Israel 2010 / 35 mm / 90 MIN / Hebräische OMEU

REGIE Aharon Keshales / Navot Papushado
DARSTELLER Lior Ashkenazi / Danny Geva / Ania Bukstein / Yael Grobglas / Efrat Boimold / Menashe Noy / Ran Danker

Story (offizielle Synopsis): Ein Geschwisterpaar ist von zu Hause ausgerissen. Wie es scheint, ist das Mädchen einem Killer in die Hände gefallen und in ein Loch in einem entlegenen Waldstück gesteckt worden. Also zieht der panische Bruder los, um Hilfe zu holen. Schneller, als wir „Hänsel und Gretel“ sagen können, werden nun die anderen Figuren eingeführt, die nicht unterschiedlicher sein könnten: ein Wildhüter, sein Hund, vier sexy Teenager, die sich auf dem Weg zum Tennis verfahren haben, zwei (leider wenig hilfreiche) Cops. Ihrer aller Wege kreuzen sich; viele von ihnen sterben. Und es gibt nichts, was sie retten könnte.

Kritik:

Abteilung „Hurry up, this Ofer won’t last long!“

„Wer sich diesen Film – den schwärzesten Genremix diesseits von SHALLOW GRAVE und ALICE CREED – entgehen lässt, verpasst eine Menge“, verspricht das Programmheft des FFF.

Ich sage: Wer sich diese schlecht gedrehte Holper-Farce mit der totalen Absenz von Spannung, aber einem Übermaß komplett dämlicher Charaktere entgehen lässt, spart gutes Geld, das beim nächsten Punk im Pappbecher besser angelegt ist.

Ich verstehe es einfach nicht. Das muss es sein. „Rabies“ hat irgendeine Erzählebene, die an mir vollkommen vorbei geht. Anders ist das internationale Lob für den Film nicht zu deuten. Wahrscheinlich ist der israelische „ein paar Jugendliche und ein Mörder im Wald“-Schrott irgendwie wahnsinnig meta, eine Allegorie, illustriert symbolisch die Tendenz des jüdischen Volks, sich selbst im Weg zu stehen – bis zur bittersten Konsequenz. Und wahrscheinlich ist es total relevant, dass zuerst ein deutscher (!) Schäferhund dran glauben muss, der vorher einen der Israelis „verraten“(!) hat.

Filmisch ist „Rabies“ eine Katastrophe. Das Bild sieht immer aus, als hätte gerade mal eine Prosumer-Kamera mit VGA-Auflösung zur Verfügung gestanden. Körnig, überstrahlt, wackelig, unscharf. Den Schnitt könnte ich mit iMovie professioneller gestalten, was aber auch wurscht ist, weil die Handlungsstränge derart unausgewogen und gestückelt aneinander geklatscht werden, dass sowas wie eine Spannungskurve allenfalls durch konsequente Abwesenheit auffällt. Nach dem Motto: „Nanu, wo ist denn die Spannung hin?“

Wie bei den Amerikanern üblich, sammelt sich im (zu lichten, um bedrohlich zu wirken) Wald die übliche Schar erheblich zu attraktiver Teenager und Twens, die sich allerdings (im einzig effektiven Bruch der Konventionen) nach kurzer Zeit gegenseitig an den Hals gehen. Das wird dann im Verlauf von 90 Minuten so hanebüchen, dass man sich in einer Farce wähnt. Zugegeben, das ist mitunter in seiner Albernheit durchaus ein Grinsen wert, auch wenn die meisten Gags sehr aufdringlich wirken.

Gelernt habe ich lediglich, dass es auch in Israel ein paar sehr leckere blonde Häschen gibt…

Fazit: Die erste israelische Slasher-Comedy entpuppt sich schnell als semi-professionelle Produktion, die mit Telenovela-Gesichtern wenig Substanzielles zustande bringt. Kann man komplett auslassen.

Beim Bier in der Maxx-Lounge: „Take on me“ von a-ha. Gut. „The sun always shines on TV“ ist besser.

P.S.: Höre gerade von schweren Attacken in Israel auf den Straßen nach Eilat. Da habe ich 1991 tauchen gelernt. Mein Beileid allen Betroffenen.



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Montana
Montana

Danke für die Reviews. Hast mich überzeugt! Jetzt will ich auch unbedingt hin. Nicht zum FFF, in die Maxx-Lounge – bessere Playlist. 😉

Karsten
Karsten

Vielleicht soll das Kunst sein? Ach nee.. da fehlt der Goldrahmen. 😛

Ich will auch in die Maxx Lounge.. die Musik ist wirklich gut ^^

DMJ

Ich gestehe, als ich die „P.S.“-Nachricht las, war mein erster Gedanke „Da hat wem der Film wohl noch viel weniger gefallen.“ 😉

heino
heino

„this Ofer“?:-)

MrFox
MrFox

Jetzt lese ich hier schon so lange stumm mit und ausgerechnet dieser kleine Slasherfilm bringt mich zum mitreden. (Hallo an alle!) Ich muss hier deutlich widersprechen:

Ja, RABIES beginnt wie ein klassischer Slasherfilm nach dem Standardschema das direktals Prolog etabliert wird: Killer + Teenies + Wald = Tod und Verderben. Ich dachte auch, ich würde nach drei Minuten den ganzen Film kennen – ein Irrtum.
Das geniale ist, dass hier alles anders läuft als geplant und gewohnt, denn letztendlich ist nicht der Killer das Problem. Dabei hat RABIES einen extrem schwarzen Humor und nimmt in pointierten aber „genretreuen“ Dialogen und mit durchaus fähigen Darstellern das eigene Genre geschickt auf die Schippe. Bis die ganze Nummer ganz bewusst ins völlig Absurde abgleitet ensteht ein lustiges kleines Psychospiel, das stellenweise ungewohnt bissig und boshaft ist, ohne dafür zu tief in der Splatterkiste wühlen zu müssen.

Leider gelingt es den Autoren nicht, das ganze sinnvoll und interessant enden zu lassen – eine ähnliches Problem wie schon bei TUCKER & DALE – aber hier ist es deutlich schlimmer. Das ist ein bisschen schade. Ich mochte den Rhytmus des Films und konnte keine Schwächen in Kamera und Schnitt erkennen, allerdings erlaubt man sich hier im Vergleich zur amerikanischen Gewohnheit ungewöhnliche Auslassungen und Längen. Das schien mir durchaus Absicht zu sein. Kann man sich auf jeden Fall anschauen.

MrFox
MrFox

Ist schon ein paar Monate her, dass ich den Film gesehen hab, von daher fällt mir kein gutes Dialogbeispiel mehr ein. Ich fand schon, dass viele Szenen mit einem gekonnten Augenzwinkern inszeniert waren, wenn auch alles ziemlich konstruiert war. Längen können ja gezielt eingesetzt auch etwas sehr komisches haben. Ich hab jedenfalls oft lachen müssen, aber vielleicht liegt das an meinem speziellen Humor. 😀

Bin mal gespannt, wie du THE DIVIDE findest.

Marcus
Marcus

Tja – und wieder einmal wurde der Tiefpunkt cineastischer Dummdreistigkeit neu definiert. Mein Gott, was für ein SCHEISS! Nervig, hysterisch, unlogisch, hässlich, zäh, und mit einem Humorverständnis, dass auf Lachsalven zielt, aber in 9 von 10 Fällen betretenes Schweigen bekommt. Vergewaltigende Psychocops und Leute, die auf Minen treten, sind halt nicht per se „lustig“. Und als wäre der Film nicht mies genug, bringt er noch zwei weitere Nervfaktoren mit, die ihn endgültig killen: der grausam überbelichtete Look, der die beiden Typen in weißen Tennisklamotten aussehen lässt, als würden sie radioaktiv strahlen (wenn das ein beabsichtigtes Stilmittel war, hätte ich eine Frage an die Macher: warum?) und die Tatsache, dass man gut 2/3 der Dialoge nicht versteht, weil man die in weiß geschriebenen Untertitel vor dem überbelichteten Bild schlichtweg NICHT LESEN KANN! Herrgott, es wäre doch ein Mausklick gewesen, da einen schwarzen Hintergrund hinter die Schrift zu legen.

Überbelichtetes von Unterbelichteten. 1/10

heino
heino

„Überbelichtetes von Unterbelichteten. 1/10“

Der ist gut. Den werde ich dir irgendwann klauen:-))

Marcus
Marcus

@heino: mach mal. Solange du nur meine Warnung vor dem Film beherzigst – damit ich wenigstens nicht ganz umsonst gelitten habe.

Marcus
Marcus

@Torsten: dann lies mal meine Meinung zu „Norwegian Ninja“.

Und danach als Gegenmittel gegen die Enttäuschung meine Wertung von „Kill List“.

OnkelFilmi

Oh ja, „Rabies“ ist der bisherige Tiefpunkt des FFF, und ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, daß den ein anderer Film unterbieten wird. Die Messlatte hängt dermassen tief, da könnte nichtmals eine Mikrobe drunter Limbo tanzen.

Ein Freund verglich den Film ob seiner „verschachtelten Story und Charaktere“ mit „11:14“ – verschachtelte Story? Ein „Exquisite Corpse“ macht mehr Sinn! Charaktere? Die waren nichtmals vom Reißbrett, die stammen aus dem Papierkorb daneben, in den kurz vor’m Dreh auch noch die Katze reingepieselt hat.

„Opapatika“, „Shock Labryinth 3D“, „Rabies“ – ein Triumvirat des Grauens, die Ludovico-Methode für das 21. Jahrhundert.

Marcus
Marcus

@Filmi: „“Opapatika”, “Shock Labryinth 3D”, “Rabies” – ein Triumvirat des Grauens, die Ludovico-Methode für das 21. Jahrhundert.“

Und wenn diese drei Filme im Eierlikörrausch über „The Loved Ones“ herfallen und einen neuen Film zeugen, wird vermutlich noch vor dessen Premiere das Universum aus nackter Angst implodieren.

OnkelFilmi

„36 Pasos“ und „Virus Undead“ habe ich mir damals aber nicht auf dem FFF angesehen, und wenn „End of Animal“ läuft, werde ich mich wohl doch eher für „Hesher“ entscheiden 😉

Dr. Acula

Hm, ich verachte „36 Pasos“, aber „Rabies“ mochte ich eigentlich ganz gern. Kein Meisterwerk, aber ich fühlte mich gut unterhalten. Offenbar traf der mein krankhaftes Humorverständnis. Ich hab da jetzt auch nichts „relevantes“ drin gesucht oder gefunden, sondern das Ding als das genommen, was es für mich war: 90 Minuten, in denen nerviges Gesindel auf lustige Weise massakriert wird. Manchmal brauch ich nicht mehr.

Peroy
Peroy

„36 Pasos“ war gut.

Dr. Acula

Das wird durch ständige Wiederholung auch nicht richtiger…

Peroy
Peroy

Der ist gut. Du bist doof.

Dr. Acula

Ich geb dir gleich minderbegabt… *Muhammad-Ali-mäßig-rumtänzel*

Peroy
Peroy

Ich will mitmachen…

Wenn man euch beide „Fliege“-mäßig innem Teleporter zusammenfügen würde, hätte man am Ende ’nen hässlichen Klumpen, der keine Ahnung von Filmen hat.

Dr. Acula

Also, in Kürze ausgedrückt, einen „peroy“? 😀

Peroy
Peroy

Du bist bestimmt schon ganz scharf auf den nächsten Film von Ti West… „Backsteinmauer“. Brrr, so gruselig…

WillTippin
WillTippin

Rabies hat mich gut unterhalten, der Rest des Kinosaals hat fröhlich applaudiert. Nein, hat wirklich Spaß gemacht. Mit mehr Muße berichte ich noch, was die Regisseure zu sagen hatten – der Film hatte tatsächlich zumindest kleinere Metaebenen.

trackback

[…] Deaths ♣ Norwegian Ninja ♦ On the Ice ♦ Perfect Sense ♥ Phase 7 ♥ Point Blank ♣ Rabies ♥ Red State ♦ Repeaters ♣ Stake Land ♣ Suicide Room ♥ Super ♦ The Divide ♦ The […]

Peroy
Peroy

P“Rabies“ ist super. Ein Wald- und Wiesen-Wiesen-Splatterfiln, der genüßlich auf sämtliche Konventionen kaackt. Leider viel zu spät entdeckt. Der Nachfolger „Big Bad Wolves“ vom gleichen Regie-Gespann ist genauso sehenswert und neben der Spur.