avatar_benIhr habt ja gelesen, dass ich die Cover der aktuellen „Nibelungen“-Ausgabe von Weltbild ziemlich klasse finde, weil sie auch dem entsprechen, was ich mir an Stimmung und Atmosphäre vorgestellt habe.

Es war mir allerdings (bis zu einem Blick ins Impressum) nicht bewusst, wer hinter den Motiven steckt – und dass ich den Künstler kenne!

Es ist Benjamin von Eckartsberg, einer der Kreativen aus der Agentur „Die Artillerie„. Unsere Wege haben sich über die letzten zehn Jahre immer mal wieder gekreuzt und es freut mich ungemein, dass ausgerechnet er (der u.a. für die großartigen Graphic Novels zu Hohlbeins „Chronik der Unsterblichen“ Preise gewonnen hat) seine Kunst meinem Werk leiht. Schließlich ist Benjamin einer der ganz Großen auf seinem Gebiet und hat schon für so ziemlich jeden Verlag, jede Produktionsfirma, und jede Werbeagentur gearbeitet.

Ring der Nibelungen-finaldruck Kopie

Ich habe ihn sofort angerufen, um a) mich zu bedanken, und b) um größere Versionen der Motive zu betteln, damit ich sie mir wenigstens für mein neues Home Office großformatig drucken lassen kann. Es ärgert mich schon ein wenig, dass Benjamin digital künstlert – etwaige Originalgemälde hätte ich ihm SOFORT abgekauft.

Mehr über Benjamin findet ihr auf der Webseite der Artillerie, auf seinem Blog, und auf seiner Webseite.

Rache der Nibelungen-final Kopie

Nun dachte ich mir – wenn es MICH interessiert, wie so ein Cover entsteht, dann interessiert es vielleicht auch meine Leser. Deshalb habe ich Benjamin zu einem Interview genötigt:

Wie gehst du den Auftrag für so eine Artwork an, wenn das Manuskript noch nicht fertig ist?

Entweder bekomme ich in dem Fall vom Verlag eventuell vorhandene Textauszüge und eine ungefähre Inhaltsangabe. Oder aber der Verlag hat schon ein Konzept für das Cover.

Im Fall der „Nibelungen“-Romane lagen die fertigen Bücher ja schon vor. Liest du die tatsächlich zur Inspiration durch?

Oft, aber nicht immer. Je nachdem, wie viel Zeit ich habe. Ich lese die Bücher so weit durch, bis ich ein szenisches Motiv vor Augen habe, dass mich interessiert und auch die Story repräsentiert. Beim Lesen mache ich kleine Skizzen von Bildern, die mir beim Lesen durch den Kopf strömen. Finde ich eine Situation in der Geschichte besonders interessant, wie z.B. beim „Ring der Nibelungen“  die berühmte Szene mit dem Drachenblut, dann mache ich oft mehrere Skizzen davon aus verschiedenen Blickwinkeln und verschiedenen Posen der Figur. Das sind nur Krakeleien, ca. eine bis fünf Minuten pro Zeichnung, aber es reicht als Entscheidungsgrundlage.

Wie entscheidest du nach dem Motiv die Stilrichtung – oder bedingt das eine meist das andere?

Im Prinzip richtet sich die Stilrichtung nach Genre und Zielgruppe. Aber da gibt es auch innerhalb der Genres große Variationsmöglichkeiten. Wenn ich als Illustrator angefragt werde, ist diese Entscheidung beim Verlag meist schon gefallen und mein Portfolio als passend befunden worden.

Deine beiden Nibelungen-Bände sind Teil einer Sammeledition mit dem Namen „Hohlbeins historische Welten“, für die ich im letzten Jahr 11 Cover illustriert habe. Darin wird es zwar mit der Historie nicht immer all zu genau genommen, aber die Geschichten finden immer in einem mehr oder weniger klar umrissenen historischen Rahmen statt, nicht in Fantasywelten.

Es schien mir passend, dafür einen malerischen Stil zu entwickeln, ein bisschen wie altmeisterliche Ölgemälde. Das erste Cover der Reihe war der Prüfstein für den Stil. Hätte es dem Verlag nicht gefallen, hätte ich es noch mal neu malen müssen.

Wie weit musst du dich da mit dem Verlag/Autor/Vertrieb absprechen?

Ich muss mich immer mit dem Verlag absprechen. Habe ich mich für ein Motiv entschieden, fertige ich eine etwas genauere, aber immer noch ziemlich grobe Skizze für den Verlag an. Der Verlag gibt dann grünes Licht oder äußert Änderungswünsche, die ich natürlich berücksichtigen muss. Deshalb vermeide ich bei den Skizzen auch zu viel Detailarbeit, die bei Änderungswünschen umsonst wäre.

Kommt es auch vor, dass Artwork abgelehnt wird? Was dann?

Selten. Ist mir nur ein mal passiert.  Ich hatte aus Gründen, die ich vergessen habe, keine Skizze zur Abstimmung vorgelegt,
sondern gleich das fertige Cover. Die Ablehnung war inhaltlicher Art: zu wenig Action. Also musste ich ein völlig neues Motiv finden und illustrieren. Fehlende Kommunikation ist meist die Ursache für Probleme im Arbeitsablauf.

Mit welcher Hardware arbeitest du (Rechner, Zeichentablett, Monitor)?

Mittlerweile komplett digital. Ich benutze einen iMac mit 27 Zoll-Monitor und ein Wacom-Zeichentablett.

Arbeitest du analog vor (also mit Stiftzeichnungen oder Scribbles)?

Die Skizzen mache ich manchmal noch mit Stift und Papier, aber öfter noch direkt am Computer.

Welche Software ist bei dir für so ein Motiv im Einsatz (Photoshop, Corel Draw)?

Speziell für die Nibelungen-Cover zu 90 % Corel Painter IV , wegen der malerischen Wirkung, und 10% Photoshop für finale Farbkorrekturen.

Wird Artwork auf Wunsch des Auftraggebers oft noch mal verändert?

Durchaus. Ich versuche zwar wie schon gesagt, so viel wie möglich bereits im Skizzenstadium zu klären, aber manchmal ändert der Kunde seine Meinung. Wenn ich der Auffassung bin, dass eine Änderung dem Kommunikationsziel des Bildes nicht gut tut,
argumentiere ich natürlich in diesem Sinne. Kann ich den Kunden nicht überzeugen, ändere ich so oft, bis er zufrieden ist. Wer zahlt, schafft an. Da ist man als Illustrator mehr Dienstleister als Künstler.

Ein übertriebenes Ego sollte man sich in dem Job nicht leisten.

Arbeitest du auf „buy out“-Grundlage, oder behältst du die Rechte an deinen Arbeiten?

Das ist von Job zu Job unterschiedlich. Wer entsprechend bezahlt, kann auch ein Buy Out kaufen. Ansonsten bezahlt der Kunde räumlich, zeitlich und medial begrenzte Nutzungsrechte.

Was sind deine persönlichen Lieblingsarbeiten (Buchcover, Comic, Storyboards)?

Das Schöne an meinem Job ist die Abwechslung. Storyboards sind nur ein Mittel zum Zweck, aber Comic, Buchcover, Character Design und Concept Design für Film macht mir alles grossen Spass.

Digitale Produktionsstrecke – Segen oder Fluch?

Segen: nie waren beim Illustrieren Änderungen und Experimente einfacher und risikoloser als im digitalen Zeitalter.

Fluch: – höhere Unkosten, Computer sind teurer als Pinsel! – man hat kein Original mehr, das man sich an die Wand hängen oder verkaufen kann.

Und ein gute Originalzeichnung oder -malerei hat eine besondere Magie. Aber es ist Platz für beides.



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comicfreak
comicfreak

..dankeschön 🙂

Marko

Geil, sowas lese ich immer gern, danke dafür.

Dietmar
Dietmar

Klasse!

Nardon
Nardon

Dankeschön, klasse Interview.

Howie Munson
Howie Munson

höhere Unkosten, Computer sind teurer als Pinsel!

hmm, Farbe und Leinwand ist doch auch nicht sooo billig als das man ewig mit 2000 Euro auskommen würde, wenn man die Originale zum an die Wand hängen macht, oder doch?

Aber das soll das Interview nun nicht schmälern.

Brandenburgerin

Sehr schönes Interview. Bei den Kosten muss ich mich dem Verständnis von HM anschließen. Computer sind als Fixkosten doch nur einmal da. Oder sind Pinsel, Papier etc. so billig, dass ein PC mit entsprechender Software auch nach Jahren sich nocht nicht amortisiert hat?

dubtron

schönes Interview 🙂

Gregor

Coole Sache, das. Du kannst ruhig öfters Bekannte aus der Branche zu Interviews nötigen.

Thomas
Thomas

Also zu den Kosten:
Software je nach Vielfalt, Umfang, Versionen: 500-1500€
Grafiktablett: 200-300€
PC, meist MAC: 1500-2500€
Da kann man schon den ein oder anderen Pinsel kaufen.(Auch nicht so ernst gemeint)
Eine Freundin von mir zeichnet teilweise mit Stift vor, scannt ein und verarbeitet es weiter.
Eine Originalzeichnung hat zwar sicherlich ihren Reiz, aber für Auftragsarbeiten muss es ja meistens sowieso digitalisiert werden-
Ausserdem müsste man ja sonst ein Haufen Zeug durch die Gegend schicken.

Howie Munson
Howie Munson

ok, 1500 für Software hatte ich nicht auf der Rechnung und ob man wirklich den neusten Stand der Technik braucht (außer Grafiktablet und Monitor, dass die sehr gut sein müssen ist klar) kann ich mir nur schwer vorstellen aber durchaus als Aussage hinnehmen.

Für mich fehlt halt zum Vergleich was eine handentwickeltes Projekt an Kosten verursacht, da hab ich nämlich so rein gar keine Ahnung von, weiß also nicht wie weit man mit 3000 Euro kommt.

Das Pinsel und Farbe nur bei Bedarf gekauft werden müssen, ist aber durchaus ein nachvollziehbarer Vorteil.

DMJ
DMJ

Ah, cool! 😀

Ich drückte ja schon im Thread meine Begeisterung für das von Eckartsberg’sche Schaffen aus, so dass…dass…öhm, so dass mir jetzt nichts mehr zu sagen übrigbleibt. 😉