Ich bin gut mit diesem Internet. Dieses Web-Dingens und ich – das passt. Kann mir keiner was. Da traue ich mich. Wo andere entnervt den Browser schließen, geht bei mir die Klickerei erst richtig los. Treiber, Admin-Rechte, Kleingedrucktes, Formulare, PIN, TAN, Passwörter mit mindestens acht Zeichen, drei Buchstaben und einem kyrillischen Umlaut? Kann ich.

Aber was ich gerade mitgemacht habe, das geht echt nicht mehr auf die vielbeschworene Kuhhaut. Das war eine so granatenmäßige Kombi aus behördlicher Ignoranz, missratener Userführung und schlichter Frechheit, dass ich diesen Beitrag schreiben muss, um nicht heute Nacht im Park kleine Hunde zu treten.

Die Aufgabenstellung klingt hakelig, aber lösbar: Meine Schufa-Daten abfragen. Weil ich die für eine neue Hypothek brauche.

Schufa-Login habe ich, weil ich diese Abfrage schon bei der letzten neuen Hypothek brauchte. Gebe ich also auf der Schufa-Webseite ein.

Wird nicht erkannt.

Ich gebe Namen und Passwort nochmal ein.

Wieder nichts.

Ich lese ein paar Absätze zur Registrierung und erfahre: Mein damaliger Zugang war zeitlich begrenzt. Teuer, aber zeitlich begrenzt. Dafür kann ich jetzt für gerade mal knapp 20 Euro einen unbegrenzten Zugang bekommen.

schufaHurra.

Ich starte die erneute Registrierung. Er möchte gerne „was Offizielles“. Super, ich habe ja den neuen Perso – UND ein Lesegerät (seinerzeit aus der ComputerBild). Sogar an die Freischaltung der Online-Funktion habe ich im März gedacht. Das dürfte die Sache ja erleichtern. Ich klicke auf das Bild mit dem neuen Personalausweis. Die Webseite bittet mich, die AusweisApp zu starten.

AusweisApp? What the fuck?

Ich googel. Und stelle fest: Ich muss erstmal die AusweisApp unserer hauseigenen Regierung installieren, um den Kartenleser (den ich für diesen Zweck aus der Packung befreie) nutzen zu können. Sehe ich ein. Also neues Tab öffnen und zur Webseite für die AusweisApp surfen.

Windows. Ubuntu. Debian. Mac-Download? Kein Mac-Download. Kann doch eigentlich nicht sein. Ich finde eine andere offizielle Seite, die sich mit „Ausweis App Installation Mac“ anpreist. Dort findet sich ein erstaunlicher Absatz, der mit diesen Worten beginnt:

„Ausweis App Installation unter Mac: Sicher ist schon jetzt, dass es für Mac OS X die Ausweis App geben wird. Eine Installation kann standardmäßig über einen Installationsassistenten erfolgen. Diesen muss man mittels eines Doppelklicks öffnen.“

Unfassbar – die beschreiben seelenruhig die Installation einer Software, DIE ES NICHT GIBT! Seit 2010 gibt es die Online-Funktion, im Sommer 2011 gibt es IMMER NOCH keine Mac-Version!

ausweisapp

Ruhig bleiben, Torsten, ruhig bleiben! Davon lässt du dich nicht klein kriegen. Wozu hat dein Mac eine Boot-Partition mit einem alten Windows XP? Also OSX runterfahren, XP booten, AusweisApp laden (54mb), installieren. Das dauert.

Sieh an: Da ist die AusweiseApp ja! Und sie erkennt das Lesegerät nicht!

Das wäre ja auch zu einfach gewesen. Es zeigt sich: Die AusweisApp bringt keinen Treiber für das Lesegerät mit. Das Lesegerät auch nicht. Wieder Google. Ahhh, da ist der kleine Scheißer ja! Treiber downloaden, installieren.

Wieder zur Schufa-Webseite. Die Webseite erkennt den Kartenleser, der Kartenleser meinen Personalausweis. Das dürfte ja dann jetzt endlich mal…

Moooment! Sechsstellige PIN? Welche sechsstellige PIN??? Die auf der Vorderseite der Karte ist es nicht. Warum auch? Ich krame in meinen Aktenordnern, findet tatsächlich den Schrieb vom Amt, in dem mir die Online-Funktion angepriesen wird – mit meiner fünfstelligen PIN.

Was tun, sprach der Scheich? Fünfstellige Pin nimmt die Webseite, die um eine sechsstellige Pin bittet, erwartungsgemäß nicht. Ich konsultiere die Dokumentation, dann das Internet: Ja, mehrere offizielle Anleitungen erklären mir, dass man aus der „fünfstelligen Transport-PIN“ eine „sechsstellige Privat-PIN“ machen muss, um den Online-Datenverkehr zu authorisieren.

Gut zu wissen. Leider fehlt danach ein Satz, der mit den Worten anfängt „Das machen Sie folgendermaßen“…

Ich stehe wie der Ox vorm Berch. Lange hinter dem Punkt, an dem ich es hätte gut sein lassen sollen. An dem ich die Daten einfach von Hand in die Maske eingetippt hätte. Aber wie schon Tim Minchin sagte:

„I’m pretty pissed and I’ve dug this far down,
So I figure, in for penny, in for a pound“

Aufgeben ist für Pussies.

Ich schaue in den Einstellungen der Ausweis-App nach. Kein schlechter Gedanke: dort ist ein Reiter für die PIN-Verwaltung und sogar ein Unterpunkt „PIN ändern“. Ich klicke.

BÄÄÄÄÄHHHH!!!

readerFalsch. Ein Fenster poppt auf – die App ist leider gerade in Benutzung (durch die Schufa, I presume). Ich muss also den gesamten Vorgang auf der Webseite auf halber Strecke abbrechen, um die PIN ändern zu können. Na gut, auch das.

Als ich die Schufa-Abfrage abbreche, verliert der Cardreader prompt die Fähigkeit, meinen Perso zu erkennen – und damit ist die Änderung der PIN auch gelaufen. Ich ziehe den Ausweis raus und stecke ihn hoffnungsvoll wieder rein. Nix. When in doubt, restart. Ich kille die Ausweisapp, starte sie wieder, lege den Perso ein. Da ist er wieder. Warum denn so zickig?

Leider lässt sich die PIN auch danach hartnäckig nicht ändern, und die AusweisApp droht mir mit Sperrung, wenn ich es dreimal erfolglos versuche. Ich starre auf den Schirm. Gegen jede Intuition (eine PIN habe ich ja) versuche ich es mal mit „PIN einrichten“.

Heureka. Ja, ohne Ausrufezeichen. Ich bin zu genervt.

Die PIN ist endlich sechsstellig. Ich surfe wieder zur Webseite der Schufa und starte die Registrierung erneut. Der Kartenleser wird erkannt, mein Perso auch, ich gebe die sechsstellige PIN ein (ehrlich – DAS soll leichter sein als Formulare von Hand auszufüllen?)… bingo. Immer noch zu müde für ein Ausrufezeichen.

Der Lohn der Mühe: Von ca. 15 notwendigen Eingaben hat die Schufa nun ca. 5 selber ausfüllen können. Schon beim Geschlecht hapert es – das „Herr“ muss ich wieder von Hand anklicken. Und meine Bankdaten wollen die auch. Wie es aussieht, zahlen die nicht MIR 20 Euro für die Scheiße, obwohl es angemessen wäre. Aber sei es, wie es sei, denke ich mir: Nun bin ich wasserdicht identifiziert, der Weg zu meinen Schufa-Daten KANN nicht mehr weit sein.

Auf dem Bildschirm lachen mir zwei Optionen entgegen: Ob ich die Daten per klassischer Briefpost oder per Epost-Brief zugeschickt haben möchte.

PER POST??? Ich identifiziere mich mit meinem Personalausweis über einen Cardreader, und die Arschlöcher wollen mir die Zugangsdaten immer noch PER POST schicken?

Ich zittere vor Wut. Alles in mir drängt danach, die Sache in den Wind zu schießen. Aber ich sehe ja schon die Zielgerade. Also klicke ich auf Postversand. Es erscheint eine Bestätigung und der Hinweis, dass das alles per Epost-Brief viel einfacher wäre – ob ich nicht den Link klicken möchte, mit dem ich mich dort anmelden könne?! Geht ganz schnell. Wenn man nicht zu weit vom Postamt entfernt wohnt, bei dem man sich ebenfalls persönlich identifizieren muss. Klasse: Zum Postamt, um nicht mehr zum Briefkasten zu müssen.

2 Stunden Ärger, damit fünf Web-Formularfelder automatisch ausgefüllt werden. Kein zusätzlicher Nutzen. Dafür Neustart des gesamten System in XP, bis die Beamten von der Behörde die Mac-Software bereitstellen. Und für das Recht, MEINE Schufa-Daten einzusehen, darf ich auch noch fast 20 Euro bezahlen. Und drei Tage warten.

Nochmal ein Zitat, diesmal aus „Jay & Silent Bob strike back“:

„Fuck them. Fuck them up their stupid asses.“



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