19
Sep 2009

Amerika, du machst mir Angst

Themen: Neues |

Ich hatte gedacht, mit Obama zieht eine andere politische Kultur in Amerika ein. Ich hatte nicht gedacht, dass es die Kultur des Mobs sein würde, die Regentschaft denkfauler Schreihälse, die sich von Glenn Beck und den Lobbyisten erklären lassen, warum sie sie Pharma- und Versicherungs-Industrie gegen sozialistisch/faschistisch/islamistische Ideen wie eine allgemeine Krankenversicherung verteidigen müssen. Da reden sie von Steuererhöhungen, die es nicht gibt, und behaupten, Amerika habe das beste Gesundheitssystem der Welt, was nicht stimmt. Wie kleine Kinder plappern sie nach, was man ihnen einflüstert. Fakten sind im besten Fall irrelevant, im schlechtesten destruktiv.

Mir ist niemals in meinem Leben eine Bewegung begegnet, die derart konsequent gegen ihre eigenen Interessen vorgeht. Sie protestieren gegen die, die ihnen zu einem besseren Leben verhelfen wollen. Es ist ein Musterbeispiel für Manipulation und Fremdsteuerung, und das sicher hässlichste Gesicht Amerikas.

Sie reden mehr von der Verteidigung ihres wirtschaftlichen, als ihres gesellschaftlichen Systems – sie wollen den Kapitalismus schützen, nicht die Demokratie. Dabei ist der Kapitalismus schon längst weitergezogen, hat die ehemalige Industrienation USA für neue Märkte verlassen, ausgehöhlt und leer gesaugt. Die vom Kapital besiegten Massen werfen dem potentiellen Retter Sozialismus vor – und irgendwo lachen Karl Marx und John Maynard Keynes ganz herzlich.

In diesem Video kommt sehr schön zum Ausdruck, wie erschreckend dünn die Wissensdecke der Demonstranten ist – die meisten können nicht einmal erklären, was ihre Plakate und Parolen eigentlich bedeuten sollen:

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Natürlich sind diese Leute nicht repräsentativ – aber sie regieren derzeit die Medien in den USA, die ihnen ungebührlich viel Sendezeit widmen. Und damit prägen sie den Diskurs, der schon lange keiner mehr ist – es dominieren Hass, Rassismus, und dumpfe Ignoranz.

Ich wüsste gerne, was solche Menschen wirklich antreibt. Psychologisch gesehen kann ich mir nur vorstellen, dass sie sich in einem Erkenntnis-Schockzustand befinden: nach einem weißen und hochgefährlichen Volltrottel haben sie einen gebildeten Schwarzen zum Präsidenten gewählt, der tatsächlich klüger ist als sie, und beweist, dass man Dinge ändern kann, wenn man den Arsch vom Sofa kriegt. Er verkörpert die amerikanischen Ideale – und zeigt dadurch umso deutlicher, wie sehr diese Ideale vom gefräßigen und bequemen Schlick am Boden der US-Gesellschaft entfernt sind. Weite Teile von Amerika sind auf ideologischem, ökologischen, und psychologischem Hartz IV, brauchen permanent Stütze und Bestätigung. Obama ist der unverschämte Sozialarbeiter, der sie zum 1 Euro-Job schicken will. Was bildet der sich ein?

"Klar wollten wir Veränderung – aber muss sich deshalb alles ändern?"

Kein Wunder, dass sie immer davon plärren, sie seien das "wahre Amerika", sie wollten "Amerika zurück erobern", sie stünden für "Freiheit und Verfassung". Was sie verteidigen, ist nicht ihr Land: sie verteidigen das Privileg, Recht zu haben, ohne im Recht sein zu müssen; zu gewinnen, ohne im Wettbewerb anzutreten; zu haben, ohne zu verdienen.

Obama und der Mob sind sich in einer Tatsache einig: Amerika ist "the greatest nation in the world". Der Mob glaubt lediglich, dies sei per Definition so, und nicht per Leistung.

Der Begriff ist überstrapaziert, und ein Klischee, aber ich denke, er passt an dieser Stelle sehr gut: In Amerika findet ein Kulturkrieg statt, ein zähes Ringen um die Frage, wie man ein träge gewordenes Wohlstandsvolk in Zeiten des Wandels wieder auf Kurs bringt. Es geht darum, dass Profit an sich kein Wert ist, schon gar ein "uramerikanischer", und dass Amerika eigentlich mal ein Sinnbild war für Menschen, die eine Gemeinschaft bilden wollten, in der die Starken die Schwachen schützen.

Kein Wunder, dass die Starken mit allem, was sie haben, dagegen vorgehen: Medien, Lobbyisten, gekaufte Politiker, Kirchen, Big Business – es ist Endzeit. Zielgerade. Showdown.

Wenn Obama es nicht schafft – wer dann? Und was dann?



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Paddy-o
Paddy-o
19. September, 2009 11:56

Wenn Obama es nicht schafft, dann bleibt wirklich nur noch ein Hitler-Imitat, das mal totalitär durchgreift, das Volk entmündigt, ihm das Denken komplett abnimmt (oftmals also kein Verlust), und das durchsetzt, was.. äh.. gut für die Nation ist. 😛

Im Ernst: Ich mache mir seit Wochen die gleichen Gedanken. Sind diese Menschen wirklich dumm? Oder nur ignorant/denkfaul/wahrheitsresistent?

Ich würde auch soooo gerne mit einer Hand voll Fakten zu den Leuten gehen und Diskussionen starten. Wieso geht Amerika zugrunde?!? Was ist schlecht an sozialistischen Tendenzen (siehe Medicare)?! Wer zerstört das Land?! Was zum Teufel ist eigentlich euer Problem?!?!
Dass diese Diskussionen nicht lange dauern, hat man ja jetzt gesehen.

Dass Beck&Co opportunistische Quacksalber und Volksanstachler sind, zeigen Stewart und Co auch regelmäßig. Aber ich denke mal, wenn man alles auf diese Typen und die ganze Lobbyarbeit schiebt, tut man den Leuten unrecht. Denn zu einem großen Teil wird es sein wie du schon meintest, Torsten: Sie haben Angst und fühlen sich durch einen "elitist" vor den Kopf gestoßen. Ohje, ein Mann mit Bildung und Offenheit leitet die Nation – Die Apokalypse naht!

Joris
Joris
20. September, 2020 14:18
Reply to  Paddy-o

Ouch, war das on point.

Not quite like Beethoven
19. September, 2009 12:59

Ich hoffe natürlich auch, dass er es schafft. Aber ich hab den Eindruck, wenn solche umwälzenden Vorhaben schließlich umgesetzt werden konnten dann waren es meist die Konservativen/Rechten/Falken, die anderen, die "schon immer dafür waren", hatten nicht die Kraft. So wie (nur als Beispiel) in Israel Rabin den Friedensprozess eingeleitet hat. Aber der wurde ja auch erschossen.
Kann mir das bei Obama zwar nicht vorstellen, aber es sagen ja einige, dass man die die Milizen in den USA nicht unterschätzen sollte. Und die, die von "Obamas Todesschwadronen" gefaselt haben…

Allerdings: http://www.youtube.com/watch?v=nYlZiWK2Iy8

trackback

[…] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Rocco Storm. Rocco Storm sagte: RT @sir_pepe Amerika, du machst mir Angst http://bit.ly/Bzdax […]

Tyler
19. September, 2009 13:55

Immerhin sieht man mal, was wir an unserer langweiligen bundesrepublikanischen Parteienlandschaft haben.

Das Problem in Amerika ist gerade, dass die Republikaner implodierten. Die Partei ist nach Sarah Palin vernichtend geschlagen, und übrig blieben die Fanatiker und ganz Harten. Das ist wie bei einem Fußballverein nach dem Abstieg, bei dem dann nur noch die Irren mit zu Auswärtsspielen nach Paderborn fahren.

Das zweite Problem ist natürlich Fox News und Talk Radio (Rush Limbaough). Die Leute dort leben von extremer Parteilichkeit und Dissenz, das hat nichts mehr mit Journalismus zu tun. Und Zuschauer/Hörer für die das die einzige Informationsquelle ist, die haben ein extrem verzerrtes Bild der Wirklichkeit.

Wortvogel
Wortvogel
19. September, 2009 13:58

@ Tyler: Das ist richtig, beantwortet aber nicht die relevante Frage – wird es den "fringe groups" (und Fox News) gelingen, die Mehrheit der Amerikaner in die Defensive zu drängen, und die politische Entwicklung in ihrem Sinne zu steuern? Oder ist das nur ein Sturm im Wasserglas, bei dem sich ein paar Tausend Gehör über ein paar Millionen verschaffen?

GrinsiKleinPo
GrinsiKleinPo
19. September, 2009 14:02

Was passiert wenn Obama es nicht schafft, fragt der Wortvogel. Eigentlich ist es ganz klar was dann über kurz oder lang passiert. An den Eingängen der Arztpraxen und Krankenhäuser werden Leute der privaten versicherer stehen und sagen wer leben darf (behandelt wird) und wer nicht. Nur sind die Leute dann nicht von der regierung, die das nie vor hatte sondern von den privaten versicherern. Man weis ja was die wollen und wie sie es erreichen. Dummes Amerika. Acht Jahre Bush jr. sind wie 16 Jahre Birne.

Robert S.
Robert S.
19. September, 2009 14:05

VIelleicht ist es Zeit, das mal jemand die Amerikaner von ihrer Verantwortung als Leitkultur der Welt ablöst. Ich halte es für unwahrscheinlich, wenn auch nicht ausgeschlossen, dass sie aus eigener Kraft umdenken, dafür sind sie schon zu lange auf diesem Kurs.
Bei uns ist es aber leider auch nicht besser, nur wesentlich leiser. Die Aufgabe, ein Gegenmodell zu unserer Gesellschaft aufzubauen kann nur von den Bürgern ausgehen. Die Eliten haben wegen ihrer Eigenschaft als Elite haben sicher kein interesse daran, den Ast anzusägen, auf dem sie sitzen.

Muriel
19. September, 2009 14:09

Was da an Protesten läuft, finde ich zwar auch erschreckend, allerdings darf man aus der Dummheit der Gegner nicht zwingend auf die Richtigkeit der Pläne und die Retterqualitäten Obamas schließen.
Ich mag ihn auch, aber wenn ich das richtig sehe, hat er noch nicht viel erreicht, und seine Reaktionen auf die schwachsinnigen Vorwürfe kommen mir auch nicht besonders geschickt vor. Oder?

Wortvogel
Wortvogel
19. September, 2009 14:27

@ Muriel: Das Problem bei Obama ist in meinen Augen die eigene Partei. Die treten sich gegenseitig ins Kreuz. Obwohl er in beiden Häusern eine Mehrheit hat, gelingt es ihm nicht, (teilweise von Lobbygeldern abhängige) Senatoren und Abgeordnete auf Kurs zu halten. Es ist für die Republikaner leicht, dem Präsidenten in die Beine zu grätschen. Man braucht eben nicht nur einen Präsidenten, der den Wandel will, sondern eine Partei. Wie leicht man schon am Anfang scheitern kann, hat man bei Clinton gesehen (Themen Gesundheitsreform und Schwule in der Armee). Ich kann nur hoffen, dass der Eindruck täuscht, und Obama nicht zu schwach ist, sondern klug taktiert, um am Ende doch noch auf der Zielgeraden durchzustarten. So hat er es im Wahlkampf auch gemacht.

xanos
xanos
19. September, 2009 14:58

Ein soziales Experiment was passiert, wenn man den Menschen Bildung vorenthält und sie darin schult nicht selber zu denken.

Not quite like Beethoven
19. September, 2009 15:00

Das Problem ist, dass "yes, we can" nicht sagte, was "wir können". Sobald das gesagt wurde, wurde er angreifbar. Darum ist glaub ich die Wahlkampftaktik hier nicht so einfach anzuwenden…

Mencken
Mencken
19. September, 2009 16:24

Ich sehe das ehrlich gesagt alles nicht so dramatisch und im Vergleich zu Europa/Deutschland finde ich auch nicht, daß die Amerikaner in irgendeiner Form über ein schlechteres Diskussionsniveau verfügen, resp. die öffentliche Debatte in einem stärkeren Umfang von extremistischen Gruppierungen dominiert wird.
Das Gesundheitssystem ist von jeher immer ein Thema gewesen, an dem sich die Gemüter entzünden und insofern sicherlich auch nicht repräsentativ für die generelle politische Kultur, die dahinterstehenden Positionen – Eigenverantwortung vs. Gemeinwohl – erscheinen mir aber durchaus als uramerikanisch und keineswegs allein auf marktwirtschaftliche Mechanismen und auf Wahrung des bestehenden Status Quo reduzierbar.
Nebenbei bemerkt würde ich auch behaupten wollen, daß Amerika das beste Gesundheitssystem der Welt hat, bzw. diese Position zumindest vertretbar ist (sicherlich kann man auch Japan nennen), und einer der Gründe, warum die Reformgedanken auf soviel Widerstand stossen, ist sicherlich auch der Blick auf die Verhältnisse in Europa, was ich zumindest in Teilen auch gut nachvollziehen kann.
Übrigens wird allen Menschen (versichert oder nicht) an amerikanischen Krankenhäusern eine (wenn die Mittel fehlen, auch kostenlose) medizinische Versorgung zuteil, wohingegen ich hier in Berlin genügend Leute kenne, die sich dank Praxisgebühr, Zuschüssen für Medikamente, dem zeitlichen Aufwand (Überweisungen etc. und nicht jeder hat oder braucht einen Hausarzt) eigentlich dringend notwendige ärztliche Behandlung desöfteren verkneifen müssen. Hier also von irgendwelchen "dann stehen die Reichen vor dem Krankenhaus und entscheiden, wer versorgt wird" Szenarien zu schwadronieren ist blanker Unsinn, da sehe ich die Gefahr eher bei uns (mittlerweile werden bestimmte Behandlungsmethoden z.B. bei Krebserkrankungen in Deutschland aus Kostengründen gar nicht mehr angeboten, in den USA habe ich wenigstens die theoretische Möglichkeit, dies mittels Privatversicherung auszugleichen, und die übliche Vorgehensweise, die Anwendung von Behandlungsmethoden auch vom Alter des Patienten (oder sollte man "seinem Wert für die deutsche Volksgemeinschaft" schreiben?) abhängig zu machen, wäre beispielsweise in den USA nicht vermittelbar, wird hier aber gerne geschluckt, solange man denn sicher sein kann, daß die Reichen genauso "vorzeitig" sterben müssen (wenn sie denn nicht in die Schweiz oder USA fliegen)).

Damit will ich nicht für ein Modell USA plädieren, aber die Behauptung, wer gegen staatliche Gesundheitssysteme sei, müsse entweder ein fieser Kapitalist oder ein verblödeter Amerikaner sein, halte ich für viel zu simpel und auch nicht wirklich angebracht, angesichts der Probleme, die wir mit unseren eigenen Systemen in Europa haben.

Julian
Julian
19. September, 2009 17:04

Um einmal die andere Seite zu beleuchten, empfehle ich folgenden, meiner Ansicht nach vorzüglichen, Artikel von Scot Stevenson: http://usaerklaert.wordpress.com/2008/12/30/krankenversicherungen-und-blutende-amerikaner-vor-der-notaufnahme/

Wortvogel
Wortvogel
19. September, 2009 18:07

@ Julian: Die Fakten sind mir wohlbekannt, auch wenn ich den Tenors des Beitrages nicht teile. Er unterschlägt nämlich (auch wenn ich denke, dass das nachgeliefert wird) die Gründe für die geplante Reform, und die sind vielfältig. Das System ist praktisch bankrott, zu viele Menschen fallen durch das Netz, die Notaufnahmen werden überrannt von Leuten, die sich nur dort die erzwungene Hilfe leisten können (was im Endeffekt deutlich teurer ist als der Besuch beim Hausarzt – der allerdings aus eigener Tasche bezahlt werde muss). Und dass 82 Prozent mit der Coverage zufrieden sind, ist kein Argument: Obama hat immer wieder betont, dass diese Leute bei ihrem bisherigen HC Provider bleiben können.

Mein Artikel bezog sich nicht ausschließlich auf das Gesundheitssystem, aber bitte: Gesundheit ist Menschenrecht, und die medizinische Versorgung ist (neben Nahrung, Bildung und Unterkunft) eine der grundlegendsten und vorangigsten Aufgaben eines Staates, bzw. einer Regierung. Ich bin vielleicht zu sehr in den 70ern aufgewachsen, aber solange nicht jeder Mensch anständig versorgt ist (oder zumindest zu anständiger Versorgung Zugang hat), sollte es keinen Cent für weitere Rüstungsprojekte geben, für in Not geratene Banken, oder für Auslandsabenteuer.

@ Mencken: Da widerspreche ich aber heftig. Internationale Studien sehen das US-Versorgungssystem durchgehend nicht in den Top 30. Ich habe mit z.B. dem deutschen System durchaus meine Probleme – aber nicht, was die Versorgung der Bevölkerung angeht. Und die muss Vorrang haben.

47 Millionen ohne Versicherung, Abhängigkeit von der Versicherung durch den Arbeitgeber, Ablehnung durch Versicherungen auf der Basis von "pre existing conditions", etc. – man muss in meinen Augen schon sehr zynisch sein, um das für das beste System der Welt zu halten.

"wer gegen staatliche Gesundheitssysteme sei, müsse entweder ein fieser Kapitalist oder ein verblödeter Amerikaner sein" – das hat auch niemand gesagt.

Was mich am meisten ärgert: die Republikaner agieren ausschließlich destruktiv – sie haben keine stabilen eigenen Pläne, und heizen die verunsicherte Bevölkerung mit Horror-Szenarien von "Death Panels" auf, statt den von Obama gewünschten konstruktiven Kompromiss zu suchen. Das wird sich rächen – spätestens, wenn der erste Spinner auf der Suche nach seinen Freiheiten auf den Präsidenten ballert. Und dann will es wieder keiner gewesen sein. Politik heißt, Verantwortung zu übernehmen. Für die Presse gilt das in meinen Augen nicht weniger.

El Lumpo
El Lumpo
19. September, 2009 18:34

Ich war vor wenigen Wochen noch jenseits des Teiches und geriet unvorhersehbar in genau so eine Diskussion zum Thema Gesundheitswesen. Meine Gesprächspartner, allesamt "kleine Leute", wie man dort sagen würde, machten sich vor allem darum Sorgen, was mit ihren bisherigen Versicherungspolicen passieren würde, in die sie als gute Beitragszahler immer brav eingezahlt hatten. Allerdings reichten die Positionen von "mir egal, ich bin doch schon versichert" bis zu "man wird mir mein Geld wegnehmen und alles in einen Topf schütten, aus dem wir dann alle eine miserable Versorgung bekommen". Interessant war aber, dass der amerikanische Bürger grundsätzlich dem Staat einfach nicht zutraut, in ihrem Interesse zu handeln. "socialized medicine", dieser Begriff, der sich in der gesamten Diskussion hielt, ist nichts weiter als die Furcht davor, dem unberechenbaren Staat Geld zu geben. Aus unserer Sicht wirkt das wie Hohn, weil der Durchschnittseuropäer sein Wohlergehen eher in die Hand des Gemeinwesens legen würde als einer (unregulierten) Firma: die Firma ist gewinnorientiert, sie kann Pleite gehen, sie hat kein genuines Interesse an der Gesundheit der Versicherten etc. . Natürlich sind diese Leute auch schlecht informiert, aber nicht nur: Es ist eine Mentalitätsfrage, dass sie Angst vor dem Staat haben. Und die treibende Kraft hinter den Protesten (vielleicht hinter den Demos und dem Geschreie, aber nicht hinter dem Protest an sich) sind nicht unbedingt die "dummen Unversicherten". Es ist die Generation an Amerikanern, die bislang ihr Erspartes in die Versicherung getragen hat und nun von nicht und niemandem um "ihre" Leistung gebracht werden will. Es gibt den Einfluss der Meinungsmacher und der Lobbyisten, ganz klar. Aber die Verunsicherung ist nicht ihre, sie ist wirklich da. Nicht umsonst sind die Fürsprecher der Gesundheitsreform, wie Bill Clinton bei Jon Stewart anmerkte, die Jungen: Sie wissen, dass sie die Verlierer der fehlenden Generationengerechtigkeit sein werden. Also sind sie für eine Gesundheitsreform, auch wenn sie bei der ebenso die Hauptlast tragen müssten.

Geir (Gerhardt) Smith
Geir (Gerhardt) Smith
19. September, 2009 18:36

obama is der AntiKristus

http://www.youtube.com/user/Birwapa

und er hatt sex gehabt mitt grosspapa

er geschribte ess in einem poem

seh so

auf diese seite kukk mal am Fav # 8 Obama von einem junge laut aufgeruft

Mencken
Mencken
19. September, 2009 19:00

@Wortvogel: Bei der Einschätzung der Qualität des Gesundheitssystems ist sicherlich die Frage der Gewichtung von Faktoren entscheidend und die USA punkten in den mir bekannten Studien regelmässig in Kategorien, wie z.B. "Forschung", "theoretische) vorhandene Behandlungs- und Diagnostikmethoden", etc., schneiden aber in Punkten wie der Gesamtversorgung der Bevölkerung, Zugang zu den Krankenkassen usw. schlecht ab. Dies ist aber zumindest in Teilen auch durchaus so gewollt, bzw. ein in Kauf genommener Nachteil (wobei pre-existing conditions, Zugangsbeschränkungen zu Versicherungen usw. auch in Deutschland zu finden sind), was aber in den meisten Studien naheliegenderweise nicht berücksichtigt wird, da diese rein qualitativ messen.
Für mich ist immer die durchschnittliche Lebenserwartung ein ganz gutes Indiz und da liegen die USA (zusammen mit Australien, deren Gesundheitssystem in noch höherem Maß privatisiert ist) sehr weit vorne (und vor Europa/Deutschland), aber natürlich wird es da auch genügend andere Studien geben.
Mein Punkt war eigentlich nur, daß man die Position, Amerika habe eines der besten Gesundheitssysteme der Welt, grundsätzlich durchaus vertreten kann und die derzeitigen Ergebnisse eben nicht so eindeutig sind, daß man da einfach "stimmt nicht" behaupten kann.

Was die eigentlichen Kommentare angeht, sind wir ja einer Meinung, aber ich glaube nicht, daß diese wirklich repräsentativ für die Republikaner in ihrer Gesamtheit sind, gerade die "death panel" Szenarien sind mit Sicherheit nicht typisch für die Position der überwiegenden Mehrheit, liefern aber natürlich tolle Schlagzeilen.

Sprüche wie "dummes Amerika", "soziales Experiment, was passiert, wenn man Menschen Bilödung vorenthält und sie schult, nicht selber zu denken" gab es in den Kommentaren hier ja schon, darauf bezog sich auch mein "verblödeter Amerikaner" Absatz, war sicherlich auch polemisch und vielleicht hätte ich deutlicher darauf hinweisen sollen, daß es mir um die (Blog) Kommentare ging, aber letztendlich sehe ich die Tendenz ähnlich – ob ich behaupte, daß die "bestes Gesundheitssystem" Formulierung schlichtweg (objektiv) falsch ist, ich vom gefräßigen Schlick der US-Gesellschaft spreche, dann aber über alle Republikaner (und nicht allein ihre extremistischen Auswüchse) schreibe, vom Mob rede, etc., dann finde ich schon, daß dies zu derartig simplen Feindbildern geradezu einlädt, auch wenn ich anerkenne, daß die Argumentation natürlich schon noch differenzierter ist und ja auch ein "natürlich nicht repräsentativ" Disclaimer vorhanden ist.
Klingt jetzt aber schon viel negativer und kritischer als eigentlich gemeint, als persönliche Einschätzung ist der ursprüngliche Text natürlich einwandfrei (wenn auch für meinen Geschmack etwas zu polemisch, aber ist ja auch nicht meine Seite).

Andi
19. September, 2009 19:04

@ Julian: USA Erklärt ist zwar meistens sehr nützlich, aber Scot Stevenson ist leider sehr conservative. Entsprechend muß man oft zwischen den Zeilen lesen …

Wortvogel
Wortvogel
19. September, 2009 19:22

@ Andi: Das sehe ich auch so – informativ, aber mitunter etwas tendenziös.

@ Mencken: Ich meinte mit dem Mob sehr bewusst (und vielleicht provokant) die Menschen in Videos wie dem gezeigten. Ich käme nicht auf die Idee, das zu verallgemeinern.

Dietmar
Dietmar
19. September, 2009 20:17

Mir macht das wirklich Angst. Amerika ist ein hochgerüstetes und machtvolles Land. Dass eine unvernünftige Minderheit eine vernünftige Mehrheit niederbügeln kann, das hat die Geschichte mehrfach gezeigt. Bei den Dummen wie Palin fruchtet kein Argument, weil sie wenig verstehen. Die Intelligenten lassen Argumente aus irgendwelchen Interessen nicht zu. Und sei es, wie Glenn Beck oder O´Reilly, sich als Held und Hüter der USA zu positionieren. Selbstverliebtheit siegt über Vernunft.

Was bleibt, wenn Argumente nicht fruchten und Humor verpufft? Wie stoppt man Idioten, die auf Plakaten herumtragen, ,,ohne Waffen, noch" oder ähnliches?

Man muss Angst haben, dass dieses Problem, wie das der Wirtschaftskrise, nicht im Land bleibt.

Gast
Gast
19. September, 2009 20:53

Obama ist es aber teilweise auch selber schuld an diesen Protesten. Er markiert nicht den starken Präsident. Es hat den Anschein, als kapituliere er vor Nordkorea, vor dem Iran, in Israel und bei den Palis will keiner auf ihn hören. In Europa ist er schon vor allen zu Kreuze gekrochen. Der Autoindustrie liest er die Wünsche von den Lippen ab und er schmeißt mit Geld um sich.
Den Leuten muss sich doch einfach der Eindruck aufdrängen, dass sie kriegen, was sie wollen, wenn sie nur laut genug schreien.

El Lumpo
El Lumpo
19. September, 2009 21:29

Ich empfehle übrigens als begleitende Lektüre (auf Englisch) den wundervollen Text "Stoopid Peepul" vom ebenso wundervollen liberalen Blog crooksandliars.com:

http://crooksandliars.com/nicole-belle/stoopid-peepul

Wortvogel
Wortvogel
20. September, 2009 00:02

@ Gast: Das ist natürlich Unfug: den "starken Präsidenten markieren" wäre genau der Fehler, den George Bush gemacht hat. Das führt zu nichts, und keiner der Protestler oben hat ein außenpolitisches Problem mit Obama. Tatsache ist: er ist hart gegenüber den Israelis, hat (über Bill Clinton) erstmals wieder echte Kontakte mit Nordkorea aufgenommen, hat den unsinnigen Raketenschirm abgesagt (was von den Russen sofort mit einer Abrüstungsaktion gekontert wurde), und er hat Krisen wie die entführten Journalistinnen und das gekaperte US-Schiff souverän gehandhabt – ohne Macho-Posen, aber dafür mit Ergebnis.

Stefan
Stefan
20. September, 2009 00:34

Mmh, die Demonstranten, die "Freedom" rufen, kommen mir bekannt vor… achja, hier: http://www.youtube.com/watch?v=RomPjp3ydek

Baumi
20. September, 2009 09:57

Aus der Süddeutschen ein Artikel über einen anderen Bereich, in dem Amerika mir Angst macht – auch wenn die Gesetze dafür auf Bundesstaaten-Ebene erlassen werden und nicht in Washington:

http://www.sueddeutsche.de/,tt2m1/kultur/870/488269/text/

Sven O.
Sven O.
20. September, 2009 12:54

Ich beobachte die Entwicklung auch schon länger mit Entsetzen. Dabei geht es mir gar nicht darum, das man nicht anderer Meinung als Obama sein darf, sondern wie mit blanker Hysterie ohne Sinn und Verstand auf Obama und seine Politik reagiert wird. Da wird nicht sachlich argumentiert und Alternativen angeboten, sondern Obama als Nazikommunistensau, Rassist, Antichrist und anderes verunglimpft. Das ist einfach krank! Das kann unmöglich echt sein. Ich glaube die Verar.schen uns gehörig. Das ist einfach nur eine hemmungslos überspitze Satire und in Wirklichkeit lachen die Amis heimlich über uns, weil wir es ernst nehmen.

Unfassbar! -.-

xanos
xanos
20. September, 2009 17:24

@Mencken
Das hast du dir aber fein zurechtinterpretiert. Wenn ich die gezeigten Amerikaner für ungebildet und obrigkeitshörig halte (=ugs: dumm), habe ich nicht einen Deut über die Sache an sich gesagt. Aber wenn man für eine Sache einsteht und dafür kämpft, dann sollte man wenigstens wissen was man da tut, die Fakten ein wenig auf der Reihe haben und nicht blind jedem Schwachsinn nachrennen.

Aber nein. Du hast es dir lieber so zurechtgebogen und genehm interpretiert. Gratuliere. Im Schnitt liegen wir halt auch nur knapp drüber …

Paralyta
20. September, 2009 18:00

"Für mich ist immer die durchschnittliche Lebenserwartung ein ganz gutes Indiz und da liegen die USA (zusammen mit Australien, deren Gesundheitssystem in noch höherem Maß privatisiert ist) sehr weit vorne (und vor Europa/Deutschland), aber natürlich wird es da auch genügend andere Studien geben."

@Mencken
Laut einer 2007er OECD-Studie verhält es sich etwas: http://en.wikipedia.org/wiki/Health_care_systems#Cross-country_comparisons
In den dort aufgeführten Ländern (Australien, Kanada, Frankreich, Deutschland, Japan, Schweden, Großbritannien, USA) ist die Lebenserwartung der US-Bevölkerung am niedrigsten, die Säuglingssterblichkeit in Amerika dafür am höchsten. Wenn ich es richtig im Kopf habe, ist die Säuglingssterblichkeit in den USA sogar die höchste aller Industrieländer (so meine ich es in Sicko gesehen/gehört zu haben).

Und nach Angaben eines "Blogeintrages"(http://krankenversicherungvergleich.blogg.de/) von Dezember 2005 sieht/sah es noch schlimmer aus:

"So ist etwa die Säuglingssterblichkeit in den USA auf gleichem Niveau wie in Malaysia – einem Land, in dem das durchschnittliche Einkommen etwa ein Viertel des US-amerikanischen beträgt. Rassenbezogene Ungleichheit ist ebenfalls ausgeprägt. So hebt der UN-Bericht hervor, daß die Säuglingssterblichkeit in den Stadtregionen des indischen Bundesstaats Kerala niedriger ist als die unter schwarzen US-Amerikanern in der US-Hauptstadt Washington D.C."

Gehe ich davon aus, dass diese Zustände heute noch ebenso stark herrschen (wovon ich angesichts der gleichbleibenden Politik in den letzten 8 Jahren ausgehen kann), kann man zusammenfassend sagen, dass das teuerste Gesundheitssystem der Welt (nach Ausgaben pro Kopf) sich insgesamt gerademal auf durchschnittlichem Niveau befindet. Nimmt man die privat Versichterten raus, dann macht es für einen großen Teile der Bevölkerung kaum einen Unterschied, ob sie sich in den USA oder einem Entwicklungsland behandeln lassen würden – der Unterschied ist nur der ungleich höhere Preis.

Zur 82%igen Zustimmung der Versicherten, die in dem US-Blog zitiert werden, muss ich auch etwas loswerden.
Mehrfach wurde schon darüber berichtet (in Sicko wurde das Thema ebenfalls angeschnitten), dass in den Versicherungen ganze Abteilungen damit beschäftigt sind, die nur darauf aus sind, die Kosten auf Teufel komm raus niedrig zu halten. Hier werden Ärzte angeheuert, die mit ihrem Wissen gegen den Patienten arbeiten um ihnen Fehler vor und/oder während der Krankheit/Behandlung nachzuweisen. Neben vernünftigen Erklärungen, gibt es bei den Absagen auch diverse Entscheidungen, bei denen man laut lachen müsste, wenn es nicht so traurig wäre. Da werden in vielen Ländern anerkannte Therapien als experimentell bezeichnet oder verschwiegene Vorerkrankungen und längst verheilte Krankheiten herausgegraben, so dass man aufgrund von lächerlichen Erkältungen oder leichten Infektionen schon mal eine Ablehnung der Versicherung für wichtige (und teure) Operationen kassiert. Dann heißt es für den Erkranken entweder die Behandlung/Medikation selbst zahlen oder gegen den Versicherer klagen. Da Geld und Gesundheit oft genug Mangelware ist, um eine langwierige Prozesskolonne auszuhalten, wird schon mal resigniert und die Krankheit verschleppt – oft bis zum Tod des Versicherten. Wenn von vornherein 10% der Anträge abgelehnt werden sollen (Vorgabe der Versicherer an ihre Detektivärzte) und sogar ein Bonus für besonders eifrige/erfolgreich Mitarbeiter gezahlt wird, dann sieht man spätestens hier ultrakapitalistische Auswüchse im System: Friss mehr damit andere bloss nichts abbekommen.
Die 82% könnten also eventuell die Glücklichen sein, denen bislang immer alles gewährt wurde. Aber wehe, wenn die Ablehnungsquote der Profitmaximierung wegen auf 20 oder 30% angehoben werden sollte.
Man sollte sich aber nicht dem Glauben hingeben, dass in Deutschland sehr viel anders ist. Auch bei gesetzlichen Krankenkassen werden solche Szenarien praktiziert. Und ja, Bonusse gibt es auch hier, wie ich mir versichern ließ.

Das amerikanische System ist meiner Meinung nach mit einem Eisberg auf hoher See vergleichbar. Es gibt Millionen, die wollen auf den Berg rauf, kommen wegen des Balastes an Vorerkrankungen und dem Mangel an Barem aber nicht auf die begrenzten Plätze der Priviligierten. Aber auch die Priviligierten müssen aufpassen, dass sie nicht danebentreten, den Berg runterrutschen und im eiskalten Wasser landen, wo schon ein Millionenvolk täglich zu ersaufen droht.

So sehr die Amerikaner auch ihre Freiheit und Unabhängigkeit lieben, sollten sie doch bei einigen Dingen das Zusammensein wiederentdecken. Es kann nicht angehen, dass ein Sechstel der Bevölkerung sich erst behandeln lassen kann, wenn sie zum Notfall geworden sind und einem Teil wichtige Behandlungen oder Krankenversicherungen allgemein aus Profitgründen vorenthalten werden, während sich die Gesunden und Wohlhabenden finanziell wie geistig vom Rest abgekapselt haben.
Wie können solche Leute von EINEM Amerika schwaffeln, wenn das Land zusehends zerfällt und das politische System vom Raubtierkapitalismus ausgehöhlt wird. Ist es wirklich nur der unsägliche Glaube an die Unbesiegbar daran Gottes Nation zu sein, dass man nur noch Profit und das eigene Ego als einzige erstrebenswerte Ideale ansieht? Und wie halten es die Jesusfreaks in diesem (aber)gläubigen Land damit, dass das große Vorbild Jesus kostenlos Kranke heilte und Essen unter den Armen verteilte, der christlich geprägte Staat in dem sie leben sich aber immer weiter weg von diesen Idealen bewegt hat und augenscheinlich das Geld als Götzen anbetet?

Ich kapiere dieses Land einfach nicht. Die zusammengefrickelte Subway-Religion/Ideologie (lecker Homophobie-Bohne mit ordentlich Anti-Abtreibungskakao, Waffenbeeren und Turbokapitalismus-Streusel) dieser Subjekte ist mir ein Rätsel. Wenn ich Real Time with Bill Maher, Daily Show oder die Rachel Maddow Show sehe, kann ich es nicht fassen, dass diese Menschen alle gemeinsam in EINEM Amerika leben. Die einen versuchen weitgehend rational und argumentativ Probleme zu zerlegen, die anderen befinden sich flapsig ausgedrückt im Wilden Westen des Mittelalters einer weit entfernten Steinzeit. Ja, wir haben solche Menschen in Deutschland auch, aber die lässt man nicht ins Fernsehen – außer wenn sie sich bei Frauentausch gegenseitig in die Dusche pissen. Nur weil einer laut schreit, heißt es nicht, dass er recht hat. Und nur weil es Menschen mit obskuren und extremen Meinungen gibt, heißt das nicht, dass man sie gleichwertig in den Medien behandeln muss bzw. ihnen wochenlang Aufmerksamkeit schenkt.
Das Argument "Obamas Health Care = Socialism" ist angesichts von jahrzehntelangem Mediacare in den USA und gesetzlichen/staatlichen Gesundheitssystemen in ganz Europa absoluter Blödsinn. Wollen die dort in Zukunft Straßen abreißen, damit bloß kein Tourist oder Immigrant diese kostenlos nutzen kann, da diese von den hart arbeitenden Amis bezahlt wurden? Wollen die bald alle Schulen und Kindergärten schließen und die Lehrer aus eigener Tasche bezahlen, damit keine schlechten Pauker und keine dummen Schüler die Entwicklung des eigenen Nachwuches beeinträchtigen? Mein Vorschlag wäre, die Regierung, ach was die gesamte Politik zu privatisieren, damit man die Männer bezahlen kann, die für einen selbst das beste rausholen können. So verhindert man, dass schlechte Politiker mitgeschliffen werden. Das gibt es dort teilweise ohnehin, also sollte man dann doch bitte Nägeln mit Köpfen machen und Politik mit Geld.

Asmodeus
Asmodeus
21. September, 2009 10:38

Zu Amerika: Ich weiß nicht was ich von einem Land halten soll, in dem man mit einem Sturmgewehr auf eine Rede des Präsidenten darf…..

Shah
Shah
21. September, 2009 11:39

Hatte hier in Tehran grad die Gelegenheit, mit zwei amerikanischen Ärzten über deren Gesundheitssystem zu debattieren. Der eine hat sogar über eine mögliche Adaption des dt. Systems publiziert. Ich musste ihm dann erstmal klarmachen, dass auch das dt. System seine Tücken hat..

Wie auch immer: Es war erschütternd, was diese beiden auch aus ihrem Freundeskreis für Geschichten erzählten. Ich persönlich bin ja uach ein Freund des Krankheiten-Bagatellisierens, aber sich ne Fraktur aus Geldmangel persönlich richten? Na danke.

Es machte sich auch ein gewisser "Rassismus" innerhalb der USA breit, zumindest zwischen den beiden. Der eine aus L.A. denunzierte den Mittleren Westen und den Süden als Hinterwäldler, der andere aus Ohio warf dem Westküsten-Arzt vor, die Küstennahen hätten eh immer nur ihren eigenen Vorteil im Sinn…

Scheint, dass die Amis sich als Gemeinschaft schon länger nicht mehr sehen.

Cyberdroid
21. September, 2009 12:14

Die einfachste Option: Royal Navy rüberschicken und die Rebellion in den Kolonien beenden. Wenn die Queen Staatsoberhaupt ist, kann sie sich um den Rest kümmern.

Mencken
Mencken
21. September, 2009 14:39

@Paralyta. ich könnte jetzt auch Studien suchen, in denen andere Ergebnisse gelistet werden, aber darum ging es ja nicht – mir ist durchaus klar, daß es diese Studien gibt, aber es gibt eben auch andere und mehr als ein "so eindeutig ist die Sache eben nicht" behaupte ich ja gar nicht. Nebenbei bemerkt sind die bei dem Wikipedia-Link aufgeführten Länder allesamt in der Weltspitze, aus einem innerhalb dieser Gruppe schlechten Abschneidens Amerikas ein "bestenfalls durchschnittliches Gesundheitssystem" herzuleiten, finde ich zumindest etwas gewagt (Fehler, ein miserables Ausgabe/Effizienz Verhältnis etc. schließt das ja dennoch nicht aus).
Übrigens hat der OECD meines Wissens seine Methodik auch gerade nochmals überarbeitet, die Schätzwerte für 2009 (soweit veröffentlicht) liegen jedenfalls deutlich näher an denen der "amerikafreundlichen" Studien.

@Xanos: Was biege ich mir denn zurecht? Ich habe kritisiert, daß hier Amerikaner pauschal für dumm und ungebildet erklärt werden, was Du dann ja auch nochmals bekräftigst, daß daraus keine Aussage zur Sache folgt, ist mir durchaus klar, aber vollkommen irrelevant. Aus einem Hinweis auf die Uneinheitlichkeit der Ergebnisse existierender Studien ein "jedem Schwachsinn hinterherrennen" zu konstruieren ist natürlich auch grober Unfug, passt aber natürlich wunderbar zu einem Argumentationsniveau, bei dem gleich pauschal ganze Völker für dumm erklärt werden, weil sie nicht die eigene Meinung teilen.

Paddy-o
Paddy-o
21. September, 2009 19:11

Womit wir mal wieder festhalten können, dass es erneut um einen komplizierten Sachverhalt geht, bei dem man nichts pauschalisieren kann.

Ich habe aber trotzdem immer noch ein Problem mit der "bestes Gesundheitssystem der Welt"-Aussage. Als ich das zum ersten mal gehört habe, hab ich mir gleich gedacht, dass dies bestimmt stark auf den Bereichen Forschung, Technologie und Qualifikation des medizinischen Personals beruht. Soweit, so verständlich. Hinzu kommt ja auch, dass der Großteil der amerikanischen Bevölkerung durchaus versichert ist und es für die (ganz) Armen und Alten auch jeweilige Programme gibt.

Aber es wird doch sicherlich auch Erhebungen über die effektive(!) Versorgung der Bevölkerung geben, oder? Zahlen und Fakten, die den ganzen Mist mit pre-existing conditions, etc. berücksichtigen?

Habe den Sicko-Film nur Trailer-weise gesehen und die Moor’schen Werke sind ja alles andere als objektiv, aber ist die Aussage
"Hier in Deutschland/Westeuropa geht es mir, falls ich krank werde, einen Unfall habe oder sonst wie behandelt werden muss, in den meisten Fällen WESENTLICH besser als einem großen Teil der Amerikaner (ob mit oder ohne versicherung)"
nicht trotzdem konsenzfähig?

co
co
21. September, 2009 20:04

ich find u.a. die Fette und den Typen mit der schwarzen Lederweste witzig, deren einzige Sorge es ist, welcher Religion der Präsi angehört.
Jesus is our King? Oh bitte, wer soll denn deren Meinung nach den Staat regieren? Gott?
OMG…

xanos
xanos
22. September, 2009 23:32

Und wieder laberst du über irgendeinen Sachverhalt. Dann sag mir mal bitte, welche Studie bei der Zaren-Thematik die geäußerte Grundposition vertritt? Welche Studie sagt, dass Obama kein Christ oder kein US Bürger ist? Ich vermisse da irgendwie deine postulierte Uneinheitlichkeit existierender Studien.

Lndwurm
26. September, 2009 10:15

Was geschieht, wenn Obama mit seiner Krankenversicherungsreform scheitert? Er wird nach einer Legislaturperiode abgewählt. Allen Amerikanern Zugang zu einer Krankenversicherung zu ermöglichen, war schließlich DAS zentrale Wahlversprechen. Leider hat Obama es verabsäumt, VOR der Wahl die Demokraten auf einen einheitlichen Kurs zu bringen, ja nicht mal Obama selber hat vermutlich en detail gewusst, wie er das nun anstellen soll mit der Massenversicherung. Problem: Eine Mehrheit der US-Amerikaner war (ist?) für eine Gesundheitsreform. Aber da ihnen niemand erklärt hat wie, was, warum und vor allem: was das wen kostet, schalten sie jetzt auf stur. Obama hat das selbst versaubeutelt, die Versicherungskonzere und die reaktionären Medien brauchen sich nur wie die Geier auf das Thema zu setzen und die durch Obama ausgelöste Verunsicherung noch anzuheizen. Statt einer klaren Idee wurde dem Volk ein Wirrwarr sonderglechen vorgesetzt, bei dem keine Sau mehr durchsteigt. Da braucht man sich nicht zu wundern wenn die Verschwörungstheorien wuchern und man den Kommunismus am Horizont heraufziehen sieht.

Wortvogel
Wortvogel
26. September, 2009 15:55

@ Lindwurm: Das sehe ich anders: Obama hatte einen Plan. Vielleicht keinen perfekten (was auch keinen Sinn gemacht hätte, weil das Ding ja trotzdem durch die Ausschüsse muss), und vielleicht hat er ihn auch nicht perfekt kommuniziert. Aber die momentane Verwirrung ist von den Republikanern und der Pharma-Lobby bewusst verursacht worden. Statt über die strittigen Punkte zu diskutieren, hat man panikschürende Nebenschauplätze aufgemacht, in dem man Begriffe wie "death panels" in die Runde warf, und Behauptungen wie "Dann steht die Regierung zwischen dir und deinem Arzt". Seither sind die Demokraten permanent beschäftigt, diese Störfeuer zu kommentieren, statt sich auf den Kern der Reform zu konzentrieren. Und damit spielen sie ihren Gegnern wieder in die Hände. Bei aller Widerlichkeit: das hat "big money" beeindruckend gut hinbekommen…

Lindwurm
27. September, 2009 08:41

@ Wortvogel: Obama mag einen Plan gehabt haben, doch er musste den Konservativen und den von der Versicherungslobby Gesteuerten in der eigenen Partei dermaßen viele Zugeständnisse machen, dass jetzt eben nur mehr ein Chaos übrig geblieben ist. Das ist durchaus nachweisbar, dass es sich chronologisch so abgespielt hat: ZUERST haben die Demokraten selbst Verwirrung gestiftet, und DANN hatten die Gegner der Reform leichtes Spiel. Die Dems haben es schlicht verabsäumt, der Bevölkerung die Reform zu erklären (weil sie selber nicht mehr so genau wissen, wie diese aussehen soll), und auf die allgemeine Unwissenheit und Verwirrung konnten die netten Damen und Herren der Versicherungs- und Parmakonzere dann ihre Horrorkampagnen aufbauen.

Dietmar
Dietmar
27. September, 2009 09:55

@Lindwurm: Das stimmt einfach nicht: Die Debatte war nie eine Debatte, sondern eine von den Republikanern mit unlauteren Mitteln geführte Kampagne. Es ist rhethorisch, der Partei eines Streites, die sich solcher Angriffe erwehren muss, eine eigene Schuld zuzuweisen. Das funktioniert immer und in jedem Streit und macht es eben dadurch zu einer rhethorischen Floskel.

Die Health-Care-Debatte läuft schon viel länger, hat aber jetzt erst diese Auswüchse erreicht, weil die Reform erst jetzt eine Chance auf Verwirklichung hat. An welcher Stelle die Demokraten ein derartig gewaltiges Chaos angerichtet hätten, dass einen solchen Mob auch nur im Ansatz eine berechtigte Rechtfertigung liefern könnte, müsstes Du nachweisen. Tatsache ist, einen solchen Grund gibt es nicht, denn selbst wenn es eine innerparteiliche Debatte und Gespräche, vielleicht auch Zugeständnisse mit und gegenüber von Lobbyisten gegeben haben sollte, ist das ein demokratischer Prozess, der derartige Auswüchse in absolut keiner Weise rechtfertigt.

Welches Interesse die Versicherungen und deren Lobbyisten verfolgen, ist klar. Was Glenn Beck, Bill O´Reilley und andere sich dabei denken mögen, ist für mich unverständlich; demokratisch ist das nicht. Und schon gar nicht vernünftig.

Joris
Joris
20. September, 2020 14:17

Prophecy part two, electric Boogaloo.