21
Jun 2008

iriver-Ärger: Mein MP3-Player kann "Doom"

Themen: Neues |

iriverIch brauche nicht wirklich einen MP3-Player. Ich bin nicht oft unterwegs, und wenn ich tatsächlich vor die Tür gehe, höre ich gerne den Sound der Welt, die mich umgibt. Warum so viele Menschen Interesse daran haben, sich durch Stecker im Ohr von ihrer Umgebung zu isolieren, wird mir immer ein Rätsel bleiben.

Trotzdem habe ich mir vor ca. anderthalb Jahren einen iriver H10 gekauft, weil er mit 99 Euro als Auslaufmodell spottbillig war. Ich dachte mir: 5GB mit Hörspielen und Comedy-Programmen sind genau das, was ich in der Türkei am Pool brauche, um nicht vor Langeweile durchzudrehen. Das war auch ganz prima so. Funktionen wie Radio oder Bildbetrachter habe ich nie benutzt.

Erwartungsgemäß hat das Gerät seither rumgelegen. Ausnahme: Vor einem halben Jahr stieß ich im Netz auf eine Open Source-Firmware namens "Rockbox", die den Player deutlich leistungsfähiger macht. Ob man es glaubt oder nicht – er kann sogar "Doom" spielen! Aber optisch fand ich die Oberfläche wenig ansprechend, und "Doom" wollte ich auf dem Gerät ja gar nicht spielen. Husch husch, zurück in die Schublade.

Nun habe ich mir vor ein paar Monaten ein neues Auto gekauft – den kleinen Toyota Aygo, Sondermodell CKIN2U. Abgesehen von der prima Vollausstattung (Klimaanlage, Zentralverriegelung, CD-Autoradio, Leder/Alcantara-Sitze) brachte der noch ein paar schickschnackige Sachen mit: CK-Parfüm für Sie und Ihn, eine Notebook-Tasche (die sich tatsächlich als ideal für mein Subnotebook herausstellte), und ein 2GB-MP3-Player, der sich über ein Aux-Kabel an das Autoradio anschließen lassen sollte.

Der Player, ein hilfloses chinesisches Plagiat des alten iPod mini, stellte sich augenblicklich als unbrauchbar heraus: Die Tasten klemmten, und das Handling war eine Katastrophe. Diesen Müll stöpselte ich nicht einmal testweise in mein Autoradio. Ich behielt aber die Idee im Kopf, aus meinem iriver H10 eine Musikstation für meinen Wagen zu machen.

Heute abend setzte ich mich ran. Die alte iriver-Firmware war noch drauf, ich musste sie nur wieder richtig benennen, um die Rockbox loszuwerden. Von der Installation der Rockbox-Software wußte ich noch, dass man zum Start-Knopf auch die Select-Taste gedrückt halten muss, damit der H10 als externe Festplatte erkannt wird. Ich löschte die Rockbox-Dateien, schaufelte fleißig Mp3s in das Verzeichnis "Music", und zog dann wieder den Stöppsel. Ergebnis: nix. Das Gerät erkannte zwar die korrekte Firmware, aber die aufgespielte Musik nicht. Auch der Menüpunkt "Datenbank aktualisieren" schuf keine Abhilfe.

Was tun? Die CD mit der Original-Software von iriver hatte ich nicht mehr, Handbuch auch nicht. Nun bin ich kein Programmierer, und ein Tüftler auch nicht. Aber ich bin hartnäckig, und extrem stur. Außerdem glaube ich an die Macht des Internets, wenn es um Lösungen geht. Mein Motto: Jedes Problem, das man haben kann, haben 100 andere auch gehabt. 10 davon haben sich im Internet beschwert, und mindestens 1 hat eine Lösung parat.

Von iriver selbst war keine Hilfe zu erwarten, denn dort hat man nicht einmal mehr die Treiber für den Player vorrätig. Vielen Dank.

Erste Hilfe kam von der Webseite "Safe Manuals", die alte Betriebsanleitung hortet.  Dort wurde ich fündig. Ich stieß erstmals auf Begriffe wie UMS und MTP, die mir aber noch nichts sagten. Eine Google-Suche brachte mich darauf, dass MTP ein Modus für Musikplayer ist, mit dem sie sich am PC anmelden – und der bedeutet, dass sie nur über den Windows Mediaplayer oder hauseigene proprietäre Software mit Inhalten zu befüllen sind. Schöne Scheiße, das war mir erheblich zu kompliziert. Ich lernte auch, dass ich durch die On/Select-Kombination den MTP-Modus schon umgangen hatte – nur so konnte man MP3-Dateien überhaupt per drag&drop in den Pfad "Music" schaufeln.

Nun kam ich der Sache schon näher: Wie es aussah, ist die Firmware darauf geeicht, nur Musik anzuerkennen, die im MTP-Modus quasi "offiziell" aufgespielt wurde. Kein Wunder, dass er meine von Hand übertragenen Songs nicht erkannte! Ich fand es aber auch ein wenig skandalös, dass iriver hier so restriktiv vorging. Es stellte sich heraus, dass es einen Workaround für das Problem gibt: Statt über den Menüpunkt "Musik" muss man auf dem Player über "Browser" die Dateien von Hand auswählen. Das wiederum war mir erheblich zu unkomfortabel.

Ich stellte mich auf den Standpunkt, dass die Open Source-Geeks nie im Leben so eine bescheuerte Handhabung des Players durchgehen lassen konnten, zumal das alles sicher nicht Linux-kompatibel war. Also googelte ich noch ein wenig weiter, und stieß auf eine Software, die mir schon vom Namen her sympathisch war: easyH10. Und siehe da: Genau DAS hatte ich gesucht! easyH10 ist ein kleines Tool, das die auf den Player geschaufelten MP3 nachträglich mit einer für den H10 lesbaren Datenbank versieht. Das geht sehr fix, und völlig problemlos.

Dank easyH10 kann ich nun meinen iriver H10 mit der hauseigenen Firmware nutzen, ohne bei der Befüllung auf die proprietäre Software (oder gar Windows Mediaplayer 10) angewiesen zu sein. So und nicht anders hatte ich mir das vorgestellt, und der erste Hörtest eben im Auto hat gezeigt: es ist eine dufte Sache.

Wieder einmal zeigt sich: wer aufgibt, verliert.

Schreibe ich das, weil ich so furchtbar stolz auf mich bin, weil der Mensch mal wieder über die Maschine gesiegt hat? Teilweise. Hauptsächlich schreibe ich das aber, weil ich finde, DASS SO EIN SCHEISS ERST GAR NICHT VORKOMMEN DÜRFTE!! Was soll der Müll? So ein Drama kann man doch keinem Normaluser zumuten! Wo bleibt da die Bedienungsfreundlichkeit? Warum steht nicht im Handbuch, dass MTP den UMS-Modus blockiert? Wieso sind die Unterlagen und Downloads eines zwei Jahren alten Players nicht mehr auf der iriver-Webseite?

Man kann das auch so ausdrücken:
http://www.youtube.com/watch?v=xTorchdVl5c

Mit Computer-Usern kann man es ja machen. Ein schönes Beispiel, dass es auch anders geht, ist mein flammneues Navi, ein Medion GoPal. Weil der Hersteller korrekterweise davon ausgeht, dass die meisten Autobesitzer keine PC-Cracks sind, und das Gerät womöglich während der Fahrt handhaben, ist es wirklich idiotensicher zu bedienen. Mit der selbsterklärenden Oberfläche kam sogar mein Stiefvater zurecht, und der fasst sowas sonst nicht mit der Kneifzange an. Testweise habe ich mal die zugehörige Software an meinem PC installiert, um das Kartenmaterial zu sichten. Schau an, auch hier dominiert das Prinzip "Gucken, klicken, fertig".

Kann/sollte das nicht immer so sein?

Aber saucool is' schon: Mein MP3-Player kann "Doom"…



Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
40 Comments
Oldest
Newest
Inline Feedbacks
View all comments
Jörg
Jörg
21. Juni, 2008 01:08

Hi Wortvogel,

Das klingt ja fast wie Pigor:
http://de.youtube.com/watch?v=xTorchdVl5c

Wortvogel
Wortvogel
21. Juni, 2008 01:26

Super, danke für den Tipp – ist in den Text eingebaut!

Achim
Achim
21. Juni, 2008 01:56

Das hast du toll gemacht, ich hätte das Gerät weggelegt, in der Annahme, ich könnte es ja irgendwann bei Ebay reinstellen, was ich übrigens auch nie mache, habe noch nen Prima Kühler für nen Sockel 939 Prozessor, den mir ein Freund mitgab in der Annahme, ich würde den versteigern, ich kaufe höchstens bei Ebay.

Und das Video ist mit über 9 Minuten viel zu lang für meine Aufmerksamkeitsspanne, die ich für Youtube-Videos aufbringen kann, der Anfang ist aber mal nicht schlecht.

the Geek
21. Juni, 2008 03:22

Kann ich alles leider sehr gut nachvollziehen.
Für meinen zwei Jahre alten DVB-T Stick von Pinnacle konnte ich bei meinem Vista Umstieg weder Vista-Treiber noch Handbuch oder anderes auftreiben. Als hätte es meinen DVB-T-Stick nie gegeben.

Vor meinem MP3-Player hatte ich einen Sony Minidisc-Gerät und das lies sich auch nur über die mitgebrachte Software oder alternativ über ein Plugin mit dem Real Player befüllen.

Für Apple iPod Benutzer dürfte diese Situation immer noch zur Standard-Erfahrung gehören, schliesslich ist man da auch an iTunes gebunden oder hackt das Ding.

Jens
21. Juni, 2008 10:36

@Wortvogel: Wow, Du bist der erste Mensch, den ich kenne, der gute Erfahrungen mit einem Medion-Produkt gemacht hat. (Wobei ich die gar nicht in Zweifel ziehen will – ich hab' einfach persönlich und in meinem Bekanntenkreis bisher immer nur eher schlechte Eindrücke von ihren Geräten gehabt.)

@the Geek: Mit dem iPod ist das so ne Sache – zumindest auf dem Mac stört mich die Bindung an iTunes überhaupt nicht: Es ist einfach zu bedienen, läuft ordentlich und hat neben dem einfachen Dateien übertragen noch AppleScript-Unterstützung und all die coolen Möglichkeiten mit Smart Playlists und Ähnlichem. Ich hab' mir da inzwischen ein hübsch komplexes Setup aus Skripten für meine private "intelligente Radiostation" gebastelt, das ohne iTunes als Kern deutlich schwerer zu realisieren gewesen wäre. Und ob ich ein Lied, um es manuell auf den iPod zu übertragen, von einem Systemfenster ins andere ziehe oder von einem iTunes-Fenster ins andere, ist mir reichlich wurscht – Hauptsache die Sachen landen schnell und einfach da, wo sie hin sollen.

Über iTunes unter Windows hab' ich allerdings schon eine Menge Böses gehört. Ich hab' zwar selber nur OS X und Linux, aber da Apple sich bei Windows-Software selten mit Ruhm bekleckert hat, kann ich mir schon vorstellen, dass es da an einigen Ecken hakt.

Wortvogel
Wortvogel
21. Juni, 2008 11:32

@ Jens: Ich habe über die Jahre viele gute Medion-Produkte gehabt, z.B. diverse Notebooks. Auch der Service war immer top. Schlimmer war da eher Gericom (u.a. bei Lidl). Und das GoPal ist ja ein Markenprodukt, dem Medion nur den Aufkleber draufgepappt hat.

Niemand bestreitet, dass iTunes eine ausgefuchste und einfach zu bedienende Software ist – ihr Erfolg liegt ja gerade darin begründet, dass sie den Online-Kauf und die Nutzung von Musik auch für Normalbürger (= Frauen) möglich gemacht hat, die sonst vor sowas zurückschrecken. Schaut man sich aber die Restriktionen an, und die DRM-Beschränkungen, dann ist das ein massiv zweischneidiges Schwert. Allein aus Gründen der Zukunftssicherheit erwarte ich eigentlich, dass sich Musik ohne Rechtemanagement und proprietäre Software beliebig hin- und herschieben lässt. Darum habe ich auch keine Skrupel, online gekaufte Musik durch Tunebite zu ziehen, damit die Beschränkungen weg sind.

Und das oben genannte Drama hätte es ja auch nicht gegeben, wenn die Firmware von iriver nicht so pedantisch wäre.

LeiliaYlang
LeiliaYlang
21. Juni, 2008 11:35

@Jens

Nein, Apple in Verbindung mit Windows ist wirklich nicht das Gelbe vom Ei, ich hatte mal einen Ipod den ich mir zum 17ten gewünscht habe. 1 Jahr lang ohne Zicken getan(Zufall das dann die Garantie von Apple erlischt?). Dann fing es an, erst erkannte mein Hauptrechner, mit dem ich bisher immer die Lieder raufspielte, den Ipod nicht mehr, 2 Monate später das gleiche mit meinem Laptop. Und wieder nen Monat später(ich war dazu übergegangen den Rechner meines Bruder zu belegen) erkannten zwar alle Rechner den Ipod wieder, es war aber unmöglich Musik aufzuspielen. Im Apple-Laden haben sie es auch nicht hingekriegt und beim Kundenservice sagten sie das ich das Ding länger als ein Jahr habe und mich somit dieser Fehler 300€ kosten würde.
Fast der Kaufpreis!!
Zum Glück damals über Amazon gekauft und die haben ohne Zicken das Gerät zurückgenommen und mir den gesamten Kaufpreis erstattet.

Meinem Onkel ging es mit seinem Ipod übrigens ähnlich wie mir. Jetzt hab ich seit fast 3 Jahren einen GoGear von Philips und das Teil hat mich noch nicht einmal entäuscht.

Wortvogel
Wortvogel
21. Juni, 2008 11:40

Aber hier scheint doch das Problem wieder mal nicht die Kombination iPod/Windows gewesen zu sein, sondern das albern restriktive Rechtemanagement von Apple. DRM geht gar nicht, weil es gerade die braven Käufer an die Kette legt – und die Branche merkt es ja auch langsam.

LeiliaYlang
LeiliaYlang
21. Juni, 2008 11:42

War es in diesem Fall nicht, weil ich keinerlei Musik über Itunes oder vergleichbares gekauft habe. Die Musik stammt ausschließlich von meinen eingelesenen CDs.

Wortvogel
Wortvogel
21. Juni, 2008 11:49

Dann liegt das Problem beim Gerät (welches du ja auch umgetauscht hast). Apple scheint sehr großes Interesse zu haben, dass seine Hard- und Software nur in direkter Kombination die beste User Experience bietet. Bei DRM-freier Musik KANN Windows ja eigentlich nicht zicken, weil es für das System nicht mehr und nicht weniger als eine Datei ist, und der Player eine Festplatte.

Jens
21. Juni, 2008 12:34

@Wortvogel: Man kann den iPod wunderbar nutzen, ohne sich mit DRM abgeben zu müssen – zwingt einen ja niemand, bei iTunes einzukaufen. (Und selbst da gibt’s immer mehr DRM-freie Musik – es liegt alleine im Ermessen der Plattenlabels, ob sie ihre Musik mit oder ohne DRM anbieten.)

Man kann Apple eine Menge vorwerfen, und ich gehöre auch nicht zu den Fanatikern, die Leute anhand der Technik, die sie nutzen beurteilen oder glauben, Macs oder iPods seien überall und immer viel toller als alles andere. Aber in Sachen Musik-DRM war Apple tatsächlich eine der ersten großen Firmen, die Kundeninteressen gegenüber der Musikindustrie vertreten haben. (Siehe auch hier: http://www.apple.com/hotnews/thoughtsonmusic/ )

Wortvogel
Wortvogel
21. Juni, 2008 13:14

Alles gut und schön (und Microsoft ist ja deutlich schlimmer, was DRM angeht), aber es bleibt doch dabei, dass Apple seine Player an seine Software iTunes klinkt. Damit schafft man ein geschütztes, aber auch limitiertes Environment. Und das kann ich nicht akzeptieren. Offene Standards sind gerade bei Dateien, die vielleicht auch noch in zehn Jahren gebraucht werden, unabdingbar. Es gibt ja Beispiele genug, u.a. von Apple selbst – hast du schon mal probiert, einen alten Quicktime 2-Videoclip mit Quicktime 7 zu öffnen? Böse Überraschung. Und Microsoft Office unterstützt auch nicht mehr alle alten Varianten des eigenen Dokumentformats. Und weil alles proprietär ist, wird es extrem schwierig und rechtlich knifflig für Programmierer, da Open Source-Alternativen anzubieten.

Markus
Markus
21. Juni, 2008 13:30

AAAAAAAAHHHHHHHHHH!!!!!!!!!

Was hat denn iTunes mit DRM zu tun?
Antwort: Nichts!

Über den iTunes "Store" kann man Musik und Filme kaufen, muss man aber nicht. Dort gibt es Musik mit DRM (und zunehmend auch ohne).

Die iTunes Applikation selbst ist aber zuerst einmal ein Jukebox Programm mit CD-Brenner (Werbespruch in den Neunzigern: Rip-Mix-Burn). Apple hat im Lauf der Jahre viel Schnickschnack hinzugefügt, die Software ist ja praktisch ihr einziger Battlestar Galactica in der feindlichen Cylonenwindowswelt und so wandelte es sich zum Musik/Videoverwaltungstool mit Podcast-Funktionalität und dient zum Betanken von iPods und Synchronisations-Tool von iTelefonen.

Trotzdem finde ich iTunes als bloße Jukebox sehr gut. Die überflüssigen Funktionen kommen einen nicht in den Weg, selbst mit zigzehntausend Files kommt die Library zurecht und Cover Flow ist schon sehr, sehr nice. Selbst wenn man iTunes aber nicht mag, hat es nichts mit DRM zu tun, auf meinem alten iPod mini sind zum Beispiel nur selbst gerippte MP3/AAC Dateien.

> Hauptsächlich schreibe ich das aber, weil ich finde,
> DASS SO EIN SCHEISS ERST GAR NICHT VORKOMMEN
> DÜRFTE!!

Tja. Sorry. Ich könnte jetzt auch über meine überkomplizierte Fernbedienung fluchen oder über Schuhe die nur einen Sommer halten.

Gerade die Wunder der Informationstechnologie sind ja immer Cutting Edge und hastig auf den Markt geworfen, immer balancierend zwischen Bug-verseuchter Frickelei oder billigen kalten Lötstellen. Und Support ist teuer. Und schwierig Es ist ja nicht nur damit getan ein paar PDF-Bedienungsanleitungen online zu stellen, die gehen im Lauf der Zeit durch Site-Redesigns so sicher verloren wie antike Papyrusrollen bei der Plünderung durch Wikinger, sondern da hängt bei richtigen Unternehmen eine ganze betriebsinterne Institution hintendran.

Achim
Achim
21. Juni, 2008 13:36

@Jens und Wortvogel:
Ein Freund (der selbe wie mit dem Kühler) hat nen frühen iPod Shuffle, den versuchte ich einmal unter Windows mit Musik zu beladen, also ich habs nicht geschafft, ein Fenster, das das vom iPod gewesen sein soll, habe ich nicht erkannt, vielleicht war eines da, aber ich wäre nie auf die Idee gekommen, die Dateien einfach per Drag and Drop zu kopieren, auf diese Idee kam ich gar nicht.

@Jens:
Ich beurteile dich durchaus über deine Apple-Produkte, aber hier schreibe ich das nicht, der Wortvogel will vermutlich keine Beleidigungen in den Kommentaren.

@Wortvogel:
Ich würde auch nie versuchen, Quicktime2-Dateien mit Quikcktime7 abzuspielen, Apple-Software kommt mir nicht auf den Rechner, basta!

Wortvogel
Wortvogel
21. Juni, 2008 13:43

@ Markus: Wie oben ausgeführt sehe ich das DRM-Problem nicht nur bei Apple, und die Probleme hauptsächlich in der zwanghaften Verbindung von Hardware und Software bei iPod/iTunes.

Doch, es wäre tatsächlich so einfach: Companies müssen zwar keinen aktualisierten Support anbieten, aber ich kann verdammt nochmal erwarten, dass sie ein paar MB Platz bereitstellen, um auf ihren Webseiten alte Handbücher und Treiber zu hosten. Dafür ist das Internet (u.a. – siehe Pornographie) da. Und wenn man das Zeug partout loswerden will, dann soll man es gefälligst gemeinnützigen Seiten spenden, die dann diese Aufgabe übernehmen.

Wake up and smell the coffee – es geht hier nur darum, Besitzer älterer Geräte zum Update zu zwingen. Das ist bei Handys nicht anders.

Markus
Markus
21. Juni, 2008 14:06

Nachtrag:
Apples Quicktime-Format (diese .mov oder .qt Dateien) ist nur ein Container-Format. Also Spurdaten und hierarchische Gliederung (z.b. Kapitelmarker) und Synchronisation für Streaming. Wenn man ein Quicktime mal abspielt merkt zum Beispiel, dass man genauer den Abspielzeiger setzen oder den Film sogar rückwärts abspielen kann, anders als bei einem Youtube Flashfilmchen oder .avi.

Das Containerformat hat aber wenig mit der Kodierung der Videodaten selbst zu tun! Manche Windowsler kennen das vielleicht von .Avi Dateien: man stolpert dort zwangsläufig über welche die obskure Codecs benötigen bevor man sie abspielen kann.

Und Apple setzt anders als Microsoft konsequent auf zertifizierte Standards für die "Rohdaten":
AAC für komprimierte Audiofiles ist ISO-Standard. Im Finder gepackte Dateien sind .zip (offenes Format). Screenshots sind PNG. PDF ist Systembestandteil. Wenn ich heute mit Quicktime ein Video kodiere (ich rede nicht von den frühen Neunzigern, da war alles Pionierleistung), dann wird das mit dem iso/iec standardisierten Codec h.264 erstellt. Ein mit Quicktime 7 erstelltes Video wird deshalb auch mit Quicktime 15 abgespielt werden können.

Jens
21. Juni, 2008 14:21

@Achim: Dir genügen wirklich solche Kleinigkeiten wie die Frage, bei welchem Konzern eine Dir vollkommen unbekannte Person ihre Technik kauft, um die Nähe von potentiell sanktionierungswürdigen Beleidigungen zu kommen?

Wortvogel
Wortvogel
21. Juni, 2008 14:33

@ Markus: Das ist doch hier nicht Thema. Fakt ist: Quicktime 2 ist schon nicht kompatibel zu Quicktime 7. Und ob Holo-Quicktime 15 Quicktime 7 abspielen wird, muss sich noch zeigen. Ich halte mich an den Ist-Zustand, und bei dem sehen alle großen Firmen nicht sehr gut aus…

Markus
Markus
21. Juni, 2008 14:40

Nachtrag 2 (ich tippe einfach zu langsam):

Hardware/Software als einheitliche Lösung finde ich nicht verwerflich solange es _gut_ gemacht ist.[1]

Welchen Vorteil diese Vorgehensweise hat sieht man bei Konsolen, die Elektronik gewordene Antithese zum offenen PC. Vom allmächtigen Hersteller gottgleich kontrolliert, die Dritthersteller drakonisch abgezockt und in der Nutzungsweise beschränkt, aber das was eine Wii oder PS3 machen, das machen sie verdammt gut! Technik nicht als eierlegende Wollmilchsau, sondern als Appliance.

[1] Gut designed und es Hintertürchen[2] gibt. So gibt es durchaus genug Drittsoftware zum iPod betanken. Allerdings: Wenn man sich mal das iPhone ansieht, mit Kalender-Sync zwischen Microsoft Outlook und Apple Mail und so weiter, dann merkt man erst welchen langen Plan Apple mit iTunes (und der Akzeptanz der Kunden) verfolgt hat. Wenn man ein Telefon nicht selbst zu einem komplizierten Computer will, braucht man ein Frontend zur Verwaltung.

[2] Die Entscheidung zwischen Computer XYZ oder Apple birgt doch kein lebenslanges Lock-in mehr. Das ist Denke aus dem alten Jahrtausend. Was man sich lieber fragen sollte, ist, wie man seine Fotos von Flickr nach Photobucket bringt, ohne alle Kommentare zu verlieren (Ha!), wie man die vielen aberhunderten Googlemail-Mails sichert, wenn man woandershin wechselt, oder ob man es riskiert viel Mühe in ein Profil und Netzwerk bei MeinVZ zu investieren, wenn dann doch Facebook groß in Deutschland rauskommt oder etwas ganz anderes das nächste Ding wird. Deshalb ist OpenSource auch bedeutungslos oder zumindest nicht so wichtig wie die GNU Leute sich nehmen. Die Programme der Zukunft werden online sein.

Markus
Markus
21. Juni, 2008 14:43

Ha! Welche tags gehen denn hier?

Bold
Italic
Bold italic
Small
Big
Emphasis
Strong

Wortvogel
Wortvogel
21. Juni, 2008 14:47

@ Markus: Wir werden da sicher nie zusammen kommen, weil ich deine Argumentationsketten für kurzsichtig halte. Eine Anbindung von Daten an Hardware ist desaströs, denn Hardware altert, und wird obsolet. Meine Geburtsurkunde z.B. wird aber niemals obsolet, auch nach 80 Jahren nicht. JEDES System muss sicherstellen, dass seine Daten auch nach seinem Produktzyklus verfügbar bleiben.

Der Vergleich mit den Konsolen ist Unfug, denn Konsolen speichern keine Texte, keine Bilder, keine persönlichen Musik/Film-Sammlungen. Wenn ich meine Wii eines Tages zum Wertstoffhof bringe, sind damit keine relevanten Daten aus meinem Leben verloren. Bei meinem Notebook ist das was anderes.

Apple mit dem Hinweis auf Drittsoftware zu entlasten ist blanker Hohn, denn Apple tut ALLES, um diese Drittsoftware zu sabotieren. Das kann man gerade auch bei dem iPhone perfekt beobachten.

Alle großen Systeme, von Microsoft bis Apple, müssen ihre Dateiformate offenlegen, und freigeben. Nur dann ist zumindest die Möglichkeit geschaffen, Daten von einer digitalen Generation in die nächste zu tragen.

Und wieso sollte Online-Software nicht ebenso die Unterscheidung zwischen Kommerzprodukt und Open Source kennen?!

Nomad
Nomad
21. Juni, 2008 15:21

@Wortvogel
You’re barking up the wrong tree.
Für den DRM-Einsatz im iTunes Music Store darfst Du Dich bei der Musikindustrie bedanken, nicht bei Apple. Apple verkauft durchaus auch DRM-freie Musik.

"DRM geht gar nicht, weil es gerade die braven Käufer an die Kette legt – und die Branche merkt es ja auch langsam."

Es legt nicht nur den braven Käufer an die Kette, sondern auch die Branche selbst.
DRM-geschützte Musik läßt sich an iPod-Nutzer ausschließlich über Apple verkaufen, da Apple das hauseigene DRM-System nie an Dritte lizensiert hat und der iPod keine anderen DRM-Systeme unterstützt (abgesehen vom Audible-Format).

Wortvogel
Wortvogel
21. Juni, 2008 15:28

Das Thema DRM und Industrie wurde weiter oben schon behandelt.

"da Apple das hauseigene DRM-System nie an Dritte lizensiert hat und der iPod keine anderen DRM-Systeme unterstützt" – eben. Vielen Dank dafür.

Jens
21. Juni, 2008 16:33

Vielleicht rührt die Verwirrung daher, dass hier "DRM" für zwei verschiedene Praktiken verwendet wird:

1) Kopier- und Abspielschutz für Dateien, der potentiell dafür sorgen kann, dass ich einmal gekaufte Dateien später nicht mehr abspielen kann. Das ist ein Modell, das derzeit bei Musik zum Glück industrieweit auf dem Rückzug ist. (Einzige legitime Anwendung, die ich dafür sehen könnte, sind Abo-Dienste a la Napster oder Online-Videovermietung – wenn ich was kaufe, will ich damit tun können, was ich will) Bei Programmen ist es hingegen sehr lebendig – siehe so ziemlich jedes Spiel, iPhone-Programme, Downloads aus den Online-Läden aller aktuellen Spielkonsolen, etc. Mal gucken, ob es sich da auf Dauer durchsetzen kann.

2) Bindung von Hardware an Software, wie im iPod-iTunes-Fall: Ich kann iPods nur mit iTunes verwenden, und ich kann iTunes mit keinem anderen MP3-Player als einem iPod verwenden. Das ist im klassischen Sinne kein DRM, schließlich erlaubt iTunes auch die Verwaltung DRM-freier Dateien und ich kann die Musik, die ich in iTunes habe (so sie nicht DRM im Sinne von Nr. 1 besitzt), jederzeit in anderen Programmen und auf nicht-iPods verwenden. (AAC ohne DRM ist ein offener Standard und wird inzwischen von vielen Playern unterstützt.) So gesehen ist es einzig und allein eine Einschränkung, wie man die Daten auf das Gerät bekommt. Die kann einen nerven oder nicht, je nachdem wie weit sie einem im Weg ist (z.B. als Linux-Nutzer), sie hat aber erst einmal nichts mit DRM im Sinne von Nr. 1 zu tun, denn sie beeinflusst nicht die "Zukunftssicherheit" der Daten: Die liegen weiter unverschlüsselt auf der Festplatte.

P.S.: Sony lieferte seinerzeit ein Beispiel, was passiert, wenn man versucht, den Leuten ein Dateiformat aufzuzwingen. Seine alten Player unterstützen nur Sonys ATRAC-Dateien und zwangen Anwender, alles in dieses Format zu konvertieren. Resultat: Ein kapitaler Flop – trotz "Walkman"-Markennamen.

Wortvogel
Wortvogel
21. Juni, 2008 16:44

"Ich kann iPods nur mit iTunes verwenden, und ich kann iTunes mit keinem anderen MP3-Player als einem iPod verwenden" – und das ist in meinen Augen kundenfeindlich und kurzsichtig.

Atrac war in der Tat eine bescheuerte Idee – genau wie die Versuche, JPG und MP3 durch verbesserte Formate zu ersetzen (z.B. JPG2000 und MP3pro). Wenn sich ein Format milliardenfach durchgesetzt hat, und von einer breiten Hardware-Basis unterstützt wird, dann ist es praktisch unmöglich, daran zu frickeln. Mag ja sein, dass MP3pro bei nur halber Dateigröße 20 Prozent besser klingt als MP3: Was nützt mir das, wenn weder mein Autoradio noch meine Stereoanlage was damit anfangen können? Hier wird auch wieder die Frage gestellt, wie gut "gut genug" ist (hatten wir schon mal). Der Normaluser ist mit der Quali von Volksformaten wie MP3 und JPG völlig zufrieden, die Qualitätssteigerung bringt keine direkt erkennbaren Vorteile, die auch nur einen Bruchteil der Nachteile aufwiegen würden. Es gibt Standards – und es gibt de facto Standards. Nur wenn Industrie und Politik sich einig sind, einen neuen Standard gegen den Willen der Nutzer zu erzwingen, kann das funktionieren (HDTV, BlueRay, Breitbild).

Markus
Markus
21. Juni, 2008 18:39

Open Source oder Free Software hat erstmal nichts mit Kommerz/Antikommerz zu tun.

OS verunmöglicht zwar gewisse Geschäftsmodelle, so wird der traditionelle Verkauf von Software zum Beispiel durch Spenden ersetzt, aber das ist nur Wirkung, kein Ziel. Alle großen und kleinen Internetfirmen setzen auf Open Source auf. Ebenso Apple. Oder IBM.

Nochmal zwei Schritte zurück, denn anscheinend habe ich mich unklar ausgedrückt. Was ich eigentlich sagen wollte:
Apple ist eine kleine Firma. 5% Marktanteil! Das ist eine kleine Nische in einer großen Welt. Um zu Überleben lernte Apple flexibel zu sein, undogmatische Kompromisse einzugehen und Standards für sich zu nutzen. Der Vorwurf von wegen Datenkrake und DRM geht da vollkommen ins Leere.

> Apple tut ALLES, um diese Drittsoftware zu sabotieren
> Das kann man gerade auch bei dem iPhone perfekt
> beobachten.

Jein. Das ist zuerst mal falsch. Apple supported nur Dritte nicht, sie versuchen aber nicht aktiv etwas zu verhindern. Das Ergebnis mag manchmal gleich erscheinen, der Teufel und böse Absicht liegen aber im Detail.

Beispiel iPhone:
Apple hat ja Exklusivverträge mit Mobilfunkfirmen geschlossen, nur in deren Netzen sollen iPhones laufen dürfen. Tatsächlich wurden aber 20% aller bisher verkauften iPhones gehackt und werden bei ganz anderen Providern genutzt. Wenn es Apples Intention wäre wirklich _alles_ zu tun, um dies zu verhindern, würden sie einen verdammt schlechten Job hinlegen.

Was passiert hier? Apple legt die Provider aufs Kreuz, so wie sie es vorher bei der Musikindustrie geschafft haben.

Es stimmt aber, dass das iPhone eine Abkehr vom bisherigen PC System ist. Das muss aber keine schlechte Entwicklung sein.
– Der (alte) iPod war ein Satelliten-Device, er umkreist den heimischen Computer mit iTunes wie ein Tie-Fighter das Mutterschiff. Bei jedem Anschluss fürs Stromaufladen wird dann automatisch mit Musik/Podcasts/Videos betankt. Der Vorteil zum manuellen Zugriff per Dateibrowser mag nicht sofort ersichtlich sein, aber das Konzept ist bequem, konnte so kein anderer bieten und war irrsinnig erfolgreich.

– Das iPhone ist jetzt eine Erweiterung davon. Es ist immer noch auf einen persönlichen Computer angewiesen. Dort werden alle Daten und Einstellungen als Backup gespeichert, die Software aktualisiert und das Gerät verwaltet. Seinen Inhalt, den Sinn und Zweck seines Daseins, bekommt es aber auf magische Weise durch diese unendlich große Wolke namens Internet. Wenn ich das Gerät verliere, sind dann all meine eMails weg? Nein, sie sind noch bei Googlemail und auf dem Computer. Sind meine Fotos weg? Nein, sie sind bei Flickr und auf meinem Computer. Ist das Wortvogel-Blog weg? Nein, hier ist es ja.

Wird man das Gerät 10 Jahre in der Schublade vergisst und dann wieder anschaltet, wird es dann immer noch so nützlich sein? Vielleicht so nützlich wie Netscape 3.0 heute wäre.

Wortvogel
Wortvogel
21. Juni, 2008 18:59

Ich glaube, das geht jetzt arg weit vom Thema weg – ob der Datenerhalt durch Internet-Speicherung einfacher wird, ist zumindest fragwürdig. Es umgeht außerdem nur das Format-Problem: Was nutzt mir eine online gespeicherte Datei im MP3-Format in einer Welt, die keine MP3-Formate mehr zu lesen weiß?

Apple ist eine KLEINE Firma? Allenfalls in dem Sinne, in dem die Deutsche Bank eine KLEINE Bank ist, weil die Bank of America dreimal soviel Kernkapital hat. Ich zitiere mal den QUARTALS-Bericht von Apple:
"CUPERTINO, Kalifornien – 23. April 2008 – Apple (Nasdaq: AAPL) hat heute die Ergebnisse des zweiten Quartals im Geschäftsjahr 2008, das am 29. März 2008 endete, bekannt gegeben. Im zurückliegenden Quartal erzielte Apple einen Umsatz von 7,51 Milliarden US-Dollar sowie einen Netto-Gewinn von 1,05 Milliarden US-Dollar bzw. 1,16 US-Dollar pro Aktie. Im Vorjahresquartal wurde ein Umsatz von 5,26 Milliarden US-Dollar bzw. ein Netto-Gewinn von 770 Millionen US-Dollar oder 0,87 US-Dollar pro Aktie erzielt. Die Bruttogewinnspanne lag bei 32,9 Prozent, verglichen zu 35,1 Prozent im Vorjahresquartal. Der Nicht-US-Anteil am Umsatz betrug in diesem Quartal 44 Prozent."

Apple immer noch den Status des flexiblen Underdogs zuzusprechen ist weltfremd.

Jens
21. Juni, 2008 19:09

Kundenfeindlich ist das bestimmt – wenn die potentiellen Kunden etwas anderes als Macs oder Windows nutzen, aus irgendwelchen Gründen die Musikdateien direkt auf den Player speichern wollen oder auf ihrem Rechner kein iTunes installieren wollen, dürfen oder können, sind sie außen vor. Aber kurzsichtig?

Ernst gemeine Frage: Inwiefern wäre meine (komplett DRM-freie und in offenen Standards codierte) Musiksammlung zukunftstauglicher untergebracht, wenn ich die Lieder manuell auf MP3-Player XY ziehen würde statt sie über iTunes auf den iPod zu synchronisieren?

Okay, wenn ich ausschließlich auf Linux setzen wollte, müsste ich mir einen neuen MP3-Player zulegen (ich würde mir keins der diversen Hack-Projekte antun, dafür ist mir meine Zeit zu schade), aber die Wahrscheinlichkeit, dass das in absehbarer Zeit ansteht, ist aus diversen anderen Gründen so gering, dass ich das Risiko gerne in Kauf nehme.

Markus
Markus
21. Juni, 2008 19:16

Hach, ist doch eigentlich alles nolenz schmolenz.

Wann kommt denn endlich die Astro Saga Rezension? Ich freue mich da schon wie ein Keks drauf!

Wortvogel
Wortvogel
21. Juni, 2008 19:20

Durch die Reduzierung auf die nähere Zukunft und Musik verdrängst du das dahinterliegende Problem. Szenario: Apple entscheidet sich, 2012 iTunes zu Gunsten eines neuen, nicht abwärtskompatiblen Systems nicht mehr weiterzuentwickeln. Alles soweit kein Problem, iTunes geht ja. Aber dann kommt Windows 8 raus, und OS 13. Und die unterstützen iTunes nicht mehr. Was machst du dann? Was wird aus deinem iPod? Natürlich gibt es Umwege, um diesen Szenarien eins auszuwischen, aber Tatsache bleibt: eine einfache MP3-Datei kann ich jederzeit auf neue Betriebssysteme mitnehmen, und selbst ohne die Open Source-Gemeinde würde ich bezweifeln, dass ich da jemals Probleme hätte, die abzuspielen. Und MP3-Player, die als einfache Festplatte erkannt werden, sind auf absehbare Zeit ebenfalls sicher.

Man hat das Problem doch kürzlich erst gesehen, als Musik für den MSN-Musicstore (korrigiert mich, wenn ich das in den Details falsch verstanden habe) bei einem Systemwechsel nicht mehr verwendbar war, weil Microsoft den Store und damit den Support eingestellt hat.

Mir geht es aber weniger um Musik, denn die kann man ja beliebig nachkaufen. Was ist mit Daten, von denen es (korrekterweise!) keine unzähligen Kopien. Was, wenn ich mit einer Digi-Videokamera die Geburt meines Sohnes in irgendeinem proprietären Format aufnehme – und die Firma dann pleite macht? Zwei Betriebssysteme später ist das Zeug dann nicht mehr abspielbar.

Natürlich gibt es auch analoge Varianten dieses Problems: Es ist nicht einfach, Schellack-Platten abzuspielen, oder 8tracks. Aber bei diesen Systemen wurde die zu Grunde liegende Technik nicht in den Geräten eingeschweißt, ohne Chance, sich zu informieren (proprietär also). Das Knowhow ist nicht mit den Firmen untergegangen. In Digital-Zeitalter ist das anders.

Und online ist auch nicht alles – es sind schon haufenweise Webseiten, bei denen man seine Daten unterstellen konnte, bankrott gegangen. Und dann ist denen die Rettung deiner Daten vergleichsweise schnuppe…

Wortvogel
Wortvogel
21. Juni, 2008 19:21

Zweiter Teil der Astro Saga-Kritik geht heute Abend online. Aber geduldet euch: Es sind bisher sieben Teile, und ich werde nicht täglich posten!

Jens
21. Juni, 2008 19:57

Die meisten Angriffspunkte, die Du bringst, sind korrekte Gegenargumente gegen DRM – aber meine Dateien sind DRM-frei.

Alles, was ich in Deinem Szenario einer inkompatiblen iTunes-Version verlieren würde, wäre dasselbe wie beim Umstieg auf Linux: Die Möglichkeit, meinen iPod zu benutzen, um Musik zu hören. Und da bisher auch die allerersten iPods aus dem Jahr 2000 noch immer von iTunes unterstützt werden, scheint auch hier zumindest keine akute Gefahr im Verzug.

Was Kompatibilität mit anderen Musikprogrammen und Playern angeht: iTunes tut ja nichts weiter, als Daten, die in offenen Standards vorliegen, zu katalogisieren und an den iPod zu schicken. Die Dateien werden dabei nicht verändert oder für andere Systeme unbrauchbar gemacht. Wenn ich mir mal einen anderen Player zulege, lasse ich iTunes einfach aus und schiebe die Dateien von Hand darauf. Ich kann jederzeit jede meiner MP3- und AAC-Dateien nehmen und mit irgendeinem Programm in ein anderes Format bringen. Und da es sich dabei um offene Standards handelt, wäre es auch kein Problem für Open-Source-Programmiere, eine entsprechende Software für irgendein hypothetisches zukünftiges Betriebssystem zu schreiben.

Das war das, was ich meinte, als ich sagte, dass DRM und Hardware-Software-Verdongelung zwei verschiedene Baustellen sind: Solange es noch irgendein Gerät auf dem Markt gibt, das die beiden aktuell industrieweit meistgenutzten offenen Audio-Standards (MP3 und DRM-freies AAC) abspielen kann, ist meine Musiksammlung nicht in Gefahr. Schlimmstenfalls müsste ich mir einen anderen Player kaufen.

Und proprietäre Standards für Heimvideo wären wirklich Müll – aber gibt es die überhaupt? Ich kenne zumindest keine. Alle Videokameras und filmenden Fotoapparate, die ich kenne, spucken entweder DV-Streams oder irgendeine MPEG-Variante aus – je nach Laune in einen MOV- oder AVI-Container verpackt. Aber immer in offenen Standards, die jede Firmenpleite überleben.

Was die Astro Saga angeht: Ich freu mich drauf! Und hoffe nur, Dich nicht mit der Diskussion hier davon abzuhalten.

Dr. Acula
21. Juni, 2008 19:58

Um zum Off-Topic auch mal etwas beizutragen: iTunes war für mich drei Sekunden nach Installation (installierte sich beim Update des Quicktime-Players ungefragt) gestorben – Abrechnung nur über Telekom-Rechnung? Sehr schön – ich bin seit gefühlten 500 Jahren kein Telekom-Kunde mehr (und danke dafür jeden Tag meinem Schöpfer); wenn Apple mich nicht als Kunden haben will, they may very well rot in hell and die (oder umgekehrt).

Jens
21. Juni, 2008 20:04

Was? Abrechung über Telekom-Rechung? Wo denn das? Ich bin auch seit Ewigkeiten nicht mehr bei den Telekomikern, weder Mobil noch per Festnetz, und kann mich nicht erinnern, irgendwo in iTunes sowas gesehen zu haben.

Jens
21. Juni, 2008 20:05

Ach ja, was Off-Topic angeht: So kann man sich wenigstens die Wartezeit auf die Astro-Saga-Kritik versüßen. Das Star-Wars-mäßige Anstehen um Premierenkarten geht ja online nicht 🙂

Dr. Acula
21. Juni, 2008 20:06

Ist ’ne Ecke bis paar Jahre her – ich hab danach nie wieder nachgekuckt, wann oder wie das geändert wurde.

Marko
21. Juni, 2008 20:15

Hab ich das jetzt richtig verstanden — Ihr sorgt Euch darum, dass bestimmte Dateiformate in Zukunft nicht mehr abspielbar sein werden?

Für 8bit-Systeme gibt es doch heute Emulatoren ohne Ende, ich kann c64-SIDs und Amiga-MODs problemlos abspielen. Auch für Videos aus grauer Computervorzeit gibt es Player, idealerweise meistens in eine einzige EXE gepackt, die das Video auf jedem PC abspielen können. Musik im heutigen mp3-Format und Filme in DivX werden beide mit Sicherheit auch in 100 Jahren noch abspielbar sein. Emulatoren und Nostalgikern sei Dank!

Oder hab ich das jetzt doch alles missverstanden und es geht um was ganz anderes? Dann sorry.

Gruß,
Marko

Wortvogel
Wortvogel
21. Juni, 2008 20:26

@ Marko: Das ist ganz genau der Punkt – es liegt an den Enthusiasten und Fummlern, dass der Kram abspielbar bleibt. Die Firmen vernachlässigen ihre Pflichten, wollen immer nur das neue Format durchsetzen, scheren sich nicht um ihre Produkte von gestern. Das kann doch nicht im Interesse der Kulturgesellschaft sein! Außerdem bekämpfen genug Firmen die Programmierer von Emulatoren bis aufs Messer – als ob irgendwer einen Verlust hat, weil man sämtliche je hergestellten Atari VCS-Spiele mittlerweile auf eine Diskette packen kann. Ich gehe einen Schritt weiter: Firmen müssten gezwungen werden, eine halbstaatliche Stiftung zu finanzieren, deren einzige Aufgabe es ist, im Zusammenarbeit mit Open Source-Autoren Emulatoren und Abspielgeräte für die Vergangenheit der Zukunft bereitzustellen.

Dieter
Dieter
23. September, 2008 01:59

Toll. Bis eben, als den Clib abrief, dachte ich, ich wäre allein mit diesen Problemen und nicht auf der Höhe der technischen Entwicklung; überholt, weil ich mich nie intensiv mit dem Computer beschäftigt habe.

WIE DAS TRÖSTET!

trackback

[…] Wie bei dem MP3-Player, den Websticks und dem Smartphone war es ein hartes und manchmal frustrierendes Stück Arbeit, die […]