29
Okt 2008

Fick den Zynismus – mir gefällt’s

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Der erste Clip dieser Reihe kam besonders in Deutschland nicht so gut an – viele Kommentatoren fanden ihn affig, naiv, gutmenschlerisch, und offenkundig für eine Zielgruppe produziert, die sowieso (und sowieso demokratisch) wählt.

Scheiß drauf.

Ich glaube manchmal, dass Deutsche ein grundsätzliches Problem mit dem amerikanischen Mangel an Zynismus haben, der auch Intellektuelle und Künstler einschließt. Man kann das politische System der USA verstehen und trotzdem daran glauben, dass die "Idee USA" ein erstrebenswertes Ideal darstellt. Dass sich Dinge nur ändern, wenn man nicht "alles scheiße außer Mutti" zum Lebensmotto erhebt. Der Glaube an die Bedeutung des Individuums, der auf der einen Seite jede sozial gerechte Verteilung des Volksvermögens als Sozialismus schmäht, ist eben auch der Glaube daran, dass der Einzelne etwas bewirken kann. Selbst wenn er John Wilkes Booth, Lee Harvey Oswald, oder Mark David Chapman heißt…

Ich lebe lieber hier als drüben, halte unser System insgesamt für reifer und kopfgesteuerter. Aber manchmal, nur manchmal, würde ich mir so einen Spot vor der nächsten Bundestagswahl wünschen – mit allen deutschen Stars von Götz George bis Götz Alsmann, von Charlotte Roche bis Uschi Glas, von Max Goldt bis Zlatko, von Hans-Dietrich Genscher bis Gregory Gysi. Und ich möchte Hundertschaften engagierter junger Leute sehen, die für einen Kandidaten von Haustür zu Haustür ziehen. Nicht, weil sie dafür bezahlt werden. Sondern weil sie an ihn GLAUBEN. Glauben, weil sie im Wahlkampf Reden hören, nicht über Lohnnebenkosten und Pendlerpauschalen, sondern über eine Vision, einen Weg, eine Zukunft.

Ja, ja, hatten wir schon mal, ich weiß – während der kürzesten tausend Jahre deutscher Geschichte. Aber musste danach auch unbedingt der Glaube, dass Politik mehr sein kann als Tagesgeschäft, gleich mit begraben werden? Der Glaube, dass Politik gefälligst jeden etwas angeht?

Ich kann mir nicht helfen – das Video macht mich neidisch. "Daily Show" macht mich neidisch. Obama macht mich neidisch. Politik kann so geil sein.

P.S.: Joe der Klempner ist allerdings ein Arschloch.



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Marko
29. Oktober, 2008 23:20

Ich finde es generell eigentlich nicht so gut, wenn Schauspieler und/oder Musiker sich für Politiker engagieren. Ist es nicht irgendwie arm, die eigene Ausstrahlung herabzusetzen, wenn man sich von Leuten bewerben lässt, die es gelernt haben? Eigentlich möchte ich einen Politiker wählen, weil mir sein Programm gefällt, und nicht, weil mein Lieblingsschauspieler für ihn wirbt — ganz egal, wie sehr der an ihn glauben mag (oder auch nicht …).

Gruß,
Marko

MILE
29. Oktober, 2008 23:22

Den zweiten finde ich tatsächlich fast noch etwas besser als den ersten…! Wenn auch wieder einen Tick zu lang…

Allerdings grenzt es fast schon ein wenig an Verzweiflung, dermaßen penetrant die junge Wählerschaft aktivieren zu müssen…

Wortvogel
Wortvogel
29. Oktober, 2008 23:24

@ Marko: Darauf möchte ich zweigeteilt antworten:

– Wenn meine Meinung durch meine Popularität ein besonderes Gewicht hat, sollte ich diese nutzen, wenn es gilt, Schaden vom Land abzuwenden. Es wäre ja absurd, wenn sich gerade die, die Einfluss haben, raushalten sollen. Das geht auch andersrum: Prominente dürfen davon abraten, einen Politiker zu wählen, den sie für schädlich halten (muss ich dafür die Hitler-Parallele ziehen?).

– Es geht in dem Video nicht darum, WEN man wählen soll. Es geht darum, DASS man wählen soll. Und da diese Botschaft parteiübergreifend und unwidersprochen RICHTIG ist, gibt es für mich hier nichts zu kritteln.

MILE
29. Oktober, 2008 23:26

@Marko: Die Darsteller bewerben ja keinen der individuellen Kandidaten, sondern sollen lediglich zur aktiven Wahlteilnahme inspirieren…! Sie engagieren sich also nicht für einen bestimmten Politiker, sondern für die Idee der Demokratie — und das halte ich durchaus für legitim und angemessen…

Wortvogel
Wortvogel
29. Oktober, 2008 23:26

@ Mile (erster Kommentar): Angesichts katastrophaler Wahlbeteiligungen in den USA, und der Tatsache, dass gerade die Verweigerung vieler junger Wähler George W. 2004 sehr geholfen hat, finde ich die Verzweiflung legitim. Wieder: Ist es nicht besser, was zu tun, als einfach darüber zu lamentieren, dass zu wenige Leute wählen gehen?!

MILE
29. Oktober, 2008 23:29

@Wortvogel: Absolut, das bestreite ich gar nicht…! Ich finde es einfach nur ein wenig traurig, dass diese Notwendigkeit bei jeder Wahl aufs Neue zu bestehen scheint…!? 🙁

Dort wie hier übrigens…

Christian H.
Christian H.
29. Oktober, 2008 23:49

Der Spot gefällt mir, ist sogar lustig ("I was in a Boyband, I can do ANYTHING!"). Ich scheine aber wieder einer dieser ekelhaften europäischen Charaktere zu sein, der durch so etwas noch mehr davon abgehalten wird zu wählen. Ich bin der Typ "Wenn es alle machen, mache ich es nicht!"… und wenn mich viele Leute zum Wählen auffordern würden, würde mir dadurch die Lust daran vergehen. Seltsam, ich weiß…
Ich bin auch schon seit er seine Kandidatur bekannt gegeben hat Obama-Anhänger und wohne und lebe in Berlin. Dann ging diese Obama-Hysterie los in D, die ihren Gipfel erreichte als er in Berlin sprach. Und ich war zu diesem Zeitpunkt sowas von angenervt, dass ich als einer der wenigen ins Büro gegangen bin um zu arbeiten. Obwohl die Rede direkt bei mir um die Ecke war 😉

Wortvogel
Wortvogel
29. Oktober, 2008 23:51

@ Christian: Tja, wenn Dinge wirklich richtig sind, neigen wir dazu, sie schlecht finden zu müssen. Die Masse der Deutschen verabscheut den Gedanken, Teil der Masse zu sein.

Christian H.
Christian H.
29. Oktober, 2008 23:57

Großartig. Wenn der letzte Satz so beabsichtigt war: Großes Kino! Das ist ja fast wie "Ein Kreter sagt: Alle Kreter lügen!" 😉

Wortvogel
Wortvogel
29. Oktober, 2008 23:59

@ Christian: So war’s gedacht 😉

Siehe "Leben des Brian": "Wir sind doch alle Individualisten!" – "ICH nicht!"

BadMan
30. Oktober, 2008 00:24

Ich finde den Spot eigentlich klasse, frisch und lustig, und die Botschaft die er transportieren soll ist eigentlich auch ziemlich klar.
Ich bin auch der Meinung, dass man als "Star" seinen Einfluss nutzen sollte, zumindest im positiven Sinn, ich denke da gerade an Bono, Angelina oder Roger Moore. Politische Polarisation obliegt letzlich dem Individuum, jeder soll machen was er für Richtig hält, der Eine bekennt Farbe und der Andere eben nicht.
Ich bin auch etwas "neidisch" Torsten, aber mit den deutschen "Stars" würde das ganze vermutlich eher fast ins lächerliche abgleiten. Ich stelle mir gerade Herrn Schweiger zusammen mit den No Angels, Dieter Bohlen, einigen GZSZ Darstellern sowie diversen Viva&MTV Moderatoren vor. Dieser "Haufen" möchte uns dann mitteilen, dass wir Wählen gehen sollen, wobei mir Ihre Präsens eigentlich Beweis genug ist, dass "Wählen" ganz schon in die Hose gehen kann. Die tägliche "Wahl", was wir einschalten spiegelt, zumindest aus meiner Sicht, den (nicht vorhandenen) Anspruch der Bevölkerung wieder. Da sind wir schon wieder bei Amok-Laufenden-Literaturkritikern. Bei Sendung wie "Ich wander aus 1 bis 15" "Die Hartz-IV Cops" "Reportage vom Ballermann Teil 5000" "Zeigt mir mal Titten zum 40" "Bauer sucht Hirn" "Ab durch die Wand" "Deutschland sucht IRGENDWEN" "Popstars" etc etc etc. will sagen, so unglaublich viel SCHROTT, wenn das niemand einschalten würde wäre es ja auch nicht mehr da, oder?! Dieser Umstand zeigt aus meiner Sicht ziemlich eindeutig, dass Wahlrecht eigentlich fast völlig überflüssig ist, wenn der Wähler nüscht im Kopp hat. Leider ist es in den Staaten noch etwas Schlimmer als bei uns, ich bin allerdings davon überzeugt, dass es mit dem Fernsehprogramm was wir hier haben nicht mehr lange dauert und wir sind genau so Blöd!
Sorry, dass die Hälfte des Posts etwas off-topic ist, aber konnte mir das in diesem Zusammenhang mal nicht verkneifen.

Stephan
Stephan
30. Oktober, 2008 00:33

Ich kann Deinen Enthusiasmus für das System der Popstar-Politiker so gar nicht teilen. Wenn junge Leute in Amerika von Tür zu Tür gehen, um für einen Politiker zu werben, dann doch wohl kaum, weil sie in irgendeiner Form von seinen Inhalten ("Change" – großartiger Inhalt) angetan sind, sondern weil er ein charismatischer und sympathischer Mann ist. Der Gute wird ja nicht umsonst dauernd mit JFK verglichen.
Aber Politik wird nunmal auf dem Gebiet der Lohnnebenkosten und Pendlerpauschalen gemacht – auch wenn Mr. Strahlemann vorne steht und vor dem "Change"-Plakat lächelt.

>Prominente dürfen davon abraten, einen Politiker >zu wählen, den sie für schädlich halten (muss ich >dafür die Hitler-Parallele ziehen?).

Ja, das dürfen sie – aber daß George Clooney und Barbara Streisand jemanden für schädlich halten, macht diese Aussage nicht wahrer, als wenn dies Torsten D. und Stephan G. sagen. Nur daß George und Barb einen wesentlich größeren Einfluß auf gewisse Kreise haben als wir zwei.

Da wir in Deutschland auch nicht viel besser (eher schlechter) dran sind, wenn abgehalfterte Arschlöcher (pardon) wie Sodann für die Mauermörderpartei um das höchste Amt im Staate antreten, ziehe ich mich doch lieber als Waldgänger in die innere Emigration zurück. Oder in die Schweiz.

Julian
30. Oktober, 2008 00:43

Ich kann verstehen, wenn die Amerikaner keine Lust haben, wählen zu gehen. Zum einen sind die Stimmzettel offenbar unglaublich umständlich und eher schwer verständlich – in der Wahlkabine erst (oder nochmal, was nur menschlich ist) einmal all das durchzulesen, dauert sicher ewig. Und zum anderen gibt’s ja auch eine Menge Hindernisse, die potentiellen Wählern in den Weg gelegt werden.

Daher finde ich diese Kampagnen für das Wählen im Allgemeinen sehr gut. Es kann nicht sein, dass die Leute ihre Grundrechte nicht wahrnehmen, weil sie einfach nur demotiviert werden.

Hier ein paar Bemerkungen zu einem US-Stimmzettel samt Beispiel als PDF (erster Link auf der Seite):
http://tinyurl.com/5cgur3

Und hier ein nicht ganz uninteressantes Video bei BoingBoing:
http://tinyurl.com/The-Vote
(weitere Links in den Kommentaren)

Auch finden sich bei BoingBoing weitere, nicht uninteressante Wahlthemen.

Rupert
Rupert
30. Oktober, 2008 00:50

Kann man nichts sagen, der Spot ist schon ziemlich intelligent aufgebaut. Dadurhc dass die Stars immer abwechselnd darnkommend, bleiben die meisten dran, um ja nichts von ihrem Star zu verpassen. Gibt vermutlich nicht viele, die keinen der Schauspieler interessant/sympathisch/witzig finden, wodurch ein großer Teil der Zielgruppe (Erstwähler) erfasst werden. Bei mir wars diesmal der Borat der mich am wegklicken gehindert hat 😉
Das Neutralitätsproblem des ersten Spots haben die Macher offensichtlich erkannt und jetzt versucht, mit Guncontrol und der ersten Fru als Vize auch die Republikaner anzusprechen.

Rupert
Rupert
30. Oktober, 2008 00:52

Ach, glatt übersehen, Murphys Law hat wieder einmal seine Gültigkeit bewiesen 🙂

Rupert
Rupert
30. Oktober, 2008 00:53

Sorry wegen dreimal hintereinander posten, is schon so spät… meinte natürlich Godwins Law…

Stony
Stony
30. Oktober, 2008 07:40

Irre ich mich, oder gab es vergleichbare Spots nicht auch schon bei der letzten Wahl? Ich denke ja, aber geholfen hat es nicht wirklich wie man dann sah. Naja, wie auch immer…

Ich persönlich glaube eigentlich nicht daran, daß 'der kleine Mann' durch diese Wahlen wirklich etwas an seiner Situation verbessern kann, zu gleich sind sich die Kandidaten doch meist und wirkliche Visionäre sind mehr als rar, gerade in der Politik. Wie man in unserem Lande immer wieder bestens beobachten kann kauft man quasi 'die Katze im Sack'. Politiker versprechen im Wahlkampf das Blaue vom Himmel herunter und hinterher wollen sie nix mehr davon wissen. Ihre Legitimation betrachten sie gerne als Freischein für so ziemlich alles und wenn in der Bevölkerung Unmut aufkommt weißt man 'dezent' darauf hin, daß das blöde Wahlvolk ja beim nächsten mal wen anderes ankreuzen kann.

Das System an sich krankt an allen Ecken und Enden und die so genannte 'Politikverdrossenheit' ist nur ein allzu verständliches Symptom dieser Krankheit.
Leider!

Joe
Joe
30. Oktober, 2008 10:38

Wählen stellt für mich im allerbesten Sinne ein Ritual dar, ich zelebriere es. Im Gegensatz zu irgendwelchen religiösen Ritualen, hinter denen allenfalls Hoffnung stehen kann, hat dieses "Ritual" tatsächliche, reale Bedeutung. Gedankengänge, die Zeitgenossen dazu bringen, auf ihr Recht zu verzichten, sind mir fremd.

Wortvogel
Wortvogel
30. Oktober, 2008 10:41

@ Stony: Und genau da liegt der Hase im Pfeffer – wer nicht daran glaubt, dass er etwas ändern kann, der wird auch nichts ändern. Wer von seinen Politikern keine Ehrlichkeit und keine Visionen erwartet, bekommt eben auch keine.

Der Deutsche versieht jede frohe Botschaft gerne mit einem dämpfenden "ja, aber…" – siehe die aktuelle SPIEGEL-Meldung mit folgendem Anreißer: "Dem deutschen Job-Markt geht es so gut wie seit 16 Jahren nicht mehr. Die Zahl der Arbeitslosen ist im Oktober auf 2.997.000 gesunken – doch Experten warnen: Die Lage könnte sehr schnell wieder schlechter werden." Ist es nicht EINMAL möglich, sich für einen Tag lang zu freuen, ohne gleich die warnende Stimme zu erheben, dass es vielleicht nicht anhält?!

@ Stephan: Du machst es dir zu einfach – auch in den USA haben die Kandidaten Programme, und über die kann man sich prima informieren (u.a. mit den Broschüren, die von den Helfern verteilt werden). Die Verkürzung der Botschaft für die Wahlwerbung ist so selbstverständlich wie in Deutschland ("Freiheit statt Sozialismus" ist auch kein Parteiprogramm). Obama steht für mehr als nebulösen "Wandel" – nur die Hardcore-Republikaner wollen das nicht sehen (sie wissen ja angeblich auch immer noch nicht, wer Obama eigentlich ist).

Wichtiger aber: Vision und Handwerk schließen sich nicht aus, Tagesgeschäft und Traum sollten eine Kombination bilden. Vereinfacht gesagt: Deutsche Politiker glauben immer nur an den Weg, nicht an das Ziel. Dann kann man sich aber auch leicht verlaufen, weil man den Blick nicht konsequent nach vorne richtet. Und man folgt ungern jemandem, der scheinbar das Ziel nicht kennt.

DasPossum
30. Oktober, 2008 11:48

Du hast mir das Wort aus der Tastatur genommen. Ich will einen Spot mit Til Schweiger und Veronica Ferres , mit Dirk und Anke Engelke, mit Stefan Raab und Harald Schmidt, mit Sarah Connor und Rosenstolz. Gedreht von Roland Emmerich!

Es ist gut gemacht – und manchmal sollte man einfach über seinen Schatten springen und vor den Amis den Hut ziehen.

Thorsten H.
Thorsten H.
30. Oktober, 2008 11:53

Für mich gibt es keinen akzeptablen Grund, auf sein Wahlrecht zu verzichten. Ich persönlich sehe es als PFLICHT jedes Bürgers an, sich an der Meinungsbildung des Volkes zu beteiligen. Schließlich nimmt sich ja auch jeder von uns das Recht heraus, sich über die "miserablen Leistungen" der Politiker zu beschweren. Auch das Argument "Die blöden Politiker sind doch alle gleich!" gilt hierbei nicht als Ausrede, denn dann sollte man zumindest genug Pflichtgefühl seinem Land gegenüber besitzen, das in seinen Augen kleinere Übel zu wählen.
Da man diese "Wahlpflicht" aber nicht so einfach durchsetzen kann finde ich jedes Mittel legitim, das allgemeine Desinteresse an der Politik, insbesondere meiner Altersgruppe (U25), zu verringern.
Selbstverständlich sollte es bei der Stimmabgabe letztendlich auf das Wahlprogramm des Kandidaten ankommen. Aber das schwierigste ist es nunmal, die Wähler ersteinmal dazu zu bringen sich mit den Wahlprogrammen zu beschäftigen.

haekelschwein
30. Oktober, 2008 11:55

In der Tat "hatten wir so was schon mal", aber nicht in der NS-Zeit, sondern mit der Kampagne "Willy wählen!" (Willy Brandt).

Lukas
30. Oktober, 2008 12:46

Ich kann mich Deiner Meinung zur "Idee USA" und dem Enthusiasmus nur anschließen.

Aber dann sehe ich die deutschen Politiker und frage mich, wer sowas noch auslösen können sollte, seit Joschka Fischer in Rente ist.

PabloD
PabloD
30. Oktober, 2008 14:43

"Aber dann sehe ich die deutschen Politiker und frage mich, wer sowas noch auslösen können sollte, seit Joschka Fischer in Rente ist."

Vermutlich so einige aus der zweiten und dritten Reihe, aber so richtige Chancen bekommen die ja eher selten. Ich finde z.B. unseren säschsischen MP Tillich unglaublich charismatisch, fachlich hat er jedoch bisher noch viel gezeigt bzw. zeigen müssen.

Chris
Chris
30. Oktober, 2008 18:40

Das mit Willy Brandt wollte ich auch sagen. Welcher Politiker in diesem Land steht denn für Visionen? Lustigerweise fällt mir da am ehesten Oskar Lafontaine ein, aber seine Visionen möchte ich wirklich nicht teilen-die Mehrheit in diesem Land auch nicht. Die abgenudelte SPD- und CDU-Riege steht für nix anderes außer Tagespolitik, und die hat durchweg ein hässliches Antlitz. Keine der beiden Parteien hat noch Politiker, die ihr Programm und auch ihre Ideologie überzeugend und mit Enthusiasmus verkörpern. Selbst Gerhard Schröder war da überzeugender. Traurig.

Tornhill
Tornhill
30. Oktober, 2008 20:59

Nee…da bleibe ich doch lieber Zyniker.
Eine moralische Pflicht zum Wählen sehe ich auch nicht, sondern halte es da eher mit Parker & Stone, die erklärten, wer keine Meinung habe, wer der bessere Kandidat wäre, sollte lieber gar nicht wählen, als irgendeinen, nur um gewählt zu haben.
Und was macht man sonst, wenn man keinen Kandidaten ausstehen kann? Hier kann man ja seine Stimme meist irgendeiner chancenlosen kleinen Exotenpartei geben, aber gibt es drüben auch solche?

Am Spot selbst stören mich eigentlich nur ein paar Einzelargumente ("weil ich das Recht darauf habe" – hier in Deutschland habe ich das Recht, mir eine Nutte zu nehmen, darum mache ich es aber trotzdem nicht – obwohl ich das Recht für richtig halte) wie natürlich das obligatorische Abstellen auf Rasse und Geschlecht.

Thorsten H.
Thorsten H.
30. Oktober, 2008 21:43

Auch in den USA gibt es mehr als 2 Parteien, wenn ich richtig informiert bin gibt es dort 6 Präsidentschaftskandidaten (vgl. auch obigen Link von Julian), allerdings halt nur 2 Parteien die wirkliche Chancen haben.

Julian
31. Oktober, 2008 00:16

Ich habs noch nicht genau angeschaut, aber ich denke, dass dieser Post von Stefan Niggemeier auch hier erwähnt gehört:

http://www.stefan-niggemeier.de/blog/die-mutter-aller-wahlwerbespots/

Stony
Stony
31. Oktober, 2008 05:05

@Wortvogel: "Und genau da liegt der Hase im Pfeffer – wer nicht daran glaubt, dass er etwas ändern kann, der wird auch nichts ändern. Wer von seinen Politikern keine Ehrlichkeit und keine Visionen erwartet, bekommt eben auch keine."

Den ersten Satz lasse ich mir ja noch irgendwie gefallen, auch wenn ich nicht dran glauben mag, daß er für dieses System des 4-jährlichen ausstellens von 'Persil-Scheinen' für die Parteien wirklich relevant ist. Der Gang durch die Instanzen z.b. der Grünen zeigt doch zu offensichtlich wo der Hase im Pfeffer liegt (wenn ich deinen Ausdruck hier mal verwenden darf).

Dem zweiten Satz kann ich ehrlich nicht verstehen, nachvollziehen oder ihm gar zustimmen. Glaubst du wirklich, daß, wenn nur genug Leute dies glauben oder fordern, unsere politiker plötzlich ehrlich werden und Visionen einer besseren Zukunft aus dem Hut zaubern?^^ Evtl. finden sich noch welche die dies den Leuten vorgaukeln mögen, siehe G. Schröder, nur wozu dies führt ist die andere Seite der Medaille.

Es geht doch kaum noch um Inhalte und selbst wenn werden faule Eier als frisch und gesund verkauft, der Raubbau am Sozialstaat wird als Reform und Notwendigkeit angepriesen, Negatives ausgeblendet und solange als toll, neu, gut, blahblah wiedergekäut bis die Masse es glaubt, oder wenigstens schluckt (was bleibt ihr schon anderes übrig) und die Belastungsgrenzen an ihr Limit getrieben sind.

Was die von dir angeführten Arbeitslosenzahlen angeht: wenn ich diese ach so tollen staatlichen Statistiken sehe kommt mir einfach nur das große Kotzen! Man muß nur mal sehen warum die Zahlen so niedrig sind: Zeitarbeit (zu Entgelt das zu wenig zum leben, zu viel zu sterben ist), 1€-Jobs, 'Qailifizierungsmaßnahmen' und was weiß ich nicht was noch alles was die Leute aus der offiziellen Statistik rausrechnet. Fakt ist, daß die Masse der Menschen in Deutschland immer weniger Geld zum Leben haben und der Trend geht immer weiter in diese Richtung.

Von Politikern die ihre Lobby-Freunde bedienen und engstens mit der Wirtschaft 'zusammenarbeiten' etc.pp. erwarte ich keine Ehrlichkeit und keine Visionen, von denen 'erwarte' ich nur was sie eh tun, die Menschen verarschen, Mist bauen und den größten Dreck noch schönreden…

Tankleader
Tankleader
31. Oktober, 2008 16:28

Nuja, in den USA wird ja deshalb so ein tamtam gemacht weil man nur alle 4 Jahre an die Urne darf, denke ich. Zudem ist die anstehende Wahl mit einem Schwarzen, der auch eine reele Chance hat, ein Novum.

Und nicht zu vergessen ist’s die teuerste Wahlschlacht ever…

Wortvogel
Wortvogel
31. Oktober, 2008 17:11

@ Tankleader: Ich fahre dir ungern in die Parade, aber auch bei uns wird nur alle vier Jahre gewählt – und beim letzten Mal stand erstmals eine evangelische (!) Frau (!) aus dem Osten (!) zur Wahl für das einflussreichste Staatsamt. Und sie hat gewonnen! Da brauchen wir uns vor den Amis nicht zu verstecken!

Tankleader
Tankleader
31. Oktober, 2008 17:25

@Wortvogel: Ok, wie’s bei euch läuft kann ich nicht beurteilen. Ich bin ja nur der Quotenschweizer und wir müssen bzw dürfen für jeden Pups an die Urne.