Green Lantern: First Flight

lanternUSA 2009. Regie: Lauren Montgomery. Sprecher: Christopher Meloni, Victor Garber, Tricia Helfer, Michael Madsen

Von einem sterbenden Alien bekommt Testpilot Hal Jordan einen Ring, der ihm kosmische Kräfte verleiht. Schon bald wird er zum Heimatplaneten der „Green Lanterns“ berufen, und landet mitten in einer gefährlichen Intrige: Lantern-Kollege Sinestro hat ganz eigene Vorstellungen, wie man der Galaxie Frieden bringen sollte – notfalls mit Gewalt und Unterdrückung. Er plant einen Umsturz, der die Wächter von Goa entmachten soll. Ausgerechnet Hal, der noch nicht das Vertrauen der anderen Lanterns besitzt, kommt dahinter…

Wer hier regelmäßig mitliest, der kennt meine Vorliebe für Green Lantern, besonders in der Hal Jordan-Inkarnation. Abgesehen von den coolen Science Fiction-Elementen beeindruckt mich die Grundidee hinter den Superkräften: sie sind abhängig von der Willensstärke und der Integrität des Ringträgers. Das ist erzählerisch erheblich potenter als z.B. bei Superman, der seine unglaublichen Kräfte ja beliebig abrufen kann.

Da ein Live Action Lantern-Film beschlossene Sache ist, war es höchste Zeit, dass DC mit einem Trickfilm in die Puschen kommt. Der „Wonder Woman“-Streifen hatte mich ja nicht so überzeugt, aber das lag hauptsächlich an der Protagonistin selbst.

Nur leider, leider: „First Flight“ ist eine ziemlich fade Angelegenheit, wenn auch eine gut verpackte. Das Problem liegt hauptsächlich daran, dass Drehbuchautor Burnett (den ich wie seinen Kollegen Dini für massiv überschätzt halte) beides gleichzeitig will: die „origin story“ von Green Lantern erzählen, und obendrauf noch ein megafettes Einzelabenteuer. Beide Teile kommen am Ende zu kurz, und entfalten nur sporadisch ihr dramatisches Potential.

Die Entstehungsgeschichte der neusten Lantern wird (wie wir sie aus den Comics kennen) in fünf Minuten runtererzählt. Hal findet Abin, bekommt den Ring, trifft die anderen Lanterns, fliegt nach Oa. An dieser Stelle fehlen schon zehn Minuten, die zum Verständnis unseres Helden notwendig sind – wie geht Hal damit um? Hat er keine Zweifel? Wie entdeckt er seine Kräfte? Beschäftigt es ihn gar nicht, dass er an einem Tag Außerirdische entdeckt, einen Superring bekommt, plötzlich fliegen kann, und schließlich zu einem fremden Planeten reist? Er scheint sämtliche Erlebnisse mit einer erstaunlichen Nonchalance hinzunehmen. Ohne diese Grundkonflikte ist Hal Jordan aber kein wirklicher Charakter, kein Mensch mit Ecken und Kanten – im Vergleich zu Superman und Batman ist Green Lantern in dieser Version das blasse Abziehbild eines Helden.

Nun könnte an meinen: „Ist doch wurscht, wenn das große Abenteuer danach stimmt“. Leider nein. Kaum auf Oa angekommen, erweist sich Hal als souveräner, einfallsreicher, schlauer, und kampferfahrener als der gesamte Rest des Corps. Das wäre okay, wenn Hal ein Veteran im Umgang mit dem Ring wäre – aber er soll der überforderte Neuling sein! Die Tatsache, dass ein Anfänger die Lanterns samt der Wächter derart überragt, lässt das Corps extrem dumm aussehen, und Hal unangenehm chauvinistisch- es braucht halt doch einen smarten Erden-Übermenschen, um einen so offensichtlichen Fiesling wie Sinestro zu enttarnen. Da können die niederen Lanterns außerirdischer Herkunft nicht mithalten…

Auch die Idee, Sinestro zuerst als „gute“ Lantern einzuführen, geht nach hinten los – wer auch nur das Mindeste über das GL-Universum weiß, wird kaum überrascht sein, als dieser entlarvt wird. Die Geschichte bleibt über weite Strecken extrem vorhersehbar.

„Green Lantern: First Flight“ ist ein Film ohne dramatischen Kern, ohne emotionale Aussage, ohne erzählerische Höhepunkte. Inhaltlich ist Burnett hier in den 60ern stehengeblieben, was die Comic-Narrative angeht.

Technisch ist „First Flight“ allerdings auf der Höhe der Zeit: die Animation ist gut, das Chara-Design angemessen authentisch, und die vielen Action-Szenen sind sauber inszeniert. Der Schlusskampf zwischen Hal und Sinestro hat genau den kosmischen Budenzauber, den man von solchen Figuren auch erwarten darf. Da wird auch mal mit Planeten Billard gespielt.

Schade: Wenn sich Burnett einen Tacken mehr Mühe gegeben hätte, Hal Jordan als Figur genauer zu definieren – „First Flight“ hätte ein Highlight werden können. Stattdessen ist es ein weiterer DVD-Füller, der unter ferner liefen im Regal Staub fangen darf.

http://www.youtube.com/watch?v=4h1yAArJe8c

Coco Chanel

coco

Frankreich 2009. Regie Anne Fontaine. Darsteller: Audrey Tautou, Benoit Poelvoorde, Alessandro Nivola, Marie Gillain

Die junge Gabrielle wächst mit ihrer Schwester in einem Heim auf, schlägt sich als junge Frau als Barsängerin „Coco“ durch, findet in Étienne Balsan einen Gönner, und verliebt sich unsterblich in den Engländer Boy Capel – doch es gibt für die talentierte Schneiderin, die den Frauen mehr Freiheit in der Mode schenken will, kein Happy End…

Man sollte meinen, ich sei der Falsche, um einen solchen Film zu besprechen. Ein französisches Historiendrama über eine legendäre Modemacherin? Aber mitnichten: schließlich habe ich gerade meinen eigenen historischen Stoff abgeliefert, und biographische Filme haben mich seit jeher fasziniert, gerade der Konflikt zwischen dramaturgischen Notwendigkeiten, und historischen Wahrheiten. Was kann man, was darf man, was muss man verändern, um aus einem Leben mit seinen unzähligen Details eine große Geschichte zu destillieren?

Es ist eine Frage, die sich die Macher von „Coco Chanel“ leider nicht ausreichend gestellt haben. Die frühen, prägenden Jahre der Modemacherin werden chronologisch seltsam lustlos abgehakt, und mit einem erstaunlichen Unwillen, jemals die emotionale Knietiefe zu verlassen: das Heim, in dem Coco aufwächst, ist vergleichsweise harmlos; als Sängerin muss sie sich nicht prostituieren, ist bei den Gästen durchaus beliebt; Étienne behandelt sie gut, wenn man bedenkt, dass sie sich parasitär an ihn krallt; immer ist jemand da, der Cocos Pläne unterstützt. Coco ist auch nie wirklich allein: sie hat ihre Schwester, ihre Männer, ihre Freunde.

Wo ist da das Drama, die Überraschung, das Risiko? Wenn das Leben ein langer ruhiger Fluss ist (um einen anderen französischen Film zu zitieren), was legitimiert es dann als Kinofilm? Wo ist die Leidenschaft, die Lust, die Lebensfreude? Die zugegebenermaßen süße Tautou tappst permanent mies gelaunt und verschlossen durch eine Welt, die ihr so ziemlich alles vor die Füße legt, was sie haben will. Sie lässt sich aushalten, ohne daraus eine persönliche Verpflichtung zu ziehen. Ihr Erfolg in der Modebranche mag ihrem Talent zu verdanken sein – doch der Weg dahin war nicht sehr steinig, wenn man diesem Film glauben darf.

Die Darsteller sind gut, die Ausstattung ist es auch – aber letztlich ist „Coco Chanel“ ein blutleeres Bio-Pic, dem jeder Esprit fehlt, und das sich in bloßer filmischer Pflichterfüllung gefällt.  Da hätte man angesichts des involvierten Talents durchaus mehr erwarten dürfen.

Buddelt mal eure Italienisch-Kenntnisse aus:

http://www.youtube.com/watch?v=MauqJGuarMU

The Lost Patrol

lostpatrol

USA 1934. Regie: John Ford. Darsteller: Victor McLaglen, Boris Karloff, Wallace Ford, Alan Hale

Im Ersten Weltkrieg: eine kleine britische Patrouille reitet durch die mesopotamische Wüste. Als der Commander von einem arabischen Scharfschützen erschossen wird, kommt Verwirrung auf: nur er wusste, was das Ziel der Reise ist, die Mission, die es zu erfüllen gilt. Es gelingt den Männern, sich zu einer Oase durchzuschlagen, doch schon am nächsten Morgen haben die Feinde ihnen die Pferde gestohlen. Sie sitzen fest. Und während die Araber jeden erschießen, der den Ausbruch wagt, gehen die Soldaten in der Bruthitze aufeinander los.

John Ford ist einer der ganz großen Hollywood-Regisseure, das steht außer Zweifel. Und „The Lost Patrol“ sollte eigentlich genau sein Metier sein, auch wenn man ihn heute vornehmlich mit Western assoziiert: es ist ein klassischer Männer-Stoff, wie später „Stagecoach“ und „Der Mann, der Liberty Valance erschoss“.

Doch „The Lost Patrol“ geht nie nah genug an seine Protagonisten heran, zeichnet sie nie detailliert genug, um uns emotional einzubeziehen. Mitunter verliert man die Übersicht, wer von den Uniformträgern wer ist, und wie viele eigentlich noch übrig sind (ein ähnliches Problem plagte vor einigen Jahren Vilsmaiers „Stalingrad“). Keiner der Schauspieler hat eine nennenswerte Möglichkeit, sich zu profilieren, von Boris Karloff als religiösem Fanatiker mal abgesehen – und er übertreibt, als befände er sich noch in einem Stummfilm.

Auch die Dramaturgie ist eher dürftig: der Film hat praktisch keine Aktstruktur, sondern läuft sehr gleichförmig vor sich hin. Es wird halt einer nach dem anderen abgemurkst, bis die Laufzeit vorbei ist. Darüber hinaus wird keine Geschichte entwickelt, kein Charakter, kein grundlegendes Dilemma. Das Story-Gerüst ist nicht im guten Sinne einfach, sondern im ermüdenden Sinne simpel. Die gerade mal 73 Minuten Laufzeit sind eigentlich immer noch zu lang.

Letzten Endes überzeugen an „The Lost Patrol“ nur die Möglichkeiten, die weitgehend ungenutzt bleiben, aber heute zum erzählerischen Handwerk Hollywoods gehören: die eingeschlossene, verschworene Truppe; der quälende Standoff; der unsichtbare Feind. Doch es bleibt alles halbgar, anerzählt, unbefriedigend.



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OnkelFilmi

Argh! Torsten!

OA! Nicht GOA! Die Lanterns sind schliesslich keine in Indien hausenden Neo-Hippies!

Und daß die Entstehungsgeschichte von GL nur so kurz angerissen wird, liegt daran, daß das ganze schliesslich schon in „Justice League – The New Frontier“ vorkam.

Das einzige, das mir an „First Flight“ wirklich sauer aufstiess, war daß die ganze Geschichte ein riesengrosser Retcon war. Sinestro wurde nicht wegen Mordes ins Antimaterie-Universum verbannt, kein Wort davon, daß Qward das Antimaterie-Gegenstück von Oa ist, oder daß die Waffenschmiede die Erzfeinde der Guardians und des Corps sind. Auch die Sache mit der grossen Laterne, der Anfälligkeit der Lanterns gegen gelbes Licht, Boodikka, usw usf.

Ich habe an und für sich nicht unbedingt etwas dagegen, wenn man Sachen abändert (zB um sie an die heutige Zeit anzupassen), aber hier haben sie doch so einiges übersprungen und komplett verändert, da fehlte ja nicht mehr viel, und man hätte mit der Blackest Night anfangen können.

OnkelFilmi

Ach ja, was aber toll war, war wieder einmal die Besetzung der Rollen – Christopher Meloni, Michael Madsen, Victor Garber, Tricia Helfer, John Laroquette, Kurtwood Smith und Larry Drake. Da sind die DC Animation Filme denen von Marvel bisher doch überlegen.

Dietmar
Dietmar

Hm. Grenn Lantern interessiert mich nur jetzt durch Deine Beschreibungen. Aber nicht genug, um mir den als Zeichentrick anzusehen. Eine Realverfilmung würde mich aber schon reizen.

Heino
Heino

GL war in 70ern auch immer einer meiner Favoriten und es ist schön, dass DC filmtechnsich endlich mal mehr als Superman/Batman auf die Kette bekommt. Aber beiim „Wonder Woman“-Film störte mich diese aggressive „alle Männer sind Schweine“-Nummer, die vo Steve Forrest dann auch noch heftigst plakativ verkörpert wird, extrem. Und wenn First Flight auch so blöde Fehler beinhaltet, dann bleibt nur die Hoffnung auf den Realfilm. Aber da Ryan Reynolds us den Hal macht, sehe ich da schwarz……..

GrinsiKleinPo
GrinsiKleinPo

Also wieder eine Neuauflage des Weltbildes eines „Doc“ E. E. Smith. Ich dachte eigendlich das hinter mir zu haben. Scheint aber eine sehr verbreiteter Kniefall vor den Neochristen zu sein.

Tornhill
Tornhill

Um GL ist es schade, der hätte wirklich einen runderen Film verdient – hoffen wir auf den „echten“. Retcon würde ich es auch nicht nennen, da es ja nicht in die Geschichte der Comics eingefügt wird, sondern selbstständig steht. Das „Timmiversum“ unterschied sich ja auch eklatant vom normalen DCU.

Biopics sind immer so eine Sache…In der Hand von Milos Forman können sie echte Perlen werden, doch sonst ist es meist ratsam, sich nicht ein ganzes Lenen, sondern einige „Schlüsseljahre“ vorzunehmen.

Aber es freut mich zu hören, dass ich anscheinend nicht der einzig war, der bei den Figuren von „Stalingrad“ keinen Durchblick hatte.

Tinitus

@Filmi: Nich nur gelbes Licht. Gelb im Allgemeinen. Man könnte einer Lantern auch mit nem gelben Baseballschlager den Schädel einschlagen. Eine böse, und gutaussehende, Killerin könnte sie per gelbem Kondom ihrer Kräfte berauben. 😀

Thomas R.
Thomas R.

Ich möchte an dieser Stelle, kurz nach der Halbzeit, mal meiner Hoffnung Ausdruck verleihen, dass es auch eine Movie-Mania 2010 geben wird.

Perry
Perry

Und wie umfangreich soll die Book Mania werden?

Perry
Perry

respekt. das ist eine stolze zielvorsetzung.

Übrigens finde ich die Movie Mania-Kritiken, die sich nicht mit aktuellen Filmen befassen, durchwegs interessanter.

milan8888

Ich lese recht gerne die Movie-Mania Beiträge, habe aber selten nen Grund Senf abzugeben.

Peroy
Peroy

„@ Thomas: Das wird abzuwarten sein – ich schaffe dieses Jahr die anvisierte Marke von 200 Filmen wohl nicht ganz, und (gemessen an den Kommentar-Zahlen) ist auch das Interesse der Leser im eher moderaten Bereich.“

Also mich interessiert die am meisten… nur kann man halt nicht zu jedem Film was schreiben, gell.

Besprich mehr Horrorschund und ich kommentier‘ bis die Finger bluten…

Dr. Acula

@Vogel Wann hast du Geier eigentlich 50 von den ursprünglich angepeilten 250 verschwinden lassen?

Peroy
Peroy

Er fuddelt !

Dr. Acula

Genau wie The Asylum *shock*

Heino
Heino

@WV:ein Buch pro Woche ist wirklich nicht einfach. Das ist auch seit Jahren meine grobe Richtlinie und obwohl ich wirklich ein schneller Leser bin, hab ich das nur einmal geschafft. Wen du 40 – 45 schaffst, ist das schon verdammt gut.

Und ich finde die Movie Mania auch klasse, aber zu viele Filmen kann cih gar nichts sagen, weil sie a) noch zu neu oder b) zu verdammt selten sind. Trotzdem eine klasse Kolumne

Dietmar
Dietmar

,,… und (gemessen an den Kommentar-Zahlen) ist auch das Interesse der Leser im eher moderaten Bereich.“

*Interesse-ausdrücklich-anmeld*

Ich lese das sehr interessiert, habe bloß nicht so oft etwas auf Lager, das irgendwie für andere spannend sein könnte. Mit anderen Worten: Wenn es nach mit geht, spiegeln moderate Kommentar-Zahlen kein geringes Interesse wider.

Dietmar
Dietmar

Hm.

Ich habe wohl ein bisschen viel ,,Interesse“ geschrieben.

Interessant.

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[…] fürs Protokoll: die “Green Lantern“- und “Wonderwoman“-Filme fand ich ja eher mau, während “Justice League: […]

trackback

[…] kein nennenswertes Interesse, diese Serie anzuschauen oder gar zu reviewen. Ich fand den letzten GL direct to DVD Streifen schon langweilig und der Kinofilm hat mich ja auch nicht vom Hocker gerissen. Die neue Serie ist […]