13
Jun 2011

Das Tablet-Abenteuer: Ein Satz mit X

Themen: Neues |

Ich hatte mich schon auf einen ausführlichen Artikel zu dem Thema gefreut, aber nun wird es doch ein vergleichsweise kurzes Vergnügen…

Machen wir uns nichts vor: Mittelfristig werde ich mir ein Tablet anschaffen. Nicht weil ich eins brauche, sondern weil ich eins haben will. Meine Bedürfnisse werden von Smartphone und Macbook allemal ausreichend bedient.

Ich bin kein Freund von Billig-Klump – gerade das Macbook und mein Samsung Galaxy S haben sich als teure, aber lohnende Investitionen erwiesen, weil man mit ihnen keine nennenwerten Kompromisse eingehen muss. Leistungsstark, stabil, flexibel. So mag ich das. Auch beim Tablet werde ich deshalb nicht in die Ramschkiste greifen.

Der Tipp einer Dealz-Webseite ließ mich allerdings aufhorchen: Ein vollwertiges Archos-Tablet mit Android 2.1, 8GB Speicher und einem Preis von gerade mal 97 Euro? Das klang spannend. Zumal die Kritiken gut waren und ein Blick in das Archos-Forum versprach, dass sich das Home Tablet per simplem Firmware-Flash von allen hauseigenen Beschränkungen befreien lässt.

Kurzum: Ich schlug zu.

Mein Bruder auch.
tabletEine Woche später schickte ich das Gerät wieder zurück an Amazon.

Mein Bruder auch.

Ich will dem Gerät keinen grundlegenden Vorwurf machen: Man bekommt, wofür man bezahlt. Das Archos kann, was auf der Box steht. Mit ein wenig Frickelei auch mehr.

Aber das ist einfach nicht genug.

Am Zubehör mangelt es nicht – das Archos kommt mit allen Kabeln und Steckern, die man irgendwie brauchen könnte. Der Akku ist vorgeladen. Das Update mit neuer Firmware ist in der Tat einfach und ermöglicht den vollen Zugriff auf Apps (ob aus dem Netz oder von der Festplatte meines Macbooks). An Formaten spielt das Archos fast alles ab, was da kreucht und fleucht.

Ich installiere erstmal eine Reihe von Apps, um Zugriff auf meine relevanten Konten und Daten zu bekommen und um die Usability zu steigern. Soweit alles easy, nur nervt mich die Tatsache, dass man auf das Tablet keinen Zugriff hat, solange es am USB-Port des Macbooks hängt. Das heißt: Man kann eine App oder eine Datei nicht aufspielen und antesten, sondern muss immer erst die Verbindung zum Mac kappen.

Es ist kein Problem, dass man nur über WLAN ins Netz kann, das Tablet also für unterwegs nur bedingt, als Telefon gar nicht tauglich ist. Dafür habe ich es nicht gekauft. Sinn und Zweck ist eine simple Surfstation, mit der ich auch mal ein Video in der Badewanne gucken und Casual Games zocken kann.

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Das mit den Videos geht, auch wenn der Ton nicht gerade ein Knaller ist. Nur hat mein Macbook 14 Zoll und das Archos nur 7 – im Zweifelsfall liefert das Notebook also die bessere Experience. Für Musik brauche ich kein Tablet, da reicht ein MP3-Stick mit Mini-Box.

Das mit den Games ist dann die erste Illusion, die mir abhanden kommt. Trotz eines 800mhz-Prozessors kann das Tablet nicht mal "Chuzzle" oder "Angry Birds" – also Spiele, die mittlerweile jeder MP3-Player stemmen kann. Es ruckelt, hakt, stottert selbst bei den simpelsten Grafiken. Kurzum: Als Konsole mit einem größeren Bildschirm als mein Smartphone ist das Archos untauglich.

Alles andere, was das Gerät für mich zu einer Tortur macht, kann ich auf ein einziges Ausstattungsmerkmal schieben: resistiver Touchscreen. Hatte ich vorher noch nie, will ich auch nie wieder haben. Es ist die Hölle.

Erklärung für Leute, die von sowas genau so wenig Ahnung haben wie ich: Ein resistiver Touchscreen reagiert auf Druck, der kapazitive Touchscreen moderner Handys hingegen auf Veränderungen in einem elektrischen Feld. Ergebnis: Beim billigen resistiven Display muss man mit dem Finger deutlich tippen. Das klingt jetzt nicht so schlimm, aber im Ergebnis macht es das Tablet unbenutzbar:

  • Texte eintippen ist mühselig, immer wieder werden Buchstaben verschluckt
  • Will man durch eine Liste von Optionen scrollen, aktiviert man pausenlos ungewollt Buttons
  • Techniken wie wischen und ziehen sind ruckelig und ungenau
  • Der Bildschirm reagiert träge

Diese Tatsache versaut das gesamte Erlebnis mit dem Archos: Internet-Adressen eintippen, Emails schreiben, über Webseiten scrollen – es dauert dreimal so lang, wie es dauern dürfte, und ständige Vertipper auf der virtuellen Tastatur treiben auch den gutmütigsten User schnell in den Wahnsinn. Man greift nach fünf Minuten wieder zum regulären Notebook. Damit sind auch lässige Surfsessions auf dem Sofa hinfällig. Das ist doppelt ärgerlich, weil ich mich gefreut hatte, mal mit einer größeren virtuellen Tastatur zu arbeiten als mein Smartphone sie mitbringt.

Als Ebook-Reader (wie manche Käufer vorschlugen) taugt das auch Archos nicht, dafür hat der Bildschirm nicht die ausreichende Auflösung und das Gerät ist insgesamt zu klobig und schwer.

Es stellt sich schnell heraus, dass dieses Billig-Tablet eben doch nichts einfacher und lässiger macht als mein Macbook oder mein Smartphone. Es ist, als ob man mit einem VW Käfer bei der Formel 1 mitfährt: Klar ist es billiger als ein richtiger Rennwagen, aber man gewinnt damit keinen Blumentopf. Und kommt zu spät zum Abendessen nach Hause.

Natürlich habe ich vor der Rücksendung die alte Firmware wieder aufgespielt und alle privaten Dateien entfernt.

Fazit: Ein Gerät, das theoretisch viel kann, aber in der praktischen Benutzung dank eines lahmarschigen Prozessors und einer trägen Touchtastatur zur wahren Folter wird. Ich bewundere (bemitleide?) jeden, der seine Ansprüche an ein Tablet so weit runterschrauben kann.

Keine Sorge: Mein Interesse an Tablets ist ungebrochen, ebenso die Erkenntnis "manchmal zahlt es sich aus, tiefer in die Tasche zu greifen".



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HAB
13. Juni, 2011 09:55

Ich hab mir vor ein paar Monaten das GalaxyTab von Samsung gekauft. War zwar ziemlich teuer (Mobilpointskonto beim Provider komplett verbraucht, 2 Jahre gebunden, 270 Euro zugezahlt,…) aber hat sich
total ausgezahlt. Für die Arbeit ist es ein Traum, vorallem brauch ich wieviele Kollegen nicht mehr Unmengen an Fahrplanunterlagen mitschleppen sondern lade mir unterwegs immer das wichtigste runter. In den Pausen kann man dann entspannt surfen, Film schauen, also genau das was ich wollt.
Und unschlagbar ist die Größe. Während eine Kollegin für ihr IPad quasi eine eigene Tasche benötigt, verschwindet mein Tab in einer Sakko oder Jackentasche ohne Probleme.

Baumi
Baumi
13. Juni, 2011 10:01

Von Billig-Technik bin ich durch das abschreckende Beispiel meines Vaters kuriert worden: Der holte sich immer Medion oder ähnlichen Krempel, weil er zu geizig für bessere Qualität war. Der funktionierte dann nicht ordentlich, was er zunächst nicht aber nicht zugab, um sich keine Blöße zu geben.
Irgendwann wurde es dann aber offensichtlich, dass das Ding mehr Ärger als Nutzen brachte, woraufhin er alle Produkte dieser Klasse, egal von welchem Hersteller, als überflüssigen Schrott deklarierte. Die Rückgabefrist war zu diesem Zeitpunkt natürlich längst abgelaufen, Kleinanzeigen oder Ähnliches waren ihm zu umständlich, und so wanderte das Gerät in irgendeinen Schrank.
Die schlechte Erfahrung daraus hielt eine Weile vor, aber dann kam immer irgendwann wieder ein unwiderstehliches Billig-Angebot, und der Spaß ging von vorne los…
Seitdem ich dann, als ich endlich eigenes Geld hatte, zur Abwechslung mal Qualität gekauft habe, hab' ich für mich dasselbe Fazit gezogen wie Du am Ende des Artikels.

Wortvogel
Wortvogel
13. Juni, 2011 10:07

@ Baumi: Schon richtig, aber für viele Leute ist es eben doch eine Frage des Preises und die MÜSSEN dann Kompromisse eingehen.
Schon mein Macbook und mein Samsung Galaxy S haben mir gezeigt, dass es sich lohnt, auch mal zähneknirschend tiefer in die Tasche zu greifen. Und beim Tablet will ich auch ein Gerät haben, das mir Freude ohne Abstriche bereitet. Dann kostet das.
@ HAB: 7 Zoll ist mir zu klein, weil ich dann schon fast wieder bei meinem Smartphone wäre. Ich hatte auch angedacht, statt des Galaxy S das GalaxyTab zu nehmen, aber Priorität hatte in diesem Moment erstmal die Funktion als Telefon. Wenn es soweit ist, informiere ich mich, was es im 10 Zoll-Bereich an Testsiegern gibt, wo man einen guten Deal bekommt, und dann schlage ich zu.

Uli
Uli
13. Juni, 2011 11:34

Wenn du Interesse an einem E-Book Reader hast solltest du dir mal Amazons Kindle oder ein ähnliches Gerät mit "E-Ink" Display ansehen. Im Vergleich zu einem LCD ist das ein Unterschied wie Tag und Nacht, das Display wirkt wie gedrucktes Papier, auf Fotos kommt so etwas nicht rüber.

Wortvogel
Wortvogel
13. Juni, 2011 12:06

@ Uli: Wie ich oben schon schrob – ich brauche eine Surfstation plus Videoplayer plus Gaming Console. Ereader hat keinen nennenswerten Wert für mich.

Baumi
Baumi
13. Juni, 2011 13:57

@#3
Klar, nicht jeder muss das Teuerste kaufen. Aber man sollte eben schon (anders als mein Vater damals) irgendwann einsehen, dass Billig-Produkte, die aufgrund ihrer mangelnden Qualität am Ende nicht benutzt werden, ökonomisch überhaupt keinen Sinn ergeben.
Dann lieber verzichten oder etwas mehr ausgeben, um ein zumindest brauchbares Produkt (wenn auch nicht das absolut allerbeste) zu kaufen. Also in etwa das, was Du am Ende auch sagst. Nur bist Du eben optimistisch genug, den Sonderangeboten eine Chance zu geben – ich trau denen nicht. 😉

Achim
Achim
13. Juni, 2011 13:57

Ein Archos?
Hätte ich nicht geschenkt genommen. Mein Mediaplayer von Archos geht ja noch fast, mir läuft der Akku lange genug, einem intensiven Nutzer würde das nicht ausreichen. Für mich ist der ein Player, der für wenig Geld 16GB hat, die ich nie voll mache, und MP3 und WMA kann.
Aber ein Tablet von Archos war noch nie etwas gutes, das haben so viel zu viele Leute vor mir feststellen müssen, dass ich mich nie in deren Reihe stellen werde.
Wenn du ein Tablet willst, dann was von Ruf, Galaxy Tab, Xoom oder meinetwegen ein iPad2, das dich versklavt.
Ich finde ja, wer ein gutes Smartphone hat, braucht höchstens noch ein Net- oder Notebook für unterwegs, das Book lässt man im Hotel, das Smartphone nimmt man mit.

Jens
Jens
13. Juni, 2011 14:01

"Gute Deals bekommen"… Du bist eben doch ein unverbesserlicher Schnäppchenjäger. :-p
In Kombination von Software plus Hardware (und Preis) finde ich das iPad2 einfach unschlagbar und man kann vertrauen dass die Firmen ihre Apps extra dafür optimieren und man keine Scherereien mit Sicherheits/OS-Updates haben wird.
Integriertes 3G ist natürlich besser, aber mein Wifi iPad ist tatsächlich ausreichend, weil man ja unterwegs sein Handy als Access Point nutzen und ein WLAN aufmachen kann. (Wobei ich aber nicht weiß wie bequem das mit dem Galaxy S geht oder vom Provider/Tarif erlaubt wird.)
Übrigens:
Vom Videos kucken und Spiele daddeln in der Badewanne möchte ich aus Erfahrung abraten! Es ist weniger erholsam als einfach nur entspannend rumzuliegen, man muss auch nicht daueronline sein, und stattdessen bleibt man zu lange in der Wanne bis die Haut ganz runzlig und das Wasser kalt ist. *brrrr*

Wortvogel
Wortvogel
13. Juni, 2011 14:33

@ Jens: iPad kommt mir nicht ins Haus. Nach den exzellenten Erfahrungen mit Android wird mein Tablet mit Sicherheit ebenfalls das Google-OS fahren. Standard-Anschlüsse, Standard-Codecs, Standard-Interfaces und jede Menge Möglichkeiten, das System nach eigenen Wünschen zu pimpen. So will ich das haben.
Habe mein gerootetes Galaxy S vor zehn Minuten auf Android 2.3.3 hochgeschraubt. Ging stressfrei (nur die Startscreens haben die dort platzierten Icons verschlampt). Ich würde das Teil nie eintauschen wollen – außer vielleicht für ein Galaxy S 2 🙂
Es wird dann wohl ein GalaxyTab, Xoom oder vergleichbares werden.

BK
BK
13. Juni, 2011 17:16

Wir haben ein Xoom in der Firma. Im Gegensatz zum iPad 1 ist das Surfen flüssiger. Angeblich läuft das beim iPad 2 aber auch schon besser, aber ich möchte nach ein paar Tests auch nicht in die Apple-Welt. Leider kann ich nicht meine ganzen privaten Daten auf’s Xoom draufschaufeln um zu testen, ob ich das Gerät auch privat kaufen möchte. Denn ohne die Apps ausführlich auszuprobieren sagt das noch nicht viel aus. Das ist auch die Art Rezension, die ich online noch nicht gefunden habe. Da werden alle möglichen Performance-Tests abgefackelt, aber wie bequem ist das Gerät im praktischen Umgang als Privatperson? E-Mail, Dokumente lesen (eigene HTML / PDF, also nicht im Webbrowser), Dokumente schreiben (Word oder reiner Text), Fotos verwalten, Videos gucken, Kontakte verwalten. Das interessiert mich. Das ist vielleicht auch mehr ein allgemeiner Test verfügbarer Android-Apps als etwas Gerätespezifisches. Angeblich tun sich z.B. Xoom und Asus Transformer nicht mehr viel.

BK
BK
13. Juni, 2011 17:20

Korrektur: "eigene HTML / PDF, also nicht im Webbrowser" Im Webbrowser ist schon OK, ich meinte, dass man lokale Dateien im Webbrowser laden kann, das ist im iPad meines Wissens nach nicht möglich. Sehr ärgerlich, wenn man einiges an eigenen HTML-Dateien hat und die nicht mit dem Standardbrowser nutzen kann.

Chris
Chris
13. Juni, 2011 20:40

iPad 1 und 2 Alternativen kommen erst so langsam auf den Markt. Motorola Xoom, ASUS EeePad, Toshiba OptimusPad, Samsung Galaxy Pad 10.1, das sind Tablets die auch wirklich nutzbar sind… die meisten bisherigen Modelle waren nur der schlechte Versuch auf einen Trend aufzuspringen.
Ich glaube ich kann das ganz gut beurteilen weil ich für solche Geräte entwickle und die fast täglich in der Hand habe.
Meiner Meinung nach ist der Nutzen solcher Tablets dennoch stark begrenzt, nach kurzer Eingewöhnung und rumspielens fragt man sich dann…. was mach ich nun mit dem teuren Stück Technik.
Surfen, Mails abrufen usw. klappt ganz gut, Spiele funkionieren auch aber die verloren bei mir recht schnell den Reiz so blieb am Ende eben nur surfen und Mails abrufen und dafür sind 400-800 Euro dch extrem viel Geld.
Gruß
Chris

Paddy-o
Paddy-o
13. Juni, 2011 20:53

Vielleicht magste ja auch zu HTC wechseln? 😉
http://www.golem.de/1106/83826.html
Mit den Tablets ist’s nicht anders als mit Netbooks und Co – letztere gibts auch schon für unter 200€, die sind auch klein und handlich, aber liegen doch Welten zwischen so einem Ding und einem Gerät ab 400-500€.
Ich bin kein Vertreter der "teurer ist besser" Fraktion – es gibt großartige Artikel von Medion/Tevion (ja, auch Laptops!), aber manchmal muss man wohl in der Tat mehr ausgeben, wie du schon meintest.
Mein HTC Desire Z war sein Geld auch wert.

Chris
Chris
14. Juni, 2011 07:47

Das HTC Flyer hat leider nur 7″ und ist dafür Schweineteuer, da ist das Xoom definitiv besser nutzbar.
Was man noch wissen sollte, Honeycomb wird offiziell nur für Tablets größer 7″ erscheinen.
Korrektur meines Beitrages oben, das Toshiba OptimusPad ist ein LG OptimusPad 😀

phil
phil
14. Juni, 2011 12:07

Tja, resisitive Touchscreens… Meine nicht ganz technikaffine Freundin fasste es mal passend zusammen:
"Das ist kein Touch, das ist ein Drück"

Wortvogel
Wortvogel
14. Juni, 2011 12:09

@ phil: Ganz genau – exzellent formuliert!

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[…] war das Archos-Schrottmodell anno 2011, bei dem die Qualität dem damaligen Bodensatz-Preis von 97 Euro entsprach: Katastrophales […]

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[…] berichte ja immer mal wieder über meine Abenteuer mit Smartphones und Tablets. Ich bin da wahrlich kein Trendsetter, und Experte schon gar nicht. Ich bin bloß jemand, der mit […]