Knight Rider 2008Die Serie „Knight Rider“ ist besser als ihr Ruf. Großartiger Vorspann, klasse Musik, coole Autostunts, und ein simples 80er Jahre-Actionkonzept: Michael Knight jagt als Fahrer der Foundation für Recht und Verfassung mit seinem Superauto K.I.T.T. die Bösewichte in den ländlichen Gegenden der amerikanischen Westküste. Gelitten hat die Serie seit damals durch die zunehmend peinlichen Selbstproduktionen des Hauptdarstellers Hasselhoff, und seinen kompletten modischen Supergau mit Dauerwelle und Lederblouson.

„Knight Rider 2008“, der nach „Knight Rider 2000“, „Knight Rider 2010“, und „Team Knight Rider“ vierte Versuch, Leben aus der Franchise zu quetschen, schafft das erstaunliche Kunststück, so schlecht zu sein, wie die Originalserie in unserer Erinnerung heute erscheint. Ein Hauptdarsteller dumm wie ein Schnitzel, schlechte CGI-Tricks wie aus „Viper“, die Produktionsqualität von „Renegade“, und ein Drehbuch, das Glen A. Larson nicht einmal bei „Nightman“ hätte durchgehen lassen.

Aber der Reihe nach: Der Pilotfilm (dem hoffentlich keine Serie folgen wird) erzählt die Geschichte von Mike Traceur, einem coolen Rebellen, der in Las Vegas seine Kohle verzockt. Seine Jugendfreundin Sarah sucht ihn auf – ihr Vater Charles Graiman, der Entwickler des Superautos K.I.T.T. (Three Thousand statt Two Thousand), ist ermordet worden (oder dann doch nicht, wie sich bald herausstellt). Es muss verhindert werden, dass die Bösewichte seine Festplatte decrypten können, mit der man irgendwie alle nennenswerten Waffensysteme der Welt kontrollieren kann. Oder dass die Bösewichte K.I.T.T. in die Hände bekommen, der diese Daten ebenfalls besitzt. Also jagen Mike und Sarah MIT K.I.T.T. die Bösewichte, um zu verhindern, dass diese K.I.T.T. in die Hände bekommen – und um ihnen die Festplatte abzujagen, die sie sowieso nur mit Sarahs Hilfe decrypten können. Kompliziert wird die Sache noch dadurch, dass Charles Graiman gar nicht tot ist, sondern sich bei Mikes Mutter aufhält, die ihrem Sohn immer noch nicht gesagt hat, dass es schon einmal einen K.I.T.T. gab, der von Mikes Vater gefahren wurde, dessen Name… aber darauf kommt ihr sicher selber.

Erwähnte ich schon die lesbische FBI-Agentin?

Die stupide Rumfahrerei für 80 Minuten kulminiert schließlich in einer Verfolgungsjagd, in der Mike und Sarah alles tun, um Graiman zu retten – in dem sie bei Höchstgeschwindigkeit permanent den Wagen rammen, in dem er mit seinen bewaffneten Entführern sitzt. Na ja, unser Held heißt ja Mike Traceur, und nicht Schweinchen Schlau…

Der Plot von „Knight Rider 2008“ ist pappige 80er Jahre-Melasse, ungetrübt von Logik oder dem geringsten Verständnis für dramaturgische Weiterentwicklung in den letzten 25 Jahren. Im Versuch, den „Spirit“ der Originalserie aufzugreifen, hat man darauf verzichtet, so etwas wie Dramatik oder echte Emotionen aufzugreifen. Es gibt keine nennenswerte Gewalt – und auch keine Reaktion auf die vorhandene Gewalt: Selbst der Tod von Mikes Mutter wird mit einem nonchalanten Schulterzucken hingenommen.

KR 2008 Vorspann

Es gibt praktisch keinen Bereich, in dem „Knight Rider 2008“ nicht komplett bis zum Schultergelenk ins Klo greift: Die darstellerischen Leistungen rangieren von adäquat-beschämt (Bruce Davison, der es besser wissen sollte) über hundsmiserabel (Deanna Russo, die wirklich KEINE Emotion glaubwürdig hinbekommt) bis non-existent (Justin Bruening, der Posing mit Schauspielerei verwechselt). Es gibt Dialoge, bei denen sich die Fußnägel aufrollen. Die Motivation der Figuren ist in einem Maße unausgegoren, dass keinerlei Sympathie für die Protagonisten aufkommt (Mike ist zwar nie so lässig rebellisch, wie von ihm behauptet wird – aber dafür wenigstens grundlos). Als Bösewichte fungieren immer noch gesichtslose Handlanger, die beliebig abserviert werden. Der Vorspann verspielt jede Sympathie mit einer grausam aufgepeppten Variante des Original-Themas zu lächerlichen CGI-Spielereien. Ein Großteil der Fahrszenen ist armselig auffällig vor einer Greenscreen gemacht worden. K.I.T.T.s Fähigkeiten sind trotz moderner Effekttechniken…

KR 2008 Action

Ach nein, diesem Teil gebe ich lieber einen eigenen Absatz. Das Auto. Der eigentliche Hauptdarsteller von „Knight Rider“, im Original wie auch hier. Zuerst einmal bin ich kein Nostalgiker: Der Mustang ist in meinen Augen eine gute Wahl für den neuen K.I.T.T.. Er passt in das frische Jahrtausend wie der schwule Transam in die 80er. Das Design des Cockpits ist mir zu überladen, und erinnert an den Bildschirm eines Sound-Editors – hier wäre weniger mehr gewesen. Die Stimme von Val Kilmer (kurzfristiger Ersatz für Will Arnett, der gehen musste, als die Produzenten herausfanden, dass er schon mal Werbespots für eine andere Automarke gesprochen hat) ist sehr passend, und hält die Balance von Coolness und Engstirnigkeit mit einem Hauch Ironie. In der Performance ist der neue K.I.T.T. allerdings eher schwachbrüstig: er fährt schnell, hat verschiedene Überwachungsmodi, und fährt spritsparend. All das, was „Knight Rider“ allerdings zum Hit bei den verpickelten Jungs der späten 80er gemacht hat, wird tunlichst unterlassen: Keine Mauern werden durchbrochen, keine Straßensperren übersprungen. Richtig gelesen: nix mit Turboboost. Die Produzenten wollten wohl nicht allzuviele teure Mustangs schrotten. Die Idee, den K.I.T.T. aus einem Frachtflugzeug statt aus einem Truck fahren zu lassen, hatten wir schon in „Team Knight Rider“.

Das Treffen der GigantenUnd ja – es gibt ihn, den Gastauftritt von David Hasselhoff – ich überlasse es meinen Lesern, anhand des Screenshots zu entscheiden, wer von den beiden „Knight Ridern“ mehr Charisma besitzt. Vielleicht ist es aber an der Zeit, sich mal bei dem alten „Looking for Freedom“-Gröler zu entschuldigen…

Generell ist „Knight Rider 2008“ angefüllt mit komplett schwachsinnigen Ideen: K.I.T.T. ist die erste halbe Stunde so souverän selbstständig, dass man das Gefühl hat, er käme ohne Fahrer besser klar. Warum ausgerechnet Mike der perfekte Steuermann sein soll, wird nie erklärt – er nimmt tatsächlich nach einer Pinkelpause erstmals eher aus Provokation hinter dem Steuer platz. Was genau hat es für eine Bedeutung, dass die FBI-Agentin lesbisch ist? Und wenn ich das richtig mitgerechnet habe, läuft Charles Graiman am Anfang geschlagene 2 Tage durch den Wald, bis er Mikes Mutter trifft. Er scheint ja in einer ziemlich einsamen Gegend zu leben…

Kurzum: Es fehlt die Simplizität des Originals, die allerdings nicht durch smartes Storytelling, sondern durch hanebüchenen Unsinn ersetzt wurde. Der kindische, aber nicht unsympathische Heroismus, mit dem Michael Knight selbstverständlich dem Bösen entgegen trat, ist einer nöligen „too cool for school“-Attitüde gewichen, die nur noch weh tut. Es fehlen Charme, Humor, Action, Style. Kein einziger Bestandteil von „Knight Rider 2008“ wirkt weniger als hingerotzt, besetzt mit ausrangierten Soap-Nasen, und ohne jegliches Verständnis für die Mechanismen der Serie umgesetzt.

Natürlich war der Pilotfilm von „Bionic Woman 2007“ beschissener. Aber der ist wenigstens beim heldenhaften Versuch, die Franchise aufzufrischen, gescheitert. „Knight Rider 2008“ bemüht sich an keiner Stelle, moderner Dramaturgie oder Technik Rechnung zu tragen. Es ist einfach lahmer Dreck.

Bleib mir wech damit.



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