Best Buy (eine Elektro-Supermarktkette in den USA) hat zur Promotion dieses Video über die Dreharbeiten von „Monsters“ veröffentlicht:

Ich bin hin- und hergerissen: Natürlich ist das sensationell. 15.000 Dollar für einen Film, der eben NICHT wie ein hastig runtergekurbelter Experimentalfilm à la „Blair Witch Project“ oder „Paranormal Activity“ aussieht, sondern eher wie ein legitimes Sequel zu „Cloverfield“ und „District 9“? Hollywood-Format aus der Portokasse? Ich finde das toll. Da möchte ich gleich selber zu Prosumer-Kamera greifen.

Das Problem: Die 15.000 Dollar sind gelogen. Sie kommen nur zustande, weil niemand in diesem Film für seine unglaubliche Arbeit bezahlt wurde. Weder die Darsteller, noch der Cutter, noch der Regisseur. Die Reisekosten allein sind damit nicht zu bestreiten. Hunderte von Arbeitsstunden, Dutzende von Komparsen. Hardware, Software, Ausstattung.

So funktioniert das nicht. „The Expendables“ hat 60 Millionen gekostet, weil die Stars und die Crew tatsächlich bezahlt wurden. Weil es eben nicht geht, dass ein unternehmerisches Projekt wie ein Kinofilm von der Ausbeutung seiner Beteiligten lebt.

Hätte es mir als Drehbuchautor gefallen, für das Skript von „Monsters“ nicht die übliche Gage zu bekommen – die übrigens mehr als das Vierfache des Budgets beträgt? Sicher nicht.

Nun kann man argumentieren: „Ja-haaa, aber die kriegen ja alle ihr Geld hinterher, wenn der Streifen an der Kinokasse Kohle macht“. Mag sein, aber damit überträgt man das Risiko auf Leute, bei denen es nichts verloren hat. Der Tontechniker soll nicht mit seinem Honorar für den Erfolg bürgen müssen. Das ist Aufgabe des Produzenten.

Und wenn Gareth Edwards tatsächlich allen Beteiligten eine Gewinnausschüttung versprochen hat: Damit relativieren sich die 15.000 Dollar wieder, weil das echte Budget (inklusive der realen Kosten) bloß nach hinten verschoben wurde.

Fakt ist: „Monsters“ hat nicht 15.000 Dollar gekostet – es sind bisher bloß nur 15.000 Dollar bezahlt worden.



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Peroy
Peroy

„Paranormal Activity“ hat spätestens, als er bei Universal oder wo auch immer gelandet ist, bestimmt auch nicht mehr den propagierten Appel und ein kleines Ei gekostet… da müssen allein schon Millionen ins Marketing geflossen sein. Die Underdog-Story kauf‘ ich dem Streifen nicht ab, dafür war er zu präsent und auch zu schlecht…

heino
heino

Ich fand es schon sehr seltsam, dass im Abspann von Monsters auch nur 2 Darsteller angegeben werden, obwohl es einige wiederkehrende Rollen gibt (z.B. den Typen, der die Tickets für die Fähre nicht rausrücken will).

VideoRaider
VideoRaider

Hab ja nun auch schon längere Erfahrung hinter der Kamera (reiner Indpendent-Bereich und ein, zwei prof. Drehs) und kann den Low-Budget-Marketing-Wahn selber kaum glauben. Gebe dem Wortvogel recht, dass es zumindest eine bedenkliche Entwicklung ist, dass so lauthals auf die 15.000 Dollar gezeigt wird. Denn dies wird zwangsläufig Druck ausüben. Nicht nur auf semi-prof. Filme, sondern GERADE auf Low-Budget und Independent-Filme. Insbesondere die Streifen, die von einzelnen Leuten finanziert/produziert/gestemmt werden.

Einen abendfüllenden Spielfilm zu drehen (sagen wir 80 Min. Länge) – mit mehreren Locations und halbwegs professionellen Material ist kaum unter 10.000 Euro zu machen (hängt natürlich von tausenden Faktoren ab – ist klar – aber irgendein Mittel muss ich hier ja wählen). Alleine 10m prof. Kameraschienen kosten für drei Drehtage 300 Euro (wer einmal mir prof. Schienen gedreht hat, kann nicht mehr zurück!). Verpflegung und Anfahrtskosten, ebenso Unterbrinungskosten für Cast/Crew ist ein Minimum, das man stellen muss – selbst wenn es alles junge und motivierte Leute sind, die sich beweisen wollen. Sagen wir nur allein vier Hauptdarsteller, drei Nebendarsteller. Plus ein Setrunner, ein Aufnahmeleiter, ein Kameramann, ein Kamerassistent, ein Beleuchter, ein MakeUp-Artist. Selbst wenn man auf Regie-Assi, Beleuchter-Assi, etc. verzichtet, kommt man auf Minimum 10 – 15 Mann. Und bei kleinen Sachen wie Catering darf man (erfahrungsgemäß) niemals sparen. Wenn man Glück hat, kennt man ’nen Kameramann, der seine eigene Kiste mitbringt. Aber selbst wenn man auf einer Canon 5D filmt, kostet die 500 Kröten pro Woche – plus Steady-Cam, plus Optiken, plus Beleuchtung. Und dem ganzen Rest: Make-Up, Requisiten, Stromgeneratoren (falls benötigt), ach – alles!

Nicht falsch verstehen: ich habe Monsters noch nicht gesehen – und will es unbedingt. Liebe solche Art von Filmen und bin sicher, das der Streifen verdammt gut wird. Aber dieses ganze Marketing-Geschrei um die billigen Budgets ist Nonsense. Das gabs schon bei Tanz der Teufel (auch ein Amateur-Film) als auch El Mariachi und Bad Taste.

Hatte mal die ganze Bad Taste-Crew interviewt, und die Mär, dass der Film nur 20.000 NZ-Dollar gekostet hat, haben sie auch als Mär entlarvt. Runde 200.000 NZ-Dollar waren es letztlich – nur für das Umkopieren und Aufblasen des 16mm-Materials, etc. Wurde sogar von der NZ-Filmkomission finanziell supportet. Ähnliches gilt auch für El Mariachi. Klar, der Film an sich hat 7.000 Dollar gekostet – aber der Film an sich wäre untergegangen, wenn Columbia nicht das Potential erkannte und verhältnismässig viel investierte. Professionelle Nachbearbeitung. Umkopieren. Werbung. Etc. Irgendwer meinte mal, dass die tatsächliche Kosten von El Mariachi runde 300.000 Dollar betrugen – die nötig waren, damit der Film überhaupt bekannt werden konnte.

Peroy
Peroy

Da kommt mir übrigens just die idee für einen Beitrag, den du mal machen könntest: „Billige Filme“. Und zwar so richtig billige. Ich will dann auch mal zwei liefern, die ein wenig mehr Promotion vertragen könnten…

6000 Dollar: http://www.ofdb.de/film/90197,Soft-for-Digging

72000 Dollar: http://www.ofdb.de/film/49740,Shallow-Ground

Beide vermutlich auch über Rückstellungen finanziert…

Sven
Sven

Ich verstehe die Aufregung nicht ganz! G. Edwards hat doch selbst auf der Bühne des FFF gesagt das diese ominösen 15000 nicht der Realität entsprechen und er selbst nicht weiß warum sich das so extrem hält, da er auch in jedem Interview sagt Monsters war teurer

Thomas
Thomas

Ich konnte „Monsters“ am Samstag in Frankfurt sehen und auch da war das Budget ein Thema. Da wurde allerdings etwas von 180.000Dollar von den FFF-Leuten gesagt. Woher die 15.000 herkommen weiss ich auch nicht aber da es so bei Wikipedia steht kanns ja nicht falsch sein :).
Super Film übrigens, das einzige was mich gestört hat war der Trailer dazu. Da es ja FFF war hatte ich doch etwas mehr, naja, Spannung erwartet.

Dafür gibts heut Abend „Tucker & Dale vs. Evil“, da freue ich mich schon richtig drauf.

Sven
Sven

Lieber Torsten, mein Post sollte Dir auf keinen Fall Worte in den Mund legen und wenn mir Deine Meinung egal wäre, dann würde ich kaum Deinen Blog verfolgen.
Ich wollte nur, in Verbindung mit anderen Kommentaren, welche auf weitere Beispiele höherer Budgets eingingen, aufzeigen, das sogar der Macher, als auch das FFF-Team versuchten die Sache richtig zu stellen!
Daher finde ich es schade nun einen solchen Post zu veröffentlichen, wo doch der Wille zur Richtigstellung deutlich ist. Und das Marketing nicht immer der Wahrheit entspricht, sollte bekannt.

Lukas

Klar ist das alles ein wenig unsauber, klar hat das Risiko nichts bei der Crew zu suchen, sondern einzig bei einem Produzenten (nicht zuletzt dafür gibt es diesen Posten ja). Nur: Was, wenn kein Produzent da ist? Bzw. kein Geld? Die Alternative zu diesem unglücklichen Arrangement mit Rückstellungsverträgen und Ähnlichem ist immer, dass es dann eben keinen Film gibt, und damit ist ja auch niemandem geholfen (Mal ganz davon abgesehen, dass niemand die Beteiligten gezwungen hat, sich auf so einen Deal einzulassen). Dass „Monsters“ damit dann nicht mehr so wirklich ein No-Budget-Film ist, ist natürlich richtig, aber was ist daran so überraschend? Es soll ja in der Kinogeschichte schon ein, zwei Mal vorgekommen sein, dass ein Film mit dubiosen Aussagen beworben wurde.

Marcus
Marcus

Nicht, dass ich ein Experte wäre, was Filmfinanzierung angeht – aber auch $180,000 klingt mir ein bisschen wenig. Professionelle Kameraarbeit, richtige Schauspieler, viele Locationwechsel, Nachtdrehs, Bootszenen, Fahrzeuge, ein paar kleine, aber feine Effektsequenzen: ich hätte eher so was im 1-3 Mio.-Bereich erwartet.

Ansonsten stimme ich dem Wortvogel zu: das Risiko sollte nicht auf die Crew abgewälzt werden.

Dietmar
Dietmar

Kommt ja saucool independent-mäßig rüber, ist aber nicht ok: Leistung muss bezahlt werden. Schauspieler beispielsweise tragen durch die Berufswahl allein schon genug Risiko, da sollten sie nicht auch noch das Erfolgsrisiko einer Produktion schultern müssen.

Skrymir
Skrymir

Ich denke es geht da um die Illusion es auch selbst tun zu können wenn man nur mal ne weile sparen würde. Damit ist dann bei der Million und selbst bei 200.000$ sehr schnell schluss.

heino
heino

„Wäre es nicht beeindruckend genug, wenn “Monsters” für drei Millionen entstanden wäre? Fünf? Zehn?“ Ich denke, nachdem Blair Witch Project und auch Paranormal Activity mit angeblichen Kosten unter 100000 Dollar rumprollten, versprach man sich eben mehr Erfolg davon, das noch zu unterbieten. Bei den beiden Filmen wurde ja auch verschwiegen, dass da durchaus noch mehr dranhing als nur der Kaufpreis für die Kamera

heino
heino

Da stimme ich dir absolut zu, der Film ist wirklich toll bebildert. Und die genannten Filme habe ich ja auch nur der angeblichen Kosten wegen als Vergleich herangezogen, denn PA hab ich nicht gesehen und BWP ist für mich immer noch der mieseste Pseudo-Horrorstreifen der letzten 20 Jahre. Die Parallelen bestehen halt in der Behauptung, dass alle 3 Filme für ein Butterbrot entstanden seien.

VideoRaider
VideoRaider

Das Hauptproblem ist doch der Druck der auf junge Indie- und Nachwuchsfilmer ausgeübt wird. Und mittlerweile nimmt es immer absurdere Züge an. Natürlich ist es schön zu sehen, mit wie „wenig“ Mitteln man heutzutage unglaubliche Bilder einfangen und Filme drehen kann. Die Erwartungshaltung des Zuschauers wird hierbei aber immer größer. Pervers groß. Wenn nun jemand durch die Lande zieht und behauptet, dass sein Film nur 15.000 Dollar gekostet hat – obwohl die tatsachlichen Kosten Minimum 10-fach höher sind – so halte ich das letztlich für extrem gefährlich. Jeder Indie- und Amateurfilmer muss sich nämlich letztlich daran messen (-> Erwartungshaltung des Zuschauers). Und das geht nicht. Mittlerweile drängen immer mehr Profis in Bereiche ein, die eigentlich dem Nachwuchs gehören sollten. Eben damit man besser trennen kann und kein 23-jähriger Filmemacher, der alles alleine gestemmt hat, sich in die Konkurrenz von 32-jährigen Profi-Filmemachern begeben muss, die ihren Film aber auch werbewirksam als Low-Budget-Independent-Film verkaufen, damit eben das Aufsehen und Staunen größer ist.

Die Ironie: mittlerweile geht der Schuß nach hinten los. Ich kenne prof. Kameramänner, die ihre Arbeit mittlerweile für 150 Euro am Tag anbieten (müssen) – inkl. Equipment. Wer sagt, das wäre viel Geld -> das ist brutto, ein Drehtag dauert i.d.R. 12 – 14 h (rechnet die 150 Euro runter), die Freizeiten zwischen den einzelnen Projekten (um sich einzuarbeiten) werden nicht bezahlt (oftmals 2 – 3 Wochen – wenn nicht sogar länger).

Mathias
Mathias

Na ja, die ganzen nachgelagerten Kosten (Promo, Gewinnbeteiligung etc) zählen nun mal nicht zu den unmittelbaren kosten. Ich kann mir schon vorstellen, dass dieden Film mit niedrigem 5-Stelligem Budget gedreht haben. Prosumer-Cam, 2 Mikros, Schauspieler, Kamera, Sound arbeiten für umme, Statisten für umme, Keine sets sondern alles on Location in einem 2-3 Welt Land. Das das im nachhinein alles teurer wird ist klar, aber was die acher eben damit sagen wollen ist, dass man mit sehr, sehr begrenztem Budget (und unter den richtigen Voraussetzungen) einen Film drehen kann und dann im Nachhinein immer noch einen Distributor etc. finden kann, anstatt die Leute nur mit einem Script überzeugen zu müssen, 1-10Mio zu investieren. Dieses werben mit Winzbudgets ist mir sehr häufig untergekommen, aktuell suchen ja z.B. die „Iron Sky“-Macher kostenlose Komparsen. Andere Beispiele wurden ja oben schon genannt.

@VideoRaider: Gibt es in DE überhaupt eine Indie-Filmszene? Effektiv läuft doch alles über die Filmförderung, oder? Das in DE keine Action-Blockbuster gedreht werden ist klar, aber eine RomCom oder so Zeug wie „The Disappearance of Alice Creed“ brauchen ja jetzt wirklich keine große Location/SFX/Cast. Wovon ich weis ist so eine ARD-Reihe, in der Abschlussfilme von Filmstudenten gezeigt werden. In den zugehörigen Interviews kommt auch fast immer zur Sprache, dass der Cast aus Mitstudenten und ein paar Professionellen besteht, die aber wegen Studentenbonus für lau oder stark verbilligt arbeiten. Von daher ist das wohl nicht so ungewöhnlich, dass Mitarbeiter in Sonderfällen kaum/nicht bezahlt werden.
Aber was du sagst (32j pro vs. 23j Student) kommt mir logisch vor, aber ich finde das nicht „unfair“ den Studenten gegenüber. Wenn jemand mit wenig Budget arbeiten kann und will, soll er doch. Michael Bay wird auch weiterhin seine 200Mio$ pro Film verbrennen, auch wenn R. Rodriguez laut eigener Aussage 10Mio wie 100Mio aussehen lassen kann.

Wurstkäse
Wurstkäse

Ach, das Budget zählt nicht, wenn Leute umsonst arbeiten? Was ist das denn für eine Logik? Vielleicht gab es auch viele, die garkein Geld haben wollten, die gesagt haben „Nein das passt, ich finds cool und bin stolz darauf, einen Teil in einem solchen Projekt beitragen zu können“.

Robert Rodriguez hat sein „El Mariachi“ für 5000$ gedreht. Und da gabs noch kein HD-Digital-Krams. Das meiste vom Geld ist nur für die Filmrollen draufgegangen. Alle Darsteller haben umsonst mitgemacht, entweder waren es Freunde oder Bewohner der Kleinstadt. Ton- und Bildschnitt hat Rodriguez mit den Mitteln gemacht, die im von vorherein zur Verfügung standen. Soll man einen Schnittplatz, den man sowieso schon hat, mit in das Budget einrechnen, weil es ehrlicher aussieht? Ich finde nicht, das ist überflüssig.

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[…] amerikanische Elektromedienkette Best Buy hat einen Film mit 15.000€ produziert. Torsten Dewi kritisiert diese Zahl: Dieser Film habe nicht 15.000€ gekostet, es sei soviel nur bislang an die […]