19
Mrz 2010

"Dr. Hope" Special (4): Die Autoren

Themen: Film, TV & Presse, Neues |

Mit Katrin Tempel habe ich folgenden Text für das ZDF-Pressematerial verfasst.

F1_0221

((c) ZDF und Erika Hauri)

"Der lange Weg zu Hope Bridges Adams Lehmann"

Die Geschichte von Hope Lehmann ist einzigartig, und ein Geschenk für jeden Autor. Es kommt selten genug vor, dass man auf einen Stoff stößt, der sich geradezu aufdrängt, der erzählt werden will.

"Die Hoffnung stirbt nie" – so lautete der erste Untertitel für "Dr. Hope". Und daran haben wir uns auch immer wieder festgehalten. Denn der Weg von der ersten Idee bis zum fertigen Film war lang …

Das Leben dieser Frau ist zu üppig, zu unglaublich für einen Zweitei­ler. Alle ihre Ziele, ihre Freunde, ihre Pläne – es hätte leicht für einen Vierteiler gereicht. Also war von Anfang an nicht die Frage "Was müs­sen wir noch erfinden, damit die Handlung richtig spannend wird?", sondern: "Was müssen, was können, was dürfen wir weg lassen?"

Die Liste wurde mit jedem Treffen mit den Produzenten länger. Hopes Übersetzungen für ihren langjährigen Bekannten August Bebel? Ein schönes Detail, mehr nicht. Ihre Pläne für den zweisprachigen Kinder­garten? Ein neuer Erzählstrang, der mehr als 30 Minuten in Anspruch nehmen würde. 30 Minuten, die wir nicht hatten. Die Begeisterung von Carl Lehmann für die Berge, sein Engagement für Berghütten, seine Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche für die Lamsenjochhütte? Eine Nebengeschichte, die nichts mit Hope zu tun hat. Ebenso seine Verwicklungen mit den Freiburger Sozialistenprozessen. Szenen mit dem Heimatdichter Ludwig Thoma im Dachauer Biergarten? Gestri­chen. Der "Gastauftritt" von Lenin? Er fiel erst in der letzten Fassung raus.

Der Literatur-Nobelpreisträger William Faulkner hatte Recht: "Du musst bereit sein, deine Lieblinge zu töten."

Dabei waren wir Drehbuchautoren nicht die einzigen, die unter der strengen Zeitvorgabe litten. Auch die Produzentin Claudia Rittig ver­liebte sich in Szenen und Figuren, von denen sie sich dann wieder verabschieden musste.

Ein weiteres Problem: Welche Sprache hatten die Menschen im aus­gehenden 19. Jahrhundert? Es ist ein Dilemma: Einerseits darf es nicht so staubig und verzopft klingen, dass der moderne Zuschauer sich nicht "einhören" kann – andererseits sind moderne Ausdrücke und Sprachbilder ein Tabu. Uns halfen zeitgenössische Briefe, Berichte, Romane. Am Ende stand eine verfilmbare "Kunstsprache", die den Eindruck von Klassik erweckt, ohne unangemessen getragen zu wir­ken.

In manchmal endlos scheinenden Diskussionen, bei Recherchen in so vielen Archiven, formte sich – über vier Jahre hinweg und am Leben von Hope Lehmann orientiert – eine Geschichte, so tragisch wie hoff­nungsfroh, so lebensbejahend wie erschütternd.

Kaum jemand kann sich vorstellen, wie schön es ist, nach sieben Jah­ren Arbeit endlich den fertigen Film zu sehen. Die Dialoge von den Lippen der Schauspieler zu hören. Und dabei zu merken: Es fehlt nichts. Die gestrichenen Szenen und Personen mögen wir schmerzlich vermissen – aber die Stärke dieser ungewöhnlichen Frau sorgt dafür, dass wir auf das Ergebnis stolz sind. Und dankbar, dass wir mit Hope sieben Jahre verbringen durften.



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