Manchmal habe ich das Gefühl, die Redaktion des SPIEGELS besteht nicht aus einzelnen Personen, sondern aus einer amorphen Masse, geformt aus dem Image des Blattes, seinem Alter, und seinen mitunter verstaubten Einstellungen. Dieser Rentner-Organismus verhält sich genau so, wie man es von den altersstarrsinnigen Schwadronierern erwartet: er versteht nichts von aktueller Musik, beharrt auf haltlosen politischen Wirrthesen (Broder), und kann mit neumodischem Kram wie Netzkultur rein gar nichts anfangen.

Auf der medialen Parkbank sitzend sabbert er dafür gerne den jungen Dingern nach, die in kurzen Röcken an ihm vorbei hüpfen: „Du bist mir aber ein Früchtchen…“

Matthias Matussek rubbelt sich an Halle Berry glücklich, Lars-Olav Beier erregt sich an Eva Mendes, und Christine Wahl solidarisiert sich ungefragt mit Fritzi Haberlandt.

Auch David Kleingers hat es heute nicht für nötig gehalten, Nora Ephrons neuen Film „Julie & Julia“ einfach zu verreißen –  es musste (quasi als Gegengewicht) eine Lobeshymne auf Hauptdarstellerin Amy Adams dabei rumkommen. Nicht ganz so ejakulativ wie bei den Kollegen, aber mit vielen Behauptungen und Schlussfolgerungen, die geradezu „kicking and screaming“ für den Tenor des Artikels zurechtgebogen wurden.

Mein Lieblingssatz steht gleich am Anfang:

„Disney-Prinzessin, Ordensschwester, White-Trash-Girl: Man muss schon vielseitig sein, um all diese Charaktere perfekt zu verkörpern.“

Oder Schauspielerin.



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Donalbain
Donalbain

AAABER bei den CDs der Woche habe ich schon so einige Perlen entdeckt. Soviel zur punktuellen Ehrenrettung.

Will Tippin
Will Tippin

Ich denke hier passt es ganz gut, aber ich wollte die ganze Zeit schon einmal das hier ansprechen: http://www.cinema.de/kino/news-und-specials/news/avatar-von-titanic-regisseur-james-cameron-die-1-kritik,3731084,ApplicationArticle.html

„auch wir sind der Meinung: „Avatar“ wird ein Meilenstein der Filmgeschichte und einer der herausragenden Filme in diesem Jahrhundert.“

Ich konnte nicht so recht nachvollziehen was meine Freundin eigentlich gegen die Cinema hat, aber alleine dieser Satz macht es mir klar…

Marko

Bei den CDs der Woche frage ich mich meistens nur, wieso mir 80% davon nichts sagen. 😕 Das meiste davon hört doch keiner …

Gruß,
Marko

Muriel

Vielleicht sagt das mehr über mich aus, als über den Spiegel, aber ich konnte das Magazin noch nie leiden und freue mich, dass es meine Vorurteile in letzter Zeit so regelmäßig bestätigt.

Lindwurm

Aber Wortvogel, so respektlos sein gegenüber dem „Flagschiff“, das darf man doch nicht…

Ne, tut gut, dass du mal wieder ein so genanntes „Qualitätsmedium“ auf seine Schwächen abklopfst statt immer nur das leichte Opfer „BILD“.

ps: Man kann dem Broder manches vorwerfen, aber keine „Wirrthesen“. Der denkt zumindest noch mit dem eigenen Hirn statt vorgestanzte Worthülsen des Besserbürgertums immer wieder zu variieren.

Tornhill
Tornhill

Der Beitrag ist eigentlich zu alt, um noch zu antworten, aber eine (unzutreffende) Broder-Befürwortung darf nicht am Schluss stehen: Der HAT vielleicht mal mit seinem eigenen Kopf gedacht, aber derzeit ist er gerade das Musterbeispiel für einen Worthülsenschreiberling, der aus den immergleichen „Kapitulation!“ und „Antisemitismus!“-Bausteinen immer neue/alte Artikel zusammen setzt.
Dazu simples „Gut/Böse“-Denken ohne Kompromisse und Zwischenstufen…doch…Wirrthesen passt!

(Und die Beobachtung, dass SPIEGEL-Filmartikel meist zu schnaufenden Heiligsprechungen einzelner Beteiligter – meist unter Bezug auf Äußerlichkeiten – verkommen, habe ich ja auch schon öfter gemacht, so dass ich hier aus dem zustimmenden Nicken gar nicht mehr heraus komme.)