FRANKREICH/IRLAND 2011 / 35 MM / 95 MIN / Englische OV

REGIE AGNÈS MERLET
DARSTELLER RACHEL HURD-WOOD / HARRY TREADAWAY / THOMAS BRODIE SANGSTER / Susan Lynch / Kate O’Toole

Story (offizielle Synopsis): Jede Familie hat ihre Macken. Aber bei den Furlongs trifft es die Männer besonders hart: Großvater Charlie erblindet bei starker Erregung; wenn Philip sich ängstigt, versagt um ihn herum sämtliche Elektronik. Das Schicksal von Klein-James aber ist das schlimmste von allen: Wer ihm Schmerzen bereitet, beißt ins Gras; alles im näheren Umkreis zersetzt sich, welkt dahin, verfällt. Nach einem furchtbaren Zwischenfall flieht der junge James, um fortan bloß keiner Menschenseele mehr zu begegnen. Mae-Wests Erbe ist nicht minder schrecklich. Sie ist todkrank und flüchtet von der Krebsstation, um sich der aussichtlosen Behandlung zu entziehen. Im finsteren Wald kreuzen sich die Wege des Todesboten und der Todgeweihten, die sich alsbald ineinander verlieben.

Kritik:

Einige Filme auf dem Fantasy Film Festival verlangen vom Zuschauer, sich einzulassen. Den Kopf zu öffnen für andere Geschichten, die Augen für neue Bilder, die Seele für verlorene Gefühle. Sei es, um das Unerträgliche zu ertragen wie im Falle „Ex Drummer“, oder um in „Enter the Void“ weit über das Irdische hinaus zu reisen.

Die Filme auf dem FFF erschrecken, schockieren, amüsieren und ärgern uns – ganz selten aber berühren sie auch tiefer, als wir erwarten dürfen. Wenn sie nicht knallhart sind, sondern bitter zart. Wenn die leisen Töne länger klingen als die Furien Hollywoods. Wenn man ein Cyborg ist, aber das in Ordnung findet.

Wie bei „Hideaways“.

Es ist einfach, den Film als Teenager-Kitsch zu verreißen, als reduzierte Bronté-Variante der Story, mit der seit Menschengedenken Backfischherzen gebrochen werden und die wenig frisch verpackt auch in „Twilight“ abräumt: Sensibles, unverstandenes Mädchen verliebt sich in den Außenseiter – „er ist nicht gut für dich, er ist ein schlechter Einfluss!“. Doch sie sieht, was niemand sonst sieht und findet in ihm nicht nur die große Liebe, sondern das Leben selbst. Am Ende steht ein Opfer, das ihr Band ewig machen wird…

Ja, so einfach, so banal ist die Geschichte von „Hideaways“. Aber sind nicht alle wirklich großen Geschichten einfach? Von „Romeo und Julia“ bis „Matrix“?

„Hideaways“ ist einfach (im doppelten Sinne) wunderschön, ein Märchen, eine Liebesgeschichte, eine Fabel über die elementare Erkenntnis, dass Angst uns sterben lässt und nur die Liebe Leben schenkt. In warmen Farben holt uns der Film aus den kalten Häusern in den lichten Wald, wo nichts gut oder böse ist, wo der Tod nur neuem Leben Platz schaffen möchte. Mae und James sind rein wie Adam und Eva, ihre Liebe ist makellos – und darum unbesiegbar.

Klar kann man sich über einen so simplen wie unausweichlichen, berechenbaren wie berührenden Film lustig machen, der als bis auf die Knochen romantisches „chick flick“ jeden männlichen Besucher zum Frauenversteher und Taschentuchanreicher degradiert. Aber warum sollte es mir nicht einfach mal egal sein, wenn eine so kleine und doch in ihrem Traumwert so unglaublich große Geschichte warm und verständnisvoll erzählt wird.

Nicht die besten Effekte, nicht die lautesten Gags, nicht die härteste Action – aber das größte Herz des FFF 2011.

Fazit: Eine magische Liebesgeschichte mit leichten phantastischen Untertönen und hypnotischen Darstellern.

Kein Trailer verfügbar – sorry.

P.S.: Gerade im Hintergrund: „Love and Pride“ von Paul King. Mega-cool!



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Howie Munson
Howie Munson

„Nicht die besten Effekte, nicht die lautesten Gags, nicht die härteste Action“
wofür dann die vier Gremlins??

Gizmo steht für die allgemeine Qualität des Films, der böse Gremlin dagegen für den Fun Factor in Sachen Härte & Partytauglichkeit

Dietmar
Dietmar

@Howie: Wohl deshalb: „… aber das größte Herz des FFF 2011.

Fazit: Eine magische Liebesgeschichte mit leichten phantastischen Untertönen und hypnotischen Darstellern.“

EDIT: Verdammt, ich komme mit Gremlins und Mogwais durcheinander; es ist zu spät für mich heute.

Howie Munson
Howie Munson

@Dietmar: Für das große Herz mit leichten phantastischen Untertönen und hypnotischen Darstellernsind doch schon die 5 Mogwais oder wofür gibt es die dann sonst? Film funktioniert auch jenseits vom phantastischen Ansatz, ansonsten wären eben die 5 zuviel.

Aber es kommt aus dem Review nicht rüber, wieso der Film dieselbe „B-Note“ bekommt wie Red-State, Phase7, JuliaX und 22 Mei bzw. bislang nur Revenant „festivaltauglicher“ war, wenn es eben nur leicht phantastisch ist und action, gags sowie effekte das auch nicht rausreißen. Und nur deswegen fragte ich.
(und nun frag ich mich ob wir doch einer meinung sind und du mit dme Edit meinst, das du dich auch auf die Mogwais bezogst *g*)

DMJ

Neben den „absoluten Überraschungen“, die sich immer wieder zeigen, wenn ein Film ein unerwartetes Meisterwerk ist, finde ich es auch nett, wenn man einfach eine kleine, unaufregende Perle findet, die nicht großartig die Welt oder ihr Genre verändert, aber besser und berührender ist, als man es vorher kommen sah. „Timer“ war für mich letztes Jahr auch so eine – an sich wollte ich da gar nicht rein, hatte auch keine Karten, aber ging dann spontan doch mit, als Lukas reinging.

heino
heino

Ja, „Timer“ war wirklich nett und Emma Caulfield hätte auch mehr Erfolg verdient.

Marcus
Marcus

Emma Caulfield.

*seufz*

Damals zu Buffy-Zeiten größerer „lechz!“-Faktor als SMG und Alyson Hannigan zusammen….

Peroy
Peroy

*BlickaufsPoster*

Junge, Brad Dourif hat sich echt gut gehalten…

Will Tippin
Will Tippin

Ein schöner Film, danke für den Tipp!

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