Paranormal Activity

USA 2007. Regie: Oren Peli. Darsteller: Micah Sloat, Kathie Featherston

paranormal_activityInhalt: Micah und Katie ziehen erstmals zusammen, in ein großes Haus im amerikanischen Suburbia. Doch es stellt sich schnell heraus, dass Katie seit ihrer Kindheit paranormale Ereignisse anzieht, und Micah schafft eine Videokamera an, die das nächtliche Geschehen dokumentieren soll. Was als Klopfzeichen und Schritte auf der Treppe beginnt, steigert sich schon bald zu unbestreitbaren okkulten Attacken, die das Pärchen um den Schlaf bringen. Auch ein „Experte“ sieht sich überfordert, und ein Umzug kommt nicht in Frage – das „Böse“ würde Katie immer folgen…

Kritik: „Paranormal Activity“ ist der „Blair Witch Project“ des Jahres 2009: unglaubliche 200 Millionen Dollar hat der gänzlich mit einer handelsüblichen Videokamera aufgenommene Film eingespielt – bei einem Budget von gerade mal 5000 Dollar. Es gibt keinen Soundtrack, keine nennenswerten Effekte, keine wirklichen „Schauspieler“: Wir sehen nur, was die Videokamera von Micah sieht. Besonders in der ersten Hälfte sind das viele körnige Aufnahmen eines geschmacklosen „Von der Stange“-Vorstadthauses, in dem ab und an mal eine Tür aufschwingt. All das, wofür man normalerweise Eintritt bezahlt, verweigert „Paranormal Activity“. Es ist eher ein filmisches Experiment, Konzept-Kino, Dogma als Horrorfilm.

Ich bin massiv gespalten, was meine Meinung zu dem Streifen angeht, und das kommt ja wahrlich selten vor. Einerseits hat „Paranormal Activity“ kaum mehr zu bieten als diese unsäglichen „Ghost Hunters“-Shows auf amerikanischen Kabelsendern. Viel Buhuu um nix, und das noch dazu erschreckend banal umgesetzt. Sowas gehört eigentlich nicht ins Kino – und wenn doch, dann sollte es verdienstvolle 20 Millionen Dollar einspielen, aber keine 200. Wo kommen wir denn da hin?

Andererseits lässt sich kaum bestreiten, dass „Paranormal Activity“ gerade dank seiner Reality-Technik nach einer schwachen ersten Hälfte eine beeindruckende Sogwirkung entwickelt, und man bis zum Schluss durchaus gebannt dran bleibt. Spannung wird hier nicht durch hektische Schnitte oder schockierende Effekte erzeugt, sondern durch genuin gruselige Momente, wenn z.B. Katie schlafwandelnd aufsteht, und wir im Schnellvorlauf sehen, dass sie den schlafenden Micah anstarrt – stehend, still, im dunklen Schlafzimmer, zwei Stunden lang. Es ist die Erzeugung einer Art von Gänsehaut, die der aktuelle Horrorfilm so gar nicht kennt.

Weil die Schauermomente dünner gesät sind, als man gewohnt ist, verdient Regisseur Peli Lob dafür, auch den Zerfall der Beziehung von Micah und Katie so subtil, aber dennoch eindringlich eingefangen zu haben. Das Pärchen wirkt absolut authentisch, ohne gleich langweilig zu sein.

Letztlich kann ich „Paranormal Activity“ etwas experimentierfreudigen Horrorfans durchaus empfehlen – auf DVD, nicht im Kino. Außerdem glaube ich, dass jede Synchro den Reality-Effekt komplett zunichte machen wird. Originalton ist also ein Muss.



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Lari
Lari

Das war einer der erbärmlichsten Filme, die ich 2009 im Kino gesehen habe. Der Beweis, dass es eben nicht immer spannender und unheimlicher ist, etwas nicht zu zeigen. An BWP kann man auch heute noch bewundern, wie aus improvisiertem Material eine nach dramaturgischen Gesichtspunkten durchaus solide Geschichte gebastelt wurde. Bei PA läuft dagegen alles nur ins Leere. Die Internetseite, aus der hervorgeht, dass die Beiden offenbar nicht die ersten sind, denen derlei zustößt? Wird nie wieder erwähnt. Das Foto auf dem Dachboden? Steht auch für sich. Wenn sich aus den Andeutungen nichts Ganzes ergibt, egal wie vage, dann sind die Spannungsszenen gemessen am ganzen Film genauso wirksam wie eine der sinnlosen Actionszene aus Transformers 2.
Der Streifen ist mit Sonys FX1 gedreht. Mit der habe ich auch schon mal gearbeitet, und ohne jede formelle Ausbildung und mit NOCH weniger Budget deutlich bessere Bilder hinbekommen. Der Film hätte auch mit weniger Bildrauschen und matschigen Farben noch authentisch gewirkt.
Was in den Kinos lief, ist übrigens nicht der Director’s Cut – der hat einen völlig anderen Schluss und ist dem Vernehmen nach zwar schlüssiger (unter anderem fällt das alberne Brummen weg, das jeden „Auftritt“ des Dämons begleitet), aber NOCH langweiliger. Das Haarsträubendste ist, dass der Schnitt der Kinoversion von Steven Spielberg beaufsichtigt worden sein soll. Der wird schon gewusst haben, warum er seinen Namen nicht aufs Poster pappt.

Heino
Heino

Sowas hatte ich mir schon gedacht, deshalb war ich nicht sehr traurig, dass ich den im Kino verpasst habe. Aber schlimmer als BWP kann der gar nicht sein, sowas sturzlangweiliges hab ich danach nicht mehr gesehen. Und die 3 Protagonisten in BWP haben sich so dermassen dämlich angestellt, dass ich ihnen schon nach 10 Minuten den Tod gewünscht habe.

Matt
Matt

Die drei Protagonisten in BWP standen auch unter Einfluss der Hexe, soweit ich mich noch erinnern kann.

Heino
Heino

Nicht, als sie erst in der Ortschaft und dem Wald ankamen. Da gab es noch keine Entschuldigung für Idiotie

Marko

„Paranormal Activity“ hatte ein paar nette Gruselszenen, leider ist der Schluß ziemlich lahm (laut Berichten gibt es ein alternatives Ende, das mir, was ich so gelesen habe, persönlich besser gefallen hätte). Der Hype um den Film ist extrem übertrieben, aber er hat zugegebenermaßen eine gewisse Stimmung, die ich in dieser Form selten gesehen habe. Ich war (leider) meilenweit von einer Gänsehaut entfernt, aber das „Das-könnten-auch-meine-Nachbarn-sein“-Feeling war wirklich nicht so schlecht.

BWP war im übrigen langweiliger Mist und grottenschlecht im Vergleich zu PA.

Gruß,
Marko

Peroy
Peroy

Murks, gegen den der richtig gute „Saw VI“ leider an der Kinokasse den Kürzeren gezogen hat…

Die Underdogs sind manchmal eben auch einfach nur scheisse.

Chris

Einmal ansehen und schnell vergessen. ‚Paranormal Activity‘ gehört auch zu dieser Sorte von Filmen, weil man auf einen Buh-Effekt wartet, der dann aber nicht kommt… wie auch ‚Blair Witch Project‘. Bloß fand ich BWP weitaus interessanter, immerhin stellte das Werk seinerzeit ja auch etwas ‚Neues‘ dar. Und das Ende von PA war echt mal billig.

Mencken
Mencken

Ich fand Paranormal Activity eigentlich ganz ok, die offensichtlichen Schwächen liegen nun mal in der gewählten Präsentationsweise und es gibt zumindestens einen „Pay off“ am Ende, was mir bei Blair Witch doch ziemlich gefehlt hat.

Olsen
Olsen

„All das, wofür man normalerweise Eintritt bezahlt, verweigert “Paranormal Activity”.

Wofür DU normalerweise Eintritt bezahlst, Wortvogel. Es gibt durchaus Menschen, die sich nicht wegen Schauwerten ins Kino begeben, sondern um eine Geschichte erzählt zu bekommen.

Habe Paranormal Activity aber noch nicht gesehen. Das ist einer von der Sorte, der mir potentiell schlechten Schlaf bereiten könnte.

Peroy
Peroy

„Wofür DU normalerweise Eintritt bezahlst, Wortvogel. Es gibt durchaus Menschen, die sich nicht wegen Schauwerten ins Kino begeben, sondern um eine Geschichte erzählt zu bekommen.“

Eigentor… versenkt… swoosh.