sledge1USA 2005. Regie: Brad Martin. Darsteller: David Leitch, Debbie Allen, Lee Arenberg, Nathan Lee Graham. Gastauftritte: Eric Roberts, Angelina Jolie, Hugo Weaving, Carrie-Anne Moss, Daniel Bernhardt, Sean Young, Richard Lewis u.a.

Mittlerweile glaube ich wirklich, dass Exposés über den Wahnsinn in Hollywood von einer weltweiten Verschwörung torpediert werden:

– Die grandiose Sitcom „Action!“ (mit Gastauftritten von Keanu Reeves und Sandra Bullock!) wird nach einer halben Staffel eingestellt

– „Burn, Hollywood, Burn!“ (geplant als „An Alan Smithee Film“) wird so schlecht, dass der Regisseur seinen Namen zurückzieht, und der Streifen tatsächlich den Credit „An Alan Smithee Film“ bekommt

„The Independent“ findet jahrelang keinen Vertrieb, und landet schließlich als kostenlose Beilage in einer Tageszeitung

Und nun „Confessions of an Action Star“. Ich versuche mal die Produktionsgeschichte zusammen zu stoppeln: David Leitch ist einer der gefragtesten Fight-Choreographen Hollywoods, und außerdem das Stunt-Double von Brad Pitt. Irgendwann kommt ihm die Idee, sich mit einer Parodie über die Actionfilm-Szene selber zu promoten. Vorlage auch hier:  die Doku-Comedy „This is Spinal Tap“. Da viele Hollywood-Größen ihm einen Gefallen schuldig sind, kann er eine beeindruckende Menge an Gaststars für Mini-Rollen (oder zumindest Soundbites) gewinnen.

2005 ist der Film soweit fertig, und geht als „Frank Sledge: The untold Story“ auf mehrere Festivals. Leitch spielt darin Frank Sledge, einen jungen Tänzer, der nach Hollywood kommt, und schnell zum gefragten Actiondarsteller wird. Doch der Ruhm steigt ihm zu Kopf, er trinkt und schnupft Kokain. Als er zu endlich sich selbst zurückfindet, versucht er ein Comeback…

Wie „The Independent“ kann auch „Frank Sledge“ keinen anständigen Vertrieb finden, was allerdings an rechtlichen Problemen liegen mag: der entsprechende Eintrag in der IMDB listet die Gaststars auf, als seien sie Hauptdarsteller, und der nicht abgenommene Trailer zeigt mehr von Angelina Jolie, als der Schauspielerin vermutlich recht ist:

Man darf nicht vergessen, dass in Hollywood strenge Spielregeln herrschen: jemand wie die Jolie wird kaum zulassen, dass ein Film groß mit ihrem Namen wirbt, wenn sie gerade mal einen winzigen Gastauftritt hat. Es dürfte nicht geholfen haben, dass eine Rohschnitt-Version des Filmes bei Google Video auftaucht.

2008 wird „Frank Sledge“ NOCHMAL in der IMDB gelistet, diesmal unter dem Titel „Confessions of an Action Star“, und mit dem Produktionsjahr 2008. Es handelt sich jedoch um den gleichen Film. Nun gibt es ihn laut Leitchs Filmographie zweimal. Auch das mag einen rechtlichen Hintergrund haben: man will sich von der alten, im Netz zirkulierenden Version distanzieren (auch wenn die Unterschiede marginal sind). Der neue Trailer auf der IMDB kommt ohne Jolie aus.

Seit Ende Januar 2009 gibt es „Confessions of an Action Star“ endlich offiziell, und zwar auf DVD.

Soviel zur Vorgeschichte, nun zum Film selber: Eine Parodie auf das absurd klischeebehaftete Genre des Kampfsport-Actionfilms sollte ja nicht allzu schwer sein, besonders für jemanden, der schon van Damme gedoubelt hat.

sledge2Leider ist Leitch, wie so viele Stuntleute vor ihm, mit der Technik einer Filmproduktion weit vertrauter als mit der dramaturgischen Seite. „Confessions“ hakt mechanisch alle erwartbaren Plotpoints ab (Jugend, erster Erfolg, Durchbruch, Ausraster, Zusammenbruch, Einsicht, Wiederaufbau, Comeback), und verbindet sie mit milde lustigen „behind the scenes“-Anekdoten und Trailer-Schnippseln gefakter Filme. An keiner Stelle ist der Witz beißend, oder die Parodie originell.

Letztlich bleibt „Confessions“ damit zu brav, um lustig zu sein. Die echten Actionstars wie Seagal oder van Damme sind um einiges krasser und pompöser als „Frank Sledge“. Parodie lebt aber von Über-, nicht Untertreibung.

Hinzu kommt, dass Leitch nicht einen speziellen Actionstar parodiert, sondern ein Amalgam aus allen spielt: er fängt als van Damme-Verschnitt an, wird dann ein Seagal-Epigone, und schafft es schließlich auf Stallone-Niveau. Das Level der Komik kann man an den Titeln seiner Filme ablesen: „Bloodsport“ wird zu „Bloodfight“, „Above the Law“ zu „Beyond the Law“, und „Rambo“ zu „Jimbo“. Einziger Lichtblick ist die relativ aufwändig produzierte Parodie von „Matrix“, die den grandios-depperten Titel „Computer generated environment that enslaves us“ trägt.

Es gibt einen Grund, warum Leitch viele Stars doubelt, aber selber keiner ist: Ihm mangelt das Charisma. Er sieht aus wie eine Tüte Vollmilch, und spielt auf halbgarem Soap-Niveau. Eine außerordentlich alberne Perücke hilft da auch nicht. Sauber aus der Affäre ziehen sich eigentlich nur die „richtigen“ Schauspieler, die er angeheuert hat. Besonders Sean Young geht nicht gerade pfleglich mit ihrem Bitch/Slut-Image um.

Am Ende bleibt eine milde Veralberung des Genres, die als Sketch bei „MAD TV“ ganz lustig gewesen wäre, in Spielfilmlänge aber nur für anspruchslose Klopper-Fans unterhaltsam sein dürfte. Oder in einer Gruppe mit gleichgesinnten, leicht alkoholisierten Kumpeln.



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Dr. Acula

Jeez, erst zählt er doppelt, jetzt lässt er aus… autoris non calculat 🙂

Grinsi KleinPo
Grinsi KleinPo

Kismit!

iggypop
iggypop

“Action!” war echt toll, unglaublich dass nach 10? Folgen schon Ende war.

Marco
Marco

@iggypop
Meines Wissens wurden 11 Folgen ausgestrahlt (von 13 produzierten – die übrigens alle in der DVD-Box enthalten sind.)

Sebastian

Wo zieht man eigentlich die Grenze zwischen Gast- und regulärem Auftritt? Ist das eine vertragliche Regelung? Eric Roberts ist meiner Meinung nach nicht in der Liga, in der man automatisch davon ausgehen kann, dass er Gast in dem Film ist.

Ich meine das garnicht böse, das interessiert mich wirklich.

Sebastian

Danke für die Erläuterung. Das ist manchmal echt ein Kreuz. An diesem „Zur Hölle mit Hollywood“ habe ich übrigens auch noch bis heute zu knabbern, das war einer der ersten Filme, die ich mir pünktlich zum 18. aus der Videothek geliehen habe und da war ich erst einmal sprachlos, wie mies der ist.

Peroy
Peroy

“ “Burn, Hollywood, Burn!” (geplant als “An Alan Smithee Film”) wird so schlecht, dass der Regisseur seinen Namen zurückzieht, und der Streifen tatsächlich den Credit “An Alan Smithee Film” bekommt“

Das hat damals so schön gepasst, ich dachte immer das wäre Absicht von den machern gewesen…

Von „Action“ hab‘ ich auch ein paar Folgen gesehen, und nicht gerne. Wundert mich nicht, dass die Serie gefloppt ist, ich empfand die nicht als besonders witzig, sondern eher als „kalt“ und „unangenehm“…

Lars
Lars

„Mittlerweile glaube ich wirklich, dass Exposés über den Wahnsinn in Hollywood von einer weltweiten Verschwörung torpediert werden“
Was ist denn mit der Serie „Entourage“ oder dem Film „Tropic Thunder“? Beide blicken ja auch hinter die Kulissen und sind dabei in meinen Augen auch noch gut.

Tornhill
Tornhill

Die Vasen-Szene im Trailer fand ich großartig, „Matrix“-Bullet Time-Parodien kann ich aber mittlerweile nicht mehr sehen – für Leitchs angesprochenes Charisma-Problem spricht, dass ich ihn im Laufe des Trailers nichtmal unbedingt immer als die selbe Person erkannt habe.

Marco
Marco

Aber da fallen auch mir spontan so einige „Ausnahmen“ ein. Altmans „The Player“, „Extras“, Levinsons demnächst startender „Inside Hollywood“ mit de Niro, „Die Muse“, „Bowfinger“… Ich hatte bisher eigentlich nie das Gefühl, dass Hollywood ein Problem damit hat, sich selbst durch den Kakao zu ziehen.

Marco
Marco

@Wortvogel
Du weißt doch, dass du unter uns Erbsenzählern nicht ungestraft etwas „in den Raum“ wirfst. 😉

Ich glaube ja, dass die Thematik von vornherein ein eher begrenztes Publikum anspricht, nämlich Filmfreaks und Brancheninsider, und damit ziemliches Kassengift ist. Der Gelegenheitskinogänger will nicht unbedingt sehen, wie Hollywood sich mit sich selbst beschäftigt.

trackback

[…] aber auch mit viel Ballast: Die beiden Regisseure sind bisher nur als Stuntmen aufgefallen (u.a. hier) und der Autor hat vorher lediglich zwei leidlich solide Lundgren-Rappelkisten geschrieben. Wie so […]