childrenposter

England 2008. Regie: Tom Shankland. Darsteller: Eva Birthistle, Stephen Campbell Moore, Jeremy Sheffield, Rachel Shelley

Story: Elaine und Jonah besuchen zu Weihnachten Elaines Schwester Chloe und deren Ehemann Robbie. Beide Paare haben mehrere Kinder, und das abgelegene Landhaus soll der ideale Spielplatz sein, damit die Eltern mal ein wenig Ruhe bekommen. Doch die Kleinen benehmen sich zunehmend wirr und aggressiv, und schließlich kommt es zu einem offenen Kampf auf Leben und Tod, in dem die halbwüchsige Casey zwischen den Fronten steht….

Kritik: „The Children“ ist ein Film, der es jedem Kritiker schwer macht. Story und Umsetzung holperig zu nennen, wäre eine zu große Ehre. Als Horror funktioniert der Stoff sowieso nur bedingt. Und dennoch: „The Children“ hat was. Eine unterschwellige Strömung, einen Subtext, eine teilweise überraschend komplexe Meta-Ebene.

Fangen wir erstmal mit den Sachen an, die nicht funktionieren, und schon da wird es dramatisch: Die Story ist wenig plausibel, und entwickelt sich auch oft genug sehr unlogisch. Eine knappe Szene, die verdächtig wirkt, als hätte man sie im Nachhinein in den Film geschnitten, um den Zuschauern eine Erklärung für das Verhalten der Kinder zu geben, stellt mehr Fragen, als sie beantwortet. Es soll wohl an Bakterien oder sonstigen Kleinstorganismen liegen. Wo kommen die her? Wieso sind die weit verbreitet? Warum befallen sie nur Kinder? Warum hat niemand das Krankheitsbild bemerkt? Wieso scheinen die Kinder plötzlich stärker und klüger zu sein?

childrentrio

Es bedarf einiger Mühe, um zu glauben, dass eine Handvoll Rotznasen erwachsenen Menschen in freier Wildbahn gefährlich werden könnte. Ein kräftiger Tritt sollte jede Attacke der Mini-Mörder eigentlich konsequent beenden.  „The Children“ ist leider nicht smart genug, dieser Tatsache durch sorgfältige Planung der Angriffe Rechnung zu tragen. Immer wieder fragt man sich, warum es den Eltern nicht gelingt, wenigstens eine sichere Barriere zwischen sich und den blutrünstigen Nachwuchs zu bringen. Mitunter ist es schon albern, wie vollspackig die Erwachsenen in wirklich jede Falle tappen.

Das Problem ist dabei nicht nur das Drehbuch, sondern auch die Regie: Shankland stolpert immer wieder, wenn er Suspense erzeugen will, und bei den Schockszenen zeigt er sich katastrophal inkompetent – als Zuschauer hat man Mühe, trotz gezeigter Ekelhaftigkeiten zu verstehen, was genau vor sich geht. Die Kamera steht grundsätzlich an der falschen Stelle, und der hektische Schnitt schafft zusätzliche Verwirrung. Eine emotionale Reaktion provoziert einzig die recht drastische Gewalt gegen Kleinkinder, die so manchem Zuschauer aufstoßen dürfte.

Als spannendes Belagerungs-Szenario im Sinne von „The Strangers“ taugt „The Children“ also nicht.

Was mich aber fasziniert hat, ist die Konstellation der Figuren. Die Erwachsenen sind deutlich unreif, selbstverliebt, mit ihren kleinen Problemchen überfordert, und können kaum als Autoritätspersonen gelten. In ihrer gewalttätigen Boshaftigkeit zeigen die Kinder ihre Überlegenheit, drehen die Rolle Täter/Opfer um. Casey, als Teenager „zwischen den Welten“, kann als Einzige die Defizite beider Seiten sehen, und gegeneinander ausspielen. Die Avancen ihres Onkels Robbie wirken wie eine perverse Einladung in die Welt der Erwachsenen. Was die Eltern verwundbar macht, ist nicht nur ihre Dummheit und Egozentrik, sondern auch die Scheu, den Kindern gegenüber Druckmaßnahmen anzuwenden. Shankland spielt mit der Manipulierbarkeit elterlicher Liebe, dem absoluten Horror vor dem Kind als Feind. Auf dieser Ebene ist „The Children“ eine böse Kritik am Prinzip der antiautoritären Erziehung, der gewaltfreien Beherrschung der kindlichen Grenzsuche. Robbies anfängliche Feststellung „We don’t hit children in this house!“ soll sich als böses Omen herausstellen…

„The Children“ ist auf der Ebene „psychologisches Rollenspiel“ damit deutlich erfolgreicher als auf der Ebene Horrorfilm. Leider hätte es beide Ebenen gebraucht, um einen durchweg gelungenen Film zu ergeben, und das doofe Klischee-Ende macht letztendlich den Deckel zu. Technisch werden sowieso keine Bäume ausgerissen.

Wir halten fest: nicht ganz so doof und oberflächlich wie viele B-Filme heutzutage, aber etwas zu unausgegoren und hilflos in Umsetzung und Aussage. Kinderhasser werden ihn jedoch lieben.

Wortvogels pantomimisches Urteil:

hrmpf



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OM
OM

auf das pantomimische Urteil darf ab sofort nicht mehr verzichtet werden…

Eine Geste sagt mehr als tausend Worte!

Heino
Heino

ich bin kein Kinderhasser und mag ihn trotzdem:-))
liegt vielleicht daran, dass ich von einem Horrorfilm keine logische Erklärung erwarte (dann dürfte ich auch die Bücher von King oder Barker nicht mögen) und auch weiss, wieviel Terror schon normale Kinder hervorbringen können. Und dass die Eltern total überfordert erscheinen, ist auch nur realistisch. Die wenigsten Erwachsenen achten wirklich auf alles, was ihre Kinder tun oder sagen. Und die Biester sind im allgemeinen viel klüger, als man ihnen zugestehen möchte.

Asmodeus
Asmodeus

„Was die Eltern verwundbar macht, ist nicht nur ihre Dummheit“

Das ist doch in vielen Filmen so.
Wie oft sitzt man auf dem Sofa, schaut fern und denkt sich „Schieß doch, schieß du Idiot, du kannst nicht daneben schießen.“
Aber NEIN, der Böswicht spielt noch etwas mit dem Protagonisten der es am Ende wieder schafft den Bösewicht auszuschalten.

Aber ich denke, wenn man einen Film dreht, in dem die Bösen konsequent vorgehen….der wäre nach 10 Minuten vorbei und das Gute würde am Boden liegen….in einer Blutlache.

Asmodeus
Asmodeus

Antwort an mich selbst:
Es kann natürlich auch sein, dass der Bösewicht seine Position ausspielen will.
Er will dass alle sehen „Hier, seht mich an. ICH habe gewonnen.“
Der Bösewicht hat eine große Geltungssucht.

Da sollte man sich eher in Acht nehmen vor denen die meinen im Auftrag des Guten unterwegs zu sein.
Die sind meistens ziemlich radikal. (oder machen extrem guten Blues)

Peroy
Peroy

Shankland hat auch den superben „WAZ“ (Ich weiß immer noch nicht, wie man das kleine Dreieck mit der Tastatur macht) gemacht… wird vorgemerkt…

OnkelFilmi

Das ist kein kleines Dreieck, daß ist ein Delta Δ

Peroy
Peroy

Stimmt, ein Δ ist natürlich kein kleines Dreieck…

Öh…

weglach

ich finde das pantomimische urteil sensationell XD bitte mach weiter so XD

Dietmar
Dietmar

Ja, und wie macht man nun das kleine Dreieck, und wozu ist es gut?

Peroy
Peroy

Na, ich mach es mit Copypaste, nachdem es ein anderer gemacht hat, und gut isses dafür, den Filmtitel „WΔZ“ korrekt zu schreiben und nicht, wie viele andere, die das kleine Dreieck auch nicht machen können, mit einem „A“ als Dreieck-Ersatz…

Dietmar
Dietmar

Danke! Geschnallt und gegoogelt. Den lass´ ich lieber aus; hab´ ein zu sanftes Gemüt. 🙂

GrinsiKleinPo
GrinsiKleinPo

Der Gesichtsausdruck des Wortvogels erinnert mich ein ganz klein wenig an den Jens Maul. Könnte das Absicht gewesen sein?

Peroy
Peroy

Der Streifen hat zwei Aggregatszustände: Nervtötend oder dämlich. Manchmal ist er beides zur selben Zeit. Also… ich weiß nicht, ob irgendein Film in letzter Zeit größere Kopfpatschmomente intus hatte… vermutlich nicht, wenn mir keiner einfällt. Und er ist durch die Bank terribly directed, und die Montage ist ein Witz (so peinlich, wie man versucht hat, um die brutalen Stellen herumzuschneiden). Und dabei ist der Regisseur noch so hoffnungsvoll mit dem tollen „WΔZ“ gestartet…

Ich bin ein trauriges Pandabärchen… 🙁

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