killingroomposterUSA 2009. Regie: Jonathan Liebesman. Darsteller: Clea DuVall, Timothy Hutton, Chloe Sevigny, Nick Cannon, Peter Stormare u.a.

Story: Paul, Kerry, Crawford und Tony sind zu einer Psycho-Evaluierung in eine entlegene Forschungsstation eingeladen worden. In ausführlichen Fragebögen sollen sie Rede und Antwort stehen. Doch ein schockierendes Ereignis macht ihnen schmerzhaft klar, dass es hier nicht um einen Medikamententest geht, sondern um das nackte Überleben. Unter den wachsamen Augen von Mrs. Reilly und Dr. Phillips suchen die Probanden nach einem Ausweg aus der Bredouille…

Kritik: Psychodramen auf begrenztem Raum haben einen ganz besonderen Reiz – Hitchcocks „Lifeboat“, Schenkels „Abwärts“, Natalis „Cube“, von der aktuellen „Saw“-Reihe ganz zu schweigen. Beengte Verhältnisse und konfliktbereite Charaktere ergeben schnell dramaturgischen Hochdruck.

Solange Regie und Drehbuch sich nicht verhaspeln.

Dann gibt es nämlich keine Möglichkeit, Defizite durch Trickeffekte oder Actionszenen zu vertuschen. Diese Kammerspiele sind eine Art „reine Lehre“ des Storytellings, und sie verlangen Präzision und hohe Plausibilität. Ohne diese Sorgfalt sind sie Kaiser ohne Kleider.

killingroom

Leider kann „The Killing Room“ in dieser Beziehung nicht überzeugen. Auf die Frage, was das Experiment letztlich soll, gibt es nur eine halbgare, und nicht zu Ende gedachte Antwort. Genre-Elemente fehlen völlig, die Charaktere bleiben komplett undefiniert, ihre Aktionen teilweise unerklärlich. Es gibt auch kein Mysterium, dass irgendwer auflösen könnte, kein erkennbares Ziel, dass es zu erreichen gäbe. Unsere „Helden“ haben von Anfang an keine nennenswerte Chance, ihrem Schicksal zu entgehen – und sie versuchen es auch nicht ernsthaft.

Besonders schadet „The Killing Room“ die Tatsache, dass der erzählerische Fokus wechselt – immer wieder springen wir vom nackten Raum mit den Probanden in die Überwachungszentrale zu Mrs. Reilly und Dr. Phillips. Dadurch sind uns Antagonisten und Protagonisten von Anfang an bekannt, neue Erkenntnisse oder Figuren hat der Film nicht zu bieten. Die Charaktere kämpfen auch keinen nennenswerten Konflikt aus – die Probanden bekommen nie wirklich Kontakt zu ihren Peinigern, und Phillips spult nur stur sein Programm ab.

Die beeindruckende Besetzung kann mit den vorgegebenen Rollen entsprechend wenig anfangen – vom natürlichen Charisma abgesehen haben Hutton, Stormare, und Sevigny nicht viel einzubringen, weil ihren Figuren jeder Background fehlt. Gerade aus Mrs. Reilly hätte man das Bindeglied zwischen Probanden und Forschern machen können, das moralische Zentrum des Films. Doch ihre Emotionen bleiben fahrig, und wenig nachvollziehbar.

„The Killing Room“ ist ein Kammerspiel, das sich für deutlich smarter hält, als es letztendlich  ist – und dem einfach die Wendungen und Ideen abgehen, um über Spielfilmlänge zu überzeugen. Freunde dieser Gattung tun gut daran, sich noch einmal einen schön langen Filmabend mit den oben erwähnten Klassikern zu gönnen.

Wortvogels pantomimisches Urteil:

popel



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Dietmar
Dietmar

Zum Lesen komme ich jetzt nicht, aber Deine pantomimischen Urteile sind eine schöne Zusammenfassung Deines Eindrucks 🙂

GrinsiKleinPo
GrinsiKleinPo

Wann wohl die erste Alu-Dose in des Wortvogels Händen erscheinen mag, als Zeichen von gutem Puschenkino?

General Failure
General Failure

Bei solchen bildlichen Zusammenfassungen wird Text ja überflüßig.

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte 😛

Testuser
Testuser

Bei den Bildern wird sich aber Herr Grupp aus Burladingen freuen!

Soederberg
Soederberg

Auf dem Bild siehste irgendwie wie eine jüngere Version des Shatner’s Will aus.
Viel magerer natürlich. 😉

Peroy
Peroy

„Wann wohl die erste Alu-Dose in des Wortvogels Händen erscheinen mag, als Zeichen von gutem Puschenkino?“

Ich kapier‘ nicht, was er sagen will… ? 😕

Peroy
Peroy

Dieser Film ist Abfall und die Schluss-Pointe ist ebenso absurd wie widerlich.

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[…] ♥ Pontypool ♣ Sky Crawlers ♦ Tell Tale ♦ The Children ♣ The House of the Devil ♦ The Killing Room ♦ The Thaw ♥ The Tournament ♥ Thirst […]