Sodele, Tag 2 meines brachialen Review-Marathons. Bisher können wir auf jeden Fall schon mal festhalten, dass Nürnberg ein ziemlich idealer Ort für so ein Festival ist: man mag das Cinecittá für ein seelenloses Multiplex halten, aber es hat große Säle mit guter Sicht, sauberer Projektion, und liegt mitten in der Nürnberger Altstadt, umgeben von Restaurants, Geschäften und Hotels. Das passt. Außerdem hat es in der fränkischen Metropole den Doc Acula, mit dem man auch längere Sessions stressfrei durchhält.

Perro Come PerroZu „Dog Eat Dog“ (dem Ersatz für „Trailerpark of Terror“) nur ein paar Worte, weil ein vollständiger Review nicht lohnt: Eine kolumbianische Gangster-Dramedy um Geld, Verrat, und ziemlich siffige Männer in verschwitzten Hemden. Am Ende sind alle tot. Vergleichsweise unterhaltsam, wenn man auf sowas steht, aber als Beitrag beim FFF eigentlich fehl am Platze. Als große Moral nimmt man mit, dass das „Hotel Corso“ in Cali sicher keine 3 Sterne bei Neckermann bekommt. Keine Bewertung.

Ebenfalls an dieser Stelle noch nicht besprechen möchte ich die deutsche Produktion „Virus Undead“. Das hebe ich mir für einen eigenen Artikel auf. Und es dauert ein paar Tage, bis ich von Amazon das „Schimpfwörter-Synomyme“-Buch bekomme…

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MIRRORS

Mirrors PosterUSA 2008. Regie: Alexandre Aja. Darsteller: Kiefer Sutherland, Paula Patton, Jason Flemyng, Amy Smart

Kurz gesagt: Mainstream-Gruselmystery über einen traumatisierten Ex-Cop, der als Wachmann in einem abgebrannten Hotel von Dingen „hinter den Spiegeln“ terrorisiert wird.

Ins Detail: Stoppt mich, wenn ihr die Story kennt: Ein Ex-Alkoholiker, der immer noch mit seiner Sucht kämpft, und Probleme mit seiner Familie hat, nimmt den Job an, ein gigantisches leerstehendes Gebäude zu bewachen, nachdem sein Vorgänger auf bizarre Weise ums Leben gekommen ist. Visionen und seltsame Träume lassen ihn nach und nach an seinem Verstand zweifeln, und auch seine Frau hält ihn schnell für eine unberechenbare Gefahr. Der Schlüssel zu den seltsamen Ereignissen steckt in einer grausamen Tat, die Jahrzehnte zurück liegt.

Willkommen zu „Shining“. Willkommen zu „Mirrors“. Es ist komplett erstaunlich, wie schamlos sich Ajas Film an den King-Klassiker anlehnt, und Kiefer Sutherland ist als „Ben“ der prototypische King-Protagonist: sympathisch, aber gebrochen, auf der Suche nach Erlösung.

Kurioserweise ist „Mirrors“ aber nicht nur eine Variante von „Shining“, sondern auch das Remake eines koreanischen Gruslers namens „Into the mirror“. Das merkt man besonders in der ersten halben Stunde, wenn scheinbar willkürliche „Buh!“-Szenen dem armen Ben Angst einjagen sollen. Hier offenbart Aja, der ja gerade im Suspense-Bereich als kompetent gilt, erstaunliche Schwächen – ich drehte mich irgendwann zu Doc um und fragte: „Das mit der Spannung kommt dann später, oder?“

Mirrors

Wenn der Plot dann tatsächlich in die Puschen kommt, und Ben die Geschichte des Mayberry-Kaufhauses zu recherchieren beginnt, wird es mainstreamiger, und auch deutlich fesselnder. Trotzdem konnte ich mir hier und da ein paar gehässige Gedanken nicht verkneifen, z.B.: Hätte die geheimnisumwobene Patientin statt „Esseker“ z.B. „Smith“ geheissen, wäre die ganze Recherche sicher im Sande verlaufen. Und Paula Patton hat auf ihrer Sed Card sicher die Notiz: „Anheuern, falls Sie sich Halle Berry nicht leisten können.“

Dafür, dass der Film in der ersten Hälfte relativ soft einstartet, legt er kräftig zu: Der Tod von Bens Schwester (Amy Smart – Nackszenen also garantiert) gehört zum fiesesten, was ich seit langem gesehen habe. Und ich komme nicht umhin, die geradezu fetische Fixierung auf Paula Pattons ansehnliche Oberweite zu bemerken.

Technisch und darstellerisch ist „Mirrors“ kompetent, auch wenn das digitale Compositing des abgebrannten Mayberry-Hotels nicht immer perfekt sitzt. Bei einem Budget von 35 Millionen Dollar darf man das aber sowieso erwarten.

Fazit: Sauber produzierter Hollywood-Horror aus bewährten Versatzstücken. Mangels eigener Ideen trotzdem nur 6 von 10 Sternen.

Zweite Meinung: „Actually a marked improvement over the plodding and confusing original“ (TV Guide)

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THE MIDNIGHT MEAT TRAIN

MMT Poster

USA 2008. Regie: Ryuhei Kitamura. Darsteller: Vinnie Jones, Bradley Cooper, Leslie Bibb

Kurz gesagt: Der New Yorker Fotograf Leon stößt auf der Suche nach sensationellen Bildern auf einen korrekt gekleideten Mann, der des nachts in der U-Bahn seine Opfer mit Schlachter-Werkzeugen meuchelt. Der Versuch, den Metzger aus dem Fleischzug zu überführen, führt Leon allerdings weg von seiner Freundin, weg von seiner Karriere, in einen dunklen Tunnel.

Ins Detail: „Der Mitternachts Fleischzug“ ist eine Geschichte aus dem ersten „Buch des Blutes“ von Clive Barker, geschrieben zu einer Zeit, da der Brite tatsächlich noch wusste, wie man mit wenigen Worten unvorstellbaren Terror beschreibt. Immer ein bißchen perverser und subversiver als Stephen King, war Barker tatsächlich der Autor einer neuen Generation, die sich zu oft im sogenannten Splatterpunk verwickelte. Die Story vom desillusionierten New Yorker Leon, der in einer späten U-Bahn dem tumben Fleischer mit dem Metzgerhammer begegnet, trieft förmlich vor Blut, Entfremdung, und Hoffnungslosigkeit. Als Grundlage eines Films taugt sie nur bedingt, weil sie Leon nur einen rudimentären Charakter zuweist, und sich auf eine einzige U-Bahn-Fahrt konzentriert, die sich kaum auf 90 Minuten strecken läßt. Aus diesem Grund musste Drehbuchautor Jeff Buhler die Handlung strecken, ausschmücken, erweitern – Vorgänge, bei denen in den meisten Fällen die Essenz der Vorlage verloren geht. Die Zahl an missratenen Versuchen, Kurzgeschichten zu Langfilmen umzugestalten, ist Legion, auch und besonders bei Stephen King.

MMT

Buhler aber überrascht: Er verzichtet auf allzu grobe Horrorklischees, zeichnet Leon nicht sauber, sondern als widersprüchlichen Charakter, dessen Bezug zur normalen Welt von Anfang an brüchig ist. Seine Freundin ist nicht harmlos-verzweifeltes Opfer, sondern aktive Teilnehmerin an Leons Versuch, die Geheimnisse des Metzgers zu entschlüsseln. Perfekt fängt Regisseur Kitamura die Isolation der Geschichte ein: „The Midnight Meat Train“ spielt in einem hoffnungslosen, müden, verkrusteten New York, voller dunkler Straßen und endloser Tunnel. Sich hier zu verlieren ist einfacher, als den Verstand zu bewahren.

Während Buhler und Kitamura Leon und seine Welt ausbauen, achten sie sorgfältig darauf, dem Metzger „Mahogany“ nicht zuviel Backstory zu geben, und ihn so zu entmystifizieren. Er bleibt eine Chiffre, eine bullige Gestalt von monotoner Grausamkeit. Perfekter als mit Vinnie Jones ist diese Figur wohl kaum zu besetzen.

Und so wird aus der knappen Splatter-Story tatsächlich ein funktionierender Spielfilm mit 85 Minuten Laufzeit. Lediglich das Ende ist bei dieser Länge dann doch zu früh vorhersehbar, und hat einen ungesunden „Twilight Zone Twist“-Beigeschmack.

Umso erstaunlicher, dass Kitamura ausgerechnet bei Sachen patzt, die er als Regisseur von „Versus“ und „Gozilla“-Filmen aus dem Schlaf beherrschen müssten: bei den Actionszenen und den Effekten. Der erste Kill, der uns als monströs-brutal schockieren soll, ist von der CGI so schlecht umgesetzt, dass er einfach nicht wirkt (als perfektes Gegenbeispiel sei auf die Hammerszene in „Misery“ verwiesen). Und wenn ein paar Minuten später Ted Raimi dran glauben muss, ist das ebenfalls so lachhaft albern inszeniert, dass man als Zuschauer nicht geschockt aufschreit, sondern allenfalls amüsiert grinst. Hier hätte ein Minimum an mehr Sorgfalt wirklich geholfen.

Fazit: Trotz einiger Schwächen eine überraschend gelungene Umsetzung der Barker-Kurzgeschichte für die große Leinwand, daher 8 von 10 Sternen.

Andere Meinung: „Director Ryuhei Kitamura (Versus) is a bit weak when it comes to storytelling, but there are few who could so enthusiastically stage a butcher fight amid hanging human carcasses in a subway car“ (LA Weekly)

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TERRA

Terra Poster

USA 2007. Regie: Aristomenis Tsirbas. Sprecher: Evan Rachel Wood, Luke Wilson, Dennis Quaid, Danny Glover, James Garner

Kurz gesagt: CGI-Mär über einen Planet friedliebender Wesen, der von den letzten Menschen überfallen wird, die mit aller Gewalt einen Planeten für den Neuanfang der Spezies terraformen wollen.

Ins Detail:Das Volk der Terranier wird erstmals angegriffen – die Menschen wollen sich den Planeten untertan machen, nachdem sie ihren eigenen (und noch ein paar andere) zerstört haben. Es ist keine Frage der Entscheidung mehr – die Arche der Menschheit ist in katastrophalem Zustand, und wenn Terra nicht terraformt wird, werden die Menschen aussterben. Wenn der Preis für das Überleben die Vernichtung der terranischen Zivilisation ist, dann muss er halt bezahlt werden. Bei einem Angriff auf die terranischen Wolkenstädte stürzt ein Jäger den Menschen ab, an Bord der verletzte Soldat Stanton. Er wird von dem Alien-Mädchen Mala aufgenommen und gepflegt. Beide schließen Freundschaft, und geraten in ein moralisches Dilemma: kann man sich gegen die eigene Spezies stellen, auch wenn das vielleicht deren Vernichtung bedeutet?

Ich wollte den Film nicht sehen, aber Doc Acula hatte ihn eigenmächtig ausgesucht, und die Karten gekauft. CGI-Spielfilme, von denen ich nie gehört habe, sind mir einfach suspekt. Und den Bildern nach roch (nein, stank) „Terra“ nach französischer Kunst-Kacke, esoterischem Bildermüll à la „Kaena“. Und auf sowas kann ich gar nicht.

Terra

Aber weit gefehlt: „Terra“ erzählt eine einfache Geschichte, schnörkellos und einfühlsam, sorgfältig für ein breites Publikum aufbereitet, absolut kindertauglich, und dennoch unterhaltsam genug für Erwachsene. Die Welt der Terranier ist ein beruhigender Traum aus Holz, Pflanzen und permanenter Schwebe, während bei den Menschen die Technik dominiert, die Lautstärke, das Gewicht, Metall. Die sich entwickelnde Freundschaft zwischen Mala und Stanton erinnert an „Enemy Mine – Geliebter Feind“, auch wenn der Preis, um den es hier geht, unendlich höher ist.

Natürlich ist „Terra“ nicht komplexes Erzählkino mit vielen moralischen Grauzonen: gut und böse sind leicht unterscheidbar, und dem Zuschauer wird gar keine Wahl gelassen, als auf der Seite der öko-paxen Terrianer zu stehen. Wenn der Bund für Naturschutz jemals einen Film sponsorn würde – bei „Terra“ wäre er genau richtig. Aber die Penetranz der Botschaft ändert nichts an ihrer Richtigkeit. „Terra“ ist eine Fabel, ein Gleichnis über die Vereinbarkeit des Unvereinbaren, über den möglichen „dritten Weg“ zwischen unmöglichen Alternativen.

Ästethisch macht der Film den Mangel an Details, der die Pixar-Filme auszeichnet, locker durch die Schönheit im Design wett. Es mag nicht der technisch ausgefeilteste CGI-Film aller Zeiten zu sein, einer der phantasievollsten ist er aber allemal. In die Hose gegangen ist nur (wieder mal) die Darstellung der Menschen, die knapp am Realismus von Big Jim-Puppen vorbei schrammt. Bemerkenswert ist auch, dass Regisseur Tsirbas die elegische Ruhe Terras und die spektakulärenn Weltraumschlachten mit gleicher Eleganz und Stilsicherheit durchkomponiert.

Einen Extra-Stern bekommt „Terra“ allein schon für die Tatsache, dass er nicht ironisch, selbst-referenziell, postmodern, sarkastisch, oder augenzwinkernd daherkommt. Es ist straightes Kino, straightes Storytelling. Da bin ich manchmal wirklich dankbar für.

Fazit:Ein bezaubernder, einfacher, unprätentiöser Science Fiction CGI-Film jenseits der Disney-Normen, und deshalb verdiente 8 von 10 Sternen.

Andere Meinung:„While too violent for the youngest kids, the sci-fi invasion story, high-tech wizardry and high-profile vocal cast could make for substantial mainstream traffic“ (Variety)

Morgen geht’s weiter mit „Outlander“, „Hush“, und „Like a Dragon“ „Shuttle“.



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OnkelFilmi

„Ebenfalls an dieser Stelle noch nicht besprechen möchte ich die deutsche Produktion “Virus Undead”. Das hebe ich mir für einen eigenen Artikel auf. Und es dauert ein paar Tage, bis ich von Amazon das “Schimpfwörter-Synomyme”-Buch bekomme…“

Den habe ich wohlweislich ausfallen lassen, mir rollten sich beim Trailer schon die Zehennägel auf…

Auf f3a.net gibt’s mehr zu dieser Abomination: http://f3a.net/viewtopic.php?forum=8&topic=609

Reptile
Reptile

Naja Virus Undead ist ja aber eine Low Budget Produktion. Ich hörte bisher das der Film schon mit den Zombiefilm Produktionen die man bisher so kannte mithalten kann. Da weht halt der Independentfilm Wind.
Bin aber auf die Kritik gespannt.

Tornhill
Tornhill

An „Terra“ irritiert mich irgendwie der Titel – ich meine…als „Perry Rhodan“-Leser sehe ich UNS als Bewohner aller derartig benannten Planeten.
Überrascht bin ich über die positiven Worte zum Kitamura – ich kenne die Geschichte (nicht schlecht, aber auch kein Highlight, mir gefällt vor allem ihr New York-Bashing), hatte aber irgendwie einen Rohrkepierer erwartet.

– Und nach der Ankündigung freue ich mich schon wirklich auf auf das „Virus Undead“-Review. Gnahaharr!

OnkelFilmi

@Reptile

Die Freunde von mir, die sich den Film „gegönnt“ haben, sind der Meinung, daß gegen „Virus Undead“ sogar Andreas Schnaas‘ „Zombie ’90“ gut ist…

Ausserdem: Low-Budget, Schmo-Budget, das verzeiht keinen Dilettantismus. Und der Film ist auf 35mm gedreht, mit professionellem Stunt Team, da steckt schon Geld drin.

OnkelFilmi

Tornhill, das mit „Terra“ spukte mir auch im Kopf herum, als ich in den Film ging. WIR sind die Terraner, und für gemeinhin will man doch „uns Perry“ an den Kragen, und nicht umgekehrt 😉

Und „The Midnight Meat Train“ ist wirklich gut, ich habe dem Film 9/10 gegeben

Reptile
Reptile

Nein, natürlich ist Low Budget kein Freibrief schlechte Filme zu machen. Ich habe Virus Undead ja auch gar nicht gesehen, kann mir also kein Bild machen. Ich kenne das Projekt nur aus einem Bericht der Cinema. Dort klang es recht spannend und ambinioniert. Aber natürlich zählt das Ergebniss.

Marko

„Hier offenbart Aja, der ja gerade im Suspense-Bereich als kompetent gilt, erstaunliche Schwächen …“

Aja gilt als kompetent im Suspense-Bereich? Ich denke eher, dass er kompetent im „In-den-Bauch“-treten ist — die Halsaufschneide-Szene aus „High Tension“, der Wohnwagen-Überfall in „Hügel der blutigen Augen“ und letztlich auch die Badewannen-Szene in „Mirrors“ sind wuchtige Eindrücke, die man nicht so schnell wieder vergisst. Spannend waren Ajas Filme m. E. alle nicht (besonders), aber er hat ein „feines“ Händchen dafür, dem Zuschauer kurzfristig und unerwartet den Atem zu rauben, durchaus im wahrsten Sinne des Wortes. Ich fand „Mirrors“ auch nicht sooo toll, aber die Badewannen-Szene war schon recht fies und wird mir im Gedächtnis bleiben. (Obwohl ich den CGI-Einsatz gerade dort nicht besonders gelungen fand — schade.)

Hendy

Wir haben MIRRORS gerade letzte Woche synchronisiert – bei der berühmt-berüchtigten Badewannen-Szene gab es hier im Synchronstudio so Kalauer zu hören wie: „Sutherland beim Kiefer-Bruch“! 😉

Peroy
Peroy

@Mirrors:

Gerade im rappelvollen Kino (9 Leute insgesamt) gesehen. 6 von 10 für einen Film ohne Drehbuch? Ned schlecht. Ich persönlich hätte ja die 0 gezückt, ich lass‘ mich halt nicht gerne verarschen. „Shining“ hab‘ ich im Gegensatz zum Wortvogel hier nicht entdecken können, eher hangelt man sich an dem konfusen Story-Konstrukt von „The Ring“ entlang, der hat in etwa genausoviel Sinn gemacht. Allerdings war der zwar auch kackschlecht, aber dafür wenigstens noch erkannbar ein Remake, „Mirrors“ hatte mit „Into the Mirror“ nämlich abgesehen von der Grundidee mit den Spiegeln und der Schluss-Pointe GARNICHTS am Hut. Überhaupt, diese Schluss-Pointe: Wie kann man das Ende von einem völlig anderen Film nehmen, den kompletten selbstverzapften Unsinn einfach ignorieren, und den Schluss von „Into the Mirror“ (der dort noch Sinn gemacht hatte) einfach auf seine eigenes Frankenstein-Monster von Story draufpropfen und mit Gusto drauf scheissen, ob das hier noch irgendwie Sinn macht?!? Dann kam’s mir auch so vor, als ob Aja und sein Co-Drehbuchautor alle 15 Minuten die Regeln ihres Machwerks über den Haufen geworfen haben, je nachdem was die gerade stattfindende Szene erfordert. Am Anfang sind es nur die Spiegel im Kaufhaus, dann sind es ALLE Spiegel, dann sind es ALLE Reflektionen (mit gleicher Berechtigung hätte man den Film dann auch „Türknäufe“ oder „Wasserpfützen“ nennen können), dann sind es plötzlich keine Geister mehr sondern so ein schwuler Exorzismus-Dämon, dann schaut man noch kurz bei einer Redneck-Familie vorbei, die ebensogut auch in „Wrong Turn“ passen könnte, dann… nein!

Ich würde ja nichts lieber machen, als ständig und überall ein Loblied auf Alexandre Aja zu trällern, seinen „High Tension“ halte ich für einen der besten Horrorfilme aller Zeiten. Aber schon „The Hills have Eyes“ war bestenfalls suboptimal, mit „Mirrors“ hat er sich völlig ins Abseits manövriert. Der Mann muss entweder aufhören, mit Absicht auf die Regeln des Genres zu scheissen, oder wieder nach Frankreich zurückgehen und mal wieder einen guten Film drehen…

Ach ja, die Kiefer-Szene war nicht wuchtig, die war vergleichbar deplaziert mit den Geist-steigt-aus-Fernseher-Eskapaden der „Ring“-Reihe und hat deshalb den Trash-Faktor 100 intus.

Für mein Geld der schlechteste Film 2008. Blamabel.

Abinlybip
Abinlybip

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Peroy
Peroy

Ja, genau !

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[…] scheint mir in diesem Zusammenhang “Terra“, der dieselbe Idee hatte, aber wenigstens den Mut aufbringt, nicht alles auf den kleinsten […]

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[…] Es gibt aber auch ein paar Indizien, die gegen den Film sprechen: Absichtlich ironisch sein ist eine Kunst, die nur wenige Autoren beherrschen. Und Regisseur Alexandra Aja (der auch für das Drehbuch verantwortlich ist) ist bisher nicht durch schrägen Humor und bissige Satire aufgefallen – “Mirrors” fand ich ja schon allenfalls so lala. […]

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[…] Feet ♣ 36 Pasos ♣ Afro Samurai ♥ Dance of the Dead ♦ Dog eat dog ♥ Hush ♥ Jack Brooks – Monster Slayer ♥ JCVD ♥ Like a Dragon ♥ Midnight Meat […]