17
Okt 2010

TV-Overload (1): Wortvogel schaut fern

Themen: Film, TV & Presse, Neues |

Letzte Woche kam ich endlich mal wieder dazu, einen Abend lang Ketchup mit den neusten Serien zu spielen. Weil es ausufern würde, große Reviews zu schreiben, fertige ich die einfach mal unsortiert und blockweise ab.

"Nikita": Ich fand die Serie "La femme Nikita" toll, weil Peta Wilson einfach sensationell war. Maggie Q in der neuen Fassung ist dagegen zu dürr, zu leer, zu gewollt taff. Überhaupt ist "Nikita" ein gutes Beispiel für "gewollt, aber nicht gekonnt". Stylische Action schaue ich weiterhin lieber bei "Burn Notice". Wenn ein Programm, das so sehr auf eine Hauptfigur ausgerichtet ist, so schwach besetzt wird, dann kann das nicht gut gehen. Kein Wunder, dass bereits am Format gefeilt wird.

http://www.youtube.com/watch?v=mZKGyuBggcQ

"Undercovers": Besser gefilmt und eleganter geschrieben als "Nikita", aber letztlich auch nicht besser ist diese Serie über ein Ehepaar, das als Undercover-Agenten zurück in den Einsatz berufen wird. Bemerkenswert finde ich allenfalls, dass hier auf afroamerikanische Darsteller gesetzt wird, die mir einfach zu schön und clean sind. Model-Fernsehen. Auch hier wird nach mäßigen Quoten bereits am Konzept geschraubt. J.J. Abrams? Don’t care.

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"Whites": Eine neue britische Sitcom mit Alan Davies ("Jonathan Creek", "QI") aus dem Chefkoch-Milieu. Man könnte meinen, die Serie sei eine Reaktion auf den Kochshow-Hype, tatsächlich ist sie aber eine ziemlich exakte Kopie der Lenny Henry-Comedy "Chef!" von 1993. Dafür ist sie exzellent gemacht, sauber geschrieben, und bietet gute Charaktere. Auch die etwas ernsteren Elemente geben der Sitcom ein angenehmes "Gewicht".

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"An idiot abroad": Der Reiz von Ricky Gervais-Projekten ist immer, dass man nicht genau sicher ist, ob Geschmacklosigkeiten ironisch oder todernst gemeint sind. Es schmerzt beim Zuschauen. Auch "An idiot abroad" hat ein Konzept, über das man sich prima aufregen könnte: Gervais und Kumpel Merchant schicken ihren "favorite ignorant idiot" Karl Pilkington in ferne Ländern, damit er dort an den kulturellen Gegebenheiten scheitere. Das Ergebnis rechtfertigt aber keine Empörung: solide unterhaltsam, manchmal krude, aber ein einzelnes Special hätte mir davon auch gereicht.

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"Hand aufs Herz": Ich hatte es ja neulich schon getwittert: Die neue Telenovela "Hand aufs Herz" von SAT.1 überzeugt mich nicht (den Quoten nach zu urteilen bin ich damit nicht allein). Die Hauptdarstellerin zu blass, die Musikeinlagen zu uninspiriert ("Push it!" im Jahr 2000?!), und es fehlt einfach die wirklich große Romanze im Kern, die jede gute Telenovela ausmacht. Das möchte so gerne "Glee" sein, scheitert aber an faden Scripts und der Tatsache, dass "Glee" halt nicht nur mehr Geld, sondern auch wesentlich mehr Zeit hat, um schwungvolle Musiksequenzen in Szene zu setzen.

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"Detroit 187": Eine ernste, taffe Cop-Serie, die im verfallenden Detroit spielt. Irgendwo zwischen "The Wire" und "Homicide" angesiedelt, ohne die Qualität der Vorbilder zu erreichen. Es fehlen auch die wirklich heraus stechenden Charaktere, oder die bemerkenswerten Hauptdarsteller. Nicht schlecht, aber auch nicht gut genug, um dranzubleiben.

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"Sherlock": Hatten wir schon, weiß ich auch. Mittlerweile konnte ich mir aber mal die 60minütige erste Folge ansehen, die von der BBC nicht ausgestrahlt wurde (die "Serie" bestand ja dann aus drei 90minütern). Eigentlich hatte ich erwartet, dass man dafür die Episode "A study in pink" nur um ein Drittel gekürzt hatte, um zu sehen, ob das Format auch einstündig funktioniert. Mitnichten: Große Teile der unausgestrahlten Version basieren zwar auf einem ähnlichen Skript, wurden aber teilweise an anderen Drehorten inszeniert. Faszinierend. Und es zeigt: 90 Minuten tun dem Format deutlich besser.

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"History of Horror": Mark Gattis, der Ko-Erfinder von "Sherlock", gönnt sich eine Atempause mit einer dreiteiligen Doku über die Geschichte des Horrorfilms. Zwar erkenne ich an, dass hier viele wirklich erstaunlich alte Mitwirkende nochmal vor die Kameras gezerrt wurden, und dass ein paar Details beleuchtet werden, die bisher gerne unter den Tisch fielen (das Lugosi-"Dracula"-Budget musste seinerzeit wegen der Weltwirtschaftskrise radikal gekürzt werden), aber als halbwegs belesener Kenner des Genres gibt es hier wirklich GAR nichts neues zu entdecken. Ich empfehle diese Doku daher wirklich nur absoluten Einsteigern.

"Better with you": Eine oldschool-Sitcom über drei Paare in verschiedenen Phasen ihrer Beziehung. Ich mag die frechere Variante, die seit fünf Jahren unter dem Titel "Rules of Engagement" läuft, dann doch lieber. Einzig auffallend: Jennifer Finnigan und Josh Cooke spielten schon 2005 in der süßen Sitcom "Committed" ein Paar.

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"Sym-Bionic Titan": Ich bin kein großer Fan von Genndy Tartakovsky. Klar sind seine Serien wie "Samurai Jack" und "Clone Wars" (NICHT die CGI-Variante) künstlerisch extrem hochwertig und mit einem erstaunlichen Sinn für Dynamik inszeniert. Aber emotional packt mich das alles nicht. Umso bemerkenswerter, dass ich ausgerechnet auf "Sym-Bionic Titan" abfahre, was nun wirklich "Tartakovsky light" ist. Diese Mischung aus 70er Retro-Charakteren, Anime-Saga und "Power Rangers" ist so bunt, ironisch und actiongeladen, dass ich mich wirklich prächtig unterhalten habe.

http://www.youtube.com/watch?v=HrCIkDQ6qHQ

"Children’s Hospital": Wie es aussieht, schaffen immer mehr Serien den Sprung vom Web ins Fernsehen – oder, wie im Fall von "Woke up Dead", wenigstens auf DVD. "Children’s Hopspital", nach einer Webstaffel nun offiziell im TV gelandet, ist eine bitterböse Farce über ein Kinderkrankenhaus, vollgepackt mit allem, was in LA an Comedians Rang, Namen und mal zehn Minuten Zeit hat. Das ist nicht so sentimental wie "Scrubs", sondern eher so böse sarkastisch wie "Green Wing". Wer political correctness wünscht, soll hier besser nicht rein schauen. Ich find’s klasse.

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Das muss für heute reichen, es kommen dieser Tage aber noch mehr Mini-Reviews.



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Ben
17. Oktober, 2010 19:28

"Glee" hat nicht wirklich viel mehr Zeit. Die Folgen werden teilweise erst zwei bis drei Wochen vor Ausstrahlung gedreht, dazwischen sind die Darsteller auch noch auf Tour. Das Geheimnis von "Glee" ist wohl eher, dass da Menschen hinter der Kamera sitzen, die etwas mehr Erfahrung im Business und einige Damen und Herren im Cast teilweise jahrelange Broadway-Erfahrung haben…

Jörg Hennicke
17. Oktober, 2010 19:43

Ähh… Hand aufs Herz: Die Amis können diese Art der Unterhaltung einfach besser. Immer, wenn deutsche Serien als reine Kopie daherkommen (oder zumindest auf einen Trend-Zug aufspringen) gehts meist ganz fürchterlich in die Hose. Das fing vor 13, 14 Jahren an an mit den grauenhaften Versuchen, z. B. "Married with Children" zu verdeutschen und ist seitdem nicht besser geworden (Man denke nur an den Versuch einer dt. Version von "LOST"… "Vermisst"?) Nur, wenn den Autoren etwas wirklich neues, noch nicht dagewesenes gelingt, kann dabei etwas herauskommen, wie der Erfolg von "Danni Lowinski" oder "Mord mit Aussicht" zeigt.

Neva
Neva
17. Oktober, 2010 20:08

Zu Sherlock
Tolle Serie, hab die letzte Folge im Englandurlaub auf BBC entdeckt gehabt, bin immer noch begeistert.

Die 90-Minuten Folge um 1/3 kürzen wäre meines Wissens nach aber auch schlecht gegangen, weil die 60 Minuten Folge zuerst entstanden ist, eben als Pilot für eine mögliche Serie. Allerdings hat man sich dann entschieden das Format zu ändern. Danach wurd ja teilweise komplett umgeschrieben bzw. ergänzt. Ich bin allerdings auch der Meinung, dass die 90 Minuten der Serie gut tun.

Teleprompter
Teleprompter
17. Oktober, 2010 23:06

Zu Nikita: Ist "dürr" jetzt ein (negatives) Qualitätsmerkmal, die Serie wäre also besser, wenn Q etwas dicker wäre ? Habe Maggie eigentlich immer gerne gesehen und freue mich auf die Serie. Oder zumindest auf die ersten Folgen, bis The CW das Ganze zur Soap umgestaltet.
Übrigens: Ich fand die Version mit Peta technisch gut, aber entsetzlich deprimierend, danach hatte ich immer das Gefühl, meinen Hamster "entfernen" zu müssen oder besser gleich selbst aus dem Fenster zu springen. Da kann die Neuauflage eigentlich nur "besser" im Sinne von unterhaltsamer werden

Wortvogel
Wortvogel
17. Oktober, 2010 23:19

@ Teleprompter: Jau, ich habe ein Problem damit, wenn die normal große Hauptdarstellerin nicht mal das Gewicht meiner "manboobs" auf die Wage bringt. Ist nicht gut fürs Körperimage junger Frauen, und außerdem zu knochig.

Jau, die alte Serie war sehr depri. Fand ich gut.

reptile
reptile
18. Oktober, 2010 08:54

Hört sich so an, als wenn ich mal einen Blick auf die "alte" Nikita Serie werfen sollte. Ich mag Serien/Filme mit depressiver Stimmung ala BSG.

Andi
Andi
18. Oktober, 2010 14:14

An "Nikita" wird jetzt offensichtlich auch heftig geschraubt, um die Serie durch mehr Soap-Elemente für jüngere Zuschauer(innen) interessanter zu machen. Ein Grund mehr, das links liegen zu lassen. (Ich hab’s aber auch so nichtmal ganz durch die Pilotfolge geschafft.)

DMJ
DMJ
18. Oktober, 2010 16:22

Hm, aus der Ladung spricht mich jetzt nichts so wirklich an…(okay, außer "Sherlock", aber das hatten wir ja schon). "Children’s Hospital" kööönnte was werden, wirkte auf mich nach dem Ausschnitt aber doch etwas bemüht.
"Nikita" werde ich vielleicht eine Chance geben, da ich Fan der Filme (also sowohl Bessons Original, als auch Badhams Remake, als auch der seltsamen Hongkong-Version "Black Cat") bin…von der alten Serie habe ich mir nur den Pilotfilm gegeben und er hat mich ziemlich kalt gelassen, insoweit bin ich auch hier nicht allzu optimistisch. Bin überrascht, jetzt was so positives darüber zu hören – war davon ausgegangen, es sei so eine bisslose billig-Actionserie.

Joe
Joe
18. Oktober, 2010 17:47

Ich habe bei "Hand aufs Herz" wegen der Hauptdarstellerin ein paar Mal reingeschaut. Stimmt, sie wirkt blaß in der Rolle. Wenn’s ’ne Telenovela sein soll, dann fehlt die Romanze in der Tat (das mit Schüler Ben wird’s wohl kaum sein… ;-)). Ich dachte, das sollte ’ne Soap darstellen.
Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, werter Torsten.

Wortvogel
Wortvogel
18. Oktober, 2010 17:59

@ Ben: "Glee" hat (liberal geschätzt) das zehnfache Budget von "Hand aufs Herz", dreht eine Folge pro Woche (HaH: 5), und man hat außerhalb der Staffel fast ein halbes Jahr Zeit, sich vorzubereiten. Das SIND Äpfel und Birnen.

@ Jörg Hennicke: Du wirfst da einiges durcheinander: "Hand aufs Herz" ist keine Adaption von "Glee", es nutzt nur ähnliche Elemente. Es scheitert aber eher daran, dass als tägliche Serie nicht ordentlich machen zu können. "Verschollen" war KEINE Adaption von "Lost", "Hilfe, meine Familie spinnt" allerdings eine Adaption von "Eine schrecklich nette Familie". Auch Adaptionen kann man richtig machen: "Ein Herz und eine Seele".

Jörg Hennicke
18. Oktober, 2010 18:10

@Wortvogel: "Verschollen" wurde natürlich von dem gerade startenden LOST Hype beeinflusst (habe das Set mit ausgestattet und das damals sehr deutlich mitbekommen) genau so wie "Hand aufs Herz" die "Glee"-Stilmittel aufgreift… das beide Serien logischerweise nicht auch nur im Entferntesten an die Vorlage herankommen, seien es die Qualität der Drehbücher, das Budget und die Produktionszeit und und und, ist uns doch allen klar…

Jeff Kelly
Jeff Kelly
18. Oktober, 2010 20:56

Detroit 187 ist so gut wie gecancelled.

Von den Neustarts der Season 2010/2011 hat mich eigntlich nur Terriers überzeugt. Solltest du dir mal ansehen.

Danny Lowinsky wird übrigens wahrscheinlich von The CW für das US Fernsehen adaptiert. Es geht also auch international wenn man sich mal was traut.

reptile
reptile
18. Oktober, 2010 21:39

"Verschollen" war echt so ein Ding damals. Die Idee mit ein wenig Sand und Palmen eine Insel in einer Halle zu bauen – da kann man nur verlieren.

Ein deutsches "24" wäre da leichter gewesen. Büros mir massig Flatscreens -voila. Siehe Post Mortem, dass ja leider gefloppt ist. Was wiederum beweist, dass eine eigene originelle Idee immer noch das Beste ist.

Wortvogel
Wortvogel
18. Oktober, 2010 21:41

@ Jeff Kelly: Terriers habe ich schon gesehen, kommt im nächsten Schwung dran (wie z.B. auch "Lost Girl").

Na ja, CW bezahlt die Entwicklung einer Pilotepisode von Danni Lowinski. Ich glaube das erst, wenn ich es über den Äther gehen sehe…

Jörg Hennicke
18. Oktober, 2010 21:42

@reptile: Ach, die Ausstattung war für deutsche Verhältnisse ganz schön aufwändig… Aber das Ganze war eher "Lindenstraße meets Blaue Lagune".

Wortvogel
Wortvogel
18. Oktober, 2010 21:43

@ Reptile: … die leider dafür umso schwerer beim Sender zu verkaufen ist…

reptile
reptile
18. Oktober, 2010 21:50

@Wvogel
Ja…kann ich mir vorstellen.
Ist ja leider überall so, es wird das eingekauft was woanders schon erfolgreich war/ist: Bücher/Serien ect.

Verlage suchen ja momentan wie verrückt Paranormal Romance Sachen, Twillight sei dank.*Würg*

heino
heino
18. Oktober, 2010 22:29

"Nikita" hat mir auch mit Peta Wilson schon nicht gefallen, ich fand das einfach sehr dröge. Und die restlichen Serien klingen jetzt auch nicht berauschend, abgesehen von Sherlock vielleicht. Kann ich alles abwarten

Marcus
Marcus
18. Oktober, 2010 22:33

@reptile: und sie finden sie auch. Geh mal in eine beliebige Filiale einer der großen Buchhandelsketten – die haben inzwischen keine Tische mit Vampiromanzen mehr, sondern eigene *Rubriken*. Hier in Wuppertal ists ungelogen so, wenn man mal die Regalbeschriftungen an der Wand entlangguckt: Historische Romane – Sachbücher – Bestseller – Krimi – SciFi/Fantasy – Vampire. Seriously: WTF?

HomiSite
19. Oktober, 2010 01:21

Sym-Bionic Titan hab ich mir mal angeschaut: Das ist ja extrem rasant und konzentriert, mit einem beeindruckenden Gefühl für die Darstellung von Geschwindigkeit und Bewegung! Leider ist der Zeichenstil ein ziemlicher Mischmasch aus CGI, reduzierten und/oder realistischen Backgrounds sowie, äh, Hanna-Barbera-liken Figuren. Interessant auch, wie mit Gewalt in der Serie umgegangen wird.

heino
heino
19. Oktober, 2010 18:10

@Marcus:ist in Köln inzwischen auch Usus. Echt zum kotzen:-((