05
Apr 2009

Hinterher ist man immer schlauer

Themen: Film, TV & Presse, Neues |

Otto Steiner und Ulrich Brock, zwei Geschäftsführer von Constantin, äußern sich zu der skandalösen UFO-Show mit Uri Geller heute bei Quotenmeter wie folgt:

"Die Sendung haben wir nach einer Idee von Uri Geller gemeinsam konzeptioniert. Wir haben uns dann mit ProSieben überlegt, wie wir ein solches Thema aufbereiten können. Im Endeffekt haben wir uns dafür entschieden, das Thema nicht ironisch anzugehen und auch nicht journalistisch distanziert. Und genau das war im Nachhinein betrachtet ein Fehler."

(Hervorhebung von mir)

Das könnte man für späte Einsicht halten. Asche aufs Haupt, Schwamm drüber, Schnee von gestern.

Mir stößt nur die Bemerkung "im Nachhinein betrachtet" unheimlich auf. War es nicht von Anfang an falsch bis empörend, ein Thema wie UFOs nicht ironisch oder wenigstens journalistisch anzugehen? Deutet die Aussage nicht daraufhin, dass die Erkenntnis hier der Quote gefolgt ist? Also umgedreht: hätte die Show 20 Prozent gebracht, wäre es auch nicht falsch gewesen?

Ich lasse übrigens mal im Raum stehen, ob Uri Geller es sich hätte gefallen lassen, wenn man seine Show mit ironischer Distanz oder journalistischem Ansatz aufgezogen hätte. Der Mann mag vieles sein – medial begabt und ironiefähig ist er nicht.

Es wäre zu wünschen, dass Produzenten und Sender die Entscheidung, etwas sei dem Publikum nicht zuzumuten, auch mal VOR der Ausstrahlung treffen würden.



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Thomas Television
5. April, 2009 15:33

Ich fands ja insgesamt trotzdem besser als die Next Uri Geller-Shows. Und von wegen nicht ironisch angehen: Das funktionierte unfreiwillig von selbst 😉

aCks
aCks
5. April, 2009 16:19

Wie genau hätte denn eine journalistisch distanzierte Betrachtung des Ganzen aussehen sollen, wo doch die entsprechenden "News-Menschen" des Sender-Kollektivs damit beschäftigt sind, für irgendwelche Serien Werbung zu machen?

the Geek
the Geek
5. April, 2009 17:43

@Wortvogel: Die Sender treffen doch hin und wieder auch mal VOR der Ausstrahlung die Entscheidung, dass etwas dem Zuschauer nicht zuzumuten ist. Das Problem ist nur, dass ich dann oft nicht weiß, wie man zu der Entscheidung kommen konnte.

Siehe "West Wing". ARD/ZDF saßen auf der Lizenz und verweigerten die Ausstrahlung. Statt dessen brachte man "das Kanzleramt". Eine deutsche Version die natürlich nicht im Fernsehen funktionierte. Das ist laut den öffentlich-rechtlichen nicht für den Zuschauer geeignet, weil es sich zu sehr mit der US-Politik beschäftigt (kann der Deutsche wohl nicht nachvollziehen?), an anderer Stelle habe ich gelesen, es liege an der Unpopularität der letzten US-Regierung…

Gerhard
Gerhard
5. April, 2009 19:53

Traurig, wohin sich das oftmals erwähnte "Qualitätsfernsehen" entwickelt – betrifft jetzt nicht nur Pro7….. ich erinnere mich noch an die Zeit, wo Pro7 für mich der "stäkste" Sender war (muss wohl Anfang/Mitte der 90er gewesen sein), seit Bestehen des Online-TV "bastel" ich mir den Programmaublauf selbst, seitdem habe ich weitaus weniger Kopfschmerzen.

Dieter
Dieter
5. April, 2009 19:55

@the Geek: Ich finde das empörend. Dieser ganze Mentalisten- Wahrsager- Astrologen- Geistheiler- Mist ist derart salonfähig geworden, dass sich Journalisten keine Gedanken machen, ob da nicht ironische Distanz notwendig ist?

In unserer Stadt war gerade ,,Billy Smith", der aufgrund seiner spiritueller Energie heilt. Was macht die Lokalzeitung? Sie schreibt indikativ, dass ein Heiler da war und beispielsweise ein zu kurzes Bein sichtbar verlängerte. Kein Konjunktiv, keine kritische Distanz, vielmehr die Titelstory, in der dieser Mensch seine gottgegebene Wunderkraft bewerben konnte. Mein Leserbrief blieb unbeachtet.

Proesterchen
Proesterchen
5. April, 2009 20:32

Ich schätze bei ProSieben war man zu besoffen von den Erfolgen des Meisters Geller und des lokal gewachsenen Grobfugs/Kammerspiels "Galileo Mysterie", um beim Publikum jetzt auf plötzlich auftretenden Verblödungsüberdruss gefasst zu sein.

Bluescreen
Bluescreen
5. April, 2009 21:18

Hatte riesigen Spass bei der Show. Das gebe ich zu…

Obwohl ich mir oft die Frage stelle, für wie blöd die Fernsehsender ihre Zuschauer halten. So Preisfragen wie letztens. "Was ist die Bezeichnung für den Ort eines Verbrechens? 1) Tatort oder 2) Unfallort?

Wie ernst nehmen die Sender einen noch?

Wortvogel
Wortvogel
5. April, 2009 21:22

@ Bluescreen: Die Frage wird oft gestellt, und es gibt tatsächlich eine Antwort – eigentlich würden die Sender GAR KEINE Gewinnfrage stellen, weil sie einfach nur wollen, dass möglichst viele Leute teilnehmen. Das ist aber verboten – weil es dann ein reines Glücksspiel wäre. Darum nehmen sie die denkbar einfachste Frage, um die Teilnahme zu massieren.

So habe ich das zumindest erklärt bekommen.

Schlimmer ist, wieviele Leute selbst bei solchen Fragen noch FALSCH antworten. Gerüchten zufolge 5 Prozent.

Bluescreen
Bluescreen
5. April, 2009 21:42

@Wortvogel:

Wie wollen sie denn gar keine Frage stellen und trotzdem hoffen, es nehmen möglichst viele Leute Teil… so ohne Frage?

5%… ich hoffe, da rufen nur die Bescheuerten an.

Wortvogel
Wortvogel
5. April, 2009 22:00

@ Bluescreen: Ist doch klar: "Wir verlosen eine Reise nach Mallorca – schicken Sie uns eine Postkarte!"

Bluescreen
Bluescreen
5. April, 2009 22:18

@Wortvogel:
Darf man fragen wie gut diese Verarsche ankommt? Ich hab von sowas ja echt keine Ahnung.
Und wie nötig hat ein Fernsehsender das mittlerweile? Mitte der 80er hat man den Zuschauer zwar durch die Serien verarscht, doch war es so, dass man halt nur "Spass" lieferte. Oder Action.

Nur mittlerweile ist es recht… seltsam… wenn ich mir ansehe was im TV läuft und das gegen damals vergleiche… sorry wenn ich das so sage, aber NAZI-TRASH!

Wo bleiben "Spencers Piloten". Oder der "Grosse Preis"?

Ich halt ja schon meine Schnauze, ist ja gut…

Asmodeus
Asmodeus
5. April, 2009 22:22

Sehr geil.

Ich zitiere Wiki
"Godwins Gesetz (engl. Godwin’s Law) ist ein Begriff aus der Internetkultur, der von Mike Godwin 1990 geprägt wurde. Es besagt, dass im Verlaufe langer Diskussionen, beispielsweise in Usenet-Newsgroups, irgendwann jemand einen Nazivergleich oder einen Vergleich mit Hitler einbringt. Ähnlich wie Murphys Gesetz enthält es eine sarkastische oder auch ironische Dimension."

Wortvogel
Wortvogel
5. April, 2009 22:22

@ Bluescreen: Das ist dein selektives Gedächtnis, mein Lieber – vor der Erfindung des Privatfernsehens machten die Öffentlich-Rechtlichen den Trash halt selber. Ich erinnere da gerne z.B. an "Die Astro-Show" mit Hotte Buchholz und Elisabeth Tessier.

Und "Spencers Piloten" war auch nicht besser als z.B. "Ausgerechnet Alaska".

Ich will die "Strandpiraten" wiederham!

Bluescreen
Bluescreen
5. April, 2009 22:41

@Asmodeus:

Sarkastisch und/oder ironisch… wenn eine "Wie ernährt man sich besser und nimmt bloss kein Fett zu sich"-Show von einem staatlichen Unternehmen produziert wird… wie das im Abspann steht. Kläglich.

@Wortvogel:

War die Astro-Show nicht eine Reaktion auf die Privaten? Aber darum ging es mir nicht… eher, mit wieviel "Ernst" wird der Zuschauer mittlerweile verarscht?
Wird man noch ernstgenommen?

"Strandpiraten" waren gut, "Spencers Piloten" hatten die coolere Musik.

Wortvogel
Wortvogel
5. April, 2009 23:00

@ Bluescreen: Nix da – Astro Show lief 1981-83.

Der Zuschauer wird, finde ich, durchaus ernst genommen. Man darf ja auch nicht vergessen, dass eine breite Mehrheit doofen Sülz sehen WILL. Auch das war früher bereits so. "Ich heirate eine Familie" hatte eine deutlich höhere Einschaltquote als "Berlin Alexanderplatz".

Bluescreen
Bluescreen
5. April, 2009 23:22

Aha… Mehrheit will doofes Zeug. Mehrheit wird mit "genialen" Rätselfragen befeuert. Mehrheit darf sich als Einsteins Erben fühlen.

Nein, das geht nicht gegen dich oder so… ich wollte wirklich nur wissen, warum man heutzutage so offensichtlich auf dem Hirn der Zuschauer rumtrampelt.
Sei mir nicht böse, aber es war vor 20-30 Jahren eine Ausnahme wenn so etwas vorkam wie die Astro-Show und Tutti-Frutti. Das sehe ich dann auch eher als Experiment im Rahmen der jungen, neuen Fernsehlandschaft.
Ich will auch nicht darauf eingehen ob "Ich heirate eine Familie" besser wäre als "Berlin Alexanderplatz". Beide geben mir nichts, sind mir schnuppe.

Mir ging es nur um das Heute und Jetzt. Und das kann ich nicht wirklich fressen…

Wortvogel
Wortvogel
5. April, 2009 23:32

@ Bluescreen: Ich glaube einfach nicht, dass das Fernsehen früher anteilig besser war.

Hast du diesen Beitrag von mir gelesen? https://wortvogel.de/?p=828

Bluescreen
Bluescreen
5. April, 2009 23:53

@Wortvogel:

Denke schon, dass ich den gelesen habe. Werde mich da nochmal reinbeissen.

Was ich nur möchte: dass man den Zuschauer nicht als allerletzten Horst-Rüdiger verkommen lässt. Etwas mehr als die "Tatort-Frage" darf da schon noch kommen. Und muss sie auch um ernstgenommen zu werden.

Ich schätze, wir meinen das Gleiche und reden aneinander vorbei…

Mencken
Mencken
6. April, 2009 15:10

@Bluescreen: Heute ist das Angebot einfach wesentlich größer geworden und "Sendungen für Idioten" sind billiger, schneller und einfacher zu produzieren (und "sicherer" als anspruchsvolle Kost). Sehe das Problem aber nicht: Entweder die Zuschauer wollen intelligentes Programm (das es ja auch noch in ausreichendem Masse gibt) oder eben nicht, aber man kann doch zumindest von der erstgenannten Gruppe dann auch erwarten, daß es zur selbstständigen Selektion von Programmen auch noch reicht und wer dazu nicht in der Lage ist, an den ist für mein Empfinden auch anspruchsvolleres Fernsehen schlichtweg verschwendet. Somit bliebe der Erziehungsgedanke, aber einen "Zwang zur Bildung" möchte von uns ja hoffentlich auch niemand befürworten.
Ich bin jedenfalls über die größere Auswahl sehr froh, was früher auf den Öffentlich-Rechtlichen lief war teilweise auch unsäglich und ich bezweifele stark, daß sich die Situation heutzutage ohne Privatsender in irgendeiner Form geändert hätte.

Dieter
Dieter
6. April, 2009 17:25

@Mencken: Das Ganze ist wohl eine Gradwanderung. Aber es geht nicht um ,,Zwang zur Bildung". Es geht darum, dass Abzocker wie Geller ein ernsthaftes Podium bekommen. Wenn pseudowissenschaftlich und ernsthaft die Existenz von ,,Mentalkräften" und anderem mittelalterlichen Blödsinn verbreitet werden, geht das über die Idee, es werde eine Nische bedient und jeder könne sich ja das Seine aussuchen hinaus. Das ist unlauter und darf nicht nur sondern muss scharf kritisiert werden.

Wortvogel
Wortvogel
6. April, 2009 17:34

@ Dieter: Statt die Verantwortung bei den Machern zu suchen, kann man aber auch den Markt sprechen lassen. Die Leute GUCKEN ES JA!

Es hat ein Paradigmen-Wechsel stattgefunden, den ich in dem oben verlinkten Artikel "Umschalten, nicht abschalten" verdeutlichen wollte: es mag auf den prominenten Sendern zu einem qualitativen Absturz gekommen sein – zeitgleich hat aber eine Vervielfachung des Angebots durch neue Sender qualitativ hochwertige Nischen geschaffen. Der Zuschauer muss also umerzogen werden: Verweigerung von Kappes wie "Uri Geller Show" bedeutet nicht Verweigerung von Fernsehen per se – es muss nur sorgfältiger geprüft werden, was die Alternativen sind. Ein gute Programm zu sehen ist heute eben mit mehr Auswahlarbeit verbunden.

Ich mag Sendungen wie "Deutschland sucht den Superstar" nicht – deshalb käme ich nie auf Idee, deren Absetzung zu fordern.

tumulder
6. April, 2009 18:48

O.K., zur Hauptsendezeit läuft meistens für mich kaum interessantes. Ich bin halt ein Serien-, Dokusoap- und Tatortmuffel. Gute Filme usw. laufen da schon später in der Nacht. Aber genau für dieses Problem wurde ja schon vor weit mehr als einem viertel Jahrhundert der Videorekorder erfunden, dessen Aufgabe mittlerweile hervorragend von wirklich preisgünstigen Festplatten- und DVD-Rekordern übernommen wird.;) Zusammen mit Online Rekorder Diensten, der örtlichen Videothek usw. bin ich doch heute mein eigener Programmdirektor. Ich kann schauen was ich will, und das sogar wann ich will. Kein Grund zur Klage.

Dieter
Dieter
6. April, 2009 19:56

@Wortvogel: Ich suche die Verantwortung nicht bei den Machern. Vielmehr fordere ich, dass sie der selbstverständlichen Verantwortung nachkommen.

Ich kritisiere nicht die vielleicht mangelnde Qualität mancher Produktionen, genausowenig kritisiere ich einen in meinen Augen eher schlechten Geschmack. Was mich stört, ist, dass mittelalterlicher Blödsinn Raum findet und selbsternannte Segensbringer Gelegenheit bekommen, Leute zu beschubsen.

Nichts gegen Vielfalt! Soll doch jeder, der will, GZSZ gucken. Ich nicht. Aber Geller ist das schon ein anderes Kaliber. Würde er seinen Blödsinn als fiktional kennzeichnen, wäre es in Ordnung. Er behaubtet ja aber, tatsächliche Mentalkräfte zu besitzen. Pro Sieben gibt diesem Scharlatan zu viel Raum, und damit werden die Verantwortlichen ihrer Verantwortung nicht gerecht.

Dieter
Dieter
6. April, 2009 19:57

Schreibe nie, wenn Du gerade Deine Buchführung machst! Fehler über Fehler …

hilti
hilti
6. April, 2009 22:33

Á-propos Festplatten- Rekordern. Mein Videorekorder hat jetzt nach 16 Jahren seinen Geist aufgegeben. *schnüff*

Jetzt bin ich auf der Suche nach einem vernünftigen Festplattenrecorder. Es wäre schön, wenn ihr ein paar Links und Empfehlungen für mich hättet.