10
Jul 2010

München – Plakatopolis (Bonus)

Themen: Neues |

Wenn man einmal anfängt, hört das einfach nicht mehr auf…

Ich kann verstehen, dass Prominenz auffährt, um für das Deutsche Theatermuseum zu trommeln. Aber muss Sunnyi Melles Testimonial gleich gar so strunzdumm, sinnentleert, herablassend, unpassend, hilflos, und albern sein?

melles

Der Spruch ist ungefähr so angebracht wie "Ich gehe ins Deutsche Theatermuseum, weil es genau so wichtig ist wie orthopädische Stützstrümpfe."

Äpfel, meet Birnen…

Und dann ist da noch dieses sympathische Plakat einer Firma, die wohl im Fremdauftrag Immobilien verhökert. Darf man Text und Bild glauben schenken, ist der Selbstverkauf einer Immobilie ungefähr gleichzusetzen mit einem Raubüberfall albanischer Sonderschüler, die es auf deine magere Rente abgesehen haben:

immo

Ich würde auch gern was zur kreativen Kommasetzung sagen, aber da muss gerade, ich tunlichst die Klappe halten…

Least, aber sicher nicht last: Seit Monaten fasziniert mich diese Großwerbefläche am Luise-Kiesselbach-Platz:

silvana

Wir hatten das ja schon bei "Evita", aber können wir mal kurz über die Körperhaltung reden?

schmittsolo

Hat sie Schmerzen in der Schulter? Warum greift sie sich an den Schritt? Schüchtern?

Wer nun glaubt, hier lediglich eine Miet-Musikantin vor sich zu haben – weit gefehlt. Im Haus, das von ihrem Plakat verziert ist, findet sich auch La Voces Ladenlokal:

Laden

"Kinesiologie" und "Persönlichkeitscoaching" – Volltreffer!

Da lohnt es sich, genauer hinzuschauen:

urkraft

Googelt man die Event-Sopranistin mit der unverständlichen Körperhaltung, findet man gleich mehrere Seiten von ihr und aus ihrem Umfeld: Sie ist nicht nur "La voce Silvana" und staatlich geprüfte Opernsängerin, sondern auch Kinesiologin, Gesangstherapeutin, Dozentin, und betreibt obendrein die abgebildete Praxis für "Atem- und Integrationsarbeit".

Das esoterische Geschwurbel auf diesen Webseiten ist erbaulich. Hier nur mal ein fast willkürliches Beispiel zum Thema Partneratemsitzungen:

"Partneratemsitzungen bieten sich für alle Menschen an, die die beiden Pole männlich und weiblich in sich spüren und harmonisieren möchten und sind sehr gut auch für Paare geeignet, die entweder energetisch tiefer in Kontakt miteinander kommen möchten oder bestehende Konflikte lösen möchten.

Die Partneratemsitzung findet im Sitzen statt. Das Paar sitzt sich gegenüber und berührt sich an den Händen. Eine Person atmet aktiv verbunden, die andere nimmt nur passiv auf. Der aktive, männlich gebende Part berührt die offenen aufnehmenden Hände des weiblich empfangenden Parts. Nach einer halben Stunde wird gewechselt. Die Person, die verbunden atmete, nimmt nun Energie passiv auf, die andere Person atmet aktiv verbunden."

Mein persönlicher Favorit ist jedoch ein Kommentar von "Petra" im Gästebuch der Webseite, dem ich nur uneingeschränkt zustimmen kann: "ATMEN: lebensnotwendig!!"

Um zum Wochenende ein wenig versöhnlicher zu enden – hier ein cooler Bus, den ich auf meiner Foto-Safari gesehen habe:

oldie1

Und kurz darauf stand ich am Mittleren Ring hinter dem hier:

oldie2

Und jetzt geht raus – ist schön draußen!



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Peroy
Peroy
10. Juli, 2010 18:24

Wer ist Sunnyi Melles ?

Norman
Norman
10. Juli, 2010 18:25

Der Bus steht Abends meist am Hans Mielich Platz beim Maibaumstangerl in Untergiesing.

Burner
Burner
10. Juli, 2010 18:53

Nicht, dass ich es nicht schätzen würde… aber wofür Du so Zeit hast bei dem Wetter… 😉 Glückwunsch, da hast Du Dir ja ein schönes Betätigungsfeld aufgerissen. Garantiert unerschöpflich…

heino
heino
10. Juli, 2010 19:07

"Atem:lebensnotwendig"………..bwaahahaha, das ist einfach nur gut:-))

ja, ist schön draussen. Aber leider viel zu drückend im alten Smogloch Köln……..

Wortvogel
Wortvogel
10. Juli, 2010 19:37

@ Burner: Ich musste zum Ikea, und da habe ich die Zeit genutzt, Bilder für mehrere Blogbeiträge zu machen. Ich wusste ja, was ich haben will. Das passt schon. Und es macht Spass.

Burner
Burner
10. Juli, 2010 19:56

Sorry, no offence meant! Mein Kommentar war nicht so ernst gemeint. So bin ich heute eben drauf, muss an der Hitze hier in den Bergen liegen… 😉
Aber im Ernst: Ich sehe diese Beiträge als eine bereichernde Facette Deines Blogs, und freue mich auf mehr. Zumal Dir die Beschaffung neuen Materials wahrlich nicht schwer fallen dürfte…

Achim
Achim
10. Juli, 2010 20:05

Sunnyi Melles, die spielte doch in dem grandiosen Film "Longe Hello And Short Goobye" mit, der, soweit ich weiß, noch nicht im Fernsehen lief, jedenfalls bei keinem Sender, bei dem ich es mitbekomme.
Und dann so ein blöder, sinnentleerter Spruch!

Und kreative Kommasetzung, ich setze Kommas (dieser Plural ist seit einigen Jahren erlaubt) auch immer auf gut Glück.
Wenn man eine Immo verkauft, muss man halt wissen, was sie wert ist, wie viel man verlangen kann, ein Laie macht da schnell Fehler, selbst mit Gutachten. Aber Angst und Schrecken? Nein.

La Voce, einfach köstlich, scheint keinen Erfolg auf der Bühne zu haben, sonst müsste sie diesen Blödsinn nicht machen.

PabloD
PabloD
10. Juli, 2010 20:15

Angenommen, ich spüre tatsächlich beide Pole (männlich und weiblich) in mir: wer sitzt mir denn da bei der Atemübung gegenüber? Und mit wem soll ich nach einer halben Stunde wechseln?

Marcus
Marcus
11. Juli, 2010 01:08

@Peroy: sollen wir dir wieder was über die Perspektive der Abbildung ihrer Arme erzählen? 😎

@PabloD: exakt das hab ich micht auch gefragt.

Kinesiologin – ist das sowas ähnliches wie Keynesianer? Eine Wikipedia-Recherche später: jepp – in beiden Fällen ist der Nachweis der praktischen Wirksamkeit bisher nicht gelungen. (Der war für die BWLer unter euch.)

Dietmar
Dietmar
11. Juli, 2010 08:59

Diese Sängerin: ,,La Voce"! Wie ich solche Selbstdarstellung hasse! Sie hat doch wohl eine klassische Ausbildung abgeschlossen. Dann ist es doch gut. Aber sich selber ,,die Stimme" zu nennen, ist, ja, bah. Widerwärtig. Und dann diese kinesiologischen Hampel-Bubis- und -Trullas! Das kommt gleich und unmittelbar an dritter Stelle hinter Verschwörungstheoretikern und Wunderheilungsgläubigen (Homöopathie!).

,,Wir legen uns auf den Boden, lassen den Atem kommen und gehen, und spüren unsere Füße …" *Urschrei*

Kein Zweifel, dass zu Auftritten fokussierung gehört und dass man das auch trainieren kann. Aber dann kommen natürlich wieder diese selbsternannten, maximal durch ,,Schulen" irgendwelcher ,,Meister" gegangenen ,,Mentaltrainer", die anstatt sich in ihrem Beruf (!) auszutoben, an der mangelnden Auftrittskompetenz ihrer ,,Schüler" blutegelartig festsaugen. Ich hasse das.

Und was zeigt uns das? Es zeigt, dass sagenhaft viel ausgebildete Musiker, oft genu auf hohem Niveau, herumstrolchen, weil man in dem Beruf in der Tat zu wenig verdienen kann, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Da kommt man dann auf solche Ideen und zockt Hausfrauen ab, die, statt zu üben (!) sich auf Matten legen und ganzheitlich den Raum spüren, damit sie für ihre ,,Konzerte" mental vorbereitet sind und es nicht für möglich halten, dass ihre übergroße Nervosität auch ein Zeichen sein kann, dass das Talent für die Bühne einfach nicht da ist. Nicht jede ist eine Susan Boyle, neinein.

Boah. Eine kinesil… kinäsiolo … käselog … ,,ganzheitliche" Diva zum Würgen.

Dietmar
Dietmar
11. Juli, 2010 09:23

,,Eine Person atmet aktiv verbunden, die andere nimmt nur passiv auf. Der aktive, männlich gebende Part berührt die offenen aufnehmenden Hände des weiblich empfangenden Parts. Nach einer halben Stunde wird gewechselt. Die Person, die verbunden atmete, nimmt nun Energie passiv auf, die andere Person atmet aktiv verbunden.”

Man stelle sich das von Evelyn Hamann im Loriot-Modus gelesen vor 😀

Loriots technische Beschreibungen würden auch sehr gut passen:

,,Die Federstahl-Muffen sind einzeln aufgehängt und kreuzweise verspannt." – ,,Herr Heckmullenreiter …" – ,,Hallmackenreuther!"."

Chris
Chris
11. Juli, 2010 09:25

@Dietmar: "Ach was?!"

Dietmar
Dietmar
11. Juli, 2010 09:29
trackback
11. Juli, 2010 15:07

Comicfreak
Comicfreak
11. Juli, 2010 20:58

@ Dietmar

..jaaaa, in dem Sketch mit der kusstherapeutin, wo es zuerst um das graugruengrau mit hellgraubeigem Einschlag ging..

🙂

trackback
11. Juli, 2010 21:17

[…] München – Plakatopolis (Bonus) @ Wortvogel – 100 % Torsten Dewi […]

Peter Krause
14. Juli, 2010 03:47

Ihr werdet lachen: mit Atemtechniken kann man ne Menge nette Effekte erzielen, inklusive Drogenersatz. 😉

Dietmar
Dietmar
14. Juli, 2010 06:44

@Peter Krause: Du hast recht. (Gut, Hallus kriegt man wohl nur, wenn man irgendwie Sauerstoffmangel erzeugt.) Gerade Sänger müssen eine gute Atemtechnik haben und sich damit auskennen. Auf mich wirkt das Ganze aber über- und abgedreht und erinnert mich fast schmerzhaft an Erfahrungen mit solchen Leuten.

Und das Plakat und Frau Schmitts Präsentation insgesamt ist einfach zu gekünstelt und überzogen.

Peter Krause
14. Juli, 2010 19:35

@Dietmar:
"… irgendwie Sauerstoffmangel …"
Ganz im Gegenteil.
Entspannt auf den Rücken legen und die Pause zwischen Aus- und Einatmen weglassen!
(Ich wußte vorher gar nicht, daß ich eine solche mache.)
Keine Sorge wegen den Schmerzen in den Handgelenken, die gehen wieder weg, sobald man damit aufhört.

Who knows?
Who knows?
18. Juli, 2010 11:44

"Wir geben unserem Atem einen Namen. Wir atmen einen Lutz." – Rainald Grebe

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[…] lernen. Fast so wichtig wie atmen. Denken hingegen? […]