Ich hatte geplant, diese beiden Filme ausführlicher zu besprechen, aber es mangelt mir einfach die Zeit – und ehrlich gesagt sind beide keine pedantischen Analysen wert.
Battleship Yamato 2010
space_battleship_yamato_ver2_xlgEine Live Action-Version der legendäre Trickserie aus den 70ern, die in praktisch jedem Jahrzehnt für ein neues Publikum entstaubt wird – mal als aufwändigere Trickserie, dann mit viel CGI. Und nun eben „in echt“.
Der Plot ist so hanebüchen und die Charaktere so flach, wie man es von Anime-Adaptionen gewohnt ist: Captain Iglo soll mit einem zum Raumschiff umgebauten Schlachtschiff aus dem Zweiten Weltkrieg ans andere Ende der Galaxis reisen, um dort ein Mittel gegen die Radioaktivität zu finden, mit der die Menschen von einer aggressiven Alien-Rasse nahezu ausgerottet worden sind.
Wer „Battlestar Galactica“ mochte, wird sich bei „Yamato“ sofort wohl fühlen, denn die Grundstruktur und die Charaktere sind sehr ähnlich. Da die Originalserie schon Mitte der 70er entstanden ist, darf man durchaus fragen, wer sich hier von wem hat inspirieren lassen. Beim Look bedient sich „Yamato“ dann wieder mehr bei „Babylon 5“ – jede Menge knallbunte CGI, der Weltraum als Abenteuerspielplatz, Aliens von der Festplatte.
http://www.youtube.com/watch?v=Row0rYFQCHs
„Yamato“ könnte demnach eine ganz fette Weltraumoper für die ganz große Leinwand sein in einer Zeit, die an ganz fetten Weltraumopern für die ganz große Leinwand nicht gerade reich ist. Wozu gönnt man sich sonst einen (B-)Song von Aerosmith-Frontmann Steven Tyler? Aber leider scheitert das ambitionierte Projekt an der Austauschbarkeit der japanischen Charaktere und ihrer Darsteller, die sich (mit Ausnahme des Helden Kodai) albern bereitwillig dem Kamikaze-Corpsgeist opfern und einer Alien-Bedrohung, die seltsam vage und behauptet bleibt. Das reicht nicht für die letztlich doch ermüdende Laufzeit von über zwei Stunden.
Es bleibt so eine Art asiatischer „Perry Rhodan“. Wen es nach Weltraumgefechten und Hyperraumsprüngen dürstet, ist hier zumindest nicht ganz falsch.
Weapon aka Assassination Games
Weapon
Erstaunlich genug, dass es ein van Damme-Film mal wieder ins Kino schafft, wenn auch nur in einem extrem limtierten Release. Es gab auch durchaus Hinweise, dass „Weapon“ einen Tacken mehr taugen könnte als das übliche Gerümpel des mittlerweile sichtlich alternden Belgiers. Van Damme und Scott Adkins in EINEM Film? Wurde auch Zeit, schließlich wird Adkins seit geraumer Zeit als legitimer Nachfolger der „Muscles from Brussels“  gehandelt.
Leider muss ich vermelden, dass der letztlich als „Assassination Games“ auf DVD landende Film genau so beliebiger Dreck ist wie die aktuellen Produktionen von Lundgren und Seagal: osteuropäische 08/15-Action mit den immer gleichen und immer langweiligen slawischen Bösewichten, die mit ihren tumben Handlangern dutzendfach niedergemäht werden. Adkins und van Damme gönnen sich einen zu kurzen und eher banalen Fight, der Rest wird mit Feuerwaffen bestritten. Nennenswerte Chemie kommt zwischen den beiden Action-Schwergewichtern nie auf, Spannung sowieso nicht. Die hässlichen bulgarischen Schauplätze ersaufen in sepia, als hätten die Filmrollen eine Nacht lang in Jauche gelegen.
Eine größere Nebenrolle hat van Dammes Sprössling Kristopher van Varenberg und er beweist eindrucksvoll, dass Talentmangel erblich ist.
Einziger Pluspunkt: van Damme besitzt (und liebt) eine nordamerikanische Rotwange. Kann ich verstehen.
Trotzdem: Billiges Actionfutter für die ganz Anspruchslosen. In jeder Beziehung „Produkt“, nicht Kino.



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heino
heino

In beiden Fällen nicht wirklich überraschend.

Marcus
Marcus

@Torsten:
„Captain Iglo“
Heißt der ECHT so? 😯
„osteuropäische 01815-Action“
Typo.
„der Rest wird mit Feuerwaffen bestritten“
Tragisch, wenn Martial Arts-Nasen ihren unique selling point über Bord werfen.

Teleprompter
Teleprompter

Die Art, wie die Japaner in einigen SciFi/Actionheulern ein bisschen den verlorenen 2.WK noch mal gewinnen wollen, ist mir schon früher unangenehm aufgefallen („Saikano“). Dass der Originallkahn (die Yamato) eher glanzlos (aber mit hohen Verlusten) abgesoffen ist, scheint da auch niemanden groß zu stören.

TomHorn
TomHorn

Van Damme & Adkins trafen schon in „The Sheperd“ kurz aufeinander, der Fight enttäuschte. Aber schade, ich hatte gehofft, dass sich Van Damme nach JCVD etwas von den Billig-Kloppern lösen könnte. Bin aber trotzdem auf seine zweite Regie-Arbeit „The Eagle Path“ gespannt, soll ja im Oktober seine DVD-Premiere auf der Insel haben…

Peroy
Peroy

Das Badmovie-Forum ist noch vier Minuten lang down, deshalb schreibe ich hier was.

Thies
Thies

@Peroy
Danke für diese lebenswichtige Information. 😉

Peroy
Peroy

Bitte.

Gerd
Gerd

@Wortvogel:
Laufen die beiden Filme auf dem Fantasy Filmfest? In meiner Stadt nämlich nicht, was ich schade fände, wenn dem so wäre.
LG

Jott

„Yamato“ ist ja dermaßen battlestargalacticanisch… aber eben evtl. auch die Originalidee… also hat man vielleicht nur „zurückgeklaut“?

Exverlobter
Exverlobter

Bezüglich Yamato dachte ich zuerst, dass du tatsächlich eine Review zu dem Kriegsfilm schreibst. Hab nämlich eine DVD zu einem japanischen Film, die sich mit dem Schicksal der echten Yamato beschäftigt. http://www.youtube.com/watch?v=R0JLpzRnw58
Von einer Sci-Fi Variante hatte ich bislang nie was gehört.

Doc Knobel
Doc Knobel

Yamato wird sicherlich mal angeschaut, interessiert mich aber jetzt nicht so. Von Weapon hatte ich mir schon etwas mehr versprochen. Wenn man Adkins an Bord hat und die Fightszenen stärker auf ihn fokussiert, ist das ja kein Problem. JCVD könnte aufgrund seines Alters ja dann anders eingesetzt werden. Aber wenn es im Grunde gar keine spektakulären Szenen gibt, ist das bei der Bestetzung natürlich tragisch. Schade, dachte der Belgier hat sich ein wenig bekrabbelt. Noch bedauerlicher jedoch, dass Adkins wohl nie den Weg aus der B-Ecke finden wird.

Exverlobter
Exverlobter

Btw, vorsicht bezüglich Schmähungen an Dolph LUndgren. Von der alten B-Garde schlägt der sich IMO immer noch am besten, vor allem wenn er bei seinen Filmen selber Regie führen darf (was zeigt, dass der Regisseur Lundgren eigentlich mehr Talent als der Schauspieler-Lundgren hat) Wer mal „Command Performance“ gesehen hat, entdeckt keinen lustlos heruntergekurbtelten Direct to DVD-Actioner, sondern ein launiges Machwerk, dass aus dem begrenzten Budget so viel wie möglich rausholt.
http://www.youtube.com/watch?v=3NH8DmMfYXw
Den Nachfolgefilm Icarus fand ich eigentlich auch recht gut. Die Höllenjahre Lundgrens, als er Rotz wie „Agent Red“ oder „Last Warrior“ abgeliefert hat, sind endgültig vorbei. Aus dem Tal sind die anderen wie z.B. Steven Seagal noch lange nicht raus(schafft der mit dem Gewicht auch wahrscheinlich nicht mehr). Und Van Damme hat sich mit seinem Korb gegenüber Stallone selber ins Bein geschossen.

Strabo
Strabo

@Teleprompter: Ich nehme mal an du kennst die Originalserie von 1973 nicht bzw. hast den Film nicht gesehen? Denn das die Yamato abgesoffen ist, ist der Grund warum sie als Hülle für das Raumschiff benutzt wird – die Erdoberfläche ist nämlich nicht mehr bewohnbar, daher konnte man nur auf ein möglichst großes Wrack am Meeresgrund zurückgreifen.
Mit dem erneuten Ausfechten des 2. Weltkrieges oder irgendwelchen japanischen Nationalismen hat das wenig zu tun. Das die Yamato und nicht die Arizona genommen wurde, könnte man auch kritisieren, aber das wäre als würde man sich beschweren, dass Akira in Neo-Tokyo und nicht in New-New York spielt (zumindest bis Keanu Reeves seine Finger reinbekommt).

Exverlobter
Exverlobter

@Wortvogel
Oh, die Reviews hatte ich übersehen, habe ich aber jetzt nachgeholt.
Vielleicht sind Lundgrens neueste Filme nicht das gelbe vom Ei, und auch nicht mit seinen wirklich launigen Actionern der frühen 90er Jahre zu vergleichen (ich sage nur Showdown in Little Tokyo 🙂
Aber verglichen mit der Scheiße die er um die Jahrtausendwende abgeliefert hat, sind die neueren LUndgrens immer noch Gold wert (auch wenn sie dann objektiv gesehen immer noch schlecht sein mögen).
Wirklich, „Agent Red“ kann nicht mal der fanatischste Action-Trash-Fan gut finden.

Teleprompter
Teleprompter

@Strabo Um zu erkennen, dass wie das gemeint ist, muss ich die Originalserie nicht kennen, der Trailer und die Wortvogel-Kritik reichen da mehr als dicke aus. Ein Super-Kriegsschiff des Kriegsverlierers, das einst der Stolz der Flotte war, ohne jeden Erfolg gesunken ist und jetzt auf einmal die Erde rettet – bitteschön, was gibt es da nicht oder misszuverstehen ?
@Wortvogel. Das Gönnen von patriotisch bis nationalistischen Anwandlungen in Unterhaltungsfilmen ist schon o.k., hat aber Grenzen. Für die Sieger vulgo die Amis, die auch noch für die richtige Sache gekämpft haben (bei WW2 eigentlich nicht diskutabel, Vietnam und Rambo 2 wären da Gegenbeispiele) ist da der Toleranzspielraum auch etwas größer, Kriegsbeginner mit ordentlich Kriegsverbrechen auf dem Kerbholz sollten sich da schon zurückhalten. Ein Film wie angetextet mit der Bismarck würde hierzulande wohl kaum Geldgeber finden und schlimmstenfalls auch den Staatsanwalt auf den Plan rufen.

Peroy
Peroy