Jeder berichtet heute über die Ereignisse des 11. September 2001. Ich kann nichts Allgemeingültiges beitragen, nichts, was nicht schon dutzendfach gesagt worden wäre. Ich finde den Mythos, den wir aus dem Anschlag machen kontraproduktiv, weil er genau das Fanal bildet, das den Terroristen vorschwebte. „Niemals vergessen“ ist eine bessere Strategie als „immer wieder dran erinnern“.
Ich war im Jahr vor den Anschlägen das letzte Mal in New York – damals entstand in Manhattan dieses Foto:
Danach habe ich lediglich noch einmal einen sechsstündigen Zwischenstopp eingelegt, bin kurz am Broadway shoppen gegangen. Für „Ground Zero“ hatte ich keine Zeit – und keine Nerven.
Aber ich weiß noch, wo ich war an jenem Tag, was ich gedacht habe. Es ist ein Tag wie die Mondlandung, der Tod von Lady Di – er versteinert die Erinnerung in einer Weise, die es unmöglich macht, sie zu verlieren. Sie bleibt auf ewig abrufbar, wird nicht blasser oder schwammiger. Jeder von uns hat sein eigenes 9/11. Und meins ist das Einzige, das ich mit euch teilen kann.
2001: Ich bin Entwicklungschef bei Tandem, Wir sind kurz zuvor in die Josephspitalstraße gezogen, eines der wenigen Hochhäuser im Münchner Zentrum. Unsere Büros liegen in achten Stock, ich habe eine sensationelle Aussicht über die Münchner Altstadt. Ich fühle mich erhaben über das hektische Treiben „da unten“. Nicht jeder in der Firma sieht das so: Eine Chefsekretärin kündigt augenblicklich nach einem leichten, aber doch spürbaren Erdbeben, das unser Haus ins Wanken bringt. Ich find’s cool.
9/11: Ich sitze in meinem Büro, ackere mich durch ein paar Drehbücher, die uns zur Produktion angeboten worden sind, sichte „dailies“, das tägliche Rohmaterial von Dreharbeiten, an denen wir beteiligt sind. Bei sowas brauche ich Ruhe, Fernsehen und Radio gibt es in meinem Büro nicht. Die Firma ist um diese Uhrzeit auch noch nicht voll besetzt, beide Chefs sind abwesend.
Plötzlich steht die Teamsekretärin Dionne in der Tür, bleich trotz ihres dunklen (indischen) Teints. „Komm mal schnell“, sagt sie nur. Ich folge ihr zum Büro der Chefin, in dem fünf Fernseher nebeneinander aufgereiht sind, die ungewöhnlicherweise alle das gleiche Programm zeigen. Nachrichten. Irina, die Vertriebsleiterin der Firma, steht zitternd vor den Bildschirmen.
„Was gibt’s denn?“ will ich wissen, aber keine der Frauen antwortet mir.
Dann sehe ich das Bild eines brennenden World Trade Center. Und ich kann schwören, dass ich sowas sage wie: „Neuer Emmerich-Film?“. Es ist einfach nicht mit meiner Vorstellung der Realität zu vereinbaren, dass sowas wirklich passieren könne. Zu diesem Zeitpunkt gehen wir noch davon aus, dass es sich um ein Unglück handelt. Ich spekuliere fassungslos: „Wie soll das ein Unglück gewesen sein? Wer fliegt denn AUS VERSEHEN eine Passagiermaschine in ein Hochhaus?“
Es kommen immer mehr Meldungen rein, die ersten Vermutungen, dann die Bestätigungen. New York ist augenscheinlich Ziel eines unglaublichen Attentats geworden.
Dann die zweite Maschine. Diesmal sind wir „live dabei“, diesmal blieben keine Zweifel – oder die Hoffnung, es sei alles nur ein schlimmes Unglück.
Dionne schlägt die Hand vor den Mund, Irina steht stocksteif da. Ich weiß nur noch, dass ich mich bewegen will, laufen, gegen die Wand schlagen, irgendwas. Diese völlige Apathie passt nicht zu der Wucht der Bilder, die uns immer und immer wieder in den Kopf gehämmert werden. Wir sehen schreiende, flüchtende Menschen – ich will mit ihnen rennen, nur um überhaupt irgendwas zu tun.
„Merkt euch den Moment“, sage ich irgendwann leise. „Man ist nicht oft dabei, wenn Geschichte geschrieben wird. Das hier wird alles verändern“. Mir ist so schmerzhaft wie allumfassend klar, dass es nun eine Zeitrechnung „vor“ und „nach“ geben wird. Dass ab jetzt neue Spielregeln gelten.
Ich gehe in mein Büro, rufe zuerst Rola an.
„What’s up?“
„Turn on the TV – right now.“
„Okay. What Channel?“
„Any channel.“
Ich höre es klicken, sie schaut, bleibt stumm. Dann sage ich in die Stille: „You better call Tim.“
Tim ist ihr Partner bei Tandem, er wurde nahe New York geboren, ist dort aufgewachsen und hat u.a. an der Metropolitan Opera gearbeitet. Er hat Freunde in Manhattan, Familie. Ich mag es mir gar nicht vorstellen.
Es scheint, als kämen die Katastrophen nun im 45 Minuten-Takt. Bilder in Endlosschleifen, erste „Experten“, wo doch niemand etwas weiß. Nachrichtensprecher so hilflos, wie ich sie noch nie gesehen habe. Schaltungen, Bilder, Statements. Der Einschlag ins Pentagon. Noch eine Maschine – diesmal mit dem Ziel Washington?
Manche Dinge verstehe ich nicht – und ich bin meinem Gehirn dankbar, dass es erst Wochen später korrekt „schaltet“. Immer wieder sehe ich Dinge aus den Fenstern der Twin Towers fallen und wie Herbstblätter gen Boden segeln. Jacken, denke ich. Tischdecken, um die Feuerwehr auf Überlebende aufmerksam zu machen. Glücklicherweise zoomt niemand nah genug ran, dass ich die Wahrheit erkennen kann.
Auch Menschen fallen wie Blätter, nicht wie Steine.
Und dann bricht der erste Tower zusammen.
Ich laufe noch einmal in mein Büro, versuche irgendwie zu meinem Kumpel Glen in Texas durchzukommen. Ich erreiche schließlich seinen Anrufbeantworter. Mir wird klar, dass ich gar nicht weiß, was ich sagen soll. Was sagt man in so einem Moment? Ich stammle, dass ich nichts sagen kann: „I don’t know… I’ve just seen… this is just so… I really don’t“. Dann lege ich auf.
Wir werden heute nicht mehr arbeiten. Niemand, der nicht an eine Stechuhr gebunden ist, wird heute mehr arbeiten. Ich nehme meine Jacke, setze mich auf meinen Roller, und fahre nach Hause. Die Stadt wirkt seltsam leer und leise, fast wie sediert. Es gibt keinen Alltag. Daheim mache ich den Fernseher an, noch bevor ich den Haustürschlüssel weg gelegt habe.
Irgendwann sind beide Tower gefallen, alle Flugzeuge explodiert, die heute explodieren werden. Nun besteht das Programm nur noch aus ewiger Wiederholung gleicher grausamer Schnipsel, talking heads, ersten hastig verfassten Mitteilungen, Beileidsbekundungen. Unerträgliche Hochrechnungen der Totenzahlen. Ich telefoniere mit Freunden, die genau so wenig Worte finden. Viel „Unglaublich, oder?“ und „Was für eine Scheiße“.
Das ist 9/11 für mich. Alles andere wird auf ewig „nach 9/11“ sein.
Wie war es bei euch?



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Ben
Ben

Ich kam gerade vom Schulsport. Mein Vater hatte das Mittagessen gekocht und erzählte mir von dem ersten Flugzeug. Wir nahmen da auch noch an, dass es ein Unfall gewesen sei. Weil wir essen wollten, hatten wir den Fernseher ausgeschaltet, so dass ich gar nicht wusste, was das für ein Flugzeug war und stellte mir deshalb so ’ne kleine Sportmaschine vor, die vielleicht ’n Kratzer in den Turm gemacht hatte. Erst als wir dann fertig waren, haben wir das ganze Ausmaß gesehen (zu dem Zeitpunkt war das zweite Flugzeug schon eingeschlagen). Meine Eltern und ich haben dann ziemlich wortlos bis in den Abend hinein die Nachrichten verfolgt. Besonders berührt hat mich das allerdings nie. Ich war vier Monate zuvor in Krakau gewesen und von dort aus nach Auschwitz gefahren, war bei Begegnungen mit Überlebenden, etc. Verglichen mit dem Terror wirkte der in NY so klein und unbedeutend. Schockiert hat mich dann eher was auf 9/11 folgte, also diese ganze Terror-Hysterie…

Mic
Mic

Ich hatte auf der Arbeit relativ früh Schluss gemacht, weil ich mit meiner Frau noch die Wocheneinkäufe erledigen wollte. Sie holte mich an meiner Dienststelle ab und sagte mir, dass es in New York ein Unglück gegeben hätte. Zu der Zeit gingen wir alle noch von einem Unglück aus. Natürlich lief auf der kurzen Fahrt zum Real das Radio und die Berichterstattung steckte noch im absoluten Chaos. Mit einem seltsamen Gefühl betraten wir den Laden und kamen genau in dem Moment an den Fernsehern vorbei als das zweite Flugzeug einschlug und damit jeden Zweifel an einem Anschlag beseitigte. Eine große Menge Menschen hat sich dort versammelt, alle schwiegen, einige weinten. Ich bin dann irgendwann weitergegangen, mit einem ganz tauben Gefühl im Bauch. Auch mir war klar, dass es jetzt eine neue Zeitrechnung geben würde, aber nicht, was dies für uns bedeuten würde. Und der erste – im Nachhinein kindische – Gedanke war, dass man jetzt Vorräte anlegen müsse, dass es jetzt zum „Krieg“ kommen würde. Kein Gedanke daran, gegen wen oder was wir damit zu tun haben sollten, aber der erste Impuls war, dass „der Amerikaner“ in seiner Wut nun zum Äußersten greifen könnte und damit eine Spirale in Gang setzt, die auch uns mit ergreift. Das war ein Zustand, der sich damals über Wochen gehalten hat. Insofern @Ben muss ich mich wohl der Hysterie für schuldig bekennen.

TRESIE

Im September 2001 war ich auf Lesereise an der Ostseeküste. Unterwegs mit meiner damaligen Freundin. Binz und Putbus auf Rügen am 9. und 10. und Bad Doberan am 12.9. Zu den Auftritten spendierten die Veranstalter auch die Übernachtungen, die Nacht 11./12. schlüpften wir im WG-Zimmer eines Freundes von mir in Rostock unter, der verreist war. Am 11. mittags trafen wir in Rostock ein. Das Zimmer war von den übrigen WG-Bewohnern als Wäschetrockenraum missbraucht worden. Der Wäscheständer mit den lila Tanga-Höschen amüsierte uns. Wir stellten ihn in den Flur und legten uns schlafen. Frisch verliebt waren unsere Nächte kurz gewesen. Kurz nach drei erwachten wir. Ich ging ins Wohnzimmer, um mich den WG-Bewohnern vorzustellen, die ich bis dahin noch nicht gesehen hatte. Der Fernseher lief. Und ja, ich dachte auch an einen Actionfilm und wunderte mich über die Ausstrahlung am Nachmittag. In knappen Worten wurde ich von den WGlern ins Bild gesetzt. Dann schweigendes, kopfschüttelndes Fernsehschauen. Abends Einladung bei Freundins Rostocker Oma, die ich zum ersten Mal sah. Im engen Plattenbauwohnzimmer Leberwurst-Schnittchen und Peter Klöppel. Am nächsten Tag Auftritt im Ehm-Welk-Haus in Bad Doberan. Ich las aus meinem Buch „Das transsexuelle Osterkaninchen“ und verlor kein Wort über das Geschehene. Das Publikum lachte wie gewohnt.

luther
luther

Ich habe zu diesem Zeitpunkt als Luftfracht-Spediteur gearbeitet und übers Radio vom ersten Einschlag während der Arbeit erfahren. Wir im Büro hielten das für eine „Ente“, bis sich die Meldungen häuften und jemand einen kleinen Fernseher organisiert hatte. Die Bilder ließen keine Zweifel mehr zu. Ich habe versucht meine Kollegen in New York übers Telefon zu erreichen, aber die Leitungen waren überlastet. Über das firmeninterne Netzwerk konnte ich einen deutschen Kollegen, der erst wenige Monate vor den Anschlägen in die USA gegangen war, erreichen. Das Abfertigungsbüro lag ausserhalb der City, aber wir hatten ein Verkaufsbüro in einem der Zwillingstürme, drei Kollegen kamen an diesem Tag ums Leben.

Marcus
Marcus

Mein Tag war ganz und gar gewöhnlich – sommerliches Faulenzen für einen frisch gebackenen Abiturienten, der in ein paar Wochen aus dem elterlichen Zuhause in einem verschlafenen Schwarzwalddorf ausziehen würde, um im (für das damalige Verständnis) weit entfernten Nürtingen sein Studium zu beginnen.
Es kann durchaus sein, dass in unserem Dorf ich der letzte war, der es erfuhr. Ich saß alleine vor dem Fernseher im elterlichen Wohnzimmer und schaute mir einen Film an, den ich kurz vorher auf Video aufgenommen hatte. „Candyman 2 – Die Blutrache“. Fragt mich nicht, wie er war – er hat so gar keinen bleibenden Eindruck hinterlassen, ich glaube, ich fand ihn schon während dem Gucken lahm. Dann schaltete ich aufs Fernsehprogramm um – ich hatte den Film so getimt, dass ich noch auf Sat1 eine Folge irgendeiner Star Trek-Serie gucken könnte.
RTL: Klöppel. Nachrichten. Ich zappe zu schnell weiter, um irgendwas zu raffen, wunder mich aber, dass das eine seltsame Zeit für Nachrichten sei.
Sat1: seit wann bringen die jetzt Nachrichten. Was ist da in NY los?
Es dauert, bis ich es kapiere. Zu dem Zeitpunkt, als ich dazukam, war das zweite Flugzeug schon reingekracht und hatte alle Spekulationen über ein „Unglück“ längst zerschmettert.
Irgendwann kommen erst meine Mutter, dann mein Vater nach Hause. Wie immer. Beide hatten schon was gehört.
Mein Vater fuhr an dem Abend noch tanken, weil er gehört hatte, dass eventuell die Spritpreise hochgehen könnten. Albern, aber seien wir ehrlich: was hätte unsereiner machen können, was angesichts dessen, was geschehen war, nicht albern und hilflos gewirkt hätte?
Weiter Nachrichten gucken – die doch nicht das sagen konnten, was man wissen wollte: wie geht es jetzt weiter? Was wird passieren? Was wird Amerika tun, was die Bundesregierung? Krieg? Wirtschaftskrise? Was wird daraus werden? Nichts Gutes, soviel war sicher. Und die kleinliche, aber verständliche Frag: was würde es bedeuten für unser kleines Leben?

Peroy
Peroy

Am Montag, den 10 September 2001 habe ich zum ersten Mal in meinem Leben Starthilfe per Kabel bekommen, weil ich Depp die Scheinwerfer von meinem Auto ein paar Stunden angelassen habe und die Karre am Abend nicht mehr angesprungen ist.
Am Dienstag war nix zu tun und ich habe bis 11 oder halb 12 gepennt. Als ich runter gekommen bin, habe ich von meiner Mutter gehört, dass wohl ein Flugzeug ins WTC geflogen wäre. Wir haben beide auch zuerst gedacht, dass das wohl ein Sportflieger gewesen sein muss, der irgendwie einen Unfall gebaut hat. Danach alles live auf RTL mitbekommen. Als der zweite Turm zusammengefallen sind weiß ich noch genau, was ich gedacht hab: „Bums. Das war’s“.

Trantor
Trantor

“ „Niemals vergessen ist eine bessere Strategie als „immer wieder dran erinnern“ “
Wie wahr, wie wahr. Nur ist es nicht etwas „kontraproduktiv“ in Bezug auf Mythenbildung, nach obigen Satz dann knapp 20 Absätze lang detaillierteste Erinnerungen zu schildern?

Trantor
Trantor

@Wortvogel: Versteh mich nicht falsch, ich bin mir bewusst, dass Du mit so einer Nachfrage wie von mir sicher schon gerechnet hast, als Du den Artikel online stelltest. Und auch ich verbinde mit diesem Tag intensive und spezielle Erinnerungen, nicht zuletzt da ich bei einer Firma arbeite, die weltweit und damit auch in NY Büros hat.
Aber der Mythos wird Deiner Meinung also nicht befeurt „weil es hier um persönliche Erinnerungen geht, nicht um politische“?! Sorry, aber wenn Du davon schreibst, dass „Jeder berichtet heute über die Ereignisse des 11. September 2001“ und ich mir Spiegel Online, FAZ, RTL und Konsorten anschaue, dann wird dort auch „nur“ erzählt, immer und immer wieder nämlich minutengenau, was an besagtem Tag geschah. Das sind Protokolle, die dort erstellt werden und seltenst die Dimension reinbringen, Religionen zu verdammen oder zum Kampf aufzurufen. Nichtsdestotrotz sind es genau diese puren Wiedererzählungen, die eben auch ihren Teil zum Mythos beitragen. Genauso wie der Mythos (oder wie man auch immer es nennen will) um Pearl Harbor etwa durchaus nicht nur durch böse Berichte über die bösen Japaner entstand sondern eben auch durch hunderte, tausende Filme, Bücher, Dokumentationen mit reinen „Erinnerungen“ an die Geschehenisse.

Jan-Christoph Spahl
Jan-Christoph Spahl

Ich war 18, hatte im März meine Mutter an Krebs verloren und kämpfte immer noch damit, plötzlich allein im Leben zu stehen. Damals im September war ich mit meinem Geschi-LK auf Studienreise zu einem der schönsten Plätze der Welt: der Toskana. Kleines Hotel in der Nähe vom Mittelmeer, an den Tagen zuvor Busausflüge nach Pisa, Florenz, Kirche um Kirche erkunden, den italienischen Mopedfahrern ausweichen…an diesem Dienstag waren wir vormittags in Vinci und besuchten das Museum eines der größten Köpfe der Zeitgeschichte, danach machten wir uns auf den Weg nach Lucca, eine fantastische mittelalterliche Stadt. Als es am nachmittag zurück gehen sollte und wir auf den Bus warteten kamen die ersten Nachrichten per Handy aus der Heimat…dementsprechend stückhaft und man konnte sich kein rechtes Bild machen. Ich hab dann solange gebohrt, bis ich „Passagiermaschine“ und „World Trade Center“ rausbekommen hab, dann war mir schon kotzübel. Als der Bus anhielt bin ich wie ein Blitz in die Lobby gestürmt, und wurde durch die Bilder der brennenden und kollabierenden Türme gestoppt. Das Hotel empfing weder deutsches noch englisches Sat-TV, also hatten wir, ca 50 weinende und verängstigte Teens, nichts außer den Bildern, ohne jede Erklärung dazu. Das schlimmste waren die Leute, die sich aus den Türmen stürzten. Unser angeblicher italienischsprechender Lehrkörper war in Sachen Übersetzung auch null Hilfe. Ich wusste von den Anschlägen 1993 und 98 und als ich dann noch das Bild vom brennenden Pentagon sah, war ich der erste, der „Al Kaida“ in die Runde warf. Beim Abendessen haben wir zusammen gebetet…hab kaum einen Bissen runterbekommen. Den Rest des Abends hab ich mit einer Gruppe über die Verbindung zu Afghanistan und vor allem Pakistan diskutiert. „Pakistan ist der Schlüssel“…waren meine Worte. Ich ging ins Bett mit dem Gedanken, dass dies das Ende sein könnte. Klarer NATO-Bündnisfall, USA bombardieren Pakistan, die antworten nuklear…gute Nacht Welt. Am nächsten Tag hatten wir frei, ich bin zum nächsten Kiosk und hab mir alle Zeitungen auf englisch und deutsch gekauft, die mir in die Hand fielen(hab sie alle noch). Bin dann zum Strand mit dem Gedanken, einen vermeintlich letzten Tag so gut es geht genießen zu wollen.
Bis heute finde ich es so merkwürdig, dass ich ausgerechnet an dem Tag im Da Vinci-Museum war. Der Traum vom praktischen fliegen…an diesem Tag für immer pervertiert.

Stephan
Stephan

Am 11. September 2001 war ich GWDL, gerade aus der AGA raus, in der zweiten Woche der SWA und just an jenem Tage KzH.
Oder um es allgemein verständlich zu sagen: Ich war seit 1. Juli Soldat, hatte meine zweimonatige Grundausbildung in Dillingen an der Donau (KFZ-Kennzeichen DLG – Deutschlands letzte Gegend) abgeschlossen und war in meine Truppenverwendung in den Generalstab nach München (Heimatnahe Verwendung) versetzt worden. Da die Grundausbildung damals nur zwei Monate dauerte, schloss sich am Dienstort die Sicherheits- und Wachausbildung an.
Meine Ausbildungseinheit hatte bis zu deren Auflösung ein halbes Jahr vorher zur Gebirgsdivision gehört und die Ausbilder hatten den Anspruch gerade uns verweichlichten Abiturienten (Sozialneid war ein sicher nicht zu vernachlässigender Faktor), die danach im Stab nur hauptsächlich am Schreibtisch säßen, eine vernünftige militärische Ausbildung angedeihen zu lassen. Dementsprechend hart und grün (soll heißen: sehr viel im Feld) war die Grundausbildung. Natürlich denkst das jeder über seine Ausbildung bei der Bundeswehr (zumindest wenn er beim Heer war), aber abgesehen davon, dass mir die Ausbildungsqualität von unabhängiger Seite bestätigt wurde, will ich mir den Glauben nicht nehmen lassen, dass wir Paris im Handstreich hätten nehmen können, hätte man uns denn gelassen.
Sei es drum, nach der Grundausbildung hatte ich einfach keine Lust mehr, nochmal drei Tage im Biwak zu verbringen und habe mich am 10. September krank schreiben lassen. Ich weiß nicht mehr mit welcher Ausrede, den Arzt in der Sanitätsakademie (selbst nach dem Studium zum Grundwehrdienst eingezogen) hat das sowieso nicht interessiert.
So saß ich also am 11. September bei Muttern zu Haus. Der Tag selbst verlief dementsprechend unspektakulär für mich – der kollektive Unglaube, das kollektive Entsetzen aber auch die kollektive Faszination des Grauens, der sich wohl keiner entziehen konnte. Wie Torsten schrieb: Man wurde Zeuge ein geschichtsträchtigen Moments. Das wusste man sofort.
Persönliche Auswirkungen auf mich hatten die Anschläge dann im Verlauf meines weiteren Wehrdienstes. Wurde die Kaserne bis dahin von einem privaten Sicherheitsdienst bewacht, so wurden ab diesem Tag wieder Soldaten dafür eingesetzt. Panzersperren errichtet, MG-Stellungen besetzt, Splitterschutzwesten ausgegeben. Auch die Bundeswehrführung konnte sich der allgemeinen Panik damals nicht entziehen. In unserer Bayernkaserne war eines der Lagezentren für Afghanistan eingerichtet, am Heiligen Abend 2001 bewachte ich mit Kameraden die „Heidelberg Air Base“ der Amerikaner.
Torstens Gedanken, des „niemals vergessen, aber nicht dauernd erinnern“ kann ich mich nur anschließen. Der Erfolg der Terroristen sind ja nicht die verhältnismäßig wenigen direkten Opfer, sondern die Panik die sie verbreitet haben. Das dauernde Misstrauen. Die stete Angst. Die Einschränkungen unserer Freiheit. Das Abgleiten weniger in die Barbarei.
Man kann und muss mit Terrorismus leben. Vielleicht ist diese dauernde Angreifbarkeit des eigenen Lebens überall gerade das, was den 11. September in der westlichen Welt zu derartigen Mythos macht.

Achim
Achim

Im September 2001 war ich noch Studierender, vorlesungsfreie Zeit, 13th Street brachte einen Marathon von Al Mundy (das mit Robert Wagner), ich habe das geschaut, der Sender kam nicht auf die Idee, per Laufschrift seine Zuschauer auf die Ereignisse aufmerksam zu machen, ich hatte keine Ahnung, bis ich dann mal umgeschaltet hatte, genug Al Mundy, und ich hatte das alles dann relativ anteilslos angeschaut. Man möge mir verzeihen, die schlimmste Zeit meines Lebens war erst recht frisch beendet, eine Zeit, die mein persönliches Leben in ein „davor“ und „danach“ teilt.

Dr. Acula

Im Büro, wir arbeiten ganz normal vor uns hin, plötzlich ruft ausgerechnet D! Soost (mit dem hatten wir zu tun, wir hatten damals – ich war noch in Berlin – recht viel Mandantschaft aus dem Showbiz) aufgeregt und und erzählt was von Flugzeugen im WTC. Wir hatten im Büro nichts fernsehtaugliches, also hab ich versucht, die Nachrichtenwebsites zu erreichen, die fast alle zusammengebrochen waren – ich kam irgendwann mal, kurz vor elf, denke ich, auf tagesschau.de und konnte Livebilder und die Wiederholungen der Einschläge sehen. Fassungslosigkeit… wir haben irgendwie versucht, halbwegs normal weiterzuarbeiten, um nicht durchzudrehen. Als ich dann mit der U-Bahn heimfuhr, hatten viele es offensichtlich noch nicht mitbekommen und redeten über belanglose Alltagsgeschichten. Ich war versucht, durch den Wagen zu brüllen, dass sich heute die Welt verändert hat und eure Pipifaxgeschichten so dermaßen… belanglos, irrelevant, unwichtig sind, aber ich schaffte es nicht.
Ein paar Tage später war ich bei der Gedenkfeier vor’m Brandenburger Tor, hörte den US-Botschafter von „Vergeltung“ und „Rache“ reden und dachte mir, dass das alles übel enden wird.

Peroy
Peroy

„Ein paar Tage später war ich bei der Gedenkfeier vor’m Brandenburger Tor, hörte den US-Botschafter von “Vergeltung” und “Rache” reden und dachte mir, dass das alles übel enden wird.“
Fast so übel wie das neue Forum, wo jetzt nach dem Einloggen nur noch das Review-Board vorhanden ist und in dem jetzt für mich gar nichts mehr geht… Leute, dann spart euch doch die ganze Arbeit und löscht mein Benutzerkonto, das dauert dann wenigstens nicht so lange…

lindwurm

Ich saß am 11. September 2001 gerade an einer Presseaussendung, als mich jemand anrief und sagte, in New York sei wohl ein Unfall mit einem Sportflugzeug geschehen. Ich drehte dann interessehalber den Fernseher im Büro auf und, nun ja, schaltete erst fünf Stunden später wieder aus. Ich hab also den zweiten Einschlag quasi live gesehen, sah später diese unfassbaren Bilder von den „Jumpern“, und ich war völlig fertig mit dem Gefühl: „Das kann doch nicht wirklich passieren, das ist ein Albtraum“. Erst ein wenig später machte mir dann Gedanken darüber, welche Folgen die Sache haben würde und ich hoffte inständig, dass da kein Staat dahinterstecken möge. Ich ging zunächst sogar von wesentlich härteren Vergeltungsmaßnahmen aus, als jene, die dann folgten (und eh brutal genug waren), aber mein Gedanke war doch: „Bitte, bitte kein Atomkrieg“. Ja, das mag heute überzogen wirken, aber in den Stunden und Tagen nach den Angriffen hielt ich alles für möglich. Ich habe dann noch einen Parteitag, der für eine Woche nach dem 11.9. angesetzt war, absagen lassen, da ich wusste, dass der wohl kaum mediale Aufmerksamkeit bekommen würde, und damit war ich wieder im Alltag angekommen. Aber es gab „Kollateralschäden“ in der Zusammensetzung meines Freundeskreises, da ich mit Schrecken feststellte, wie viele von meinen damaligen Kumpels Schadenfreude zeigten bzw. sofort Verschwörungstheorien entwickelten. Da sind etliche Freundschaften nach hitzigen, ja aggressiven Debatten zerbrochen.

Blind Mind
Blind Mind

Mal nachdenken, 11. September 2001….
Keine Ahnung wo ich war. Ist auch vollkommen uninteressant, dieses „WO“. Interessanter fand ich was ich dachte als feststand, dass es drei Anschläge gab.
Das erste was ich dachte war, „Mist! Jetzt rasten die Amies aus und machen was ganz ganz dummes.“ Das zweite was ich wohl dachte, „Ich brauche mehr Informationen!“ Nach ein paar Tagen glaubte ich, dass Amerika mal nachdenkt bevor es etwas tut und dann …
Der Rest ist Geschichte. Eine Geschichte aus Lügen, Betrügen, Krieg und dem teilweisen Verlust von Freiheiten, die es eigentlich zu bewahren galt.
An das „WO“ kann ich mich beim besten Willen nicht erinnern. Vielleicht interessiert es noch jemanden, was der 11. September 2001 mit mir gemacht hat? Er war der letzte Sargnagel einer ganzen Reihe von Sargnägeln mit denen ich mein Vertrauen in die USA zu Grabe trug. Als Georg W. „Burning“ Bush jr. zum „Krieg gegen das Böse“ aufrief und die Welt frech, dreist und wiederholt öffentlich belog, als der militärische Moloch der USA über die Welt hereinbrach, da war es geschehen. Nach diesen Tagen gab es keine Glaubwürdigkeit mehr für die USA in mir. Das letzte Quantum Befreier-, Schutzmacht- und „Ich bin ein Berliner“-Bonus war dahin.
Zehn Jahre nach dem 11.September 2001 will ich wirklich nicht wissen wo ich war. Aber von ein paar tausend Menschen weis man es recht genau wo sie waren.
btw ich kann mich nicht recht genau erinnern wo ich am 5. September 1972 war. Können das die einen oder anderen hier auch?

Peroy
Peroy

17 Beiträge hat’s gedauert…
„btw ich kann mich nicht recht genau erinnern wo ich am 5. September 1972 war. Können das die einen oder anderen hier auch?“
Hohoho…

lindwurm

@ Blind Mind: Was soll denn die Scheiße? Aber immerhin hast du deinen Nickname gut gewählt, mieser kleiner Antisemit.

ViNCENT
ViNCENT

Ich habe meine Erinnerungen über 2001 noch nie jemanden wirklich punktgenau erzählt, geschweige denn irgendwo niedergeschrieben. Ich fand bisher diese alljährlichen „Gedenkfeiern“ immer ziemlich penetrant, mediengeil und auch zu großen Teilen einfach geschmacklos.
Jeder sollte meines Erachtens nach für sich selber die Geschehnisse ganz in Ruhe und vielleicht mit Freunden oder Familie verarbeiten und einsortieren können und zwar dann wenn man es selbst für den richtigen Zeitpunkt hält und in der Art und Weise die für einen selbst am angemessesten ist und nicht ALLE Menschen im Kollektiv immer und immer und immer wieder daran erinnert werden.
Klar hilft Diskussion bei der Verarbeitung, aber wenn ich darüber reden möchte, dann tue ich dies doch auch von mir aus und brauche garantiert kein RTL und keine Bild um jedes Jahr aufs neue daran erinnert zu werden, „Hey da war noch was“.
Gefreut habe ich mich eher über das erste Jahr nach den Anschlägen als mal NICHT am 11ten September Footage von damals auf allen Sendern wiederholt wurde, Dokus über Al Kaida und Osama Bin Laden liefen und Peter Kloeppel zu seinen Erinnerungen befragt wurde, sondern eine gewisse Normalität eingekehrt war.
Ich glaube das war so um 2005 oder 2006, als es dann damit allmählich aufhörte. Diese 5 oder 6 Jahre relative Ruhe von Seiten der Medien waren glaube ich viel hilfreicher für die meisten von uns, als all der Buzz und die Störgerausche der Fernsehsender und Tageszeitungen der vorangegangenen 5 Jahre. Abstand finden können ohne dabei belästigt zu werden.
Dieser Zeitpunkt, als die Anschläge wirklich von der Gesellschaft und auch von Seiten der Medien als einfach „damals passiert“ in die Geschichte eingingen, war mindestens genauso wichtig für mich wie 9/11 selbst.
Alles wiederholt sich, alles wiederholt sich…
Heute ist für mich und auf deinem Blog z.B. ein guter Zeitpunkt einmal persönlich Revue passieren zu lassen. Ein wirklich guter Artikel, einfühlsam, ehrlich und nicht nach Aufmerksamkeit schreiend. Danke Wortvogel.
An meinem 11ten September, ich war damals Vierzehn, kam ich gerade von der Schule nach Hause, war relativ müde und zappte ein Zeit lang auf Sendern die auch den restlichen Tag über ihr Programm nicht ändern sollten. Irgendwann kam meine Mutter dann aufgebracht zu mir herein und sagte: „Komm schnell! Da ist gerade ein Flugzeug in New York gestürzt!“.
Wir saßen dann eine ganze Zeit lang gemeinsam im Wohnzimmer. Wir sahen die beiden bereits brennenden Hochhäuser, einen noch relativ seriös und entspannt wirkenden Kloeppel mit noch adrett gebundener Krawatte und fest sitzenden Sakko.
Gelegentlicher Verlust der Stimme? Ja. Leichte Konzentrationsschwierigkeiten während der Moderation? Ja. Aber dennoch den Spielregeln folgend.
Meine Mutter telefonierte mit meinen Vater auf der Arbeit und Bekannten und Freunden. Ich hörte nur Gesprächsfetzen heraus.
Als der erste Turm dann fiel war ich gerade in der Apotheke eine Straße weiter, da ich noch ein Rezept einlösen musste. Sowohl die Apothekerin als aber auch eine alte Dame mit Gehhilfe verhielten sich unberührt, hatten anscheinend noch nichts gehört von den Ereignissen. Die Straßen auf den Weg dorthin waren leer, keine Menschen, keine fahrenden Autos.
Ich hatte das Verlangen die Reaktionen anderer, echter Menschen zu sehen, zu hören was Sie sagten, doch auf dem Weg dorthin und zurück traf ich keine Menschenseele.
Ich versuchte mich zu beeilen, so schnell es ging wieder nach Hause vor den Fernseher zu kommen. Ich muss vermutlich wie auf Drogen gewirkt haben, so hecktisch wie ich das Medikament bezahlt und eingepackt habe.
Ich konnte mich aber auch selber noch nicht mitteilen, noch selber nicht die Ereignisse in Worte fassen. Nur allzu gerne hätte ich die beiden Damen über das Hier und Jetzt informiert.
Wieder zu Hause angekommen hatte meine Mutter schwer damit zu kämpfen die Bilder einzusortieren. Sie vermutete einen dritten Weltkrieg, eine nukleare Antwort der USA und den Zerfall der uns bekannten Zivilisation. Sie wirkte neben sich und aufgebracht, selbst zu schockiert um zu weinen.
Als mein Vater nach Hause kam, erzählte er das heute keiner mehr gearbeitet hätte, alle in den Büros vor den Fernsehern gehangen und nur fassungslos zugeschaut hätten. Er löste mich ab und ich schaute dann bei mir noch alleine ein paar weitere Stunden ARD und RTL bevor ich schließlich einschlief.
Am nächsten Tag früh, als ich in den Schulbus einsteig schauten alle zu Boden, waren still und sprachen kein Wort miteinander, nicht einmal flüsternd. Ich war der erste der zu meinem Kollegen ein Wort sprach. Es durchschnitt die Stille wie eine stumpfes Käsemesser einen fetten Gauda. Ich fragte: „Krass, oder?“. Er antwortete mit einem knappen „Ja“.
Irgendwie enstand aber dann dennoch eine Diskussion daraus und danach fingen auch alle anderen im Bus an, miteinander zu reden. Vor der Schule angekommen war es dann einfach nur noch unerträglich laut. Alle unterhielten sich angeregt. Keine Witze oder Blödeleien. Nur ehrliches miteinander Reden.
Es gab dann noch eine Schweigeminute um etwa 9 oder 10 Uhr. Alle Schüler und Lehrkörper sollten sich auf den Fluren in Reihen aufstellen und leise sein. Die Direktorin hielt eine kurze Ansprache, las die Rede mit leichten Bruch und einer gewissen Müdigkeit in der Stimme klar erkennbar und ohne wesentliche Betonung von einem Zettel ab.
Ich weiß nicht mehr was ihre genauen Worte waren, nur das wir „Im Geiste mit den Opfern und Angehörigen dieser grausamen Anschläge stehen“ und das „Jeder der Reden möchte ein offenes Ohr bei ihr und den anderen Lehren finden könne“.
Einige Mädchen weinten, ein paar Idioten rissen Witze und flüsterten miteinander. Es war ein surrealer Moment, weil Teenager nunmal Teenager sind und nicht wissen mit so etwas umzugehen, nicht wissen „Wieso“ und „Warum“ und sich meistens auch nicht wirklich dafür interessieren.
Ich hatte meine Augen nicht geschlossen, wie einige von uns, wie auch unser Lehrer. Ich schaute einfach über unsere Runde, versuchte mir die Gesichter einzuprägen, die Reaktionen und das Verhalten der Mitschüler in meinen Gedanken zu konservieren.
Ich fühlte kein Mittleid, keine Trauer aber auch keine Kälte oder sonst irgendein Gefühl für die Opfer in den Hochhäusern. Ich war einfach leer und emotionslos.

HAB

War am Weg von der Schule nach Hause. Im Zug erhalte ich dauernd SMS von einem Freund, dass es in den USA einen Anschlag gegeben hat und die Sache schlecht aussieht. Niemand nahm es ernst und alle amüsierten sich über die Panik in den SMS.
Am Bahnhof diskutieren ein paar Kinder darüber das die USA von „türkischen Palästinensern“ angegriffen wird. Was mir erst später aufgefallen ist, das an diesem Tag im Ort kaum Verkehr gab.
Ich komme nach Hause, meine Mutter hat nichts mitbekommen und bereit das Abendessen vor. Scherzhalber (ich nahm es ja nicht wirklich ernst) sage ich zu ihr, warum sie denn so gemütlich Essen machen kann, wenn gerade New York und Washington bombardiert werden. Danach erst habe ich den Fernseher aufgedreht und die Bilder gesehen. Den restlichen Tag sind wir nur noch vor dem Fernseher gesessen.
Am darauffolgenden Freitag war für alle Schulen in Österreich eine Gedenkminute angeordnet. Unser Mathelehrer hielt uns davor eine Rede, nicht in Panik und Angst zu verfallen sondern weiter an Freiheit usw. zu glauben und der Opfer zu Gedenken. Denn mit Angst und Panik gewinnt nur der Terror und gefährliche Parteien. Mehr als jede Politikerrede hat mich diese Ansprache beeindruckt.

Peroy
Peroy

„@ Lindwurm: Sachte. Die Erwähnung des Münchner Massakers macht aus ihm noch keinen Antisemiten. Diese zopfigen Reflexe bitte zu Hause lassen.
Oder habe ich in Blind Minds Beitrag was nicht verstanden?“
Nun ja, ich will mal so sagen, man muss nicht unbedingt zwischen den Zeilen lesen, um zu erkennen, wes geistes Kind dieser Beitrag ist, newa…

Peroy
Peroy

„Ich fühlte kein Mittleid, keine Trauer aber auch keine Kälte oder sonst irgendein Gefühl für die Opfer in den Hochhäusern. Ich war einfach leer und emotionslos.“
Ich muss auch sagen, in irgendeiner Form persönlich tangiert hat mich die Sache, als ich es damals im TV gesehen habe, abgesehen von dem Gefühl bewusst wahrgenommen zu haben, wie Geschichte geschrieben wird (ich habe als Kind auch den Mauerfall mitbekommen, aber da war ich zu jung, als dass es mich gejuckt hätte, so nach dem Motto „Ja, toll, die Mauer ist weg, was gibt’s zu Essen ?“), nicht. Mir ist damals auch nicht eine Sekunde lang der Gedanke gekommen, dass es jetzt zu einem Atomkrieg oder ähnlichem kommen könnte…

Inishmore

Als bekennender Serienjunkie verbinde ich passenderweise mit dem 11.9.2001 folgende Geschichte:
Spektakulär sind meine Erinnerungen auf den ersten Blick nicht; September 01 hatte ich den Tod meiner Mutter und die hinter mir liegenden Klausuren des 2. Staatsexamens zu verarbeiten. Dementsprechend lag ich faul im Bett herum und verschlief die Einschläge der Flugzeuge. Kurz danach informierte mich mein Bruder leicht verstört mit den Worten:
„Guck dir das an! Es ist das passiert, was wir gestern im Fernsehen gesehen haben“
Rückblick: tags zuvor hatten wir uns die Pilotfolge der Serie „The Lone Gunmen“ zu Gemüte geführt. Wer sich nicht daran erinnert: das war das Spin Off zu „Akte X“, welches sich vornehmlich um die Abenteuer von Frohike, Byers und Langley, den spinnert-paranoiden Informationsgebern von Fox Mulder drehte.
Der Plot: die Hochtechnologiefirma E-ComCon hat einen streng geheimen Computerchip namens Octium IV entwickelt, mit dessen Hilfe jede noch so ausgefeilte Verschlüsselungstechnik überwunden werden kann. Die Firma verschwört sich mit der US-Regierung in dem Geheimplan „Scenario-12-d“, diesen Chip in ein Flugzeug einzubauen und in das World Trade Center stürzen zu lassen, um eine internationale Krise auszulösen und die Waffenpreise in die Höhe zu treiben.
Müßig zu erwähnen, dass die damals installierten Webseiten e-com-con.com und octiumchip.com schon lange vom Netz genommen worden sind.
Wer eine Zusammenfassung der Episode sehen will: http://www.youtube.com/watch?v=z3WW6eoLcLI
Creepy stuff.

ViNCENT
ViNCENT

@Peroy
Ja genau. Es ist ein geschichtsträchtiger und beudeutsamer Tag und es ist unheimlich spannend und interessant mit dabei zu sein, sowas live zu erleben, zu wissen dass dieses Ereigniss (m)eine ganze Generation prägen wird, aber persönliche Emotionen oder gar Panik waren damals einfach nicht vorhanden.
Das mag vielleicht kaltherzig klingen, aber daran ändern kann ich nichts. Ich habe Respekt vor den Angehörigen und Pietät vor ihrer Situation, aber keinerlei wirkliche emotionale Verbindung oder ein Trauergefühl. Ich mag die USA und die Amerikaner ja sogar, dennoch sind keinerlei Gefühle für den Verlust vorhanden.
An einen WWIII oder eine nukleare Antwort habe ich auch damals schon nicht geglaubt. Konsequenzen, natürlich. Aber eine atomare Antwort wäre, wenn überhaupt, nur wenige Stunden nach den Anschlägen selber denkbar gewesen, dies war aber ja von vornerein eher ziemlich unwahrscheinlich. Aber trotzdem konnte ich meine Mutter nicht vom Gegenteil überzeugen.

Dr. Acula

@ViNCENT
Das ist, glaub ich, wieder das Generationenproblem – die 80er-Generation hatte zum Thema WWIII, Atomkrieg etc. eine ganz andere emotionale Verbindung als die 90er-Generation, die mit Mauerfall, Glasnost, Zusammenbruch der sozialistischen Systeme, aufgewachsen ist. Da hat man eine ganz andere Assoziationskette…

Marcus
Marcus

@Acula: möglich, dass das ein Generationenproblem ist. Ich z.B. war damals 19 und habe auch nicht an einen Atomkrieg gedacht.

Marcus
Marcus

Und bin ich der einzige, der diesen „historischen Live-Ticker“ auf stern.de etwas… morbide findet?

Dr. Acula

Ich hab auch nicht direkt an einen Atomkrieg gedacht (wobei man schon überlegen kann – wenn der Ami Afghanistan oder der Irak nuked, wird jemand bei den Chinesen nervös? Oder bei den Pakistanis? Und bleiben dann die Inder still? Greift ein arabischer Staat im Durcheinander Israel an? Nuken die dann zurück? Möglichkeiten für ’ne fatale Kettenreaktion hätt’s schon gegeben), aber eine giftige Eskalation hielt ich – auch angesichts von Leuten wie Bush und Cheney im Weißen Haus – für nicht ausgeschlossen.
Und, ja, die historischen „Live“-Ticker *sind* morbide.

Peroy
Peroy

„Ich hab auch nicht direkt an einen Atomkrieg gedacht (wobei man schon überlegen kann – wenn der Ami Afghanistan oder der Irak nuked, wird jemand bei den Chinesen nervös? Oder bei den Pakistanis? Und bleiben dann die Inder still? Greift ein arabischer Staat im Durcheinander Israel an? Nuken die dann zurück? Möglichkeiten für ‘ne fatale Kettenreaktion hätt’s schon gegeben), aber eine giftige Eskalation hielt ich – auch angesichts von Leuten wie Bush und Cheney im Weißen Haus – für nicht ausgeschlossen.“
Und wer am Ende übrig bleibt ist Duke Nukem…

Exverlobter
Exverlobter

9/11??
Ich werde wohl nie vergessen, dass ich wohl der Einzige auf dem Planeten Erde war, der 9/11 an diesem Tag nicht mitgekriegt hat!!!
Ich war damals ein Hardcore-Gamer und hab eindeutig zu viel gezockt! Obwohl ich den ganzen Tag am Rechner saß, hab ich das aber trotzdem verpennt, weil ich noch kein Internet hatte. Der Fernseher war auch nicht an. So wurde mir das erst am folgenden Tag mündlich mitgeteilt, und alle guckten mich ungläubig an, dass ich das Ereignis des Jahrzehnts verpasst hatte

McCluskey

Ich habe die Ereignisse dieses Tages jobbedingt nur am Radio erlebt. Ich arbeite im 3-Schicht-System und hatte am 11.09. von 14-22 Uhr zu tun. Man bekam also im Minutentakt immer absurderer klingende Meldungen, die von einem scheinbar irrtümlich in den einen Turm geflogenen Sportflieger bis zur Nachricht des zusammengestürzten WTC reichten. Ich hatte also Bilder im Kopf, ohne sie sich wirklich vorstellen zu können. Ich schaltete dann nach meiner Heimkehr den Fernseher an und fühlte mich tatsächlich wie im vielzitierten falschen Film.
Gefühle hatte ich eine ganze Menge. Trauer, Entsetzen, Wut, auch Hass. Ich erinnere mich, wie ich am nächsten Tag zum besten Freund eine politisch recht erheblich unkorrekte Äußerung tätigte, in der die Worte „elende Kamelf****r“ und „Arsch treten“ auftauchten.

Marko

Ich lag krank im Bett.

lindwurm

Dr. Acula wies eh schon auf die Horrorszenarien hin, die man damals für möglich halten konnte. Man wusste ja zunächst nicht, WER hinter den Anschlägen steckte, und ich gestehe ein, dass ich dachte: „Sowas Großes kann nur ein Staat organisiert haben“, und da hatte ich neben anderen schon so Kandidaten wie Iran und Pakistan im Sinn, und falls sich das als wahr herausgestellt hätte, wäre ein atomarer Krieg durchaus nicht völlig undenkbar gewesen.

lindwurm

Ach ja: Jon Stewarts legendäre Reaktion: http://www.youtube.com/watch?v=Bb3gInJAY6g&feature=share

Karsten

Ich war gerade in einer Bundeswehr-Kaserne – die Zeit der Wehrpflicht. Unsere Kompanie war an dem Tag fast apathisch – niemand konnte fassen, was wir in den Nachrichten sahen. Es gab Wochenend-Sperre nach dem Anschlag – plötzlich war die Wehrplicht (gefühlt) eine sehr ernste Geschichte mit greifbaren Gefahren und nicht nur ein Pflichtprogramm.

Exverlobter
Exverlobter

Atomkrieg?
Ist alles eine Sache der Perzeption. Ok, wie ich sagte, hatte ich das erst am folgenden Tag mitbekommen, aber schon damals fand ich, dass die Sache viel zu aufgebauscht wurde. (ab hier Ironiemodus) Wenn 3000 Amerikaner sterben ist das halt schon wichtiger als wenn innerhalb von 3-4 Wochen in Ruanda 1 Million Afrikaner abgeschlachtet werden. Das lief ja damals unter ferner liefen.
Das ist übrigens kein politischer Kommentar, ( das wollte der Wortvogel ja nicht), ist aber eine kritische Spitze an die FUnktionsweise des Medienapparats.

Dr. Acula

@Exverlobter
Es ist fraglos richtig, dass in Relation der Völkermord in Ruanda wesentlich schlimmer war (und der Umgang der Völkergemeinschaft damit ein echtes Armutszeugnis) – aber, hm, „qualitativ“ (blödes Wort in dem Zusammenhang) hat’s halt ein anderes Gschmäckle, ob sich (achtung, Polemik, die nicht unbedingt die Meinung des Verfassers darstellt) „ein paar Neger mit Macheten hauen“ oder eine Organisation Flugzeuge in hochgradig symbolische Bauten einer Supermacht steuert.

Will Tippin
Will Tippin

Wir waren morgens mit der Familie auf Einkaufstour im Mediamarkt und hatten eine Videokamera gekauft. Zuhause packte ich alles aus, bis mich meine Mutter an den Fernseher rief. Ich weiss nicht mehr genau, ab wann ich das alles live mitbekommen habe, aber die Türme standen glaube ich noch. Das Gefühl dabei war eher ein gespanntes „was kommt jetzt“ als Trauer und Mitgefühl. Ich meine mir auch einzubilden, dass mein Empathieempfinden seit diesen Bildern etwas abgestumpft ist. Ziemlich schnell begann ich mich zu wundern, warum meine Eltern und die Öffentlichkeit so viel Mitgefühl für die Opfer hatte. In Somalia schlachteten sich täglich gegenseitig Leute ab und es interessierte niemanden. Mit der Einstellung gab es auch wenige Tage später Krach mit meinem Vater, denn am 16.09. feierte ich meinen 18. Geburtstag. Und dies, wie schon lange geplant, mit einer Netzwerkparty und Tactical Ops, einem Counterstrike-Klon. Mein Vater sprach mir die Intelligenz ab, weil ich die Party nicht absagen wollte. Ich weiss nicht mehr genau, was ich entgegnet habe, es war etwas in Richtung „genau das wollen doch die Terroristen“, nämlich das allgemeine Leben stören. Ein Satz war glaube ich „ich lass mir doch meinen Geburtstag nicht versauen, nur weil Terroristen am anderen Ende der Welt mir wildfremde Leute umbringen“. Die Party fand wie geplant statt und noch heute lege ich mir im Kopf Reden zurecht, die ich meinem Vater hätte entgegnen können.
Weitere Dinge die mir im Kopf blieben: Die Fliegergeräusche mit ausgebreiteten Armen, mit denen mein bester Freund am nächsten Tag den Bus betrat und die Worte „gestern war ein geiler Tag“ meines anderen Freundes, weil er am 11.09. seinen Führerschein gemacht hatte.

Exverlobter
Exverlobter

@Will Tippin
Erstaunlich wie wirksam Adenauers Westbindung in den Köpfen der meisten Leute verankert ist.
Mein Vater hab übrigens auch sehr heftig reagiert, das ging aber eher ins andere Extrem. Ich erinnere mich noch an Kommentare wie: „Da erwischt es mal die Richtigen“ usw.

Carlito
Carlito

Ich kam Mittags aus der Schule und hatte bei meiner Oma was gegessen und ging dann durch den Garten nach Hause. Wie jeden Tag schaltete ich den Fernseher ein, weil ich zu der Zeit Mittags immer Videotext las um mich ein bisschen auf dem Laufenden zu halten. Nach dem Einschalten des Programms, welches zufällig RTL war, wechselte ich sofort in den Videotextmodus und nahm nur für den Bruchteil einer Sekunde zwei Türme wahr, aus denen bei einem Qualm austrat und ich nur dachte „hm, wird wohl irgendwas über das Ruhrgebiet sein. Der Ton nwar auf ein Minimum runtergeregelt. Ich hatte die Schlagzeilen kaum überflogen da hörte ich sehr leise wie jemand sinngemäß rief: „da kommt das zweite Flugzeug rein!“ und ich wurde stutzig und schaltete den Videotext aus. Genau der Zeitpunkt zudem das zweite Flugzeug einschlug. Fassungslos verfolgte ich die nächsten paar Minuten und konnte kaum realisieren, dass ich grad über das TV Zeuge eines grauenhaften Massakers geworden war. Menschen, die aus den Fenstern fielen/sprangen zusammenstürtzende Gebäude und eine Panik, die mich sehr tief ergriff. Mein erster klarer Gedanke war, dass ich mir nichts sehnlicher wünschte als dass, diejenigen, wer auch immer, die sich dafür verantwortlich zeigten in der tiefsten Hölle schmoren sollten… Durch meine Großeltern kannte ich grauenhafte Geschichten aus der Zeit des Krieges, wo man sich aus unserer, relativ sicheren Zeit, die man als selbstverständlich hinnimmt, kaum vorstellen kann, dass Menschen zu solchen Gräueltaten fähig sind. Jetzt wurde ich Zeuge einer solchen. Eine gewisse Angst erfasste mich an dem Nachmittag, wie die USA reagieren würden. Das sich die Welt in gewisser Weise verändern würde war mir glasklar. Ich rief meine Oma an, mit der ich zuvor noch Mittag gegessen hatte und informierte sie darüber. Sie war genau so entsetzt wie alle anderen Menschen. Viele Gedanken gingen mir durch den Kopf, unter anderem ein sehr rationeller. Ich fragte mich in der Situation in der keinerlei Einschätzungen über etwaige Konsequenzen abzusehen waren, was wird in einem Jahr sein, was in zwei Jahren… Und in gewisser Weise, auch wenn das ganze aus der jetzigen Situation vielleicht sogar ein klein bisschen übertrieben wirkt, denke ich, dass wir froh sein können, in dieser Form am heutigen Tag über das Vergangene zu reflektieren.
Am Tag darauf fuhr ich morgens mit dem Bus in die Schule, mit mir an der Haltestelle wartete immer ein junges Mädchen mit dunklem Teint und Kupftuch. Ich lies sie vor mir einsteigen und der Busfahrer schnautzte sie, nachem sie ihre Karte vorgezeigt hatte, mit den Worten an: „Du und deine Konsorten, euer Land bomben wir demnächst aber mit Karacho zurück in die Zeit aus der ihr gekommen seid!“ Völlig verschreckt und verängstigt verzog sich das Mädchen in die hinterste Ecke des Busses, gefolgt von den bösen Blicken der anderen Gäste. Ich schäme mich manchmal heute noch, nichts gesagt zu haben, wobei ich auch nicht wüsste was man auf solche Polemik hätte antworten sollen. Auf jeden Fall ist mir sehr stark bewusst geworden, dass es viele Arten von Grausamkeiten gibt, zu denen Menschen fähig sind.
Meinen tiefsten und aufrichtigsten Respekt gilt immer noch den Menschen, die an diesem Tag in das WTC reingegeangen sind um Überlebende zu suchen und Verletzte zu bergen. Auch diese Menschen werden sich Gedanken über das „danach“ gemacht haben. Gedanken die mich als „nicht-Amerikaner“ und nicht unmittelbar Betroffenen an diesem Tag in gewisser Weise gelähmt haben. Trotzdem haben sie getan was sie konnten, haben unglaubliche Endergieen freigesetzt um Leben zu retten. Energeien die andere Menschen in die Planung und Durchführung dieses Anschlages gesetzt haben…

Carlito
Carlito

Leute, denen in diesem Zusammenhang wirklich nichts besseres einfällt wie zu sagen, dass es da ja mal die richtigen erwischt hätte, ist natürlich kompromisslos nicht mehr zu helfen. Westbindung hin oder her… Es ist bei Katastrophen, in welcher Form sie auch immer auftreten, egal obs die Nazur war oder was „selbstgemachtes“, sowieso idiotisch irgendwelche Zahlen gegeneinander aufzurechnen.

gerrit
gerrit

Kaufmännische Ausbildung in Bingen. Ganz normaler Berufsschultag.
Leider damals auch kein Internet, und so wurde das Abendessen sehr skurril. Spätestens seit „Fahrenheit 9/11“ hatte ich dann schon gewaltige Angst vor Bush, und dass er evtl. auf die falschen hören könnte.

Lutz
Lutz

Ich war zu der Zeit damals bei einem Mobilfunk-Unternehmen angestellt, dass einige Zeit zuvor einige UMTS-Lizenzen ersteigert hatte und das als Chance sah, jetzt so richtig groß rauszukommen. Ich gehörte zu dem Team, dass das neue Netz, das in dem Zusammenhang so langsam aufgebaut wurde, testen sollte und war daher jeden Tag mit dem Team in der Firma eingesperrt und bekam nichts von der Außenwelt mit. Abends fuhren wir immer gemeinsam mit einem Kleinbus zurück Richtung Kiel.
Am 11.09. saßen wir alle im Bus und quatschten und lachten vor uns hin, während das Radio leise dazu lief. Keiner von uns hörte Richtig hin, aber auf einmal stach da ein Satz heraus, der irgendwie so klang wie: „Der zweite Turm ist jetzt auch eingestürzt“. Irgendwer wollte, das mal alle leise sind, weil er hören wollte, was da los war. Wir fragten und, was denn das wohl für ein zweiter Turm war und ich machte noch einen blöden Witz, dass es wohl das World Trade Center sein müsste. Ein paar Sekunden später verging mir dann das Lachen….
Ich kann mich nicht mehr an die weitere Busfahrt erinnern. Ich habe dann kurzfristig beschlossen, nicht nach Kiel zu fahren, sondern mich auf halben Weg bei meinen Eltern absetzen zu lassen. Dort stürzte ich dann zum Fernseher und habe den ganzen Rest des Tages nur noch davorgesessen, geglotzt, geheult… Ich brauchte irgendwie die Bilder um die Infos, die ich vorher nur gehört hatte, jetzt auch wirklich zu realisieren.
Nachts habe ich dann in den USA bei meiner Gastfamilie angerufen und musste erst einmal mit denen sprechen. Irgendwie fühlte ich mich in dem Moment wieder richtig mit ihnen verbunden.

Pogopuschel
Pogopuschel

Der 11. September war mein elfter Tag im Studentenwohnheim. An diesem Tag hatte ich von 8.00 bis 14.00 Uhr einen Mathevorbereitungskurs, bin dann nach Hause, habe bis 17.00 Uhr geschlafen. Als ich um 18.00 Uhr in einer Pizzeria saß, hörte ich, wie sich Leute über Flugzeuge die in ein Hochhaus geflogen sind, unterhalten haben. Da ich keinen Fernseher und auch kein Internet hatte, habe ich versucht Infos per Radio zu bekommen, hatte aber keinen guten Empfang. Einige meiner Mitbewohner haben mich dann über die Ereignisse informiert. Bilder habe ich aber erst Samstag 4 Tage später gesehen, als ich das Wochenende bei meinen Eltern verbracht habe.
Vermutlich hält sich mein Bezug zu diesem Tag in Grenzen, da ich nicht dieser medialen Flut der Schreckensbilder ausgesetzt war, und auch nichts Live mit angesehen habe. Die kulturelle und politische Bedeutung dieses Tages ist mir bewusst und die Angehörigen der Opfer haben auch meine Anteilnahme, aber da ich keinen persönlichen Bezug zu dieser Katastrophe habe, berührt es mich auch nicht mehr, als anderen Schreckensmeldungen aus aller Welt.
Ich will hier auch keine Opferzahlen gegeneinander aufrechnen, finde aber, dass das Verhältnis der Berichterstattung und Anteilnahme zu dieser Katastrophe in keinem Verhältnis steht, zur mickrigen Berichterstattung von Katastrophen, die z.B. in Dritte Welt Ländern geschehen.
Eine Berichterstattung wie über den 11. September würde ich mir auch über die Opfer von Hurrican Katrina wünschen. Vor allem in den USA.

Frau.Meer
Frau.Meer

Irgendjemand hatte hier geschrieben, er sei der wohl einzige Mensch, der die Ereignisse nicht live mitbekommen hat. Dem muss ich widersprechen – mir ging es genauso.
Ich hatte damals Semesterferien, musste aber noch eine Hausarbeit zum Thema Kreuzzüge (Ich denk’s mir nicht aus) fertigstellen. Also hatte ich mich dienstags und mittwochs in mein Wohnheimzimmer mit einem riesigen Stapel Bücher, einigen Fertiggerichten, Cola und Kippen vor der Umwelt versteckt. Internetzugang und Fernsehen gab es 2001 in älteren Wohnheimen im Osten Deutschlands noch nicht, Radio nervte mich meist nur, blieb daher aus… Ich war abgeschnitten von allem. Als ich am Donnerstag dann mein Versteck verließ, begegneten mir fassungslose Blicke, wie ich denn *DAS* Ereignis verpassen konnte.
Ich habe dann mithilfe von Zeitungen und Internet in der Bibliothek zumindest nachlesen können, was genau geschah. Und ich habe Fotos gesehen. Die tatsächlichen Aufnahmen habe ich dann erst am Wochenende gesehen, als ich bei meinen Eltern war. Vielleicht lag es daran… vielleicht bin ich auch nur einfach gleichgültiger als andere… ich habe zu keinem Zeitpunkt das von vielen Leuten proklamierte Entsetzen verspürt. Ich hatte Mitgefühl mit Opfern und Hinterbliebenen, ja. Aber es war für mich auch alles weit weg.
Viel stärkere Emotionen rief dann in der Folgezeit jedoch Bushs Umgang mit allem hervor. Doch das erklärt sich, glaube ich, von selbst.

DiBut
DiBut

Wie in all den Jahren zuvor und danach hatte ich im September 2001 meinen Sommerurlaub, damals waren es ganze sechs Wochen, da ich auch noch Überstunden abbauen musste.
In wenigen Tagen, genauer am 20.09, sollte ich mich auf grosse Reise begeben und meine kleine Schwester besuchen, die zu diesem Zeitpunkt mit ihrer Familie in Südkorea lebte und arbeitete.
In Vorbereitung auf dieses für mich ungewöhnliche Abenteuer (ich bin ein Stubenhocker, ich verreise nur äusserst selten) hatte ich mir für diesen Tag vorgenommen ein paar Erledigungen zu tätigen – Geschenke für meine bezaubernden Nichten und meinen Schwager – und mich mit meiner Mutter zum Kaffee verabredet. So fuhr ich Vormittags nach Husum, genoß am Hafen ein leckeres Krabbenbrötchen und tätigte meine Einkäufe.
Da ich bis zum verabredeten Treffen mit meiner Mom noch gut 90 Minuten Zeit übrig hatte beschloß ich kurzerhand mir noch die Fusseln vom Kopf schneiden zu lassen und ging zum Frisör meines Vertrauens.
Dort angekommen, kurz vor 15 Uhr, hörte ich im NDR Radioprogramm die Meldung, ein einmotoriges Sportflugzeug sei in das WTC gestürzt, man wisse noch nichts genaues, alles sei unbestätigt. Minuten später war aus dem einmotorigen Sportflugzeug ein zweimotoriges Flugzeug geworden, möglicherweise, aber unbestätigt, ein Passagierflugzeug. Ich weiß noch wie ich zu meiner Frisöse sagte, das könne ich mir nicht vorstellen, da ich meinte mich zu erinnern, das der Luftraum über (Lower) Manhatten für den Passagierverkehr gesperrt sei.
Dann kam die Meldung über ein zweites Flugzeug. Diesmal nicht „unbestätigt“, diesmal war die Nachricht Tatsache, und ich dachte nur „Krieg“. In dem Salon kippte die Stimmung, alle wurden ruhig, die Gespräche verstummten, jeder konzentrierte sich nur noch auf das Radioprogramm.
Persönlich empfand ich im ersten Moment eine innere Leere, konnte das Gehörte nicht wirklich fassen, doch dieses irritierende Gefühl hielt nur kurz an. Als ich wieder auf die Strasse trat und alles seinen gewohnten Gang ging verschwand das Gefühl der Leere. Ich dachte an das Gehörte, machte mir auch Gedanken, aber nun sollte es zu meiner Mutter gehen, und auf den Besuch freute ich mich.
Der Besuch bei meiner Mutter verlief dann gänzlich anders, als ich es erwartet und erhofft hatte. Nach herzlicher Begrüssung und als der Kaffee fertig gebrüht war ging es in das Wohnzimmer. Ich bat darum kurz den Fernseher einschalten zu dürfen, da in New York etwas geschehen sei. Das was ich sah konnte ich nicht begreifen.
Ich sah nicht, wie die beiden Flugzeuge in das WTC stürzten, nicht wie Menschen in Verzweiflung aus den Türmen sprangen. Alles was ich sah war eine Helikopter-Aufnahme aus grösserer Entfernung, die Lower Manhatten in dichten Rauchschwaden zeigte, aus den ein Turm herausragte. Ich begriff es nicht.
Es waren nur vier oder fünf Minuten, dann wurde der Fernseher wieder ausgeschaltet. Was danach geschah, worüber wir gesprochen und wann ich meine Mutter verlassen habe, kann ich nicht mehr sagen. Ich lief wie im Stand-By Modus, mein Hirn versuchte die Bilder zu interpretieren. Die Erkenntnis was ich gesehen hatte traf mich erst auf dem Weg nach Hause: Ein Turm. Ich hatte nur einen Turm gesehen.
Zu Hause angekommen schaltete ich als erstes den Fernseher sein. Und bis in die frühen Morgenstunden konnte ich den Blick nicht abwenden von dem Grauen, ich musste einfach alles sehen und wissen was es zu diesem Zeitpunkt zu Sehen und zu Wissen gab. Bis zum Wochenende war ich von dem Ereignis eingenommen, gefangen in Lethargie. Dann aber ließ das Interesse nach, die immer wieder gezeigten Bilder stumpften mich ab, es wurde „Langweilig“, so blöde es auch klingen mag.
Als ich nich am 20.09. auf die Reise machte meine Schwester zu besuchen war 9/11 nur noch ein Hintergrundrauschen. Ohne grosse Sorge bestieg ich den Flieger, Angst hatte ich nicht. Die bewaffneten Sicherheitsleute nahm ich wahr, kümmerte mich aber nicht weiter darum. Das war zu erwarten gewesen.
Ungewöhnlich fand ich es damals, das die USA sich vier Wochen Zeit liessen, bevor sie sich zu Gegenmaßnahmen entschieden. Erwartet hatte ich eine Reaktion innerhalb einer Woche, so schätzte ich die US Regierung ein.
Dieser Tag hat mein Leben verändert, ich betrachte manche Dinge aus einer anderen Perspektive. Sachen, die mir vor 9/11 wichtig waren, sind es nun nicht mehr. Sachen, die mir unwichtig erschienen, sehe ich Heute mit anderen Augen. Erschreckend ist, wie der Terroranschlag als Rechtfertigung für jeden Eingriff in meine und unsere Privatsphäre missbraucht wird. Erschreckend auch, das Regierungen Lügengebilde erschaffen um Kriege zu Rechtfertigen. Und das die Menschenwürde in Guantanamo und anderswo mit Füssen getreten wird.
Hier hat der Terrorismus leider sein Ziel erreicht…

Exverlobter
Exverlobter

Heute Bild-Zeitung mit großen 9/11 Aufmacher. Hoffentlich zum letzten Mal!

Marko

@ Exverlobter: Hab ich auch gesehen. Und was ist das erste Wort? „Gott“. Herrje, sie lernen es nie. -_-

Exverlobter
Exverlobter

@Marko
Ja, der Kreis schließt sich. Am 12/9 hieß es ja in der Bild „Gott steht uns bei“. Jetzt „Gott schütze Amerika“.
Ich hoffe das der Spuk um den „Vierten Weltkrieg“ (Zitat: Dick Cheney) jetzt endlich ein Ende hat.

Marcus
Marcus

Sogar den Atheisten unter uns ist klar: die Worte „Gott steh uns bei“ auf einer Bildzeitung sind wie eine Satansmesse im Petersdom.

Marko

@ Marcus: Findest Du? Ich finde eher, dass Gott und BILD sich „wunderbar“ ergänzen …

Wizball
Wizball

Ich war damals in ein Projekt involviert, in dem die SAP-Einführung für einen Chemiekonzern auf den Weg gebracht wurde. Dazu musste ich über einen Zeitraum von einem Jahr jeweils drei bis fünf Tage die Woche nach Köln reisen. An jenem 11. September lief alles wie gewohnt ab: Endloses Einpflegen von Materialdaten und sonstigem Gedöns, die Atmosphäre in den Büroräumen war wie immer, anscheinend bekam niemand etwas von den Ereignissen in den USA mit.
Nach Feierabend bat mich ein Kollege, ihn doch mitzunehmen, um ihn an seinem Hotel abzuliefern. Normalerweise fuhr ich immer alleine und verkürzte mir die langen Fahrtzeiten entweder mit ???-Hörspielen oder Heavy Metal (je nachdem, ob der jeweils aktuelle Mietwagen mit Tapedeck oder CD-Player ausgerüstet war). Beides wollte ich meinem älteren Kollegen nicht unbedingt zumuten und daher schaltete ich das Radio ein. Verwirrt lauschten wir den Nachrichten und ich dachte, dass die Berichte von den brennenden und einstürzenden Türmen des World Trade Centers einfach nur Werbung für einen neuen Kinofilm oder ein Videospiel seien, doch als auch nach mehreren Minuten keine gnädige Musikeinlage das Ganze als Fake entlarvte, dämmerte mir allmählich, dass hier tatsächlich etwas Unfassbares geschehen war.
Im eigenen Hotel angekommen, schaltete ich auf meinem Zimmer sofort den Fernseher ein und verbrachte den Rest des Abends in ungläubigem Entsetzen bei RTL und Co. Die in Dauerschleife gezeigten Schreckensbilder brannten sich tief in mein Bewusstsein ein und ich weiß noch, dass ich erst einmal meine Verlobte anrief, aber meine Empfindungen nicht wirklich in vernünftige Worte packen konnte. Ich fühlte mich an diesem Abend so wahnsinnig allein, 500 Kilometer von den Menschen getrennt die ich liebe und ich fragte mich, was ich hier eigentlich machte. Es kam mir alles auf einmal so sinnlos und leer vor, der Weg ins Büro morgen so vollkommen überflüssig. Irgendwann zwischen 23:00 und 0:00 Uhr schlief ich dann ein.
Die geschäftliche Besprechung am nächsten Tag kam mir merkwürdig surreal vor. Es wurde über Probleme mit dem SAP-System debattiert, in den Pausen gab es ein paar vereinzelte Kommentare („Ja, schrecklich“, „Das sah geil aus“ usw.; jeder kompensiert halt anders), ansonsten war aber eigentlich alles wie immer.
Es fühlte sich seltsam an.

Marcus
Marcus

@Marko: Nee. Aber „Katholische Kirche“ und BILD, das wiederum passt sehr gut.

Mencken
Mencken

Ich habe damals gerade mein Mittagessen gekocht, dann die Nachricht im Radio gehört, mir kurz die Bilder im Fernsehen angesehen und dann lieber erstmal gegessen, ehe das Essen kalt wurde. Der Rest des Tages verlief dann wie gewohnt, größeres Entsetzen oder Ängste hatte ich nicht, nur die allgemeine Hysterie war ziemlich nervig.

Chris
Chris

2001 waren meine Freundin und ich noch mitten im Studium und pflegten den entsprechend klischeebeladenen Lebensstil: Abends Party, morgens ewig schlafen, alle paar Tage mal in den Hörsaal. Und der 11. September verlief genau so: Wir haben bestimmt bis 10 oder 11 Uhr gepennt, dann erst mal Einkaufen, damit was zu essen da ist und anschließend mit Sandwiches aus dem entsprechenden Toaster im Bett vor dem Fernseher gesessen. In Ermangelung eines besseren Programms blieben wir dann bei „Richterin Barbara Salesch“ hängen und ließen uns vom hinkonstruierten Fall des Tages und den grenzwertigen „Schauspielern“ einlullen. Irgendwann mittendrin lief dann eine Eilmeldung unten durchs Bild, dass ein Sportflugzeug gegen das World Trade Center geflogen sei, was uns aber nicht weiter interessierte. Nach dem nächsten, kurz darauf folgenden Werbeblock kam dann ein außerplanmäßiger News-Block, der auch wieder von einem Sportflugzeug sprach und völlig ohne Bildmaterial auskam. Ich erinner mich noch, dass ich etwas ungläubig zu meiner Freundin sagte, dass ich mir schwer vorstellen kann, dass über Manhatten mit seinen Wolkenkratzern kein weiträumiges Flugverbot für private Sportmaschinen herrscht und dass ich eher an einen ziemlich spektakulären Selbstmord als an einen Unfall glaube. Nach „Barabara Salesch“ kam dann eine weitere News-Sondersendung mit erstem Bildmaterial und ab da war die Nummer mit dem „Sportflugzeug“ eigentlich gestorben – stattdessen kam der Glaube an einen Unfall wieder auf. Und den Rest kennt eh jeder: Mit dem zweiten Flugzeug war klar, dass es sich um koordinierte Anschläge handelt und nichts war mehr so wie vorher. Und auf Grund dieses Bewusstseins ging ich am nächsten Tag los und kaufte mir jede große Tageszeitung aus Deutschland, England und USA, die ich in die Finger kriegen konnte. Und heute kann meine Freundin, inzwischen Geschichtslehrerin, die gut als Zeitdokumente im Unterricht der 10. Klasse gebrauchen.

Exverlobter
Exverlobter

@Chris
Das ist in der Tat ein studentischer Klische-Lebensstil! Ich hab sowas nie kennengelernt, da ich sogar mit 2 Werkstudentenjobs immer knapp bei Kasse war. Und wenn ich mal nicht arbeiten musste, hab ich mich dann halt in eine Vorlesung gesetzt.

Exverlobter
Exverlobter

@Chris
Das ist in der Tat ein studentischer Klischee-Lebensstil! Ich hab sowas nie kennengelernt, da ich sogar mit 2 Werkstudentenjobs immer knapp bei Kasse war. Und wenn ich mal nicht arbeiten musste, hab ich mich dann halt in eine Vorlesung gesetzt.

lindwurm

@ Will Tippin: Respekt, du hast den finsteren Plan der Terroristen erkannt, nämlich Counterstrike-LAN-Partys in Verruf zu bringen :-))

heino
heino

Ganz ehrlich, ich habe das Thema total über und die versammlete Medienlandschaft (besonders die Privatsender) können mir getrost damit den Buckel runter rutschen. Schlimm genug, dass die mit ihrer „Berichterstattung“ immer wieder Wasser auf die Mühlen der Terroristen kippen, es hat auch noch genug andere wirklich üble Katastrophen und Terroranschläge gegeben, an die nicht laufend erinnert wird (ich erinnere mich da an Lockerby, die von den Russen Mitte der 80er abgeschossene Passagiermaschine oder auch diverse wirjklich schlimme Attentate der ETA in Spanien, von denen heute kein Schwein mehr redet). Von daher mag ich auch gar nix mehr dazu erzählen und unterlasse jede weitere Äusserung zu dem Thema.

heino
heino

Sozusagen:-)
Nein, mir ging es darum, einfach mal eine andere Sichtweise anzubringen. Klar hätte ich auch erzählen können, wie ich davon erfahren habe und was mir dabei durch den Kopf ging, aber erstens wäre das ziemlich langweilig und zweitens halte ich es einfach nicht für wichtig genug.

Marcus
Marcus

@heino: oder drittens darfst du uns nichts vom geheimen Hauptquartier der Illuminati erzählen, wo du vor deinen Kontrollbildschirmen gesessen und „muhahahahah“ gemacht hast. 😯

TimeTourist
TimeTourist

Ich kam von einer Schulung aus Koblenz am Bahnhof an. Mein bester Freund rief mich an und stammelte was vom dritten Weltkrieg. Abstürzende Flugzeuge und ein brennendes NY. Ich solle das TV anschlaten! Dann legte er auf. Er war schon immer ein wenig „aufgedreht“ und „anders“ als andere. Daher dachte ich mir nichts bei. Ähnlich wie Wortvogel, dachte ich an einen gutgemachten Trailer, den er gesehen haben musste. Aber wenn ER mich schon MITTAGS aus Hamburg aus anruft…. dann muss schon irgend was dran gewesen sein. Ich bemühte mich also die letzten Meter nach Hause schnell hinter mich zu bringen und bemerkte das auffallend viele Leute mit dem Handy telefonierten. Zu Hause angekommen schaltete ich das TV ein und sah gerade noch live, wie das zweite Flugzeug in den Tower krachte – ich war fassungslos.

heino
heino

@Marcus:ich glaube, du hast mich da mißverstanden. Ihc halte das, was ich erzählen könnte, nicht für wichtig genug. Das bezog sich nicht auf das Attentat.

Who knows?
Who knows?

Ich hatte damals einen freien Tag und hab‘ irgendwas im Fernsehen geguckt, ich weiß nicht mehr was. Dann wurde per Laufschrift mitgeteilt, dass es Terroranschläge auf WTC und Pentagon gegeben habe.
Von da an guckte ich den ganzen Tag nur noch CNN. In dem Moment, da der zweite Turm einstürzte, hielt Anchorman Aaron Brown inne und sagte nur leise, „there are no words“, und dann einige Sekunden nichts mehr.
Aus irgendeinem Grund hat sich mir dieser Satz ins Gedächtnis eingebrannt.

Che
Che

„Oder habe ich in Blind Minds Beitrag was nicht verstanden?“Zwischen den Zeilen, steckt Dreck….