Iron Man PosterSTORY: Waffenkonstrukteur und Playboy Tony Stark wird bei einem Rebellenangriff im Nahen Osten schwer verletzt und gefangen genommen. Er entkommt, in dem er sich aus den Waffenteilen, die er für seine Entführer zu einer Rakete zusammenbasteln soll, eine massiv bewaffnete Rüstung baut. Zurück in den USA erklärt Stark seinen Rückzug aus dem Rüstungsgeschäft, und baut heimlich eine verbesserte Variante seines Kampfanzugs. Das ist auch bitter nötig, denn sein plötzlicher Pazifismus macht ihm viele mächtige Feinde. Am Ende steht er einer waffenstarrenden Mega-Variante seiner Rüstung gegenüber, und es kommt zum Showdown der Menschmaschinen…

KRITIK: Wenn man mir vor zwei Jahren gesagt hätte, dass einer der lahmsten Superhelden aller Zeiten die Grundlage für einen der besten Superhelden-Filme bilden würde – ich hätte verächtlich geprustet (diesen Pruster, der das herablassende „ja sicher!“ ersetzt). Dieser Hurra-Patriot des militärisch-industriellen Komplexes, der ebenso rassistisch wie dumpf aus den 60er gekrochen kam, war nie ein Favorit – nicht bei den Fans, nicht bei den Autoren, nicht bei mir.

Aber „Iron Man“ rockt. Plain and simple. Der Film boostert sich rasant durch 118 Minuten ohne jegliches Füllmaterial, eckt dabei nirgendwo an, und geht als Sieger über die Ziellinie, ohne die Tankanzeige auch nur auf Reserve zu haben. In einem Jahr, in dem mich von den erwarteten Blockbustern allenfalls noch Indiana Jones IV und Dark Knight reizen, ist das mal ein richtig guter Einstieg.

Robert Downey als Tony Stark

Mit „Iron Man“ hat sich Jon Favreau (auch in der Nebenrolle als Chauffeur auf der Leinwand zu sehen) nach ein paar eher mauen Filmen spontan zu meinem Liebling gemausert, was Comic-Adaptionen angeht – gerade weil er eben nicht versucht, dem Streifen seinen Stempel aufzudrücken. „Iron Man“ ist eine so perfekte und selbstlose Verfilmung wie „Spiderman 2“ – man bekommt exakt das, was man als Teenager in den Bildheftchen gesehen hat, und zwar als fettestes Breitwand-Spektakel.

Hier nur mal die Eckpunkte, die den Film so sympathisch machen:

  • Eine makellose Besetzung von Robert Downey jr. bis Gwyneth Paltrow, von Jeff Bridges bis Clark Gregg (allerdings konnte ich weder Samuel Jackson als „Nick Fury“, noch Hilary Swank irgendwo ausmachen). Kein Stunt-Casting der großen Namen wegen, sondern wirklich exzellente Schauspieler in passenden Rollen.
  • Ein perfektes Produktionsdesign – groß, bunt, genau den Tacken überdreht, den nur eine Comic-Adaption verträgt, ohne dabei in Design-Kitsch zu verfallen (Batman, ich rede mit DIR!). Ich würde für die Villa von Tony Stark töten!
  • Exzellente Effekte und sauber inszenierte Actionszenen, die niemals selbstverliebt oder aus Spektakelgründen gedehnt wirken (Transformers, ihr seid gemeint!)
  • Ein erfreulich rockiger Score, der teilweise an die Cannon-Filme der 80er erinnert (deren besten Werken man eine Seelenverwandtschaft zu „Iron Man“ nicht absprechen kann, besonders was die coolen Sprüche angeht)
  • Erfreulich wenig Zielgruppen-Hurerei – es gibt keine nennenswerte Lovestory, keine süßen Kinder, keine Tiere, und der Held muss auch nicht 20 mal das Kostüm wechseln, um entsprechende Actionfiguren zu verkaufen.
  • Der „Sense of Wonder“ bleibt intakt – man spürt Starks Begeisterung, wenn er seinen Kampfanzug testet, man fliegt begeistert mit ihm, wenn er durch die Wolken düst (wie bei Spiderman durch die Schluchten von Manhattan). Hier wird das Heldendasein nicht entzaubert oder dämonisiert, sondern zelebriert.
  • Eine von vorne bis hinten sauber durchkonstruierte Heldenreise, die so perfekt und fettfrei alle Wegmarken absolviert, dass man aus dem Drehbuch ein Lehrbuch für Skriptdramaturgie machen könnte.
  • Der Film wirkt so teuer wie nötig, aber nie aufdringlich bombastisch – für „Iron Man“ hätte man keinen Dollar mehr oder weniger ausgeben dürfen.

Iron Man im Flug

Wenn ich dem Film überhaupt einen Vorwurf machen könnte, dann ist es allenfalls die übertriebene Perfektion des Drehbuchs: Wer das Prinzip der Heldenreise oder die Archetypen der Superhelden-„Origins“ kennt, der kann im Kopf schon vorplotten, was in den jeweils nächsten Szenen passiert: Protagonist ist ein Arsch, traumatisches Erlebnis „reinigt“ ihn, er nimmt den Kampf auf, scheitert zuerst, findet Verbündete, hat erste Erfolge, trifft großen Erzfeind, gerät in die Defensive, und nutzt schließlich das im Verlauf der Geschichte angesammelte Wissen, um aus der „David gegen Goliath“-Perspektive heraus den Sieg zu erringen (der immer auch ein Sieg über die eigene, dunkle Vergangenheit ist). „Iron Man“ weicht von diesem Prinzip keine Sekunde ab, tut es aber so perfekt, dass man schon arg zynisch sein muss, um sich daran zu stören.

Wirklich überrascht hat mich der Film nur mit der allerletzten Dialogzeile, die eine interessante Entwicklung für die Fortsetzung erhoffen lässt…

Anmerkung übrigens: Der Trailer gibt einen perfekten Eindruck vom Endprodukt – wem das hier nicht gefällt, soll sich das Geld für die Kinokarte sparen:

Da bleibt nicht viel zu sagen, außer: reingehen! Scheiß auf DVD, scheiß auf Premiere, scheiß auf Raubkopien aus dem Netz. DAS. IST. KINO.

NACHTRAG: Habe eben erfahren müssen, dass der Nick Fury- Auftritt eventuell nach dem Nachspann kam. Und ja – ich bin nicht lange genug sitzen geblieben. Das hat man nun davon.



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