hulk1USA 2008. Regie: Louis Leterrier. Darsteller: Ed Norton, William Hurt, Liv Tyler, Tim Roth

„Hulk“ war der erste kurzfristige „Restart“ einer Marvel-Lizenz, noch vor „Punisher: Warzone“. Obwohl Ang Lees „The Hulk“ drei Jahre zuvor 250 Millionen Dollar an den Kinokassen eingespielt hat, war man insgesamt enttäuscht, denn weder die Kritik noch das Publikum hatten den Film wohlwollend aufgenommen. „The Incredible Hulk“ sollte die Property wieder soweit auf Vordermann bringen, dass die Figur auch in Fortsetzungen und dem Team-Projekt „Avengers“ auftreten kann. Inwieweit das gelungen ist, kommt wohl ganz darauf an, mit welchen Erwartungen man an den Film heran geht.

Ich selber war nie ein Fan der Idee, „Hulk“ als Kinofilm umzusetzen. Der Appeal erschließt sich mir einfach nicht. Zwar ist die Jekyll/Hyde-Story durchaus mit Drama aufgeladen (anders als z.B. „Superman“), aber der wütende grüne Muskelklotz ist kein Held, zu dem man gerne aufschaut. Und der schwächliche Wissenschaftler Bruce Banner rangiert in der Coolness-Skala auch nicht gerade weit oben. Seine großen Taten sind Ergebnis der Unfähigkeit, sich unter Kontrolle zu halten, und nicht dem Drang geschuldet, ein Superheld zu sein. Wie Godzilla ist Hulk eher eine Gefahr für die Menschheit, und um ihn positiv zu setzen, muss man ihm ein zweites, noch furchterregenderes Monster entgegen setzen. Das limitiert die Story doch vergleichsweise stark.

Wenn man sich diese Beschränkungen vor Augen hält, ist „The Incredible Hulk“ aber nicht nur ein guter Comic-Film, sondern auch eine deutliche Steigerung gegenüber Ang Lees unnötig existenzialistischem und mit Vaterkomplexen überladenen Vorgänger (den ich allerdings für besser halte, als der Rest der Welt das tut).

Erfreulicherweise bekommen wir die Entstehung des Hulk nicht noch einmal vorgekaut – sie wird diesmal in knappen, bewusst an die „Hulk“-TV-Serie angelehnten Bildern im Vorspann abgehakt. Bruce Banner befindet sich auf der Flucht vor dem Militär – und seinem unkontrollierbaren grünen Id. In Brasilien hofft er, durch Meditation und Atemtechnik lange genug ruhig zu bleiben, bis ein befreundeter Wissenschaftler ein Gegenmittel entdeckt hat. Doch ein einzelner Blutstropfen (den ausgerechnet Stan Lee trinkt!) verrät ihn, und nach einer Verfolgungsjagd durch eine Armensiedlung macht sich Banner auf den Rückweg nach Amerika. Dort trifft er seine alte Flamme Betty, seinen Erzfeind Colonel Ross (Bettys Vater), und den Söldner Emil Blonsky, der entschlossen ist, sich mit einem Supersoldaten-Serum dem Hulk ebenbürtig zu machen. Dadurch wird er zu „Abomination“, einer Art Über-Hulk, den Banner um jeden Preis stoppen muss.

hulk2

„The Incredible Hulk“ schämt sich angenehm wenig, eine Comic-Verfilmung zu sein. Wie auch „Iron Man“ wird die Vorlage nicht wie besessen mit Pseudo-Drama aufgeladen, sondern einfach und schnörkellos in bunte Bilder umgesetzt. Helden und Schurken sind so leicht identifizierbar, dass man ihnen auch schwarze und weiße Hüte hätte aufsetzen können. Kurios, dass man für solche Light-Performances eine Reihe so hochkarätiger Darsteller zu brauchen meinte.

Banner wird dreimal zum Hulk – einmal am Anfang, einmal in der Mitte, und einmal zum großen Finale. Die Materialschlachten sind erfreulich kindisch, absolut Rotznasen-tauglich, und der große Kampf Hulk/Abomination ist eine passgenaue Umsetzung alter Lee/Kirby-Spektakel.

Hulk SMASH!!!

Dass die Figuren diesmal deutlich flacher sind, und die CGI-Effekte an keiner Stelle fotorealistisch, trübt das Sehvergnügen kaum: „The Incredible Hulk“ ist rasantes Haudrauf-Comic-Kino, bei dem einem so manches mal ein befriedigtes „ja-WOLL!“ entfährt. Weil das alles nicht gar so ernst ist, bleibt sogar Raum für ein wenig Humor. Dazu gehört gleich ein halbes Dutzend (auch musikalische) Verweise auf die alte Hulk-TV-Serie.

Somit hätte der Film neben „Iron Man“ (der mit einem hübschen Gastauftritt von Tony Stark referenziert wird) und „The Dark Knight“ die dritte exzellente Comicverfilmung 2008 sein können. Doch er stolpert (wie eingangs angedeutet) darüber, dass der Hulk als Figur eher dröge ist, und keine Freude an seinem Dasein als 3 Meter-Monster empfindet. Wenn man das mal mit der Begeisterung Tony Starks vergleicht…

Ich versuche es mal mit einer Star Trek-Analogie: An TOS und TNG hatte mir immer das „to boldly go“-Element gefallen, der mutige Aufbruch in fremde Welten. In „Voyager“ geht es um das Gegenteil: die Mannschaft ist in einem fremden Teil der Galaxis gestrandet, und möchte eigentlich nur nach Hause. Das fand ich immer extrem weinerlich und unlässig.

Genau so ist es mit dem Hulk: der Held muss in meinen Augen Spass daran haben, ein Held zu sein. So wie „Spiderman“ oder „Die fantastischen Vier“. Und „Batman“, auch wenn der das nie zugeben würde. Dieses ständige Hadern mit seinem Schicksal geht mir auf den Zeiger. Schlimm ist doch allenfalls, dass er nicht mit Liv Tyler schnackseln kann, weil er sich dabei verwandeln würde (was ganz interessante Fragen über die Anatomie des Hulk aufwirft – und ob Betty Ross überhaupt was dagegen hätte).

Fazit: Sicher keine der besten Comic-Verfilmungen, aber in meinen Augen die bestmögliche Hulk-Verfilmung. Und das ist weit mehr, als ich erwartet hatte.

Als ironische Fußnote sei noch erwähnt, dass der zweite „Hulk“-Film bei vergleichbaren Kosten genau soviel eingespielt hat wie der Vorgänger. Ang Lee braucht also nicht grummeln.



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Jack Crow
Jack Crow

Kleine Korrektur: Der Batman-Film 2008 war „The Dark Night“ 😉
Ansonsten ist dieser Film komplett an mir vorbei gegangen – wurde der in Deutschland irgendwie vergleichbar zu Iron Man beworben (wie TDK sowieso nicht)? Wenn mich einer gefragt hätte hätte ich vermutlich gesagt, daß ich eine vage Ahnung habe, daß da grad ein „Nachfolger“ zu Ang Lees Film gemacht wird (von dem ich mich nur erinnern kann daß ich die Hulk-CGI lächerlich mies fand)…

Bonuspunkte für die ST-Analogie – „Bei ST ging es immer darum, dorthin zu gehen wo noch niemand gewesen ist. Aber da ist die Voyager schon, und nun will sie dahin wo alle anderen auch sind“ war einer meiner Lieblingssprüche aus dem SFTVG… 😀

lindwurm

Ich sehe das anders. Meiner Meinung nach ist Ang Lees „Hulk“ die weit gelungenere Adaption des Stoffs, storywise und auch regietechnisch. Ok, der ist ein bisschen zäh und hat, wie du ja schreibst, ein bisschen zuviel Vater-Sohn-Drama, doch was Lees Film übertreibt, untertreibt „The Incredible Hulk“ so stark, dass der nur mehr eine Rumpfhandlung hat, die sich schwächlich auf den großen Showdown mit dem Über-Hulk zuschlängelt. Die Comicfigur Hulk gewann ihren Appeal genau aus der Dramatik der schizophrenden Konflikte des zerissenen Protagonisten. Sein „Gesmashe“ war dann nur die Zugabe, die das Kind im Manne bzw. das echte Kind erfreuen sollte. „The Incredible Hulk“ fährt aber die psychologischen Aspekte so sehr zurück, dass wirklich nur eine westliche Godzilla-Variante übrig bleibt. Hier wird mir einfach viel zu wenig in Entwicklung und Charaktere investiert, was dazu führt, dass der entsetzlich konventionelle „TIH“ nach der großen Keilerei am Bildschirm zumindest bei mir nichts Erinnungswürdiges zurückgelassen hat. Ich weiß nicht mal mehr so richtig, worum es da ging. An Ang Lees Version, die übrigens zumindest versucht hat, auch optisch originell zu sein, kann ich mich detailliert erinnern…

Tinitus

Ich denke, TIH ist einer der unverstandenen Filme des letzten Jahres. Offenbar sind viele Zuschauer mittlerweile den filmischen Dosenfrass so sehr gewohnt, dass sie nichts sehen was nicht explizit vorgekaut (im Sinne von „das Offensichtliche aussprechen“ wird. Hab ich in diesem Blog gelesen, dass Blonskis Motivation zu Abomination zu werden nicht richtig rüberkommt. Für mich war das glasklar. Blonskis Background und seine Mimik erklären alles was nötig ist.
Wie schon bei Spiderman, hätte ich auch für den Hulk eine andere Storyline bevorzugt. Kennst Du den Abschnitt in dem Banner beim Pantheon war Torsten? Da hatte er den Körper des Hulk und das Hirn von Banner. Und es HAT ihm Spass gemacht. Er war cool drauf und hat es krachen lassen.
Ansonsten fand ich TIH wirklich gut gemacht.

Tinitus

PS: @Wortvogel. Denkste noch an meine Anfrage oder is Dir das Thema derzeit zu heiss?

Tinitus

Gerade deshalb hab ich Dich ja gefragt. Weil Du unvoreingenommen herangehen kannst.

Peroy
Peroy

Ich fand den Ang Lee-Hulk auch gut… inklusive aller Beknacktheiten wie die platzende Kröte und den Sackklopper für den mutierten Hund…

Der Hulk an sich ist allerdings wirklich keine Figur, für die man übermäßig viel Enthusiasmus aufbringen kann, und deswegen interessiert mich der zweite Film auch nicht so sehr, dass ich den unbedingt sehen müsste. Den Trailer fand ich auch extrem kacke, so mit dem ganzen Monster-Gebalge. Abomination sah da auch ein bisschen murksig aus… nicht so mein Ding. Da macht mir der „Iron Man“ mehr Spaß, wahrscheinlich, weil es Downey sichtlich Spaß macht, „Iron Man“ zu sein. Jep, der isses, Umbesetzung nicht mehr möglich, Reboot nicht erforderlich. Danke.

Ansonsten hat der Wortvogel mal wieder ’ne Nummer übersprungen, der alte Beschummeler… Mogeln giltet nicht.

Lutz
Lutz

Also, ich mochte Ang Lees „Hulk“ auch ganz gerne. Ich fand nur die CGI Effekte mies und es hat mich gewurmt, dass die in Deutschland (wegen eines deutschen Programmierers) so gelobt wurden.

Den neuen Hulk habe ich noch nicht gesehen. 2 Comic-Verfilmungen haben mir letztes Jahr gereicht und nach Betrachten des Trailers hatte ich auch das Gefühl, alles wichtige aus dem Film schon gesehen zu haben.

Marko

Ich mochte beide „Hulk“-Verfilmungen. Im zweiten fand ich die Gastauftritte vom Ur-Serien-Hulk lustig und den vom „Iron Man“ Downey. Ansonsten rult Norton an sich natürlich schon mehr als Eric Bana, und die Kampfszenen im ersten Hulk waren doch arg dunkel (die Hunde …), da war Nr. 2 erfreulich zeigefreudiger.

Trotzdem fand ich den ersten wegen seiner Düsternis (nicht bildhaft gesprochen) gut, das ging dem zweiten Streifen dann doch ziemlich abhanden.

Gruß,
Marko

Marko

Huch, da hab ich ihn übersehen. Naja, ist schon etwas her …

Gruß,
Marko

dLTexid
dLTexid

„Und “Batman”, auch wenn der das nie zugeben würde.“ 😉

Heino
Heino

@Wortvogel:Spider-man hadert auch oft genug mit seinem Dasein. Nicht umsonst hat er mindestens 4mal seine Superheldenidentität (wenn auch nur kurzfristig) aufgegeben.

Ich mochte den Hulk schon immer, neben Spider-Man war der grüne Klotz stets mein Favorit bei Marvel. Und die erste Kino-Version hätte wirklich mehr Erfolg verdient gehabt, denn Ang Lee, hat sich wenigstens getraut, inhaltlich wie auch optisch neue und anspruchsvolle Wege zu gehen. Das eigentliche Problem des Films war, dass hierzulande das breite Publikum noch dei grottige TV-Serie im Hinterkopf herumschleppt und den Film deshalb ablehnt. Diese Psycho-Kiste mit dem Vater ist auch den Comics entnommen und der wird ja auch zum Leader. Im Film wirkt da snur unpassend, weil man nach 2 Stunden nicht mehr mit einer Monster-Schlägerei rechnet. Wirklich übel nehme ich Lee nur, dass der Hulk bei ihm nicht sprechen konnte.
TIH dagegen leidet wirklich an schwachen Figuren und die hochkarätigen Darsteller wurden IMHO gebraucht, um das wieder auszugleichen. Wobei Liv Tyler für mich niemals an Jennifer Connelly heran kommt, Eric Bana aber kein bisschen schlechter als Edward Norton ist.

Marko

Uff. Geschmäcker sind natürlich verschieden, aber im Vergleich Tyler/Connelly wähle ich auch immer die Connelly. Die Tyler hat für mich einfach keinen Sex Appeal (ja, schlagt mich ruhig. Klar ist sie hübsch, aber ihr fehlt einfach was).

Gruß,
Marko

Tinitus

@Wortvogel: Kleine Hunde sind auch niedlich. Trotzdem gehste abends in den Park um sie zu treten. 😀

@Heino: Wie Torsten schon sagte, leidet Peter Parker an den Problemen mit seinem Leben als Superheld. Hauptsächlich ist es die Kohle, die Schule/das Studium und die fehlende Knete. Dazu kommen dann noch diverse Figuren die er nicht retten konnte.
Bei anderen Comichelden wird das recht offensichtlich umgangen. Sie sind entweder reich oder (Avengers) für die Regierung tätig. Beziehungstechnisch sind sie dann entweder mit anderen Superhelden zusammen oder haben einfach niemanden.

Lutz
Lutz

Hmmm…also, beim Vergleich zwischen Tyler und Connelly geht meine Stimme auch an Jennifer Connelly. Ich finde beide talentiert und schaue sie mir auch beide gerne an, allerdings geht mit Liv Tylers dauerbekiffte Singsangstimme manchmal sehr auf den Geist.

Aber Jennifer Connelly hat einfach Klasse. Leider hat sie bisher noch immer nicht den Durchbruch als Superstar bekommen, den sie schon längst verdient hätte. Ich finde es bei ihr vor allem toll, wie man sie über die Jahrzehnte begleiten konnte und sie zwar in jeder Altersstufe, von „Es war einmal in Amerika“ über „Labyrinth“, später dann „Higher Learning“ und bis hin zu „Hulk“, „House of Sand and Fog“ und schließlich „Little Children“ immer wieder neu entdecken konnte. Man erkennt jedes Mal, dass es Jennifer Connelly ist, aber trotzdem wirkt sie jedes Mal ganz anders.

Gibs zu, Torsten, du ziehst Tyler nur deshalb vor, weil Jennifer Connelly dir Lesbenszenen mit Doppeldildos auf alle Ewigkeit verleidet hat. 🙂

Lutz
Lutz

Ich muss mir mal genaueres Kontolllesen angewöhnen.. sorry.

„wie man sie über die Jahrzehnte begleiten konnte und sie zwar in jeder Altersstufe,“

Streiche „zwar“. Der Satz war ursprünglich anders geplant.

Marko

Jennifer Connelly ist für mich sexy UND niedlich. Die Tyler ist mir irgendwie zu … puppig, und deswegen beides nicht. Aber wie gesagt, Geschmäcker und so …

Gruß,
Marko

Heino
Heino

@Wortvogel:so wie ich das sehe, leidet Banner auch nicht an den Kräften des Hulk, sondern an seinem Alter Ego, das einfach in seinen Absichten nicht verstanden wird. Und da ist er Spider-Man verdammt ähnlich, denn Peter Parker leidet auch darunter, dass er in den Augen der Öffentlchkeit meist als Bedrohung wahrgenommen wird. Aber wurscht, es geht ja nur um den Film:-)

wie gesagt finde ich beide auf ihre Weise gelungen und habe keinen klare Favoriten. Wobei mir der Hulk vom Aussehen her im ersten deutlich besser gefiel, da wirkte er noch etwas menschlicher auf mich.

Heino
Heino

Doch, hat er. Er sieht es nur als seine Aufgabe an, weil er Schuldgefühle hat, und davon reichlich. Wie gesagt, er gibt die Identität ja auch mehrfach auf,w en auch niemals für lange, weil ihm stets vor Augen geführt wird, dass Spider-Man gebraucht wird (also kehrt er ichtmal freiwillig zurück). Auch das site durchaus eine Parallele zum Hulk, der seine Zweitidentität gerne los wäre, es aber einfach nicht schafft. Sie haben nur unterschiedliche Gründe dafür.