. Nicht umsonst stammen die meisten nichtfiktionalen Primetimeformate von RTL von dort.
Das muss für uns mit unseren Schnarchnasensendern wie ein Paradies vorkommen. Ein Blick in britische Foren, zB. Digitalspy, offenbart, dass die Briten über ihre Sender genauso meckern wie wir über unsere.
Wieso hat der tolle deutsche Marktführer selbst überhaupt keine Kreativität entwickelt? Warum schaut das deutsche Publikum so gerne Tatort und Pilcher und Sitcommarathons? Man muss alles zusammen betrachten. Unser Fernsehen hat sich so entwickelt, weil das Publikum es so wollte. Wie bei den Briten.

Der Markus
Der Markus

Grundsätzlich ist an Wiederholungen, gerade zu Weihnachten, nix auszusetzen. Aber es sollten die richtigen Wiederholungen sein, ruhig auch mal ein bißchen was von vor 1990. Aber stattdessen bringen sie Filme, die schon mindestens 2 mal über das Jahr gelaufen sind. Hätte man nicht zumindest eine Ausstrahlung von Aschenbrödels Nüssen weglassen und dafür „Tschitty Tschitty Bang Bang“ reinnehmen können? Aber den hätte wahrscheinlich eh nur ich geguckt.

Insgesamt muss ich dem Autor zustimmen; bloß kann man die Diskussion natürlich nicht auf Weihnachten beschränken. Deutsches Fehrnsehen ist mies, da wird sich so schnell auch nichts ändern. Keiner will auch nur das geringste Risiko eingehen und der Konsument schluckt es. Eine Tatortwiederholung am 25. zur Primetime? Unverschämter geht es ja kaum, für solche Leistungen sollte es eine Kontrollinstanz geben, die anteilig für diese verplemperte Sendezeit die GEZ-Gebühren rückerstattet. Da würde über den Monat sicherlich einiges zusammen kommen.
Keiner wird es groß bemerkt haben, aber schon vor Weihnachten kamen neue Folgen der Serie „Ion Tichy, Raumpilot“. Wie üblich Wochentags, nach 1 Uhr nachts im ZDF. Interessante Produktionen wie z.B. im Rahmen des „Kleinen Fehrnsehspieles“ laufen zu ähnlichen Zeiten. Oder auf den Dritten. Falls überhaupt. Und wenn was Originelles z.B. eine witzig gemachte Doku auf VOX, läuft, steht garantiert „BBC“ drunter.

Es werden Ausgetretene Pfade abgelaufen, der Konsument hat den Mist vor 20 Jahren schon geguckt, da schaltet er jetzt auch wieder ein.
Lasst mich bitte das Drehbuch für das nächste „Traumschiff“ schreiben: Harald Schmitt wird zur Stafe dafür, weil er gerne die Sender wechselt aber nie das Konzept seiner Sendung, am höchsten Schornstein aufgeknüpft. Und weil die Crew dabei zusieht und die Brücke unbemannt ist, rammt das Schiff Heide Keller, die grade im Meer badet und die Wale erschreckt. Der Kahn schlägt leck, geht unter und zieht jede Menge abgenudelte Fehrnsehstars (wie C.Neubauer oder B.Wussow) mit in die Tiefe.
Traumschiff erledigt und mit etwas Glück noch Rosamunde Pilcher, die Landärztin und diverse andere TV-Schmonzetten gleich mit.

Der Britische Autor Terry Pratchett schrieb mal, er lasse seine Bücher lieber von der BBC verfilmen, statt sie ins Kino zu bringen. Er meinte, Fehrnsehen im Gegnsatz zum Film funktioniere Fehrnsehen, dort würde man seinen abgedrehten Geschichten eine Möglichkeit geben.
Tja, in England…

Paule
Paule

@Wortvogel
Es ist nicht besser oder schlechter, es ist anders. Aus der jeweiligen Geschichte und aus dem Geschmack des Publikums heraus. Die deutschen Sender sind nicht kreativ und das Publikum verlangt auch nicht unbedingt danach.
Du stellst Fragen, schließt aber selbst leider gleich eine wichtige Voraussetzung aus. Man muss es als Gesamtes betrachten. Wer moderne britische Serien (Spooks, Hustle, Life on Mars, Downton Abby, Doctor Who, die Liste ist noch länger) kennt, weiß sie zu schätzen. Aber welche britischen Serien sind denn bei uns erfolgreich? Die relativ gemächlichen Krimis im ör ZDF. Schuld des ZDF? Der Privaten? Nein. Weil das deutsche Publikum in seiner Gesamtheit diese Art von Krimis mag. Deswegen auch die Tatorte.

Tim Krahnert
Tim Krahnert

„How not to life your life“ *räusper* Bitte korrigieren. Da kriegt man ja eine Gänsehaut!

Paule
Paule

@Wortvogel
Ein Blick in jede TV-Zeitschrift zeigt mit, dass es doch so ist. Wieso zeigt RTL seit Jahren am Abend immer nur die gleichen Formate, wo man als Marktführer doch theoretisch ein besonderes Gespür für Neues und Bedürfnisse des Publikums haben sollte?
Ich kann mich sogar erinnern, dass Frau Schäferkordt im Rahmen einer dieser Paneldiskussionen mal selbst in blumigen Worten beschrieb, dass das deutsche Publikum nicht scharf auf Neues sei.
Ich kann Channel 4 seit April empfangen. Anfangs habe ich vieles verschlungen. Jetzt ist es normal und ich schaue nicht mehr oder weniger als von deutschen Sendern. Es ist nicht besser oder schlechter, es ist nur anders.

Höpp
Höpp

Ein schöner Beitrag. Jetzt fehlt mir nur noch der Hinweis, wie ich es denn im nächsten Jahr hinbekomme, das BBC-Programm live sehen zu können, ohne nach UK reisen zu müssen. Das ist nämlich genau das, was mir über das Jahr hinweg fehlt, gutes Fernsehen, mutige Ideen. Insbesondere natürlich die specials zum Jahresende. Über Tipps freut man sich gern!

DJ Doena

Das Problem ist, dass sich die deutschen Sender auf absolute Kostenoptimierung eingeschossen haben.

Eine Scripted-Fake-Reality-Folge kostet (ausgedacht) 50.000€ und bringt 1,3 Mio Zuschauer.

Eine Folge richtige Eigenproduktion kostet 250.000€ und bringt 2,7 Mio Zuschauer. Da ist die Umsatzrentabilität für den Scripted-Mist einfach besser, selbst wenn weniger einschalten.

Der Markus
Der Markus

@ Paule
Ist was dran, der deutsche Zuschauer schätzt britische Produktionen, wenn sie im Stile einer deutschen Pilcher-Verfilmung daher kommen.

Allerdings muss ich „Tatort“ ein wenig in schutz nehmen. Dort wird inzwischen versucht, mal was zu probieren. Die Folge „Das Dorf“ z.B. war herausragend. Hoffen wir mal, dass so etwas Schule macht.

plumtree

Um es mit einem Satz zu sagen: Sie trauen sich nicht!

Kein Sender probiert mal was wirklich Neues auf einem Hauptsender aus. Wobei schon die Dritten schon fast Hauptsender sind, aber da gibt’s wenigstens manchmal Ideen.
Und wenn mal was vom Mainstram abweicht, wie z.B. Ijon Tichy, wird es so ins Programm eingebaut, dass man es selbst bei überdurchschnittlichem Interesse kaum findet.

Tim Krahnert
Tim Krahnert

@Höpp: Da ich mich auch gerade damit beschäftige: die einzig sinnvolle Möglichkeit ist wohl per Satellit auf 28,8° Ost: das ist der Astra 2D-Satellit. Allerdings ist für diesen Satelliten in D wohl eine relativ große Schüssel notwendig. Unter folgendem Link findet man viele Informationen. Bitte auch den Hinweis am Anfang der Seite beachten:

http://sat.beitinger.de/astra_2d.html

Nils
Nils

s

Dajolt
Dajolt

Ich hab hier auch BBC Empfang und im Vergleich zu ARD+ZDF ergibt sich besonders der Vorteil, dass das Hauptprogramm auf 5 Sender (BBC 1-4 + BBC HD) beschränkt ist und diese Sender teilweise nur abends senden. Das ist für wenig Fernseher ideal, weil man so mit geringem Zeitaufwand attraktive Sendungen finden kann, die in unserem. Ich bin fest davon überzeugt, dass wenn man neben ARD, ZDF und einem Regionalsender alle anderen öffentlich-rechtlichen Sender in vier Kanäle – also einen Arte/3Sat mix, einen ZDF Neo/ARD Eins Festival/ZDF Kultur Mix, einen Nachrichtenkanal und einen Kinderkanal zusammenwerfen würde, dann würden da mehr sehenswerte Sendungen kommen, die auch eine Chance hätten, ein Publikum zu finden. Denn gute, aber kostspielige Sendungen kann man bei dem Minimalpublikum der Digitalkanäle heute nicht rechtfertigen.

Das englische TV ist aber auch gefühlt hochwertiger.

Die Hauptkanäle haben entweder gar keine Senderlogos haben oder bei HD nur sehr unauffällige.
Es macht einen großen gefühlten Unterschied, wenn sich ständig der Sendername auf den Köpfen der Schauspieler herumhängt oder ob am Himmel sich dauerhaft ein Ball langsam dreht.

Ausserdem geben die englischen Sender für Continuity viel Geld aus: Es gibt wenige sekundenlange Filmchen, die vor jeder Sendung laufen und einem Sprecher im Off die Möglichkeit geben, die Sendung anzusagen. Diese Atempause, die Chance, eine Sekundung von Anfang an zu geniessen fehlt bei ARD + ZDF (aber nicht bei Arte). Zu Weihnachten sind diese Filmchen – auch das hat Tradition – besonders hübsch. Es werden also alle Sendungen mit Geschenkpapier ausgeliefert, während die bei uns lieblos hingeschmissen werden und – besonders beim ZDF – ohne noch so kurzen Abspann (ab-)serviert werden.
Kein Wunder, dass der Zuschauer diese dann nicht besonders schätzt…

Paule
Paule

@Dajolt
Die Präsentation ist in GB wirklich viel besser. Sehr wenige Nerveinblendungen, Abspänne an Filmen, dezente Logos, bei 4 der ehemaligen 5 Terrestrials oftmals gar kein Logo und schöne Idents vor den Sendungen.
Aber auch hier denke ich, dass es dort so gewachsen ist, während bei uns eine andere Richtung eingeschlagen wurde. Ein plötzlicher Richtungswechsel käme bei uns nicht sehr gut an. Er würde nur von denen bemerkt, die das aus England kennen und die schauen lieber englisches Fernsehen.
Mit deiner Einschätzung, dass unsere ör Systeme kontraproduktiv aufgestellt sind, liegst du sehr richtig. Die BBC kommt aus einem Haus und koordiniert ihre Sender daher. Wir haben 9 Landesrundfunkanstalten, die teils gegeneinander arbeiten und gleichzeitig das Erste veranstalten. Dagegen arbeitet das ZDF und gegen diese beiden arbeiten die gemeinsagen Spartensender wie arte oder Phoenix. Unsere senden mit aller Macht gegeneinander an und aus dieser Konkurrenzsituation resultiert kein sehr hohes Niveau. Aber das ist von der Politik von gewollt und aus den Sendern hört man auch nicht, dass es einer Änderung bedarf. Lieber spielt man noch damit, indem zB das ZDF auch vormittags eigene Nachrichten machen will.

Uli
Uli

„Während ich Raubkopien generell nicht gut heiße, finde ich es zumindest nicht schändlich, sich britische Programme, die es weder auf DVD noch im regulären deutschen Programm gibt, zeitnah aus dem Internet zu holen.“
Das sehe ich genauso, anders gibt es ja keinerlei Möglichkeit die neue „Sherlock“ Folge zu sehen, außer man hat mal Glück auf iTunes.

Proesterchen
Proesterchen

Sherlock ist ein ganz schlechtes Beispiel, weil Series 2 schon in 2 Wochen auf Bluray und DVD veröffentlicht wird.

Klaus K.
Klaus K.

Ich kann da dem Autor nur beipflichten… und erinnere mich gern an vergnügliche Fernsehabende mit meiner Zweitfamilie in England zwischen Weihnachten und Neujahr…

Armes Deutschland 🙂 Aber es bleibt dem ungeneigten deutschen Fernsehbetrachter immer noch die revolutionäre Methode, den Ausknopf zu betätigen. Ich schaue schon seit Jahren außer Nachrichten kein deutsches Fernsehen mehr und fühle mich recht wohl dabei… Es gibt genügend TV-Futter aus anderen Ländern (bei mir eher die USA) um den Abend hochwertiger zu füllen…

Uli
Uli

Stimmt, Sherlock Series II wird in der Tat schon Ende Januar auf DVD veröffentlicht. Amazon hat erst was ausgespuckt als ich den UK Shop angewählt habe, danke für die Info!

Christian Berger
Christian Berger

Ich glaube, an einem ganz praktischen Beispiel kann man den Unterschied ganz deutlich sehen: „Der Grüffelo“ einmal bei der BBC, dann beim ZDF.

http://www.youtube.com/watch?v=pIa8FBxtPoQ

Proesterchen
Proesterchen

OK, die zwei Sekunden sind ärgerlich.

Den Rest finde ich aber nicht schlimm. Und der Gleichstellungsbeauftragte freut sich (und nebenbei alle mit Gehörproblemen auch) über die visuelle Vorschau. Aber das ist sicher kontinentaleuropäisches Teufelszeug, oder? 😛

Paule
Paule

@Wortvogel: „Jetzt argumentierst du mit Systemfehler “
Das gehört nach 60 Jahren zusammen. Wenn ein Land jahrzehntelang auf eine bestimmte Weise angesprochen wird, dann bleibt da was hängen. Ich bleibe schon dabei, dass das Publikum die Schuld trägt. Die ersten Privaten hatten alle Chancen der Welt. Und was kam raus? Das kann nur daran liegen, dass das Publikum dies so wollte.
„Eine zentrale Koordination heißt ja nicht gleich Aufgabe der lokalen Präsenz oder Verpflichtung.“
Im Gegenteil. Lokales dort, wo es hingehört. Aber ein Gesundheitsmagazin kann man schlecht lokal gestalten. Sowas gehört zentralisiert. Aber rate mal, wie viele Dritte sich die Kompetenz sowas produzieren zu dürfen, nehmen lassen würden? Die kleben da schon allein deswegen dran, weil sie dürfen.

Medienjunkie

@Paule: „Wenn ein Land jahrzehntelang auf eine bestimmte Weise angesprochen wird, dann bleibt da was hängen. Ich bleibe schon dabei, dass das Publikum die Schuld trägt. Die ersten Privaten hatten alle Chancen der Welt. Und was kam raus? Das kann nur daran liegen, dass das Publikum dies so wollte.“

Irgendwie widersprichst du dir hier schon wieder. Wenn ich dich richtig verstehe, meinst du doch, das Publikum wird von den Sendern seit Jahrzehnten auf eine bestimmte Weise angesprochen? Also erziehen doch die Sender damit ihr Publikum (dazu, nur noch anspruchslose Stoffe zu goutieren), nicht umgekehrt.

Und wann bitte haben RTL oder Sat.1 versucht, anspruchsvollere Sendungen zu lancieren? In ihrer Frühzeit doch ebenso wenig wie heute. Ok, vor fünf Jahren gab’s bei Sat.1 mal „Blackout“, aber das war ja auch nicht deren Frühzeit.

Natürlich produzieren BBC und Channel 4 prozentual gesehen mehr hochwertige Sachen (zumindest im fiktionalen Bereich). Wenn man sich eine BBC-Krimi-Miniserie anguckt und dann einen durchschnittlichen „Tatort“, sind das ja verschiedene Welten. Als Alibiveranstaltung lässt man dann alle paar Jahre mal Dominik Graf einen „Polizeiruf“ machen (den ein Großteil der Stammzuschauer dann schon nicht mehr in der Lage ist zu begreifen und als „Kunstkacke“ abstempelt).

Zwei tolle E4-Serien gibt’s übrigens inzwischen bzw. bald auch als deutsche DVDs: „Skins“ und „Misfits“. Deren erste beiden Staffeln sind jeweils hervorragend. Vor allem „Skins“ ist mit das beste, was ich international aus den letzten Jahren so gesehen habe.

Howie Munson.
Howie Munson.

Die ersten Privaten hatten alle Chancen der Welt. Und was kam raus? Das kann nur daran liegen, dass das Publikum dies so wollte.

also das ist nun wirklich zu einfach, die zahlenden Kunden haben wohl auch bisschen was zu sagen….

und würde die werbenen Marktteilnehmer eine Zielgruppe ansprechen wollen, die eben nicht auf die jetzige Programmplanung stehn, dann würde sich dafür auch ein Sender finden, der das Geld nimmt und entsprechendes sendet… wenn es den Firmen egal ist, dann sendet ein Sender eben das was er am billigsten produzieren kann und ausreichend Publikum am Gerät hält.

es hat aber eben nciht das gesammte Publikum genau so gewollt, eindeutig nicht die die gar nciht fernsehen, auch nicht die die was anderes sehen und die die es wirklcih sehen tun dies unter Umständne nur weil alles andere ihnen noch weniger gefällt und ihnen grad keine bessere Freizeitgestaltung einfällt.

Paule
Paule

@Howie Munson. „also das ist nun wirklich zu einfach, die zahlenden Kunden haben wohl auch bisschen was zu sagen….“
Die sind nicht ganz unbeteiligt, wie man gelegentlich an RTL-Sendungen sehen kann, die zwar viele Zuschauer haben, aber wenige Werbekunden. Das sind aber Ausnahmen und Extreme. In der breiten Mitte ist es – innerhalb eines Rahmens – sicherlich fast egal was läuft, solange das Publikum groß genug ist und bestimmten Kriterien entspricht.

„es hat aber eben nciht das gesammte Publikum genau so gewollt“
Nicht das Gesamte, aber ein Teil der groß genug ist, um den aktuellen Zustand herbeizuführen. Wie wollten mal nicht die ganzen Null-Komma-Sender vergessen, die die ÖR so liefern. Alles für Gruppen, die sich in den „Großen“ nicht wiederfinden. Aber es sind allesamt kleine Sender.
Wären mehr an arte-Inhalten interessiert, dann würde mehr arte geschaut. Statt dessen liest man in Foren und Blogs ständig den Vorwurf ans ZDF, seine Digitalkanäle seien nur Alibi, um die guten Inhalte dorthin abzuschieben. Dann möchte ich jedesmal rüberrufen, dass man diese Inhalte dort doch problemlos schauen kann, wenn man sie denn schon gut findet. Passiert das? Nein. Es wird gemeckert aber nicht gemacht. Daher muss ich schlussfolgern, dass das Programm der Großen für die Meisten gemacht wird und kleine Gruppen ihr Angebot bei den kleinen Sendern finden.

Paule
Paule

@Medienjunkie „Irgendwie widersprichst du dir hier schon wieder.“
Ich versuch das nochmal rund zu machen.
Man muss immer das Gesamte betrachten. Angebot und Nachfrage.
Aber unterm Strich regiert das Publikum. Bei den Privaten, weil die Werbeerlöse daran hängen. Und bei den ÖR, weil die natürlich kein Publikum von anderem Schlag vor sich haben. Die Sender haben eine gewisse Macht in der Erziehung, aber wann drehte ich die Spirale schonmal nach oben? Es geht immer nach unten.
„Und wann bitte haben RTL oder Sat.1 versucht, anspruchsvollere Sendungen zu lancieren? “ Ich meinte das Gegenteil. Die Privaten kamen und Anfang der 90er war Goldgräberstimmung. Was kam da nun heraus? Nicht viel Gutes.
Und selbst denn man Graf alle Jubeljahre mal einen Film machen lässt, den der Großteil nicht mehr begreift: Welchen Sinn ergibt es denn, viel mehr von dem zu machen, was der Großteil nicht begreift? Keinen. Etwas mehr kann nicht schaden, aber man muss sich über den Preis im Klaren sein.
Skins, Misfits und Being Human sind brilliant, aber schau dir mal die Dokus auf BBC Three an. Oder so manche Ch4-Gesundheitsshow. Da wird einem schlecht. Oder BBC News, wo man 24h lang Druck, Druck, Druck macht. Es ist nicht alles Gold. Man muss das Gesamtpaket betrachten.

Oibert
Oibert

Wenn ich sehe wieviele UK-Serien ich schaue und das mit dem deutschen Fernsehen vergleiche und was ich mir dort ansehe, kotzt es mich maximal an, dass ich ab nächstem Jahr GEZ zahlen muss (ich schaue NICHTS ausser Lindenstraße). Für die BBC zu zahlen – da hätte ich kein Problem damit. Es ist für mich immer wieder erstaunlich, wieviel die Engländer mit wenig hinbekommen, während bei den Milliarden die den öffentlich rechtlichen in den Arsch geblasen werden absolut nichts herumkommt, was nur einen Bruchteil der Qualität der UK Sachen erreicht – zumindest im Bereich der fiktionalen Filme und Serien

Medienjunkie

„Und selbst denn man Graf alle Jubeljahre mal einen Film machen lässt, den der Großteil nicht mehr begreift: Welchen Sinn ergibt es denn, viel mehr von dem zu machen, was der Großteil nicht begreift?“

Z.B. den, auch dem Teil der Zuschauer noch etwas anzubieten, der noch nicht verblödet/abgestumpft oder was auch immer ist. Denn zum Auftrag der Ö.-R.s gehört ja, alle Bevölkerungsgruppen zu bedienen. Warum war es denn vor knapp 20 Jahren noch möglich, über Wochen drei Mal in der Woche „Die zweite Heimat“ um 20.15 im Ersten zu zeigen, was heute undenkbar wäre? Doch nicht, weil die Deutschen damals im Durchschnitt intelligenter waren. Sondern, weil man heute nur noch den kleinsten gemeinsamen Nenner sucht, um keine MA an die Privaten zu verlieren. Dann könnte man Erstes und Zweites aber auch gleich abschalten.

Was fehlt, sind feste Programmplätze zu guter Sendezeit in den Hauptprogrammen, wo sich dann rumspricht, dann und dann läuft immer was Interessantes, z.B. Serien wie KDD, die auch US-Serien-affine Leute ansprechen. Stattdessen verschreckt man damit Zuschauer auf dem SOKO-Sendeplatz, und die Leute, die KDD gut finden würden, kommen gar nicht auf die Idee, freitags um 21.15 ZDF einzuschalten. Und dann dient die schlechte Quote wieder als Argument, die Leute wollten halt nur Seichtes sehen.

Proesterchen
Proesterchen

@Oibert

„Es ist für mich immer wieder erstaunlich, wieviel die Engländer mit wenig hinbekommen, während bei den Milliarden die den öffentlich rechtlichen in den Arsch geblasen werden absolut nichts herumkommt“

Die britische licence fee beträgt £145.50 oder rund 176 Euro pro Jahr, die GEZ beträgt 215,76 Euro. Für die 22% Zuschlag bekommen wir dann schlappe 22 TV-Programme und unzählige Radiowellen – auf den ersten Blick kein schlechtes Geschäft.

Klar kann man jetzt sagen, dass all dieses Angebot den Preis nicht wert ist, weil man selbst eben nur sehr begrenzte Teile des/der Programms/e mag und sieht, aber auch bei der BBC ist nicht alles Gold was glänzt. Mich würde z.B. ein Überblick interessieren, wie viele „Outcasts“ die BBC für jedes „Sherlock“ produziert.

DJ Doena

„Die britische licence fee beträgt £145.50 oder rund 176 Euro pro Jahr, die GEZ beträgt 215,76 Euro. Für die 22% Zuschlag bekommen wir dann schlappe 22 TV-Programme und unzählige Radiowellen – auf den ersten Blick kein schlechtes Geschäft.“

Auf den ersten Blick ja, wenn man zusätzlich zu den 40€ Differenz noch ignoriert, dass Dtl. 1/3 mehr Einwohner als GB hat.

Gemäß dieser Quelle ( http://www.bbc.co.uk/bbctrust/assets/files/pdf/review_report_research/tvl/tvl_report.pdf ) hat die BBC Einnahmen von 3,4 Mrd Pfund (4,1 Mrd €). Also mehr als 3 Mrd. € weniger als unsere Öffis!

Uli
Uli

Gibt es dieses Jahr eine Fortsetzung? Würde mich echt freuen.

PabloD
PabloD

Moment mal, Charles Dance hat tatsächlich mal bei Rosamunde Pilcher mitgespielt?
Damit dürfte die erste Frage für den Wortvogel Adventskalender 2015 feststehen 😀