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USA 2000. Regie: Christopher Coppola. Darsteller: Tate Donovan, William Forsythe, Kari Wuhrer, Vanessa Angel, Gary Busey, Zach Galligan, Robert Goulet, Barry Newman, u.a.

Diese Besprechung war eigentlich erst für die 70er geplant, ich habe sie allerdings vorgezogen, weil „G-Men from Hell“ so erstaunliche Parallelen zu „The Spirit“ aufweist, dass es sich anbietet.

Beide Filme basieren auf Kult-Comics, und handeln von Protagonisten, die aus dem Reich der Toten zurückkehren, um unter dem Deckmantel einer neuen Identität Gutes zu tun. In beiden Filmen wird versucht, die Comic-Ästhetik mit einem Film Noir-Look zu kombinieren.

Und beide Filme sind dabei wenig erfolgreich.

„G-Men from Hell“ beruht auf einer Vorlage von Mike Allred, von dem viele Comic-Fans sicher den schrägen Helden „Madman“ kennen. Wie Frank Miller trieb es Allred schon früh ins Filmgeschäft – 1996 drehte er ohne Geld, aber mit seiner gesamten Familie im Schlepptau, den wirren „Astroesque“.

Bei „G-Men from Hell“ nahm Christopher Coppola auf dem Regiestuhl Platz, einer der Minderbegabten des Clans.

Die Story ist auch hier schnell erzählt: Die beiden korrekten, aber trotzdem latent korrupten FBI-Agenten Dean Crept und Mike Mattress landen nach einem erfolgreichen Anschlag auf ihr Leben in der Hölle. Hier fühlen sie sich fehl am Platz, und mit einem geklauten Kristall des Teufels gelingt es ihnen, wieder in Diesseits zu kommen. Nun heißt es gute Taten tun, um das Karma zu verbessern. Dean und Mike machen eine Privatdetektei auf, und schon bald schlendert die atemberaubende Gloria Lake herein…

Ach ja, und dann ist da noch was mit einem Kleingauner, der zum Roboter umgebaut wird, einem Superhelden „Cheetah Man“ im grandios albernen Kostüm, einem schwulen Bullen im Ledermantel, und einem Wissenschaftler, dessen Assistent vornehmlich durch eine Handpuppe spricht…

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Ich weiß: Klingt doch eigentlich alles recht launig, zumal die vier (!) Kameramänner mit wenig Budget tatsächlich einen erfreulich bunten und stimmigen Look hinkriegen. Es dominieren satte Farben, schräge Blickwinkel, Licht und Schatten. Der exzellente Jazz-Score von Greg de Belles ist ein weiteres Highlight.

Feuchte Knie bekommt man natürlich bei der glorreichen Besetzung, für die Coppola vermutlich einige Gefallen einfordern musste: praktisch jede Rolle ist mit einem vielleicht nicht berühmten, aber doch zumindest bekannten Gesicht besetzt. Besonders gefreut hat mich das Wiedersehen mit Barry Newman, dem Star aus „Petrocelli“ und „Vanishing Point“ (auch der wird noch in der „Movie-Mania“ drankommen). Dazu die wie immer sehr leckere Kari Wuhrer als frech-hübsche Sekretärin, „Gremlins“-Ex-Shooting-Star Zach Galligan, Gary Busey (der allerdings so plötzlich verschwindet, als hätte er nach zwei Drehtagen das Handtuch geschmissen), und Broadway-Legende Robert Goulet. Ein Cast für Liebhaber.

Das Problem: es gibt keine wirkliche Story, und der dünne Fall, an dem sich Dean und Mike abarbeiten, muss deshalb auch mit einem halben Dutzend schräger, aber eher langweiliger Nebenplots auf Spielfilmlänge gestreckt werden. Cheetah Man und der Roboter sind sehr typische Allred-Erfindungen, nehmen aber immer wieder den Fokus von den Protagonisten weg. Deshalb baut sich nie Druck oder Drama auf, der Film plätschert trotz amüsanter Dialoge und häufiger Szenenwechsel so vor sich hin. Es wird unseren Helden auch nie gegönnt, wirklich mal Gefühle zu zeigen, eine Motivation zu haben. Dabei sind Dean und Mike ein ziemlich cooles Team.

Hätte man den Jungs einen richtigen Fall gegeben statt ein paar loser Handlungsfäden, die fußlahm über die Ziellinie getragen werden müssen, wäre „G-Men fom Hell“ vielleicht sogar ein guter Pilotfilm für eine Fernsehserie geworden. In der vorliegenden Fassung bewundert man die Macher zwar für ihre Leistung, mit so wenig Geld soviel atmosphärischen Film auf die Beine zu stellen, langweilt sich dabei aber eben doch gepflegt.

Trotzdem, um nicht immer so negativ zu klingen: für so etwas wie „G-Men from Hell“ lasse ich allemal ein Dutzend billiger Actionheuler von Cinetel, NuImage oder UFO links liegen. Hier wird wenigstens versucht, mal etwas smarteres Entertainment zu bieten. Und das für ein Budget, mit dem man bei „The Spirit“ vermutlich nicht einmal den Catsuit von Eva Mendes hätte bezahlen können.

http://www.youtube.com/watch?v=dFfyu8_7Hms

Disclaimer: Ich hatte keine DVD zur Ansicht, sondern nur eine Screener-Videokassette vom amerikanischen Verleiher, und konnte deshalb auf keine Extras zurückgreifen. Mittlerweile gibt es den Film in einer „richtigen“ DVD-Edition.



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TornhillDr. AculaWortvogelcomicfreak Recent comment authors
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..da bin ich ja froh, dass du die Besprechung vorgezogen hast. Ich bin mir nämlich nicht sicher, es noch bis zu den 70ern zu schaffen

😉

Tornhill
Tornhill

Damit gibt es dann also doch mindestens einen Vertreter der „Comic-Ästhetik + Film Noir-Look“-Klasse mehr, als ich wusste!
„Dick Tracy“ als Vorreiter, „Sin City“ & „Spirit“ als neuere Versuche und nun dazwischen der hier. Schön! Mag das Genre auch nicht soooo viel Qualität hervor bringen, so hat es trotzdem irgendwie meine Sympathie.

Dr. Acula

@Vogel Porn-Noir? Bitte schön (angeblich, zumindest, ich habe das NICHT überprüft):

http://ainewsstore.com/catalog/product_info.php/products_id/86585

(natürlich NOT SAFE FOR WORK!)

Tornhill
Tornhill

Klar „Noir+“ gibt’s einiges (und das ist auch gut so), mir ging es gerade um die Mischung mit Comicstil, da das mir in den meisten Fällen ziemliche Gegensätze scheinen.

Und wenn wir schon Noir-Pornos sammeln, werfe ich gleich noch „Singapore Sling“ ein…falls man den mit seinen zahlreichen Ekelszenen (danke, Gott, für’s künstlerische Schwarzweiß) zählen will.