05
Dez 2008

Brüder, zur Fluppe, zur Freiheit?

Themen: Film, TV & Presse, Neues |

Dies wird ein konfuser Beitrag. Konfus, weil ich selber nicht genau weiß, wie ich zu dem Thema stehe. Helft mir.

Background: Ich bin Nichtraucher, stamme aus einer Starkraucher-Familie, mein Vater starb 1991 an Lungenkrebs. Ich rauche weder aus ideologischen noch aus gesundheitlichen Gründen nicht, sondern weil mir der Reiz immer verborgen blieb.

Ich habe die Rechte der Raucher immer verteidigt, weder Freundin noch Bürokollegen die Fluppe je missgönnt. Die geradezu hysterische Verfolgung amerikanischer Rest-Raucher z.B. in Kalifornien finde ich albern und einer flexiblen Kulturgesellschaft unwürdig.

Trotzdem genieße ich den Rückzug des blauen Dunsts. Es riecht einfach besser, im Zug bekommt man weniger Kopfschmerzen, und wider Erwarten gehört Qualm nicht zu einem gelungenen Kneipenabend.

Nun gibt es unter den Comedians in den USA einige, die seit mehr als 20 Jahren gegen die "political correctness" stänkern, mit Vorliebe Wörter wie "fuck" und "asshole" benutzen, und auf der Bühne prahlen, dass der gelungene Blowjob ein wichtiger Maßstab der Partnerwahl sei. Gerade in letzter Zeit kann man aber sehr schön sehen, dass die Rebellion nur soweit geht, wie sie das Geschäft nicht schädigt.

Beweisstück 1: Denis Leary. Mittlerweile mehr als Schauspieler bekannt, begann er in den frühen 90ern auf MTV, sich in ein paar lustigen Promos Luft zu machen. Achtet hier mal auf das Ende:

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Es folgte die Single "I’m an asshole" ("I like to park in handicapped spaces, while handicapped people make handicapped faces"), und das Standup-Programm "No cure for cancer", in dem er von den Freuden der Nikotinsucht erzählte.

Man merkt: Leary ist ein harter Knochen, läßt sich nichts verbieten, und pfeift auf die Regeln. Er trinkt seinen Kaffee noch schwarz, und setzt sich zum pinkeln nicht hin. Das Image hat er in Filmen wie "The Ref", und Serien wie "The Job" und "Rescue me" weiter kultiviert. Cooler Typ.

Und nun das: Bei der "Daily Show" erzählt Leary kürzlich beiläufig, er habe das Rauchen aufgegeben.

Beweisstück 2: Andrew "Dice" Clay ist seit den 80ern einer der großen "insult comedians". Das Publikum muss sich einiges von ihm gefallen lassen, und besonders angesichts seiner "sexistischer Italo-Proll"-Persona kriegen die Frauen am meisten ab. Auch der "Dice Man" hat immer geraucht: auf der Bühne, im Film. In der grandiosen, aber ebenso grandios gefloppten Komödie "Ford Fairlane" verscheißert Clay sogar einen Türsteher, der ihn für die Fluppe mit dem Satz rügt: "Echt Mann, heute raucht doch kein Mensch mehr". Clay raucht trotzdem.

Vor ein paar Jahren hat sich Clay mal überreden lassen, für die Sitcom "Bless this house" sein Image zu säubern. Die Serie floppte, und hinterher stänkerte er in Talkshows, dass er sich nun nicht mehr verbiegen lassen wolle. Er sei halt ein Arsch.

Clay

Und was muß ich erleben? Vor ein paar Wochen tritt Clay in der Comedy-Show "Down and Dirty with Jim Norton" auf. Er kommt auf die Bühne, zieht ein silbernes Etui aus der Lederjacke, fummelt eine Zigarette heraus. Ich denke mir – cool, der Typ ist sich treu geblieben.

Bis mir nach drei Minuten auffällt: Er zündet die Zigarette nicht an. Er fuchtelt nur damit rum. Alles Show.

Zeichnet es den Comedy-Rebellen nicht aus, wenn es Widerstände gibt? Wenn man Gigs nicht bekommt, weil man sich gegen den Mainstream auflehnt? Wenn man sich von der Müsli-Fraktion nicht einschüchtern lässt? Man muss ja nicht gleich den G.G. Allin raushängen lassen, aber hätte sich Lenny Bruce die Fluppe verbieten lassen? Oder sind diese harten Hollywood Comedians genauso armselig wie die Mario Barths dieser Welt, und bespielen lediglich eine Nische samt Zielgruppe? Immer nur soviel Ecken und Kanten, wie der Zeitgeist zuläßt?  Wie sieht das in Deutschland aus? Ingo Appelt? Ficken?

Ich  meine nicht, dass sich die Authentizität dieser beiden Beispiele an der Frage messen läßt, ob auf der Bühne geraucht wird. Aber trotzdem nervt mich diese selbstverordnete Kastration, dieses Zugeständnis an die Mehrheit.

Wie schnell aus der "Rücksicht" Zensur wird, zeigen zwei andere relativ aktuelle Beispiele: In Hollywood gibt es mal wieder die Diskussion, Filmklassiker zu "säubern": Zigaretten sollen digital rausretouchiert werden, Szenen mit übermäßigem Alkoholgenuss fallen oft ganz weg (nach meiner Erinnerung dürften "Dallas"-Episoden dann nur noch 20 Minuten dauern).

Und die amerikanische Post gab vor einiger Zeit Briefmarken zur Ehrung amerikanscher Künstler heraus. Hier das Original-Foto des berühmten "Klecksmalers" Jackson Pollock – und daneben das veröffentlichte Motiv:

pollock

Seht ihr den Unterschied?

Hier geht es nicht mehr um den Schutz von Nichtrauchern – hier geht es um Geschichtsfälschung, um die nachträgliche Nichtraucherisierung Amerikas. Man hat aufgehört zu rauchen – und dieser Argumentation zufolge hat man auch früher nicht geraucht.

Wer jetzt einwirft "bei uns ist das ja Gottseidank nicht so schlimm", dem empfehle ich diese Geschichte aus dem Jahr 2005. Ich hatte damals zufällig Kontakt zu Amelie Fried, und habe ihr zu ihrer Haltung gratuliert – die Frage ist nur, wie lange man sich eine solche Haltung noch erlauben kann. Spätestens, wenn der Intendanten-Erlaß kommt, ist Schluß mit lustig…



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Stefan
5. Dezember, 2008 00:34

Leary hat mit Rauchen aufgehört?! Sauerei. In Rescue Me hatter noch gepafft. (btw wann kommt Rescue Me eigentlich ins Deutsche FreeTV?)

Das mit dem Rauchen ist schon schwierig. Im Grunde sind sich ja auch die Raucher bewusst, dass sie anderen Schaden. Deswegen lassen sie den Zorn der militanten Nichtraucher wohl ohne Gegenwehr über sich ergehen.

PabloD
PabloD
5. Dezember, 2008 00:39

Mir ist es eigentlich völlig fluppe, wer in Amerika auf der Bühne raucht und wer nicht, aus folgenden zwei Gründen: 1) ist mir klar, dass das Showbiz zu 99% verlogen und voller Doppelmoral ist und 2) wird sich dadurch das Rauchverhalten des Großteils der (einfachen) Bevölkerung eher nur marginal ändern.

Allerdings erinnert mich das "Man hat aufgehört zu rauchen – und dieser Argumentation zufolge hat man auch früher nicht geraucht." stark an das Ministerium für Wahrheit. Und das muss man ja nicht unbedingt gutheißen.

OnkelFilmi
5. Dezember, 2008 00:58

"Down and Dirty with Jim Norton" wurde in New York gefilmt, einem der Staaten, in denen das Rauchen auch auf der Bühne verboten ist (und sogar mit Haftstrafen belegt wird). In den meisten anderen Staaten ist das rauchen im Rahmen eines "künstlerischen Aktes" auf der Bühne erlaubt. Clay konnte es sich, trotz allen Rebellentums, nicht erlauben in NY nochmal einen auf die Mütze zu bekommen.

Hier ist Doug Stanhope zu diesem Thema:
http://www.youtube.com/watch?v=2n34eeXWjUQ

Dieter
Dieter
5. Dezember, 2008 01:02

Bin Nichtraucher mit ähnlichem Background (inkl. Tod des Vaters durch Lungenkrebs). Es ist für mich indiskutabel, erwachsene Leute zu gängeln und zu behandeln, als seien sie begriffsstutzig. Gut, das sind viele, aber deshalb sollte man sie nicht so behandeln. Mein Vater hatte nach dem Lungenkrebstod seines Vaters genug Gründe, mit dem Rauchen aufzuhören, dachte aber nicht daran und hatte dann selbst die gleichen Folgen in aller Härte zu tragen. Mein Bruder könnte sich darüber auch Gedanken machen, tut das aber nicht und raucht weiter. Daran ändern die dämlichen Warnungen auf den Tabakwaren nichts und auch nicht das Rauchverbot in Kneipen.

Bogart ohne Kippe ist ein Würstchen. Zu Dean Martin gehören Drink und Zigarette. Wenn Spielberg die Handfeuerwaffen aus ,,E. T." digital entfernt, ist das Unsinn, weil durch die statt dessen hineingezauberten Funkgeräte keine Bedrohung entsteht. Wenn allgemein die Zigaretten aus den Mundwinkeln nachträglich entfernt werden, ist das verlogen.

Das gehörte damals nun einmal dazu. Heute nicht so sehr, und das finde ich sehr gut so. Man sollte aber beispielsweise Helmut Schmidt nicht umerziehen wollen und bei anderen Rauchern nicht nachträglich herumlügen.

Bis wann geht soll diese Fälschung zurückgehen? Ich stelle mir gerade einen alten Western vor. Was ersetzt die Friedenspfeife? Man könnte ja statt Qualm digital Seifenblasen einfügen.

Wortvogel
Wortvogel
5. Dezember, 2008 01:03

@ Filmi: Ganz genau – und deshalb ist Clays Fuchtelei mit der Fluppe so armselig. Dann soll er doch das Ding stecken lassen, in Gottes Namen! Ich bin auch nicht cool, wenn ich abends vor einem Club stehe, mit einer Kaugummizigarette im Maul.

OnkelFilmi
5. Dezember, 2008 01:06

Ach ja, bei "Mad Men" wird gequalmt wie verrückt, und Annett Louisan ist eine Heulsuse. Heult bei Spiegel Online rum, daß die Nichtraucher ja so böse zu ihr sind…

Mimimimimi….

Wortvogel
Wortvogel
5. Dezember, 2008 01:09

@ Filmi: Nix gegen Annett! Die hat die Titelmusik zu meiner Telenovela gesungen, war bei der Premierenparty dabei, und total nett (und sexy).

Dieter
Dieter
5. Dezember, 2008 01:24

Ja, die ist süß!

OnkelFilmi
5. Dezember, 2008 01:27

Trotzdem ’ne Heulsuse!

Sebastian
5. Dezember, 2008 07:43

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Leary aufgehört hat zu rauchen, weil es der Zeitgeist erfordert. Vielleicht macht er es ja aus gesundheitlichen Gründen. Ich habe das in der Daily Show aber überhört, die Diskussion zur medialen Hetzjagd auf ihn wegen des Autismus-Kapitels in seinem Buch fand ich spannender (die Medien scheinen sich in der Hinsicht unseren zu ähneln).

Wer noch an Cure for Cancer kommt, dem kann ich das Programm nur empfehlen. Meiner Meinung nach ein Comedy-Meisterwerk.

Dirk
5. Dezember, 2008 08:18

Das ist ja erstaunlicherweise auch einer der Hauptkritikpunkte am grandiosen "Californication": Das dort so viel geraucht wird. Sex, Drogen, alles egal, aber Kippen – nein, das geht doch nicht. Eine bigotte Welt ist das. Und Geschichtsverfälschung lehne ich vollständig ab – man stelle sich James Dean mal ohne Kippe im Mund vor. Ich rauche selbst seit fast zwei Jahren nicht mehr, genieße aber trotzdem ab und zu noch gerne eine Zigarre, und diese Hetzjagd auf Raucher halte ich auch für äußerst übertrieben.

Freut mich aber, dass noch jemand außer mir "Ford Fairlane" super findet.

asdrubael
asdrubael
5. Dezember, 2008 09:14

"Man hat aufgehört zu rauchen – und dieser Argumentation zufolge hat man auch früher nicht geraucht."
Das hat doch viel von 1984:
http://de.wikipedia.org/wiki/1984_(Roman)#Kontrolle_der_Vergangenheit
http://de.wikipedia.org/wiki/1984_(Roman)#Verbrechen
"Wenn Ozeanien mit einem Staat Krieg führt, dann führte es schon immer mit diesem Staat Krieg und wird auch in Zukunft immer mit diesem Staat Krieg führen, während man mit dem anderen Staat immer in Frieden lebte und auch in Zukunft immer in Frieden leben wird."

Dieter
Dieter
5. Dezember, 2008 09:40

@Dirk: Warum Sex immer mit Drogen, also auch Nikotin und Alkohol in einen Topf geworfen wird, verstehe ich nicht. Solange keine Pornografie betrieben wird, finde ich gelungene erotische Darstellungen toll und kann mir nicht vorstellen, dass sie irgendeinen schädigenden Einfluss auf Kinder und insbesondere Jugendliche haben; tagsüber und zur Primetime gibt es Verstörenderes.

comicfreak
comicfreak
5. Dezember, 2008 10:10

..ich hab damals(TM) wegen bevorstehender Schwangerschaft mit Rauchen aufgehört und nach 5 Jahren vermisse ich es nur noch beim Zahnarzt;
der macht immer eine Raucherpause zwischen 2 Patienten oder bis die Spritze wirkt (*hrgrmpf*).

Aber dieses nachträgliche Retuschieren ist doch Blödsinn; wenn Maigret sich vor dem Frühstück ´ne Pfeife anzündet und bis zum Mittagessen 4 Bier und 8 Calvados intus hat, das alles im Dienst, das gehört zum Zeitkolorit und regt doch niemanden ernsthaft zur Nachahmung an.

Reptile
Reptile
5. Dezember, 2008 10:14

Wenn ich so was lese fällt mir auch nicht mehr viel ein.
Das ist ja eine Verteufelung die schon fast lächerlich wirkt wenn es nicht so traurig und real wäre.
Was wird dann wohl aus den alten Stirb Langsam Filmen?Bruce Willis mit Nikotinpflaster?
Helmut Schmidt hat ja öfters in Interviews eine Zigaretten Prohibition in Amerika prophezeit. Sieht fast so aus. Das man aber so tun möchte als wenn niemals geraucht worden wäre ist echt bizarr. Auch eine Art der Problemlösung. Wenn man dann schon dabei ist könnte man doch auch gleich so unschöne Dinge wie Hiroshima, Vietnam oder die unterdrückung der schwarzen aus den Büchern streichen. Praktisch.

Tom
Tom
5. Dezember, 2008 10:23

Ich gebe dem Ganzen hier prinzipiell total recht, bin ebenfalls bei dem Thema innerlich zerrissen und lasse meine Freundin auch rauchen ohne mit blöden Sprüchen oder gutgemeinten Tipps ihre Freiheit einschränken zu wollen.

ABER:
Man darf trotzdem nicht vergessen, wie krank das Thema ist.
Es ist zum Synonym von Coolness geworden, dass Menschen so mutig sind, sich selbst glühend heißes Gift in den Körper zu saugen. Und jeder, der in der Öffentlichkeit raucht, animiert andere dazu, im Unterbewusstsein abzuspeichern: "Rauchen = Cool!". Insbesondere Kinder!

Mein Beitrag läuft keinesfalls auf ein Fazit raus, denn ich kann nicht guten Gewissens fordern, dass eigenverantwortliche Menschen sich dieses liebgewonnene Kulturgut mal eben abgewöhnen.
Das Argument "Mein(e) Vater / Bruder / Freundin weiß ja, was sie tun!" lasse ich allerdings nicht so einfach gelten, denn es geht hier um eine Sucht.

Peroy
Peroy
5. Dezember, 2008 10:34

"Man darf trotzdem nicht vergessen, wie krank das Thema ist.
Es ist zum Synonym von Coolness geworden, dass Menschen so mutig sind, sich selbst glühend heißes Gift in den Körper zu saugen."

Also, "glühend heiß" ist der Rauch ja nicht… weil, sonst würde man sich ja die Lungen verätzen und… sofort… sterben… gelle… 😕

Scheiß Polemik…

Dr. Acula
5. Dezember, 2008 10:47

Bei der "Rauchen=Cool"-Logik sind wir schnell auch bei der "Knarren=Cool"- und der "Leute-umbringen-mit-nem-flockigen-Spruch-auf-den-Lippen=Cool"-Thematik.

Lasst uns auf Leinwänden und Fernsehschirmen dieser Erde nur noch Schaf-Content ((c) Niggemeier) bringen und die Welt wird ein Paradies…

Florian
Florian
5. Dezember, 2008 10:53

Eigentlich finde ich viel schlimmer, dass jemand nur um seine alten Fans nicht zu verprellen immer noch so tut, als wenn er rauchte. Anstatt sich eben nicht zu verbiegen und einfach nicht raucht, wenn er nicht raucht. Und eigentlich braucht er dafür auch keine Entschuldigung. Ich habe geraucht – war geil. Jetzt rauche ich nicht mehr. ist auch geil. So what?

Die Frage ist: Hat er früher nur deswegen geraucht, weil die Masse es nicht tat? Oder hat er geraucht, weil er wollte und es ihm egal war, was die Masse tut. Wenn letzteres (was ich wahrscheinlich finde) habe ich gar kein problem damit, wenn jemand es irgendwann lässt. Ist schliesslich seine eigene entscheidung.

Wortvogel
Wortvogel
5. Dezember, 2008 11:01

@ Tom: Ich habe die Vorbild/Coolness-Argumentation schon immer für falsch gehalten. Rauchen ist nicht "cool" – es ist für Kids verboten, und lässt sie daher ein Gefühl von "erwachsen sein" spüren. Das hat mit Coolness eher wenig zu tun. Und heute gilt man ja sowieso als der Arsch, wenn man raucht. Ich denke, es gibt heute andere Statussymbole. Wenn man diese Diskussion aufmachen will, dann dürften Erwachsene ja gar nichts mehr tun, was Kids nicht tun sollen. Albern.

@ Florian: Genau das war mein Punkt – Clay sollte nicht mit der Fluppe fuchteln, die er nicht anzündet. Dann doch lieber konsequent sein.

Tom
Tom
5. Dezember, 2008 11:04

@Dr. Acula:

Bevor ich jetzt hier langatmig versuche meinen Zwiespalt zum Thema zu erläutern, kehre ich einfach mal die Niggemeier-These um:
"Lasst uns endlich Waffen frei auch an Kinder verkaufen. Wir müssen dann halt nur noch unsere Kinder so erziehen, dass sie Gewalt scheiße finden!"

Ich persönlich würde keiner der beiden Thesen zustimmen…

Dr. Acula
5. Dezember, 2008 11:11

@Tom

Der Vogel sagt es ja einen Kommentar weiter oben – "dann dürften Erwachsene nichts mehr tun, was Kids nicht tun sollten". Das ist eine derart irrsinnige Vorstellung, dass ich da auch gar nicht in die Tiefe einer Diskussion einsteigen will. Und ich denke schon, dass zwischen "Waffen an Kinder verteilen" und "Rauchen im Film" schon ein *geringfügiger* qualitativer Unterschied besteht. Zigaretten an Kinder verteilen, um sie zum Rauchen zu verführen, ist böse. Das ist unstreitig. Zigaretten in FILMEN zu zeigen, ist ’ne andere Baustelle (und ’ne wiederum ganz andere Baustelle ist m.E., ob ein Raucher wie Clay nicht auch mal zwei Stunden ohne Fluppe auf der Bühne rumhampeln können sollte).

Enk
5. Dezember, 2008 11:16

So albern es auch ist, nachträglich aus Bildern oder Filmen Zigaretten wegzuretuschieren, sollte man bei dieser Diskussion auch nicht ganz vergessen, warum die Zigaretten in vielen Fällen überhaupt erst auf die Leinwand gekommen sind. Es ist ja oft nicht einfach zeitgenössische Staffage gewesen, sondern ganz bewußt von der Tabakindustrie gefördert worden, dass die Stars in Hollywood rauchend gezeigt wurden. Also genauso inszeniert wie das nachträgliche rauseditieren (was dennoch Quatsch ist).

Und es würde mich auch extrem wundern, wenn beim Californication kein Geld dafür geflossen wäre, dass hier Zigaretten ungewöhnlich häufig (und positiv konnotiert) ins Bild gerückt werden – warum sollte ausgerechnet hier kein lukratives product placement gegriffen haben.

Tom
Tom
5. Dezember, 2008 11:17

@ Wortvogel:
Sorry, aber ich finde es gar nicht ganz so albern, dass Erwachsene nicht immer und überall, in jedem Film und auf jeder Plakatwand (ich spreche jetzt mal von den 80ern, als Kinder wie ich damit konfrontiert wurden) etwas tun dürfen sollen, was Kinder nicht tun sollten. Ich spreche hier von allgegenwärtigen Dingen. Oder sollten wir mal mit gleicher Penetranz Leute zeigen, die bei Rot über die Ampel gehen und Steuern hinterziehen?

Wortvogel
Wortvogel
5. Dezember, 2008 11:19

@ Tom: Der Vergleich ist totaler Unfug, denn Steuern hinterziehen und bei Rot über die Ampeln gehen ist VERBOTEN. Rauchen aber nicht. Wie gesagt: deiner Argumentation nach dürften Erwachsene dann in der Werbung auch keinen Alkohol trinken, keine Autos fahren, keinen Sex haben, etc. – sollen Kinder ja auch nicht, wäre demnach ein schlechtes Vorbild.

Dr. Acula
5. Dezember, 2008 11:21

@Tom
Verbieten wir alle Krimis? Da tun die Bösen auch immer Verbotenes und sind meistens viel cooler als die doofen, langweiligen Kommissare…

Wortvogel
Wortvogel
5. Dezember, 2008 11:21

@ Enk: Ich denke eher, dass im amerikanischen Cable TV soviel geraucht und getrunken wird, weil es den Nimbus des Verbotenen hat, der Rebellion, des urbanen Widerstandes – man setzt sich damit von der truschigen Network-Heilewelt ab (bei Sex und Gewalt handhaben die das ja ähnlich). Der Kabelkunde will was "extra" für sein Geld – und das sind dann gerne die "unanständigen" Sachen.

Der Postillon
5. Dezember, 2008 11:29

@Wortvogel: Vielen Dank. Ich freue mich, dass ausgerechnet ein Nichtraucher mir derart aus dem Herzen spricht. Und retuschieren, schneiden oder zensieren in Film und Bild geht ja mal gar nicht.

Tom
Tom
5. Dezember, 2008 11:32

@Tom:

Klar, so gesehen ist der Vergleich Unfug. Ist er aber nicht, wenn man weiß, wie Kinder lernen. (Ähm – ab welchem Alter würdest Du Deine Kinder denn Werbung mit Sex gucken lassen?)

Und damit @ Dr. Acula:
Ich will hier gar nix verbieten. Ich will auch gute Filme ab 18 gucken dürfen. Und ich will Bruce Willis auch cool finden. Trotzdem darf ich mir hoffentlich besorgte Gedanken dazu machen, dass Kinder heutzutage dank Internet noch mit weit mehr als coolen Rauchern konfrontiert werden und das es zu einfach ist, sich ausschließlich auf das Argument: "Ist doch jedermanns gutes Recht" zurück zu ziehen.

Dr. Acula
5. Dezember, 2008 11:40

@Tom
Besorgte Gedanken machen darfst du dir ohne Ende, gibt genügend Gründe dafür, ich halte nur a) die Darstellung von Rauchen nicht gerade für eines der dringendsten Probleme der Welt und b) ist mir dieses reflexartige [Simpsons]"Denkt-den-niemand-an-die-Kinder"[/Simpsons] einfach argumentativ zuwider. Solange die Teletubbies sich keine Joints reinziehen und Tom & Jerry sich nicht gegenseitig Heroinspritzen setzen – sprich, im TV und Film-Bereich jetzt, Programme, die sich an Kinder richten, nicht Suchtmittel propagiert oder positiv konnotiert werden, ist die Welt dahingehend m.E. absolut in Ordnung.

Tom
Tom
5. Dezember, 2008 11:52

JA BIN ICH DENN DER EINZIGE SPLATTER-FAN, DER SICH UM DIE KINDER SORGT? 😀

Wortvogel
Wortvogel
5. Dezember, 2008 11:58

@ Tom: Ich habe nichts gegen dich, wirklich nicht – aber deine Argumentation ist schon wieder hanebüchen.

"Trotzdem darf ich mir hoffentlich besorgte Gedanken dazu machen, dass Kinder heutzutage dank Internet noch mit weit mehr als coolen Rauchern konfrontiert werden" – WO? Seit wann propagiert das Internet rauchen??? Wir leben in einer Zeit, in der Zigaretten wie nie zuvor dämonisiert werden. Rauchen gilt als super uncool, und man wird täglich über die Gefahren aufgeklärt. Das war bis in die 80er mitnichten so. Werbe-Verbot der EU, Automaten mit Kindersicherungen, große Warnungen auf den Packungen – wo wird denn heute noch der Raucher als Held propagiert?

"Ähm – ab welchem Alter würdest Du Deine Kinder denn Werbung mit Sex gucken lassen?" – Hier sind wir bei der oben schon angesprochenen Gleichbehandlung von Drogen, Gewalt/Verbrechen, und Sexualität. Wie bescheuert (und uramerikanisch) ist das denn? Sex ist gut, macht Spass, gehört zum gesunden Leben, ist sogar unabdingbar für den Fortbestand der Spezies. Doch, ich möchte, dass meine Kinder früh genug wissen, dass Erwachsene das machen, und sogar sehr gerne – wenn sie alt genug dafür sind.

Der Postillon
5. Dezember, 2008 12:20

Das Problem beim Kampf gegen die Droge Nikotin, ist dass er nie aufhört. Auch Plakatwerbungen werden verboten werden, Helmut Schmidt wird eines Tages nicht mehr da sein und vielleicht wird irgendwann auch Rauchen in der Öffentlichkeit verboten sein. Die Frage ist doch auch: gibt es einen Punkt, ab dem es irgendwann auch einmal gut ist?

Peroy
Peroy
5. Dezember, 2008 12:23

"Klar, so gesehen ist der Vergleich Unfug. Ist er aber nicht, wenn man weiß, wie Kinder lernen."

Weißt du, wie Kinder lernen… ?

Manuel
5. Dezember, 2008 12:27

So konfus finde ich den Beitrag gar nicht. Allerdings Denis Leary und Andrew "Dice" Clay in einem Atemzug als Beispiel für "harte Comedian-Hunde" zu nennen, ist wie Miles Davis und Daniel Küblböck als Beispiele für grandiose Musiker aufzulisten.

Peroy
Peroy
5. Dezember, 2008 12:28

"So konfus finde ich den Beitrag gar nicht. Allerdings Denis Leary und Andrew “Dice” Clay in einem Atemzug als Beispiel für “harte Comedian-Hunde” zu nennen, ist wie Miles Davis und Daniel Küblböck als Beispiele für grandiose Musiker aufzulisten."

Es ging wohl eher ums Image, nicht darüber, ob man die lustig findet…

Dieter
Dieter
5. Dezember, 2008 14:10

Jetzt mal eine tolle, kleine Realsatire; echt so passiert: Ich bin freiberuflicher Musiklehrer und arbeite hauptsächlich mit Kindern und Jugendlichen. Vor ca. zwei Jahren hat ein hoher Funktionsträger des wichtigsten Dachverbandes eine Werbeaktion gestartet. Er von einer Tabakfirma gesponsert Schnupftabak-Proben mit dem Aufdruck ,,MUSIK ist unsere Droge" an die Kinder, Jugendlichen und Vereine verschickt! Der Protest war heftig, wurde aber vom Verband erstickt. Das Argument war, man wolle ja gerade die Musik als Alternative zum Tabak-Konsum bewerben. Wörtlicher Auszug: ,,Ein Schelm, wer Böses dabei denkt." Argumentativer Glanz in Vollendung.

Ist das der Hammer? Sowas kommt heraus, wenn man Dinge vermengt, die nichts miteinander zu tun haben.

Tornhill
5. Dezember, 2008 15:18

Bin auch Nichtraucher und immer gewesen und zwar wie der Vogel nicht aus irgendwelchen Überzeugungen, sondern weil ich einfach nie einen speziellen Sinn darin erkennen konnte, aber momentan möchte ich aus Trotz fast damit anfangen.

Verstörend finde ich auch, wie selbstverständlich die militanten Rauchergegner die angebliche Nachahmung sehen: Kinder fangen das Rauchen an, weil in "3 nach 9" irgendwelche alten Volksschauspieler, die sie gar nicht kennen eine Kippe im Mund haben? Oder wie es Joe Eszterhas ausdrückte: "Die Zigaretten unserer Leinwandhelden sind eine geladene Waffe, die auf die Köpfe unserer Jugend zielt!"

Äh…

Jetzt sag ich mal ganz krass, wer Drogen/Alkohol/Sonstwas konsumiert/tut, nur weil es fiktive Figuren machen, der SOLL BITTE Krebs kriegen – möglichst schnell und möglichst tödlich, weil jemand derartig beeinflussbares genau so gut dem nächsen Populisten in die Arme fallen würde.

Aber wieso sind Raucher so ansteckend, Nichtraucher nicht? Wiese versklavt eine Camel-Werbeanzeige gleich die Kinder, eine Nichtraucher-Anzeige rettet sie jedoch nicht davor?

Nee…Das ist alberne Hysterie.
Wie schon der Doc sagte, IST die Welt nunmal nicht jugendfrei, warum soll die Erwachsenenkultur sich also in willkürlich ausgewählten Teilen so geben?
Und Geschichtsfälschung ist sowieso inakzeptabel.

In solchen Momenten bin ich froh, dass zumindest Herr Strichmann stellvertretend für mich qualmt. 😉

helmut
helmut
5. Dezember, 2008 15:22

Kann es sein das diese Herren einfach den Tipp ihres Arztes befolgt haben und Ihnen mittlerweile ihre Gesundheit mehr wert ist als ihr Image?

Stephan
Stephan
5. Dezember, 2008 16:20

"Man soll rauchen so lange man lebt!" Helmut Körschgen

Bluescreen
Bluescreen
5. Dezember, 2008 17:25

Ich weiss nicht so recht ob Kinder wirklich durch einen Film oder einer TV-Sendung zum rauchen verführt werden. Gut, ich nur von mir reden, aber als wir Blagen mit dreizehn Jahren die erste Zigarette im Mund hatten dachten wir nicht daran unseren Vorbildern nachzueifern. Wenn ich es mir überlege war es einfach nur Neugierde. Freund Markus aus unserer Rasselbande und ich hatten uns getroffen und…

Markus: "Haste schonmal geraucht?"
Bluescreen: "Nö. Du?"
Markus: "Ich auch nicht. Sollen wir uns Zigaretten besorgen?"
Bluescreen: "Ich kann eine Schachtel besorgen."

Dem damaligen Freund meiner Mutter hab ich dann eine Schachtel Reval ohne Filter gemopst. Seltsamerweise war die Durchführung dieser frühzeitig entwickelten kriminellen Energie spannender als das rauchen an sich. Jeder hat eine Kippe geraucht und dann wars das. Den Rest haben wir weggeworfen. Es war einfach uninteressant. Selbst der Marlboromann und die damals massive Tabakwerbung in allen Medien hat uns nicht fangen können. Mit "uns" meine ich jetzt etwa 30 Kinder im Alter von 11 bis 15 Jahren, die ich kannte und die damals nicht mit dem Rauchen angefangen haben.
Ob das statistisch zählt weiss ich nicht. Aber es waren sicher nicht die Medien die mich zum Raucher machten.

Zum Raucher wurde ich dann zehn Jahre später. Ein Kumpel hat mir eine angeboten und ich mochte es. So einfach.
Man kann mir gerne vorwerfen, dass ich mich sinnlos vergifte und anderen Menschen damit schade. Aber zu den zwei Punkten muss ich sagen:

1) Ich kenne die Risiken und wäge das Für und Wieder oftmals gegeneinander ab. Ich rauche weiter weil ich es mag.
Bescheuert? Ja! Aber es ist meine Sache. Mir hat auch kein Veganer vorzuschreiben kein Fleisch zu essen. Oder ein Atomkraftgegner zu erzählen welchen "sauberen" Stromanbieter ich wählen soll.
Ich bin Raucher, ich akzeptiere es auch bei meinem besten Freund auf den Balkon gehen zu müssen, aber der Rest ist mein Ding.

2) Militante Nichtraucher denen ich schade… ja gut.
Der Staat beschneidet die Raucher mittlerweile. Rauchverbot in den Kneipen und Restaurants (stört mich weniger), auf Bahnhöfen in den gelben Abgrenzungen (Hot-Spot für eine Freakshow? Mir egal). Gerade bei Letzterem fühle ich eine leichte Amerikanisierung, zusammen mit der staatlichen Auflage.
Politiker… weltweit weiss man, dass Alkohol und Nikotin grosse Kosten in der Gesundheitspolitik und eine Schwächung der Arbeitskraft bewirken. Warum sind das dann noch "erlaubte Drogen?". Ihr könntet beides für illegal erklären.
Weil ihr lieber den Unmut der Bevölkerung im Etappentakt hinnehmen wollt anstatt einen Aufschrei, oder weil den Steuerverlust nicht einbrechen lassen wollt?

Nach all dem Gelaber aber nun zur Kernfrage der "im nachhinein geänderten Geschichte eine Volkes".

Was soll denn sowas? Der Trend ist: Nichtraucher sind Über… OK. Heute. Mag auch sein, ist wurscht.
Was aber nicht geht: Die mächtigste Nation der Erde baut sich eine Traumwelt um ideal darzustehen in ihrem Wirtschaftschaos.

(Provokativ: DAS hatten wir schon so ungefähr…)

Das geht ab JETZT. Aber nicht in der Vergangenheit. Und nicht wirklich. Video-Kassetten und DVDs mit den Originalen können nicht lügen. Und knapp vierzigjährige wie unsereins leben hoffentlich auch noch lang genug um der nächsten Generation zu bezeugen wie es damals war.

Daran wird die Lüge scheitern. Diese Scheinwelt funktioniert nur im eigenen Land, wenn überhaupt, und bringt dieses Land in Verruf.

P.S.

Nichtraucher, die mir gefallen:

Nichtraucher: "Wenn du eine rauchen willst geh bitte *Orteinsetz* hin".
Bluescreen: "OK".

Nichtraucher die mir nicht gefallen:

Mitreisende(r): "Hach, das stinkt ja furchtbar hier drin."
Bluescreen: "Und warum gehst du Depp dann durch den Raucherwaggon? Du erzählst doch deine Familie wo du ihr hinmüsst, also habt ihr eine Platzreservierung. Dann stell dich am Bahnhof an die passende Stelle. Das steht da auf dem Fahrplan. Vollhorst!"

Sorry, ihr Nichtraucher. Aber manchmal macht ihr euch selber zum Deppen. Ihr geht davon aus, dass alle Welt nach eurer Pfeife tanzt. Und das glaubt ihr.
Wir Raucher müssen auf Regulierungen achten. Und mussten/müssen dann auf teilweise wirklich blöde Kommentare gefasst sein.

Tyler
Tyler
5. Dezember, 2008 17:26

> Mein Bruder könnte sich darüber auch Gedanken
> machen, tut das aber nicht und raucht weiter. Daran
> ändern die dämlichen Warnungen auf den Tabakwaren
> nichts und auch nicht das Rauchverbot in Kneipen.

Aber natürlich ändern die "dämlichen" (nicht doch eher ehrlichen?) Warnungen und das Rauchverbot etwas! Wenn man sich die Zahlen anschaut geht der Tabakkonsum immer weiter zurück und ist nicht mehr Teil der Alltagskultur. Früher war es so, dass man als Erwachsener praktisch rauchen musste. Das ist zum Glück vorbei und wenn Zigaretten irgendwann ganz verschwinden, weine ich dem keine Träne nach.

Lite
Lite
5. Dezember, 2008 17:27

Und was "Rescue Me" angeht: Wurde leider nur bis zur 6 Episode der zweiten Staffel synchronisiert bzw. auf Deutsch ausgestrahlt. Der ORF hat es aus unerfindlichen Gründen vor der EM 08 abgesetzt. Wer es ab S02E07 auf Deutsch mag, der geht auf subcentral.de und zieht sich die dt. Subs.

Ja Bitte gebt uns die x-te Staffel von CSI:irgendwas und noch mehr Folgen von Wildfire oder Gilmore Girls.

Eventuell lustige und intelligente Serien wie Rescue Me sind zu anspruchsvoll oder so und können dem deutschen Publikum keinesfalls präsentiert werden.
The Shield ist over, heul, zum Glück gibbet dafür ja noch The Wire, dessen dt. Synchro echt ok ist.

Dieter
Dieter
5. Dezember, 2008 19:17

@Tyler: ,,Dämlich" war eine subjektive, ästhetisch begründete, nicht verifizierte, politisch unkorrekte, voreingenommene, eventuelle Statistiken komplett ignorierende, persönliche Wertung: Ich finde diese Dinger blöde, hässlich und bevormundend.

manhunter
6. Dezember, 2008 12:22

@ Tornhill: Auch unsere "Perlen vor die Säue"-Heldin raucht ja. Ich hoffe immer noch, dass sich daraus mal eine erfolgreiche Kinderserie entwickelt…

Ansonsten: Bin ebenfalls Nichtraucher, hab auch ein Familienmitglied dank Folgeerkrankung verloren, halte die Antiraucher-Hysterie aber für übertrieben und die entsprechende Retouchierung von Fotos und Filmen für eine Schweinerei. Trotzdem: Ich warte freudig auf den Tag, an dem in Zürich endlich das beschlossene Rauchverbot angenommen wird und man in eine Bar hocken kann, ohne dass es einem die Augen reizt und man mit vollgestunkenen Kleidern nach Hause kommt.

Peroy
Peroy
6. Dezember, 2008 14:39

Aber eine Sache darf man trotzdem nicht vergessen: Nikotin-Dunst ist immer noch besser als der Gestank von Schweiß, Pisse und Kotze…

Lindwurm
7. Dezember, 2008 01:07

Mein Senf dazu:

1. Der Zigarettenkonsum geht nicht zurück. Nirgendwo. Auch nicht in Kalifornien. Erst kürzlich wurden wieder entsprechende Zahlen veröffentlicht, wonach die Zahl der Raucher in den westlichen Industrienationen nicht abnimmt. Die Leute verlagern angesichts der Repressionen ihren Konsum bloß so, wie es die Kiffer seit jeher taten.

2. Mir ist es egal, ob Comedians rauchen oder nicht. Erwachsene Menschen haben durchaus das Recht, aus gesundheitlichen Überlegungen ein Laster aufzugeben, auch wenn sie zuvor damit ihr "rebellisches" Image unterstrichen. Außerdem denke ich, dass Comedians ab einem gewissen Zeitpunkt reich genug sind, um möglichst lange leben zu wollen. Die Versuche, die Kunst rauchfrei zu machen und die bereits geschehen und noch geplanten Bildfälschungen sind aber völlig irrsinnig und sogar gefährlich.

3. Rauchen schadet, das ist unbestritten. Doch halte ich die Argumente der militanten Nichtraucher (MN) für nicht wirklich stichhaltig, da diese nur selten eine Gesamtrechnung aufmachen. Zwar wedeln die mit jeder Statistik über Zusammenhänge von Krankheiten und Rauchen, derer sie habhaft werden können, herum und rufen nach strengeren Gesetzen, doch das seltsame Phänomen, dass ausgerechnet die Generation, die zwischen 1900 und 1930 geboren wurde und die am heftigsten rauchende Generation aller Zeiten war, die bisher höchste Lebenserwartung hat(tte), können und wollen sie nicht diskutieren. Könnte es nicht sein, dass Rauchen nicht DER Gesundheitsfaktor schlechthin ist, als der er von den MN hingestellt wird?

4. Ich finde es skandalös, dass sich die Politik anmaßt, erwachsenen Menschen vorzuschreiben, was diese mit ihren Körpern anstellen, was sie sehen dürfen, lesen und hören dürfen. Und all jene Nichtraucher, die die Hatz auf Tabakkonsumenten hämisch beklatschen, haben nichts im Kopf, denn um zu denken, dass die Regulierungswut bei den Zigaretten aufhört, muss man wirklich am Rande der Verblödung stehen.

Dennis the Menace
Dennis the Menace
7. Dezember, 2008 01:45

"Rescue me" war just wieder im Synchronatelier. Müsste die vierte Staffel gewesen sein. Wann und wo sie ausgestrahlt wird, verrät euch dann beizeiten das Programmie eures Vertrauens.

Lari
Lari
7. Dezember, 2008 03:12

Hätte ich Kinder, ich würde nicht wollen, dass sie mit dem Unfug anfangen. Entsprechend würde ich nicht wollen, dass ihnen zugängliche Medien vermitteln, Rauchen sei Normalität. Geschichtsfälschung wie sie in den Staaten im Gespräch ist, ist trotzdem Quatsch – wenn die ernsthaft wollen, dass Kinder und Jugendliche (zumindest in der Theorie) keine nikotinhaltigen Filme sehen, dann sollen sie halt bei jeder Onscreen-Zigarette gleich ein NC17-Rating verteilen.

manhunter
7. Dezember, 2008 04:16

"Aber eine Sache darf man trotzdem nicht vergessen: Nikotin-Dunst ist immer noch besser als der Gestank von Schweiß, Pisse und Kotze…"
Besser als Schweiss? Nö. Selbst Pisse- und Kotz-Gestank ist wenigstens nicht so anhänglich. Obwohl, wenn man direkt angepisst oder -gekotzt wird, dürfte es noch einmal ein bisschen anders sein. Und würde man jetzt in einem Bottich mit konzentriertem Männerschweiss baden…

Peroy
Peroy
7. Dezember, 2008 08:34

Du hast noch nie neben einer richtig stinkenden, seit fünf tagen ungeduschten Drecksau gesessen, wie… ?

Wortvogel
Wortvogel
7. Dezember, 2008 11:41

@ Peroy: es kann dich halt nicht jeder persönlich kennen 🙂

Dieter
Dieter
7. Dezember, 2008 11:44

@Lindwurm: Standing ovation.

Peroy
Peroy
7. Dezember, 2008 13:31

"@ Peroy: es kann dich halt nicht jeder persönlich kennen "

Ich dufte nach Veilchen, nicht nach Vitaminen und Sauerkraut…

gnaddrig
gnaddrig
8. Dezember, 2008 11:14

Stimmt, Peroy, der hat dann seit ’ner Woche dieselbe Unterhose an, und wer viel Bier trinkt muss viel pinkeln gehn. Händewaschen ist bekanntlich für Weicheier. Und die Zahnbürste ist auch schon seit langer Zeit verschollen. Dagegen, manhunter, ist noch der hartgesottenste Kettenraucher ein lindes Frühlingslüftchen…

SEW
SEW
10. Dezember, 2008 18:22

Erstmal Hallo an alle, bin neu hier…

Mir fallen noch zwei ein, zu denen das Rauchen gehört: Columbo und Sherlock Holmes!

Lari
Lari
11. Dezember, 2008 10:34

Ahem – Zu Sherlock Holmes gehören eher noch Koks und Morphium, womit wir direkt bei Akzeptanzschwierigkeiten ganz anderen Kalibers wären. 😉

Dieter
Dieter
12. Dezember, 2008 00:59

@Lari: Im Original? Ich denke, das wurde im Zuge der Legendenbildung nachträglich hineingedichtet. Soweit ich weiss, rauchte Holmes Pfeife (Tabak) und spielte Geige. Muss aber zugeben, dass ich nur einen Roman gelesen und sonst nur alte Filme gesehen habe.

Wortvogel
Wortvogel
12. Dezember, 2008 01:13

@ Dieter – du irrst in der Tat. Holmes war den modischen Drogen seiner Zeit ungesund zugetan. Conan Doyle wusste es einfach damals nicht besser.

http://tinyurl.com/6ozfa6

Hirngabel
12. Dezember, 2008 22:43

Auch wenn diese (sehr interessant nachzulesende) Diskussion hier schon quasi wieder zu Ende ist [eine Woche in Bloggerzeit ist ja nun mal eine Ewigkeit] möchte ich dennoch zumindest kurz mal auf die Frage antworten, wie es denn in Deutschland aussähe.

Da fällt mir nämlich an allererster Stelle ein Comedian/Kabarettist/Humor-Anarchist ein, der die Sache mit dem Rauchen sehr schön aufgegriffen hat: der meiner Meinung nach exzellente, aber sicherlich gewöhnungsbedürftige Rainald Grebe.

Bei seinem vorletzten Programm hat er noch ganz simpel während seiner Zugaben angefangen auf der Bühne zu rauchen und sich dabei einerseits über die Raucher im Publikum und andererseits über den skurrilen Widerspruch von Rauchverbot im Saal und Rauchen auf der Bühne im Rahmen der künstlerischen Freiheit lustig gemacht hat.

Im aktuellen Programm "40 Jahre 1968" hat er das dann auf die Spitze getrieben und auf der Bühne einen kleinen Bistrotisch mit zwei Stühlen und Aschenbecher aufgestellt. Zu Beginn der Auftritte läd er dann immer alle Besucher dazu ein, doch einfach auf die Bühne zu kommen, wenn man während des Auftritts den Drang verspürt eine Zigarette zu rauchen. Fand ich eine klasse Aktion und führt die paradoxe Regelung natürlich wunderbar ad Absurdum.

Wortvogel
Wortvogel
12. Dezember, 2008 22:58

@ Hirngabel: Grebe ist ganz großartig. Immer.

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[…] drei Jahren hatte ich mal über die Angewohnheit geschrieben, Unliebsames aus historischen Zeugnissen zu tilgen, namentlich Zigaretten aus den Händen von […]