08
Sep 2009

Langsam trabender Amtsschimmel

Themen: Neues |

Kleine, aber wahre Geschichte.

Ich bin in München ein paar mal umgezogen in den 19 Jahren, die ich nun schon hier lebe:

  • 2 Monate möbliertes Zimmer in Forstenried
  • 3 Jahre Apartment Gabelsberger Straße
  • 3 Jahre Wohnung Nymphenburger Straße
  • 2 Jahre Galerie-Wohnung Zorneding
  • 18 Monate Altbau Ysenburgstraße
  • 2 Jahre Berliner Straße in Schwabing (mit Garten)

Seit Anfang 2002 wohne ich in meinem Häuschen in Giesing.

Das ist nicht nur mir bekannt, sondern eigentlich auch dem Einwohnermeldeamt, der Polizei, und den Stadtwerken. Ich zahle ja meine Rechnungen.

Kürzlich stehe ich in der Haustür, um nach Düsseldorf zu fahren, da klingelt das Telefon. Eine Dame der Stadtwerke München ist dran. Sie druckst ein wenig rum: ob ich Thomas Dewie aus Ysenburg sei? Ich verneine, biete aber im Gegenzug einen Torsten Dewi, der schon mal in einer Ysenburgstraße gewohnt hat. Sie druckst weiter: man habe mir da wohl falsch Geld abgebucht für Strom-Vorauszahlungen. Ich halte dagegen: in der Ysenburgraße wohne ich seit mehr als 10 Jahren nicht mehr, wie solle denn das gehen? Ja, es handele sich da um einen etwas älteren Vorgang, der erst jetzt bei einer Überprüfung ans Tageslicht gekommen sei.

Es stellt sich heraus: man will mir Geld überweisen. Ich entschließe mich spontan, Behördenfrust und Renitenz hintenan zu stellen.

Letzte Woche landeten etwas über 1500 Euro auf meinem Konto. Dazu – schriftlich – eine Abrechung: von 1999 bis 2003 haben die Stadtwerke München mir ohne mein Wissen Geld abgebucht.

Und es sechs Jahre später erst gemerkt.

Eine Entschuldigung bekomme ich ebenso wenig wie Zinsen.

P.S.: Das Schreiben war an "Thomas Dewie" adressiert. Ich kann belegen, dass ich den Fehler schon vor 12 Jahren MEHRFACH bei den Stadtwerken im System habe korrigieren lassen. Es wäre vermutlich für alle Beteiligten einfacher, wenn ich mich umtaufen lassen würde.



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Snyder
Snyder
8. September, 2009 16:58

Keine Zinsen? Das ist frech …

ThorstenH
ThorstenH
8. September, 2009 17:13

Nervig für dich, aber schön zu sehen dass Stadtwerke doch anscheinend alle gleich sind. Ich werde nie vergessen wie mir der Strom abgestellt wurde, weil jemand eine Wohnung im selben Haus kaufen wollte. Dieser jemand hat es geschafft, 2 Wohnungen die ihm definitiv nicht gehörten auf sich anzumelden und die laufenden Verträge der Bewohner zu kündigen. Das alles ohne Berechtigungsnachweis…..alles Stümpervereine!

Muriel
8. September, 2009 17:24

Ist doch aber angenehmer, als wenn jahrelang keiner dran gedacht hat, einen Anschluss bei den Stadtwerken anzumelden und man dann eine hohe vierstellige Summe nachzuzahlen hat. Übrigens auch ohne Zinsen, immerhin.

Maitol Krczstovczc
Maitol Krczstovczc
8. September, 2009 18:07

Ist Dir das denn nicht bei deinen Kontoauszügen aufgefallen? Ich mein ich bin ja auch ned so der Auszugskontrollfreak, aber ich schau schon was abgebucht wird. Habe das ähnlichesPproblem mal vor Jahren in einer Wohnung in Heidelberg gehabt. Nur da war es die Miete. Die dortige VBank hat 1 Jahr lang vergessen die Miete einzuziehen. Naja, ich durfte es dann ZinsFREI abstottern.

Wortvogel
Wortvogel
8. September, 2009 18:08

@ Maitol: Die Summe war zu gering, um aufzufallen – und die Stadtwerke buchen ja so oder so immer was ab. Das fällt dann schnell mal durch den Rost. War auch eine wilde Zeit in meinem Leben…

Maitol Krczstovczc
Maitol Krczstovczc
8. September, 2009 18:09

Ist Dir das denn nicht bei deinen Kontoauszügen aufgefallen? Ich mein ich bin ja auch ned so der Auszugskontrollfreak, aber ich schau schon was abgebucht wird. Habe ein ähnliches Problem mal vor Jahren in einer Wohnung in Heidelberg gehabt. Nur da war es die Miete. Die dortige VBank hat 1 Jahr lang vergessen die Miete einzuziehen.Mir isses nicht aufgefallen weil ja keine Kontobewegung und Lastschrift …. Naja, ich durfte es dann ZinsFREI abstottern.

Maitol Krczstovczc
Maitol Krczstovczc
8. September, 2009 18:14

Sorry für den Doppeleintrag da beim ersten Mal ein beim abschicken nicht vorhandes Captcha bemängelt wurde. Beim zweiten Mal gabs auch keins …mhm…

Die Stromrechnung möchte ich aber dann auch haben LOL… Ich bin über 3 Jahre insgesamt vielleicht 5 Wochen in meiner Hauptwohnung gewesen und darf / durfte 40€ im Monat zahlen. Dabei war nicht mal der Kühlschrank an. (und nat. leer). Das ein Wecker sovieeeeel verbraucht … Naja, muß ich mir mal einen A++++ Wecker kaufen.

Paddy-o
Paddy-o
8. September, 2009 21:47

1500 Tacken?
Der Dewi gibt einen aus! 😉

GrinsiKleinPo
GrinsiKleinPo
8. September, 2009 22:10

Das ist der Nachteil an Computern, wenn sie etwas vergessen, dann richtig. Aber wie bringe ich die Jungs dazu, das zu vergessen was sie vergessen sollen? zB die Schreibweise eines Namens, meinen Geburtsort, -namen, -datum?

Lieber Wortvogel, sei froh, dass es nur die Stadtwerke waren. Stell dir mal vor Das Passamt, macht dich fünf Jahre jünger schreibt deinen Namen wie es will und macht dich zu einem aus Bayern. Na ja es hat nur 6 Monate gebraucht den Damen und Herren vom Amt zuerklären, das ich a) gedient habe b) Deutscher bin (siehe Geburtsurkunde c) ich Hamburg seit meiner Geburt nicht Wohnortstechnisch verlassen habe d) Barmbek ein Stadtteil von Hamburg ist e) ich keine 40 DM zahle für einen Perso der nicht mich beschreibt.

Ich habe bis heute den Verdacht, dass es mich beim Passamt immer noch nicht gibt und ich habe Angst einen Reisepass (groß) zubeantragen.

Wenn der Amtsschimmel mit der Computer, dann kann das Leben zur Hölle werden.

Dietmar
Dietmar
9. September, 2009 00:29

Da gibt es eine schöne Satire von Ephraim Kishon, die ganz ähnlich abläuft. Hätte ich nicht für möglich gehalten, wie nah die an der Wirklichkeit ist.

Jack Crow
Jack Crow
9. September, 2009 01:06

Ja, die Stromlieferanten – da hat ich neulich auch ein Erlebnis: Kurz vorm Urlaub erhielt ich ein Schreiben des örtlichenen privaten Energieversorgers, daß mein Antrag auf Lastschriftverfahren gerne angenommen wäre und künftig Beträge von einem Konto abgebucht würden, das interessanterweise gar nicht meins war – was passte, weil ich solch einen Antrag auch nie gestellt hatte. Hab das natürlich vergessen, bekam aber prompt im nächsten Monat eine böse Mahnung, man hätte vom angegebenen Konto kein Geld abbuchen können. Daß da was faul sein musste ist auch nicht etwa dadurch aufgefallen, daß ich natürlich schon längst den Monatsbeitrag überwiesen hatte – den hatten die Blitzmerker einfach schonmal für den nächsten Monat eingetragen… Ein Besuch im Kundencenter klärte das ganze dann glücklicherweise recht leicht, wenn natürlich auch ohne Entschuldigung oder einer Erklärung…

Lari
Lari
9. September, 2009 04:13

Wenn ich Zeit und Geld hätte, würde ich versuchen, die Namensrichtigstellung anwaltlich durchzusetzen – einfach nur um zu sehen, ob das System geschlagen werden kann, wenn man Ernst macht. 8)

pa
pa
9. September, 2009 13:44

Als ich bei meinen Eltern auszog, meldete ich meine neue Wohnung bei den Stadtwerken an und bekam auch deren Rechnung. Dann meldete ich meine Adresse bei der Gemeinde um und ab dann schickten mir die Stadtwerke die Rechnung auf meinen Namen, aber die alte Adresse (die sie theoretisch gar nicht kennen sollten, da ich erst mit der neuen Adresse Einzug in ihre Datenbank nahm). Da wurden wohl munter Einwohnerdaten untereinander ausgetauscht und abgeglichen. Es dauerte mehrere Monate und Beschwerden, bis der Fehler ausgebügelt war.

Ronald M. Hahn
Ronald M. Hahn
22. September, 2009 14:19

Hat zwar nix mit dem Vorherigen zu tun, ist aber ’ne schöne Amtsschimmel-Story: Familie "Frehse" wurde im Zuge von Reformen vor x Jahrzehnten in "Freße" umbenannt, da man das 'hs' zugunsten des 'ß' aufgab. Dies ging so lange gut, bis in den deutschen Amtsstuben Schreibautomaten eingesetzt wurden, die bekanntlich nur Großbuchstaben schrieben. Und da es das 'ß' auf Schreibautomaten nicht als Großbuchstaben gab, hießen die Leute ab sofort "Fresse".

Dietmar
Dietmar
22. September, 2009 17:40

@Ronald: Lustig! 😀