FRANKREICH 2010 / 35 MM / 84 MIN / FRANZÖSISCHE OMDU

REGIE FRED CAVAYÉ
DARSTELLER GILLES LELLOUCHE / ROSCHDY ZEM / GÉRARD LANVIN / ELENA ANAYA

Story: Eine Nachtschicht mit Folgen: Als Krankenpfleger Samuel entdeckt, dass jemand bei dem soeben eingelieferten Unfallopfer heimlich die Schläuche gezogen hat, kann er in letzter Sekunde das Leben des Unbekannten retten. Doch am nächsten Morgen wird Samuels hochschwangere Frau entführt, und der schockierte Gatte erhält ein eiskaltes Ultimatum: Er hat exakt drei Stunden, den inzwischen als gesuchten Verbrecher Hugo Sartet identifizierten und unter Bewachung gestellten Mann aus dem Krankenhaus zu schleusen – sonst stirbt Samuels Frau. Der Verzweifelte fackelt nicht lang, spritzt dem Bewusstlosen eine fette Dosis Adrenalin in den Körper und zerrt ihn aus dem Bett. Bald befinden sich die zwei auf der Flucht vor Polizei und Auftragskillern – eine atemberaubende Hetzjagd quer durch Paris beginnt.

Kritik: Die Franzosen haben sich in den letzten Jahren redlich den Ruf erarbeitet, in allen technischen Bereichen mit den Amerikanern mithalten zu können. Luc Besson ist die Lokomotive, die eine ganze Industrie antreibt. Leider ist der Versuch, inhaltlich etwas weniger glatt zu sein als die Hollywoodvorbilder auch das Problem der meisten französischen Actioner: Da gibt es zwar spektakuläre Stunts und erstaunliche Locations, aber die Handlung bleibt oft vage, den Figuren fehlt das Profil. „Taxi“, „Transporter“, „Banlieu 13“, „Chrysalis“ – sehenswert allemal, aber wahrlich nicht perfekt.

„Point Blank“ kocht deutlich kleinere Brötchen, spart zwar nicht an den Stars, doch aber am getriebenen Aufwand: zwar bestehen geschätzte 70 der 84 Minuten Laufzeit auch hektischen, aber immer gut inszenierten Verfolgungsjagden, das große Spektakel von Mensch und Maschinen bleibt allerdings aus. Im Kern ist „Point Blank“ ein klassischer Krimi mit einem ungewöhnlichen Protagonisten: Unser Held ist ein Niemand, der zwischen den Fronten von Banden und Polizei unweigerlich aufgerieben werden müsste. Aber er liebt seine Frau, kann die Geburt des gemeinsamen Kindes nicht erwarten – und DAS macht ihn zur unaufhaltbaren Triebkraft, die „Point Blank“ am Laufen hält. Da wäre es auch völlig unglaubwürdig, wenn er plötzlich über die Hausdächer hüpfen oder Helikopter fliegen könnte.

„Point Blank“ konzentriert sich deshalb auch auf die inhaltlichen Wendungen, präsentiert genügend Twists, um die Narrative so atemlos zu halten wie die Verfolgungsjagden und erzählt seine letztlich nicht neue, aber durchaus frisch aufgearbeitete Geschichte ohne Makel. Neben den gut aufgelegten Stars und der super flüssigen Kameraarbeit fällt der treibende, auf den Punkt sitzende Score von Klaus Badelt besonders positiv auf.

Das ändert allerdings nichts daran, dass „Point Blank“ unter dem Strich zwar ein hoch professioneller, aber nichtsdestotrotz „gewöhnlicher“ Polizeifilm ist, der Freunde dieser Gattung sicher begeistern kann, dem Fan des Fantasy Film Fest aber vielleicht zu wenig „Fantasy“ enthält (wie immer man diesen Begriff auch im Kontext der Veranstaltung auslegen mag).

Fazit: Extrem flüssiger und hochwertiger Polizeithriller mit interessanten Charakteren und mehr als genug Action für die fettfreie Laufzeit.

http://www.youtube.com/watch?v=zWmhKow4zTw

P.S.: Derzeit im Hintergrund: „Dancing with myself“ von Billy Idol. Das passt zum Festival – im Video kommen schließlich Zombies vor und gedreht hat das Teil Tobe Hooper.



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DMJ

„Luc Besson ist die Lokomotive, die eine ganze Industrie antreibt.“

Ja, das ist wirklich erstaunlich, wie sich fast alles früher oder später irgendwie mit ihm in Verbindung bringen lässt. Praktisch für den französischen Film, was Bob Dylan für die amerikanische Musik war.

Marcus
Marcus

„…kocht deutlich kleinere Brötchen…“

Das müssen die Auflösungserscheinungen sein, die du in dem anderen Post erwähntest. 😀

@DMJ:

Das einzige, was ich mit Bob Dylan in Verbindung bringe, sind die Worte „Hippie“, „Hanf“, „Kackstimme“ und „überlange Mundharmonikasoli“. 😈

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[…] List ♣ Little Deaths ♣ Norwegian Ninja ♦ On the Ice ♦ Perfect Sense ♥ Phase 7 ♥ Point Blank ♣ Rabies ♥ Red State ♦ Repeaters ♣ Stake Land ♣ Suicide Room ♥ Super ♦ The […]

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[…] bedient, der durchaus seinen Platz auf dem FFF hat und in den letzten Jahren vor allem von den Franzosen würdig vertreten wurde. Kickass ist vielleicht nicht „phantastisch“ per se, aber für […]