Norwegen 2010 / 35 MM / 77 MIN / Norwegische OMEU

REGIE Thomas Cappelen Malling
DARSTELLER Mads Ousdal / Jon Øigarden / Trond-Viggo Torgersen / Linn Stokke / Amund Maarud / Martinus Grimstad Olsen / Øyvind Venstad Kjeksrud

Story (offizielle Synopsis): Arne Treholt ist der Leiter einer supergeheimen Truppe allmächtiger Ninja-Krieger, die zur Zeit des Kalten Krieges über die Sicherheit und Neutralität ihres Landes wacht. Auf ihrem Stützpunkt, einer Insel vor der norwegischen Küste, trainieren die Helden für den Ernstfall. Und dieser tritt prompt ein, als Treholts Erzfeind Meyer mit seiner Terrorgruppe „Stay Behind“ eine Reihe von Anschlägen verübt und den Sowjets in die Schuhe schiebt, um den Amerikanern einen Interventionsgrund zu liefern. Als sich der Ninja-Boss wehrhaft gegen den üblen Ganoven stellt, gerät er plötzlich selbst in den Verdacht der Spionage. Schon bald fliegen im Fjord die sprichwörtlichen Fetzen!

Kritik:

Abteilung „Fjord ist Mord“

Dieses Poster! Dieses Konzept! Dieser Titel! Diese Brillen! Diese Pullover! Es gibt wohl keinen zweiten Film auf dem FFF 2011, der derart „Kult-Trash“ verspricht, dessen Konzept die Fans derart ins Höschen pinkeln lässt. Skandinavische Ninjas im Kampf gegen… ja, gegen was eigentlich?

Es tut mir leid, euch da in die Suppe spucken zu müssen, aber „Norwegian Ninja“ ist, von ein paar launigen Einfällen abgesehen, selbst mit 77 Minuten ein totaler Schnarcher, den man sich nicht mal hübsch saufen kann. Case in point: Lukas neben mir, immerhin Autor des vergleichbar gelagerten „Amazon Force“, knackte immer wieder kurz weg.

Das primäre Problem von NN ist die kaum erkennbare Story, die sich noch dazu an einen wahren Spionage-Skandal anlehnt, den hierzulande praktisch niemand kennt. Zwischen Schnippseln aus Ninja-Rekrutierungsvideos und bis zur Unkenntlichkeit verwaschenen TV-Aufnahmen diskutieren die Ninjas auf ihrer Spielzeuginsel, durchsuchen irgendwelche Seen nach russischen Ubooten und füttern Luchse. Es hat die wahnwitzige Unfokussiertheit der Wenzel Storch-Filme, ohne deren Charme oder Kunstsinn mitzubringen.

Natürlich ist „Norwegian Ninja“ nicht frei von gelungenen Momenten. Immer wieder gibt es hübsche Sprüche, nette Visuals (Arne taucht auch bei offiziellen Konferenzen gerne in einer Rauchwolke auf), drei bis vier kompetente Spezialeffekte – und in seiner Schmierigkeit erinnert der Film mitunter bezaubernd an die Super8-Pornos der 70ern. Aber die völlige Substanzlosigkeit verhindert jeden Drive, der Film tritt komplett auf der Stelle und lässt die Laufzeit ins Unerträgliche gedehnt erscheinen. Man sollte eben aus Ideen, die allenfalls eine Webserie oder ein paar Sketche tragen können, keine Spielfilme machen. Da liegt kein Segen drauf.

Fazit: Eine wirre Non-Narrative macht aus den potentiell kultigen norwegischen Ninjas eine fußlahme Truppe im Dienste der Dogma-Drögerei. Skip it.



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Anatai
Anatai

Schade. Das Cover würde ich mir in Postergröße trotzdem gönnen.

debabba
debabba

http://de.wikipedia.org/wiki/Arne_Treholt

Lies mal hier, dann verstehst du eventuell auch den Witz dahinter 🙂

debabba
debabba

Die Treholt Affäre war DER Skandal hier in Norge, der hier immer noch aktuell ist.
Gefälschte Beweise, geheimnisvolle Koffer, Bilder die nie hätten entstehen können,…
Nix genaues weiß man bis heute.

heino
heino

Hab ich mir schon nach dem Trailer gedacht. Wieder 9 € gespart.

DMJ

Das Problem so vieler Konzept-Komödien: Man hat eine Grundidee, oder einen Titel, der so großartig ist, dass man sich dann keine weiteren Mühen macht, dazu auch einen würdigen Film zu schreiben, weil ja der Titel allein die Werbung machen soll.

Thies
Thies

In HH lief der Film direkt nach „Chillerama“. Hatte ich bei dem die Witze schon als plattgewalzt empfunden, so muß ich ihm im Nachhinein doch zugestehen, dass er zumindest eine Form gefunden hatte in der diese platten Witze ihre Wirkung entfalten konnten. Bei „Norwegian Ninja“, kam im Saal zwar auch öfters Gelächter auf, aber jedesmal fragte ich mich: „Warum lachen die alle? Da passiert doch gerade nichts komisches!“

Bei diesem Film hat mich dann auch meine Strategie das FFF-Programm vorm Kartenkauf nur kurz zu überfliegen und Trailer und Kritiken zu vermeiden am kräftigsten in den Arsch gebissen – nur aufgrund eines cleveren Titels sollte man einfach nicht ins Kino rennen.

Marcus
Marcus

Um es kurz zu machen: nein, Torsten. I beg to differ. Der Film ist auf eine herrlich irre und gleichzeitig lakonische Art komisch, die irgendwann gar keine konkreten Witze mehr braucht, um zu amüsieren. Und der Story, die ja eh nur als Aufhänger für die Martial Arts-Film-Spoof-Idee dient, konnte ich auch mühelos folgen. Ich hatte sehr viel Spaß – auch wenn ich durch „Kill List“ und „Rabies“ direkt davor natürlich weichgekocht und dankbar für alles war, was nicht komplett saugt.

I believe in Kommandar Treholt – and in kicking ass for the Norwegian way of life. 8/10

Dr. Acula

Den fand ich nu auch wieder besser als der Vogel. Nicht SO gut, wie ich ihn gerne gehabt hätte, aber als das, was er sein will, ein durchgeknallter Cold-War-Politverschwörungs-Ninja-Spoof, der bewusst trashig angelegt ist, kritikresistent.

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[…] Beast ♦ Hell ♥ Hideaways ♦ Innkeepers ♥ Julia X ♣ Kill List ♣ Little Deaths ♣ Norwegian Ninja ♦ On the Ice ♦ Perfect Sense ♥ Phase 7 ♥ Point Blank ♣ Rabies ♥ Red State […]

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[…] einen auffälligen Kontrast bilden, macht vorab schnell das Wort „Kultfilm“ die Runde. „Norwegian Ninja“, „Thale“, „Corridor“– und jetzt gerade erst wieder […]