bild_werbung_emma… ich kann Sie eigentlich manchmal ganz gut leiden. Ihre Verdienste um die Rechte der Frauen, die konsequente Ausleuchtung ungenehmer Ecken in einem oft zu bequemen Staat: Respekt. Schlimm genug, dass viele junge Frauen heute nicht verstehen, was Sie und die Ihren für sie erkämpft haben.

Die paar Ausgaben der EMMA, die ich gelesen habe, haben mich qualitativ positiv überrascht, und es wäre allemal von Vorteil, wenn mehr von Ihren Geschlechtsgenossinnen die EMMA statt der FREUNDIN lesen würden.

Sie haben auch ein paar sehr gute Artikel in Zeitungen und Zeitschriften veröffentlicht, die ich regelmäßiger lese. Sie agieren klug im Spannungsfeld von Emanzipation und kultureller Toleranz.

Allerdings wirken Sie in Talkshows immer genau so abgeklärt-herablassend, wie einige der unschöneren Stellen Ihrer Biographie befürchten ließen. Ihr Lachen erscheint mir nicht sympathisch, sondern abwertend, weil es die Aussagen der anderen Diskussionsteilnehmer der Ernsthaftigkeit zu berauben sucht. Dieses darin unausgesprochene „Was der wieder redet…muss ich ja nichts zu sagen, oder?“ nervt mich ein wenig.

Wie weit es allerdings mit Ihrer journalistischen Integrität mittlerweile her ist, hat man ja schon bei der BILD-Werbekampagne gesehen, für die sie bereitwillig Gesicht und Reputation hergaben. Sie begründeten den Schulterschluss mit dem durch und durch verkommenen und chauvinistischen Erzfeind damals damit, in die Reihe der Geschichtsgrößen von Ghandi bis Willy Brandt gehöre doch auch eine Frau. Sie natürlich. Eitelkeit zeigt sich nicht bloss in Nerzmantel und Sportwagen.

Das nur zur Verortung meiner ambivalenten Meinung über Sie.

Derzeit kommentieren Sie ja in der BILD den Kachelmann-Prozess. Als ob sie keinen schäbigeren Karren finden konnten, vor dem man sie hätte spannen können. „Post von Schwarzer“, frisch von Springer. Man fasst es nicht.

Sie wussten schon vorab, dass Sie sich würden verteidigen müssen:

„Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass rund 12 Millionen BILD-LeserInnen ernstzunehmen sind. Zweitens ist die Einteilung der Medien in hie Gut und da Böse, hie objektiv und da verantwortungslos schon lange nicht mehr so einfach, wie viele es gerne hätten. Das sehen wir nicht zuletzt am Fall Kachelmann. Drittens scheint es mir gerade in diesem Fall nötig, dass in einem tagesaktuellen, meinungsprägenden Blatt auch die Sicht des mutmaßlichen Opfers ernst genommen wird.“

Als Maßstab große Leserschaft, Moral egal, Hauptsache meinungsprägend? Nach diesem Maßstab können Sie die Arbeit für JEDES Blatt rechtfertigen.

Natürlich haben Sie mit der Kritik gerechnet. Es ist ein zu billiger Reflex, Ihnen zu unterstellen, Sie würden natürlich auf Seiten des Opfers stehen. Das können Sie schlecht bestreiten, also erklären Sie es zu einer Frage der Fairness: Andere „Leitmedien der Republik“ hätten sich klar auf die Seite Jörg Kachelmanns geschlagen. Da müssen Sie gegenhalten. Wer sonst?

Es fällt mir allerdings schwer zu verarbeiten, wie durchschaubar und perfide Sie das tun. Wir können das gerne mal anhand eines beliebigen Beitrags zur BILD-Prozessbeobachtung durchgehen.

„Seither ist die Schuldfrage für eine Mehrheit der Medien – und in Folge auch eine Mehrheit der Menschen – lange vor dem Prozess entschieden. Der Arme: Er ist unschuldig! Die Frau will sich nur rächen. Und das Opfer? Das ist unsichtbar. Gesichtslos bzw. gepixelt, wie eine Verbrecherin.“

Dieses „Der Arme: Er ist unschuldig“-Gerede ist mir nicht wirklich aufgefallen. Im Gegenteil: Die Presse ergötzt sich daran, Kachelmann zu demontieren, als narzisstischen Egomanen mit sexualisiertem Machttrieb darzustellen. Aber vielleicht lesen wir auch verschiedene „Leitmedien“.

Und verstehe ich das richtig: Es missfällt Ihnen also, dass die Identität des Opfers respektiert wird, dass man ihr Gesicht, ihr Leben, ihren Umgang mit den Geschehnissen nicht über den Boulevard zerrt? Die Verpixelung nicht als Opferschutz, sondern als anklagenswerte Verweigerung von Medienpräsenz?

Vor Prozessbeginn sahen Sie das noch genau andersrum:

„In einem Forum Emanzipations-matter Männer wurde gar ein Foto der Klägerin, ihr voller Name plus Adresse (inklusive Abbildung ihres Wohnhauses) sowie ihr Autokennzeichen veröffentlicht. Dann kann es ja losgehen.“

Zumindest da sind sie bei Kai Diekmann genau richtig. Der hält ja bekanntlich nicht viel davon, Täter oder Opfer zu verpixeln.

„Notrufe und Beratungsstellen melden schon jetzt, dass vergewaltigte Frauen seit Bekanntwerden des Falles noch mehr zögern als zuvor, Anzeige zu erstatten.“

Was genau wollen Sie damit sagen? Über Vergewaltigungen darf nicht mehr berichtet werden? Oder nur in einer Form, die sich (von den Fakten unbelastet) auf die Seite der Frau stellt? Auch schön, wie sie hier bereits jede Scheu vor der Vorverurteilung verlieren: es geht natürlich um vergewaltigte Frauen. Nicht etwa darum, dass eine Vergewaltigung als Vorwurf im Raum steht. Da können wir uns den Prozess ja gleich schenken, und schnurstracks zum Strafmaß übergehen.

Und wenn Sie schon so eine Behauptung (geringere Meldezahlen bei Beratungsstellen) aufstellen: Können Sie die auch belegen? Oder haben Sie die einfach aus dem Ärmel gezogen?

„Denn der Fall Kachelmann ist längst zum Auslöser für die öffentliche Debatte über sexuelle Gewalt innerhalb von Beziehungen eskaliert.“

Diese Debatte muss ich vollkommen verpasst haben. Ich fände sie wünschenswert, aber nochmal: Vielleicht lesen wir verschiedene „Leitmedien“.

„Die Berichterstattung darüber – vor allem die eindeutige Parteinahme einiger Medien pro Kachelmann noch vor Beginn des Prozesses – schüchtert offensichtlich die Opfer ein. Viele Frauen haben den Eindruck, dass man ihnen eh nicht glaubt und sie sowieso keine Chance haben.“

Frau Schwarzer, es mag Sie überraschen, aber es geht nicht um die Frage, ob man der Kachelmann-Geliebten glaubt. Es geht um die Wahrheit. Viele Frauen werden vergewaltigt. Einige nutzen den Vorwurf, um ein Ziel zu erreichen. Niedere Motive sind nicht geschlechtsspezifisch.

„Aufgrund von Erhebungen geht man heute in Deutschland von mindestens 90 000 Vergewaltigungen im Jahr aus. Jede zweite Vergewaltigung passiert zu Hause, wie angeblich auch im Fall Kachelmann. Der Täter ist der eigene Mann oder Freund bzw. Ex-Mann.“

Das ist schlimm. Aber Kachelmann kann man kaum für 90.000 Vergewaltigungen verantwortlich machen. Es bleibt zu sehen, ob man ihn auch nur für EINE verantwortlich machen kann.

„Doch nur acht Prozent aller Vergewaltigungen werden überhaupt angezeigt. Und nur bei jeder siebten Anzeige steht am Ende die Verurteilung des Täters.Gleichzeitig signalisieren die Statistiken, dass Vergewaltigung das Verbrechen mit den geringsten Falschanschuldigungen ist: Nur in drei von hundert Fällen lügt die Frau.“

Wir bewerten den Vorwurf der Vergewaltigung jetzt statistisch? Demnach gibt es eine 97prozentige Wahrscheinlichkeit, dass Kachelmann ein Vergewaltiger ist? Bin ich FROH, dass Sie nicht unser Rechtssystem bestimmen…

„Was bedeutet: Nur jeder hundertste Vergewaltiger muss auch dafür büßen. Vergewaltigung ist also ein quasi strafloses Verbrechen.“

Das ist so widerlich wie falsch. Wenn nur acht Prozent aller Vergewaltigungen angezeigt werden, ist dann die geringe Verurteilungsquote nicht erst einmal ein Problem der Frauen, die nicht zur Polizei gehen?

„Wollte sie das nicht selber? Hat sie ihn nicht provoziert? Waren das nicht die üblichen Sexspielchen? Und hat der eigene Mann/Freund nicht eigentlich ein Recht auf Sex?“

Ältere und abgeschnittenere Zöpfe haben Sie nicht finden können? Diese Gruselsprüchlein sind aus der Mottenkiste der EMMA-Rhetorik. Ein Strohmann-Argument. Zeigen Sie mir, wo das im Fall Kachelmann so behauptet wurde/wird.

„Schließlich gibt es das Gesetz gegen Vergewaltigung in der Ehe überhaupt erst seit 13 Jahren. Bis dahin war dieses Verbrechen ein Kavaliersdelikt.“

Eben. Aber nicht mehr. Das war im letzten Jahrtausend. Was hat das mit der aktuellen Diskussion zu tun?

„Sollte das Gericht die Wahrheit nicht herausfinden und käme es auf einen Freispruch „Im Zweifel für den Angeklagten“ raus, dann wäre das eine Katastrophe. Und zwar nicht nur für die Ex-Freundin und Jörg Kachelmann, sondern für Millionen Frauen. Sie, die endlich angefangen haben zu reden, würden wieder verstummen.“

Das musste ich wirklich mehrfach lesen, um es zu glauben. Wenn das rechtsstaatliche Prinzip „Im Zweifel für den Angeklagten“, sicher eine der Grundfesten unserer Ordnung, greifen sollte, wäre das eine Katastrophe? Im Umkehrschluss sollte man Kachelmann also im Zweifelsfall besser verurteilen? Weil es den Frauen Mut machen würde?

Erst war ich schockiert, als ich las, dass Sie den Kachelmann-Prozess nicht für FAZ, taz, oder SPIEGEL begleiten, sondern für BILD. Jetzt bin ich schockiert, mit welcher Leichtigkeit und Nonchalance Sie sich die miesesten verleumderischen Methoden der Springer-Presse zu eigen gemacht haben. Es geht nicht um Recht und Gerechtigkeit, es geht nur um Ihre Klientelpolitik, Ihre völlig verzerrte Sichtweise nach dem Motto „Recht ist, was unserer Sache dient“.

Diekmann, Wagner, Müller-Vogg, Schwarzer – passt besser, als ich je gedacht hätte.

„Jede Wahrheit braucht eine Mutige, die sie ausspricht“ – schade, dass Sie das nicht mehr sind.



Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung
Muriel
Muriel

Ich mochte Frau Schwarzer noch nie, stehe also wohl eher nicht im Verdacht, da überempfindlich zu sein, aber finde, mit dem Stürmer-Spruch machst du deinen ansonsten sehr gelungenen offenen Brief unnötig angreifbar.
Ist aber vielleicht auch Geschmackssache.

Snyder
Snyder

Der Feminismus hat was besseres verdient als Frau Schwarzer …

Wortvogel
Wortvogel

@ Muriel: Du hast Recht. Ich habe das geändert.

Marcus
Marcus

Hmtja, das hat mich auch schwer geschockt. Eigentlich war mir die Schwarzer immer recht sympathisch.

Und in einer „Anne Will“- (oder wars Maischberger?) Sendung vor einigen Wochen war sie die einzige Stimme der Vernunft gegen das wirklich widerwärtige Gegeifer der Spiegel-Gerichts“reporterin“ Gisela Friedrichsen. Schwarzer dürfte sie als Wortführerin der „Armer unschuldiger Kachelmann vs. rachsüchtiges Flittchen“-Fraktion im aktuellen Medienzirkus im Hinterkopf haben.

Umso schlimmer, dass sie jetzt selber, wenn auch unter umgekehrten Vorzeichen, in dasselbe Horn stößt. Man fragt sich, wieso sie das macht. Dumm ist die Schwarzer ja nicht.

Zum Kachelmann-Prozess: das ist so eines der Themen, bei denen mir immer ganz kulturkritisch zumute wird. Hier werden ja wirklich alle Register medialer Verrohung gezogen: die Boulevardpresse zerrt wahlweise das Intimleben einer (vielleicht) vergewaltigten Frau oder das eines (vielleicht) unschuldigen Mannes öffentlich in den Dreck und zeigt damit, dass sie den Unterschied zwischen „Pressefreiheit“ und „sensationslüsternem Voyeurismus“ endgültig aus den Augen verloren hat; die „Glaubwürdigkeit“ der Protagonisten wird medial seziert, als gelte es, die Schuldfrage per TED zu klären; und kein einziger stellt mal die Frage, ob das, was im Einzelnen vorgefallen ist, nicht vielleicht niemanden außer den beiden und den am Gerichtsverfahren Beteiligten was angeht, ob die „Öffentlichkeit“ (lies: die tratschsüchtige Leserschaft der yellow press) vielleicht auch bei einem solchen Promi-Fall gar kein legitimes Anrecht auf Informationen hat, das über zwei kurze Pressemeldungen mit den reinen Fakten zu Prozessauftakt und nach Urteilsverkündung hinausgeht.

Lutz
Lutz

Das deckt sich ziemlich mit meiner Meinung über Alice Schwarzer. Ich habe erst vor kurzem zum ersten Mal eine Emma gelesen und war wirklich überrascht, was für gute Artikel da drin stehen. Allerdings hatte ich den Eindruck, dass sich die Zeitschrift auf geradezu peinliche Weise immer nur um Alice Schwarzer dreht. Da ist sogar eine Seite drin, in der jeder Furz gesammelt wird, der über Alice Schwarzer in anderen Medien gelassen wird. Bei den guten Autorinnen hätte Emma das gar nicht nötig. Aber ich nehme an, dass das von Alice Schwarzer, bewusst oder unbewusst, auch so gewollt ist.

Diese Bild-Aktion finde ich auch schlimm. Vor allem kann ich gar nicht verstehen, warum Alice Schwarzer gerade diesen Fall für so wichtig hält, dass sie alle Ideale und Prinzipien über Bord wirft. Da hatte Oliver Welke in der Heute-Show das mal ziemlich gut getroffen. „Entweder ich bin an der Wahrheit interessiert oder ich schreib für die Bild-Zeitung. Beides zusammen geht nicht.“

Nardon
Nardon

Danke, Ihr sprecht mir und vor allem meiner Freundin aus der Seele.
Ich habe mich einmal auf Alice Schwarzers Block durch die Beiträge zum Kachelmann Fall gearbeitet. Ich finde es gerade zu erschreckend mit welchen Begründungen ihr Handeln verteidigt wird.
Wie kann jemand der für eine Sache kämpft, sich nur derart plump selbst demontieren?

realstar
realstar
DMJ
DMJ

Irgendjemand schrieb mal über Charlton Heston (als er noch lebte), es sei der traurige Fall eines Helden, dessen Zeit vorbei ist und der nun nutzlos und peinlich geworden ist.
Vielleicht ist das bei der Schwarzer auch so ein Fall: Die Welt hat sich geändert, es gibt neue Schlachten auch auf dem Feld der Gleichberechtigung zu schlagen, doch sie schafft es nicht sich daran anzupassen oder sich einfach zurück zuziehen. Stattdessen fantasiert sie sich in eine Welt, in der sie noch immer gegen Dinosaurier kämpft und erwartet entsprechend dafür gelobt und bewundert zu werden…was in einer Welt, in der diese ausgestorben sind einfach nicht viel Erfolg verspricht.

Schon im Fall Andreas Türck schwenkte die BILD ja die lächerliche Pseudomoralkeule, ein Freihspruch mangels Beweisen würde andere Opfer schädigen. Das scheint jetzt ja offizielle Redaktionspolitik geworden zu sein.

Niels
Niels

“Und nur bei jeder siebten Anzeige steht am Ende die Verurteilung des Täters.Gleichzeitig signalisieren die Statistiken, dass Vergewaltigung das Verbrechen mit den geringsten Falschanschuldigungen ist: Nur in drei von hundert Fällen lügt die Frau.”

Interessant. Es wird also bei 97% der Beschuldigten vor Gericht bewiesen, dass sie schuldig sind.
Trotzdem werden dann angeblich nur etwas mehr als 1/7 dieser vor Gericht überführten Täter auch tatsächlich verurteilt?
Warum nur kann ich das irgendwie nicht so ganz glauben?

plumtree
plumtree

„Auch nette Männer vergewaltigen manchmal, Kollege Kachelmann. Leider.“
Das war ein Schlusssatz in einem Blog Alice Schwarzers und so spannend ich manche Emma-Lektüre finde, so sehr bin ich erschüttert, dass Frau Schwarzer offenbar jedes männliche Wesen für einen potentiellen Vergewaltiger hält.
Und das passt genau zu der von Dir beschriebenen Scheinheiligkeit Schwarzers im Kachelmann Prozeß.
Ein klasse Beitrag – Danke!!

Lukas
Lukas

Meine erste Assoziation war eine verwirrte, alte Frau, die während der Urteilsverkündung im Gerichtssaal feixend „Ins Gas, ins Gas!“ kreischt.
Schwarzer hat, als sie das erste mal mit BILD anbandelte, sowieso jede Glaubwürdigkeit verspielt, aber das hier ist nur noch widerwärtig.

Dietmar
Dietmar

Ich wünschte mir, sie würde Deinen Artikel lesen, und sie würde das bedenken. Das ist wieder einmal großartig geschrieben!

Frau Schwarzer gehört zu den Personen, bei denen es mir schwer fällt, aus ihrem ganzen Gewese das Eigentliche und Erwägenswerte herauszufiltern und vielleicht zu überlegen. Es ist ganz klar, dass man Nachdruck braucht, wenn man sich durchsetzen muss. Auf der anderen Seite müsste sie auch erkennen, dass es gesellschaftlich doch viel besser aussieht als vor 20 Jahren und vor allem verglichen mit anderen Ländern. Wo früher ein Holzhammer gute Dienste tat, braucht man jetzt eher ein Skalpell in der Diskussion. Die dümmlich/ängstlichen Hascherl, die sich durch eine nicht erfolgte Verurteilung von einer Anzeige abhalten lassen könnten, sind Frauen nicht. Ich kann mir nicht einmal vorstellen, dass sich irgendeine Frau von diesem Prozess in ihrem Handeln beeinflussen lassen würde. Oder sähen das Männer als Ermutigung zur Vergewaltigung? Na, das wäre doch mal ein schönes Argument für Frau Schwarzer.

Herr Kachelmann (der mir nie sympathisch war) muss als Prominenter also in Frau Schwarzers Augen ertragen, dass nicht sein Fall als individueller Fall behandelt werden, sondern als Exempel gegen Vergewaltigung dienen soll. Schuldig bei Verdacht.

Ist wohl nur fair: Früher waren die Frauen schuld, wenn sie vergewaltigt wurden, weil sie zu aufreizend herumliefen. Heute ist es eben der Mann genauso automatisch, besonders wenn er populär ist.

Gibt es etwas Schöneres als schöne Frauen, die sich toll anziehen (und ggf. ausziehen)? Schwerlich. Ich habe nie eine Frau vergewaltigt, ich werde nie eine Frau vergewaltigen, die weit meisten Männer haben nie eine Frau vergewaltigt und werden nie eine vergewaltigen. Vergewaltigung ist keine Erotik sondern Gewaltausübung. Ich bin so froh, dass wir in einer Gesellschaft voller Frauen leben, die sich ihrer selbst bewusst sind und sich weiblich präsentieren. Dank an die Emanzipation und auch Frau Schwarzer. Und jetzt kommt die, packtiert mit dem größten Lügenblatt der Republik und versucht, das Rad zurückzudrehen.

Es fällt mir wirklich schwer, Erwägenswertes in ihrem Gegeifer zu finden.

Peroy
Peroy

„5 o’clock… bitch raping time.“

Howie Munson
Howie Munson

@Niels: ich nehme an das sind mehrere Statistiken, die das zuzammengewürfelt werden, aber rechnen wir doch mal nach:
1/7 von 8% = 1,15% Vergewaltigungen die rechtskräftig gebüßt werden.

Das die anderen 6,85% zur knappen Hälfte auf komplette Falschanschuldigungen basieren (und zur anderen Hälfte wegen schuldmildernen Umständen nicht zur Gefängnisstrafe führen) ist genau dann nicht ausgeschlossen, wenn sich die 97% auf Vergewaltigungen beziehen, die nicht unbedingt auf anzeigen basieren, sondern z.B. Aussagen gegenüber Seelsorger & Ärzten….

und da wir von einen Bildartikel schreiben, ist es auch nicht unwahrscheinlich, dass die eine Statistik nachgewiesen hat das 3% der geäusserten ,aber eben nicht unbedingt angezeigten Anschuldigungen NACHWEISLICH erfunden waren… (und die dazu gehörige Dunkelziffer von zweifelhaften Fällen die nicht nachweisbar waren und/oder die Frau nicht bewußt log wird einfach unterschlagen…)

alternativ ist die Statistik älter als die oben erwähnte 13 Jahre oder Frau Schwarzer hat gar was durcheinanderdergebracht und das mit den 1% verurteilten Straftäter wegen Taten “ gegen die sexuelle Selbstbetimmung“ falsch auf die Anzeigenzahl zurückgerechnet…

***** Hinzu kommt, dass eine große Zahl von Personen (im Zusammenhang mit verschiedenen Delikten) mehrfach als tatverdächtig erfasst wird, aber nur einmal im Rahmen der Strafverfolgungsstatistik erscheint. Insgesamt sind also die Angaben zu den Tatverdächtigen und die zu den Verurteilten nur bedingt vergleichbar.********* http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Publikationen/Querschnittsveroeffentlichungen/Datenreport/Downloads/1Justiz.psml (von 2006)
(eine Anzeigenstatistik konnte ich jetzt nicht finden…)

ohne Quellenangabe von Frau Schwarzer ist sowas aber reine Mutmaßung…
…auf der anderen Seiten will ich gar nicht bezweifeln, dass es eine ganz beschissene Situation für die Opfer ist, aber das gilt eben auch für die selbst von Frau Schwarzer eingeräumten 3% Falschbeschuldigten und somit bleibt ja nix anderes übrig als sowas ergebnissoffen von Gerichten verhandeln zu lassen….
(und eben nicht statistisch oder emotional zu beurteilen)

Niels
Niels

@Howie Munson
„1/7 von 8% = 1,15% Vergewaltigungen die rechtskräftig gebüßt werden.“

Das ist aber doch eine unsinnige Rechnung.
Angeblich werden nur 8% der Vergewaltigungen angezeigt.
1/7 der Angeklagten wird dann verurteilt. Du gehst bei deiner Rechnung davon aus, dass 100% der Angeklagten schuldig sind. Sogar Frau Schwarzer behauptet „nur“, dass 97% erwiesenermaßen schuldig sind.
Außerdem müssen Verurteilte doch noch lange nicht schuldig gewesen sein. Es werden auch Unschuldige verurteilt.

Für den Ausgang der Gerichtsverhandlung ist es aber doch völlig egal, wie viele der Vergewaltigungen auch tatsächlich angezeigt werden.
Für die stattfindenden Verfahren ist nur wichtig, dass man (angeblich) beweisen kann, dass 97% der Frauen die Wahrheit sagen.
Also sollten 97% der Angeklagten verurteilt werden.
Tatsächlich werden aber nur 1/7= 14,3% der Schuldigen verurteilt. Zusätzlich muss man bei diesen realen 14,3% beachten, dass auch Unschuldige verurteilt wurden, die Anzahl der Verurteilten Schuldigen ist also noch etwas kleiner.
Das macht überhaupt keinen Sinn. Das Gericht hat bei 94% der Verhandlungen bewiesen, dass der Angeklagte schuldig ist, verurteilt aber weniger als 14,3%? Ist das wirklich glaubwürdig?

„Das die anderen 6,85% zur knappen Hälfte auf komplette Falschanschuldigungen basieren (und zur anderen Hälfte wegen schuldmildernen Umständen nicht zur Gefängnisstrafe führen) ist genau dann nicht ausgeschlossen, wenn sich die 97% auf Vergewaltigungen beziehen, die nicht unbedingt auf anzeigen basieren, sondern z.B. Aussagen gegenüber Seelsorger & Ärzten….“
Wenn das so ist wie du denkst und sich die 97% auf etwas völlig anderes als Gerichtsverhandlungen bezieht, dann hat die Angabe der 97% hier als Argument aber überhaupt keinen Sinn. Zudem würde es bedeuten, dass ausgerechnet vor Gericht sehr viel mehr Frauen lügen als diese 97%.
Außerdem wird von Verurteilungen gesprochen, nicht von Gefängnisstrafen. Bei Vergewaltigung gibt es keine schuldmildernen Umständen, die dazu führen können, dass man freigesprochen wird!

Alles in allem machen die Statistikspielchen von Frau Schwarzer einfach keinen Sinn.

Xenaris
Xenaris

Ich für meinen Teil habe ja den Verdacht, dass viele Frauen, die vergewaltigt, sprich aufs Schlimmste gedemütigt wurden, jetzt noch mehr zögern anzuzeigen, weil sie sich einer derartigen (medialen) Hetzjagd und weiteren öffentlichen Demütigung nicht aussetzen wollen, wie sie Klägerin und Angeklagter im Kachelmannprozess momentan erdulden müssen. Das ist dann aber nicht die Schuld von Herrn Kachelmann, sondern da dürfen wir uns sowohl bei BILD als auch bei den sogenannten seriöseren Medien bedanken.

Wortvogel
Wortvogel

@ Xenaris: Das ist totaler Unfug, weil
– „normale“ Vergewaltigungsvorwürfe gar nicht durch die Medien gezogen werden
– die Frau in diesem Fall immer noch anonym und unbelästigt ist – es wird ja Kachelmann demontiert
– weil Frauen erbärmlich wären, wenn so vergleichsweise banale Gründe sie davon abhalten würden, etwas Dramatisches wie eine Vergewaltigung anzuzeigen.

Ich nehme die BILD selten in Schutz, aber: Berichterstattung über Vergewaltigung im Promi-Umfeld ist erwartbar, und durchaus in Ordnung. Daraus eine Verantwortung für andere Frauen abzuleiten, die laut Aussage von Schwarzer sowieso nur im Miniprozent-Bereich zur Polizei gehen, geht nicht.

Kann man nicht auch unterstellen, dass es gerade Frauen sind, die Vergewaltigung banalisieren, wenn sie nicht zur Polizei gehen?

Teleprompter
Teleprompter

Vielleicht braucht Frau Schwarzer ja auch eine Plattform, um ihr aktuelles Buch ins Gespräch zu bringen. Auch da segelt sie bestimmt nicht zufällig im selben ideologischen Fahrwasser wie die BILD und der schwarze (?) Lord S., dessen Namen ich hier nicht aussprechen will. Generell wundert mich schon, wie austauschbar Meinungen (gerade bei bestimmten Linksintellektuellen) sind, einmal vor Liberalität kaum laufen können, und wenn es dann um den Kernbereich des eigenen Anliegens geht (vergewaltigte oder vom Islam „versklavte“ Frauen) werden Schäuble und Co. locker weit rechts überholt.

Xenaris
Xenaris

@ Wortvogel

Ich entschuldige mich für die vielleicht etwas unglückliche Wortwahl. Worum es mir geht ist, dass Frauen, die eine Vergewaltigung nicht anzeigen eine Vielzahl von verschiedenen Gründen haben dürften. Jedoch spielen Scham und (falsche) Schuldgefühle da in einigen Fällen eine Rolle. Wenn nun durch diesen Prozesszirkus der Eindruck entsteht „Wenn ich anzeige, wird mein gesamtes Sexual- und Privatleben seziert und ich weiter bloßgestellt“ könnte das einige Frauen zusätzlich abschrecken, anzuzeigen. Vorrausgesetzt es gibt diesen von Frau Schwarzer behaupteten Rückgang. Das ist ein Grund, den ich mir vorstellen kann, der eben nur einer von vielen sein dürfte, eben weil gerade bei diesem Prozess sich viele Medien auf eine Seite zu stellen schienen und bevorzugt Beweise pro oder contra eine Seite sammelten und öffentlich machten.

Dass eine Frau aufgrund dessen nicht zur Polizei ginge, hätte weniger mit rationalen Gründen zu tun sondern eben mit einem Eindruck, der wie Du ja bereits sagstest, so nicht stimmt, da normale Prozesse nicht derart öffentlich ablaufen.

Banalisieren Frauen die nicht zur Polizei gehen, eine Vergewaltigung? Zum Teil eventuell schon. Auch für sich selbst, um damit besser klarzukommen . „Die lügen sowieso für ihn, ich muss halt drüber wegkommen.“ ist ein Argument, das ich auch schon einmal gehört habe.

Eine Berichterstattung über einen solchen Prozess im Promiumfeld ist natürlich zu erwarten. Ich finde nur die Art und Weise wie das geschieht widerlich. Die Medien haben die Verantwortung, möglichst objektiv zu berichten. Dass sie das nicht tun, weiß ich auch. Aber diese Ausmaße in dem sie das nicht tun, erscheint mir zumindest erschreckend neu. Das sind Baustellen, die ich deutlicher hätte auseinander halten sollen.

Marcus
Marcus

@Wortvogel, #17:
„- weil Frauen erbärmlich wären, wenn so vergleichsweise banale Gründe sie davon abhalten würden, etwas Dramatisches wie eine Vergewaltigung anzuzeigen.“

Whoa!

Magst Du darüber vielleicht nochmal nachdenken?
Lies Er mal das hier:

http://en.wikipedia.org/wiki/Rape_trauma_syndrome

Harte Fakten, mein Lieber. So hart wie sie in einem Bereich wie der Psychologie eben sein können.

Du und ich haben keine Vorstellung davon, was eine solche Erfahrung in einem Opfer auslöst. Deshalb ist deine Aussage, jemanden „erbärmlich“ zu nennen, nur weil er nicht so reagiert, wie Du es für richtig hältst,… nun ja, sagen wir, „menschlich fragwürdig“.

„Stell dich nicht so an“ ist als Argument in Ordnung, wenn einer keinen Nagel in die Wand schlagen will, weil er Angst hat, sich mit dem Hammer auf die Finger zu hauen. Aber doch nicht hier.

Ich lese hier gerne mit und habe einigen Respekt vor Dir und der Art, wie differenziert Du meistens deine Meinung artikulierst. Und ja, es ist dein Blog, Du darfst sagen, was Du für richtig hältst.
Aber es tut mir Leid, ich kanns nicht netter sagen: in diesem Satz redest Du einfach ungefilterten Schwachsinn, den ich für unter deiner Würde gehalten hätte.

Wortvogel
Wortvogel

@ Marcus: Immer mal langsam mit den jungen Pferden. Meine Aussage bezog sich explizit darauf, dass ich nicht glaube, dass vergewaltigte Frauen nicht zur Polizei gehen, weil sie die mediale Aufarbeitung des Kachelmann-Prozesses missbilligen. Das sind die „banalen“ Gründe, von denen ich sprach. Und dazu stehe ich.

Auch Mord traumatisiert. Ein schwerer Unfall. Überfall. Einbruch. Ausbruch. Beinbruch. So sehr ich die Besonderheit der Schwere im Fall einer Vergewaltigung akzeptiere, so sehr verwehre ich mich aber auch gegen eine dadurch pauschalisierende Solidarisierung mit der Frau, die den Vorwurf macht (also nicht einer Frau, die unbestreitbar vergewaltigt wurde). Der Vorwurf einer Vergewaltigung darf die rechtsstaatilichen Spielregeln nicht außer Kraft setzen.

Peroy
Peroy

„“Stell dich nicht so an” ist als Argument in Ordnung, wenn einer keinen Nagel in die Wand schlagen will, weil er Angst hat, sich mit dem Hammer auf die Finger zu hauen. Aber doch nicht hier.“

Hast du dir schon mal einen Finger mit ’nem Hammer plattgehauen ?!? Das zeckt höllisch. Wie kann man nur so unsensibel sein… fragwürdig, kein Einfühlungsvermögen… als Mensch versagtblablubb…

Marcus
Marcus

@Wortvogel:

„dass ich nicht glaube, dass vergewaltigte Frauen nicht zur Polizei gehen, weil sie die mediale Aufarbeitung des Kachelmann-Prozesses missbilligen.“

DAS glaube ich allerdings auch nicht.

„Das sind die “banalen” Gründe, von denen ich sprach.“

Naja, kam zumindest bei mir aber anders an. Als wolltest du sagen, aus Angst davor, über intime Details aussagen zu müssen, nicht zur Polizei zu gehen, sei „erbärmlich“. Und das konnte ich so nicht stehen lassen. Gut, dass du es so offenbar doch nicht gemeint hast. Mal abgesehen davon, dass es uns Nicht-Betroffenen m.E. nicht zusteht, zu bewerten, wie ein traumatisierter Mensch mit seinem Trauma umgeht.

„Der Vorwurf einer Vergewaltigung darf die rechtsstaatilichen Spielregeln nicht außer Kraft setzen.“

Sehe ich genauso.

Wortvogel
Wortvogel

@ Marcus: Na also 😉

Wie ich immer sage: Wenn eine Person, die man normalerweise für rational hält, etwas total Irrationales sagt, sollte man erstmal unterstellen, dass es sich vielleicht nur um ein Verständnisproblem handelt.

Ich käme nie und nimmer auf die Idee, eine Vergewaltigung oder das einhergehende Leid des Opfers auf die leichte Schulter zu nehmen. Und weil Vergewaltigung immer noch primär ein männliches Verbrechen ist, schäme ich mich da für mein Geschlecht. Es GIBT keine Entschuldigung, keine plausible Erklärung.

Paddy-o
Paddy-o

@WF #21:

Ich kann nicht sagen, ob es vermeintlichen Opfern hilft, solche Prozesse (egal obs um C-Promis oder den Nachbarn geht) mit möglichst viel Aufmerksamkeit zu bedenken – oder die ganze Sache unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu regeln.
Weiß nicht, ob Frau Schwarzer das ernsthaft kann.
Oder die Kommentatoren hier.

Ich bezweifle ebenso, dass die „Missbilligung der medialen Aufarbeitung“ dieses Prozesses je eine Frau davon abhalten sollte, sich nach so einem Verbrechen zu Wort zu melden.

Das Problem wird vielmehr die hier schon erwähnte, grundsätzliche, (vermeintlich irrationale?) Angst davor sein, das eigene Privat- und Sexleben in der Öffentlichkeit ausgebreitet zu bekommen – von der erneuten Demütigung und Traumatisierung ganz zu schweigen.

Daher denke ich aber auch, es ist unangebracht, in diesem Kontext über ‚banale Gründe‘ zu sprechen – egal um was es nun geht.
Diese Formulierung ist einfach unglücklich – selbst wenn es für den rational denkenden Aussenstehenden so bezeichnet werden könnte. Schließlich wird der aktuelle Prozess nur aufgrund Kachelmanns Bekanntheit so intensiv beäugt.

@Schwarzer:

Ich finde es fast schon erheiternd, wie sie das BILD-eigene Rechtsstaat-Bashing aufgenommen hat.
Die echt fatale Schelte für das „Im Zweifel für den Angeklagten“-Prinzip entspricht genau den von BILD schon so oft genutzten
„Es ist unglaublich das Gewaltverbrecher XY (aka ‚Schwein’/’Dreckskerl’/etc) einen ordentlichen Prozess bekommen hat und (im schlimmsten Fall) auch noch freigesprochen wurde!“ – Polemik.

INeedMoney
INeedMoney

„P.S.: Ich bin mit der BILD noch nicht fertig. Aber dazu komme ich erst am Wochenende.“

Für den Text hat sich das warten gelohnt! Danke

Dr. Nicolàs Cagé
Dr. Nicolàs Cagé

ich geh jetzt die Bild kaufen, da sie erfolgreich provoziert.

Achim
Achim

Frau Schwarzer müsste gezwungen, ja gezwungen werden, diesen offenen Brief an sie zu lesen.

Who knows?
Who knows?

Großartiger Beitrag!!!!

Mir war die Schwarzer zwar nie sehr sympathisch, aber ich hatte mal großen Respekt für sie – das ist allerdings schon eine ganze Weile her…

tb
tb

@Dietmar (#12)

> …ich werde nie eine Frau vergewaltigen…

Gut möglich, unterschreiben würde ich sowas (für mich) aber nicht (bzw. für alles, was man niemals tun würde).
Das mag auf Deine jetzige Situation auch zutreffen, die kann sich aber auch (extrem) ändern.

Muriel
Muriel

@tb: Ähm… Und du meinst nicht, dass man auch übervorsichtig sein kann?

tb
tb

@Muriel

Doch, kann man sicher sein.
Ich kann mir jetzt aber nur denken was Du damit sagen willst, wahrscheinlich dass man nicht niemanden trauen sollte.
Darum gehts mir aber gar nicht, nur Aussagen ala „würde ich nie tun“ treffen evtl. überwiegend auch zu, entstehen auch aus voller Überzeugung, aber das kann man nicht wirklich wissen. Es ist einfach eine Aussage, die man nicht belegen kann.

Jan
Jan

Vielen Dank für diesen Beitrag!

Seit die unselige Allianz zwischen Schwarzer und BILD bekannt wurde habe ich mir ein Loch in den Bauch geärgert über so viel Ignoranz und die weitgehend ausbleibende Reaktion dazu. Stattdessen steht im Schwarzer Blog diese dämliche „12 Millionen Leser“ – Begründung.

Ich würde mir ja so wünschen, sie würde das lesen…

Howie Munson
Howie Munson

@Nils: mit der Formulierung „rechtskräftig gebüßt“ meinte ich nicht das die alle wirklich schuldig sein müssen….

und ich glaube nicht, dass es eine gerichtstudie gibt die aussagt ds in 97% der angezeigten Fälle die Frau nicht lügt, eben weil das völlig abwegig ist das man die Richtigkeit der Aussage in sovielen Fällen beweisen kann ohne auch den Täter zu überführen… (da sind wir uns doch einig)

und weil ich zum einen der Schwarzer nicht zutrau völlig plump zu lügen zum anderen aber eben auch nicht glaube, dass die Richter 5/7 aller Vergewaltiger grundlos freisprechen muss da ja irgendein Haken dran sein…

bleibt also nur das die Frau in den Fällen zwar nicht lügt, es aber keine (halt ehelich vor 14 Jahren) oder eine andere Straftat war (Nötigung oder gar Mord) oder die Statistik sich auf was anderes bezieht als verkürzt dargestellt wird…

und das Statistiken falsch interpretiert werden und die falsche Auslegung jahrelang verbreitet wird ist ja nicht ungewöhnlich… http://www.stefan-niggemeier.de/blog/chronisch-krank/

wie dem auch sei, ich hab jetzt eine Bayrische Statistik gefunden, die aber zu völlig anderen Ergebnissen als Frau schwarzer kommt….

http://www.polizei.bayern.de/content/4/3/7/vergewaltigung_und_sexuelle_n_tigung_in_bayern_bpfi.pdf
********* Seite 281 *******
Bei den Verfahrenserledigungen dominieren die Einstellungen der Verfahren durch die Staatsanwaltschaft gem. § 170 II StPO, wegen des
Fehlens eines genügenden Anlasses zur Erhebung der öffentlichen Klage. Nur in jedem vierten Fall der wegen Vergewaltigung an die Staatsanwaltschaft abgegebenen Verfahren und sogar nur in jedem fünften der
sexuellen Nötigungen kommt es zu einer rechtskräftigen Verurteilung gem. § 177 StGB. ********* Seite 281 *******
********* Seite 282 *******
Berücksichtigt man für eine weitere näherungsweise Berechnung nur die tatsächlich als Vortäuschung oder falsche Verdächtigung angezeigten
140 Fälle – 7,4% aller im Jahr 2000 insgesamt registrierten 1.894 Vorgänge, die sich (zunächst) als Vergewaltigungen und sexuelle Nötigungen dargestellt haben – und die gem. § 170 II StPO eingestellten Verfahren, die von den Sachbearbeitern als „mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Vortäuschung oder falsche Verdächtigung“ bewertet wurden, dann ist aus Sicht der Ermittler immer noch etwa jeder fünfte Fall sehr zweifel-
haft. ********* Seite 282 *******

Howie Munson
Howie Munson

Die Statistik ist aber sehr unübersichtlich, ich trau es mir jedenfalls nicht zu, dass analog zur strittigen Aussage zusammenzufassen, eindeutig für mich nur das es eben nicht mit sicherheit zu 97% feststeht das die Frau nicht lügt….

Die 7,4% Gegenanzeigen lassen mich vermuten das Frau Schwarzer sich möglicherweise auf gerundete 3% rechtkräftig wegen Falschanzeige verurteilte Frauen bezieht… (laut dem PDF seite 259 wird ungefähr die Hälfte der Verfahren eingestellt und wir kennen ja nach wie vor nicht die Quelle von Frau Schwarzer…)

auf seite 260 sind dann auch auszugsweise Gründe für die einstellung nach 170 II StPO (25% der ausgewerteten Verfahren, weitere 23,8% werden nach andere Vorschrift eingestellt) genannt, unter anderen:
*erste Aussage unter Alkohol
*trotz nachgewiesener Falschaussage kann die Tat selbst nicht ausgeschlossen werden
*Beschuldigte wollte keine Anzeige erstatten sondern ihr Mann
*Tat durch Drogen halluziniert

Dietmar
Dietmar

@tb (30): Ich weiß nicht, was Deine blödsinnige Provokation soll.

Lindwurm
Lindwurm

Die Schwarzer….die ist so ein Spezialfall. Zu ca 70 Prozent kommt von ihr Bullshit und zu 30 Prozent absolut Lesenswertes. Was die Dame im konkreten Fall verzapft hat, ist allerdings nicht weniger als skandalös. „Im Zweifel gegen den Angeklagten, weil das irgendwie vielleicht Frauen empowert“, das ist gemeingefährlich schwachsinnig.

Brommel
Brommel

Ich glaube nicht, dass Sie in der gleichen Liga schreiben wie Frau Schwarzer. Ihre direkte Ansprache „Liebe Frau Schwarzer“ ist einfach nur dumme Angeberei. Frau Schwarzer nimmt Sie nicht einmal zur Kenntnis.
Warum sollte Sie auch? Wer für „Landidee“ und „TV Sünde“ schreibt, ist nicht satisfaktionsfähig.

Muriel
Muriel

@Brommel: Sie müssen eine lustige Idee von Realität haben, wenn Sie die Wahrheit dessen, was jemand sagt,daran bemessen, für wen er schreibt.

Realsatiriker
Realsatiriker

Alice Schwarzer heute gegenüber „Focus“:

„Ich bin in der Berichterstattung eine der wenigen Objektiven.“

Dann auf die Frage, warum sie in den Fall eingestiegen sei:

„Wegen der voreingenommenen Berichterstattung gegen das mutmaßliche Opfer und pro Kachelmann.“

Bemerkenswert. Und beängstigend.

Realsatiriker
Realsatiriker

P.S. Der feministische Tunnelblick scheint wenigstens in diesem Fall dazu zu führen, dass gnadenlose Subjektivität für Objektivität gehalten wird.

Derweil auf dem Laptop des vermeintlichen Opfers seitens der ermittelnden Organe Bilder gefunden werden, die auf Testläufe für Bluterguss-Erzeugung auf dem Oberschenkel schließen lassen – zu einem Zeitpunkt, da jene Frau nachweislich just die Namen anderer Kachelmann-Freundinnen online recherchiert hatte.

Ich bin sehr auf den Nachklapp des ganzen Verfahrens gespannt, insbesondere auf mögliche rechtliche Konsequenzen für Staatsanwalt Oltrogge und reputationelle für Fr. Schwarzer.

Andi
Andi

Alice Schwarzer erinnert mich immer wieder an Jekyll und Hyde: Zwei völlig gegensätzliche Persönlichkeiten in einer Person.

Ihr jahrzehntelanger Kampf für die Emanzipation:
Respekt.

Ihre Werbung für die BLÖD:
Unterirdisch.

Ihr aktuelles Buch gegen Verschleierung und Islamisierung:
Bitter nötig.

Ihre Berichte über die Kachelmann-Geschichte:
Schmerzhaft.

Mal sehen, wer sich als nächstes blicken lässt:
Emma Jekyll oder Alice Hyde.

Nikolai
Nikolai

Alleine das Plakat geht mir auf den Senkel.
Es lebe der generische Maskulin!

Niels
Niels

@Howie Munson
„das Frau Schwarzer sich möglicherweise auf gerundete 3% rechtkräftig wegen Falschanzeige verurteilte Frauen bezieht…“
Man kann doch nicht in genau der Rechnung, in der man zeigen will, dass nur 1% der tatsächlichen Vergewaltiger auch verurteilt werden, behaupten, dass alle nicht wegen Falschanzeige verurteilten Frauen zwangsläufig die Wahrheit sagen müssen.

Nach genau dieser Logik wären doch auch alle nicht wegen Vergewaltigung verurteilten Männer unschuldig und der Versuch einer solchen Rechnung wäre schon Schwachsinn.

Da ich eigentlich nicht der Meinung bin, dass Alice Schwarzer derart bescheuert ist, haben wir ein bewusstes Falschverstehen zugunsten des eigenen Arguments.
Das würde ich Lüge nennen.

MountainKing
MountainKing

Auch in der eingangs erwähnten Diskussionsrunde war Schwarzer keineswegs eine Stimme der Vernunft gegenüber Gisela Friedrichsen, der sie durchgehend abstruse Vorwürfe machte und dabei Zitate völlig aus dem Kontext riess. Wo letztere „widerwärtiges Gegeifer“ losgelassen soll ist mir völlig unerklärlich. Siehe auch hier:

http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~E58F6AF0E6CBC40D580767DEED0274FCF~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Man hat einfach das Gefühl, dass eine bestimmte ideologische Grundhaltung auch ohne Belege oder notfalls gegen alle Fakten durchgepeitscht werden muss. Das war schon bei der Neuauflage der PorNO-Kampagne so oder beim unsäglichen Kommentar zum Winnenden-School-Shooting. Weil dort vor allem weibliche Schülerinnen und Lehrerinnen unter den Opfern waren, konstruierte Schwarzer dann Frauenhass als Motiv und erregte sich darüber, dass das niemand thematisieren würde. Auch zu diesem Zeitpunkt wusste man allerdings, dass der Täter „nebenbei“ auch noch mehrere Männer erschossen hatte und man zumindest erstmal den Tathergang und die Umstände (Sitzverteilung, Anteil der weiblichen Lehrer in der Schule) hätte rekonstruieren müssen, bevor man eine solche Diagnose stellt. Aber so lange kann man offenbar nicht warten, wenn man aus einer Tragödie politisches Kapital schlagen will.

Marcus
Marcus

@MountainKing:

Schwarzer bezog sich u.a. auf folgenden Friedrichsen-Artikel:

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,709097,00.html

Wenn man da mal beim Lesen die Tendenz der Marke „der arme unschuldige Kachelmann“ auf sich wirken lässt, den die Friedrichsen da ganz subtil einstreut, dann kann man diese letzten Worte:

„Für das zu erwartende Strafverfahren lässt das nichts Gutes erwarten, könnte man meinen. Doch in Prozessen, das lehrt die Erfahrung, ist alles möglich. Manchmal sogar ein überfälliges Wunder.“

meines Erachtens nicht anders verstehen als Schwarzer dies getan hat.

Frau Friedrichsen tut hier das, was sie immer tut: sie sucht sich, ganz wie jedes tratschende Waschweib, die Version des Tathergangs aus, die ihr die richtige erscheint, und dann lullt sie uns mit ihrer „Einfühlungsprosa“ (schönes Wort, das die FAZ da findet) ein, in der Hoffnung, dass möglichst viele ihrer Leser danach ihre Meinung teilen. Ich habe schon so einiges von Friedrichsen gelesen und teile Schwarzers Meinung, dass Friedrichsen immer wieder aufs Unsachlichste mit mutmaßlichen Tätern sympathisiert.

Da hat Alice Schwarzer in dieser Diskussionsrunde gut dagegen gehalten. Aber damals war ja auch noch keine Rede davon, dass sie für die Bild über den Prozess berichten will. Dass ihre Äußerungen seitdem unter aller Kanone sind, darin sind wir uns wohl alle einig.

Schwarzers Kommentar zum Thema Winnenden muss an mir vorbeigegangen sein. Aber wenn sie das gesagt hat, was du beschreibst, ist das natürlich Quark. Und zum Thema „Porno“ hat sie eben ihre Meinung. Etwas radikal, aber konsequent – und wenn man ehrlich ist, nicht völlig aus der Luft gegriffen.

MountainKing
MountainKing

Also ich hatte den Artikel schon vor der Diskussion gelesen und ihn so verstanden, wie er offenbar auch gemeint war: angesichts der vorliegenden Beweislage war Kachelmann ungewöhnlich lange in U-Haft, was dann endlich korrigiert wurde. Und wenn die Autorin das auch noch so bestätigt, ist es abstrus, wenn Schwarzer weiterhin dabei bleibt, dass sie in Wahrheit etwas anderes gemeint haben soll. Und soweit man als Außenstehender und über die Medien die Lage einschätzen kann, gibt es nun mal durchaus berechtigte Zweifel an der Schuld von Kachelmann, insofern kann ich die Einschätzung von Friedrichsen auch nachvollziehen. Dass sie einen Tathergang „aussucht“ und Leser einlullt, kann ich ebenfalls nicht so recht nachvollziehen, sie begründet ihre Sicht IMO mit tatsächlichen Fakten aus den Gutachten und Aussagen, im Gegensatz zu Schwarzer.

Diese nimmt in letzter Zeit alles, was ihre Sicht zu bestätigen scheint, egal, wie dubios die Quellen sein mögen oder mit wem sie im Zweifelsfall zusammenarbeitet. Winnenden ist auch da wieder ein schönes Beispiel:

http://www.lehrer-online.de/753696.php

Dort nimmt sie Bezug auf die „Untersuchungen“ von Prof. Henner Ertel, der inzwischen einschlägig bekannt ist:

http://www.zeit.de/zeit-wissen/2008/04/Institut-fuer-Volksverdummung

http://www.taz.de/1/leben/medien/artikel/1/viele-deutsche-lesen-quatsch/

http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,577236,00.html

MountainKing
MountainKing

Ich will nur mal noch anfügen, dass ich, wie anscheinend die meisten hier, von Schwarzer durchaus auch schon einiges gehört und gelesen habe, dem ich zustimme und auch ihre wichtige Rolle im Rahmen der Emanzipation oder die Bedeutung von EMMA nicht schmälern will. Aber diese Vorgehensweise ist so einfach nicht akzeptabel.

DJ Doena
DJ Doena

Denn wer kämpft für das Recht, der hat immer Recht.
Wer die Frauen verteidigt hat immer Recht.

Stefan H.
Stefan H.

Vielleicht hat Frau Schwarzer vergessen, wie die BILD den damaligen Moderator Andreas Türk fertig gemacht hat. Die BILD hat Herrn Türk von Anfang an zum Täter abgestempelt!
http://www.bildblog.de/die-verlorene-ehre-des-andreas-tuerck/

wpDiscuz