27
Mai 2009

"Buffy" ohne Buffy? Da ist was dran!

Themen: Film, TV & Presse, Neues |

buffyEine Meldung machte in den letzten Tagen im Internet die Runde: Fran Rubel Kuzui, die japanophile Regisseurin des Original-"Buffy"-Kinofilms, möchte gerne einen neuen "Buffy"-Kinofilm drehen – ohne Sarah Michelle Gellar (oder Kristy Swanson), ohne Joss Whedon, ohne jeglichen Bezug zur TV-Serie.

Die Fans sind erwartungsgemäß empört, und verweisen die Meldung gerne ins Reich der Phantasie.

Nicht so schnell.

Kurioserweise weiß ich mehr über die Sache. Das Projekt ist  mir nämlich schon Anfang des Jahrtausends auf einer Geschäftsreise nach Los Angeles vorgeschlagen worden.

Vor ein paar Jahren traf ich dort den Showbiz-Agenten Marty Fink, der bei uns vortasten wollte, ob es Interesse an einer Reihe von "Buffy"-Filmen gäbe, die allerdings ohne Sarah Michelle Gellar auskommen müssten. Da ich die Hintergründe nicht kannte, fand ich die Idee wenig Erfolg versprechend – die Serie lief damals ja noch wie Luzie im Fernsehen.

Auf Bitten meiner Chefin machte ich mir allerdings trotzdem ein paar Gedanken, wie man das Thema aufziehen könne, ohne die Fans vor den Kopf zu stoßen. Ich schlug ein Prequel vor – angesiedelt zwischen den Ereignissen des ersten Kinofilms, und Buffys Ankunft in Sunnydale. Man hätte so die Chance, eine Art Buffy Roadmovie zu drehen, der quasi dort endet, wo der Pilotfilm zur Serie beginnt. Allerdings hätte man das mit einer neuen Schauspielerin machen müssen. Ich konnte zu dem Zeitpunkt nicht wissen, dass eine neue Story sowieso nicht zur Diskussion stand…

Irgendjemand steckte die Pläne von Kuzui und Fink in dieser Zeit der Webseite Dark Horizons, die mangels weiterer Infos auch nur vermelden konnte, es sei ein Buffy-Film ohne Sarah Michelle Gellar geplant. Dieser Meldung widersprach prompt Alyson Hannigan. Es war ein typischer Fall von "keiner wusste genau, wovon er eigentlich redet".

Damit schlief das Projekt erstmal wieder ein, und ich habe die letzten sechs Jahre nichts mehr darüber gehört.

Um diese Vorgänge zu verstehen, braucht es vielleicht ein wenig Background.

Zuerst einmal sieht es so aus, dass Fran Rubel Kuzui aus der Zeit des ersten "Buffy"-Spielfilms noch Rechte an der Lizenz besitzt – nur deshalb wurde sie auch bei der Serie als Produzentin geführt. Viele relevante Elemente des Mythos (Buffy, Slayer, Guardian) können daher nicht ohne ihre Zustimmung verwendet werden. Auf der anderen Seite kann sie selbst diese Elemente zwar verwenden – nicht jedoch die Details, die Whedon spezifisch für die TV-Serie und die Comics erfunden hat. Das heißt: auch Sarah Michelle Gellars Darstellung ist für Kuzui "off limits".

Fran Rubel Kuzui lebt seit 15 Jahren ausgezeichnet davon, dass der von ihr vergeigte Kinofilm eine profitträchtige TV-Serie nach sich zog, mit der sie zwar nichts zu tun hat, an der sie aber beteiligt ist. Einen vergleichbaren Fall gibt es im Bond-Universum: Kevin McClory besitzt Rechte an der Story zu  "Thunderball" – und hat sie mit "Never say never again" auch prompt neu verfilmt. Sogar ein zweites Remake unter dem Titel "Warhead" (mit Pierce Brosnan als Bond) war Ende der 80er mal geplant. Mit den offiziellen Bond-Filmen hat das allerdings nichts zu tun.

Kuzui besitzt demnach tatsächlich beschränkte Rechte, "Buffy" neu zu verfilmen – allerdings in einer Form, die mit der Serie nichts zu tun hat. Es geht hier also nicht um mangelnden Respekt vor der Vorlage, sondern um die verfügbare Lizenz. Darum beeilen sich die Autoren Roy Lee und Doug Davison auch zu versichern, dass es um ein Remake geht, nicht um ein Sequel oder ein Prequel. Zu nichts anderem als einem Remake ihres eigenen Films hat Kuzui nämlich die Rechte.

Es scheint, als wolle Kuzui die Idee nun wiederbeleben – verständlich, denn eine weltweite Fanbasis würde sich sicher freuen, die Figur in der einen oder anderen Form wiederzusehen.

Trotzdem glaube ich nicht daran. Weder Fox noch Whedon werden sich die Butter vom Brot nehmen lassen – als Franchise ist Buffy einfach zu wertvoll, und es würde mich nicht wundern, wenn in den nächsten 5 Jahren nicht von offizieller Seite ein Kinofilm angekündigt werden würde (ist ja auch nicht so, dass Miss Gellar die Knaller-Karriere gemacht hätte). Kuzui kann man problemlos verklagen – oder mit einer hohen Summe abfinden. Vielleicht ist letzteres auch der ganze Grund für die Ankündigung.



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Brandenburgerin
27. Mai, 2009 15:42

Ich find den Film nach wie vor klasse. Weiß gar nicht, warum der nicht gemocht wird.

Wortvogel
Wortvogel
27. Mai, 2009 15:45

@ Brandenburgerin: Ich fand den Film auch "nicht schlecht" – aber er spielt eben in einer deutlich niedrigeren Liga als die Serie. Und das zeigt, dass Whedon eben besser wusste, was die Franchise braucht, und Kuzuis "it’s all fun"-Ansatz nicht genug Drama produziert.

GrinsiKleinPo
GrinsiKleinPo
27. Mai, 2009 15:49

Buffy ist doch ausgelutscht. Sollten die einen weitern Film machen, wird er sauer aufstoßen, denn die Erwartungen sind entweder zu hoch oder zu vielfälltig.
Einen Blogbuster werden die wahrscheinlich nicht damit landen.

theNerd
theNerd
27. Mai, 2009 16:03

@ GrinsiKleinPo: Ist doch egal ob er der Bloggerszene gefällt. Hauptsache ist doch, dass die Zuschauerzahlen stimmen. 😉

Lutz
Lutz
27. Mai, 2009 16:47

Interessante Info, danke!

Ich denke aber auch, dass Buffy ein Relikt der 90er ist, dass sich ohne ein komplettes Make-over nicht so einfach wiederbeleben lässt, weder als Film noch als Serie.

Wortvogel
Wortvogel
27. Mai, 2009 16:53

@ Lutz: Da widerspreche ich aber: "Buffy" ist weder technisch noch inhaltlich veraltet, die Fanbase ist noch da, und die Darsteller noch keine Wracks. Klar reicht das vielleicht nicht für einen 200 Millionen-Blockbuster, aber wenn man sich nicht so doof anstellt wie die "Akte X"-Filme, kann man da bei z.B. 50 Millionen Budget das Doppelte wieder reinholen.

Peroy
Peroy
27. Mai, 2009 16:59

Ich würd’s gucken… die Serie war große klasse. Und besser als der erste Film wird’s so oder so…

Joe
27. Mai, 2009 17:52

Hach, die alten "Buffy"-Zeiten. Werde mir mal wieder den Kinofilm und die Siebte Season der Serie ansehen. 🙂

Lutz
Lutz
27. Mai, 2009 17:55

@ Wortvogel
Ich wusste, dass du es anders sehen würdest und ich bin auch überzeugt, dass du recht hast damit, dass der Film Geld machen würde. Für mich war Buffy aber trotz der größeren Geschichte und der komplizierteren Verwicklungen unter den Figuren immer in einer Linie mit "Hercules" oder "Xena". Ich habe Buffy einfach nie als gute Serie ernst genommen und habe immer nur eingeschaltet, wenn gerade nichts anderes lief.

Lutz
Lutz
27. Mai, 2009 17:56

… und ich weiß, dass Peroy jetzt kreischen wird, dass "Xena" doch große Klasse war… Sorry, nicht für mich.

Peroy
Peroy
27. Mai, 2009 18:15

"Xena" war doch diese Kampflesbe, die dauernd komische Geräusche gemacht und schlechte Spezial-Effekte verkloppt hat, oder… ?

Kein Vergleich zu "Buffy"…

GrinsiKleinPo
GrinsiKleinPo
27. Mai, 2009 18:30

So ähnlich wie Lutz sehe ich das auch. Buffy hat mich nie so wirklich aus dem Sesseln gerissen. Zuviel Figuren mit zuvielen Nebengeschichten. Mir fehlte ein wenig der rote Pfaden in der Serie. Das mag in einem 105 min Kinofilm anders sein, aber ob dann noch das Hauptthema noch genug Body hat, na ja ich weiß nicht so recht.

Heino
Heino
27. Mai, 2009 18:47

Ich bin da auch wenig begeistert von. Das Remake eines wenig gelungenen Films würde Sinn machen, wenn es die Serie nicht gäbe. Aber die ist noch zu bekannt und der Vergleich wäre zu frisch, da kann der Film eigentlich nur verlieren. Und Buffy ohne Anthony Stewart Head will ich gar nicht sehen.

trackback

[…] Und weitere Hintergrundinfos gibt’s beim Wortvogel. […]

Shah
Shah
27. Mai, 2009 22:44

Ich würd sogar glatt die DVD in Betracht ziehen, wenn diese unsägliche Gellar nicht dabei ist…..

von daher: Gerne. Und den Trailer vom 1. Film fand ich schwer amüsant 🙂

Peroy
Peroy
27. Mai, 2009 22:47

Alexandra Maria Lara ist unsäglich, aber die Gellar doch nicht… geht’s noch ? 😕

Baumi
27. Mai, 2009 23:06

Kurze Zusatzinfo für alle, die die Buffy-Serie nur als Synchronfassung kennen: Die originalen Dialoge sind m.E. schon um einiges spritziger und pointierter als die eher konventionell daherkommende deutsche Synchro.

Heißt nicht, dass diejenigen, die auf Deutsch nix damit anfangen können, es auf Englisch lieben würden; aber man sollte sich wenigstens bewusst sein, dass hier doch einiges an Witz und Intelligenz auf der Strecke bleibt.

GrinsiKleinPo
GrinsiKleinPo
27. Mai, 2009 23:14

Peroy, beide sind nicht gerade besonders geeignet gewesen. Der Gellar nehm ich den taffen Vamp-hunter einfach nicht ab.

schnuffel
schnuffel
28. Mai, 2009 05:49

Pff… Nachdem was sich Whedon mit Season 6+7 geleistet hat, kann ein Kinofilm basierend auf der Serie nur schrecklich werden.

Ein Reboot das Franchises, oder Sequel zum Kinofilm hätte da schon ganz andere Möglichkeiten, vor allen dingen könnte das "Buffy – The Vampire Layer" Problem vermieden werden.

pa
28. Mai, 2009 07:23

Die aktuelle 8. Buffy-Staffel in Comic-Form finde ich ganz interessant. Benutzt den gleichen Stil wie die Serie. Könnte es da nicht zu rechtlichen Komplikationen mit einem neuen Film kommen?

Peroy
Peroy
28. Mai, 2009 13:51

"Peroy, beide sind nicht gerade besonders geeignet gewesen. Der Gellar nehm ich den taffen Vamp-hunter einfach nicht ab."

Dann hast du die Serie nicht verstanden, es ging da nie primär um Taffness (schönes Wort, btw)…

Wortvogel
Wortvogel
28. Mai, 2009 13:56

@ alle: Ich muss wohl mal wieder was Grundsätzliches loswerden.

Ich mochte "Xena" UND "Buffy", aber beide Serien sind nicht vergleichbar. "Xena" war billiger Syndication-Trash, unterhaltsam und mitunter herrlich doof. "Buffy" war extrem smart, teuer produziert, und in jeder Beziehung "high class". Wer Episoden wie "Hush", "The Body", und "Once more with feeling" nicht für außergewöhnliches und sehenswertes Fernsehen hält, sollte mal einen Geschmackscheck machen.

Trotzdem steht es jedem natürlich frei, "Buffy" nicht zu mögen, oder "Xena", oder beide.

Olsen
Olsen
28. Mai, 2009 14:26

Danke, das ist nett. Diese Option wähle ich.

Mir gefiel übrigens auch "Never Say Never". Muss ich zum Geschmackstest?

Wortvogel
Wortvogel
28. Mai, 2009 14:39

@ Olsen: Nö – siehe hier: https://wortvogel.de/?p=5391

Tornhill
Tornhill
29. Mai, 2009 13:34

"Xena" war in der Tat teilweise ganz lustig (teilweise aber auch schmerzhaft albern) und schaffte es immerhin, bei mir mit seiner Mythologie-Religion-Geschichtsverknüpfung zu punkten, "Buffy" hingegen war eine intelligente, durchdachte und wirklich qualitative Serie, die am Ende zwar etwas schwächelte, aber nicht so sehr, dass es ihren vergangenen Ruhm befleckte (wie etwa bei "Akte X").

Den ursprünglichen Kinofilm, der glaubte, der Gag des schrägen Titels reiche aus, die ganze Laufzeit zu füllen fand ich hingegen furchtbar, dennoch bin ich weiteren Filmen – sowohl als Nachfolger der Serie, mit Whedon und dem bekannten Cast, als auch einem Kuzui-Solo-Projekt – gegenüber aufgeschlossen. Ersteres könnte ein netter Nachtisch zu einer schicken Serie sein, letzteres zumindest ein Kuriosum, welches durch andere Besetzung ja unabhängig vom liebgewordenen Buffyverse gesehen werden kann.

Ach ja – und ich will, dass Kabel 1 oder sonst wer endlich die letzte "Angel"-Staffel wiederholt, damit ich diese letzte Lücke schließen kann.

angels epiphany
12. Juni, 2009 08:56

Das Thema Vampire ist wohl derzeit wieder total in. Man denke da nur an Twilight (Biss zum Morgengrauen). Wieder die Story Mädchen liebt Vampir – Liebe mit Hindernissen usw. im Grunde nie was Neues, aber immer wieder beliebt bei Fans des Genres – schließe ich mich natürlich ein. Ich vermute, die Kuzuis sind ja nicht dämlich und genau da ansetzen wollen. Bin gespannt, was da noch so berichtet wird.