broken1England 2008. Regie: Sean Ellis. Darsteller: Lena Headey, Richard Jenkins, Asier Newman, Michelle Duncan u.a.

Meine ersten Beiträge zum Fantasy Filmfest 2007, die ich auf diesem Blog publiziert habe, befassten sich schon mit einigen der Streifen, die seit 3 Jahren in den USA auf dem „After Dark Horrorfest“ präsentiert werden, und dann auch gemeinsam in einer DVD Edition erscheinen. Das Ziel ist es, überdurchschnittliche Genre-Filme einem breiteren Publikum näher zu bringen. Bin ich für.

„The Broken“ ist Bestandteil der dritten „After Dark“-Staffel, und neben „Butterfly Effect 3“ der einzige Film, der mich davon interessiert hat. Der Rest klang einfach zu sehr nach Schlitzer- und Thriller-Einerlei.

Es geht um die Radiologin Gina, die eines Tages ihren Wagen an sich vorbei fahren sieht – mit sich selbst am Steuer. Sie folgt ihrer Doppelgängerin, aber ein schwerer Unfall bringt sie ins Krankenhaus, und raubt Teile ihres Gedächtnisses. Immer wieder stösst Gina nun auf zerstörte Spiegel, und Menschen, die sich seltsam verhalten. Selbst ihr Liebhaber Stefan wirkt kalt und abweisend.

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Machen wir kein Drama draus: „The Broken“ sieht sehr schick aus, und Lena Headey („Sarah Connor Chronicles“, „Der rote Baron“) hat allemal das Charisma und den Look, um einen richtigen Kinofilm zu tragen. Ich hatte mitunter das Gefühl, bei einem höheren Budget hätte die Produzenten wahrscheinlich Julianne Moore für diese Rolle angeheuert. Der Soundtrack von Guy Farley (der auch meine Filme „Sumuru“ und „Apokalypse Eis“ mit Musik unterlegte) ist sanft, aber eindringlich. Die Londoner Locations fangen den „old world“-Charme der Stadt sehr schön ein.

Aber leider, leider – „The Broken“ braucht mit einer Stunde einfach ERHEBLICH zu lange, um in die Pötte zu kommen. Endlose Minuten vergehen, wenn Gina schweigend durch Wohnungen geht, durch Treppenhäuser, durch Ubahn-Tunnel, wenn sie duscht, wenn sie wartet, wenn sie in den Spiegel starrt. Kaum Kommunikation, kaum Geräusch, nur bis an die Schwarzweiß-Grenze desaturierte Bilder einer Frau, die laaangsam daher schreitet.

Wenn man die ersten zwei Drittel durchhält (was im Kino sicher einfacher sein mag als vor dem Fernseher), wird man mit etwas belohnt, das man heutzutage kaum noch erwartet: einer plausiblen Erklärung für Ginas Erlebnisse. Das „was ist geschehen?“ wird aufgelöst, auch wenn das „warum ist es geschehen?“ weitgehend im Dunkel bleibt. „The Broken“ stiehlt sich wenigstens nicht mit einem Pseudo-Finale aus der Affäre.

So endet der Film durchaus befriedigend, aber bis dahin ist es ein weiter, mühsamer Weg, und Regisseur Ellis (der aus der Kurzfilm-Ecke kommt, wo die beschriebenen Defizite weniger stören) wäre gut beraten gewesen, die bleierne Schwere der ersten beiden Akte mit interessanteren Figuren und etwas offeneren Emotionen zu bestücken.

Fazit: Ein über weite Strecken zu träger Gruselthriller, der nach 22.00 Uhr ziemlich unvermeidlich zum Schlafmittel wird.



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Peroy
Peroy

Der Miike ist ihm zu hektisch, der Ellis is ihm zu langsam… wie man’s macht isses verkehrt… 8)

Marko

Schickes Plakat, muss ich mal wieder anmerken.

Gruß,
Marko

Peroy
Peroy

„“Crank” ist hyperschnell, ohne zu schnell zu sein. “

Behauptest du. Für mich war der nur hyperschlecht.

Und „The Others“ war zu lame.

PabloD
PabloD

Hat das einen Bezug zum Inhalt, dass man sich nicht stringent an einen Filmtitel hält (The Brøken vs. The Broken)?

Dieter
Dieter

,,Und “The Others” war zu lame.“

Genial ist der. Genial!

Marko

Frag mich auch, was an „The Others“ ‚lame‘ gewesen sein soll. Ich fand ihn stimmungsvoll. „Crank“ natürlich auch.

Gruß,
Marko

Peroy
Peroy

The Others: Lame.

Crank: Bescheuert.

Heino
Heino

Hier bin ich ausnahmsweise mal einer Meinung mit Peroy. Crank war mir auch zu abgedreht und The Others fand ich schlicht öde und die Kidman hat mich in dem Streifen echt nur genervt.

Peroy
Peroy

Hähähähähähähähä… gnihiihihiiihiieee… :X

Peroy
Peroy

Achting, Spoiler ohne Ende…

Was für ein murksiger, langweiliger, inhaltsleerer und chloroformiert-bedröppelter Streifen. Mondän gestyled bis unter die Hutspitze, aber zu erzählen hat er gar nichts… aber das möglichst ausführlich. Das sollte wohl so eine Mystery-Mindfuck-Chose werden, nehme ich an, pech nur, dass das alles für mich beinahe von Anfang an vollkommen vorhersehbar war (Hinweise werden mehr als genug geliefert und das nicht gerade subtil) und ich auch den „Twist“ habe kommen sehen. Knack, knack, der Film ist tot, bevor er richtig anfängt… also so ab der 50. Minute. Leider läuft er (ohne Abspann) nur 80. Staucht man das Ganze ein bisschen und kürzt den überflüssigen Füllsel-Kram raus, hat man eine nette „Geschichte aus der Gruft“… aber so…

„Wenn man die ersten zwei Drittel durchhält (was im Kino sicher einfacher sein mag als vor dem Fernseher), wird man mit etwas belohnt, das man heutzutage kaum noch erwartet: einer plausiblen Erklärung für Ginas Erlebnisse.“

Echt ? DAS nennst du plausibel ? Äh, hallo ?

Spiegelmenschen ?!? Was ? Wie ? Wieso kommen sie auf die andere Seite ? Wieso bringen sie ihre Ebenbilder um ? Es sind wohl irgendwie übernatürliche Wesen, oder nicht (man müsste sich mit der Doppelgänger-Folklore besser auskennen) ? Und ganz katastrophal: Wenn wir den ganzen Film über der Spiegel-Kopie der Hauptdarstellerin folgen, und die halt durch den Unfall (wer saß eigentlich im anderen Wagen?) ihr Gedächtnis verloren hat und sich für die „echte“ Gina hält… wieso schaltet die dann in dem Moment, wo sie „ihre“ Leiche (die sie selbst umgebracht hat) findet mental von „Oh mein Gott, mein Leben gerät aus den Fugen, was ist hier los, ich verlier‘ den Verstand!“ nach „Ach, stimmt ja, ich bin der Spiegel-Doppelgänger… ganz vergessen. Ich bin so bös‘, MUAHAHAHAHAHA !!!“ ? Einfach so.

Das ist doch völlig absurd, die Spiegel-Kopie weiß also nicht, dass sie die Kopie ist, hält sich für einen echten Menschen und ist von den Vorgängen um sie herum völlkommen schockiert… bis ihr klar wird, dass sie selbst nicht ganz koscher ist. Ab dann ist also alles okay, oder wie?

Pff…

Peroy
Peroy

P.S.: Das Cover-Motiv ist ein echter Eyecatcher, allerdings wartet man den ganzen Film über vergebens auf ein entsprechendes Visual im Film. Hier wird niemandem der Glas-Schädel zerschmettert, was imo ein großer Fehler ist. Das schadet dem Streifen. Fast schon so was wie Verarsche…

Peroy
Peroy

Auf die Art, wie du dich ausdrückst, könnte man aber meinen, dass da am Ende die super-duper Auflösung kommt und einem alles wie Schuppen von den Augen fällt („…etwas was man heutzutage kaum noch erwartet…“). Und das ist nicht der Fall. Die Frage nach dem „Was“ stellt sich einem zudem ja nie, das ist alles von Anfang an klar. Man sieht ja, wie sie aus dem Spiegel steigt. Von daher: Bockmist.

Dietmar
Dietmar

Na, wenigstens herrscht wohl darüber Einigkeit, dass der Film keine Empfehlung ist. Zum Glück: Ich hatte den nach dem Review schon abgehakt und war nun versucht, ihn doch zu sehen, um mir ein Urteil zu bilden. Die Zeit nutze ich jetzt anders.