03
Aug 2011

Libertarian assholes, don’t fuck with Matt Damon

Themen: Neues |

Die Konservativen in den USA glauben fest daran, dass man ALLE Probleme durch Wettbewerb lösen kann. Schon länger in der Diskussion: Boni für Lehrer, die überdurchschnittliche Leistungen bringen. Die schlechten Lehrer werden gefeuert – Zahlen lügen nicht, eine nähere Analyse der Umstände (soziale Brennpunkte, Ausstattung, Umfeld) ist nicht nötig. Jobverlust als Motivator, nur die Harten kommen in den Garten.

Mit solchen Ideen sollte man allerdings nicht Matt Damon kommen, dessen Mama Lehrerin ist:

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Marko
3. August, 2011 11:29

Und kein Wort über die schnuckelige Mikrofonhalterin …? *schmacht*
Btw, "A teacher wants to teach" … da kenne ich aus meiner Schulzeit leider eine ganze Menge, für die das eher lästige Pflicht war für das Privileg des gut bezahlten Beamtentums … 😕

Muriel
3. August, 2011 11:34

Ich würde da als jemand, der sich in Bezug auf die Themen Wettbewerb und Liberalismus durchaus angesprochen fühlt, darauf hinweisen, dass die kritisierte Position (insbesondere der Teil "nähere Analyse der Umstände ist nicht nötig") nichts mit Liberalismus oder Libertarianismus (oder so?) zu tun hat, sondern einfach mit Dummheit und Denkfaulheit.
Just sayin'.

xanos
xanos
3. August, 2011 11:50

Der Glaube, dass man ALLE Probleme mit dem Markt lösen kann ist schlichtweg
a) entweder grenzenlose Dummheit, gefüttert durch Lobbyisten
b) Volksverarschung.
Aber solange genügend einfaches Volk den Mist glaubt, weil jeder ja Ahnung von Markt hat, weil er im Supermarkt einkauft, kann man so einen Schwachsinn erzählen. Ich bin dafür, Grundlagen der Ökonomie in der Schule einzuführen, damit jeder Marktversagen, Externe Effekte und Informationsasymmetrien kennt und die Dummschwätzer unter den Politikern sofort auffliegen. Für die USA habe ich da aber wenig Hoffnung, wenn ich deren biologieunterricht in einigen Staaten aus der Ferne betrachte.
zu Matt Damon: coole Sau.

Jeff Kelly
Jeff Kelly
3. August, 2011 12:03

@Muriel: Dazu muss gesagt werden, dass die Amerikaner in der Regel gängige soziologische und politologische Terminologie anders definieren als wir in Europa (ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass sie sie gründlich mißverstehen, aber ich bin höflich)
Außerdem muss man aufpassen damit man Liberalismus nicht mit Libertarismus verwechselt.
Ich empfehle den Wikipedia-Eintrag. Für die USA relevant dürften dabei besonders die Unterpunkte Paläolibertarismus und Neolibertarismus sein, die das amerikanische Libertäre Verständnis am besten beschreiben. http://de.wikipedia.org/wiki/Libertarismus
Im Gegensatz um Liberalismus – der einen starken Staat braucht um soziale Ungerechtigkeiten zu beseitigen, stehen die Libertären für die starke Beschneidung oder gar Abschaffung des Staates und dessen "Einmischung" in die persönliche Freiheit des Einzelnen ("Starving of the Beast")
Wer die aktuelle Diskussion um das US-Budget und Debt-Ceiling verstehen will sollte die amerikanische libertaristische Strömung verstehen, auf die sich viele hochrangige Republikaner berufen.
Zitat:
"Libertäre lehnen eingreifende Staatswesen grundsätzlich ab und fordern eine Reduktion des Staates auf seine Funktion zur Sicherstellung der Grundfreiheiten oder sogar eine völlige Abschaffung des Staatswesens."
"Viele Libertäre gehen davon aus, dass eine Organisation der Gesellschaft nach dem Marktprinzip letztlich die stabilste Form der Gesellschaft mit dem größtem Wohlstand für alle nach sich zieht. Sie fordern daher ein völliges Laissez-faire sowohl im Bereich der Wirtschafts- und der Gesellschaftspolitik. Generell vertreten sie die Ansicht, dass Aufgaben durch den Marktmechanismus besser und günstiger gelöst werden, als es durch Staaten jemals möglich wäre. So befürworten sie beispielsweise Freihandel und Bankfreiheit."
Das Verständnis persönlicher Freiheit das die Libertären vertreten bedeutet auch einen Bezug auf das Leistungsprinzip. Nur wer etwas leistet – im Sinne der o.g. Marktmechanismen – hat ein Anrecht auf Lohn.

C
C
3. August, 2011 12:13
Wortvogel
Wortvogel
3. August, 2011 12:16

@ Jeff Kelly: Danke für die Infos – ich wollte eigentlich so weit gar nicht in die Details. Aber es nervt mich schon seit Jahren, wie die Amerikaner (insbesondere die Konservativen) immer mehr auf "Neusprech" setzen und die Geschichtsbücher umschreiben wollen. Mittlerweile sind die Gründungsväter also eigentlich doch Christen gewesen, Liberale sind Landesverräter und Einstein glaubte an den lieben Gott. Das ist eine Tendenz, die mich weit mehr beunruhigt als Internet-Sperren und Schuldenobergrenzen – es geht um die Deutungshoheit. Jeder definiert sich alles so, wie er will. McCarthy wird rehabilitiert, Vietnam nachträglich zur Notwendigkeit und zum Sieg umdeklariert. Sozialismus ist Faschismus.

Marko
3. August, 2011 12:17

@ C: Danke! "Michelle Fields" heisst das Schnuckelchen …
http://content8.flixster.com/photo/13/96/59/13965942_gal.jpg
… hach …

Muriel
3. August, 2011 12:21

@Jeff Kelly: Ich danke für die Erklärung, aber du sagst mir da nichts Neues.
Da ich genauso wie "die Konservativen in den USA" keiner reinen Lehre angehöre, sondern irgendwo zwischen den Extremen stehe, halte ich meinen Beitrag vorläufig noch für passend.
Ich bin zwar durchaus der Meinung, dass es Dinge gibt, die der Staat direkt selbst mach sollte, würde aber auch eher nicht unterschreiben, dass man "einen starken Staat braucht um soziale Ungerechtigkeiten zu beseitigen". Und jemand, der gar keinen Staat will, der hätte dann als Politiker wohl auch keine Meinung dazu, wie man mit Lehrern umgehen sollte, denn das ginge ihn dann ja nichts mehr an.
Aber darum ging es ja eigentlich gar nicht. Es ging mir darum, dass die Idee eines wettbewerbsorientierten Umgangs mit Lehrern (die ich nicht grundsätzlich falsch finde) nicht zwangsläufig bedeuten muss, dass man es so blöd anstellt, wie es oben im Beitrag klingt.

Wortvogel
Wortvogel
3. August, 2011 12:26

@ Marko: Ein Leckerchen (auch Fox sucht sich ja gerne entsprechende Moderatorinnen und Sprecherinnen aus) – aber sie legt sich halt furchtbar auf die Schnauze, weil sie halbwegs gebildete Leute nicht interviewt, sondern mit einem "Gotcha!"-Argument in die Falle locken möchte.

Marko
3. August, 2011 12:29

Hoffentlich interviewt sie mich nie, sie müsste nichtmal "gotcha" sagen …
… jaja, ich bin schon leise. 😉

Muriel
3. August, 2011 12:40

@Marko: Nicht doch! In dieser Diskussion wird jede Stimme pro Libertarianismus gebraucht. Es zählen eben nicht nur die wirtschaftlichen Argumente…

Marko
3. August, 2011 12:42

Liber … was? Sorry, ich hab' das Video ohne Ton geschaut … 😛

Muriel
3. August, 2011 12:42

@Marko: Macht doch nichts. Ich auch!

Jeff Kelly
Jeff Kelly
3. August, 2011 12:48

@wortvogel.
Die amerikanische rechte hat es geschafft "liberal" zu einem Schimpfwort zu machen. Das ist durchaus eine gewisse (wenn auch furchtbare) Leistung.

Andi
Andi
3. August, 2011 13:41

Zu dem Damon-Interview hat Lawrence O’Donnell (u.a. Produzent und Autor bei "The West Wing" und ebenda auch Jed Bartlets Dad) einen länglichen aber guten Beitrag in seiner Show:
http://www.msnbc.msn.com/id/21134540/#43996175

Proesterchen
Proesterchen
3. August, 2011 13:52

Das Lächerliche an dieser libertären Position ist ihre Durchschaubarkeit.

Trantor
Trantor
3. August, 2011 16:49

Irgendjemand "Freakonomics" gelesen?
Sehr empfehlendwert, und da wird auch in einem Kapitel erzählt, wie sie die Testergebnisse von Chicagoer Schulklassen untersucht haben. In Chicago gibt es nämlich auch Boni für Lehrer, deren Klassen unter den Top x% sind. Und nicht sonderlich überraschend stellte sich raus, dass Lehrer auf verschiedenste Arten tricksten und fälschten, um die Testergebnisse der eigenen Klasse nach oben zu heben. Das harmloseste war da noch, dass Lehrer während der Tests Hilfe leisteten, es ging aber auch soweit, dass Lehrer ganze Tests im Nachhinein durch Ändern der Schülerantworten fälschten.
DAS kommt dann dabei raus, wenn man bei einer hoheitlichen Aufgabe sich dem "der Markt regelt das schon" verschreibt.

DMJ
3. August, 2011 18:47

Schlimme Erinnerungen an 1250 Seiten Ayn Rand kommen hoch… 🙁

trackback

[…] nicht mit Matt Damon ficken, findet der Wortvogel. Ich möchte mich dieser Forderung hiermit nachdrücklich anschließen. Niemand sollte mit Matt […]

Jeff Kelly
Jeff Kelly
4. August, 2011 12:59

@DMJ: Die Bedeutung die Ayn Rands "Atlas shrugged" und "The Fountainhead" für die amerikanische Rechte hat ist erheblich.
Wer die amerikanische Politik und besonders die konservative Philosophie verstehen will, muss sich eigentlich mal mit Rand und den Grundzügen des Libertarismus auseinandersetzen.
Dann machen die Forderungen der Neokonservativen und der tea party plötzlich Sinn, zumindest innerhalb deren eigener Philosophie. Die Sparmaßnahmen und Kürzungen greifen genau da an, wo man keinen starken Staat haben möchte und klammert alles das aus was man zur Durchsetzung der Philosophie benötigt.
Insbesondere Strafverfolgung und das Militär bleiben von den Kürzungen weitestgehend verschont, die Steuerkürzungen auf hohe Einkommen bleiben erhalten. Dafür spart man bei allen Aufsichtsbehörden, von der FDA bis zur FAA und der EPA, der Bildung und allen föderal finanzierten staatlichen Aufgaben (sogar die Post muß 10 Milliarden einsparen). Die FAA ist im Moment so pleite, dass sie ihre eigenen Kontrolleure bis Labor Day (5. September) nicht mehr bezahlen kann. Blöd wenn man in den USA fliegen will und nicht gerne in defekten Flugzeugen unterwegs sein möchte.

DMJ
4. August, 2011 13:48

Und vor allem zeigt Rand, was für ein Verzicht auf echte Logik in den entsprechenden Kreisen vorherrscht: In "Atlas" geht die Welt ja nun nicht zugrunde, weil die Politik sich an sich in die freie Marktwirtschaft einmischt, sondern weil durch die Bank ALLE Politiker geistig zurückgebliebene, kindische und von grundloser Zerstörungswut erfüllte Teufel in (meist hässlicher) Menschengestalt sind, welche sich alle Mühe geben, die Welt kaputt zu kriegen. Da liegt der Fehler also gerade nicht im System, wie die Aussage des Buchs sein soll, sondern in den konkreten Personen.

Pogopuschel
Pogopuschel
4. August, 2011 16:45

Da wird mit Mat Damon auf seine alten Tage ja noch richtig sympathisch. Zumindest in Deutschland(für andere Länder kannn ich es nicht sagen) gibt es aber durchaus auch Menschen, die nicht Lehrer werde, weil sie es Lieben. Ich denke, fast jeder von uns hatte auch einen Lehrer, dem man angemerkt hat, wie sehr er seinen Job hast. Aber dieses Leistungsdenken in den USA hat auch zum "No Child left behind" Desaster geführt. Da ging es dann nur noch um "junk the stats", die Statistiken sind wichtiger geworden, als der eigentliche Erfolg bei den Schülern.
Da müssten man dann auch die schlechten 10% unter den Abgeordneten sofort feuern können. Was, wie sich ja in den letzten Wochen gezeigt hat, die Teaparty Idioten sind.

comicfreak
comicfreak
4. August, 2011 19:54
U...
U...
10. August, 2011 22:45

Damon ist mir zurecht unsympathisch, was für ein Blödsack..

Peroy
Peroy
10. August, 2011 22:50

Solange er nicht "V" für eine exzellente Serie hält…

Mollari
Mollari
14. August, 2011 15:04

Wenn er denn zwischen "V- erste Miniserie", "V – zweite Miniserie", "V – Die Serie" und "V – noch ’ne Serie" differenzieren kann.