Über die Oster-Feiertage hatte ich endlich mal wieder Zeit, ein gutes Dutzend neue TV-Serien anzuschauen, die sich auf meiner Festplatte angesammelt hatten. Es stellte sich heraus, dass sich daraus leicht fünf Beiträge schinden lassen:

  • Die Oster-Specials der Kult-SF-Serien “Dr. Who” und “Red Dwarf”
  • Neue große Serien wie “Castle”, “Krod Mandoon”, “No. 1 Ladies Detective Agency”, “Harper’s Island”, etc. (zwei Teile)
  • Reviews zu weniger relevanten neuen Serien wie “Stormworld”, “Surviving Suburbia”, “In the Motherhood”, u.s.w.
  • Der Boom der neuen Impro-Comedy-Serien wie “Free Radio”, “Head Case”, “Party Down”, etc.

„Red Dwarf: Back to Earth“

Fangen wir gleich mal mit “Red Dwarf” an. Das ist ja nun wirklich eine Serie, die eine bewegte Geschichte hinter sich hat – und bei der man immer darauf gefasst sein muss, dass nichts so läuft, wie man sich das vorstellt.

„This man is only guilty of being Arnold J Rimmer. That is his crime, it is also his punishment!“

“Red Dwarf” begann vor mittlerweile 21 Jahre als Low Budget-Sitcom auf BBC2, fand allerdings erst mit der Einführung des Mechanoiden “Kryten” in der dritten Staffel 1989 ihren Rhythmus. Nach sechs Staffeln war die Serie 1993 absoluter Kult, aber eine Anklage wegen Vergewaltigung gegen den Hauptdarsteller Craig Charles legte die Produktion auf Eis. Kostar Chris Barrie war das ganz recht, hatte er mit “Britta’s Empire” noch eine andere erfolgreiche Serie am Laufen.

Es gab in dieser Zeit zwei Versuche, das Format in die USA zu verkaufen – u.a. mit Jane Leeves (“Frasier”) und Terry Farrell (“Deep Space Nine”). Das blieb erfreulicherweise erfolglos.

dwarf1“Do I have a head like an amusingly shaped ice cube?”

Nach dem Freispruch von Craig Charles gab es 1997 endlich eine siebte Staffel, und 1999 eine achte. Um die Wiederholungen visuell anzugleichen, und um die DVD-Verkäufe anzukurbeln, wurden die alten Folgen neu überarbeitet – traditionelle Modelle wurden durch CGI ersetzt, was viele Dwarfer schwer erboste.

Die neuen Folgen brachten die Crew tatsächlich zurück auf das titelgebende Raumschiff – ein paar Staffeln lang hatte man sich mit dem kleineren Transporter “Starbug” begnügen müssen.

Unter Dwarfern galt eigentlich als ausgemacht, dass die Serie nun den Sprung ins Kino machen sollte, doch irgendwie kam das Projekt nie voran – Ausrede war gerne, dass Chris Barrie mit seiner Nebenrolle in den “Lara Croft”-Filmen zu beschäftigt sei.

Ausgerechnet ein kleiner britischer Comedy-Kanal, der tatsächlich nach der Hauptfigur der Serie benannt wurde, hat sich nun erbarmt, und “Red Dwarf” zu einem (vorerst) dreiteiligen Comeback verholfen, zehn Jahre nach den letzten Abenteuern der Dwarf-Crew.

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Auch im RD-Universum sind demnach neun Jahre vergangen. Listers große Liebe Kochanski ist tot, und der Wasservorrat geht zur Neige. Ein gigantischer Oktopus in eben diesem Wassertank eröffnet der Crew jedoch die Möglichkeit, einen Dimensionssprung zurück zur Erde zu wagen. Kurioserweise weist der Computer das RD-Universum als “nicht gültig” aus, und unsere Helden landen im London unserer Tage – wo sie feststellen, dass “Red Dwarf” nicht mehr ist als eine kultisch verehrte Science Fiction-Sitcom! Lister, Kryten, Rimmer, und Cat machen sich auf die Suche nach ihrem „Erfinder“, um der Sache auf den Grund zu gehen…

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Als alter Dwarfer, wie ich es bin, ist man zuerst versucht, diese Meta-Episoden als völliger Quatsch abzutun: Der Sprung von “Star Trek” zu “Galaxy Quest” innerhalb einer Serie ist ungesund. Man kann nicht seine eigene Parodie sein, es zerstört jede Glaubwürdigkeit, die “Red Dwarf” trotz aller Albernheiten je hatte.

Andererseits: es funktioniert besser, als es funktionieren sollte. Die RD-Crew begreift sich ja nicht selber als Teil der Parodie, und hält so die eigene Realität aufrecht. Wenn Teil 3 dann plötzlich zu einer bemerkenswert stimmigen „Blade Runner“-Hommage wird, wundert einen gar nichts mehr – „Red Dwarf“ kennt keine Spielregeln.

Jede einzelne Episode dieser neuen Ministaffel ist einzigartig – und garantiert nicht das, was man erwartet.

“Chaps, bit of an update: There appears to be something bigger than God heading straight for you.”

Man merkt allerdings, dass das Budget limitiert war – weniger in den Effekten und bei den Darstellern, als mehr beim Drehbuch: hier wird mir deutlich spürbar gebremstem Schaum gefahren. In einer normalen RD-Episode wäre die Entdeckung des Oktopus und der Sprung zur Erde allenfalls Material für 5 Minuten gewesen, als Einleitung der eigentlichen Handlung. Für den Dreiteiler streckt man das dünne bisschen Plot über eine ganze Folge. Ich fühlte mich teilweise an “Rose Red” erinnert, einen Spukhaus-Dreiteiler aus der Feder von Stephen King, dessen erster Teil damit endet, dass die Protagonisten das Spukhaus betreten. So kann man Zeit schinden.

Es fällt auch deutlich auf, dass die Hauptdarsteller gealtert sind – besonders Craig Charles strahlt nur noch wenig von der jugendlichen Energie aus, die Lister früher auszeichnete. Und Chris Barrie geht das Haupthaar flöten.

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Ich könnte noch einige weitere Schwächen des Dreiteilers aufzählen – unter anderem, dass beim Audio-Design hörbar gepatzt wurde: in der ersten Episode scheint es an Bord des Raumschiffes praktisch keinerlei Geräusche zu geben, die Hauptdarsteller hören sich an wie im schalldichten Studio.

Oder dass wirklich penetrant Product Placement für das Magazin “SFX” gemacht wird.

Aber das ist komplett irrelevant, denn die einzige Frage, die man stellen muss, oder stellen darf – ist es noch “Red Dwarf”? Und ja, es ist “Red Dwarf”! Älter, etwas müder, nicht mehr ganz so spritzig, aber unverkennbar “Red Dwarf”. Die Charaktere sind auf den Punkt getroffen, die Atmosphäre stimmt, die Gags funktionieren, und dank der legendären Musik kommt schon beim Vorspann die richtige Stimmung auf.

http://www.youtube.com/watch?v=6W8DQ2poWdA

“Red Dwarf” war immer schon in der Lage, sich aus kniffligen Situationen heraus neu zu erfinden – und es ist erneut gelungen. Nun kann ich nur hoffen, dass die Quoten gut genug sind, um eine volle weitere Staffel zu rechtfertigen.

Und damit zu “Dr. Who: Planet of the Dead” – und zur großen Enttäuschung des Oster-Wochenendes.

„Dr. Who: Planet of the Dead“

Ihr habt vermutlich meinen Abriss über die vierte Staffel gelesen. Großes Tennis war das, von rühmlichen Ausnahmen abgesehen, nicht. Auch das Weihnachtsspecial „The Next Doctor” hat mich nicht aus den Socken gerissen – obwohl David Morrissey als traumatisierter Pseudo-Doctor eine wirklich tolle Figur abgab.

“Planet of the Dead” ist aber selbst im Vergleich dazu ein massiver Schritt in den Keller – ohne Licht. Der Plot ist für die Laufzeit extrem dünn (der Doktor strandet mit einem Bus samt Fahrgästen auf einem Wüstenplaneten, und muss den Weg zurück zur Erde finden), die Spezialeffekte sind teilweise erstaunlich minderwertig, und ständig müssen geradezu absurde Zufälle und Schlussfolgerungen die Handlung voran schleppen.

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Natürlich war “Dr. Who” nie “realistische” Science Fiction, aber die Bequemlichkeit, mit der hier ständig Probleme und Lösungen zusammen fallen, stinkt drei Meilen gegen den Wind nach Faulheit seitens der Autoren. Es wirkt alles total lieblos hingeschlampt. Das fängt schon in der allerersten Szene an, in der Christina de Souza ein Artefakt aus dem Museum stiehlt:

  • Warum ist gerade dieses Artefakt so albern gut bewacht?
  • Warum wird das Artefakt nach allen Seiten gesichert – nicht jedoch nach oben?
  • Warum läuft Christina, obwohl sie durch das Dach gekommen ist, in der nächsten Szene durch das Museum?
  • Warum wundert sie sich über den Alarm, obwohl sie die Wachen doch durch die winkende Katze selbst auf den Diebstahl aufmerksam gemacht hat?
  • Warum nimmt sie die Maske ab, obwohl sie nicht in Sicherheit ist?
  • Warum sind die Ausgänge des Museums sogar nach der Auslösung des Alarms nicht verriegelt?
  • Wie kann Christinas Komplize schon von der Polizei verhaftet worden sein?

Ein bisschen viel Unglaubwürdigkeiten für schlappe zwei Minuten Laufzeit.

Es gibt aber tatsächlich etwas, dass “Planet of the Dead” trotz aller Schwächen sehenswert macht: Michelle Ryan. Die sexy Britin, die mir erstmals in “Jekyll” aufgefallen ist, sich bei ihrem US-Debüt als “Bionic Woman” allerdings komplett blamierte, ist hier in ihrem Element: frech, aktiv, vorlaut, sinnlich. Sie bringt eine ganz andere, deutlich erotischere Dynamik in die Serie als Rose, Martha, oder Donna. Eine bessere neue Gefährtin als Lady Christina de Souza könnten sich die Macher für den neuen Doktor nicht wünschen. Nur leider sieht es so aus, als bliebe ihr Auftritt folgenlos.

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Und auch das ärgert mich: Es wird großes Drama daraus gemacht, dass der Doktor Christina ablehnt, weil er seine bisherigen Gefährtinnen “verloren” hat, und darüber nicht hinweg kommt. Dürfen wir mal rekapitulieren? Rose lebt in einer anderen Dimension glücklich mit einem Doktor-Klon, Martha ist erfolgreich bei UNIT, Sarah Jane erlebt eigene Abenteuer mit ihrem Sohn, und Donna hat ihre Zeit mit dem Doktor vergessen. So schlecht sieht die Bilanz also gar nicht aus. Es ist daher nicht einzusehen, dass der Doktor eine so willige (in jeder Beziehung, ähem) Gefährtin ablehnt.

Von der vermutlich nächsten temporären Gefährtin, gespielt von dem blonden Luder Sheridan Smith, sehen wir nichts – auch wenn sie in den Credits bei der IMDB aufgeführt wird.

Insgesamt ist “Planet of the Dead” (schon der Titel verspricht mehr Spektakel, als er hält) also allenfalls ein mittelmäßiger Überbrücker bis zum nächsten Special “The Waters of Mars”, von dem einige Fans viel erwarten, weil der Titel als Anagramm für “War of the Masters” gemeint sein könnte.



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Manuel

Ich bin gespannt auf „No. 1 Ladies Detective Agency“

und eigentlich hätte ich auch gerne „No. 2 Ladies Detective Agency“

T.R.
T.R.

Meine Meinung ist in dieser Sache vermutlich nicht repräsentativ, aber ich habe die kompletten vier Staffeln des modernen Doctor Who sehr genossen. Ich muss aber zugeben, dass ich die Serie anders sehe als gewöhnliche SciFi-Serien. Während ich sonst höchst ungehalten auf logische Brüche reagiere, bin ich bereit, hier beinahe alles zu verzeihen. Mehr noch, die meisten Ungereimtheiten und Storytiefen fallen mir beim ersten Sehen garnicht ins Auge.

Ich lehne mich mal soweit aus dem Fenster, zu behaupten, dass das daran liegt, dass Doctor Who seine Faszination nicht aus seiner Handlung zieht, sondern auf dem die Handlung durchziehenden Mythos des Doctors, der gerade dann besonders deutlich sichtbar ist, wenn der Doctor selbst in einer Folge einmal nur eine Nebenrolle spielt (du hattest mal etwas zur besonderen Qualität einiger dieser Folgen geschrieben).

Johannes

Ich fand das Doctor-Who-Special auch etwas unter dem bisherigen (hohen) Niveau. Gut gefallen hat mir, dass die Episode deutlich humorvoller war, alle Beteiligten hatten da offenbar ihren Spaß. Inhaltlich war es leider etwas dünn, und an Michelle Ryan hat mich gestört, dass sie so ein Dauergrinsen aufgesetzt hatte, dass es mir schwer machte, ihren Charakter ernst zu nehmen.

Schade fand ich ansonsten, dass aus dem Trip nach Dubai so wenig rausgeholt wurde. Alle Außenaufnahmen in der Wüste wurden nämlich tatsächlich in Dubai gedreht! Die Natur der Geschichte machte es dabei aber leider unmöglich, mehr als Sand zu zeigen. Kein Kameraschwenk über den Ozean, keine Kamele oder Palmen, selbst das Gras am Drehort wurde von der Crew vor dem Dreh ausgerupft. Das Ergebnis sah nicht schlecht aus, aber man hätte den gleichen Effekt sicher auch im Studio mit einigen Tonnen Sand und guten CGIs erreichen können.

Johannes

Nein, das war bizarrerweise alles echt. Man sieht im Confidential dazu eine ganze Menge an Hintergrundinfos. Nicht echt war dagegen wohl der Sand bei den Aufnahmen des Businneren. Das entstand im Studio (mit einem zweiten Bus, der erste war da schon auf dem Weg nach Dubai), mit ringsherum gespannten Planen. Aber wie gesagt, für die phantastische Location hat man da meiner Meinung nach nicht annähernd genug herausgeholt. Als Zuschauer ist man es eh gewohnt, dass sowas alles CGI ist. Russell T. Davies macht sowas aber wohl mit Vorliebe echt, die Italienepisode der vierten Staffel entstand auch vor Ort in Italien.

Noch eine witzige Anekdote aus dem Confidential: Der Bus wurde per Schiff nach Dubai gebracht. Dabei stand er auf einer Palette und ragte über die anderen Container heraus. Das fiel einem Kranführer leider zu spät auf und er hat den Bus voll mit einem Container erwischt. Daher rührten die eigentlich nicht beabsichtigen Schäden am Oberdeck des Busses her. Das wurde dann kurzerhand mit Schäden durch den Wurmlochtransit erklärt und die Crew musste den zweiten Bus im Studio analog beschädigen. 😉

Rotker

Zu Red Dwarf:BTE : Sind eigentlich nur mir die komischen Pausen während/nach vielen Dialogen aufgefallen? Als ob man zunächst geplant hatte später Lacher reinzumischen und sich ganz am Ende der Produktion doch dagegen entschied? Das fand ich ein bisschen irritierend, aber sonst war’s recht unterhaltsam. Obwohl man aus dem Stoff ohne Weiteres ein einziges, knapp einstündiges Special hätte machen können.

Dr. Acula

@Vogel

„Aber man eben nicht alles haben…“

Z.B. ein „kann“… SCNR 🙂

Dr. Acula

Gnihihi 🙂

Heino
Heino

Wird echt Zeit, dass Red Dwarf auch hier mal auf`s Volk losgelassen wird. Meinetwegen auch nur auf DVD, wenn sich schon kein Sender drantraut. Klar könnte ich mir auch die DVDs aus UK ordern, aber ich bin eben bequem:-))