Terminator Machinima

Genau genommen keine „TV“-Serie, aber sei’s drum…

Es ist eine geradezu bestechend geniale Idee, und ich hatte bei meinem Review zu „Clone Wars“ schon die Frage gestellt, warum solche Serien nicht mittlerweile per Game Engine aus einem passenden Spiel animiert werden: „Terminator Machinima“ geht den Weg konsequent. Man hat den Charakter von Moon Bloodgood aus dem letzten Film genommen, und um sie herum eine neue Serie entwickelt, die komplett von einer Videospiel-Engine gerendert wird. Das ist nicht nur preiswert, sondern erlaubt auch eine effiziente und produktionsnahe Herstellung. Im Zweifelsfall können sogar die CGI-Modelle aus dem Film direkt in die Machinima-Serie eingebaut werden.

Terminator-Machinima

Leider beweist „Terminator Machinima“ vor allem eins: Technik aus dem Baukasten kann vieles einfacher machen – aber sie kann kein fehlendes Talent für Storytelling ersetzen, oder eine mangelnde Regie. In der jetzigen Form muss das Experiment als epochal gescheitert angesehen werden. Die ausdruckslosen Gesichter der Figuren laden nicht zur Identifikation ein, die Animationen sind teilweise erstaunlich schlecht, und die Actionszenen haben keinen Fluss, keine Spannung, keinen Drive.

„Terminator Machinima“ gelingt es mühelos, schon nach 30 Sekunden derart zu langweilen, dass man kein Interesse aufbringt, der aus Versatzstücken des Terminator-Universums zusammen gestückelten Handlung zu folgen. Selbst 11 Minuten netto ziehen sich da wie Kaugummi.

Klarer Fall von „gute Idee, miserabel umgesetzt“. Ich glaube aber weiterhin daran, dass man mit der Machinima-Idee eine exzellente Serie hinbekommen könnte.

Gravity

Der frisch verwitwete Robert wollte seinen Wagen von einer Klippe fahren – nur landete der blöderweise im Pool eines Kreuzfahrtschiffs. Die einsame Kosmetikverkäuferin Lilly wollte sich mit Schlaftabletten vergiften – und hatte auf der Intensivstation die Vision ihres Traummanns. Beide landen in einer Selbsthilfegruppe für Suizidgefährdete. Können sie einander helfen? Brauchen sie überhaupt Hilfe? Oder ist das Leben tatsächlich so unerträglich, wie es ihnen vorkommt?

Gravity

„Gravity“ ist eine Halbstundenserie des Senders Starz, die sich jeglicher Definition verweigert. Drama? Comedy? Keine Ahnung. Dafür bringt sie aber eine verdammt erstaunliche Besetzung mit, darunter Ivan Sergej, Ving Rhames, und Rachel Hunter. Sie ist das „brain child“ von Eric Schaeffer, einem Produzenten/Autor/Darsteller, dem seine Kritiker gerne vorwerfen, er setze sich selbst mit eitlen Ego-Projekten in Szene. Das mag stimmen. Unterhaltsam ist „Gravity“ trotzdem. Ich muss noch ein paar Folgen sehen, um beurteilen zu können, ob das alles narzisstische Nabelschau oder tatsächlich ein profunder Einblick in die „human condition“ ist.

Abzug gibt es für die schlechten Spezialeffekte bei Roberts Selbstmordversuch.

Der kleine Nick

Die Geschichten vom kleinen Nick sind Klassiker, und das zu Recht: Die kongeniale Kooperation des Zeichners Sempé mit dem Texter-Genie Goscinny hat uns ein paar der vielleicht schönsten Kindererzählungen aller Zeiten geschenkt, und die Bücher gehören neben „Der kleine Prinz“ in jeden Jugendzimmer-Bücherschrank (wenn nicht genug Platz ist, dürfen dafür auch gerne meine „Charmed“-Romane ausgemustert werden). Umso erstaunlicher, dass erst jetzt eine Adaption gewagt wurde, und zwar als deutsch-französische Kooperation mit dem ZDF.

Der-kleine-Nick

Das Ergebnis ist bei der ersten Ansicht gewöhnungsbedürftig: Statt den liebevollen schwarzweißen Strich-Stil Sempés beizubehalten, wurde „Der kleine Nick“ komplett in dreidimensionaler knallbunter CGI realisiert. Die erste Kopfreaktion „Das geht ja wohl gar nicht!“ weicht schnell einer Begeisterung für den Respekt, den die Macher ansonsten der Vorlage entgegen bringen. Die kleinen Abenteuer von Nick werden nicht nur feinfühlig und witzig erzählt, auch die Synchro ist außerordentlich gut, und die Drehbücher halten sich weitgehend an das Original. Besonders putzig: In Denkblasen und Träumen der Figuren hat Sempés Strich-Stil einen huldigenden Gastauftritt.

Es ist schön und bemerkenswert, dass es auch heute noch so bezaubernde und hochwertige Kindersendungen gibt, und dass CGI nicht nur für Krachbumm taugt. Prädikat pädagogisch wertvoll, und vom Wortvogel wärmstens empfohlen – nicht nur für Kinder.

„Meine Mutter wollte ein Baby, mein Vater aber nicht – da hat er ihr einen Fernseher geschenkt.“

P.S.: Im Oktober kommt übrigens ein „Nick“-Realfilm in die Kinos.

Timmy Time

Es ist kein Privileg mehr, „Shaun the Sheep“ zu promoten. Ich hatte einige Monate lang sogar ein Fan-Logo hier in meinem Banner. Nick Parks Knetgummi-Serie über das Schaf Shaun, das wegen seiner leicht überdurchschnittlichen Intelligenz immer wieder Trubel auf den kleinen Bauernhof bringt, ist jetzt schon ein moderner Klassiker für jung und alt.

Was viele Shaun-Fans aber vielleicht nicht wissen: Es gibt jetzt eine Spinoff-Serie! „Timmy Time“ schildert (erwartungsgemäß) die Abenteuer des schnullernden Babyschafs Timmy, das in einen Tierkindergarten geschickt wird, und dort mit vielen Freunden und Arten das Leben lernt.

Zwei Dinge unterscheiden „Timmy“ merklich von „Shaun“: Zum einen ist „Timmy Time“ in einem anderen Stil animiert worden. Ich kenne mich da technisch nicht so aus, aber die Knetgummi-Figuren wurden scheinbar durch leichter bewegliche Plastikfiguren ersetzt, um das Budget im Rahmen zu halten. Das lässt „Timmy“ ein wenig glatter aussehen, aber daran gewöhnt man sich sehr schnell.

Timmy-Time

Auffälliger ist aber, dass „Timmy“ noch eine Altersklasse unter „Shaun“ zielt: 3-6 Jahre, sage ich mal. Ironie oder Sarkasmus sucht man in dieser Serie vergeblich, auch die Geschichten sind extrem einfach und nachvollziehbar gehalten, mit ebenso einfachen und klaren Botschaft (teilen ist gut, aufpassen hilft, Freunde sind wichtig). Das reduziert den Spaß für Erwachsene, weil einfach die Meta-Ebenen fehlen. Trotzdem schäme ich mich nicht zu sagen: Ich habe alle 20 Episoden mit Begeisterung angeschaut. Manchmal ist man einfach dankbar für liebevolle, stressfreie Unterhaltung.

Ich fordere jeden „Timmy Time“-Zuschauer übrigens heraus, nicht schon nach drei Folgen den Titelsong tagelang leise vor sich hin zu singen: „Timmy, oh Timmy, he’s a little lamb with a lot to learn…“ – damn, that’s catchy!

„Shaun the Sheep“, „Timmy Time“, „Der kleine Nick“ – so viel schlechter ist das Kinderfernsehen seit meiner Jugend doch nicht geworden. Auffallend ist aber die Konsequenz, mit der sich alle diese Serien der modernen Welt verweigern, als wäre unsere Gegenwart eine für herzige Geschichten ungeeignete Vorhölle. Internet, Handys, Flachbild-Fernseher, MP3-Player kommen praktisch nicht vor. Sie spielen in einer idealisierten Wirklichkeit, die eher an die 50er oder 60er Jahre erinnert, was bei „Der kleine Nick“ angesichts der Entstehungszeit noch verständlich scheint, aber in meinen Augen nicht nötig gewesen wäre.



avatar
8 Comment threads
0 Thread replies
0 Followers
 
Most reacted comment
Hottest comment thread
6 Comment authors
GwildorTornhillWortvogelJulianheino Recent comment authors
  Subscribe  
neuste älteste beste Bewertung
Benachrichtige mich zu:
lars
lars

auch die zweite Staffel Shaun kommt in der gleichen, neuen Optik wie Timmy Time. Gibt auch ein „Making of“, das die Hintergründe dafür erklärt, z.B. war Bitzers alte, glänzende Nase ein Problem für die Beleuchter, ausserdem wird jetzt in HD produziert, was die glattere gummiartige Oberfläche notwendig gemacht hat.
besten gruss,
-lars.

heino
heino

Hm, das ist dann wohl der Teil mit den für mich eher uninteressanten Sachen. Ich hoffe auf die Fortsetzung:-)

Julian

Die Kinoversion vom kleinen Nick ist ebenfalls sehr gelungen: http://www.moviemaze.de/filme/3228/der-kleine-nick.html

Tornhill
Tornhill

Ein paar Folgen vom „Kleinen Nick“ hab ich auch gesehen und da muss ich (als alter Fan der „prima“ Bücher) widersprechen:
Der Stil gefiel mir eigentlich sofort, weil er tatsächlich die gelungene bunte, dreidimensionale und originalgetreue Umsetzung der Illustrationen ist, doch es scheitert am Inhalt.
Die Bücher waren immer großartig hemmungslos unpädagogisch. Ständig in der engen, unbedachten und schwankenden Weltsicht des Erzählers bleibend, jederzeit voll überquellender, unreflektierter Gewalttätigkeiten. In der Serie hat man das (zumindest in den Folgen, die ich gesehen habe) zugunsten eines idealisierten Kinderkonzeptes umgeworfen, so dass es jetzt wieder die reinherzigen Kleinen sind, die den ignoranten Erwachsenen (bzw. dem Vater, die Mutter ist natürlich sauber, so dass es auch kein rundes Geschlechterbild gibt, weder das altmodische der Bücher, noch ein echtes modernes) zeigen müssen, was Sache ist und wie man sich zu verhalten hat. Gerade an der schon angesprochenen Klippe der Geschlechterfrage zerschellt auch dieses Schiff der Kinderunterhaltung, indem es die Machokultur der Helden mit einer Quotenfrau versieht und dazu ausgerechnet die hinterhältige Intrigantin Luise zur heiligen Universalkönnerin erhebt.
Die Bücher gewannen einfach dadurch, dass sie ECHT kindlich wirkten und perfekt die Kinderperspektive widerspiegelten. In der Serie sieht man beständig den Dr. Sozpäd im Hintergrund weise zu den Eltern nicken.
Und das ist gar nicht prima.

Tornhill
Tornhill

Hm, vielleicht wechselt es ja von Folge zu Folge.
Ich habe bislang…mh…ich glaube fünf Episoden gesehen und davon wiesen nur zwei nicht besagte Mängel auf. Heißt also noch nichts für die Gesamtheit (ich wollte eh noch öfters reingucken, um mehr zu beurteilen), aber DASS es halt mal in irgendeiner Form hereinkam, entsetzte mich schon so.

Vom Realfilm habe ich auch gehört und bin recht gespannt. Nicht wirklich optimistisch aber…Hölle nochmal, als Fan will man’s ja doch sehen! 😉

Gwildor
Gwildor

Hier ein Machinima Kurzfilm gemacht mit dem fantastischen Red Dead Redemption von Regieseur John Hillcoat http://tinyurl.com/386ln8v