The Fall of Sam AxeUSA 2011. Regie: Jeffrey Donovan. Darsteller: Bruce Campbell, Kiele Sanchez, RonReaco Lee, Pedro Pascal, Chandra West, John Diehl.

Story:

Navy Seal Commander Sam Axe bekommt den Auftrag, in einer südamerikanischen Bananenrepublik bei der Ausräucherung einer Terror/Drogentruppe zu helfen. Doch schon bald schwant ihm, dass hier ein paar verarmte Zivilisten zu Sündenböcken gemacht werden, um bedeutend größeren Schweinereien zu vertuschen. Sam wechselt die Seiten und trainiert eine Handvoll Bauern im Guerillakampf, was seine Auftraggeber bei der Army nicht gerade in Entzücken versetzt…

Kritik:

Bringt man eine gewisse Affinität (auch Affenliebe genannt) zu Bruce Campbell mit und mag obendrein noch die Actionserie „Burn Notice“, dann ist man geradezu prädestiniert für dieses Prequel, das tatsächlich in Bogota gedreht wurde (und zwar vom BN-Hauptdarsteller Jeffrey Donovan höchstpersönlich). Wie das Vorbild gibt sich „Sam Axe“ erfreulich oldschool, explosionsfreudig und augenzwinkernd. Campbell selbst dreht seinen Charme und die knarzigen Sprüche auf 11 und zeigt, dass Sam Axe durchaus mehr Saft hat als für den ewigen „heroes best friend“. Sichtlich preiswert gedreht, verschluckt sich das Prequel inhaltlich wie technisch nie an zu großen Ansprüchen. „The Fall of Sam Axe“ ist EXAKT das Prequel, das wir erwarten durften.

Vielleicht ist aber auch gerade DAS mein Problem.

Machen wir uns nichts vor: Auf den lässigen Sprücheklopfer ist Campbell abonniert, und es liegt keine besondere Leistung darin, im Dschungel ein paar Jeeps in die Luft zu jagen, während kolumbianische Komparsen „ayjayjay!“ kreischend zur Seite springen. Die Story ist vorhersehbar, gerade WEIL wir Sam Axe als gutherziges Rauhbein kennen, das gerne mal auf die Spielregeln pinkelt. Gut und Böse sind kinderleicht auseinander zu halten und angesichts des Pilotfilms von „Burn Notice“ wissen wir ja auch, was am Ende auf Sam wartet. Ich nenne mal „überraschend“ als das Adjektiv, mit dem „The Fall of Sam Axe“ vermutlich am wenigsten belegt wird.

Kann man außerdem festhalten, dass es mittlerweile eben NICHT mehr cool ist, wenn Campbell „Tanz der Teufel“ referenziert? Been there, done that, bought the fuckin‘ T-Shirt…

Der kolumbianische Dschungel ist zwar erstmal ein erfreulicher Locationwechsel, aber letztlich ist das sonnige, bunte und architektonisch eigenwillige Miami doch deutlich interessanter anzuschauen. Manchmal erinnert das Prequel an die Dutzendware, die bis in die 90er auf den Philippinen gedreht wurde.

Hinzu kommt, dass Donovans Regie eindeutig von seinen Erfahrungen in diversen Fernsehserien geprägt ist. Establishing shot, american, Totale, master, etc. – wie aus dem Lehrbuch und damit auch völlig frei von einer eigenen Handschrift. Jeder kanadische Kinderserienregisseur hätte das exakt SO gemacht. Das reicht als Standard bei einer 45 Minuten-Folge, in der Sam Axe noch Michael Weston und Fiona als Spielpartner zur Verfügung hat – wenn man den Charakter allerdings damit 90 Minuten lang allein im Dschungel lässt, stellt sich irgendwann subkutanes Desinteresse am Bildschirmgeschehen ein. Es läuft smooth – aber es rockt halt nicht.

So bleibt ein schickes TV-Prequel, das (wie eingangs erwähnt) primär „Burn Notice“- und Bruce Campbell-Fans launig unterhält, auch für eine Fernsehproduktion keine nennenswerten Fehler macht, am Ende aber doch zu wenig Eigenblut mitbringt, um darüber hinaus zu überzeugen.



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Stephan
Stephan

Jetzt hatte ich gefragt was ein „american“ ist, das dann doch beim zweiten Googlen gefunden und jetzt darf der Kommentar nicht leer sein.

Dann halt: Schöne Grüße, Torsten!

Peroy
Peroy

Was ist ein „american“… ?

xanos
xanos

Zeigt deutlich, dass BN keine One Man Show ist. Für die große Vorgeschichte fand ich es dann auch etwas schwachbrüstig. Irgendwie plätscherte es so dahin. Ein Ableger in Nordirland wäre vielleicht etwas explosiver gewesen *hüstel*

Baumi
Baumi
Peroy
Peroy

@Baumi: Das ist natürlich falsch, die korrekte Antwort lautet „Ein Einwohner von Amerika“.

reptile
reptile

Bei Burn Notice bin ich irgendwan zwischen der 2 und 3 Staffel eingestiegen und die Serie gefällt mir wirklich gut.
Dieses austüffteln von irgendwelchen Dinge, die von dem Charakter per Off Kommentar erklärt wird – bestes MacGyver Feeling.

Baumi
Baumi

@Peroy: 😀

Strabo
Strabo

@Wortvogel: Solange sie nicht den grauenhaften „irischen“ Akzent versucht 😀

Ich fand „The Fall of Sam Axe“ ok, aber es zog sich doch ziemlich. Kürzer wäre wohl besser gewesen. Außerdem, wie du sagst, ziemlich 08/15 vom Stil.

Marcus
Marcus

„subkutanes Desinteresse“ ?!