evilspeak1USA 1981. Regie: Eric Weston. Darsteller: Clint Howard, R. G. Armstrong, Joseph Cortese, Don Stark

Wieder ein Streifen aus der Abteilung „stand ich in den 80ern oft vor, habe ich aber nie ausgeliehen“. Retrospektiv gesehen war das gut so, denn dem Vernehmen nach war „Evilspeak“ schwer geschnitten, und wurde erst 2006 in den USA rekonstruiert auf DVD veröffentlicht – diese Fassung ist die Grundlage meines Reviews, und enthält daher alle Köpfungen, Herz-Rausrisse, und nackte Tatsachen, die mir als Teenager sicher schwer abgegangen wären…

Kurz zur Story: Coopersmith ist Kadett an einer altehrwürdigen Militärakademie – so altehrwürdig, dass sich unter der zugehörigen Kapelle die Gewölbe eines alten Satanisten-Kultes befinden. Auf deren Überreste stößt der ständig gepiesackte Coopersmith, und nach und nach beschafft er sich die Ingredenzien, die er laut seines Computers braucht, um in einer Schwarzen Messe den bösen Esteban wieder auferstehen zu lassen. Dieser soll Rache an Coopersmiths herzlosen Kameraden üben. Was kann da schon schiefgehen?

Zwischenbemerkung: Etwa zur Halbzeit des Films bekommt Coopersmith ein süßes Hündchen geschenkt. Möchte jemand dessen Chancen ausrechnen, den Nachspann zu erleben?

Zuerst einmal ist „Evilspeak“ (ich habe übrigens keine Ahnung, worauf sich der deutsche Titelzusatz „Der Teufels-Schrei“ bezieht) nicht der Rache-Horror, den man nach der Beschreibung erwarten sollte. Obwohl sich der Slasher-Film 1981 in seiner Blüte befand, greift Eric Weston deutlicher auf die Plot-Mechanismen von „Omen“ und besonders „Carrie“ zurück – den Großteil der Laufzeit versucht Coopersmith,  die Teile für die Schwarze Messe zu organisieren. Erst im Finale kommt es zum Ausbruch der okkulten Gewalt.

Das heißt natürlich: 75 Minuten lang passiert nicht wirklich viel. Und der drangsalierte Coopersmith ist auch nicht gerade eine packende Figur. Ganz im Gegenteil: Clint Howard sieht derart trollig und verkniffen aus, dass ich ihn früher in der Schule vermutlich auch aufgezogen hätte.  Mit Carrie konnte man wirklich Mitleid haben – Coopersmith ist eher ein harmloser Nerd, wie man sie in jeder Klasse findet. Darum ist auch seine Entschlossenheit, sich durch schwarze Magie zu rächen, nicht wirklich sympathisch.

Qualitativ bewegen wir uns im 80er Horror-Mittelmaß – alles relativ kompetent abgefilmt, aber ohne besondere Auffälligkeiten im stilistischen Bereich. Die Darsteller tun, wofür sie bezahlt werden, die Musik geht in Richtung synthethischer Gothik-Chor, nur bei den heftigeren Köpfungen amüsiert man sich über die stolz präsentierten Latex-Birnen, und Blut aus dem Gummischlauch.

evilspeak2

Was „Evilspeak“ für Nostalgiker interessant macht, ist der komplett übergeigte Einsatz eines Apple II-Computers: Der frühe Heimcomputer kann (ohne Netzwerk und Internet) in klarer Syntax verfaßte Fragen („Was brauche ich für eine Schwarze Messe?“) beantworten, und lateinische Texte auf Knopfdruck übersetzen. Eat that, Wikipedia! Außerdem zeigt er in kruden Animationen die „Besessenheit“ durch Esteban. IT-Experten dürften sich vor Lachen in die Hose machen. Aber wenn romantische Komödien sich solche Wundercomputer zusammen faseln durften, warum dann nicht auch Horrorfilme? „Electric Dreams“, ich spreche mit dir!

Im Übrigen spielt der Computer nur eine winzige Nebenrolle, wirkt förmlich in den Plot gepresst: Coopersmith hätte die notwendigen Bestandteile der Messe ja auch in dem alten Satanisten-Schmöker nachschlagen können. Der Hightech-Horror, den das Cover verspricht, ist in „Evilspeak“ jedenfalls nicht zu finden.

Ist also alles nicht so prall. Besonders das Finale verärgert dann doch: Coopersmith macht als schwebende Satanisten-Inkarnation die Kameraden platt, Ausblende – und eine Texttafel informiert uns, dass er hinterher im Irrenhaus landete. Sind wir hier beim Stummfilm? Ein richtiges Ende sieht anders aus.

Fazit: Eine hoffnungslos veraltete 80er Jahre-Kuriosität, mit ein wenig krudem Splatter und Möpsen gerade so in die 16er-Freigabe hochgeschubst, ansonsten aber komplett verpassbar.

Wer sich jetzt immer noch für den Film interessiert, kann sich auf YouTube ein sehr aktuelles Q&A mit Hauptdarsteller Howard und Regisseur Weston ansehen:

P.S.: Die rekonstruierte Fassung leidet etwas darunter, dass man sie offensichtlich aus verschiedenen Quellen zusammengestellt hat. Die Tonqualität schwankt mitunter von Schnitt zu Schnitt.



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Ich mag den Film… auch wegen der Schweine. Na ja, mit Billig-Genre-Krempel hassu es ja eh nicht so… so was muss man halt mögen, um es zu mögen…

Marko

Kein Rache-Slasher? Damn you, Trailer, der Du genau das versprichst.

Schade. Ich hatte immer eine kleine Vorliebe für Filme á la „Todesparty“.

Und der Größenwahn der 80er-Jahre-Computer ist doch seit „Wargames“ und „LISA – der helle Wahnsinn“ legendär. 😉

Gruß,
Marko