06
Nov 2009

Jon Stewart: Taking Beck the Country

Themen: Film, TV & Presse, Neues |

Es gibt kaum jemanden in den amerikanischen Mainstream-Medien, der die regierungsfeindliche, paranoide, radikale Rechte in einem so gefährlichen Masse bedient wie FOX-Moderator Glenn Beck. Es fing ja noch ganz harmlos an – Glenn Beck weinte (dank Wick Vaporub) um "sein Amerika", und stellte den Präsidenten wahlweise als Kommunisten und als Faschisten hin (eine aktuell beliebte Masche in den USA ist es, den Faschismus als im Kern "linkes" Dogma neu zu etikettieren).

Selbst dem konservativen Platzhirsch Bill O’Reilly scheint Beck manchmal unheimlich zu sein:

http://www.youtube.com/watch?v=if3wVXSMw4M

In den letzten Monaten eskaliert die Situation – Glenn Beck ruft wenig verklausuliert zum Bürgerkrieg auf, zum zivilen Widerstand, und zum Umsturz. Er nennt das "taking back our country", und es passt perfekt zu der "Amerika den wahren Amerikanern"-Ideologie der Milizen. Um das zu rechtfertigen, nutzt er eine Schultafel, auf der er in bizarrer Weise Personen und Ereignisse miteinander in Verbindung bringt, um dann absolut hanebüchene Schlussfolgerungen… nein, nicht zu aufzustellen, so dumm ist Beck dann doch nicht… als unschuldige "Fragen" in den Raum zu stellen.

Vereinfacht geht das so: "Hitler hatte einen Schnäuzer, Tom Selleck hatte einen Schnäuzer. Das heißt noch nicht, dass Magnum ein Nazi war. Aber bin ich der Einzige, dem das auffällt? Sollte man da nicht mal nachhaken? Es wird noch mysteriöser: "Magnum" spielte auf Hawaii – wer wuchs da auf? Barack Hussein Obama! Was verschweigt uns der angebliche Präsident? Hatte er selber schon mal einen Schnurrbart?"

Becks Popularität beruht auf der Methode, sich als "einer von uns" zu positionieren – als der besorgte Nachbar, der mal nachschaut, was mit dem Land eigentlich los ist. Er strahlt nicht die Arroganz von O’Reilly, oder die Elitesse von Sean Hannity aus. Er verkauft sich geschickt als das Gegenteil dessen, was er ist – die quotenträchtige Schreihals-Marionette eines Media-Großunternehmens.

Er spricht für eine Minderheit, die penetrant darauf besteht, die schweigende Mehrheit auf ihrer Seite zu haben. Er spricht nicht für sich, er spricht für ein mythisches "Amerika", für ein reines "Volk" – und rührt dabei eine widerliche, und potentiell explosive Mischung aus Absurditäten und Verschwörungstheorien an.

Das alles nur vorab, damit auch die Uneingeweihten genießen können, mit welcher Perfektion Jon Stewart hier "die Methode Beck" parodiert, inklusive der Hampeleien, emotionalen Ausbrüche, und wirren Querverweise – alles anhand einer Blinddarm-Operation des babygesichtigen Schreihalses:



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Dietmar
Dietmar
6. November, 2009 16:41

Glenn Beck und Co. machen mich wütend. Das ist bewusstes Lügen und Irreführen, kalkuliertes Bedienen bestimmter Haltungen. Und ich halte es für gefährlich in der derzeitigen instabilen wirtschaftlichen Situation in den USA. Ich kann über diesen Popanz nicht lachen. Über Stewarts Imitation aber sehr.

O´Reilley halte ich für einen ,,Überzeugungstäter". Beck ist ein Rhetoriker schlimmster Sorte. Ihm geht es nur um Wirkung an sich.

Dietmar
Dietmar
6. November, 2009 16:44

Alleine schon diese bedeutungschweren Sprechpausen! Sagenhaft!

Dietmar
Dietmar
6. November, 2009 16:50

Jon-Stewart-Sternstunde.

(Entschuldigung für Triple-Posting)

Andy Simon
Andy Simon
6. November, 2009 20:21

Wenn jetzt auch nur die Hälfte der Zuschauer von Glenn Beck auch Jon Stewarts Show sehen würden…

Andi
Andi
6. November, 2009 23:58

Ich mag bei der ganzen Hampelei besonders den kurzen Moment, in dem Stewart den Kranich aus "Karate Kid" macht. Was die ganze Nummer insgesamt angeht: spot-on und bitter nötig.

Lindwurm
7. November, 2009 13:41

Wortvogel schrieb: "(eine aktuell beliebte Masche in den USA ist es, den Faschismus als im Kern “linkes” Dogma neu zu etikettieren)."

Trifft das nicht eher auf den Nationalsozialismus als Sonderform des Faschismus zu? Das wäre nämlich durchaus diskussionswürdig (und wird auch von ernstzunehmenden Historikern und Philosophen diskutiert). Das ändert natürlich nix an der Verkommenheit und Gemeinheit, mit der die US-Rechte gegen Obama hetzt.

Stephan
Stephan
7. November, 2009 13:44

Sehr, sehr geil das Video.

Ein Kritikpunkt zu Deinem Beitrag: Natürlich ist Faschismus per se ein eine "linke" Ideologie. Er stellt Kollektivismus (Volksgemeinschaft) vor liberalen Individualismus. Ich such Dir mal einen schönen Artikel aus eigentümlich frei dazu raus und schick ihn Dir 😉

Dietmar
Dietmar
7. November, 2009 14:28

@Stephan: Das ist auf den ersten Blick ein interessanter Gedanke, stimmt aber wohl nicht: Faschismus bedeutet zunächst einmal Machterhalt durch rigorose Ausübung der Macht. Das ist unabhängig von der dahinter stehenden Ideologie, die oft genug sowieso nur vorgeschoben ist.

Wortvogel
Wortvogel
7. November, 2009 15:03

@ Stephan: Bei aller Liebe – nein. Und es ist mir auch egal, wieviele Historiker das diskutieren. Faschismus ist zu allererst mal eine Diktatur "von oben nach unten", Kommunismus hingegen (so er denn funktioniert) "von unten nach oben". Will man durch die vergleichbaren Eigenschaften unbedingt Bezüge herstellen, könnte man genauso behaupten, Kommunismus sei eigentlich "rechts", weil er dem Faschismus ähnelt. Es geht hier nur darum, welche politische Richtung den schwarzen Peter nicht haben möchte.

Ich selbst halte Begriffe wie links und rechts für historisch überholt (man siehe auch deren eher willkürlichen Ursprung).

Daniel
Daniel
9. November, 2009 14:18

Bis gestern war FOX für mich nur als Quelle für beliebte Serien interessant und Glenn Beck war mir gänzlich unbekannt. Danke für die Aufklärung. Es ist erschreckend, was da an übelster Propaganda über den Sender geht. In der DDR hatten wir früher den Schwarzen Kanal. Das war im Prinzip das gleiche, nur dass gegen den Klassenfeind im Westen gehetzt wurde.

Die Parodie von Jon Stewart ist natürlich absolut göttlich, aber wahrscheinlich schauen treue Republikaner und deren Wähler solche subversiven Sender wie Comedy Central aus Prinzip nicht.

Übrigens, gestern abend kam bei "Zapp" im Ersten ein Beitrag zum Thema: http://www3.ndr.de/sendungen/zapp/archiv/medien_politik/obama302.html

Wortvogel
Wortvogel
9. November, 2009 14:28

@ Daniel: Jein. Fox ist der Sender mit den netten Serien, Fox News der Nachrichtensender mit den hässlichen Moderatoren. Beide gehören Rupert Murdoch, haben darüber hinaus aber nichts miteinander zu tun.

Dr. Acula
9. November, 2009 14:47

@Vogel

Fox executives. My people have been at war with them for a thousand generations…

(SCNR)

da_ul
da_ul
10. November, 2009 01:23

Glenn Beck hat bei der aktuellen SNL-Folge auch eine kurze Passage gewitmet bekommen. 😀

Logato
Logato
12. November, 2009 16:55

Die South Park Macher haben das Ganze aktuell auch aufgegriffen:

http://www.southpark.de/alleEpisoden/1313/?lang=en