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Sep 2008

"Hope" heißt Hoffnung (1)

Themen: Film, TV & Presse, Neues |

HopeIch hatte es angedeutet, dann darauf verwiesen, es schließlich auch angekündigt – das Projekt wird sogar in meiner Biographie erwähnt. Und doch: Bisher habe ich mich eher zurückgehalten, was die Infos zum ZDF-Zweiteiler "Hope" angeht, den ich mit meiner Koautorin Katrin Kaiser geschrieben habe.

Der Grund? Ich hatte panische Angst, das Projekt könnte trotz allem noch platzen. Ich wollte nicht prahlen, und dann doch wieder der Depp sein. "Hope" war trotz des Aufwands ein intimes Projekt, das ich nicht durch großes Geschrei prostituieren wollte.

Das wird nun anders. Denn heute war erster Drehtag.

Dank einiger Pressemeldungen könnt ihr die wichtigsten Fakten zum Projekt anderswo nachlesen. Von mir bekommt ihr wie üblich den Einblick in den Entstehungsprozess, und den Blick hinter die Kulissen. Ich werde in den nächsten Wochen sicherlich ein paar Mal die Dreharbeiten besuchen, und euch darüber berichten.

"Hope" ist ein Projekt, das mir viel bedeutet. Weil es wichtig ist. Weil die Geschichte erzählt gehört. Weil es das ist, was ich für "gutes Fernsehen" halte. Weil ich stolz auf das Drehbuch bin. Weil es einen weiteren Schritt für mich als Autor bedeutet. Weil es schwer war. Weil es lange gedauert hat. Weil es mich mehr als einmal an die Grenzen dessen geführt hat, was ich zu leisten in der Lage bin.

szartikelDie Geschichte von "Hope" begann im Herbst 2003 mit dem nebenstehenden Artikel in der Süddeutschen Zeitung. Meine Koautorin hatte ihn gelesen, und als sie zusammen mit ihrer Mutter auf eine Kinovorstellungen wartete, beschloss sie, sich die Zeit in der Ausstellung zu vertreiben. Sie war schnell fasziniert von den Dokumenten über die starke, vor allem aber ungewöhnlich moderne Frau aus dem späten 19. Jahrhundert. Weil Katrin zu dieser Zeit auf meinen Ratschlag hin daran dachte, verstärkt Romane zu schreiben, kam ihr die Idee, "Hope" als Roman umzusetzen. Als wir uns das nächste Mal zu einem Glas Wein in ihrer Wohnung trafen, zeigte sie mir das Material von der Ausstellung, und meinte: "Das wäre doch bestimmt ein guter Stoff für einen historischen Roman, oder?"

Ich blätterte ein wenig, las eine kurze Biographie von Hope Bridges Adams Lehmann, schaute mir ein paar der Fotos an. Ich bin kein Freund historischer Dramen, und die Geschichte der Frauenbewegung aus der Zeit der Suffragetten finde ich enorm staubig. Aber es war unbestreitbar, dass die Biographie von "Hope" vollgepackt war mit magischen Momenten: befreundet mit Clara Zetkin, Bebel und Lenin, Entwicklerin einer TBC-Kur, Autorin eines Standardwerks zur Familiengesundheit, vehemente Verfechterin von Frauenrechten und Abtreibung, permanent angefeindet von den Hebammen-Verbänden und den politisch konservativen Kräften des Kaiserreiches, geschieden mit geteiltem Sorgerecht (damals unerhört!), etc. pp. Und dann hieß diese unglaubliche Frau auch noch Hope!

"Nun?" fragte Katrin ungeduldig. "Das ist doch ein guter Stoff, oder?". Ich legte das Material beiseite, trank noch einen Schluck Weißwein (den mein Magen damals noch vertragen hat), und ließ mir für die Antwort ein paar melodramatische Sekunden Zeit. Dann sagte ich: "Scheiß' auf den Roman – da machen wir erstmal einen Zweiteiler fürs Fernsehen draus. Roman geht hinterher immer noch."

Hope Strasse

Ich war nicht von "Hope" überzeugt – es war mehr: ich habe instinktiv GEWUSST, hier den potentesten Stoff meiner bisherigen Autorenkarriere gefunden zu haben. Das Leben dieser Frau war ein Geschenk für jeden Schreiber. Bei späteren Meetings habe ich das immer so ausgedrückt: "Eine Horde dressierter Affen könnte daraus ein gutes Skript machen – es ist so phantastisch, dass man es praktisch nicht vergeigen kann."

Natürlich findet das Leben Mittel und Wege, auch die tollsten Projekte zu sabotieren, und nicht ohne Grund hat es von diesem Abend bis zum ersten Drehtag fünf Jahre gedauert. Aber ich habe nie die Hoffnung verloren. There’s always Hope.



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Dieter
Dieter
24. September, 2008 01:41

,,Eine Horde dressierter Affen könnte daraus ein gutes Skript machen – es ist so phantastisch, dass man es praktisch nicht vergeigen kann." Ich bin sicher: Es gibt Leute, die können das, es vergeigen.

Bei Dir wird das eine super Sache *schleimschleim*

Echt mal ein Grund für mich ZDF-Mehrteiler und ,,Frauenfilme" zu sehen.

Dieter
Dieter
24. September, 2008 01:41

Ach ja: ERSTER

jippieh

Stony
Stony
24. September, 2008 02:13

Gratulation, dann hat es ja doch noch geklappt!

Wann kann man das Werk in etwa erwarten?
Halbes Jahr, bis die Nachproduktion fertig und er reif für die Ausstrahung ist?

zu-schauer-lich
24. September, 2008 09:40

mmmh…kein EIS, keine DRACHEN, …. keine R A U M S C H I F F E, … keine verulkten Märchenfiguren….Torsten, sei ehrlich, kommst du in die Midlifecrisis?

…nein, spass beiseite, hört sich ja – vor allem laut zdf pressemitteilung – nach nem großen wurf an…
herzlichen glückwunsch

Marko
24. September, 2008 09:47

Nennt mich eine Kulturbanause, aber das klingt mir zu sehr nach … ähm … Kultur. 😀 Sorry …

Gruß,
Marko

coffein
coffein
24. September, 2008 12:03

ZDF? Zweiteiler? Als ich die Pressemitteilung runtergesrollt hab, dachte ich Zeile für Zeile 'oh, noch keine Dreiecksgeschichte', aber dann "Hope, zwischen zwei Männern …" argh! – gibt es eigentlich im ganzen Deutschen Zweiteiler-TV nur diese eine Story zu erzählen – eine Frau zwischen 2 Männern, als Alibi in verschiedene historische Kontexte verpackt? Zwingt das ZDF die Autoren dazu oder werden von vornherein Stoffe ohne Dreiecksgeschichten abgelehnt? Da ist es mir dann auch egal, wenn die Vorlage diesen Storystrang ausnahmsweise vorgibt – ich will den nicht mehr sehen! (Aber ich bin wahrscheinlich auch in keiner Weise die Zielgruppe)

Wortvogel
Wortvogel
24. September, 2008 12:22

@ coffein: In "Pastewka" hat ausgerechnet Til Schweiger den Standard des historischen Zweiteilers sehr schön beschrieben: "Es geht immer um eine Frau zwischen zwei Männern – und einer davon ist Heino Ferch."

Aber ohne Scherz: Zuerst einmal gibt es in dem Sinne keine Dreiecksgeschichte – der Übergang von Teil 1 zu Teil 2 ist halt, dass sich Hope in einen anderen Mann verliebt, und sich scheiden lässt. Das ist nicht der Kern der Geschichte, die wir hier erzählen.

Was aber viel wichtiger ist: ES IST SO GEWESEN! "Hope" ist, im Gegensatz zu "Dresden" oder "Die Luftbrücke", eine wahre Geschichte. Und Hope Adams hat nun mal in ihrer Ehe mit Otto Walther den jungen Carl Lehmann kennen gelernt, und in ihm ihren Seelenverwandten gefunden. Wenn man ihre Briefe aus dieser Zeit liest, ist das romantischer als jede Pilcher-Verfilmung. Die Liebe von Hope und Carl bestimmt den zweiten Teil, und das ist historisch wie dramaturgisch auch richtig so.

Wortvogel
Wortvogel
24. September, 2008 12:30

@ Stony: Gedreht wird voraussichtlich bis 12. Dezember, Ausstrahlung demnach nicht vor Frühjahr 2009. Aber ihr werdet meinen Namen vorher noch zweimal auf dem Bildschirm lesen…

Dr. Acula
24. September, 2008 12:49

@Vogel

"… noch zweimal auf dem Bildschirm lesen…"

Okay, einmal ist bei RTL Explosiv: "Uwe Boll polierte dem Blogger Torsten Dewi wegen des Verrisses von Far Cry die Visage". Und das zweite Mal? 🙂

Wortvogel
Wortvogel
24. September, 2008 12:56

Das zweite Mal wieder bei RTL: "Beim Bier nach dem Kampf lässt sich Uwe Boll von den stringenten Argumenten Torsten Dewis überzeugen, und lässt den junggebliebenen Münchner Autor Bloodrayne 3, Farcry 2, und Crysis schreiben."

OnkelFilmi
24. September, 2008 13:44

Junggebliebener Autor? Kennen wir den? o.O

:p

Mencken
Mencken
24. September, 2008 14:46

Interessantes Projekt und ich wünsche viel Erfolg, bin allerdings was die tatsächliche Person angeht doch deutlich reservierter (da sich viel bereits im nationalen Vergleich relativiert), aber da spricht aus mir natürlich primär der Historiker und hat so gesehen vermutlich nicht viel zu sagen.

Peroy
Peroy
24. September, 2008 14:53

"Das zweite Mal wieder bei RTL: “Beim Bier nach dem Kampf lässt sich Uwe Boll von den stringenten Argumenten Torsten Dewis überzeugen, und lässt den junggebliebenen Münchner Autor Bloodrayne 3, Farcry 2, und Crysis schreiben.”"

Das wäre so wunderschön…

Paddy-o-
Paddy-o-
24. September, 2008 15:40

Oha!

Erst im vorigen Beitrag Dr. Boll für seine überschwenglichen Lobreden auf seine Projekte kritisieren und dann – immerhin nach vorheriger Absicherung – selbst damit loslegen, wie? ^^

Aber da du es ja besser wissen musst, als der gute Dr., kaufen wir DIR immerhin ab, dass da wirklich Herzblut drinsteckt.

Daher wünsche ich dir auch von Herzen, dass das ganze so umgesetzt wird, wie ihr beide euch das vorstellt.
Derart überzeugt wie du anscheinend von dem Material und eurer Arbeit bist, wäre alles andere verständlicherweise eine Katastrophe.

Also: Toi Toi Toi! *aufHolzKlopf*

Erwarte mit Spannung weitere Einblicke.

Wortvogel
Wortvogel
24. September, 2008 16:01

@ Paddy: Es gibt einen signifikanten Unterschied – ich behaupte nicht, "Hope" wird großartig werden. Ich behaupte auch nicht, das Skript sei brillant. Ich sage nur, dass es für mich ein wichtiges Projekt ist, auf das ich sehr stolz bin. Alles andere wird man sehen. Im Gegensatz zu Boll bin ich nicht größenwahnsinnig – ich habe immer noch wahnsinnige Angst, dass irgendwas schief geht, oder dass "Hope" zeitgleich mit der "Brennpunkt"-Sendung zum Attentat auf Präsident Obama läuft…

Dr. Acula
24. September, 2008 16:31

Das sagt er jetzt, aber die für gewöhnlich gut unterrichteten Quellen informieren mich, dass der Vogel schon Platz im Regal für den Bundesfilmpreis gemacht hat… 🙂

Wortvogel
Wortvogel
24. September, 2008 16:34

Dazu stehe ich – WENN der Film so gut wird, wie ich hoffe, DANN ist alles drin 🙂

Rupert
Rupert
24. September, 2008 18:56

Wer ist die Person auf dem Foto?

Wortvogel
Wortvogel
24. September, 2008 18:58

@ Rupert: Erwartungsgemäß Hope Adams Bridges Lehmann – ?!

Stephan
Stephan
24. September, 2008 19:22

Vielleicht macht ihr ja auch eine Serie daraus – "Hope geht in den Wilden Westen". Jane Seymour könnte ja die Hauptrolle spielen. Alberne Idee?

Im Ernst – die Geschichte ist ein Selbstläufer. Es wundert eigentlich nur, daß das noch keiner verwurstet hat. Gratulation zu dem Projekt!

Wortvogel
Wortvogel
24. September, 2008 19:38

@ Stephan: Es gab durchaus schon Versuche in den letzten Jahren, "Hope" zu machen (u.a. – ächz! – als Telenovela). Davon haben wir erst hinterher erfahren. Ausnahmsweise sind wir aber diesmal Erste. Mir sind schon ein halbes Dutzend exzellenter Stoffe zerbröselt, weil sich jemand anders die Rechte gesichert hat…

Stephan
Stephan
24. September, 2008 19:44

@Torsten
Hatte ich erwähnt, daß Gewerblicher Rechtsschutz und Urheberrecht mein Schwerpunkt ist und ich bald Examen schreibe? 😉

Wortvogel
Wortvogel
24. September, 2008 19:53

@ Stephan – hattest du nicht, ist aber sicher sehr interessant. Gerade wenn man Stoffe und Biographien behandeln will, an denen noch Rechte hängen, kommt man schnell in Teufels Küche. Passiert mir durchschnittlich zweimal pro Jahr…

Perry
Perry
24. September, 2008 22:36

"@ Rupert: Erwartungsgemäß Hope Adams Bridges Lehmann – ?!"

Die sieht aus wie ’n Mann.

Wortvogel
Wortvogel
24. September, 2008 22:40

Hope galt (und wurde von vielen Männern so beschrieben) in ihrer Zeit als sehr hübsch und fraulich. Sie sperrte sich nur gegen die Konventionen, was Kleidung und Frisur angeht: sie lehnte Korsetts ab, trug teilweise selbstgeschneiderte Reformkleidung, und ließ die Haare kurz.

Der Geschmack unterliegt halt auch dem Wandel der Zeit.

Stony
Stony
24. September, 2008 22:52

Gut, also noch nen halbes Jährchen warten, zwischendurch hoffentlich positive Berichte von den Dreharbeiten und Daumendrücken, daß euer Script so umgesetzt wird wie gewünscht und nicht zu einem 'Pilcher-film' verkommt…

*pockpock* 🙂

Ach ja, trainier schon mal fleißig für den Fight mit Uwe, nicht das du beim Bierchen danach nicht mehr den Mund aufkriegst, sonst wäre ja Essig mit den stringenten Argumenten… 😀

Tornhill
Tornhill
26. September, 2008 12:16

Gratuliere ich doch gleich mal dazu, dass es losgeht und einen Weg in die "seriöse" Welt bahnen könnte…den du dann natürlich gefälligst dazu benutzt, besagte Seriosität mit Filmen über Tittenraumschiffe zu zerstören.

Wird in jedem Fall interessant, mal einen Film mit "bösen" Hebammen-Verbänden zu sehen. Das gibt’s nun wirklich nicht alle Tage!

Gelacht habe ich jedoch dreckig bei folgendem Übergang:

“’Hope' war trotz des Aufwands ein intimes Projekt, das ich nicht durch großes Geschrei prostituieren wollte.

Das wird nun anders."

Hä hä… 😉

Wortvogel
Wortvogel
26. September, 2008 12:58

Was denkst du denn?! Ab jetzt wird die Sau durchs Dorf getrieben!

Witziges Detail am Rande: Mein Koautor Marc war gestern mit seiner schwangeren Freundin bei der Frauenklinik in der Maistraße hier in München. Alles abgesperrt. Wegen: Dreharbeiten "Hope"!

Peroy
Peroy
28. September, 2008 18:41

Die gute Frau hatte echt ’nen schlimmen Fall von Männerfresse…

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[…] Leben zu schreiben”, schreibt Torsten Dewi am 13. Juni 2007 auf seinem Blog Wortvogel. Am 24. September 2008 geht Torsten Dewi genauer auf die Entstehungsgeschichte zu seinem Roman und dem Drehbuch über […]

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[…] schon an anderer Stelle berichtet (und nie bestritten), sind Katrin Tempel (damals Kaiser) und ich durch eine Ausstellung […]