Wenn man zwanzig Jahre in einer Stadt lebt, hat man seine Favoriten. Theater, Kinos, Parks und Friseure – ich bin eine treue Seele und if it ain’t broke, don’t fix it.

Was die Besuche in Speiselokalen angeht, oszilliere ich zwischen zwei Extremen: Einerseits probiere ich gerne mal was Neues aus – andererseits weiß ich, wo ich meine Lieblingsspeisen genau so bekomme, wie ich sie haben will. Ich bin also entweder Stammesser oder Neukunde.

Heute stelle ich euch mal vor, wo man mich an so manchen Tagen finden kann – in Begleitung der LvA oder mit Freunden, manchmal aber auch allein mit der neusten Ausgabe des „Video Watchdog“.

Die Namen der Restaurants sind klickbar und führen zu den entsprechenden Webseiten.

Villa Dante

Die Einrichtung ist der austauschbare „München-Standard“, der es unmöglich macht, das Lokal auf den ersten Blick von ca. 300 anderen Restaurants zu unterscheiden. Einziges Alleinstellungsmerkmal: Ein Projektor wirft je nach Jahreszeit Kaminfeuer oder Waldidyll-Bildschirmschoner an die Wand. Früher war hier zwischen Dante-Bad und Westfriedhof ein Wienerwald. Direkt an der anderen Straßenecke kann man im „Gerners“ gut texmex essen.

Für mich gibt es in der „Villa Dante“ die beste Pizza Münchens. Der Rucola ist knackig frisch, die Calabrese-Salami zäh und scharf.  Dafür nehme ich auch in Kauf, dass es abends immer voll ist und die Bedienung gerne mal nicht nachkommt. Reservierung hilft.

Kai Mug

Das nenne ich eine Erfolgsgeschichte: Die mittlerweile in zehn Städten mit einer wachsenden Anzahl an Restaurants vertretene Thai-Garküchen-Kette fing als kleiner Wohnwagen 1996 vor ProSieben in Unterföhring an. Aus einer Klappe wurden Nudeln und Curry, Hühnchen und Frühlingsrollen verkauft. Das war eine exzellente Alternative zur Sender-Kantine, der ich bis heute treu geblieben bin. Die hohe Qualität der Zutaten hat mich überzeugt.

Auch hier habe ich einen absoluten Favoriten: 10 ohne Gemüse. Oder anders gesagt: Nudeln aus dem Wok mit Sesam, Ei und Huhn angebraten.

Sangam

Ich war nie ein Fan indischen Essens, bis mich ein Kollege kurz vor der Jahrtausendwende in der Mittagspause von Unterföhring nach München rein schleifte. Als IT-Experte von ProSieben konnte er lässig zwei Stunden „zu Tisch“ sein und nutzte diese Freiheit für kulinarische Exkursionen. Das „Sangam“ hatte damals ganz neu aufgemacht. Ich wurde schnell Stammkunde, denn der Mittagstisch ist preiswert, vielfältig, und vor allem lecker.

Die Vielfalt ist mir allerdings schnurz, denn ich esse seit nun über zehn Jahren mindestens einmal die Woche immer das gleiche Gericht. Wenn der Chef des Ladens mich kommen sieht, packt er die Speisekarte gleich wieder weg, während ich sage: „Machen wir uns doch nichts vor“. Er wiederholt dann nur fürs Protokoll: „Punjabi Chicken Curry ohne Salat und ohne Suppe, dazu Nan und ein Radler“. Das warme Nan-Fladenbrot in die Sauce des Currys zu stippen, gehört für mich zu den ganz großen Geschmackserlebnissen.

Miss PeppeR

Es gibt viel Texmex in München, aber mit tatsächlichen Dinern ist es eher schlecht bestellt. Es gab mal das „Munichs First Diner“ hier gleich um die Ecke, aber das hat nicht lange durchgehalten. Das „Ralph’s“ war relativ zäh, ist aber auch schon seit mindestens zehn Jahren dicht. Meine Idee, eine eigene Diner-Kette unter dem Namen „Sevens“ aufzuziehen, hat ProSieben nie umgesetzt. Das „Shooters“ in Gilching ist nicht wirklich der Bringer – auch wenn man hier von Pornostar Mia Magma persönlich bedient wird.

Was bleibt? Hot Dogs bei IKEA – und das „Miss PepperR“ in Dasing. 40 Kilometer außerhalb von München, aber es lohnt sich. Früher hieß das erst „Lara’s Diner“, dann „Bonny’s Diner“. Hatte rund um die Uhr offen, was mich so manches mal zu einem Bogen um den Großraum München veranlasste, wenn ich 4 Uhr morgens von Düsseldorf kam.

Im „Miss PeppeR“ gibt es die faux-authentische „American Graffiti“-Atmosphäre, jenes Zerrbild des American Dream, das von schlechten Postern aus Möbelhäusern der 80er geprägt ist. Gigantische Burger, amerikanisches „Bier“, leckere Suppen. Und fürs Zwerchfell hängt auch gerne mal die Dasinger Dorfjugend ab.

Wer nicht ganz so weit fahren will, geht ins Marriott Hotel in Schwabing. Da gibt’s eine „Champion’s“-Sportsbar mit akzeptablem American Food.

Café Jasmin

In meinem Beruf trifft man sich immer mal wieder mit Leuten auf einen Kaffee, um in entspannter Atmosphäre Ideen zu kauen. Viele Kollegen bevorzugen dafür das „Café Glockenspiel„, weil es so zentral liegt. Mir ist es zu voll und ungemütlich. Wenn schon auf Kaffee und Kuchen, dann ins heimelige „Café Jasmin“, das immer noch so aussieht, als freue man sich täglich über das Wirtschaftswunder und die Rosenzucht von Kanzler Adenauer. Früher war das auch authentisch, als das „Jasmin“ noch von uralten Schwestern geführt wurde. Mittlerweile haben (so wurde mir erzählt) hippere Besitzer übernommen und damit ein etwas jüngeres Publikum angezogen. Trotzdem ist das Café immer noch angenehm truschig.

Mein Tipp: Die Käse/Mohn/Streuseltorte.

Honorable Mentions: Es seien noch ein paar Läden genannt, die es aus verschiedenen Gründen nicht in die Liste geschafft haben:

  • Das „Scheidegger“ war mein Stammlokal zu GONG-Zeiten. Die hatten eine riesige Speisekarte, günstige Preise und eine muskulöse Kellnerin. Aber irgendwann vor ca. 10 Jahren hat wohl der Besitzer gewechselt, die Speisekarte schrumpfte auf Standard zusammen, und es lohnt die Fahrt nicht mehr.
  • Das „Fiddler’s Green“ war DER Irish Pub für mich, weil er im Gegensatz zu den Alternativen in München groß genug war, um nicht sofort knallvoll zu sein, nur weil mal eine Opel Astra-Ladung Studenten auf ein Kilkenny vorbei kommt. Hier war Platz, hier konnte man sein. Leider machte der Pub vor Ewigkeiten schon zu, heute ist dort der Edel-Italiener „Medici“ (den ich empfehlen kann, wenn man exzellent „in style“ essen möchte).
  • Das „Donatos“ war nicht einfach eine Pizzeria mit drei Filialen hier in München – die Restaurants gehörten McDonalds und sollten von hier aus die Republik erobern. Viele putzige Details machten aus dem Besuch eine Erfahrung: per Telefonhörer konnte man vom Tisch aus direkt in der Küche bestellen, der Lieferservice ging bis 4 Uhr morgens, und eine Jumbo Salami hatte abgezählte 100 (kleine) Scheiben Wurst drauf. Am wichtigsten aber: Es schmeckte richtig gut. Leider entschied sich McDonalds nach zwei Jahren, sich doch erst mal wieder auf das Kerngeschäft zu konzentrieren und machte die „Donatos“-Läden von heute auf morgen dicht.
  • Wie das „Scheidegger“ gibt es auch die „Weinbodega Dalí“ noch – im oben beschriebenen „München Standard“ ist das Restaurant aber erschütternd gesichtslos und austauschbar. Anfang der 90er, vor dem Umzug, war es jedoch eine super kleine Pinte mit Platz für gerade mal 10 bis 12 Leute, wo man super schummerig mit einem Date romantisch-heruntergekommen abhängen konnte. Da, wo einst das gute „Dalí“ war, ist heute das ein bisschen zu angesagte „Ginger„.
  • Auch das „Kilombo“ ist ein Restaurant, dem der Umzug nicht gut getan hat. Es hatte diesen leicht siffigen 70er Jahre Charme, alte Sessel, einfache Speisen, und ein Regal mit Spielen und abgegriffenen Büchern. Jetzt im Westend ist es mir zu glatt und konzipiert.

So, das ist meine Liste. Was sind die Lokale und Kneipen, Cafés und Bistros eurer Stadt, ohne die ihr nicht leben wollt?



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Exverlobter
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Ich kenne die Läden alle nicht.
Ich gehe am liebsten zum Cadu für kleinere Snacks oder zum L’osteria wenn es etwas mehr sein soll. Gern ging ich auch zu Big Mamas Kebab ( direkt neber der Schwabinger 7), aber da wird momentan noch gebaut.

heino
heino

Hier in Köln kann ich folgende Läden empfehlen:

– Cafe Krümel:wenn es mal auf Kaffee, Kuchen und einem ordentlichen Frühstück zu guten Preisen gehen soll, ist das immer noch die beste Adresse in der Kölner Südstadt. Und nette Bedienungen hat es auch.

– Lena`s:die beste Kneipe Kölns, wenn man ein gutes und günstiges Abendessen und flott nachgeschenktes Kölsch zu schätzen weiss. Bis letztes Jahr war der Laden direkt neben Kölns grössten Kino, dem Cinedom am Mediapark (wodurch es seit einiger Zeit auch zum In-Laden der Medien-Wichtigtuer unserer Stadt geworden ist), jetzt ist es ein paar Strassen weiter, aber immer noch in Nähe des Mediaparks gelegen. Lena und ihre Tochter führen den Laden immer noch und allein die beiden sind immer den Besuch wert. Musik gibt es nur aus der Jukebox und wer nicht auf Schlager steht, sollte da die Finger von lassen.

– Sternhagel:nette kleine Punk- und Fußball-Kneipe in Nippes (witzigerweise Fankneipe des FC Köln und St. Pauli gleichzeitig). Die Musik hängt immer von der jeweiligen Thekenkraft ab (ausser bei Mottopartys) und die Getränke sind relativ günstig. Kicker und Dart gibt`s auch

– Blue Shell:ewig alte Kult-Kneipe am Barbarossaplatz, die seit einiger Zeit unter „Club“ läuft. Interessant durch das vielseitige Konzert- und Musikprogramm, es werden auch schonmal Filme (hauptsächlich Konzertfilme) gezeigt und eine Poetry Slam gibt es auch. An die blaue Beleuchtung muss man sich gewöhnen.

– Trash-Chic:richtig urige Punk-Kneipe im verrufenen Köln-Kalk, das sich aber langsam mausert. Geboten wird sehr gute und preiswerte Küche, schönes Ambiente und hier dürfen die Gäste auch selbst DJ spielen, weswegen die Musik immer wieder extrem abwechslungsreich ist. Ausserdem die vermutlich grösste Cola-Auswahl der Stadt und die netteste Gemeinder der hiesigen Kicker-Spieler

– Buskers:der letzte richtig gute Irish Pub, den Köln noch zu bieten hat. Klein, gemütlich, die Preise sind in vernünftigem Rahmen, Dart-Scheiben gibt es natürlich auch und sogar noch den kultigen Indiana Jones-Flipper

-Cubana:sehr gutes kubanisches Restaurant am Barbarossaplatz. Schön gross, gutes Essen, gute Preise, leider nicht ganz so gute Bedienung.

-Em Drügge Pitter:schöne Alternative-Kneipe in Ehrenfeld. Gute Musik, reichhaltige Getränkeauswahl zu sozialen Preisen, Dart und Kicker. Was will man mehr?

– Kim Phuc:vietnamesicher Imbiss in der Zülpicher Strasse,den es auch schon ewig gibt. Besonders empfehlenswert sind die Hähnchen-Taschen.

milan8888
milan8888

Rusticana: Steaks und Spareribs seit mehr als 40 Jahren in der Grillparzerstraße nähe Ostbahnhof. Da war ich ungefähr vor dreißig Jahren zum ersten Mal und erst heute wieder zum bestimmt nicht letzten Mal. Sollte jeder Fleischfreund mal drin gewesen sein. Unbedingt reservieren.

Sie nannten Ihn Kangaroo
Sie nannten Ihn Kangaroo

Für mich ist das Cafe Münchner Freiheit, direkt an der Münchner Freiheit der ewige Klassiker….

Stephan
Stephan

Es ist zwar die Klischee-Klitsche, aber die Trüffelpizza bei Hugos ist einfach klasse.

Das Fiddler’s Green war tatsächlich toll, meine Schule war um die Ecke. Ansonsten sah es mit Pubs ja ziemlich mau aus, mittlerweile war ich in dem, das im früheren Lamm’s am Sendlinger Tor aufgemacht hat. Sehr schöner, großzügiger Laden mit toller Livemusik. Empfehlenswert!

Und weil ich zwei Häuser weiter wohne, möchte ich das Catwalk in der Mauerkircherstr. nicht unerwähnt lassen – gute Karte, schöne Cocktails, tolle Weine.

Marcus
Marcus

Was soll’s, auch wenn ich ja nächste Woche wegziehe – für den Fall, dass es mal wen nach Wuppertal verschlägt (was auch immer er hier wollen mag 😉 ):

– zum verspäteten Frühstück, nachdem man samstags mal ausgepennt hat (wenn man in Vohwinkel wohnt, was zugegebenermaßen für den Besucher von außerhalb weit vom Schuss ist): ein warmes „Scharfes Huhn“ (herzhaftes Rosinenbrötchen mit Huhn, Tomaten, Peperoni und scharfer Curry-Sauce) und einen frischgepressten O-saft im „Backhaus“ unter der Schwebebahnendhaltestelle Vohwinkel.

– zum urigen, preiswerten Mittagessen in Sonnborn (wenn man von Vohwinkel aus in die City reinfährt) das „Nudeltöpfchen“: schön chaotische Wohnzimmeratmosphäre, Riesenauswahl (wenn auch ALLES mit Nudeln) und Riesenportionen, im Sommer auch mit Biergarten hinterm Haus. Als Snack am Platz gibt es immer gebrannte, gesalzene und mit Parmesan gewürzte Nudeln – machen süchtig, kann man auch zum Mitnehmen kaufen. Als Hauptspeise empfehle ich die Maultaschen in Pepperoni-Paprika-Tomatensauce mit Peperoni-Salami oder den Curry-Hühnchen-Nudeltopf.

Zum gehobeneren Mittagessen empfehle ich „Zum alten Q-Stall“ (ha.ha.ha.), wenn man am Zoo/Stadion den Beg hochfährt.

Den besten Burger der Stadt, den ich kenne, gibt’s zum preiswerten Mittagsmenü in dem Mexikaner (Name habe ich vergessen) ebenfalls am Zoo/Stadion den Berg hoch.

Zum Mittagessen in der Innenstadt W-Elberfeld empfehle ich ein Lemongrass Pork (mjam!!!) oder ein Massaman Curry (dito!!) in der Thai/Sushi-Bar in den City-Arkaden direkt am Bahnhofsausgang zur City (Achtung: *direkt* gegenüber in den Arkaden gibt es noch ’nen Asialaden, den ich ausdrücklich NICHT empfehle. Merke: gibt es auch Sushi, bist du im richtigen). Der Laden ist allerdings klein und daher gerade um die Mittagszeit oft voll. Zum Nachtisch kann man sich dann ein selbstgemixtes Softeis oder Cornetto mit Früchten an der Langnese-Eisstation in den Arkaden holen.

Alternativ kann man weiter die Straße runter in Richtung Kirchturm gehen ins Coa (neben dem Saturn). Trendy Asia-Küche, superlecker, nicht wirklich preiswert. Im Hochsommer echt gemütlich, da klimatisiert. Essen sollte man einen vietnamesischen Rindfleisch-Salat mit Chilidressing und dazu ein paar in Minze eingewickelte vietnamesische Frühlingsrollen, oder aber ein Curry (aber das nur, wenn man es ECHT scharf mag) und dazu vielleicht eine Krabben-Kokoscreme-Suppe.

Wenn es schnell gehen soll – einzig gute Dönerläden sind der Mount Ararat Grill in Vohwinkel an der großen Kreuzung und der IN den City-Arkaden – NICHT der davor. (Und wo wir gerade dort sind – die beiden Pizzerien und das Eiscafé da drin sind auch ok, und ein Nordsee gibt es da auch.)

Und abends empfehle ich…. äh… wieder weg aus Wuppertal zu sein. 😈

Peroy
Peroy

Ich kenne keine Restaurants. Jetzt fühl‘ ich mich außen vor…

Peroy
Peroy

Gnadenloses Rumgespamme und völlig Off Topic, aber es muss sein: Gleich läuft um 0.15 auf Tele 5 der Shocking Shorts-Kurzfilm „Passage 33“, den ich geschrieben habe.

Guckt den!

Exverlobter
Exverlobter

Gibt es den auch im INTERNET?
Habe keinen Fernseher mehr.

Gregor

Oha, auf Tele 5 läuft eh grad ein toller Film.

Marcus
Marcus

@Peroy: schade, zu spät gesehen. 🙁 Schließe mich daher dem Ex an: Internet?

Exverlobter
Exverlobter

Falls es jemanden mal in meine alte Heimatstadt Reutlingen verschlagen sollte, empfehle ich das „Alexandre“.

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[…] an. Hunger hatte ich auch. Also dachte ich mir: Wenn schon in München, dann doch gleich in mein Lieblingsrestaurant Sangam in Schwabing. Nach satten sechs Runden um den Block erinnerte ich mich daran, die […]