18
Jan 2008

"Bei uns ist der Text nicht so wichtig" – reloaded

Themen: Film, TV & Presse |

Fake Frankfurter

Ich erwähnte ja vor ein paar Tagen den FAS-Artikel von Peer Schader, in dem auch ich zitiert wurde. In meinem Gespräch mit dem Journalisten am Donnerstag wurde eine ganze Reihe von Themen angesprochen, die dann aus Platzgründen keinen Eingang in den Artikel fanden.

Das finde ich schade.

Darum kapere ich die Idee der Story ganz frech, und beantworte für euch nochmal ein paar Fragen, die ihr gar nicht gestellt habt.

Warum gibt es in Deutschland keine mächtige Autorengewerkschaft wie in Amerika?

Richtiger wäre: Warum gibt es in Amerika eine mächtige Autorengewerkschaft? Das geht meines Erachtens auf die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts zurück, als die großen Hollywood-Studios ihre Macht zementierten. Damals waren Drehbuchautoren fest angestellte Lohnschreiber, die auf Weisung der Produzenten arbeiteten. Und als Angestellte waren sie darauf angewiesen, sich zu organisieren, um für bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen. Alle profitierten davon.

In Deutschland sind Autoren (mit wenigen Ausnahmen) Freiberufler, die kaum Kontakt untereinander haben. Ebenso gut könnte man fragen, warum es keine Gewerkschaft der Bildhauer oder Straßenmusiker gibt.

Hat es Nachteile, dass es keine Autorengewerkschaft gibt?

Natürlich. Es gibt keine verbindlichen Tarife – wer will, kann junge und hungrige Drehbuchschreiber gnadenlos ausnutzen. Soziale oder medizinische Absicherung muss individuell geregelt werden, bei Verhandlungen haben die Autoren keine Stimme. Gerne werden Budget-Kürzungen vom Sender über die Produzenten direkt an die Autoren durchgereicht, weil diese das schwächste Glied in der Kette sind. Besonders übel: Autoren haben praktisch keine Handhabe, wenn Produzenten oder Regisseure ihre Drehbücher nach Belieben umschreiben. Wer sich nicht gut verkaufen kann, zieht den Kürzeren.

Warum gründen die Autoren dann keine Gewerkschaft?

Weil eine Gewerkschaft eben auch bedeutet, Autonomie aufzugeben. In den USA schlägt die WGA ihren Mitgliedern ja nicht vor zu streiken – sie befiehlt es. Und die Strafen für Streikbrecher sind drakonisch. Diese Unterwerfung unter eine (noch zu gründende) Gilde ist den meisten Autoren, die als Einzelkämpfer arbeiten, suspekt.

Aber die Vorteile liegen doch auf der Hand!


Nur für die Autoren, die es nötig haben. Der Nachwuchs, die Untalentierten, die zweite Garde – die würden vielleicht alle gerne einer Gewerkschaft beitreten, wenn es Sicherheit und Prestige verspricht. Die wirklich erfolgreichen und hofierten Autoren würde die Gilde allerdings meiden wie der Teufel das Weihwasser, denn sie beschränkt ihre Rechte. Und damit wäre es ein Gütezeichen, nicht in der Gewerkschaft zu sein. Es wäre eine Institution ohne jegliche Macht, weil sie keinen signifikanten Teil der Branche lahmlegen könnte.

Aber wäre es nicht ein guter Anfang?

Nein. Man stelle sich den ersten Streik dieser Gewerkschaft vor: 500 Drehbuchautoren aus TV und Film legen die Arbeit nieder. Was passiert? 5000 Ersatzautoren freuen sich über freiwerdende Aufträge. Schicht im Schacht. Sowas kann nur in einem System funktionieren, in dem ALLE Autoren (oder zumindest 90 Prozent) der Gewerkschaft angehören.

Okay, aber mal angenommen, man bekäme die Autoren alle unter einen Hut…

Dann würden branchenfremde Zeilenschinder nachrücken – Journalisten, Buchautoren, Regisseure. Denn im Herzen ist jeder ein Autor. Und im Gegensatz zu einer bestreikten Fabrik kann sich eine bestreikte Serie die Fachkräfte von überall herbeiholen – DSL sei Dank. Kein Problem, z.B. einen US-Autor schreiben zu lassen, dessen Skript man dann übersetzt.

Dann halt hypothetisch: Was würde passieren, WENN es einen branchenweiten Streik gäbe?

Weniger als in den USA, denn das deutsche Fernsehen hat eine deutlich größere Bandbreite als der US-Markt. Hier gibt es Dokus, Shows, Nachrichten, US-Serien, Spielfilme – alles Programme, die keine (oder vernachlässigbare) Autoren brauchen. TV-Filme werden meist von langer Hand vorproduziert – bis da ein Streik zu einem Mangel führt, vergeht mindestens ein Jahr. Dann kommen Wiederholungen (die es in den USA praktisch nicht gibt). Nennenswerte Auswirkungen gäbe es sowieso nur im momentan schwächelnden Serienbereich.

Heißt das, ein Streik hätte keinerlei Auswirkungen?

Keine so starken, dass man die Sender oder die Produktionsfirmen damit wirklich unter Druck setzen könnte. Mit einer Ausnahme.

Jetzt sind wir aber gespannt!

Der Soap/Telenovela-Bereich wäre für einen konsequenten Streik extrem anfällig. Wenn ich richtig rechne, gibt es dort derzeit acht Formate. Macht 40 Folgen in der Woche, mit ungefähr sechs Wochen Vorlauf. Ein Streik würde hier in zwei Monaten die Systeme zusammenbrechen lassen, und besonders ARD und RTL hätten massive Schwierigkeiten, ihre Lücken zu füllen. In zweiter Linie gilt das auch für Pseudo-Reality-Formate wie "Niedrig und Kuhnt", sowie die gesamten gescripteten Richter-Shows. Da kommt ganz schön was zusammen.

Hätten die deutschen Autoren denn einen Grund, aus den gleichen Gründen wie die Amis zu streiken?

Aber sicher. Die Sutuation in Deutschland ist deutlich schlechter als in den USA, denn meistens werden Skripts nach dem "total buy out"-Prinzip gekauft. D.h.: Mit dem letzten Scheck zum ersten Drehtag gibt der Autor alle Rechte ab. Ob sein Werk dreißig mal in der Primetime wiederholt wird, 3 Millionen DVDs verkauft, oder zum erfolgreichsten Web-Clip aller Zeiten avanciert – er sieht keinen Cent mehr. Zumindest ist das bei den Privatsendern so. Die Öffentlich-Rechtlichen zahlten früher schlechter, aber es gab dafür auch Wiederholungshonorare (bei den ganzen dritten Programmen kann sich das fix rechnen).

Aber auch die gebührenfinanzierten Sender haben dazu gelernt – Buy Out wird dort langsam ebenso zur Norm. Das hat aber auch ganz banale Gründe: Die diversen Digital-Kanäle bei Premiere und Kabel Deutschland müssen ja mit Programm bestückt werden. Und wenn da bei jeder Wiederholung einer Folge "Ich heirate eine Familie" nochmal abgedrückt werden muss, bläht das fix die Kosten auf. So bizarr es klingt: Den Gebührenhunger der Öffentlich-Rechtlichen verdanken wir auch den angesammelten Wiederholungshonoraren, die Jahr für Jahr ausgezahlt werden müssen.

Andererseits haben die Wiederholungshonorare den positiven Aspekt, dass manche neuen Formate so preiswert zu produzieren sind, dass sie zu den Wiederholungen konkurrenzfähig bleiben. Damit haben die Sender einen Anreiz, nicht ausschließlich Altware abzunudeln.

Das war jetzt arg kompliziert – geht’s einfacher?

Der Autor kriegt für sein Skript einen Scheck wie ein Automechaniker. Das war’s.

Das ist ja voll unfair!

Nun gut, aber WENN wir bezahlt werden, werden wir ziemlich gut bezahlt. Wer sich in der Branche etabliert hat, muss gewöhnlich nicht mehr in der Studentenkantine essen.

Hat der nicht gewerkschaftlich organisierte Autor denn gar keine Möglichkeit, sich zu wehren?

Schon. Sofern er Geld auf dem Konto hat, kann er bei einem "unmoralischen Angebot" einfach mal nein sagen. Hat er einen Agenten, wirft sich dieser für ihn in die Bresche. Doch seine stärkste Waffe ist sein Talent (so er denn welches hat): Alle Sender, alle Produzenten, alle Zuschauer – sie dürsten nach guten Drehbüchern, nach tollen Serien, nach spannenden Geschichten. Wer das bieten kann, darf auch Ansprüche stellen. Die Kreativität ist des Autoren Währung, und sie läßt sich prima in bare Münze tauschen. It’s a dog eat dog world.

Wird sich die Situation jemals ändern – wird es vielleicht doch irgendwann auch hier eine Autorengewerkschaft geben?

Nein.

Nachtrag: In den USA kommt Bewegung in die Sache

Nachtrag 2: Der entzückende Beitrag von Leser Tornhill zum Thema Nerv-Kommentatoren:

wortvogelschutzem5.jpg



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Tornhill
19. Januar, 2008 17:01

Hey, das war wirklich mal wieder ein interessanter Artikel!
Ich muss auch gestehen, dass ich über das ganze Thema noch gar nicht weiter drüber nachgedacht hatte: "Drüben jibbet sowat, hier nüscht – so isses eben".

Ich bin auch teilweise etwas gespalten, was die Idee einer (ich nenne es jetzt mal breiter) "Künstlergewerkschaft" angeht. Die Vorteile für die Masse und besonders die "kleinen Leute" wären zweiffellos da, wie du ja auch ausführtest, aber irgendwie klingt es einfach nach einer unbehaglichen Herangehensweise für eine doch etwas ungewöhnliche Branche.

Wortvogel
Wortvogel
19. Januar, 2008 17:13

Na ja, ich selbst würde mich durchaus so einer Gewerkschaft anschließen, wenn sich denn wirklich ALLE darauf einigen könnten. Weil aber der amerikanische Background fehlt, müsste man es hier konkret gesetzlich einfordern – ab Tag X müssen Autoren, die für die Sender arbeiten wollen, Mitglied der neuen Gewerkschaft sein. Das ginge. Aber wer hat Interesse daran?

Ist ja nicht so, dass es keine Institutionen gibt, die den Autoren beistehen – KSK und VG Wort/Bild seien genannt. Das könnte man eigentlich alles prima in einer Autorengewerkschaft zusammenlegen.

Lars
Lars
19. Januar, 2008 18:49

Mal eine Frage zu den Streikbrechern: Wieso heuern die US Sender nicht einfach britische oder deutsche Drehbuchautoren an (die Drehbücher könnte man ja ohne Probleme übersetzen) oder gibt es Regelgungen, dass die Produzenten nur WGA-Drehbuchautoren benutzen dürfen?

Wortvogel
Wortvogel
19. Januar, 2008 19:03

@ Lars: Genau so ist es – wer den Streik bricht, muss mit massiven Sanktionen rechnen. Das kann sich niemand erlauben. Denn letztlich brauchen alle Studios und Produtionsfirmen die WGA, die DGA, etc.

rosenrot
rosenrot
20. Januar, 2008 15:13

es wäre ein segen für deutschland, wenn gewisse "autoren", deren geplapper (wie in diesem falle) nicht mal für die yellow press taugte, nicht nur streikten, sondern sich für immer verabschiedeten.

aber ich bin mir ganz sicher: das niveau jener "unterhaltungselektroniker", die meist verpackung mit inhalt verwechseln und die fast ausschließlich am harz-vier-prekariat schmarotzen, wird dadurch nicht besser. muss es ja auch nicht, denn die herrschaften sind allesamt ganz unter sich, merken nicht, dass die welt eine ganz andere ist als ihr virtueller kreislauf primitivsten zuschnittes. wären sie fort, es vermisste sie niemand.

ich stelle mir vor, in einem schweinestall streikte das vieh und beschlösse, keinen mist mehr zu machen: eine drohung?…*giggle*….nein, eher wohl nicht. es wäre ein segen für alle anderen, und die luft im ort würde sofort besser.

Wortvogel
Wortvogel
20. Januar, 2008 15:27

Zum Verständnis der obigen Tirade bitte hier nachlesen: http://www.filmjournalisten.de/?p=334

Die Kulturbewahrer schauen (unter besonderer Verachtung des Pöbels) beim Vogel vorbei. Ich lasse das mal stehen, bis es mir zu dumm wird – dann lösche ich den Kappes.

Da ich morgen in Urlaub fahre, und auch nicht wirklich Lust habe, mich provozieren zu lassen, bitte ich hiermit meine anderen regelmäßigen Leser um Reaktion auf Rosenrots Kommentar: Zustimmung? Ablehnung?

Peroy
Peroy
20. Januar, 2008 16:48

"es wäre ein segen für deutschland, wenn gewisse “autoren”, deren geplapper (wie in diesem falle) nicht mal für die yellow press taugte, nicht nur streikten, sondern sich für immer verabschiedeten.

aber ich bin mir ganz sicher: das niveau jener “unterhaltungselektroniker”, die meist verpackung mit inhalt verwechseln und die fast ausschließlich am harz-vier-prekariat schmarotzen, wird dadurch nicht besser. muss es ja auch nicht, denn die herrschaften sind allesamt ganz unter sich, merken nicht, dass die welt eine ganz andere ist als ihr virtueller kreislauf primitivsten zuschnittes. wären sie fort, es vermisste sie niemand.

ich stelle mir vor, in einem schweinestall streikte das vieh und beschlösse, keinen mist mehr zu machen: eine drohung?…*giggle*….nein, eher wohl nicht. es wäre ein segen für alle anderen, und die luft im ort würde sofort besser."

Diese Grammatik… diese Wortwahl… das ist… so wunderschön…

Wie er sich weigert, das Wort "würde" zu benutzen… stattdessen "taugte", "streikte", "beschlösse". Das klingt so intelligent und hochgeschossen, ich nehm' ihm das voll ab. Eindeutig, der Mann weiß, wovon er redet und ich bin bereit, ihm blind in eine rosige Zukunft zu folgen, in der die Mist produzierenden Autoren sich gerechtermaßen verabschiedet haben… für immer, verdammte Scheisse! 😀

Ich hab' jetzt ein Rohr.

Julian
20. Januar, 2008 16:58

Oh Mann, hat das denn kein Ende? Sämtliche Trolle haben ja mehrfach angekündigt, die betreffenden Blogs zukünftig zu ingorieren, weil sie ja unter deren Niveau seien, und dennoch tauchen sie immer wieder auf.

Ergo treffen die jeweiligen Blogautoren ja offenbar immer wieder den Nerv einer Sache, sonst würden die Trolle ja nicht doch noch mitlesen bzw. sich dann nicht auch noch zum "Kommentieren" hinreißen lassen.

Aussagen der untersten Kategorie in Schönschrift und mit Zuckerguß obendrauf abzusondern, verschleiert jedoch nicht die wahre Intention des Trolls, die einfach nur Nörgeln und Stören, Provozieren – und dabei natürlich anonym bleiben ist.

Wahres Kommentieren ist meiner Meinung nach etwas anderes und zeichnet sich üblicherweise durch Toleranz gegenüber anderen Meinungen und Benutzung des eigenen Gehirns aus. Wer das nicht kann, sollte mit anderen Trollen einen Trollblog aufmachen, dann können die sich gegenseitig die Birne einschlagen, mir egal. Und wer was zu sagen hat, kann gern auch derben Ton verwenden, denn eine Aussage muß im Gegensatz zum Ton immer mit minimal 51% gewichtet werden.

*sheesh*

Dr. Acula
20. Januar, 2008 18:50

Ich bin schon ganz begeistert ob des furchtbar nonkonformistischen Kleinschreibens…

Im übrigen hindert niemand Herrn Rosenrot daran, seinen Fernseher aus dem Fenster zu werfen, wenn von den 30 frei empfangbaren Programmen keines seinem intellektuellen Anspruch genügt.

Der Doc, gerade "Ich bin ein Star – holt mich hier raus" kuckend und sich amüsierend…

Tornhill
20. Januar, 2008 20:24

Ich glaube, das zu kommentieren reichen meine begrenzten Unterschichts-Sprachkenntnisse nicht aus…daher muss ich auf primitive Bildschriften zugreifen, meine Eindrücke zu übermitteln:

http://img221.imageshack.us/my.php?image=wortvogelschutzem5.jpg

Dr. Acula
20. Januar, 2008 20:33

@Torni
LOL!LOL!LOL!

Generell ist das etwas, was ich auch bei Stefan Niggemeier in den Comments immer häufiger lese – dieses pseudoelitäre "muss man Fernsehperson XY kennen?" (mit dem ungesagten "wo ich doch ein hochintellektueller Akademiker bin, der sich mit niederem Pöbel nicht abgeben will…"). Dann haltet euch aus Medienblogs raus…

Wortvogel
Wortvogel
20. Januar, 2008 20:44

Danke Torni – siehe Artikel-Ende!

Carschti
Carschti
21. Januar, 2008 08:32

Hmmm, irgendwie treibt mich der Beitrag mal wieder zum seltenem Kommentar-schreiben…beziehungsweise mein Unwissen darüber.

Ich hab auch nach dem lesen des Beitrags nicht wirklich eine Ahnung, WARUM die Autoren in den USA nun streiken, aber trotzdem fand ich den Beitrag hilfreich für ein erstes Verständnis. Es bringt einem zumindest etwas eine Materie näher, die man nicht kennt und ich gebe zu, ich bin was das betrifft zu 100% ungebildet.

Deshalb nur eine Frage für das bessere Verständnis: Kann man den Autorenstreit in den USA mit dem Lokführerstreik bei uns vergleichen?

Mit der Materie nicht vertrauter aber doch treuer Leser erbittet hilfreiche Antwort. Danke.

Nachtrag: Etwas fällt mir da grad noch ein, als ich den Link zu "DiD" verfolgt hab. Mich wundert da irgendwie die Ausdruckweise vom Wortvogel (der im Comic oben ügrigens richtig gut getroffen wurde 🙂 )…sowas wie "Pit, du bist ein saublöder Maulaufreisser, der keine Ahnung hat, wovon er redet."…wollts nur mal anmerken.
Nun denn, schönen Gruß aus Hamburg 🙂

Wortvogel
Wortvogel
21. Januar, 2008 08:42

@ Carschti: Die US-Autoren streiken, weil sie nicht nur für Ausstrahlungen im Fernsehen Tantiemen bekommen wollen, sondern auch für DVD- und Internet-Auswertungen. Gerade bei DVD Box Sets für TV-Serien verdienen sich die Studios massiv eine goldene Nase, aber der Autor schaut in die Röhre.

Was meine Ausdrucksweise beim Filmjournalisten angeht: Manche Leute drücken bei mir die richtigen Knöpfe – und schon kommt der Gesamtschüler raus. Da stehe ich aber auch zu. Es gibt Situationen, in denen braucht es was vor den Latz.

Carschti
Carschti
21. Januar, 2008 08:51

Hui, das ging ja fix.

Danke für die schnelle Antwort. Aber wenn die werten herren Autoren auch an den DVD-Sets der Serien beteiligt werden wollen, was ja eigentlich ihr gutes Recht ist, werden die noch teurer…ich find schon 25€ für eine Staffel Futurama arg teuer, aber was tut man nicht alles für seine Serienlieblinge 😀

Wortvogel
Wortvogel
21. Januar, 2008 08:58

Nein, die Sets sollen nicht teurer werden – die Gewinn-Margen der Produzenten sollen schrumpfen. Wo die Firma z.B. an "Futurama" momentan (in die Tüte gesprochen) 8 Euro Reingewinn macht, sollen es künftig (auch wieder Tüte) 7,50 Euro sein, damit der Autor sich ein paar neue Socken kaufen kann.

comicfreak
comicfreak
21. Januar, 2008 13:37

*töröööööööööööööööööö*
*Taschentuch_einpack*

..so, erkältungsbedingt etwas spät zugestiegen, aber immerhin.

Also, um die Qualität der Serie, bzw. den Intelligenzquotienten der Serienzielgruppe geht´s ja wohl nüscht, denn solange die Intelligenz, bzw. auch der Mangel daran, so breit gestreut sind, muss es natürlich für jeden ein verständliches Fernsehprogramm geben.
Soviel zum Röschen.

WAS produziert wird, entscheidet ja nicht der Autor, sondern der Produzent 😉

Die Idee, dass nicht die Preise steigen, sondern "nur" der Gewinn des geldgierigen Produzenten sinkt, damit der Künstler endlich die Sonne sieht, ist herrlich, betörend, und anziehend und..
..tja..
..utopisch?!

Wäre klasse, aber setzt sich wohl nicht durch (ehrlich, wäre ich der stinkreiche Produzent, wäre mir das Leiden des Hungerkünstlers wohl auch egal), obwohl das höchst verwerflich ist!

*zeigefinger*

Noch Fragen?

rosenrot
rosenrot
1. Februar, 2008 14:04

wie schön, comicfreak, dass wenigstens du unterstellst, bei mir könnte es sich eventuell um ein weibliches wesen handeln.

deine meinung, das klientel der sich hier wichtig machenden "autoren", also jenes geistige prekariat, das mit einem schatz von etwa 350 wörtern über die runden kommt und nur zwei fälle bedienen kann, habe nichts besseres verdient als seinesgleichen, kann und will ich nicht teilen. schon gar nicht, wenn berücksichtigt wird, dass bei dieser form von gegenseitiger verblödung vor allem kiddies auf der strecke bleiben, bei denen ganz gewiss nicht aller hopfen und malz verloren wäre.

neinein. in-öffentlichen-medien-unterwegs-befindlich-sein- wollende (um euch freundlich mal so zu klassifizieren) haben nicht nur sog. "künstlerische" freiheiten (wobei nach rezenten gerichtsbeschlüssen "künstlerisch" nicht unbedingt mit kunst gleichzusetzen ist, sondern auch der letzte dreck der abgabepflicht unterliegt) – sie tragen verwantwortung, ob es ihnen passt oder nicht.

und das ist der grund, weswegen ich mich hier nochmal zu wort melde. sonst nichts.

comicfreak
comicfreak
8. Februar, 2008 10:27

@ rosenrot

..aber von künstlerischer Verantwortung wird man nicht satt.

Wenn der Produzent nur "niedere Schiene" will, muss der Autor das schreiben, oder im ALDI Regale auffüllen.

Noch sind wir nicht ganz in der perfekten Welt 😉

Wortvogel
Wortvogel
8. Februar, 2008 11:53

@ Comicfreak: Jein. Kein Produzent WILL "niedere Schiene". Jeder würde gerne Brecht machen – oder bei einfachen Massenprogrammen wie "Niedrig & Kuhnt" zumindest innerhalb des Formats gute Skripts umsetzen. Es liegt an Senderintervention, mangelnder Erfahrung, fehlenden Schreibern, zu geringen Budgets. Aber ich sage es nach fast 20 Jahren in der Branche immer wieder gern: ES IST KEINE BÖSE ABSICHT. Und es ist auch kein Zynismus nach dem Motto: Der Zuschauer wird den Dreck schon fressen. Das wird oft falsch verstanden.

comicfreak
comicfreak
8. Februar, 2008 12:27

..naja, aber gerade diese Absicht unterstellt Kalkove ja auch in oben verlinkter Rede 😉

Können wir uns darauf einigen:
Irgendwer wichtiges in der Entscheidungskette zwischen toller Idee, falscher Auslegung der Quoten und anspruchsvollem Zuschauer baut regelmäßig Mist?

🙂

Wortvogel
Wortvogel
8. Februar, 2008 12:53

DAS mit Sicherheit. Und Inkompetenz und Talentlosigkeit sind ja auch keine ausreichenden Entschuldigungen. Nur dieses Feindbild geht mir ein wenig auf den Senkel. Als würden z.B. die ProSieben-Programmplaner jetzt diebisch grinsend ihre Hände reiben: "HA! Unser Plan ist aufgegangen! Scheiß-Sendeplatz und wenig Werbung haben dafür gesorgt, dass wir unseren teuren Neueinkauf Dr. Who schon nach drei Folgen absetzen können! DAS wird die SF-Fans in ihre Schranken weisen!"

comicfreak
comicfreak
8. Februar, 2008 19:14

..okay, das ist doch mal ein ganz neuer Denkansatz..
*rofl*

Vielleicht gegenseitig eingeschleuste Saboteure der Konkurrenz: der betroffene Sender soll durch fehlgeleitete Programmplanung in den Ruin getrieben werden, um zum Schnäppchenpreis von der Konkurrenz geschluckt zu werden; da aber alle Sender diese geniale Idee hatten, befinden wir uns in einer tödlichen Abwärtsspirale..

*muahaha*