… wir sind durch dick und dünn gegangen in den letzten zehn Jahren – „Apokalypse Eis“ hat dir gefallen, gell? Über „Sumuru“ hast du dich heftig, wenn auch vielleicht nicht „gut“ amüsiert. „Vollgas“ muss ich noch bei dir abarbeiten, schon klar. Und „Lotta in Love“? Manchmal ist es für eine Beziehung besser, wenn man nicht über alles spricht. Wenigstens hast du mir trotzdem noch die Tür aufgemacht, damit ich dir meine „Märchenstunde“ zeigen konnte.

Kein Zweifel, du warst immer gut zu mir, deutscher Zuschauer. Und ich habe dich auch immer verteidigt – gegen die Klugscheißer, die dich als dumpfes Prekariat abqualifizieren; gegen die Senderchefs, die in dir nur Zahlen und Zielgruppen sehen; gegen die Produzenten, die dir meist wenig zutrauen.

Aber lieber deutscher Zuschauer, SO LANGSAM HABE ICH VON DIR DIE SCHNAUZE VOLL! Du nörgelst am laufenden Band, es mangele an Qualität, in Amerika sei alles besser, früher war es auch besser, und die Sender täten alles, dich für dumm zu verkaufen. Du erzählst am laufenden Band, dass es dir um gute Drehbücher geht, spannende Geschichten, glaubwürdige Darsteller. Dann, ja DANN würdest du der deutschen Serie gerne wieder eine Chance geben.

10,8 – 11,3 – 11,4

Das sind die Einschaltquoten der ersten Folgen von „Die Anwälte“, „Herzog“, und „Maddin in Love“.

Zuschauer, jetzt mal im Ernst – was soll der Scheiß?! Ich könnte ja verstehen, wenn du die neuen Serien guckst, und dann entscheidest: „Das ist nix für mich“. Aber DU SCHAUST JA NICHT MAL REIN!

Herrgott, was fehlte denn? Die Kritiken haben sich fast überschlagen, und mit Nils Ruf, Kai Wiesinger und Maddin Schneider sind doch auch genügend bekannte Gesichter dabei gewesen, um Ärsche auf das Sofa zu kriegen. Es sind GUTE PRODUKTIONEN, mit Liebe zum Detail gemacht. Trüffel im Schweinetrog. Trotzdem – bei dir hatten die Neustarts keine Chance.

Ich kenne ein paar der Autoren und Produzenten, die sich für diese Serien mit Herzblut und Feuereifer ins Zeug gelegt haben. Hätten die nicht wenigstens mal einen wohlwollenden Blick verdient? Eine halbe Stunde hätte dir doch nicht weh getan, lieber Zuschauer. Aber du hast dir lieber die x-te Wiederholung von „Kevin – Allein zu Haus“ auf Vox angesehen (über 15 Prozent!).

Wie gesagt: Wenn es dir nicht gefällt, musst du es nicht gucken. Aber bilde dir deine Meinung doch wenigstens am lebenden Objekt, und nicht aus dem niederen Fundus deiner Vorurteile.

Hochgelobte Formate mit neuen Folgen (Pastewka, Angie, Post Mortem) magst du ja anscheinend auch nicht. Dabei hatte man sich hier ebenfalls alle Mühe gegeben, die erkannten Fehler auszumerzen, und bei der Qualität noch eine Schippe draufzulegen.

Bist du vielleicht generell fernsehmüde, deutscher Zuschauer? Aber nein:

14,0 – 20,1 – 33,6

Das sind die Quoten der ersten Folgen von „Big Brother“, „The next Uri Geller“, und „Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“

Sekt predigen, aber Selters schauen? Man sagt gerne: Der Zuschauer bekommt das Programm, das er verdient. Wenn das stimmt, dann mag ich gar nicht, was mir das aktuelle Programm über dich verrät, lieber deutscher Zuschauer.

Vielleicht brauchen wir eine Auszeit voneinander. Ich schreibe wieder ein Buch oder zwei, und du besorgst dir die Criterion DVD-Edition von „Berlin Alexanderplatz“, um zu sehen, ob gutes Event-Fernsehen auch ohne Veronika Ferres funktioniert.

Nein, sag‘ jetzt nichts. Ich bin gerade sauer. Laß mich einfach in Ruhe. Ich gehe mal eben eine Runde um den Block…



20 “ Lieber deutscher Zuschauer… ”

  1. 1

    Kleine Korrektur – die zweite Folge „Maddin in Love“, die direkt im Anschluss um 19.45h lief hatte überraschend hohe 16,0% in der Zielgruppe. Ich habe mir beide Folgen angesehen und fand sie gar nicht SO schlecht. – Hätte aber den Anwälten und vor allem Herzog diese Quote noch viel mehr gegönnt.

  2. 4

    Das bei den Beteiligten mittlerweile massiver Frust aufkommt und es vielleicht auch mit der Motivation hapert ist verständlich. Das eine Serie mehr als eine Staffel überlebt ist nämlich unwahrscheinlich.
    Da die Senderverantwortlichen von RTL, Sat.1 und ProSieben aber ihre eigenproduzierten Serien und Filme selbst nicht mögen und lieber US-Produktionen angucken ist der Misserfolg ja auch nicht so überraschend.
    So hat Anke Schäferkordt VOX nur mit Importware groß gemacht. Und jetzt soll sie die Revolution in Sachen Eigenproduktionen einleiten? Wie soll den das funktionieren.

  3. 7

    Ich glaube das gibt es mehrere Gründe für. Zum einen kann man eigentlich
    sicher sein das kaum eine deutsche Serie bis zum geplanten Ende läuft –
    und so schalten schon mal ein drittel der Potentiellen Zuschauer gar nicht
    ein – und zum anderen das ein weiteres drittel was Interessiert ist, das
    nicht im TV guckt.

    Die Anwälte wurde übrigens nach der Pilotfolge letzte Woche abgesetzt.
    Glaubst du das merken sich die Leute nicht? Wer wird denn in Zukunft
    noch freiweillig in eine neue deutsche Serie reinschauen?

  4. 8

    So, tolle Wurst. „Die Anwälte“ haben verloren. RTL kapituliert vor dem Zuschauprekariat. Vielleicht hätte man Kai Wiesinger und Kollegen einfach in den australischen Wald setzen und in einem Kakerlakenbad das BGB vorlesen lassen sollen.
    Ratlos…

  5. 9

    Warum soll ich mir Serien angucken, die vermutlich eh nach 1-4 Folgen wieder abgesetzt werden? Ok, sie werden abgesetzt, weil ich sie nicht gucke (bzw. die Leute, die für die Quote erfasst werden), aber das ist ein Teufelskreis, den nicht ich durchbrechen muss. Das sollen die Sender mal schön machen. Einfach mal eine Serie (wie „Die Anwälte“, die ich nicht gesehen habe) durchlaufen lassen. Das baut bei denjenigen, denen die Serie gefällt wieder Vertrauen auf, da man tatsächlich Woche für Woche auf ein und demselben Sendeplatz eine neue Folge einer Serie sieht und zum anderen haben diese Leute auch genug Zeit, ihren Mitmenschen zu verkünden, dass es wirklich gute deutsche Serien gibt und man doch bitte mal einschalten sollte.
    Das klappt natürlich nicht während der Ausstrahlung der ersten Folge, weswegen ich ganz und gar nicht verstehen kann, wie man eine Serie nur nach dieser einen Folge gleich wieder absetzen kann.
    Muss man da sauer auf den Zuschauer sein? Nein, muss man eindeutig nicht.
    Maddin würde ich trotzdem nie eine Chance geben, da ich seine eine Rolle kenne und genug davon habe. Hat in dem Fall nichts mit deutschen Serien zu tun, sondern einfach nur mit nervigen Comdians, die zu eintönig sind.

  6. 10

    Wollte ich einen Profi schon lange mal fragen: Was für einen Unterschied macht es, ob ich (ich ganz persönlich) gucke oder nicht gucke, wenn ich doch gar kein GfKmeter (oder wie das heißt) besitze?

    Ich kenne übrigens weder in meiner peergroup noch in meiner Verwandtschaft noch im Kollegenkreis irgendwen, der ein solches Gerät hat. Oder muss man da eine Schweigeklausel unterschreiben?

    Das macht es mir so schwer. Bei Zeitschriften kann ich helfen, indem ich den Titel bewusst kaufe oder abonniere. ich weiß, es zählt. Bei Websites kann ich mich anmelden oder Werbebanner anklicken. Es zählt. Beim Fernsehen bin ich einfach egal.

  7. 11

    Lieber Wortvogel,

    auch wenn ich Deinen Unmut teilweise verstehe. Das deutsche Produktionen nicht immer eine Offenbarung sind, durften wir erst kürzlich in Deinem Blog lesen. Ich sage nur iTeam. Also sei gnädig mit uns. Immerhin haben wir diesen deutschen Murks nach zwei Folgen gekickt.

    Schönen Urlaub

  8. 12

    Das Marketing war ja auch Scheisse… hat einer den „Anwälte“-Trailer auf RTL gesehen ? „Ich kämpfe nicht für ihn, sondern für mein Gewissen“ oder so. *Würg*

    Da versteh‘ ich jeden, der DA nicht einschaltet…

  9. 14

    Vielleicht ist die Werbewirkung einfach größer. Auch die Berichterstattung (z.B. in den Blogs) für das Dscungelcamp ist breiter und vielfältiger als für die Anwälte.

    Und die Masse folgt nunmal der Masse. Ist Physik glaube ich.

  10. 15

    „Zuschauer, jetzt mal im Ernst – was soll der Scheiß?! Ich könnte ja verstehen, wenn du die neuen Serien guckst, und dann entscheidest: “Das ist nix für mich”. Aber DU SCHAUST JA NICHT MAL REIN!“

    Bei einem Buch lese ich normalerweise zuerst den Klappentext, sagt er mir nicht zu wandert das Buch zurück ins Regal, klingt er gut wird das erste Kapitel angelesen, gefällt das ebnefalls wandert das Buch in den Einkaufskorb.

    Und ja wenn mir die Promotion und die Trailer einer Produktion nicht gefallen nehme ich es mir heraus auf die erste Folge zu verzichten. Genauso wie ich ein Buch mit schlechten Klappentext zurücklege.

    Und ganz ehrlich, der einzige Trailer den ich von „Die Anwälte“ gesehen habe war abschreckend genug.

  11. 16

    @Florian
    Super Hinweis, das mit dem Trailer von den Anwälten. Der hatte für mich nämlich auch völlig versagt, denn er hat mir keinen USP verkauft. Ich dachte mir auch nach mehrmaligem Anschauen: Was erwartet mich bei der neuen Serie? Spannung, Humor, Emotionen? Keine Ahnung! Es waren keine emotionalen Szenen zu sehen und musikalisch war der Trailer mit einem schicken Song von Amy Winehouse unterlegt (deren Songs zur Zeit eh inflationär in allenmöglichen Dokutainment-Formaten benutzt wird.) Das Lied war weder dramatisch, noch lustig, noch irgendwie emotional, einfach nur schick. Genauso die Ausschnitte: elegante Kanzlei, coole Sprüche und ein sympathischer Kai Wiesinger. Was also wird hier verkauft? Was ist der besondere Aufhänger? Ich weiß es nicht! (Da ich den Piloten auch noch verpasst habe, weiß ich es tatsächlich nicht, aber der Trailer hat mich nicht angefixt!) Es geht wohl (so wie immer) um schick gekleidete, smarte Anwälte, ihre Fälle blabla… alles oberflächlich – wie gesagt, das VERMUTE ich auf Grund des Trailers. Aber vergleicht das mal mit einem Trailer von Prison Break (Spannung und Drama pur!), Boston Legal (emotionale Fälle, skurrile Figuren), etc. In diesen Serien werden die Emotionen auf die Spitze getrieben und der Trailer gibt mir schon mal einen Blick auf diese Höhepunkte und Dramen. Und was sagt der Wiesinger in dem Anwalts-Trailer? Er stellt sich höflich vor und lächelt cool in die Kamera. Ich glaube ja nicht, dass der Normalzuschauer einen Trailer so bewusst wahrnimmt, aber es macht einfach extrem viel aus, ob er danach denkt, dass er diese Serie unbedingt mal sehen will, weil ihm ein spannender USP verkauft wurde, oder ob er 5 Minuten später schon wieder vergessen hat, um was es in dem Trailer mit der nichtssagenden Musik überhaupt ging.

  12. 19

    Deutsche Serien kommen fast grundsätzlich ganz holprig in die Gänge. Ich erinnere hier z. B. an GSG 9 welche schwach anfing sich aber zumindest inhaltlich stark gesteigert hat. Hat nicht NYPD-Creator Steven Bochco gesagt man müsse den Zuschauer in den ersten fünf Minuten ans Format binden da er sonst wegzappt und nie wieder kommt?
    So war die einzige Folge der Anwälte meiner Ansicht nach einfach nicht toll. Die Story neuer Kollege stößt neu zum bestehenden Team ist zwar schon alt, aber nicht totzukriegen, dazu der etwas merkwürdig Umstand, dass die erfahrensten und bekanntesten Darsteller Kai Wiesinger und Alexander Held in dieser Folge keine tragende Rolle spielten. Wiesinger musste für seinen Fall nicht mal vor Gericht und Held spielte wie die Anwaltsgehilfin halt mit.
    Der Fokus lag auf Julia Bremermann, einer eigentlich erfahrenen Schauspielerin, die mich aber in dieser Rolle nicht zu überzeugen vermochte.
    Für Carolina Vera gilt dasselbe, wobei deren Rolle auch unglaublich dämlich angelegt war, musste ihr der neue Johann von Bülow wirklich die primitivsten Grundzüge ihrer Arbeit erklären? So eine Anwältin, die ohne jedes Feuer und Engagement einen wegen Totschlages angeklagten Mandanten vertritt möchte ich jedenfalls nicht haben, trotzdem ist sie eifersüchtig auf den Neuen und möchte ihn nicht in der Kanzlei haben. Weil er ihr die eigenenen Unzulänglichkeiten so deutlich aufgezeigt hat?
    Auch Szenenbild/Ausstattung/Location Scout haben nur äußerst unbefriedigende Arbeit abgeliefert, insbesondere die Kanzlei erinnerte stark ans R.I.S.-Labor, der Serie wo man alle möglichen Fehler auch wirklich gemacht hat, das Familiengericht am Fenster eines Bürogebäudes sowie die Besucherräumlichkeiten des Gefängnisses, sah alles nicht autentisch aus.
    Dazu noch die depressive Grundstimmung. Und der Staatsanwalt Götz Schubert feilscht um die Anklage bzw. Auslegung der Tat. Frau Bremermann schüttet den leeren Pool mit Erde zu, aber nur soweit, dass man die Umrisse noch sehen kann.
    Das war einfach nichts.
    Herzog ragte zwar irgendwie aus der Masse raus, aber mein Geschmack ist das auch nicht, darf ein Anwalt während einer Gerichtsverhandlung eigentlich mit seinem Handy spielen?
    Aber in den nächsten Wochen geht es ja schon weiter.
    An GSG 9 wird sich die Mehrzahl der Zuschauer schon nicht mehr erinnern können. Und die zweite Staffel schmiert dann meistens total ab.
    Und ProSieben ist für fiktionale Eigenproduktionen einfach der völlig falsche Sender. Deshalb wird Unschuldig auch floppen.

  13. 20

    „Unschuldig“ ist schwer kopiert von CSI!
    Leider aber sehr schlecht umgesetzt, vor allem die peinliche Kamaraführung…hehe erinnert an die schlechten Spielfilmproduktionen by P7..
    „Unschuldig“ ist für mich schon gestorben !



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