IBM hat zum dritten Mal fünf Innovationen vorgestellt, die in den nächsten fünf Jahren die Welt verändern sollen:

Die Erfahrung lehrt: selbst auf einer solchen Kurzstrecke liegen die Experten vermutlich massiv daneben. Die „Genanalyse für jedermann“ sehe ich noch nicht vor der Haustür, das „sprechende Internet“ halte ich für Kappes, aber die ausdruckbaren billigen Solarzellen sind eine tolle Sache.

Überhaupt scheint die Industrie teilweise in ganz falsche Richtungen zu forschen – brauchen wir wirklich MP3-Player mit 128 Gigabyte Speicher? Handys, die Nintendo-Systeme emulieren? Kühlschränke mit Internet-Anschluss? Defibrilatoren in Ubahn-Stationen? Digitale Bilderrahmen? Taschen-Projektoren?

Ich habe dieses Video zum Anlass genommen, mir mal zu überlegen, welche fünf Innovationen MEIN Leben massiv vereinfachen könnten. Ich pfeife mal auf Umweltschutz und AIDS-Prävention – welche täglichen Ärgernisse würde ICH den Ingenieuren auf die Agenda schreiben?

kabelsalatNummer 1: Tod dem Kabelsalat!

Jeder kennt es, und eine ganze Zubehör-Industrie lebt davon, das hässliche Gewusel mit Klammern, Röhren und Leisten mehr schlecht als recht in den Griff zu bekommen. Musste man früher allenfalls Antennen- und Stromkabel vom Fernsehen dezent hinter die Anrichte legen, so hat das PC-Zeitalter zu einer brutalen Inflation von Kabeln in verschiedenen Dicken, Längen, Farben, und mit einer irrwitzigen Vielfalt an Steckern geführt. Mich wundert, dass dieser Pest auch von Konsumentenseite so wenig Aufmerksamkeit gewidmet wird. Als sei das Knäuel aus Stolperfallen (und Tod jeder schicken Wohnungseinrichtung) ein unvermeidliches Schicksal. Damit muss endlich Schluss sein! Geräte aller Art gehören kabellos verbunden, und ich gehe sogar einen Schritt weiter – das gilt auch für Strom! Wie das gehen soll? Wohin mit dem Elektrosmog? Keine Ahnung. Das ist Aufgabe der Experten.

batterienNummer 2: Neue Batterien braucht das Land!

Batterien, Akkus, und Netzteile sind die Pest: schwer, unhandlich, und meistens wortwörtlich Gift für die Umwelt. Sie machen das Netbook klobig, beulen die Laptop-Tasche aus, und haben eine unverantwortlich miserable Lebens- und Leistungsspanne. Außerdem sorgen ihre Defizite dafür, dass wir nicht auf Elektroautos umsteigen können. Es braucht die Akku-Revolution! Ich verlange, dass ein Netbook mit einer Batterie in Streichholzschachtel-Format 12 Stunden läuft! Ich will Akkus, die sich in zehn Minuten vollständig laden lassen. Ich will universelle Adapter, die es mir erlauben, praktisch jeden Akku an jedes Gerät anzuschließen, wenn mal Not am Mann ist. Das Netzteil darf nicht nennenswert größer sein als der Stecker, mit dem ich es in die Wand plömpel. Und in Kombination mit Punkt 1 verlange ich, dass alle Geräte weltweit kompatible Anschlüsse und Stromstärken haben. Ich will nicht mehr mit einem Kulturbeutel voller Adapter um die Globus fliegen!

alwaysonlineNummer 3: Internet immer und überall!

Jetzt bin ich also dank der Punkte 1 und 2 vom Joch der Kabel befreit, und die Akkus sind gezähmt. Ideale Voraussetzungen, verstärkt von unterwegs zu arbeiten. Will ich dabei online sein, kann ich mich (teuer und langsam) mit einem Stick ins Handy-Netz wählen, sofern es ein Netz gibt. Oder ich hangel mich von Wlan zu Wlan. Oder setze mich ins Internet-Café. Das ist alles schon bedeutend besser als vor fünf Jahren, als man sich kaum aus dem Haus traute. Aber es ist immer noch Flickwerk. Ich hatte seinerzeit gehofft, das Iridium-Satelliten-Netzwerk würde der Grundstein eines globalen und engmaschigen Internets werden. Das ging daneben. Die Idee ist aber immer noch bestechend: „always online“. Provider egal – ich identifiziere mich, und es wird automatisch abgerechnet. Die Frage „Gibt’s hier Internet?“ muss endlich der Vergangenheit angehören – auch in Angola oder Tasmanien!

persospaceNummer 4: My Space statt MySpace!

Je einfacher und globaler das Internet verfügbar ist, desto weniger sind wir an unseren eigenen PC gebunden. Es könnte in ein paar Jahren so eine Art „PC-Sixt“ geben, wo man sich ein Notebook für 10 Euro pro Tag ausleiht, wie heute einen Mietwagen. Das bedingt aber eine Umstellung, die vielen Usern widerstrebt: Die eigenen Daten und Programme müssen über das Netz verfügbar sein. Ich finde z.B. den Ansatz, jedem Bürger von Staats wegen einen eigenen „Internet-Platz“ einzuräumen, reizvoll Das muss natürlich so sicher sein, wie es geht (perfekte Sicherheit gibt es nicht). Als Endergebnis muss ich eine Datei, an der ich gestern in München auf meinem Notebook geschrieben habe, morgen in Bangkok auf dem iPhone des Kollegen Sixtus bearbeiten können.  Jeder User braucht demnach einen virtuellen Raum, der seine Daten und seine Arbeitsumgebung bereit hält, abgekoppelt und unabhängig von der Hardware. Voraussetzung dafür ist natürlich Punkt 3, das Immer/Überall-Internet.

Als Unterpunkt und Alternative ließe ich mich von USB-Stick-Systemen überzeugen, mit denen jeder sein System in der Hosentasche spazieren tragen kann, und welches an jedem Gerät sofort eine vertraute Arbeitsumgebung samt Software und Daten schafft. Ob das allerdings sicherer ist, sei dahingestellt…

zollNummer 5: Weg mit Grenzen und Schranken!

Das internationale Post- und Zollsystem ist bis heute mangelhaft auf den individuellen Warenverkehr durch Online-Bestellungen eingerichtet. In München befindet sich das Hauptzollamt 25 Kilometer außerhalb der Stadt, und ich muss hinfahren, auch wenn mein Paket gar keine zu verzollenden Waren enthält – der Beamte möchte das gerne selber prüfen. Die Menge an Vorschriften und Gebühren, Steuern und Abgaben, ist einfach albern, der betriebene Aufwand absurd. Im Zeitalter der Globalisierung muss der Warenverkehr auch für den Endkunden transparenter werden. Es muss möglich sein, etwaige Steuern schon beim Online-Kauf zu berechnen – und zu bezahlen! Es obliegt dem Anbieter, staatliche Gebühren automatisiert abzurechnen (am besten wäre natürlich eine globale Lösung, die Zoll und Einfuhrsteuern ganz abschafft). JEDE Sendung braucht eine Tracking-Nummer, mit der ich sie online verfolgen kann. Die Porto-Systeme müssen extrem vereinfacht werden. Ein globales Online-Zahlungssystem wie PayPal muss Pflicht sein. Dazu gehört auch eine Möglichkeit zum einfachen Geldtransfer für Leute, die keine Kreditkarten benutzen wollen. Im Gegenzug kann man gerne Nachnahme, „auf Rechnung“, und Vorkasse abschaffen.

Auch Nummer 5 hat noch einen Unterpunkt: Der globale Warenverkehr muss auch im virtuellen Bereich vereinfacht werden – es ist nicht einzusehen, warum ich hierzulande meine Musik nicht bei iTunes USA kaufen kann, oder warum es mir unmöglich sein soll, das Programm der BBC zu schauen. Hulu sperrt sich ebenso wie der Player von NBC, mir sein Angebot zu zeigen, nur weil ich im „falschen“ Land hocke. Das sind Beschränkungen, die (im Gegensatz zu Zoll und Post) nicht von veralteten analogen Systemen herrühren, sondern die künstlich geschaffen wurden, um die Märkte voneinander abzuschotten. Ich halte sie für ebenso wenig legitim wie die Regionalcodes auf DVDs. Wer den globalen Markt will, darf den globalen Konsum nicht unterdrücken!

BONUS-Wunsch: Papierpost kann zu 99 Prozent abgeschafft werden – Strafzettel, Stromrechnung, Steuerbescheide sollten auch per Email gehen. Die Verschwendung von Energie und Ressourcen ist nicht zu rechtfertigen. Außerdem erlaubt die digitale Verschickung eine leichtere Suche nach relevante Dokumenten. Damit wäre mir sehr geholfen – ich habe meine Agenten schon letztes Jahr gebeten, Abrechnungen nur noch per Email zu schicken. Was sollen die im Ordner im Regal?

So sehe ich das. Und ihr? Was wäre euch wichtig? Was muss dringend getan werden, um die virtuelle Welt, die reale Welt, und die Schnittstellen von beiden zu optimieren?



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Patrick

ich hau auch einmal ein paar gedanken dazu:

universelle usb stecker:
wieso in gottes namen hat fast jedes gerät einen eigenen unförmigen usb stecker? mal mit leichten wellen, mal mit ecke rechts, mal mit ecke rechts oben und links unten! genormte usb stecker braucht das land. ein usb kabel für alle endgeräte!

universelle stromstecker:
ein stecker für jedes netzteil. so einfach kann es sein. aber heute braucht jeder mp3 player. jede festplatte und quasi jedes endgerät auch einen eigenen stromanschluss. sind also quasi für jedes neue endgerät zwei kabel (strom + usb).

webseiten standart:
wieso bekommen es viele große firmen und startups selbst im web2.0 zeitalter nicht hin, dass ihre websites anständig auf allen browsern und betriebssystemen ordentlich laufen? einfach mal an die standarts halten, aber wenn es schon daran hängt…?!

mp3s ohne drm
wo sollte man nach legaler günstiger musik mit riesen auswahl informieren? itunes oder napster. aber da hängt es auch schon wieder, ohne ipod oder napster ready2go-player geht da nix. wann kommt der amazon music shop endlich in die BRD? drm-freie mp3-musik braucht das land. günstig. legal. schnell. riesen auswahl.

Peroy
Peroy

„Papierpost kann zu 99 Prozent abgeschafft werden – Strafzettel, Stromrechnung, Steuerbescheide sollten auch per Email gehen.“

Spam-Betrug Ahoi…

InspGadget
InspGadget

Nr. 4 kann man jetzt schon durch Google Documents und ähnliche Dienstleistungen lösen. Ich persönlich möchte allerdings nicht, dass Google meine Dokumente kennt, und der Staat erst recht nicht.

Nr. 5 ist nicht Aufgabe der Ingenieure, sondern der Politik (Zoll). Bzw. des freien Marktes, dieser Bockmist mit Kundengängelung über Regioncodes, DRM etc. wird hoffentlich eines Tages verschwunden sein. Vielleicht, wenn eine andere Generation von Topmanagern dran ist, die so ’n Kram wie neue Medien auch selbst benutzt.

Marko

„[…] brauchen wir wirklich MP3-Player mit 128 Gigabyte Speicher? Handys, die Nintendo-Systeme emulieren?“

Äh … ja? Unbedingt! Ich bin (vielleicht) erst zufrieden, wenn der erste Terabyte-Player auf den Markt kommt.

Und Retro-Konsolen sollen emuliert bitte überall laufen, also auch auf allen Handys, im Display des Badezimmerspiegels und im Kühlschrank-OS. Kein Scherz. Es hat etwas ungeheuer beruhigendes, neue Technik dazu zu bringen, alte Inhalte darzustellen (funktioniert für mich jetzt schon bei PSP & Co.).

Ansonsten wünsche ich mir ohne Einschränkungen bieg- und faltbare Displays zu günstigen Preisen, damit man Monitore irgendwann mal mit Tesafilm an die Wand hängen kann wie ein Poster und mitnehmen kann wie eine Zeitung.

Ein bisschen SciFi (aber, hey, ist es das nicht alles irgendwie noch): Ganz, ganz weit in der Zukunft wünsche ich mir theoretische Unsterblichkeit (ich denke, der genetische Schalter dafür wird recht bald gefunden werden können) plus die Möglichkeit, das eigene Bewußtsein auf einen implantierten Chip aufzeichnen zu lassen, um es in einem nachgezüchteten Körper wieder abrufen zu können, falls dem „Original“ mal was passiert. Ahja, das ganze natürlich einhergehend mit der Besiedelung vieler neuer Planeten, damit all die Unsterblichen auch Platz haben …

Naja, für’s erste fände ich allerdings universelle Strom- und USB-Stecker, wie Patrick vorschlägt, auch schon mal ganz schön.

Gruß,
Marko

Testkaninchen

So, jetzt muß ich aber mal meinen Senf dazu geben:

1.
Außer Strom brauchts doch keine Stecker mehr:
– HID: Funktastatur/Mouse/Touchpad/Trackball …
– Video: direkte Funkübertragung (analog [noch] wie beim guten alten Scart)
– LAN: W-LAN, Metronetze
– sonstige Peripherie: Bluetoothumsetzer für USB, RS232 und Par
und den Strom bekommt man mit gerichteter Induktion auch noch kabellos. Ob man allerdings durch den „Beam“ laufen sollte ist fraglich 🙂

2.
Mit den Akkus 100% Zustimmung, aber warum nicht einen Schritt weitergehen und den menschlichen Körper zur Energiegewinnung heranziehen? Nicht unbedingt wie in Matrix präsentiert, aber es muß doch möglich sein allein schon die Potenzialunterschiede zu nutzen.

3.
„Always Internet“ geht schon über Satellit, ist nur etwas teurer und komplizierter (Bundeswehr SatCom Trupp) Aber warum sollte es keine weißen Flecken auf der Funkversorgungskarte geben? Viel interessanter wäre doch das ich einen Ausschnitt aus dem „Internet“, der genau auf mich ausgerichtet ist, offline verfügbar habe. Diser wird bei jedem Kontakt mit dem Netz synchronisiert.

4.
Diesen eigenen Platz in eigener Verantwortung gibt es schon lange. Einfach Webspace anmieten, mit Passwort sichern und ab dafür. Muß ja nichtmal ein Rootserver sein. Ich möchte meine Daten eben NICHT beim Staat oder irgendwelchen Konzernen haben. Und den U3 USB-Stick gibts übrigens schon.

5.
Zoll und Warenverkehr sind rein politische Lösungen und künstliche Schranken.

Bonus:
Alles was elektronisch vorliegt lässt sich viel einfacher und unbemerkt kopieren, verändern und zerstören. Es gibt keine Sicherheit wie beim Papier. Auch mit Signatur, Hash und Verschlüsselung. Geht nicht.

————————————-

Meine 5 Wünsche:
1: Sprachsteuerung für elektronische Systeme
2: proaktives Scanning auf Viren/Spam etc. direkt im Internet durch alle Nutzer
3: PIM der die Bezeichnung verdient (der mich zum Bsp: auch beim Krawattenkauf berät :))
4: Durchbruch des E-Paper für Zeitungen etc.
5: DAUs machen es den Dinosauriern nach (man wird wohl noch träumen dürfen, aber selbst dafür sind die zu doof)
Bonus: Weltfrieden

+++
Rechtschreibfehler – findet – behalten

asdrubael
asdrubael

> webseiten standart:
> wieso bekommen es viele große firmen und
> startups selbst im web2.0 zeitalter nicht hin, dass > ihre websites anständig auf allen browsern und
> betriebssystemen ordentlich laufen?

Das Problem ist das die Web-Standards den technischen Möglichkeiten (inzwischen?) weit hinterherhinken. Beispiel Web Videos da gibt es momentan einfach keinen allgemeinen, offenen Standard deswegen verwenden inzwischen fast alle das proprietäre Flash als Plugin Lösung. Das läuft dann je nach System mehr oder weniger gut bzw. überhaupt nicht wenn Adobe keine Muße hat ihren Player darauf zu portieren. Zeitgleich arbeiten Firmen wie Microsoft mit „Silverlight“ mit Hochdruck daran weitere proprietäre, geschlossene Web Standards zu etablieren. Das braucht wirklich niemand und mein Wunschtraum wäre das Betriebssystem und Browser künftig keine Rolle mehr spielen weil 95% der Webseiten überall gleich aussehen.

Montana
Montana

1. Wie Testkaninchen schon sagte, Strom (oder genauer Energie) ließe sich heute schon kabellos übertragen. Die Sicherheit ist der Knackpunkt.

2. Akkus: Echt ein Problem. Nicht nur, dass viele modernen Geräte einen speziellen Akku benötigen, er lässt sich oft nicht mal austauschen. Der Witz an der Sache ist: Die vielen unterschiedlichen Akku-Packs der Hersteller bestehen aus Standard-Zellentypen, lediglich in der Form individuell zusammengelötet.

Stimmt, MP3-Player mit 128 Gigabyte Speicher braucht keiner, wozu sollte man dann noch komprimieren? Mir würden schon wenige GB reichen. Aber bitte mit vernünftigem Display (also kein kleiner Stick), guter Format-Unterstützung und ganz wichtig: AA-Akku gespeist. Bis heute nicht gefunden. Bei Digicams geht das doch auch.

Apropos: Ich will genormte Drucker-Patronen. Kaum jemand würde ein Auto kaufen, das nur beim Hersteller betankt werden kann.

Und klar, die Energiedichte der Stromspeicher muss massiv verbessert werden. Das betrifft nicht nur Notebooks, auch diese Steinzeittechnologie des Verbrennungsmotors wäre überflüssig.

4. Dieses „everything, everywhere“ wäre nichts für mich. Die private Festplatte ins Netz auslagern? Grauenhafte Vorstellung. Einen so guten Ruf kann nichts und niemand haben, als dass ich ihm diese Daten anvertrauen würde.

Der Postillon

Erinnert ein wenig an: „I have a dream…“

Thorsten H.
Thorsten H.

Ich finde diese Diskussion echt interessant. Wenn man überlegt wie sich allein meine herangehensweise an technische Fragestellungen in den letzten Jahren entwickelt hat: Erstmal suchen ob es schon Lösungen online gibt, falls das nicht der Fall sein sollte in Fachforen mit anderen motivierten und hilfsbereiten Leuten an Lösungen arbeiten.
Leider fängt die Industrie gerade erst an, diese Ressourcen zu nutzen und sich auf neue Arbeitsweisen einzulassen. Sobald dies allerdings etwas verbreiteter ist, werden Innovationen aufgrund dieser gewaltigen „Think-Tanks“ immer schneller erfolgen. Vielleicht sind einige deiner „Visionen“ in wenigen Jahren schon in Sichtweite….

gnaddrig
gnaddrig

„IBM has come up with five innovations that are going to change the way we live in the next five years.”
Solche Sätze sollte man sich grundsätzlich erst fünf Jahre später anhören, dann einmal herzlich lachen, und weiterleben. In dem Zusammenhang möchte ich auf http://www.paleofuture.com hinweisen. Das ist ein Denkmal dafür, wie daneben Zukunftsprognosen dieser Art meist liegen.

Das mit dem sprechenden Internet aus dem Video halte ich auch weder für erstrebenswert noch für besonders nützlich, aber vielleicht fehlt mir da nur die Phantasie. Es könnte Situationen geben, wo eine Sprachsteuerung für den Browser ganz nützlich sein könnte. Aber das war in dem Video wohl eher nicht gemeint. Und überhaupt: Sprachsteuerung für Software ist uns schon in den Neunziger Jahren vollmunding versprochen worden. Den damaligen Ankündigungen zufolge sollten wir mittlerweile eigentlich seit Jahren in der Lage sein, den PC ohne Tastatur zu bedienen. Kam dann aber anders.

Und das mit dem „forgetting will be a distant memory“ ist zwar ein schönes Sprachspiel, ansonsten aber eher gruselig. Wer speichert meine Bewegungsdaten wo und wie? Wer hat Zugriff bzw. wie lange dauert es, bis der ganze Kram gehackt ist? Beinhaltet die Vision auch, dass man sich Memorychips ins Hirn und Transponder in den Hintern implantieren lassen soll? Danke nein, da bleibe ich lieber vergesslich. Und davon ganz abgesehen: Wer soll den Datenwust denn ordnen und darin irgendetwas wiederfinden? Das schaffen die meisten Menschen ja schon mit ihren Mails nicht, und das ist eine vergleichsweise bescheidene Datenmenge.

Aber jetzt zu Wortvogels Vorschlägen: Ich finde auch, dass mit dem Kabelsalat aufgeräumt gehört. Und Akkus sollten verbessert und vereinheitlicht werden. Weltweit dieselbe Netzspannung, die gleichen Steckerformate, standardisierte Maße für Akkus für alle möglichen Geräte und langlebigere Akkus wären schon nett.

Die virtuelle Festplatte im Netz wäre mir allerdings zu unsicher, das sieht mir der Nie-wieder-vergessen-Geschichte aus dem Video zu ähnlich. USB-Lösungen halte ich da für praktikabler. Die sind schon deshalb sicherer, weil man USB-Sticks, wie alle Laufwerke, praktisch unknackbar verschlüsseln kann. Es gibt jetzt schon genug Verschlüsselungssoftware, die das leistet, manche sogar umsonst (z.B. TrueCrypt). Man muss sich nur die Mühe machen, sich ein gescheites Passwort auszudenken, dieses regelmäßig zu ändern und es nirgendwo erkennbar aufzuschreiben.

milan8888
milan8888

Mac OSX und mobile me

Damit hab ich im Büro und daheim wichtige Dateien, Lesezeichen, Adressen, Notizen, Termine… synchron (funktioniert auch mit meinem Sony-Handy) und wenn ich will kann ich mich auf fremden Macs ebenfalls einloggen und darauf zugreifen.

gnaddrig
gnaddrig

Wortvogel, damit hast Du natürlich recht. Wer hat schon soviel Selbstdisziplin, oft genug von seiner „USB-Brieftasche“ ein oder mehrere Backups zu machen und an verschiedenen Orten aufzubewahren? Und eigentlich (um meinen vorigen Kommentar zu korrigieren) müsste man ja auch virtuelle Laufwerke im Netz verschlüsseln können. Wenn der Provider nicht gerade meine Tastenanschläge mitschneidet, dürfte das genauso unknackbar sein wie der USB-Stick.

Stephan
Stephan

Die Pille danach. Nie wieder Kater. Nie wieder Kopfweh.

Und das „Du bist voll, nüchtern würdest Du die Frau nie anfassen“-Elektroschock-Device.

Julian
Julian

Diese Solarzellen sind zwar in Entwicklung, aber 5 Jahre bis zur Serienreife, halte ich dann doch für utopisch, wenn ich mir die Probleme dabei ansehe (einer meiner Profs beschäftigt sich damit und plaudert gerne aus dem Nähkästchen).
Akkus… Ich hab mal irgendwann, irgendwo gelesen, dass ein Hersteller einen Akku in der Testphase hat, der nach 5 Minuten zu 95% geladen ist. Zwar nicht das was du dir wünscht, aber immerhin etwas 🙂

Peroy
Peroy

„Ein bisschen SciFi (aber, hey, ist es das nicht alles irgendwie noch): Ganz, ganz weit in der Zukunft wünsche ich mir theoretische Unsterblichkeit (ich denke, der genetische Schalter dafür wird recht bald gefunden werden können) plus die Möglichkeit, das eigene Bewußtsein auf einen implantierten Chip aufzeichnen zu lassen, um es in einem nachgezüchteten Körper wieder abrufen zu können, falls dem “Original” mal was passiert. Ahja, das ganze natürlich einhergehend mit der Besiedelung vieler neuer Planeten, damit all die Unsterblichen auch Platz haben …“

Die Sixth Day-Kleinfritzchensichtweise auf die „Unsterblichkeit“ setzt sich also doch durch, ich hatte Recht ! Jippiiieeee !!! 8)

Marko

„… Sixth Day-Kleinfritzchensichtweise …“

Der Film „Sixth Day“ behandelt das Thema „Klonen“, was mit theoretischer Unsterblichkeit gleich mal so rein gar nichts zu tun hat, aber egal …

Und generell werden uralte biotechnologische Ideen, wenn sie von irgendwelchen Hollywood-Blockbustern aufgegriffen werden, dadurch nicht automatisch infantil. Aber vermutlich glaubst Du auch, dass der Mensch niemals auf dem Mond landen kann, weil Jules Verne da früher mal ein Buch drüber geschrieben hat, nicht wahr? 😛

Gruß,
Marko

Bluescreen
Bluescreen

@Wortvogel:

Du weisst, ich arbeite in der Branche. Da wird teilweise entwickelt und produziert, einfach weil es machbar ist. Und manchmal kommen da Dinge für einige tausend Euro bei rum, wo man sich fragt: „Was soll das“?

Bei den USB-Kabeln ist das nicht so simpel… wir lassen den Aspekt der Geldmache durch proprietäres Design mal weg.

Was verlangst du? Kein Kabelsalat aber gleichzeitig möglichst kleines Design um mobil zu sein. Um mobil zu sein braucht man kleine Geräte, dazu gehören auch kleine Stecker. Kleine Stecker und Buchsen sind auch günstiger zu fertigen. Das drückt den Preis. Also noch mehr Kundschaft die mobil sein will/kann.

Das können wir auch auf Akkus für Geräte ausweiten. Es ist NICHT möglich nur einen Batterityp für alle Geräte zu entwickeln. Schlicht und ergreifend, weil verschiedene Geräte verschiedene Ampere- und Volt-Werte brauchen. Je nach Ausstattung und Konfiguration die benötigt wird.

Wir haben hier einen Wiederspruch des Verbrauchers. Möglichst individuell, aber dann noch komplett universell. Vergiss es. Das wird nicht funktionieren solange die Mehrheit nicht bereit ist sich einzuschränken. Nicht umsonst gibt es vom IBM-Thinkpad ein paar dutzend Modelle. Der Eine will ein kleines Notebook um mobil zu sein, der Andere ein grosses Display um beim Kunden Powerpoint laufen zu lassen, also wieder ein grosses Notebook, dadurch muss der Akku stärker sein um das Display zu speisen, deshalb muss der grösser ausfallen weil mehr Batteriezellen reinmüssen…

EDV und was daran hängt wird immer und ewig (soweit ich das einschätzen kann) für jedes Individuum ein Frickelkram bleiben für den man Kompromisse eingehen muss.

Das kannst du auch auf all deine anderen Punkte übertragen. Was du willst gilt für dich, nur nicht für den Rest der Welt.
Das Einzige was man tun kann ist selektieren. Soweit es möglich ist. Wenn genug Leute eine Richtung einschlagen wird vielleicht (!) etwas erreicht. Aber daran glaube ich nicht…

Bluescreen
Bluescreen

@Wortvogel:

Es wäre schön wenn man sich treffen könnte. Auch mein Job würde dann wesentlich stressfreier sein.

Was das zwei Dinge durcheinanderwerfen angeht: glaub mir, das tue ich nicht. Gerade weil sich die Kunden keine 500 Steckerformen wünschen muss ich mich täglich (!) mit so einem Krempel rumärgern und kann im Optimalfall eine Lösung, ansonsten einen Kompromiss bieten.

Zu der Normierung gebe ich dir Recht. Laut USB-Norm sollte es nur zwei Steckertypen geben. Nur haben wir hier einen Wiederspruch zum Kunden der alles kleiner und leichter haben will. Also entwickelt z.B. Mitsumi einen kleineren Stecker um die Produkte an den Mann zu bringen.
Mein Geschäftsführer hat das als Entscheidungsgrundlage gemacht als er neue externe Festplatten für sein Notebook wollte „Damit spar ich ein paar hundert Gramm“.
Sinnvoll? Weiss nicht. Gewollt und gefordert? Ja.
Es ist wie beim Kino und TV… wo das Publikum ist…

Ja, wir haben verschiedene Ansätze. Und ich habe mir schon vor 16 Jahren ein modulares System ausgedacht wie man den Kabelsalat fast komplett entfernen könnte.
Dann aber festgestellt, dass es nicht wünschenswert wäre, Kundenseitig.
Heute wird mit Drahtlos geworben, aber man hat Probleme alles Frequenztechnisch unter einen Hut zu bekommen. Du kannst ja kaum ein halbes Dutzend funkgesteuerter Mäuse in einem Radius von 20 Meter zum laufen bringen ohne dass die sich gegenseitig stören. Von W-Lans mit ihren Kanalproblemen ganz zu schweigen. Da müsste nicht nur die EDV umgedacht werden, sondern auch die funktechnische Behörde, inkl. die Europäische Union neue Richtilinien erlassen und alle Frequenzbänder umstricken (im Extremfall, man denke an deren Richtlinien und Auflagen). Knifflig. Und zu teuer und aufwendig.

Ich fürchte, ich muss dich enttäuschen.
Knick dir die Utopie, so gerne ich sie auch teilen würde… die EDV ist weltweit nur ein Flickwerk und wird zwar weiterentwickelt, aber auch nur dort wo es Gewinn bringt (Speicherplatz, Geschwindigkeit) oder dringend nötig ist weil es sonst brennt.
Den Optimalfall will niemand. Damit ist kein Geld zu machen.

Heute Morgen hatte ich einen Kunden, der brauchte eine Lösung um an seinem Notebook normale PCMCIA-Karten zu betreiben. Bisher ging das nicht, weil sein neues Teil einen ExpressCard-Stackplatz hat. Als Lösung bleibt nur ein Adapter für ca. 90 Euro.
Frage: Warum kann man den Bridge-Chip und die Konstruktion nicht gleich implementieren und das Notebook kompatibel zu einem jahrealten (1995) Standard machen? Würde maximal 10 Euro kosten die jeder Kunde zahlt. Aber der Hersteller des Notebooks ist halt die grosse Nummer.

Ja, entschuldige, ich bin abgewichen. Sorry.

the Geek
the Geek

Ich will eine digitale Sendungsverfolgung bei der Post für alles – selbst für Postkarten! Und das ganze ohne Aufpreis. Strichcodes werden heutzutage ohnehin von der Post auf jede Postsendung draufgedruckt. Die enthalten zwar bisher nur die Zieladresse, aber es kann doch nicht so schwer sein mit personalisierten Briefmarken oder irgendetwas anderem eine Postsendung mit einer Person oder Kundennummer in Verbindung zu bringen und dieser praktisch sofort nach Einwurf in den Briefkasten um die Ecke die Live-Verfolgung über Internet zu ermöglichen.

Stephan
Stephan

@Torsten
Du darfst dich von dem bisserl Kater nicht verunsichern lassen! Und im Zweifel heldenhaft durchstehen. So wie ich gerade.

gnaddrig
gnaddrig

Stimmt, Geek, wenn man Päckchen am Schalter frankieren lässt, kommt da schon gar keine normale Briefmarke mehr drauf, sondern ein ausgedruckter 2D-Code, und da sollte es eigentlich möglich sein, noch ein paar Daten für die Sendungsverfolgung unterzubringen. Oder man nimmt gleich einen Aztec-Code wie die Bahn, damit kann man halbe Romane verschlüsseln…

büerger
büerger

Hallo Torsten,

ich bin mit keinem der Punkte die Du aufgelistet hast, einverstanden. Mir ist meine Freiheit und meine Privatsphäre wichtiger als ein zweifelhafter Komfort oder die Illusion von Sicherheit. Hier mal aufgelistet:

zu 1: nein ich will keine kabellose Vernetzung meiner Geräte daheim. Damit „die“ es beim Abhören noch leichter haben? No way!

zu 2: nein ich will keine Akkus und Batterien mehr haben. Das gehört abgeschafft. Das Notebook soll seine Energie die es braucht gefälligst selbst erzeugen. Z.b. wenn ich es ein paar Minuten in der Sonne stehen lasse, dann muss das für einen Tag reichen. Was soll ich mit 12 Stunden? Und was ist, wenn ich eine Woche in der Wüste bin? Nein, Akkus müssen weg.

zu 3: nein ich will nicht auf dem ganzen Planeten überall eindeutig identifizierbar sein. Es geht in Timbuktu niemand was an, dass ich dort gerade online bin. Ich will, dass das alles anonym abläuft und ich mich nur identifizieren muss, wenn ich was kaufen will. Und logischerweise soll das Internet zur normalen Infrastrktur gehören und also komplett kostenlos sein.

zu 4: nein ich will nicht, dass meine privaten Daten auf einem zentralen Server im Netz rumliegen, wo die jeder Hans Wurst lesen kann. Nein ich will nicht, dass sich der Staat um meine Dokumente kümmert. Nein ich vertraue weder dem Staat noch einer Firma mein Privatleben freiwillig an. Und nein, es geht nicht sicher zu machen. So etwas ist immer kompromittierbar.

zu 5: nein ich will nicht, dass jede lächerliche Postsendung von A bis Z nachverfolgbar ist. Und ich will auch kein globales Zahlungssystem mit dem dann jeder Staat und jede Bank nachschauen kann, was ich wann wo für wieviel gekauft habe, und das auch noch auf dem ganzen Planeten. Hallo? Und nein, Bezahlung auf Rechnung sollte man auf keinen Fall abschaffen. Da kann man nämlich auch bar bezahlen.

schönen Gruss.