Grossbritannien/USA 2011 / REAL D / 89 MIN / ENGLISCHE OV

REGIE Gareth Maxwell Roberts
DARSTELLER Method Man / DASH MIHOK / EJ BONILLA / JUDY MARTE / ANGELIC ZAMBRANA / WENDELL PIERCE / DANA FUCHS

Story (offizielle Synopsis): Ein einzelgängerischer Leichenbestatter streift mit Melone und Hornbrille durch das Getto einer verfallenen Metropole, in der Gewalt und Elend regieren. Nachts widmet er sich mit Geschick und Akribie seinem Hobby – der Tierpräparation. Sein Tagesjob unterscheidet sich nur unwesentlich, wenn er penibel und völlig ungerührt Leichen säubert und für die Beerdigung herrichtet. An Nachschub mangelt es in der trostlosen Gegend nie. Der tätowierte Bauch einer ermordeten jungen Frau reißt den Bestatter aus seiner Routine: Was haben bloß der neue Mitarbeiter Noah, ein Ex-Knacki, der bedrohliche Gangster Carver und der eingeschüchterte Junge Kane mit der Sache zu tun? Erst nach und nach kommt Licht in die mysteriösen Ereignisse dieses Urban Noirs. Der verschrobene Pathologe muss sich entscheiden: Bleibt er weiter in beobachtender Distanz zu seiner Umwelt, oder schreitet er zur Tat …

Kritik: Schlimm genug, dass immer wieder Rapper dem Ruf zur Leinwand folgen, ob sie dafür Talent haben oder nicht. Und dass sie dabei selten Rollen wählen, die wenigstens eine selbstironische Komponente haben. Nein, es muss voll ghetto sein, gerne bling bling und bang bang. Und Whitey ist der Vollidiot.

Wenigstens kann man DAS nicht von „The Mortician“ behaupten. Aber anderes.

„The Mortician“ ist ein „slice of life“-Film, der gerne authentisch sein UND als inspirierende Parabel dienen will. Der Leichenbeschauer hat sich von der kaputten Welt abgekoppelt, versucht in sorgsamer Lebensführung und übersichtlicher Garderobe so etwas wie eine Struktur zu finden, an der er seinen leeren Tagesablauf aufhängen kann – so lächerlich ihn das in der gewaltbereiten und zynischen Stadt auch erscheinen lässt. Doch er ist nicht nur einsam – er ist auch aufrecht, hat sich nicht korrumpieren lassen.

Das alles könnte eine schöne Mär aus einer hässlichen Welt sein. Es ist aber eine lahme Ente, die auf der Stelle paddelt. Als ich Lukas beim Nachspann sagte „Der hatte ja wohl null Tempo“, meinte dieser Schulter zuckend: „Ich kann schneller stehen.“

Eine Stunde lang passiert in „The Mortician“ gar nichts. In schön komponierten, aber von Anschlussfehlern durchsetzten Bildern wandert der Leichenbeschauer durch Industriebrachen vom Labor zur Wohnung und wieder zurück. Er sieht schlimme Dinge, hält sich aber raus. Irgendwann wird er in den Mord an einer jungen Mutter verwickelt – was nur bedeutet, dass er daneben steht, als im Finale sein Assistent den Mörder zu Tode prügelt. Film aus.

Wie der Film diese platte Plotte mit Subtext zu füllen versucht, ist manchmal peinlich, manchmal glattweg rassistisch: Die kämpfenden Parteien sind Latinos und Weiße. Der Beschauer ist der einzige Schwarze und als solcher geradezu albern makellos. Die drei weiblichen und für die Story relevanten Figuren müssen sich allesamt prostituieren, was als vergleichsweise legitime Geldbeschaffung verkauft wird (die „Nutte mit dem Herz aus Gold“ hat hier einen Auftritt, der nicht weniger peinlich ist als bei „Pretty Woman“). Die wenigen Dialoge sind penetrant „in your face“ und man sieht den Holzhammer immer schon von Weitem kommen. Am Schluss hat sich nichts geändert, der Beschauer hat lediglich den Bart abrasiert und dated jetzt seine Nutte (um Geld zu sparen?). Ich bin sicher, da eine ganz tolle Message zum Thema „urban angst“ verpasst zu haben…

Ehrlich, es ist schwer, in diesem Review zu verdeutlichen, WIE tranig, inkompetent und ereignislos „The Mortician“ ist. Zwar kann er mit „End of Animal“ nicht ganz mithalten, aber das ist ein schwacher Trost. Man kann durchaus Entertainment daraus ziehen, den von Szene zu Szene wechselnden Bartwuchs von Method Man zu bewundern.

Dafür ist „The Mortician“ aber der Gewinner des Preises „Sinnlosester 3D-Film des Festivals“. Es gibt hier wirklich NICHTS zu sehen, was räumliche Tiefe bräuchte.

Fazit: Lahmarschiger Problemfilm mit einem Rapper, der nicht mal einen Sozialautisten halbwegs glaubwürdig spielen kann – ein Totalausfall, vor dem ich nur warnen kann.

Kein Trailer – nur ein Promoclip:

P.S: Etwas erschüttert war ich, im Nachspann weit unten Oley Sassone als Production Supervisor zu finden – der Corman-Zögling hat schließlich ein paar echte Kracher gedreht, u.a. den nie veröffentlichten „Fantastic Four“!



avatar
35 Comment threads
0 Thread replies
0 Followers
 
Most reacted comment
Hottest comment thread
16 Comment authors
Fantasy Filmfest Masterliste (1) | Wortvogel – 100 % Torsten DewiDMJMaulkorbDietmarXXX Recent comment authors
  Subscribe  
neuste älteste beste Bewertung
Benachrichtige mich zu:
Marcus
Marcus

Ich dachte schon beim Lesen im Programmheft „GÄHN“.

Und den „Ich kann schneller stehen.“-Spruch beabsichtige ich zu klauen.

OnkelFilmi

„Ich dachte schon beim Lesen im Programmheft “GÄHN”.“

DOPPEL-Gähn sogar.

DMJ

Ah, wieder einmal ein Film, der „künstlerische Langsamkeit“ will und bloß „lahmärschige Langeweile“ zustande bringt.
Dass viele, bewusst „schwarze“ Filme gern mal rassistisch werden, ist mir auch schon aufgefallen. Ich meine da jetzt weniger die kecken Blaxploitater der 70er mit ihren weißen Teufeln, denen ich es nicht soooo übel nehmene, weil sie mehr ein Gegenschlag zur damaligen Diskriminierung war, sondern speziell die Latinos in aktuellen Filmen. Je stärker sich ein Film darüber aufregt, was für böse Vorstellungen die Weißen von Schwarzen haben, desto untermenschlicher böse seine Latinos, aber weil die meisten Leute zu blöd sind, anderen Rassismus als den Klassiker der white supremacists zu erkennen, regt sich kaum wer drüber auf.

Dr. Acula

In der Tat ein Film, dessen Beschreibung im Programmheft bei mir zwei Fragen auslöste: „Warum sollte ich den sehen wollen?“ und „Wieso zum Henker ist der Schlonz 3D“? War demzufolge auch nicht ansatzweise in Gefahr, auf meiner Liste zu landen…

Peroy
Peroy

Hätte man besser mal ’nen Film über die Band gemacht… 8)

Achim
Achim

Ein Bestatter/Leichenpräperator in der offi wird zum Pathologen?

Pathologen sind Ärzte, die meist im Labor arbeiten und und meist Teile lebender Menschen untersuchen. (Gewebeprobe wird entnommen (Biopsie) und vom Pathologen untersucht, nachdem sie an diesen gesandt wurden)

Peter
Peter

Gerade gesehen: Toller, ruhiger Film mit feinem Gespür für Stil. Alleine die Garderobe des Hauptdarstellers rechtfertigt schon eine Sichtung. Der Soundtrack stimmte auch.

Hat mir gefallen.

Dietmar
Dietmar

„Alleine die Garderobe des Hauptdarstellers rechtfertigt schon eine Sichtung.“

Dann findest Du sicher auch den Quelle-Katalog spannend …

Peroy
Peroy

„Gerade gesehen: Toller, ruhiger Film mit feinem Gespür für Stil.“

*BlickaufsPosteroben*

Pimp Style Deluxe… ?

Peter
Peter

@Peroy:
Man merkt, dass du den Film nicht gesehen hast. Das Poster zeigt nämlich ein Outfit, welches überhaupt nicht im Film vorkommt und den Stil völlig verfälscht darstellt. Die Garderobe beschränkt sich auf stilvolle Dreiteiler und wunderbare Krawatten. Nichts, aber auch gar nichts erinnert auch nur entfernt an einen „Pimp-Style“.

@Dietmar:
Dem kann ich nicht folgen.

Peroy
Peroy

„Man merkt, dass du den Film nicht gesehen hast. Das Poster zeigt nämlich ein Outfit, welches überhaupt nicht im Film vorkommt und den Stil völlig verfälscht darstellt. Die Garderobe beschränkt sich auf stilvolle Dreiteiler und wunderbare Krawatten. Nichts, aber auch gar nichts erinnert auch nur entfernt an einen “Pimp-Style”.“

Außer dem Poster…

Peter
Peter

Was auch immer die Jungs vom Marketing dazu geritten hat…

Peroy
Peroy

Mir ist gerade die Idee für ’nen anderen Film gekommen… „Der Pimp Pathologe“: Ein Pathologe wie Quincy, der nebenbei Zuhälter ist und mit Hilfe seines loyalen Harems von Kung Fu-Nutten Verbrechen aufklärt.

Im dritten Teil gibt es dann ein Crossover mit „Kommissar Kannibale – Der lange Zahn des Gesetzes“… 8)

Mitleser

Ich mag Quincy, Ich mag Kung Fu, Ich mag Nutten. Den Film würd Ich mir ansehen.

Peroy
Peroy

Natürlich. JEDER würde sich eher den Pimp Pathologen als den im Dreiteiler ansehen. 8)

Dietmar
Dietmar

@Peter: In „Sex and the City“ zieht man sich auch trendy Klamotten an. Empfehlung!

milan8888
milan8888

Also im Promoclip ist das selbe Outfit zu sehen und im Trailer hat dann zusätzlich auch noch die Taschenuhr nen Auftritt…

Wortvogel
Wortvogel

@ Peter: Es steht dir absolut frei, den Film zu mögen – aber die Begeisterung für das Kostüm des Protagonisten finde zu wenig, um dir zu folgen. Zumal du mit keinem Wort auf die von mir beschriebenen inhaltlichen Probleme eingehst.

Comicfreak
Comicfreak

..also, selbstverständlich ist das Outfit des jeweiligen Protagonisten die einzige Rechtfertigung und Motivation, einen Film zu sehen!

*rofl*

Peter
Peter

Och, wusste gar nicht, dass ich jetzt so einen Aufruhr verursache ;D

War nicht meine Absicht.

@Dietmar: Klar, bei Sex and the City ist es ähnlich. Es ist absolut verständlich sich einen Film auch mal nur wegen der Mode anzuschauen. Warum auch nicht? Einen Actionfilm gucke ich mir mitunter ja auch nur wegen möglichst großer oder zumindest aufregend visualisierten Explosionen an. Sehe da keinen Grund, warum man das sarkastisch kommentieren müsste.

Geschmackssache und andere Prioritätensetzung. Ist doch völlig okay. Manche interessieren sich nun einmal sehr für Stil oder auch Mode generell und dann reicht das mitunter schon.

@Comicfreak:
Es muss ja nicht die einzige Rechtfertigung sein. Bei „The Mortician“ fand ich das drumherum auch solide. Und warum du einen Menschen, wegen einer Ansicht, die du nicht teilst, bzw. nicht nachvollziehen kannst auslachst (Stichwort: rofl) finde ich daneben.

Will gar nicht wissen, wie viele sich mitunter „A Single Man“, alte „James Bonds“ oder „McQueen“ Streifen nur wegen des Stils anschauen. Ist das so verwerflich? Ich denke nicht ;D

Peroy
Peroy

„Klar, bei Sex and the City ist es ähnlich. Es ist absolut verständlich sich einen Film auch mal nur wegen der Mode anzuschauen… Geschmackssache und andere Prioritätensetzung. Ist doch völlig okay. Manche interessieren sich nun einmal sehr für Stil oder auch Mode generell und dann reicht das mitunter schon.“

*husthustSchwuchtelhust* 🙂

Peter
Peter

Na wenn in deiner Welt Homosexualität eine Beleidigung ist oder gar als Provokation genutzt werden kann, dann gute Nacht.

Schönes Klima hier übrigens!

Wortvogel
Wortvogel

@ Peter: Hier herrscht in der Tat für gewöhnlich ein schönes Klima. Aber wir reagieren halt etwas unwirsch, wenn jemand die Bekleidung des Hauptdarstellers für einen adäquaten Existenzgrund eines Filmes hält. Und nein, das hat mit „Actionfilme wegen Action zu gucken“ rein gar nichts zu tun. Dabei geht es um das Genre.

Ich stelle außerdem fest, dass du auf meine inhaltliche Kritik am Film nicht eingegangen bist. Auch das verfestigt den Eindruck, dass du erheblich dürftigere Standards anlegst als die meisten anderen Kommentatoren.

Es steht dir frei, dir einen anderen Spielplatz zu suchen.

Peter
Peter

Ach, ich glaube dir, dass hier sonst ein schönes Klima herrscht. Habe ich ja auch mitbekommen, als ich noch nicht aktiver Poster, sondern nur Leser war.

Aber ich verstehe nicht, warum ich regelrecht angefeindet werde, wenn ich dürfigere Standards an Filme setze. Muss doch erlaubt sein. Und es wäre ja auch völlig okay mit mir darüber zu diskutieren (wenn ich deine Posts lese ist ja auch alles in Ordnung- so würde ich gerne diskutieren!), aber es kann doch nicht sein, dass ich als „Schwuchtel“ bezeichnet werde, wegen einer objektiv betrachtet trivialen Kritik. Bei aller Liebe…

Und ich sehe nicht ein, jetzt sofort gehen zu müssen. Ich muss mich ja nicht beleidigen lassen und dann geknickt abziehen.

Wortvogel
Wortvogel

@ Peter: Du musst nicht gehen, ich fände es sogar schade.

Die Schwuchtel von Peroy dürfte dich weder wundern noch aufregen – der ist halt unser Blogdepp mit ein wenig zuviel Leine. Und er hat auch ein Smiley daneben gemacht (was es nicht gut macht, aber zumindest nicht ganz so schlecht).

Es sind die „dürftigen“ Ansprüche, die uns Probleme bereiten. Im Fall von „Mortician“: beschissenes 3D, latent rassistisch und sexistisch, komplett am Plot vorbei inszeniert – aber die Klamotten vom Protagonisten gefallen dir und das reicht schon? Sorry, aber wir sind Fans im Sinne von „Liebhaber“ – und die nehmen sowas mitunter persönlich.

Dietmar
Dietmar

@Peter: Deine Filmempfehlung ist einfach etwas dünn begründet. Das finde ich eines ironischen Kommentars wert. Und ich traue mir zu, beurteilen zu können, dass comicfreak sich auch über Dein Argument amüsiert, nicht über Dich als Person.

Entspannung ist angesagt. 😉

Comicfreak
Comicfreak

@ Peter

..hätte ich mich über dich lustig gemacht, hätte der Post mit „hey, Peter..“ begonnen.

Ich lache allerdings sehr über die Idee, sich einen ganzen Film nicht nur wegen der Kleidung des Hauptdarstellers an zu sehen, sondern ein cooles Sakko über den zeitlichen und Inhaltlichen Kontext zu stellen.
Und so kam dein erster Post rüber.
Das finde ich nicht lächerlich, nur zum Lachen. ^^

Wenn du jetzt sagst, du fanddst das drumherum okay und dieses Detail hat den Film für dich gerettet, ist das eine ganz andere Aussage.
Jetzt sag doch mal, was inwiefern okay war und wieso die vom Wortvogel genannten Sachen dich nicht gestört haben, und schon läuft eine hier übliche Diskussion..

@Dietmar
..dankeschön, gut erkannt 😀

noyse
noyse

ist das der arthousefilm der hierzulande unter „der sezierer“ läuft?

Howie Munson
Howie Munson

ach kommt Leute, wenigsten empfielt er keine Filme mit Goldkante aufgrund der Requisite und glänzenden Großaufnahmen… *duck*

EDIT: ok war klar das 3 Stunden keiner was schreibt und in den paar Minuten die ich lese und schreibe dann 2 schneller antworten *g*

Comicfreak
Comicfreak

@Howie

..willkommen in meiner Welt ^^

XXX

Ich fand das Ding auch sterbenslangweilig. Habe den Streifen nicht mal bis zum Ende ertragen. Aber die Diskussion hier ist unterhaltsam. Klamotten machen scheinbar nicht nur Leute, sondern auch Filme 😀

Dietmar
Dietmar
Maulkorb
Maulkorb

Wortvogel:
„Die Schwuchtel von Peroy dürfte dich weder wundern noch aufregen – der ist halt unser Blogdepp mit ein wenig zuviel Leine. Und er hat auch ein Smiley daneben gemacht (was es nicht gut macht, aber zumindest nicht ganz so schlecht).“
Dieser Peroy ist einfach ein Anfänger, seine Trollversuche stecken noch in Kinderschuhen.

DMJ

@Maulkorb:
Keineswegs! Peroy ist schon lange dabei und beherrscht sein Handwerk durchaus, nur ist er eben keiner der üblichen Trolle, denen es darum geht, andere Leute zu ärgern. Dazu hasst und ignoriert er alle anderen außer sich selbst einfach zu sehr. Ihm geht es mehr darum, die unumstößliche Wahrheit, welcher Film gut und welcher Mensch dumm ist ausgesprochen zu haben, auf dass man ihm nicht vorwerfen kann, die falschen Meinungen nicht bekämpft zu haben.

– Und der „Pimp Pathologe“ ist grandios!

trackback

[…] ♣ Stake Land ♣ Suicide Room ♥ Super ♦ The Divide ♦ The Last Death ♣ The Mortician 3D ♥ The Prey ♥ The Revenant ♥ The Valdemar Legacy ♣ Urban […]