pulp1 England 1972. Regie: Mike Hodges. Darsteller: Michael Caine, Mickey Rooney, Lionel Stander, Dennis Price, Robert Sacchi

Ich habe ja schon des öfteren mein seltenes Lob dem heiligen Michael Caine ausgesprochen. Filmfans, die ihn dank der Gnade der späten Geburt nur als Altstar kennen, entgeht wirklich was: Caine war die britische Ausgabe von Steve McQueen, Paul Newman, Humphrey Bogart, und Robert Mitchum – in einer Person! Eine coole Sau vor dem Herrn, smart, gnadenlos, viril. Der hat allein zwischen 1965 und 1975 derart viele Klassiker gedreht, dass es mich drängt, jedem, der von „Michael Caine“ redet, verachtend ins Gesicht zu spucken: „Für dich immer noch SIR Michael Caine!“

„Ipcress File“, „Alfie“, „The Italian Job“, „Sleuth“, „Get Carter“, „The Black Windmill“, „The Man who would be King“ –  gegen ihn sind die ganzen heutigen Stars armselige Pissnelken. Und es ist ein Highlight meines Lebens, dass ich in einer Schulaufführung mal seine Rolle aus dem Film „Educating Rita“ spielen durfte. Die Schuhe würde ich ihm putzen – ach was, ablecken!

caine

Aus diesem Grund war es mehr als überfällig, mir endlich mal die DVD von „Pulp“ kommen zu lassen – die deutsche Version hat den ursprünglich übersetzten Titel „Malta sehen und sterben“ mittlerweile zum Untertitel degradiert.

Caine spielt Mickey King, einen Autor von Sex & Crime-Romanen, der es sich am Mittelmeer gut gehen läßt. Über einen Mittelsmann wird er an den alternden Hollywood-Star Preston Gilbert vermittelt, dessen Memoiren er schreiben soll. Eher aus Neugier nimmt King den Auftrag an – doch kurz nachdem er die Erinnerungen des exzentrischen und aufdringlichen Altstars aufgeschrieben hat, wird dieser bei seiner Geburtstagsfeier erschossen. King muss befürchten, dass er durch seine Auszeichnungen ebenfalls in das Visier des Mörders gerät, und beschließt, den Fall selbst zu lösen.

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Das alles klingt so sehr nach einer Paraderolle für Caine, das ist schon nicht mehr feierlich.

Regisseur und Star von „Get Carter“ wieder vereint – was kann da schon schiefgehen?

Ihr kennt diese rhetorische Frage, und deshalb ahnt ihr auch meine immer wiederkehrende Antwort: eine ganze Menge.

Dabei fängt „Pulp“ absolut klasse an – mit einer fast schon genialen Einführung des Protagonisten und seiner Welt:

Leider baut der Film danach konsequent ab: Mickey King hat kein nennenswertes Interesse, für Gilbert zu arbeiten, und dieses Desinteresse überträgt sich auch auf die Spannungskurve des Films. Wir bekommen  keinen Einblick in die Erinnerungen des exzentrischen Stars, denn die Tage, in denen King mit Gilbert spricht, werden nonchalant übersprungen. Der Mord an Gilbert schert uns nicht, weil wir die Figur zu diesem Zeitpunkt noch nicht verstanden haben, und weitgehend nervig finden. Es bleibt auch unklar, warum King nicht einfach abreist.

Der Mordfall ist auch nicht sonderlich gut gebaut, ebenso wenig wie seine Aufklärung. King fragt ein wenig herum, bekommt kryptische Hinweise, und irgendwann löst sich alles (in einer vergleichsweise albernen „Actionsequenz“) am Strand auf – nur von der Location her werden Erinnerungen an das Ende von „Get Carter“ wach.

„Pulp“ ist ein Film gänzlich ohne interessante Figuren (von Mickey King mal abgesehen), und ohne eine nennenswerte Geschichte. Mitunter erinnert er an einen anderen fast undurchschaubaren Caine-Flop aus dieser Zeit, „Magus“. Ich habe mal gelesen, dass viele große Regisseur in den 70ern in Frankreich und Südeuropa drehten, um sich üppige Schecks in Steuersparmodellen zu verdienen: Billy Wilders „Fedora“, Fred Zinnemanns „Julia“. Vielleicht gehört auch „Pulp“ zu diesem Pulk an Filmen, deren Inhalt letztlich egal war, solange sie in der Buchhaltung bestimmte Konditionen erfüllten.

Andererseits ist es sicher kein Zufall, dass Mike Hodges nie wieder einen Erfolg wie „Get Carter“ landen sollte.



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PeroyWortvogelnamelesspa Recent comment authors
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Genau diese Uninteressierbarkeit der Protagonisten fand ich aber interessant. Mickey King glaubt irgendwie über den anderen zu stehen (was er immer wieder mit Sarkasmus kommentiert) und wird dann trotzdem immer wieder auf den Boden der Realität zurück gezogen.

Ich fand den Film urkomisch, wie z. Bsp. in dem Video hier, als die Tippistin im Minirock sich mit der Rute auf den Hintern schlägt, so wie sie es eben getippt hat.

Nett war auch die Eßszene (plöde Rechtschreibung) bei der Gilbert seine falsche angeheuerte Familie am Tisch sitzen hat und selbst Diener spielt. Recht absurd.

nameless
nameless

film gut. dewi film nicht verstanden. setzen.

Peroy
Peroy

Schon zwei Wochen, wo bleiben die Reviews? So wird das nichts mit der Quote…